Artikel

Emmerich Nyikos: Schattenwelt oder: Das postmoderne Verschwinden des Werts • Petra Ziegler/Andreas Exner: Kein Staat zu machen oder: Warum Keynes unsexy ist • Alfred Fresin: Der bürgerliche Staat. Kritik und Alternativen • Franz Schandl: Das Besondere und das Allgemeine. Spurenelemente einer Kritik des Staates. Inklusive Hegels Hymnen • Peter Samol: Wahl und Qual. Von der Unterschiedslosigkeit der Parteien • Paolo Lago: Die Angst Italiens vor den Fremden • Peter Pott: Staat ohne Staatsapparat • Joachim Hirsch: Krise und staatliche Transformation • Der Staat und ich: mit Beiträgen von Dominika Meindl, Martin Scheuringer und Andreas Exner • Andreas Exner: Die „Große Transformation“ zur „Großen Kooperation“. Commons, Markt, Kapital und Staat • Lorenz Glatz: Die „Konsumismusglocke“ • Andreas Exner: Dissidenz

Kolumnen

Dead Men Working – Maria Wölflingseder: Zustände • Rückkopplungen – Roger Behrens: Realismus • Immaterial World – Stefan Meretz: Kritische Kategorien •

Rezensionen

Franz Schandl (F.S.) zu jour fixe initiative berlin (Hg.): Souveränitäten. Von Staatsmenschen und Staatsmaschinen • Andreas Exner (A.E.) zu „…ums Ganze!“-Bündnis (Hg.): Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit

Artikel aus dem Heft

Streifzüge 49/2010 von Andreas Exner Dissidenz ist die conditio autonomer Aktivität. Sie beginnt in den Familien, fährt fort in den Schulen, an den Universitäten, in den Ausbildungsgängen, den Arbeitsämtern, den Parteien, Gewerkschaften und NGOs, in den Medienbetrieben, an den Arbeitsplätzen, vor den TV-Geräten und den Facebooks, schlicht in allen Funktionen, die eine funktionierende Gesellscha...

Streifzüge 49/2010 KOLUMNE Immaterial World von Stefan Meretz Die Aufgabe kritischer Kategorien ist es, die immer vorhandene doppelte Möglichkeit, affirmativ oder alternativ handeln zu können, sichtbar zu machen. Der individuelle Mensch im Kapitalismus ist nicht nur Unterworfener der gegebenen, sondern auch Schöpfer von neuen Bedingungen. Die Beschaffenheit der zu schaffenden Bedingungen hängt ...

Streifzüge 49 / 2010 von Lorenz Glatz „Die Konsumismusglocke hängt über dem ganzen Land“, sagt die Dramatikerin Milena Markovic, um die mentale Misere ihres krisengeschüttelten Herkunftslandes zu charakterisieren (Der Standard, 26.5.10). Vielleicht ist der Konsumismus in Serbien deshalb so deutlich erkennbar, weil es den meisten Leuten schon beträchtlich schwerer fällt als hierzulande, mit sein...

Commons, Markt, Kapital und Staat Streifzüge 49/2010 von Andreas Exner Die Potenziale der Commons-Debatte… Im Commons-Ansatz deutet sich zur Zeit, neben dem der Solidarischen Ökonomie, am stärksten die Richtung einer Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise an. Dies aus mehreren Gründen. Zuerst einmal dreht sich die Commons-Debatte im Kern um soziale Praxen abseits von Kapital, Marktbe...

Streifzüge 49 / 2010 von Roger Behrens „Man muss so radikal sein wie die Wirklichkeit“, heißt es in Bertolt Brechts „Me-ti – Buch der Wendungen“ (GW Bd. 12, S. 515). – „Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst“, erklärt Marx in seiner „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ 1844. Fünf Jahre später, 1849, setzt Gustave Courbet mit ...

Streifzüge 49/2010 von Andreas Exner Meine früheste Erinnerung an den Staat geht so: Ein Volksschulknirps befindet sich auf der Fahrt mit Bruder, Mama, Papa ins hitzeflirrend sommerliche Burgenland – Badetrip an den Neusiedlersee. Vorbei ziehen sommergelbe Weizenfelder, die unvermeidlichen Pyramidenpappeln säumen die Straße. Der Knirps stellt aus in der Tat heiterem Himmel eine Frage in den drü...

Streifzüge 49/2010 von Martin Scheuringer Ich gesteh’ es: Emanzipatorische Praxis ohne Pädagogik reizt mich, Seminare zur Wertkritik sind nicht meins. Ich bitte um Nachsicht. Ich habe also ein kleines Experiment in den Alltag meiner Kollegen gepflanzt – und hoffe ganz vermessen, dass diese das bürgerliche Bewusstsein an seine Existenzangst bringende Intervention Spuren in den eingeschliffenen B...

Streifzüge 49/2010 von Dominika Meindl Der Staat und ich – geht’s vielleicht eine Nummer kleiner? Ich meine, beides ist thematisch etwa so breit wie Russland oder ein Nachmittag im Zahnarztzimmer. Aber weil ich die Streifzüge so innig leiden mag, werfe ich flugs die stotternde Assoziationsmaschine an. Erstes kopfinternes Browse-Ergebnis: meine Beziehung zu Vater Staat. Hier ein paar vulgärpsych...

Streifzüge 49/2010 von Joachim Hirsch Glaubt man den PolitikerInnen und ExpertInnen, so dauert die große Krise zwar noch an, aber man habe die Wirtschaft doch wieder im Griff. War also alles gar nicht so schlimm oder ist zumindest das Schlimmste überstanden? Wohl nicht, denn gleichzeitig wird die Bevölkerung auf zukünftige schwere Lasten eingestimmt. Diese werden in der Tat enorm sein und sich ...

Streifzüge 49/2010 - Kolumne Dead Men Working von Maria Wölflingseder Das deutsche Wort „Staat“ ist dem lateinischen status („Stand, Zustand, Stellung“) entlehnt. Staat – Zustand – Ausnahmezustand? Ein Beispiel für die unregelmäßige Steigerung von gesellschaftlichen Verhältnissen? Zustand? Ausnahmezustand? Eine passende Bezeichnung aus der Umgangssprache für die Spezialbehandlung, die der Staat...

Streifzüge 49 / 2010 von Peter Pott Am Anfang war… War was? Die Dichter und Denker sind sich uneinig. Der eine sagt: das Wort! Der andere: die Tat! Wieder ein anderer: der Schrei! Nietzsche: Der Wille, „aber nicht Wille zum Leben, sondern – so lehre ich’s dich – Wille zur Macht“ (Bd. II, S. 371f., Also sprach Zarathustra). Hegel sagt: „In der Wirklichkeit ist darum der Staat überhaupt vielmehr ...

Streifzüge 49 /Juli 2010 von Paolo Lago (bearbeitet und aus dem Italienischen übersetzt von Lorenz Glatz) testo italiano Ein fundamentales Charakteristikum der postmodernen Staaten scheint die Angst zu sein. Um dieser abzuhelfen, hat jeder Staat eine eigene Abwehr errichtet. Vielleicht ist schon die Schaffung der EU eine Art Abwehr der reicheren und „fortgeschritteneren“ Länder gegen die armen ...

(con un riferimento particolare alla realtà italiana) Streifzüge 49 / Luglio 2010 di Paolo Lago deutsche Übersetzung La caratteristica fondamentale degli Stati postmoderni sembra essere la paura; per rimediare a questa forma di paura ogni stato ha costruito una propria difesa. Si può dire che la stessa creazione dell'Unione Europea è stata una forma di difesa dei paesi più ricchi e più 'avanzat...

Von der Unterschiedslosigkeit der Parteien Streifzüge 49/2010 von Peter Samol Angeblich werden in Demokratien durch Wahlen wesentliche Fragen der Gesellschaftsordnung frei bestimmt. Aber zur Wahl stehen ausschließlich Personen und Parteien. Die gesellschaftlichen Grundstrukturen, die ihrerseits wesentlich ökonomisch bestimmt sind, stehen dagegen nicht zur Disposition. Obendrein sieht sich das p...

Gegen bequeme Distanzierungen und voreilige Schlüsse Streifzüge 49/2010 (Langfassung) Von Franz Schandl Sammelbände. Nicht selten beschleicht einen das komische Gefühl, dass Artikel nicht nach einem Konzept in Auftrag gegeben worden sind, sondern einfach zusammen getragen wurden. So etwas kann durchaus aufgehen, hier jedoch ist das nicht der Fall. Der ganze Band wirkt wenig ambitioniert, so als...

Spurenelemente einer Kritik des Staates. Inklusive Hegels Hymnen

Die Frage, was der Staat ist, ist doch von eminenter Bedeutung. Unsere Sicht soll noch einmal resümiert und an einigen Punkten auch präzisiert werden. Freilich ist das alles nur kursorisch und kann keine umfassende Untersuchung ersetzen.

Kritik und Alternativen Streifzüge 49/2010 von Alfred Fresin Der bürgerliche Staat übt per Staatsgewalt Herrschaft über ein Staatsvolk in einem gewissen Territorium aus. Er beansprucht diesbezüglich das Gewaltmonopol. Seine heutige Herrschaftsform ist die Demokratie, seine Wirtschaftsform der Kapitalismus. Der Zweck dieses Staates besteht in der Benutzung der kapitalistischen Wirtschaft, um sei...

Streifzüge 49/2010 von Petra Ziegler und Andreas Exner Die Krise gilt großen Teilen der Linken als Spätfolge politischer Entscheidungen, deren Korrektur mehr als überfällig ist. Entsprechend harsch fällt das Urteil gegen die herrschende politische Klasse aus: wenig einsichtig, unwillig, hörig gegenüber den Interessen der Finanzindustrie. „Obwohl die gegenwärtige Lage durch geringes und unsicher...

Streifzüge 49/2010 von Tomasz Konicz Jetzt – da der Kapitalismus am Ende ist – müsste mensch Politiker sein. Derzeit muss sich unsere politische Klasse nämlich zwischen zwei alternativen Wegen in den Systemkollaps entscheiden. Sollen jetzt drakonische Sparmaßnahmen ergriffen werden, die auf eine Sanierung des Staatshaushalts abzielen – und sofort einen verheerenden wirtschaftlichen Einbruch aus...

Überlegungen zu einer Theorie der Unwirklichkeit Streifzüge 49 / Juli 2010 von Emmerich Nyikos 1. Bisweilen kann es auch vorkommen, dass (Meister-)Denker einen Ausdruck prägen, der malgré eux den Geist einer Epoche präzis auf den Punkt bringt. So geschehen mit dem mot d́’ordre, das die Gegenwart feiert und als Postmoderne firmiert. Man könnte dies auch die List der semiologischen Vernunft nenne...