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Chronologisch

    Was kann Recht und was kann es nicht? – Das ist vielleicht die fundamentale Frage, die wir in der nächsten Ausgabe stellen. Und ist Gerechtigkeit eine Richtschnur oder ist sie lediglich eine Leerformel, die wie viele andere auch angebetet werden will? Ist Gerechtigkeit bloß eine Frage der Proportion oder ist mehr darunter zu verstehen?

    Da hat man doch einfach dafür zu sein. Außer rechtspopulistischen Schmuddelkindern und einigen Altlinken sehen wir doch alle dort unsere Zukunft. Oder? Und gegen den Nationalismus sind wir ja sowieso. Aber ist das EU-Projekt antinationalistisch? Wir wollen gar nicht so böse sein und an Frontex und die Toten an der Mittelmeerfront denken, wir denken z.B. vorerst nur an den Standort oder die Drangsalierung und Demütigung der Griechen durch die EU-Spitzen im Jahr 2015. Natürlich ist der Nationalstaat keine Alternative zu Europa, aber ist Europa eine Alternative zum Nationalstaat? Was heißt Festung Europa? Das liberale Diktat ist jedenfalls Norm.

    Zwar wird oft konstatiert, dass Menschen zunehmend am Lärm leiden, doch systematische Untersuchungen gibt es kaum. Dass Dauerlärm Stress erzeugt und krank macht, ist bekannt, aber müssen wir das nicht einfach hinnehmen bei all den Wohltätigkeiten, die das Laute so abwirft. Kein Pullover, keine Hose soll mehr verkauft werden ohne Zwangsbeschallung. Wer gibt den Ton an? Wer dröhnt wen warum zu? Das Laute nimmt sich jedenfalls das Recht heraus, Recht zu haben und Recht zu kriegen.

    Die Frühjahrsnummer 2019, zu der auch Artikel außerhalb des Schwerpunktthemas willkommen sind, handelt von ANTIPOLITIK. Dass wir hier etwas gegen Politik haben und daher akkurat auch nicht auf eine andere Politik drängen, dürfte sich schon rumgesprochen haben. Auf identitäre Interessen von Charaktermasken zu setzen, ist nicht unser Ziel.

    Haben hat jedenfalls eine große Varianz. Bei Haben denkt man sofort an Besitz und Eigentum, an Verfügungsgewalten, wo andere aufgrund eines Rechtstitels ausgeschlossen werden können. Daran an schließt das klassische Problem der alten Arbeiterbewegung: die Frage nach dem Charakter des Privateigentums und die Möglichkeit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel.

    Wir haben ihm nicht nur viel zu verdanken, bauen auf gar vielem auf und an, aber stehen doch auch in Distanz zu dem, was sich so gemeinhin als Marxismus versteht. Die klassische Arbeiterbewegung und ihre Moränen sind so unsere Sache nicht.

    Wieviel „Ich“ kann werden im Zustand gesamtgesellschaftlicher Unbewusstheit? Bin ich ich, bin ich viele oder doch ein ganz anderer? Die Beschäftigung mit dem „lieben Selbst“, die stete Fokussierung auf die eigene Befindlichkeit, die Suche nach „Identität“ scheinen vielen ein wachsendes Bedürfnis.

    Das Arbeitslos und die Arbeitslosigkeit könnte man durchaus als zentrale lebensweltliche Probleme der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft auffassen. Arbeit wird als Bestimmungsstück der Menschen begriffen. Geht sie verloren, gehen die Verlierer gleich mit.

    Ist das nicht ganz fad? In der Kritik der politischen Ökonomie kommt er stiefmütterlich weg oder besser gesagt kaum vor. Alles zentriert und positioniert sich auf und um den Wert, die Wertform, den Tauschwert, die abstrakte Arbeit und das Geld. Manchmal wird ganz so getan, als würde der Gebrauchswert kein analytisches und sonstiges Problem darstellen, so als handele es sich bei ihm um ein krudes Produkt.

    Alle reden davon, vor allem vom grassierenden Rechtspopulismus, doch was sagt die Formel aus, und vor allem – trifft sie? Erschien vor 15 Jahren der Terminus noch als tauglicher Hilfsbegriff (insbesondere um sich nicht der billigen Rechtsextremismusformel und damit der Totalitarismustheorie zu unterwerfen), so ist jener heute ziemlich fragwürdig geworden