„Unser Leben ist der Mord durch Arbeit; wir hängen vierzig Jahre lang am Strick und zappeln, aber wir werden uns losschneiden.“ (Georg Büchner)
Die Arbeitsgesellschaft nähert sich dem Gipfel ihrer Destruktivkraft. In ebenso logischer wie wahnwitziger Konsequenz erhöht sie Arbeitszwang und -intensität und damit den Leidensdruck jener, die Arbeit haben und derer, die – aus welchen Gründen immer – Abstinenz üben, sowieso. Via Arbeit betreiben wir ein (auto)aggressives und zerstörerisches System, in dem wir gefangen sind. Der Großteil unserer Existenz erschöpft sich in der Arbeit und in all den vorgelagerten und nachgelagerten Tätigkeiten. Dieses unentwegte Treiben, das uns in Beschlag nimmt, ist überall spürbar: in den Lebensmitteln, in den Behausungen, in den Beziehungen, ja an den Körpern und Geistern, die physisch und psychisch outburnen.
Arbeit ist vermarktbare Tätigkeit. Was im Kapitalismus zählt, lässt sich in mehr Geld verwandeln, was bloß gebraucht wird, zählt nicht. Dabei spielt es keine Rolle, was getan wird, es geht alleine um die unendliche Vermehrung von Geld um seiner selbst willen. Als Kauf- und Verkaufssubjekt, nutzenmaximierend, konkurrierend und kalkulierend soll unsereins die Arbeitswelt bevölkern. Trost und Zerstreuung bietet vorzugsweise billiger Warenschrott, der dank „planned obsolescence“ immer rascher ersetzt werden muss.
Wir alle hängen an der Arbeit, solange unser (nicht nur im engeren Sinn) materielles Leben und Überleben an das gekoppelt bleibt, was bei der Mehrung des Geldes für uns abfällt. Wir leben davon, uns zu ruinieren. Was hindert uns, unsere Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kreativität für das gute Leben nutzbar zu machen? Wir wären längst in der Lage alles für ein denkbar angenehmes Auskommen aller bereitzustellen und gleichzeitig auf alles Leben und begrenzte Ressourcen Rücksicht zu nehmen.
Arbeiten meint schuften. Arbeiten ist keine Tugend, sondern gemeingefährlicher Unfug. Kreativität und Muße haben Arbeit zu ersetzen. Dass wir dann nichts mehr tun, ist Humbug. Die Arbeit ist das Irrlicht der Moderne. Schalten wir es ab.
Einführendes
zum Einstieg ins Thema
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! Dieser zynische Grundsatz gilt noch immer – und heute mehr denn je, gerade weil er hoffnungslos obsolet wird. Es ist absurd: Die Gesellschaft war niemals so sehr Arbeitsgesellschaft wie in einer Zeit, in der die Arbeit überflüssig gemacht wird. Gerade in ihrem Tod entpuppt sich die Arbeit als totalitäre Macht, die keinen anderen Gott neben sich duldet.
Beitrag zur Demontage einer Vielgepriesenen
Unser kreatives, wissenschaftliches, technisch-automatives, kurz, unser produktives Potential, versetzt uns längst in die Lage, in immer kürzerer Zeit die notwendigen Gebrauchsgüter und darüber hinaus die Grundlagen für ein denkbar feines Auskommen aller bereitzustellen. Die moderne warenproduzierende Gesellschaft bringt das Kunststück fertig, das Erreichte gegen sich selbst zu wenden.
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Völlig unbeeindruckt herrscht in der politischen Arena der Jargon der Arbeit. Ob das der ehemalige niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll ist, der in der ihm eigenen Penetranz stets „Hart arbeiten“ plakatieren ließ, oder Kurzzeitkanzler Christian Kern, der im abgelaufenen Wahlkampf nicht müde wurde, euphorisch von den „hart arbeitenden Menschen“ zu schwadronieren.
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Es gibt Wörter, deren Wirkung sich nicht darin erschöpft, ausgesprochen zu werden. Sie stiften Wahrheiten und modellieren Wirklichkeiten. Das Wort „Arbeitslosigkeit“ war für die österreichische Sozialdemokratie der 1930er Jahre eines davon.
Notizen zur Sozialkritik
Vergessen wir nicht, der Sozialstaat war stets eine Notlösung. Anstatt von der Not zu erlösen, hat er sie bearbeitet und verwaltet. Vergessen wir auch nicht, dass sein Medium immer Geld gewesen ist. Wenn es sich nun finanziell nicht mehr ausgeht, ist der Sparstift unvermeidbar und angesagt. Ritualisiertes Opfern steht auf der Tagesordnung.
Reflexionen aus der gesellschaftlichen Praxis
Es war das Jahr 1982, als ich zum ersten Mal die Pforte der Hohenstaufengasse 2 durchschritt. Freunde hatten mich mitgenommen. Unzählige Male habe ich bis zuletzt dieses Haus betreten. Doch die damalige Situation ist heute unvorstellbar.