Aufmacher

Tomasz Konicz: Oligarchie et Staatszerfall. Ein kurzer Blick auf Ursachen
und weitere Entfaltung des Ukraine-Konflikts

Schwerpunkt Democrazy

Franz Schandl: Democrazy! Verächtliche Widerreden zu einem Form- und Glaubensprinzip
Emmerich Nyikos: Freedom and Democracy oder: Über die Obsoletheit der Privatperspektive
im Bereich der Gesellschaft
Peter Klein: Die wahre Demokratie
Alfred Fresin: Die Volksherrschaft und ihre Wahlen. Ein paar Anmerkungen zur Demokratie
Ewgeniy Kasakow: „Wenn erst mal alle Betroffenen mitentscheiden…“ Zur Kritik einer beliebten linken Phrase
Franz Schandl: Freie Meinung? Freier Wille? Eintragungen zum bürgerlichen Subjekt der Selbstbeherrschung

Home Stories: mit Beiträgen von Martin Scheuringer, Franz Schandl und Severin Heilmann

Weitere Artikel

Meinhard Creydt: Fetisch Vielheit. Pluralität als Problem
Andreas Exner und Isabelle Schützenberger: Die souverän ernährte Stadt?
Potenziale und Grenzen des urbanen Gärtnerns (Teil II)
Dieter Braeg: Roboter und die Refaschisten. Arbeit in der Science-Fiction – Teil II

Kolumnen

Rückkopplungen| Roger Behrens: Jeans, 1984, „Born in the U.S.A.“
Dead Men Working| Maria Wölflingseder: Die Lust am da Sein
Immaterial World| Stefan Meretz: Shareconomy
Auslauf| Lorenz Glatz: Raus hier!

Rubrik 2000 abwärts

Lorenz Glatz: Mauern und Zäune

Rezensionen

Julian Bierwirth zu Michael Barthel & Benjamin Jung: Völkischer Antikapitalismus. Eine Einführung in die Kapitalismuskritik von rechts
Martin Scheuringer zu Martin Gilens, Benjamin I. Page: Testing Theories of American Politics: Elites, Interest Groups, and Average Citizens

 

Artikel aus dem Heft

In den USA besteht kein Zusammenhang zwischen dem Willen der Mehrheit und den beschlossenen Gesetzen, wenn man den Einfluss der ökonomischen Elite und der Interessensvertretungen kontrolliert. Das haben Martin Gilens und Benjamin I. Page herausgefunden.

Gegen den Kapitalismus haben ja fast alle etwas. Gerade heutzutage, nachdem das Ende der neoliberalen Boomphase der Finanzmärkte auch in den europäischen Zentren wieder deutlich gemacht hat, dass zur allseitigen Konkurrenz auch Verlierer*innen gehören.

Jeans als Stoff wird zur Textur des Pop; mehr noch: die Jeanshosen sind nicht länger Attribut des Pop, sondern sie sind Pop – als symbolische Substanz bzw. substanzielles Symbol.

Über Keimformen post-kapitalistischer Subjektivitäten

von Andreas Exner Die Rede von der Keimform suggeriert abgrenzbare soziale Orte, die sich entlang anderer Prinzipien organisieren als ihr Saatbett, die wachsen und einen neuen gesellschaftlichen Strukturbestand ausbilden. Das Neue, so heißt es dann entsprechend, werde im Schoß der alten Gesellschaft ausgebrütet. Unter bestimmten Bedingungen könne dieses Neue die alte Gesellschaft schlussendlich...

Potenziale und Grenzen des urbanen Gärtnerns (Teil II)

McClintock hat schon am Beispiel der Gemeinschaftsgärten in den USA gezeigt, dass urbane Gärten grundsätzlich einen wichtigen Beitrag zu einer materiellen Veränderung des ökologischen Verhältnisses urbaner Räume leisten können – und damit des Verhältnisses zwischen Stadt und Land (McClintock 2010).

Zur Kritik einer beliebten linken Phrase

Die These, dass das Problem an der gegenwärtigen Demokratie sei, dass nicht alle Betroffenen von politischen Entscheidungen diese auch selbst treffen dürfen, ist eines der häufigsten Topoi linker Kritik.

Ein paar Anmerkungen zur Demokratie

Die Demokratie ist eine Form bürgerlicher Herrschaft und bedeutet in die deutsche Sprache übertragen „Volksherrschaft“. Diese ist ein mit Macht und Gewalt ausgestattetes politisches System, gepaart mit einer Ökonomie namens Kapitalismus. Eine tragende Rolle in diesem System spielt das „Volk“

Die deutsche Künstlergruppe „Zentrum politischer Schönheit“ wollte zu den Feiern des 25. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer in Bulgarien den neuen Eisernen Vorhang an der EU-Außengrenze zur Türkei mit Bolzenschneidern öffnen.

Eintragungen zum bürgerlichen Subjekt der Selbstbeherrschung

Menschen haben nicht aufgehört Knechte zu sein, nachdem sie ihre eigenen Herren geworden sind. Darüber täuschen freilich die verdinglichten Herrschaftsstrukturen hinweg, wo sachliche Verhältnisse leibeigene Bezüge (feudale, familiale, patriarchale) abgelöst haben. Die Menschen herrschen zwar nicht, aber sie beherrschen sich.

Arbeit in der Science-Fiction – Teil II

Winston arbeitet, es ist in der Ullstein Taschenbuch Ausgabe die Seite 37 (Januar 1984 1373 bis 1573 Tsd. Auflage). Er sitzt vor den Gedächtnis-Löchern und arbeitet mit dem Sprechschreiber. Umschreiber, Nachrichtenfälscher.

Kolumne DEAD MEN WORKING

Wenn ich nach den täglich erzwungenen inspirations- und sinnlichkeitstötenden hirnverbrannten Aberwitzigkeiten bei meiner abendlichen widerständigen Routine der Wortschatzsuche unverhofft auf eine Goldader stoße, bin ich erst mal sprachlos.

Der gebildete Träger einer Verwaltungsfunktion im demokratischen Staat träumt von sich gern als Erfüller eines großen Auftrags für die Menschen. Gern stellt er sich als Steigerer der Wohlfahrt vor und motiviert sich so zur Arbeit im fortschrittlichen Staatsgefüge.

oder: Über die Obsoletheit der Privatperspektive im Bereich der Gesellschaft

Was ist der Staat, was auch immer seine Form sei, in welcher Weltregion und in welcher Epoche man ihn auch immer antreffen mag? Er ist die volonté générale der herrschenden Klasse, also der Klasse, welche die Produktionsmittel einer Gesellschaft in Form des Privateigentums kontrolliert.

Verächtliche Widerreden zu einem Form- und Glaubensprinzip

Dass man Markt und Geld, Konkurrenz und Kapital, Politik und Staat verwirft, mag angehen, solange die Demokratie unbescholten und unversehrt bleibt. Gegen alles darf man sein, nicht aber gegen die Demokratie.

Null, ja Minus – ist weithin das, was die Wirtschaft vom Wachstum mitbekommt. Auf dieser Grundlage lassen sich nicht einmal mehr die 0,etwas-Eckzinssätze finanzieren. Die Warenmengen, die bei der heutigen Produktivität ausgestoßen werden können, kann eins beim besten Marketing nicht mehr verhökern.

Normal ist, dass das, was heute normal ist, in oft gar nicht so ferner Zukunft als völlig verrückt erscheint. Die Demokratie wird einstmals dechiffriert sein als die Formation, in der die Nötigung sich als Freiheit aufspielte. Und in historischen Seminaren wird man beraten, warum sich das die Leute gefallen lassen haben. So zumindest die Prognose.

Ein kurzer Blick auf Ursachen und weitere Entfaltung des Ukraine-Konflikts

Die ukrainische Oligarchie konnte ihre politischen Machtpositionen im Endeffekt in einer neuen Konfiguration zumindest zeitweilig behaupten. Diese entzieht sich aber einem simplen Ost-West-Schema, denn es waren auch ostukrainische Oligarchen, die sich auf die Seite der prowestlichen Kräfte schlugen.

Demokratie ist immer ein bürgerliches Projekt gewesen, untrennbar verbunden mit dem Universum und vor allem auch dem Horizont von Wert und Kapital.