Völkischer Antikapitalismus. REZENS

von Julian Bierwirth

Michael Barthel & Benjamin Jung: Völkischer Antikapitalismus. Eine Einführung in die Kapitalismuskritik von rechts. Unrast Verlag 2013, 88 S., ca. 7,80 Euro

Gegen den Kapitalismus haben ja fast alle etwas. Gerade heutzutage, nachdem das Ende der neoliberalen Boomphase der Finanzmärkte auch in den europäischen Zentren wieder deutlich gemacht hat, dass zur allseitigen Konkurrenz auch Verlierer*innen gehören. Um so mehr stellt sich die Frage, wer da eigentlich was kritisiert. Was ist gemeint, wenn da von ,Kapitalismus‘ die Rede ist – und was ist die politische Perspektive, die daraus erfolgt?
Michael Barthel und Benjamin Jung haben nun eine informative Einführungsschrift in eine ganz spezielle Spielart der Kapitalismuskritik vorgelegt. Sie trägt den Titel „Völkischer Antikapitalismus“ und verspricht eine „Einführung in die Kapitalismuskritik von rechts“. Das ist in diesem Fall keineswegs affirmativ gemeint. Barthel und Jung zeichnen die Entstehungsgeschichte rechter Kapitalismuskritik nach, verweisen auf die Unterschiede zur Marxschen Kritik der Politischen Ökonomie und stellen auch aktuelle Positionen aus der zeitgenössischen rechten Szene, vor allem in Deutschland, vor.
Lesenswert ist hier vor allem der historische Teil, weil dort immer wieder die theoretischen wie strategischen Berührungspunkte, aber auch Differenzen zwischen Positionen der Arbeiter*innen-Bewegung und den Nationalsozialist*innen deutlich werden. Den theoretischen Background des Buches liefert dabei eine an Moishe Postone angelehnte Kapitalismuskritik. Denjenigen, die einen schnellen, aber doch erhellenden Blick auf die Systematik des völkischen Antikapitalismus werfen wollen, sei die Schrift daher empfohlen.

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