erschienen am 2.7.2012

Ernst Lohoff
und Norbert Trenkle:
Auf der Mülldeponie des fiktiven Kapitals.
Die Grenzen des finanzkapitalistischen Krisenaufschubs
und der Irrwitz der „Sparpolitik“

Artikel zum Schwerpunkt „Lust“

Severin Heilmann:
Maria Wölflingseder:

Roger Behrens:
Ricky Trang:

Franz Schandl:

Elisabeth Pein:
Peter Pott:
Meinhard Creydt:
Lorenz Glatz:

Home Stories:

Probe entfällt wegen Auftritt!
Lauter Lustbarkeiten – trotz alledem.
Das Leben zwischen Hingabe und Widerstand
Reduzierter Versuch über Lust und Liebe
Occupied by the Spectacle. Zu Raoul Vaneigem:
Zwischen der Trauer um die Welt und der Lust am Leben
Kurven der Lust.
Fragmente und Umrisse einer Typologie
Die Umarmung nach Picasso
Lust holt man sich. Mit Liebe
Wohl und Depression
Lust auf Befreiung.
Fünf Bemerkungen. Sprunghaft
mit Beiträgen von Martin Scheuringer und
Maria Wölflingseder

Andere Artikel

Peter Klein:
Peter Samol:
Erich Ribolits:
„Kapitalismus forever“. Zu W. Pohrts Buch
Pauschalausfälle
Kritische Bildung.
Königsweg zu einem veränderten gesellschaftlichen Sein?

Kolumnen

Immaterial World
Stefan Meretz:
Rückkopplungen
Roger Behrens:
Selbstentfaltung

I feel Love

Rubrik 2000 abwärts

Franz Schandl (F.S.):
Petra Ziegler (P.Z.):
Dominika Meindl (D.M.):
Peter Mitmasser (P.M.)
Lukas Hengl (L.H.)
Andreas Wally (A.W.)
Fehlbegriffe der Lust
Verlust
Über falsche Schnurrbärte
Essen ist der Sex des Alters
Schaukeln
Immun gegen Zecken

Artikel aus dem Heft

KOLUMNE Rückkopplungen Streifzüge 55/2012 von Roger Behrens Haare. – Der Protest gegen das Establishment muss sich gegen dieses als Ganzes richten. Das ist auch schon in den Sechzigern keine leichte Aufgabe. Der korporative Kapitalismus ist bis in die äußersten Innervationen der menschlichen Lebenszusammenhänge eingedrungen. Widerstand braucht deshalb, so Herbert Marcuse 1969 in seinem „Essay o...

Streifzüge 55/2012 2000 Zeichen abwärts von Andreas Wally Ein Freund hat meiner Frau erzählt, dass er seine Zecken-FSME-Immunität oder so hat überprüfen lassen, als die „Auffrischung“ seiner Impfung angestanden ist. Das kostet die Hälfte der Impfung. Es hat sich rentiert, er ist noch ein paar Jahre immun. Meine Frau ist in Sachen Vorsorgemedizin sehr gewissenhaft. Aber sie hat es so gemacht wie...

Königsweg zu einem veränderten gesellschaftlichen Sein? Streifzüge 55/2012 von Erich Ribolits Der französische Philosoph Michel Foucault hat im Rahmen eines Vortrags vor der „Société française de philosophie“ am 27. Mai 1978 erstmals einen Gedanken ausgeführt, der in der Folge zentrale Bedeutung in seinem Werk bekommen hat: Kritik hat ihre Grundlage im Wunsch, „nicht so und nicht dafür und nich...

Krankenhäuser werden auf Rentabilität getrimmt – mit lebensgefährlichen Folgen Streifzüge 55/2012 von Peter Samol Seit 1977 reißt in Deutschland die Kette der „Gesundheitsreformen“ nicht ab. Anlass ist jedes Mal die Senkung der so genannten Lohnnebenkosten. Der Löwenanteil des Gesundheitssystems wird nämlich durch Krankenversicherungsbeiträge finanziert, die auf der Grundlage gesetzlich festgel...

Streifzüge 55/2012 - Homestory von Maria Wölflingseder Selbst im blickdichten Wien passieren manchmal wahre Wunder an Schau-Spielen. In Wien, wo jeder Streifenpolizist ein Lied zu singen weiß über die „Grundangst des Wieners, Lebenslust zu sehen“. Da muss im Gemeindebau immer wieder mal Streit geschlichtet werden zwischen alteingesessenen Griesgrämigen und feiernden „Ausländern“. Aber was das A...

Streifzüge 55/2012 Homestories von Martin Scheuringer Beethovens Waldsteinsonate ist hervorragende Musik, sie nimmt mich ab dem ersten Ton auf eine lustvolle Reise, die im rasanten, aber leisen, ja schleichenden Laufen beginnt, das abrupt durch eine mit Inbrunst in die Klaviatur gedonnerte Akkordfolge unterbrochen und von einem irren leisen Rasen fortgesetzt wird. Das weckt schon alleine beim D...

Fünf Bemerkungen. Sprunghaft Streifzüge 55/2012 von Lorenz Glatz Dass Lust der Inbegriff des Guten sei, war eine Position schon in der griechischen Philosophie. Eine von der Pflichtenethik heftig als asozial und unmoralisch gescholtene Auffassung, deren Anthropozentrismus und Individualismus mit ihren durchaus gegensätzlichen Folgerungen freilich nie mehr ausgerottet werden konnten. 1. Die Schu...

Streifzüge 55/2012 2000 Zeichen abwärts von Peter Mitmasser Essen ist der Sex des Alters, heißt es. Weil man sich zwar noch an Sex erinnert und insgeheim davon phantasiert, aber eigentlich schon zu müde dazu ist und er irgendwie nicht mehr so aufregt, braucht es also Ersatz für die Lust, die der Sex nicht mehr liefern kann. Das ist das Essen. Schweinsbraten und Sachertorte mit Schlag sind wenig...

Streifzüge 55/2012 von Meinhard Creydt Psychische Probleme und Erkrankungen als Symptom und zugespitzte Folge von im modernen Kapitalismus gesellschaftlich weit verbreiteten Bewusstseins- und Subjektivitätsformen zu denken – dieses Thema fristet eher ein Aschenputtel-Dasein. Unerschrocken ob dieser Lage und ob der Umfangsbeschränkung dieses Artikels zeigt er einige charakteristische Momente des...

Streifzüge 55/2012 KOLUMNE Immaterial World von Stefan Meretz Have a lot of fun, lautet der legendäre Hackergruß. Spaß haben? Steht das nicht für die inhaltsentleerte dumpf-blöde „Spaßkultur“ von Comedy & Co? Weit gefehlt. Der Gruß verweist auf die Motivation, sich einer komplexen selbstgestellten Aufgabe hinzugeben – wie die der Entwicklung von Software oder anderen nützlichen und schönen Ding...

Streifzüge 55/2012 2000 Zeichen abwärts von Petra Ziegler Mit vier war ich sehr draufgängerisch. Ich war (zugegeben) blond, meist in Cord- oder karierten Hosen, nicht allzu leicht zu beeindrucken, und ich fuhr Ferrari. Entsprechend rot. Was anderes kam nicht in Frage. Mein Beuteschema war klar: groß, dunkel, lässige Gangart. Hat immer geklappt. Kleinere Kinder waren lästig, Buben was zum rumkom...

Streifzüge 55/2012 2000 Zeichen abwärts von Dominika Meindl Zuweilen versuche ich öffentlich lustig zu sein, zuweilen verdiene ich sogar Geld damit. Denn wie ließen sich die Zumutungen der Realität anders ertragen als durch ironisch-seitliches dran Vorbeigehen? Wie den Zorn sinnvoller sublimieren als durch Satire? Der Humor ist doch das Öl, mit dem sich der Ringer im Kampf gegen das Böse unangr...

Streifzüge 55/2012 von Peter Pott „Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen etc. … Jedes deiner Verhältnisse zum Menschen – und zu der Natur – muß eine bestimmte, dem Gegenstand deines Willens entsprechende Äußrung deines wirklichen individuellen Lebens sein.“ (MEW EB 1...

Streifzüge 55/2012 2000 Zeichen abwärts von Lukas Hengl Eine Schaukel schwingt zwischen Himmel und Hölle, zwischen Tier und Gott. Sie schwingt von der Ewigkeit unseres Bewusstseins zur Endlichkeit unseres Körpers. Sie schwingt von Libido zu Agape, vom Singen zum Furzen – und wieder zurück. Nennen wir sie die Lustschaukel. Warum wir Menschen schon seit Jahrtausenden versuchen von ihr hinunter zu...

Streifzüge 55/2012 von Franz Schandl In der Lust mag Gier sein, aber die Lust ist deswegen keine Gier, wie das Synonym doch unverzeihlich nahe legt. Appetitio mit Begierde zu übersetzen, ist jedenfalls nicht treffend. Wäre nicht, was Begierde heißt, mit Sinneslust besser und treffender umschrieben? Ebenso übrigens die Neugierde mit Wissenslust. Weder Sinneslust noch Wissenslust sind Gieren! Abe...

Zwei Briefe zu Wolfgang Pohrts Buch

Pohrt liest sich natürlich ganz nett, wie seit jeher. Aber theoretisch, das muss ich leider sagen, kommt mir der Text doch etwas dürftig vor. Ich hatte erwartet, Pohrt außerhalb des bekannten Bittermann-Kreises und also außerhalb der Edition Tiamat wiederzutreffen.

Fragmente und Umrisse einer Typologie Streifzüge 55/2012 von Franz Schandl Ewig hat es sie ja nicht gegeben. Der Geschlechtstrieb ist lediglich ein Instinkt, aber noch keine Lust. Lust entsteht erst historisch mit der Entwicklung der Sexualität, die über den Sex hinausreicht. Lust ist nicht instinktgesteuert. Lust ist also etwas anderes als der direkte Trieb oder die unmittelbare Begierde. Die ...

Streifzüge 55/2012 von Elisabeth Pein   Das Hörspiel die Umarmung, nach Picasso, das die Autorin Otto Breicha gewidmet hat, entsteht im September und Oktober 1985, wird vom WDR unter der Regie von Klaus Schöning produziert, am 10.6.1986 findet die Erstsendung statt. Der Titel die Umarmung, nach Picasso hat die Funktion eines Intermedialitätsmarkers, der hier ein Hereinnehmen der bildenden Kunst...

Zu Raoul Vaneigem: Zwischen der Trauer um die Welt und der Lust am Leben Streifzüge 55/2012 von Ricky Trang Wenn es etwas Lächerliches daran gibt, von der Revolution zu sprechen, dann natürlich deshalb, weil die organisierte revolutionäre Bewegung aus den modernen Ländern, in denen die Möglichkeiten zu einer entscheidenden Gesellschaftsveränderung konzentriert sind, seit langem verschwunden ist...

Streifzüge 55/2012 von Roger Behrens Dieser Versuch umkreist die These, dass die heute selbstverständlich erscheinende Verbindung von Lust und Liebe sich historisch entwickelt hat; ferner: dass sich mit der lustvollen Liebe die Vorstellungen von der Liebe selbst verändert haben, insbesondere in der Ausformung des romantischen Liebesideals. Eva Illouz spricht von der „Verdinglichung der romantis...

Das Leben zwischen Hingabe und Widerstand Streifzüge 55/2012 von Maria Wölflingseder Am Ende von Interviews werden Künstler/innen und Wissenschaftler/innen gerne gefragt, worum es im Leben gehe. Oft kommt darauf die Antwort: „Um Liebe und Tod.“ – Ja, aber was ist mit der Lust? Mit der Lust in all ihren unendlichen Variationen? Lust, der Welt mit allen Sinnen zu begegnen:feinfühlig,hellhörig, sc...

Streifzüge 55/2012 von Severin Heilmann Montag morgens wird der Delinquent zwecks Hinrichtung aus seiner Zelle geholt. Sein Befund:„Die Woche fängt ja gut an!“ Ein Witz – wir dürfen schmunzeln! Wäre es keiner, gehörte sich das freilich nicht! Leben ist immerhin eine ernste Sache, gegen Ende zu eine todernste gar. Wir aber schmunzeln, ahnungsvoll. Vielleicht, dass etwas Wesentliches verraten wur...

Streifzüge 55/2012 von Petra Ziegler Nicht genug könnten wir bekommen, jetzt haben wir die Krise, und recht geschieht uns. Dabei lassen wir uns bereitwillig mit Krümeln abspeisen. Wir reduzieren unsere Ansprüche, noch bevor wir Bedürftigkeit eingestehen. Eins schleppt sich, und die Aussichten werden kaum besser. Mit allerlei konsumindustriellen Leckerlis auf halbsatt trainiert, erahnen wir, wor...

von Severin Heilmann Unsere Streifzüge sind diesmal ausgedehnter Art, heften wir uns doch an die Fersen einer ausgesprochenen Vagantin. In ihrer Nähe bleibt nicht viel mehr eindeutig. Ich selbst, verehrte/r Leser/In, sah mich in theoretischer wie praktischer Vorbereitung zur gegenständlichen Nummer nicht selten mit ihrem zwitterigen Wesen konfrontiert. So sind etwa Lust haben auf und Lust empfi...

Die Grenzen des finanzkapitalistischen Krisenaufschubs und der Irrwitz der „Sparpolitik“ Streifzüge 55/2012 von Ernst Lohoff und Norbert Trenkle 1. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich das Gesicht des Kapitalismus vor allem in einer Hinsicht dramatisch verändert: Noch nie in seiner Geschichte hatte der Finanzsektor auch nur ansatzweise so großes Gewicht innerhalb der Gesamtwirtschaft wie in...

Den oft vernommenen Stimmen, die Zeiten werde härter, wir alle hätten über unsere Verhältnisse gelebt, ja wir werden den Gürtel enger schnallen müssen, begegnen wir also mit einer transformationslustigen Nummer.