Tomasz Konicz: Wohin treiben wir?

Schwerpunkt: Demonetize

Franz Schandl: Without money! Für die Abschaffung eines substituierten Gewaltverhältnisses
Julian Bierwirth: Kritik und Affirmation. Zur Auseinandersetzung mit der Geldpfuscherei
Lorenz Glatz: Bei der Freundschaft hört sich das Geld auf. Anläufe zu einem Verständnis
Andreas Exner: Mythos Geld. Ein Diskussionsanstoß in 5 Akten
Alfred Fresin: Produktionsverhältnis weg, Staat weg – Geld passé!
Stefan Meretz: Peer-Produktion und gesellschaftliche Transformation. Zehn Diskursfiguren aus dem Oekonux-Projekt
Jan-Hendrik Cropp: Landnutzung ein Stück weit demonetarisieren
Bernd Mullet: Weg mit dem Handel
Home Stories: mit Beiträgen von Severin Heilmann und Franz Schandl
Peter Klein: Der Terror der Positivität. Anmerkungen zu Byung-Chul Hans „Müdigkeitsgesellschaft
Petra Ziegler: Terra incognita. Stichworte zur Kritik

Kolumnen

Dead Men Working: Maria Wölflingseder
Immaterial World: Stefan Meretz

Rubrik 2000 abwärts

Julian Bierwirth ( J.B.)

Rezension

Lorenz Glatz (L.G.) zu Raúl Zibechi: Territorien des Widerstands
Lorenz Glatz (L.G.) zu W. Rätz, T. von Egan-Krieger (Hrsg.): Ausgewachsen! Ökologische Gerechtigkeit. Soziale Rechte

Artikel aus dem Heft

Streifzüge 54/2012 von Julian Bierwirth Beispiele für geplanten Verschleiß sind mittlerweile Legion. Eine beliebte Variante läuft darauf hinaus, bei der Produktion der Ware deren Haltbarkeit künstlich zu verkürzen. Über Nylon etwa hält sich hartnäckig das Gerücht, es würde während seiner Herstellung derart behandelt, dass es besonders empfindlich wird. Dann reißt der Faden schneller und der näc...

Streifzüge 54/2012 von Julian Bierwirth Dass die Dinge in Waren- und Geldgesellschaften einen doppelten Charakter annehmen, durch den die vermeintliche Rationalität in pure Irrationalität umschlägt, ist für die meisten Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler*Innen ebenso wie für die politischen Entscheidungsträger*Innen nicht vorstellbar. Ihnen gilt gerade der eingeschränkte Blick, den sie auf d...

Anmerkungen zu Byung-Chul Hans „Müdigkeitsgesellschaft“ Streifzüge 54/2012 von Peter Klein Byung-Chul Han, Die Müdigkeitsgesellschaft, Berlin 2010 (4. Auflage). Die Seitenangaben im Text beziehen sich auf diese Ausgabe. Bei der um ein Vorwort erweiterten 6. Auflage von 2011 sind jeweils zwei Seiten hinzuzuzählen. Für alte Klassenkämpfer, die den Kapitalismus als die unsittliche Veranstaltung de...

Raúl Zibechi: Territorien des Widerstands. Aus dem Spanischen übersetzt von K. Achtelik und H. von Wangenheim Assoziation A, Berlin/Hamburg 2011, 176 Seiten, ca. 16 Euro Streifzüge 54/2012 von Lorenz Glatz Zibechi, Journalist, Publizist und Aktivist aus Uruguay, sieht in den Peripherien der großen Städte eine emanzipatorische Perspektive für Lateinamerika entstehen. Dort bilden für den Kapitali...

Siehe dazu auch Streifzüge 53 „Die post-revolutionäre Möhre. Hier und Jetzt“ Streifzüge 54/2012 von Jan-Hendrik Cropp Wir müssen das agrarpolitische Desaster auf den Äckern tagtäglich mitansehen. Mit Entmonetarisierung als Perspektive dagegen meine ich in diesem Beitrag, die landwirtschaftliche Produktion unabhängiger von Geld und seiner Logik zu gestalten. Wir organisieren Gemüseproduktion nac...

Streifzüge 54/2012 Homestory von Franz Schandl Zwei hingeworfene Zahlen: 2.675,76 die eine, 2.176,04 die andere. Erstere summiert meine an VISA gezahlten Zinsen, zweitere meine an den Kritischen Kreis überwiesenen Mitgliedsbeiträge. Man glaubt es kaum, aber es ist tatsächlich so. Ich habe in den letzten 15 Jahren (1997–2011) „mein“ Kreditkartenunternehmen mehr gesponsert als meine Streifzüge. I...

Streifzüge 54/2012 von Julian Bierwirth In regelmäßigen Abständen verkünden Politiker*Innen jedweder Coleur, die Gesellschaft habe „über ihre Verhältnisse“ gelebt. Obwohl häufig gehört, macht diese Redewendung doch stutzig. Dass eine Gesellschaft in der Lage ist, „über ihre Verhältnisse“ zu leben, ist keineswegs selbstverständlich. Kein Mensch und keine Gesellschaft ist beispielsweise dazu fähi...

Streifzüge 54/2012 KOLUMNE Immaterial World von Stefan Meretz Das Schlagwort von der Demonetarisierung ist ein neuer, schillernder Begriff im emanzipatorischen Diskurs. So ist es nicht verwunderlich, wenn sich schnell Missverständnisse und Abgründe auftun. Einige von ihnen sollen hier diskutiert werden. Naiv-anekdotisch tritt manchmal die lustig gemeinte Forderung auf, alle mögen ad hoc ihre Ge...

Streifzüge 54/2012 Homestory von Severin Heilmann Den ersten erinnerlichen Umgang damit hatte ich in zartem Kindesalter: Zwei Sumsi-Mitarbeiter nahmen die Entleerung eines jeden Büchslein vor und der jeweilige Auswurf am Tisch wurde allseits aufmerksam gemustert und taxiert. Da war es feierlich still. Dass ich nun hingeben musste, was doch als überaus wichtig galt, ging mir nur schwer ein. „Spa...

Werner Rätz, Tanja von Egan-Krieger u.a. (Hrsg.): Ausgewachsen! Ökologische Gerechtigkeit. Soziale Rechte. Gutes Leben. VSA-Verlag 2011, 192 Seiten, ca. 15,80 Euro Streifzüge 54 von Lorenz Glatz Der Sammelband zum Kongress „Jenseits des Wachstums?!“ (Attac 2011, Berlin) gibt einen Überblick, wie die Debatte zum „Ende des Wachstums“ aktuell verläuft. Ein Befund dazu, im Buch selbst nicht ausgesp...

Streifzüge 54/2012 von Alfred Fresin Um einer Dämonisierung des Geldes entgegenzutreten und einen klaren Blick für die Demonetarisierung zu gewinnen, seien ein paar Anmerkungen zum derzeitigen Geldwesen eingebracht. Politische Ökonomie des kapitalistischen Geldes Tausch und Geld gab es schon in vorkapitalistischen Zeiten. Was ist das Spezifische der kapitalistischen Tauschwirtschaft? Alle Bürge...

Streifzüge 54/2012 von Julian Bierwirth Die Linke hat ein neues Modewort entdeckt: geplante Obsoleszenz. Der Begriff ist eine Adaption aus dem englischen Sprachraum, wo von planned obsolescence die Rede ist. Der Begriff kommt von dem Adjektiv obsolet, das so viel bedeutet wie „nicht mehr gebräuchlich“ oder „hinfällig sein“. Gemeint ist „geplanter Verschleiß“. Um mehr Produkte verkaufen zu könne...

Zehn Diskursfiguren aus dem Oekonux-Projekt Streifzüge 54/2012 von Stefan Meretz Alle Mittel für unsere Emanzipation entwickeln sich direkt vor unseren Augen, aber wir müssen auch in der Lage sein, sie theoretisch zu erfassen. Oekonux wurde als Reflexionsprojekt rund um Freie Software gegründet, aber von Beginn an gab es die These der Verallgemeinerung von Beobachtungen über Freie Software in a...

Streifzüge 54/2012 von Julian Bierwirth Das Bild des Jahres 2008 zeigt einen Polizisten, der mit gezogener Waffe eine zu räumende Wohnung durchschreitet. Durch die Immobilienkrise konnten viele Wohnungsbesitzer*Innen die Raten an die Bank nicht mehr zahlen – und dann kam die Polizei. Aber was ist mit den Menschen geschehen, die noch kurz zuvor diese Wohnung als ihr zu Hause bezeichnen konnten? ...

Streifzüge 54/2012 - Kolumne Dead Men Working von Maria Wölflingseder „Money makes the world go round, go round…!“ – Genau so ist es. So lange es Geld gibt, wird das Geld die Welt beherrschen. Die Aufgabe der Marktwirtschaft ist es, aus Geld mehr Geld zu machen. Ohne Gewinnmaximierung kein Überleben. Das ist der Zweck aller Übungen. Geld ist mitnichten ein unschuldiges Mittelchen zu schönen Zwe...

Anläufe zu einem Verständnis Streifzüge 54/2012 von Lorenz Glatz  Entweder mit Geld... 1. Geld ist eine bestimmte Form von Beziehung zwischen Menschen. Es vermittelt gleichwertigen Tausch von eigentlich unvergleichbaren Dingen, Kauf und Verkauf. Es bringt den Markt in Schwung und hält ihn am Laufen. Geldverkehr und Marktgeschehen bringen aber im Grund nicht Menschen in Kontakt, sondern ihnen ge...

Zur Auseinandersetzung mit der Geldpfuscherei Streifzüge 54/2012 von Julian Bierwirth In einer alten indischen Legende über die Erfindung des Schachspiels wird berichtet, der Erfinder des Spiels habe von seinem König für diese Erfindung nicht mehr verlangt als Weizenkörner. Ein Korn auf das erste Feld des Schachbrettes, die doppelte Menge auf das zweite Feld, wiederum die doppelte Menge auf das...

Für die Abschaffung eines substituierten Gewaltverhältnisses Streifzüge 54/2012 von Franz Schandl „Wer sollte nicht Reichtümer ganz entbehren, die doch nur elend machen und entehren?“ (William Shakespeare, Timon von Athen IV/3, übers. von Erich Fried, Band 3, S. 339) Gemeinhin gilt Geld als zivilisatorische Errungenschaft schlechthin. Einmal geschaffen kann es nie wieder abgeschafft werden. „Ge...

Ein Diskussionsanstoß in 5 Akten

Ein Leser meint: Eine Welt ohne Geld wäre schön, doch eine schöne Welt ohne Geld sei unmöglich. Also, brauchen wir Geld oder brauchen wir Geld nicht? Im Folgenden behandle ich fünf Fragen zum Thema Geld. Als Überschriften dienen mir die wichtigsten Antworten darauf. Es spricht einiges dafür, dass es dabei um Mythen geht.

von Petra Ziegler Streifzüge 54/2012 Die Liebe selbst habe nicht mehr Menschen zu Narren gemacht als das Grübeln über das Wesen des Geldes, zitiert Marx einen Zeitgenossen und beginnt damit seine eigenen Ausführungen zum Thema. Das Problem ist also nicht neu, eine Annäherung nicht ohne Risiko. Den einen erscheint das Geld als bloßer Schleier, zweckneutral (es kommt nur darauf an, was eins darau...

Der inneren Logik seiner Krisendynamik überlassen, wird das in Agonie liegende kapitalistische System in Barbarei umschlagen. Streifzüge 54 / 2012 von Tomasz Konicz Deutschlands Managerkaste reißt beim Thema Griechenland langsam der Geduldsfaden. Inzwischen sprechen sich auch Spitzenvertreter der deutschen Kapitalverbände dafür aus, Hellas aus der Eurozone auszuschließen. Dies forderte etwa der...

Stichworte zur Kritik Streifzüge 54/2012 von Petra Ziegler Lamento. Geschimpft wird viel. Vorneweg (wenn auch mit gehörigem Respekt) auf die  Finanzmärkte, die US(!)-Ratingagenturen, über Gier und ungerechte Verteilung, gegen die Boni-Banker, Spekulanten und all die anderen Gauner, auf die Unfähigkeit des politischen Personals, nicht zu vergessen, die Griechen, und darüber, dass die Menschen „s...

Auslauf Streifzüge 54/2012 von Franz Schandl „Das darf doch nicht wahr sein“, ist des Wutbürgers Schrei und dokumentiert doch nichts anderes als sein breites Unverständnis. Ansonsten könnte er nicht dauernd erschüttert und überrascht sein. Permanente Aufregung ist Kennzeichen der Ignoranz. Wut ist dumpf, aber entschieden. Sie weiß alles, wovon sie nichts versteht. Ihre Empörung ist ihr heilig. ...