Kategorie: Call

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Chronologisch

    Die Aussichten sind schlecht. Selbst gerade noch irgendwie in der Komfortzone beheimatet, schauen wir auf zunehmende soziale Verwerfungen, ganze Regionen versinken im Chaos, Millionen Menschen sind auf der Flucht, die ersten Ausläufer einer zerfallenden Peripherie haben die Zentren erreicht. Das psychische Umfeld wirkt wie ein immer unverdaulicheres Gebräu aus Ohnmacht, Abstiegsängsten und Wutbürgerei.

    Alltag ist Herrschaft der vergangenen, toten Arbeit über die lebendige Tätigkeit hier und jetzt. Alltag ist ein permanenter Kult ohne Priester und Glaubensbekenntnis. Er wird ohne Zwang und ohne Kontrolle mit blinder Hingabe exerziert. Im Alltag sind wir gläubig, hörig und willig das „Notwendige“ zu denken und zu tun.

    Nabelschau? – Was das? Nun, nach 20 Jahren Streifzügen ist es wohl an der Zeit sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Lasst uns also ausnahmsweise mal auf uns selbst schauen: Wer sind wir? Sind die Streifzüge noch die, die sie waren? Was haben wir vorgehabt und was angestellt? Wie ist es gelaufen? Gibt es Erfolge? Wozu sind wir gut? Sind wir gut? Ist das Beschäftigungstherapie für Unentwegte? Reine Theoriewixerei?

    Kann der Begriff des Spiels positiv definiert und gegen die Zumutungen der abstrakten Arbeit in Stellung gebracht werden? Ist die Ausdehnung des Spiels eine emanzipatorische Aufgabe?
    Ist das Spiel das Wesen der revolutionären Aktion, oder ist die alles durchdringende Gameification das letzte Puzzleteil der allumfassenden Spektakularisierung unseres Lebens?

    Wir wollen in unserer Ausgabe einen analytischen Beitrag leisten, der sich nicht auf die Theorie beschränken mochte. Das Thema der Nummer ist breit angelegt: Es geht um Bestandsaufnahme und Perspektive, um Solidarität und Konkurrenz, um Exklusion und Inklusion, um Klasse und Deklassierung, um Alternativen und Ängste, um Fortschritte und Holzwege, um Panorama und Detail.

    Die Abscheu der westlich-liberalen Gesellschaft vor „den Barbaren“ ging immer schon gut mit der billigenden Hinnahme des massenhaften Elends und Verreckens der ökonomisch Überflüssigen zusammen.

    Demokratie ist immer ein bürgerliches Projekt gewesen, untrennbar verbunden mit dem Universum und vor allem auch dem Horizont von Wert und Kapital.

    Apokalypse als der Modus der Erwartung des sich in der Gegenwart aufbauenden Unheils, des Warnens davor, aber auch der Geilheit der Prophetie des Untergangs. Apokalypse als der Zug der apokalyptischen Reiter, der Stand der Zerstörung der Welt und der „Apokalypseblindheit“ der in der herrschenden Lebensweise befangenen Menschen; das Wegschauen und Weitermachen

    Generationen emanzipatorisch bewegter Menschen haben sich die Köpfe heiß geredet, ob die Reform der Revolution vorzuziehen sei oder umgekehrt. Die Konzepte von Reform und Revolution verkörpern zwei Pole der objektiven Herausforderungen gesellschaftlicher Transformation hin zu einer freien Gesellschaft.

    Unser Verhältnis zum Tier ist ambivalent geworden. Vorbei die Zeiten, wo diese hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Nutzung gesehen worden sind. Das ist gut so, doch damit werden die Probleme nicht weniger sondern mehr, vor allem auch weil der Sonderstatus der Menschen nicht mehr selbstverständlich ist.