von Petra Ziegler
Ein Plus von 19.400.000 Stunden. Im Vergleich zu 2024 haben die Österreicherinnen und Österreicher im Vorjahr mehr gearbeitet und auch davor war es jeweils mehr als in den Jahren davor. Das Gesamtarbeitsvolumen steigt und steigt. Sieht bei den deutschen Nachbarn nicht anders aus. Insbesondere ab Mitte der 2000er Jahre hat die Anzahl der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden Jahr für Jahr zugenommen. In beiden Ländern waren mehr Personen denn je zuvor erwerbstätig, wird im Rest Europas und darüber hinaus nicht viel anders sein. Und das bei wachsendem Output je Einheit.
Klar braucht es da vor allem mehr. „Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen“, schlussfolgert der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil. Er steht hier nur stellvertretend. Auch hierzulande fordern Politik und Medienöffentlichkeit, die Anstrengungen zu intensivieren. Länger arbeiten, härter arbeiten. Strengt euch gefälligst mehr an! Alle! Schluss mit dem Schlendrian, am besten die Wochenarbeitszeit erhöhen, Feiertage streichen, Pensionsalter rauf, und die grassierende „Teilzeit-Mentalität“ eindämmen. Der Wirtschaftsminister zeigt klar „kein Verständnis“, wenn jemand so ganz ohne Not nicht mindestens Vollzeit hackelt.
Uns viel zu lange verhätschelten Work-Life-Balancierern werden sodann Länder wie Bulgarien, Polen, Rumänien vorgehalten – da arbeiten sie immerhin noch rund vierzig Stunden in der Woche. In der Türkei sind es gar 43 Stunden. Es braucht eben nur die richtigen Vorbilder. Blöd nur, dass die genannten beim BIP pro Kopf allesamt weit hinter uns liegen. Das muss hier aber nicht irritieren. Weil, Hauptsache Arbeit! Und viel Arbeit ist noch viel besser. Unser Wohlstand ist in Gefahr. Aber wenn es gar nicht die Anzahl an Stunden wäre, die etwa die Summe der Sozialversicherungsbeiträge bestimmt? Höhere Gehälter beispielsweise würden sofort auch höhere Beiträge in die Kassen spülen. Halt – Gedankenstopp!
Zum Glück erlaubt das in den Parteizentralen dominierende Menschenbild keine Zeit zum Nachdenken. „Um fünf in der Früh aufstehen, um sechs Uhr in die Arbeit fahren, um sieben Uhr zu arbeiten beginnen … “, so stellt sich der selbsternannte SP-Bundespräsidentschaftskandidat Hans Nissel seine bevorzugte Klientel vor. Abends müde nach Hause, gerade noch fähig, in irgendein Kastel (TV, Computer, Handy) zu schauen, und der Nachbarin die Kinderbeihilfe neiden. Und die da drüben, über der Straße, die beziehen gar Notstandshilfe, die leben von unserem Geld, werden durchgefüttert wie die Maden im Speck. Ein grausliches Bild ist das, wie die Maden im Speck.
Andererseits – es könnte ja sein, dass externe Faktoren, etwa die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die hiesige Konjunktur negativ beeinflussen und damit die budgetären Spielräume weitaus stärker beschränken als die Summe der geleisteten Arbeitsstunden. Dazu kommen andere Verschiebungen innerhalb des weltwirtschaftlichen Ungleichgewichts. Weder das Aus des Verbrenners noch das Aus vom „Verbrenner-Aus“ dürften Mercedes und Co. wieder zu den Favoriten kaufkräftiger chinesischer Mittelschichten machen. Halt. Worum geht es hier überhaupt?
Nicht, dass uns das am Ende noch hindert, weiter jedes Jahr möglichst mehr Autos zu produzieren, und Motorräder, wenn es sein muss, auf Halde. Wir bleiben dabei. Wobei – Waffen würden sich noch mehr lohnen. Oder ganz viele neue Eigenheime, mit eigenem Pool davor. Also nicht wegen der Pools, wegen der Arbeitsplätze. Den Faulen müssen jedenfalls Beine gemacht werden!
