Zumeist treffend

Zu den gesammelten Aufsätzen von Alfred Schobert

von Franz Schandl

Sterben muss jeder, doch besonders schlimm ist es, wenn es einen frühzeitig erwischt wie dieses Jahr Martin Büsser, den Herausgeber der testcard, oder 2006 den 1963 geborenen Alfred Schobert. Schobert, Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS), war bekannt für sorgfältige und gediegene Untersuchungen. Akribisch waren sie, selten voreilig, zumeist treffend. Schobert war alles andere als ein polemischer Eiferer. Großes Augenmerk galt einer Zurückweisung des „binären Reduktionismus“, wie er etwa in Deutschland von junge welt einerseits und jungle world andererseits repräsentiert wird.

Im vorliegendem Band findet sich etwa eine gründliche Analyse von Martin Walsers Schriften und Reden, ein Aufsatz über die Kontinuität des Eliten-Antisemitismus und die besondere Rolle von Henry Fords Buch „The International Jew“ (1920), eine Kritik von Finkelsteins „Holocaust-Industrie“ u.v. m. Auch wenn er einige Einwände gegen die Sichtweisen Arundhati Roys vorbringt, verteidigt er sie vehement: „An Roy tobte sich die ,linke‘ Variante des neu formierten denunziatorischen Subjektivitätstypus aus.“ Beiträge über den Poststrukturalismus nehmen den hinteren Teil des Buches ein. Sie lesen sich wie eine Hommage an Jacques Derrida, bei dem der Autor in Paris studierte.

Wer zu diesen Themen lesen will, dem sei der Band herzlich empfohlen. Gar manches hat zeitlosen Bestand, ist nicht bloß als Intervention in aktuelle Debatten zu verstehen. Es ist in jeder Hinsicht ein Verdienst, diese Artikel zusammengefasst und veröffentlicht zu haben.

Alfred Schobert, Analysen und Essays. Extreme Rechte – Geschichtspolitik – Poststrukturalismus, Unrast Verlag, Münster 2009, 434 Seiten, 29,80 Euro

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