Katastrophen 2

Streifzüge 33/2005

2000 Zeichen abwärts

von Franz Schandl

Nach den Überschwemmungen im August 2002 kursierten nicht nur vor Ort diverse Gerüchte, dass die Überlaufklappen des Stausees Ottenstein zu spät geöffnet wurden, was zur Folge hatte, dass dann auf einmal überdimensional viel Wasser abgelassen wurde und die Schäden entlang des Flusses doch beträchtlich angestiegen sind. Wahrscheinlich ist dem wirklich so gewesen. Off records erzählt dir das jeder Wirt des Mittleren Kamptals im DetailEs gab diesbezüglich sogar Klagen gegen die EVN (Energie Versorgung Niederösterreich) und das Land Niederösterreich, die jedoch erst kürzlich alle abgewiesen worden sind.

Möglich ist folgendes Szenario: Überlaufklappen werden deswegen so spät geöffnet, weil volle Staubecken mehr Strom bedeuten. Ginge es nicht um Geld, dann würde man schon rein aus Vorsicht ablassen, da es aber um Geld geht, geht man ein beträchtliches Risiko ein. So ist das nun mal. Nur im Wertverwertungssystem ist diese Frage überhaupt eine Frage, da aber die entscheidende. Seit Bestehen der Kamptalkraftwerke – und das ist immerhin mehr als 50 Jahre her – hat es diesbezüglich nie Probleme gegeben. Die Verantwortlichen am Staudamm müssen im Sinne der Energieverwertung des Unternehmens so handeln, wie sie gehandelt haben. Gewinn ist Gewinn. Auch dort sitzen nicht Menschen, sondern Charaktermasken, die als Träger von Geschäftsinteressen entsprechend diesen Interessen agieren. Hätten sie zu früh abgelassen und es wäre nichts passiert, dann hätten sie möglicherweise mit Konsequenzen rechnen müssen.

Inzwischen ist auch alles paletti. Die Schäden hielten sich in bezahlbaren Grenzen. Und die öffentliche Hand zahlte prompt. Gelegentlich sogar über der Höhe der Schäden. Das stopft sogar widerspenstige Mäuler. Die Diskussion ist weg vom Tisch. Wiederhergestellt ist, was man will und braucht: a Ruah!

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