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Wert und Arbeit

23 Nov 2011

Streifzüge 53/2011
2000 Zeichen abwärts
von Julian Bierwirth

Warum also ist es die Arbeit, die den Wert schaffen soll? Die hier verfochtene Antwort lautet: weil Wert keine Naturkonstante ist, sondern ein spezifisches gesellschaftliches Verhältnis ausdrückt.

Dieses gesellschaftliche Verhältnis ist die Folge der großen Transformation der traditionellen Sozialwesen in moderne Gesellschaften. Durch diese Veränderungen, die im wesentlichen mit der Entbettung der Individuen aus den traditionellen Sozialinstitutionen einhergehen, sind die Einzelnen nun als Einzelne ganz wortwörtlich auf sich selbst gestellt – und damit gegen alle anderen.

Zum eigenen Wohle, aber auch auf eigene Rechnung sind sie gezwungen, ihren Lebensunterhalt in Konkurrenz zu den Anderen zu verdienen. Als eine solche fernab aller Sozietät auf sich selbst zurückgeworfene Monade erhalten die Einzelnen ihr Leben dadurch, dass sie Dinge für andere tun: sie opfern ihre Zeit und produzieren Waren. Diese Arbeitsprodukte stellen sie dann – über den Markt – anderen zur Verfügung. Hier entscheidet sich, welche der vorab geleisteten Arbeiten gesellschaftliche Anerkennung erfahren und welche nicht.

Und weil es eben die Produkte ihrer Arbeit sind, für die die Menschen zuvor ihre Zeit verausgaben mussten, ist es eben auch die Arbeit – gemessen in der Zeit ihrer Verausgabung –, die hier den gesellschaftlichen Reichtum bildet. Nicht weil es in der Natur der Dinge läge, sondern weil die Menschen im Kapitalismus ein spezifisches gesellschaftliches Verhältnis eingehen, das sich dann im getrennten Tätigsein der abstrakten Individuen darstellt – die Arbeit. Dass auch Maschinen und Natur dazu beitragen, stofflichen Reichtum in die Welt zu setzen, soll hier gar nicht bestritten werden, nur gehen Maschinen und Natur eben keine gesellschaftlichen Verhältnisse miteinander ein. Das macht die Besonderheit der Arbeit aus – nicht universell, sondern hier im Kapitalismus.

4 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 wieauchimmer meinte am 27. November 2011, 12:24 Uhr

    die darstellung ist nicht nur schlecht – also dass nicht erklärt wird,was denn die brutalität einer produktion für den markt ist, sondern auch verharmlosend: “Diese Arbeitsprodukte stellen sie dann – über den Markt – anderen zur Verfügung.”
    wenn andauernd waren ZUR VERFÜGUNG GESTELLT werden, wieso gibt es dann so viele hungernde etc?

  2. 2 immerauchwie meinte am 27. November 2011, 14:20 Uhr

    Der Text ist definitiv nicht verharmlosend und in der Darstellung durchwegs korrekt. Es werden definitiv Produkte zur Verfügung gestellt, allerdings – wie es auch im Text steht – über den Markt, und der bedient nun mal nur zahlungskräftige Bedürfnisse. Und das ist durchwegs eine Antwort darauf warum die Bedürfnisse von Menschen unter die Räder kommen.

  3. 3 Juli meinte am 28. November 2011, 18:30 Uhr

    Vielleicht kommt es einfach auf den Blickwinkel an, aus dem mensch die Sache betrachtet. Denn sicherlich bedeutet das zur Verfügung stellen von Waren nicht, dass die Hungernden zu Essen bekämen. Dafür muss im Kapitalismus aus dem Bedürfnis tatsächlich immer noch ein Bedarf werden. Für den aber war kein Platz mehr, weil es in dieser Rubrik darum geht, weniger als 2000 Zeichen zu verwenden. Und in dem Rahmen ist es eben immer nur möglich, einen Teil des Spektakels darzustellen – so das ein anderer notgedrungen hintenrunter fallen muss.

    Insofern kann durchaus festgehalten werden, dass da was fehlt. Daraus sollte dann allerdings nicht gefolgert werden, dass da stünde, alle bekämen zu essen. Das wurde nie behauptet….

  4. 4 krisis » Blog Archiv » Wert und Arbeit meinte am 4. Dezember 2011, 11:41 Uhr

    [...] erschienen in: Streifzüge 53 / Herbst 2011 [...]

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