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Brauner Almdudler

26 Aug 2009

Wenn es nach der FPÖ geht, ist die Einmischung wesensfremder Elemente in die österreichische Politik unerwünscht

von Franz Schandl

Dass so was kommen musste, war vorherzusehen. „Na, wie provozier mas denn?“ werden sich die Funktionäre der FPÖ in Wien als auch im Ländle (Vorarlberg) gedacht haben, wo ja am 20. September Landtagswahlen anstehen. Den Vorwand lieferte Hanno Loewy, Leiter des Jüdischen Museums in Hohenems, als er sich erlaubte, die Wahlkampfplakate der FPÖ zu kritisieren. Mehr hatte er nicht gebraucht.

Vorarlbergs FPÖ-Chef, Dieter Egger, der bisher noch nicht durch rechte Kraftsprüche aufgefallen ist, teilte umgehend mit, dass dem „Exil-Juden aus Amerika in seinem hoch subventionierten Museum“ die Innenpolitik nichts angehe. Der Jud, wenn er schon toleriert wird, soll doch gefälligst die Pappen halten. Da wird nichts ausgelassen. Jude-Geld-Amerika-Exil. Die Chiffre stimmt und wird auch so wahrgenommen. Da sprudeln die antisemitischen Phantasien wie ein brauner Almdudler. Auf jeden Fall habe einer, der nicht hierher gehört, und das trifft wohl bei den Freiheitlichen insbesondere auch auf die Juden zu, hier nichts zu melden. Das sei Einmischung von außen, und die verbitte man sich.

Selbst der ÖVP, mit der die Freiheitlichen seit 35 Jahren eine Koalition im Ländle bilden, war das zuviel. Nach den Wahlen wird es diese Zusammenarbeit nicht mehr geben, ließ Landeshauptmann Herbert Sausgruber der FPÖ ausrichten. Doch die will stärker werden, koste es, was es wolle. Ihre Chancen stehen nicht schlecht, auch, aber nicht insbesondere nach dieser Aussage.

Was soll das heißen? – Nun, natürlich ist das kein Ausrutscher gewesen, sondern gezielte Provokation. Gerade diese verhilft der FPÖ in die Schlagzeilen und auf die Titelseiten. Fast hat man das Gefühl, die Rollen sind vergeben und der Ablauf vorbestimmt. Das von der FPÖ miteinkalkulierte Entsetzen von SPÖ, ÖVP und Grünen gehört da ebenso dazu. Das alles kreiert dann einen Medienhype sondergleichen.

Indes ist schon die Frage zu stellen, ob der Antisemitismus den Freiheitlichen die Wähler zutreibt oder der Tabubruch an sich die Wähler beschert. Der Autor neigt zu letzterem. Die FPÖ wird nicht aufgrund des dort zweifellos virulenten Antisemitismus gewählt, aber der Antisemitismus schadet ihr bei ihrer indifferenten Wählerschaft auch nicht. Was ihr nützt, ist der Tabubruch: Die trauen sich was. Die sind nicht Mainstream. Die lassen sich nicht einschüchtern. Die sagen es ihnen rein.

Im gestrigen ORF-Sommergespräch hat der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache daher auch nichts zurückgenommen. Entschuldigung? Aber woher denn! Rücktritt? Aber weswegen denn! Auch Bruno Kreisky sei Exiljude gewesen, meinte Strache ganz unschuldig, ja treuherzig, das sei kein Schimpfwort. Angeschlagen wirkte er nur aufgrund einer bakteriellen Hautinfektion, die er sich urlaubend in Ibiza zugezogen hat. Vielleicht hat der Reinrassige zu wenig bedacht, dass sein sensibles Ariertum nicht so viele Fremdbazillen auf einmal verträgt. Denn eigentlich müsste er ja wissen, dass es im Ausland vor Ausländern nur so wimmelt.

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