von Franz Schandl
Es war ein grausames Schlachten und es ist noch nicht zu Ende. Andreas Babler, das wusste man schon seit Monaten, wird fallen. Genau das ist eingetreten, wenngleich der SPÖ-Chef es schaffte, einen Abgang in Zeitlupe durchzusetzen. Vorerst bekommt er zwei Aufpasser als Co-Vorsitzende zur Seite gestellt, Anfang 2027 soll Finanzminister Markus Marterbauer ihn als Vizekanzler und am nächsten Parteitag wohl als Parteiobmann ablösen. Ein paar Wochen wird man ihn noch den Medienminister machen lassen. Das war’s dann. Wenn die SPÖ-Granden sich nun für diese Lösung, die nicht einmal eine Notlösung ist, rühmen, muss man allerdings an ihrem Verstand zweifeln. Die SPÖ ist nicht nur angeschlagen, man hat schon das Gefühl, dass ihre Tage gezählt sind. Dass es da nirgendwo einen Plan A gibt und auch kein Plan B mehr hilft. Außerdem woher nehmen? Woraus schöpfen? Sie verliert nach links und sie verliert nach rechts und die Mitte selbst wird auch immer dünner und dümmer.
Befreiungsschlag war das keiner, höchstens eine masochistische Demonstration von Unterwürfigkeit. Sintemal die Genossen so willig ihren Parteichef exekutierten, verwundeten sie sich selbst und lädierten ihre Partei gleich mit. Sie gehorchen, wenn auch gelegentlich noch widerwillig. Laut zu erwartender aktueller Umfrage ist die SPÖ nun erstmals hinter die Grünen gefallen. Sie wird Kleinpartei. Die Sozialdemokratie hat sich nicht mehr selbst. Und sie wehrt sich auch nicht dagegen. Sie hat sich aufgegeben, das zeigt sich auch daran, dass außer dem Medienmanager Gerhard Zeiler (RTL, ORF, Warner Media) niemand Parteivorsitzender werden will. Ambitioniert ist niemand, Nachwuchshoffnungen sind rar. Perspektiven gibt es keine.
Andreas Babler taugte nur zur tragischen Figur. In geradezu hurtigem Tempo hat er sich vom einstigen Parteirebellen auf eine gesamtideelle Parteimarionette reduzieren lassen. Aufgezogen und hölzern wirkten seine Statements. Das Rebellische hat man ihm längst ausgetrieben, dafür nahm man ihm das Staatstragende partout nicht ab. So stand er ziemlich nackt da. Er war nicht mehr er, er war aber auch kein anderer. Er war irgendwie irgendwer. Zusehends verloren am politischen Parkett. Alle durften auf ihn einprügeln. Wer Vorsitzen als Aussitzen praktiziert, hat im medialen Zirkus keine Chance. Stets war er in einem defensiven Modus befangen. Er stand zum Abschuss. Und er stand auch wirklich zum Abschuss bereit. So stark und zielstrebig er, der gewiefte Taktiker, in den Parteigremien aufzutreten vermochte, so schwach agierte er nach außen. Seine Bilanz war letztlich bescheiden, für die Linke in der SPÖ ein Desaster.
Sein entscheidender „Fehler“ bestand jedoch darin, die öffentlichen Zuwendungen an den Boulevard kürzen zu wollen. Eine goldrichtige wie überfällige Idee. Mehr hat er nicht gebraucht. Wie kann einem angesichts dieser Machtkonstellation solch Schwachsinn einfallen? Das geht nicht. Kill him! Andreas Babler wurde in einer beispiellosen Hetzkampagne vor laufender Kamera regelrecht hingerichtet. Nichts wird dadurch besser werden. Die, die die SPÖ-Zerfleischung orchestrierten und die Krise genüsslich inszenierten, insbesondere das Bündnis aus Boulevard- und Qualitätsjournalismus, spricht nun täglich vom SPÖ-Chaos. Welch Chuzpe!
