Demonetarisierung – Der Diskurs über die Abschaffung des Geldes

Streifzüge 57/2013

von Franz Nahrada

Es scheint, dass die Zeit der monolithischen politischen Organisationen in der antikapitalistischen Bewegung vorbei ist, dass aber dafür ein neues „organisiertes“ Phänomen die Runde macht, das immer größere Bedeutung gewinnt. Es handelt sich dabei um diskurspolitische Interventionen, den Versuch, über die Klärung bestimmter Begriffe Schwerpunkte in unserem Denken und Handeln zu setzen. Mindestens drei solcher diskurspolitischer Interventionen sind in den letzten Jahren entstanden: der Diskurs um die Solidarische Ökonomie, der Diskurs zu den Commons und zuletzt um das bewusste Negieren des Geldes als Vergesellschaftungsmedium, die Demonetarisierung. (Daneben gibt es freilich noch die Peer-to-Peer Ökonomie, den Diskurs um Susbsistenz und Kreislaufwirtschaften (Circonomy), das Wiederentdecken der Schenkwirtschaft und vieles andere.)

Die Vermutung, dass es sich um verschiedene Aspekte ein und derselben – eben durchaus komplexen – Sache handelt, liegt nahe. Wir können uns ja in verschiedenen Diskursen gleichzeitig betätigen, sie sind gerade nicht ausschließend wie einstmals die Parteiungen. Es scheint mir so, dass es einmal um das grundsätzliche Verhältnis der ökonomischen Akteure zueinander (Solidarische Ökonomie, P2P Ökonomie, Circonomy), ein andermal um den kollektiven Bezug auf die inhaltlichen Elemente des Reichtums (Commons, Subsistenz) und zuletzt eben auch um die Aufhebung der versachlichten und entfremdeten Form der ökonomischen Beziehung selbst (Demonetarisierung, Schenkökonomie) geht.

Die weitere Vermutung ist, dass diese Diskurse nicht nur im Bezug aufeinander, sondern auch immanent viele verschiedene Antworten im Raum der Möglichkeiten entwickeln, wie wir besser leben und wofür wir uns einsetzen können. Ihr Pluralismus erscheint nicht als Mangel, sondern als Voraussetzung einer raschen und kreativen Entfaltung von Praktiken, die nur in ihrer Fülle und Vielzahl ein Jenseits des kapitalistischen Systems möglich machen und Antworten auf die ungelösten Fragen dazu geben.

Eine Welt ohne Geld?

Die Demonetarisierungsdebatte ist dabei so ziemlich der jüngste der Diskurse, und wahrscheinlich der schwierigste. Es wurde schon öfters darauf hingewiesen, dass die Vorstellung einer Abwesenheit des Geldes für viele Menschen so absurd ist wie die Vorstellung einer Abwesenheit der Luft zum Atmen. Wir sind dermaßen davon abhängig, unseren gesellschaftlichen Verkehr über das Geld zu „regeln“, dass uns Geldfreiheit gar nicht denkbar erscheint. Ohne Moos ist nix los und ohne Göd gibt’s ka Musi. Haben nicht alle historischen Erfahrungen gezeigt, dass es beim Zusammenbruch von Geldsystemen „immer“ zu „Ersatzwährungen“ gekommen ist wie etwa Zigaretten; dass das Tauschen doch notwendigerweise ein Wertaufbewahrungsmittel braucht; dass Wirtschaften ohne eine Rechengröße unmöglich ist; dass das Geld nicht nur eine enorm praktische Angelegenheit sei, sondern überhaupt Voraussetzung von Individualität, Unabhängigkeit und Freiheit schlechthin? So sehr durchgesetzt sind diese Überzeugungen, dass selbst diejenigen, die praktische Alternativen zum zusammenbrechenden Geldystem in Gang setzen wollen, dies zuallererst nur in der Form des Geldes denken und tun wollen, sei es als „Regionalgeld“ oder als „Informationsgeld“. Das tauschende Verhalten (ich gebe nur, wenn ich direkten Gegenwert bekomme) erscheint ihnen als Verkehrsform erwachsener Menschen schlechthin. Geld wird im herrschenden Denken zum „Kommunikationsmittel der Bedürfnisse“ verklärt, mit dem schlichten „Argument“, dass im herrschenden Wirtschaftssystem das Bedürfnis ohne Geld stumm und machtlos ist. Da können Millionen Menschen verhungern, Milliarden in verschiedensten Formen der Verwahrlosung existieren, da können Gesundheit und elementare Existenz massenhaft draufgehen, die gute Meinung vom Geld ist nicht totzukriegen, die Vorstellung regiert, dass ohne es alles noch schlimmer wäre. Zumindest war das bis vor kurzem so.

Deswegen ist der Demonetarisierungsdiskurs notwendig: und wie auch bei den anderen genannten Diskursen geht es zunächst darum, zu entbergen, dass die herrschende Vorstellung vom Wirtschaften mehr oder weniger ausgeblendet hat, wie sehr unsere vergangene und gegenwärtige Realität voll geldfreier Elemente ist, und dass die allgemeine Ausblendung auch darüber funktioniert, dass man jene in lauter Besonderheiten auflöst, statt etwas Allgemeines darin zu finden.

Von der ursprünglichen gebenden Liebe der Mutter zu ihrem Kind, sozusagen der geldfreien Urerfahrung jedes Menschen, die Genevieve Vaughan als Ausgangspunkt verschiedenster kultureller Praktiken rekonstruiert, über die Ethnographien von Schenkökonomien, Potlach-Ritualen, Stammes-, Hof- und Dorfgemeinschaften, wie sie zum Beispiel die Bielefelder Subsistenzforschung (Mies, Bennholdt-Thomsen, Werlhof) vorgelegt hat, über die Entdeckung von durchaus gewaltigen geldfreien bedürfnis- oder zielorientierten Beziehungsnetzen innerhalb von Orden, Gilden, Organisationen, Unternehmungen hin zu intentionalen Gemeinschaften wie den Reduktionen der Jesuiten in Paraguay, den israelischen Kibuzzim und vielen anderen existiert eine Unmenge an Belegen, die zweifeln lässt an der behaupteten Universalität des Geldes. Moderne Entwicklungen wie die freie Softwareentwicklung oder die wachsende Bedeutung des Freiwilligensektors ergänzen diesen Befund. Während die Vertreter der Commons – auch ausgelöst durch den Wirtschaftsnobelpreis an Elinor Ostrom – einander für die Suche nach dem weltweit Gemeinsamen schon mehrmals trafen, steht das für die den Commons verwandten und mit ihnen sich inhaltlich überschneidenden geldfreien Netzwerken und Praktiken noch aus. Und doch ist das Allgemeine intuitiv zu spüren.

Diese Debatte über und das Ringen um geldfreie Gesellschaften ist ja an sich keineswegs neu; im Urchristentum ist sie genauso zu finden wie in linken Strömungen der organisierten Arbeiterbewegung, im Anarchismus, Maoismus, Trotzkismus, bei Che Guevara: und dennoch erschien der Anspruch auf eine grundsätzliche Kritik des Geldes noch vor wenigen Jahren ein absolut toter Hund zu sein. Vielleicht auch deswegen, weil Geldfreiheit historisch oft genug mit Unterordnung unter ein moralisches Diktat verstanden wurde. Schon Danton wusste aber, dass die Währung der Moral das Blut ist. Die elementare Abscheu davor hat die Geldgesellschaft in einer Art sekundärer Moral lange zusammengehalten, getragen von der irrigen Annahme, dass mit Geld jeder nach seiner Facon selig werden könne und niemanden anderen um Erlaubnis fragen müsse.

Mittlerweile ist konsensual: Das Muster „Geldfreie menschliche Beziehung“ hat durchaus die doppelte Bedeutung, dass einerseits Geld nicht die menschliche Beziehung vermittelt, aber andererseits auch, dass die beteiligten Menschen gewaltfrei miteinander umgehen. Das Andere des Geldes ist eben gerade nicht die Kommandowirtschaft, Rationierung, Zuteilung, Anordnung – sondern die freie Übereinkunft und die Orientierung am menschlichen Bedürfnis, mithin eine Verfassung der freien Individualität. Mittlerweile sind wir geneigt zu erkennen, dass das Geld kein Mittel der Freiheit ist.

Mit der Krise von 2008 entstand grundsätzliches Misstrauen gegen die bisher sakrosankte Welt des Geldes. Eine Ahnung geht um, dass nicht die Gier einzelner Menschen „schuld“ ist am Zusammenbruch bisher noch als in obigem Sinn rational empfundener Verhältnisse, sondern dass es gerade die sachgemäße Entwicklung der Logik des Geldes selber ist, die zur massenhaften und unseligen Vernichtung von Reichtum und Lebenschancen führt. Diese Logik funktioniert schon einige Zeit nur mehr durch Simulation, durch Aufrechterhaltung eines an sich schon nicht mehr lebens- und existenzfähigen Zustandes. Das Mittel der Simulation war und ist die Verschuldung, die Erzeugung von Geld aus Nichts beziehungsweise aus dem vagen Versprechen, dass die Schaffung von Geld zur massenhaften Entstehung von geldwertigem Reichtum führt. An diesem Versprechen und am Versuch, es praktisch wahr zu machen, droht unsere Welt gerade zugrundezugehen. Längst reicht unser Planet dafür nicht aus, und aus den Schuldnern werden nicht nur Verlierer und Gewinner, sondern sie alle werden zunehmend Gefangene einer ausweg- und sinnlosen Situation. Wir können beobachten, wie die Institution des Geldes mit ungeheurer Wucht Privatmacht erzeugt, die sogar die bisherigen Herrscher der Welt, die Staaten, auf immer mehr Gebieten herausfordert. Zugleich sind die Werke dieser Privatmacht so wenig durchdacht, so unkoordiniert, so redundant, so lückenhaft, so chaotisch, so aggressiv, so verschwenderisch, dass aller reale Reichtum, alles kulturelle Erbe, alle Zukunft darin verbrannt werden und für wenige Spektakel eine ganze Welt draufgehen muss – wahrscheinlich auch buchstäblich an Überhitzung. Genauso wenig wie wir uns das moralische Spektakel der planwirtschaftlichen, nachholenden Modernisierung geben wollen, wollen wir uns diese „unsichtbare Hand“ geben, die eher eine unsichtbare Faust geworden ist, die zerstört, zerschlägt, würgt.

Ja, und deswegen ist die Frage nach der Welt ohne Geld keine esoterische Fragestellung mehr. Immer mehr Menschen beginnen sich zur Notwendigkeit zu bekennen, dieser verrückten Ökonomie ihren nervus rerum zu ziehen, ihre fundamentale Macht zu brechen. Längst ist auch der prekäre Zusammenhang von Staat und Geld klar geworden. Das Politische, die scheinbar andere Seite der freien Privatwillkür, hat sich nur auf der Grundlage des Geldsystems halten und entwickeln können, das eine konnte das andere nur beherrschen, indem es ihm diente. Der Staat erhält sich durch Steuern und Kredit. Er sorgt für ein Zusammenwirken der Klassen, das den in seiner Währung geldwertigen Reichtum wachsen lässt. Jetzt, wo das Geldsystem zusammenbricht – ausgerechnet durch die Fortschritte in der Produktion des Reichtums, die zugleich Entwertung des Geldes bedeuten – steht auch der Kaiser ohne Kleider da. Die Finanzkrise des Staates ist zur Krise des Politischen selbst geworden, und alle Antworten in dessen Rahmen sind selbst nur mehr prekär und scheinhaft, weil sie immer von der Annahme ausgehen, dass genügend Geld für die Wohltaten des Staates vorhanden sein muss. Die Grundeinkommensdebatte macht hier keine Ausnahme, sie ist einerseits das letzte Opium der Geldsubjekte, aber markiert andererseits auch einen Wendepunkt, indem sie auch schon auf ein Jenseits der Geldbeziehung schaut. Wenn man sich aber auch aus dieser letztlich illusionären Vorstellung heraushalten will, bleibt einem nichts anderes übrig, als das Geld direkt infrage zu stellen.

Diese grundsätzliche Infragestellung der Geldlogik ist aber, wie gesagt, schwierig, weil sie uns aufnötigt, aus all dem, was unsere Existenz heute ausmacht, theoretisch wie praktisch auszusteigen oder zumindest all dies gehörig umzubauen, denn die Abhängigkeiten und Vernetzungen, die das Geld bis hin zur Welt der Produkte und Bedürfnisse geschaffen hat, sind eine surreale Anhäufung von absurden Disparitäten. Und doch sind wir noch in der Aufhebung von genau dieser Geldgesellschaft abhängig.

Ausgangspunkt ist unter anderem die Feststellung, dass das Geld vom einzelnen Menschen gerade nicht aufgehoben werden kann, auch wenn es spannende Experimente gibt, geldfrei zu leben. Zu dicht ist das Netz der Abhängigkeiten, das um uns gewebt ist, zu wenig haben wir zu geben, auch wenn wir zumindest ab und zu einen Schlafplatz für Couchsurfer zur Verfügung stellen können. Spätestens beim Frühstück sind wir dann wieder von einer ganzen Welt von Ware-Geld-Relationen abhängig. Davon dürfen wir uns nicht beirren lassen. Der Gedanke muss sich herausnehmen, nach dem Grund zu fragen, auch wenn uns das kein Geld einbringt. Und nur wenn wir die Gesetze des Geldes durchschauen, können wir an eine wirkliche Aufhebung denken. Dieses durchschauende Denken hat freilich mindestens vier Dimensionen.

Demonetarisierung als Theorie…

Die erste ist die Erklärung des Geldschleiers. Was ist das eigentlich für ein Kommunikationsmittel, das eindimensional immer nur eines kommuniziert: ich bin so viel, eine Zahl, ein rein quantitativer Ausdruck, und zwar von allem (und daher von nichts!). Ist das nicht extrem verrückt? Die Antwort gibt die Theorie. Weit davon entfernt, ein neutrales Schmiermittel der Ökonomie zu sein, ist das Geld durch seine universell quantifizierende und inhaltsleere Natur nichts anderes als die Form des Wertes: selbstzweckhafter Produktion von Zugriffsmacht auf gesellschaftlichen Reichtum. Geld kann niemals vernünftige Produktion steuern, es ist das Spiegelbild einer für Herrschaftszwecke eingerichteten Welt und von untereinander unkoordinierten Akteuren. Nur deswegen und nur dafür taugt ein „Kommunikationsmittel“, das nichts kommuniziert. Eine ganz zentrale Auflösung dieser Lüge vom Kommunikationsmittel bestünde in der Zurückweisung der Vorstellung, in dieser Gesellschaft würde es arbeitsteilig zugehen. Das Gegenteil ist wahr. Wo Zahlungsfähigkeit erwartet wird, wird von zu vielen redundant zu viel produziert; und dort wo sie nicht vermutet wird, unterbleibt notwendige Arbeit. In der Krise wird diese Nichtkommunikation schlagend und massenhaftes Verrotten und Vergehen von Reichtum ist die Folge. Plötzlich ist die Gesellschaft mit Armut, Krankheit, Gewalt konfrontiert, die sie glaubte überwunden zu haben. Die Wertform des Reichtums ist ein Hindernis für seine inhaltliche Entwicklung geworden, unsere technischen Fortschritte haben den Systemmangel so deutlich und unabweislich gemacht, dass er nicht mehr kompensiert werden kann – es sei denn durch die bewusste Hereinnahme von geldfreien Kräften, die über das System hinausweisen.

Die nächste Dimension bildet die Frage nach der Funktionsweise von geldfreien Gesellschaften – durch ein Denken, das sich die Freiheit nimmt, utopisch und visionär zu sein, und daher auch die Bedingungen präzis anzugeben vermag, die die Weiterentwicklung der Gesellschaft braucht.

Eine dritte Dimension bestünde darin, die oben genannten Triebkräfte und Energien zu identifizieren, die im Bestehenden schon vorhanden sind, um das Geld überflüssig zu machen.

Und erst eine vierte Dimension umfasst die praktische Kunst, diese Triebkräfte zu aktivieren und schrittweise auch untereinander zu verbinden, um wirkliche Veränderung herbeizuführen.

Die erste breite und weltweite Artikulation eines neuen radikalen Demonetarisierungsbewusstseins mit visionärer Komponente wird markiert durch den Film „Zeitgeist – Moving Forward“ des amerikanischen Filmemachers Peter Joseph, der seine Darstellung einer durch Geschäft und Gewalt malträtierten Welt in eine globale Revolte umkippen lässt, die sich spontan durch Wegwerfen von Geld artikuliert. Freilich steht zunächst ein recht fragwürdiges Bild einer geldfreien Gesellschaft bei dieser Wunschvorstellung Pate: die technokratischen Visionen von Jacques Fresco, der ein mit allen notwendigen Daten gefüttertes Elektronengehirn die Bedürfnisse und Ressourcen ein- und zuteilen lässt. Alle haben angegeben, was sie brauchen und wieviel sie freiwillig beitragen wollen, der Computer berechnet die optimale Verwendung der Ressourcen und los geht’s…

…und als Praxis

Hier aber beginnen schon die Debatten. Wo beginnt die Freiwilligkeit? Was ist, wenn sich Bedürfnisse und Ressourcen nicht ausgehen? Hat nicht jeder andere Vorstellungen von der Welt, in der er leben will?
Offensichtlich ist der Diskurs auf diese Weise nicht zu führen. Demonetarisierung kann nicht vorgestellt werden als ein Zustand, den man vielleicht noch mit mathematischen Formeln beschreiben kann. Vielmehr ist Demonetarisierung verbunden mit der durchaus schmerzhaften (gleichzeitig furchterregenden und befreienden) Erkenntnis, dass Geld als Träger der Vermittlung menschlicher Kommandogewalt über fremde Arbeit nur abgelöst werden kann, wenn aus dem wortlosen Kommando des Geldes ein wirklicher Kommunikationsprozess von Menschen geworden ist.

Mit anderen Worten: nur durch die Einübung und das Wiedererlernen einer Betrachtungsweise, in der die eigene Reproduktion, das eigene Bedürfnis im Kontext eines positiven Bezugs zu den Bedürfnissen anderer steht, ist Demonetarisierung zwischen Menschen denkbar. Nur wenn ihnen ihr wirklicher Austauschprozess (nicht das Tauschen von Äquivalenten!) zu ihrem wahren Lebensprozess, zu ihrem wirklichen Bewusstsein geworden ist, können sie sich des Fetischs Geld entledigen. Das wird in verschiedenen Größenordnungen verschieden zu bewältigen sein.

Aber es gilt: Wer dem Geld ade sagen will, der verabschiedet sich auch von einer gewissen Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit. Dies wird ein langer Prozess sein, und er wird nicht an einem, sondern an verschiedensten Orten gleichzeitig beginnen. Vielleicht beginnt er auch mit „Inseln der Demonetarisierung“, mit wieder entstehenden Solidargemeinschaften, die sich in einem „Innen-Außen-Verhältnis“ zur Welt definieren und nach innen hin demonetarisieren.

Wir hören schon wieder Ausdrücke wie „Stamm“ und „Phyle“, und manche warnen vor Tribalisierung. Aber vielleicht ist es doch ganz anders: diese „Inseln“ wissen, dass sie keine Inseln bleiben dürfen, dass jeglicher „lokaler Kommunismus“ immer wieder von der Macht des Geldes vernichtet worden ist. Nun hat es nie in der Geschichte eine derart dichte Kommunikationsbasis gegeben, die den Fortschritt der einen in Wissen und Handlung sofort zum Fortschritt aller machen kann. Nie in der Geschichte sind Menschen aller Kulturen in der Lage gewesen, sich über theoretische und materielle Aufgaben so rasch zu verständigen, sich zu informieren und zu organisieren.

„Crowdfunding“ liefert dafür einen Vorgeschmack, Menschen können auch Ressourcen monetärer Art bündeln, um gemeinsame Anliegen zu realisieren. Auf dieser Grundlage können sie sich zur Aufgabe setzen, die einzig wahre Existenzbedingung einer geldfreien Gesellschaft herzustellen: ein globales Aggregat aus Angeboten, das in Quantität und Qualität, in Originalität und Diversität und vor allem in puncto Sinnhaftigkeit und Kohärenz die Welt des spektakulären und illusorischen Reichtums übertrifft, der als Ergänzung zu offener Repression nach wie vor das Begehren der funktionalen und funktionslosen Massen zu kontrollieren und zu kanalisieren versucht.

Die Antwort liegt also in der Mobilisierung globaler Wissenskooperation ebenso wie in der Bewahrung und Vervielfältigung kultureller Eigenarten; in der Entwicklung kooperativer Kreislaufschlüsse zwischen solidarischen Unternehmungen und Gemeinschaften auf regionaler, kontinentaler und globaler Ebene ebenso wie im Erzielen von neuen Graden der (lokalen) stofflichen Autarkie. Vielleicht ist das Beste das wir sagen können, dass es in der Natur kein Geld gibt – und dass wir von dem grandiosen Zusammenspiel der Prozesse, der endlosen Zahl von Nischen und Besonderungen, der Biotope und Vernetzungen, der genialsten Technologien und der verschwenderischsten Reichtümer und Schönheiten in der Welt vor dem Menschen unendlich viel lernen und es sogar noch viel besser machen können.

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