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Call for Papers: ICH

06 Okt 2017

Für das Heft Nummer 72 der Streifzüge gilt wie immer auch diesmal: Alle Themen sind willkommen, nicht nur Texte zum Schwerpunkt. Wer also etwas hat, das sie oder er gerne loswerden möchte und das auch in die Streifzüge passt, dann bitte nicht zu zögern.

Die Frühjahrs-Ausgabe 2018 dreht sich ums

ICH

Wieviel „Ich“ kann werden im Zustand gesamtgesellschaftlicher Unbewusstheit? Bin ich ich, bin ich viele oder doch ein ganz anderer? Die Beschäftigung mit dem „lieben Selbst“, die stete Fokussierung auf die eigene Befindlichkeit, die Suche nach „Identität“ scheinen vielen ein wachsendes Bedürfnis. Dabei lenkt das gedankliche Kreisen um den eigenen Bauchnabel zuverlässig von den Verhältnissen, deren Geschöpfe wir sind, ab. Ich zwischen Ohnmacht und voluntaristischem Größenwahn. Wer sieht sich schon gerne als monadisiertes Warensubjekt? Soweit wir uns in der Charaktermaske der Erwerbstätigen und gleich darauf in der eines Käufers erkennen, halten wir uns doch meist für selbstbestimmte Akteure, stattdessen zappeln wir am Gängelband der Ware.

Wir sollen unsere – wechselnden – Rollen spielen, so jedenfalls sieht es das bürgerliche Drehbuch vor. Wer die Widersprüche der Gegenwartsgesellschaft möglichst locker wegsteckt, darf allgemein als gut integriert gelten. Das mustergültige Subjekt zeigt sich flexibel, anpassungsfähig und stets optimierungsbereit. Widerstandslos warenförmig im Alltag und offen für die Herausforderungen der Welt, damit haben wir uns den „Spaß“ dann auch verdient. Aus der wachsenden Zahl derer, die diesem Idealbild nicht entsprechen – ob wollen oder können –, suchen nicht wenige ihr identitäres Heil in irgendeinem Kollektivsubjekt, während das andere Ende des Spektrums versucht, sich in unverwechselbarer Einzigartigkeit zu behaupten.

Wo bleib bei all dem ich? Wie kommen wir da raus? Wer könnten wir sein? Wie kann „Ich“ werden?

Artikelanbote bitte ab sofort an die Redaktion (redaktion@streifzuege.org) Ab geplanten 12.000 Zeichen (2 Seiten) ersuchen um einen kurzen Abstract: etwa 1200 Zeichen, plus Angabe wie viele es letztlich werden sollen.

Folgende Textsorten stehen zur Verfügung:
* 2000 Zeichen abwärts,
* Rezens eines Buches (1600 Zeichen),
* Aufriss (1 Seite mit bis 6.000 Zeichen),
* Abhandlung (auf 4 oder 5 Seiten mit 24.000 bzw 31.000 Zeichen Limit)

Genaue Modalitäten zu Textsorten und -länge siehe:
www.streifzuege.org/hinweise-fuer-autorinnen

Die fertigen Aufsätze sind bis zum vereinbarten Termin, aber spätestens bis 11. Februar 2018 an uns zu senden.

Die Ausgabe wird betreut von Petra Ziegler.

1 Kommentar

 Kommentare

  1. 1 Hoettges meinte am 7. Oktober 2017, 11:15 Uhr

    Sind wir einfach nur „Geschöpfe der gesellschaftlichen Verhältnisse“, so wie es unter der Überschrift „Call for Papers“ in der Online-Ausgabe der Wiener Zeitschrift der Streifzuege im Herbst 2017 zu lesen war? Eine solche Zuspitzung hatte im späten Vormärz und darüber hinaus etwas Befreiendes, sie konnte der vorherrschenden idealistischen Philosophie eine Backpfeife bescheren. Aber bald war die Zeit weiter gelaufen: Der Existentialismus kam dazu, der Marxismus verzweigte sich in nicht-traditionelle Richtungen, darunter war dann auch – eher als Fußnote – die Wertkritik, die als strukturalistische Theorie die Befangenheit des Menschen in der Matrix des Werts problematisierte, jedoch im Gegensatz zum akademischen Strukturalismus in den dreißiger Jahren des 21. Jahrhunderts einen Masseneinfluss gewinnen konnte, weil sie das Subjekt-Objekt-Verhältnis nicht deterministisch problematisierte, sondern die Handlungsmacht des Subjekts betonte, was wiederum Wege der Transformation eröffnete. So haben wir heute Kommunismus.
    Aus: Handbuch der Wahrheit, 412. Auflage, Osftriesland im Jahr 2427.

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