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Businessidee Schmuckdiktatur

28 Mai 2017

Streifzüge 69/2017 – 2000abwärts

von Dominika Meindl

Die Sehnsucht nach dem starken Mann, der Wunder verspricht, ist groß. Fast genauso groß wie die Sehnsucht nach einer flippigen Urlaubsdestination. Hier ein Vorschlag zur Güte und zwecks Weltrettung: Wenn das Volk nun so nach autoritärer Führung lechzt, warum ihm dann nicht eine Diktatur schenken? Denken Sie nicht gleich an Hitler oder Stalin, denken Sie zeitgemäß, think business! So eine konstruierte Despotie ließe sich nämlich touristisch prachtvoll nutzen. Theatralisch ausgelebte Monarchien sind sehr beliebt. Ich verfüge selbst über Sisi-und-Franz-Würzstreuer sowie britische Plastik-Kronjuwelen. Errichten wir also ein Despotie-Disneyland, eine Schmuckdiktatur! Umkränzen wir ein Areal (Pinkafeld? Braunau? Hermagor?) mit einer „baulichen Maßnahme“ und setzen einen Tyrannen-Darsteller mit bunten Persönlichkeitsstörungen hinein. So wie sich Bokassa als 13. Apostel oder Gaddafi als Wüsten-Michael-Jackson inszenieren ließen. Eine pittoreske Geisteskrankheit gehört wesentlich zur Job-Description eines Despoten. Viele Demokratiefeinde werden vom Volk gestürzt, weil ihr Privatleben nur fahl schimmert. Wenn sich sonst niemand findet, spiele ich meinetwegen die durchgeknallte Herrscherin. Es könnte in Richtung Wahabismus gehen, mit freitäglichen Scheinhinrichtungen und Fahrverbot für Männer. Oder Bewunderungsshows mit Massenchoregraphien – tausende Narzissen in Meindlform schwimmen auf dem Neusiedlersee, die Bevölkerung Braunaus formt eine Silhouette, die mir gleicht, die zahlende Gäste von oben aus dem Helikopter bestaunen.

Die Einreise muss schwer und teuer, aber möglich sein. Schnell hat man die Ultra-Individualtouristen da, denen Somalia und Tschernobyl schon zu mainstream sind. Am Abend, wenn die Touristen wieder ausgeflogen sind, öffnen wir die Zauntüren, laden einander zum nachbarschaftlichen Grillen (mit Salat) und lachen über unseren pfiffigen Schwindel, dass uns die Bäuche wackeln. Alles wird gut!

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