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Die große Ratlosigkeit

13 Dez 2016

Notizen zu Resignation und Erschöpfung, Transposition und Perspektive

Streifzüge 68/2016

von Franz Schandl

Gibt es überhaupt noch so etwas wie eine Zukunft? Die kapitale Propaganda will sie ja nur noch als Fortschreibung der Gegenwart gelten lassen, als Wert- und Wertegemeinschaft auf ewig. Eher geht die Welt unter, als dass der Kapitalismus zusammenbricht. Das wird uns auch täglich mitgeteilt. Wir leben in Zeiten der großen Blasen, nicht nur der Finanzmarkt hat diese zu bieten, die gesamte Kulturindustrie zehrt davon und blüht dafür. Die große Fiktion ist überall. Doch die Brüchigkeit ist ebenfalls sichtbar und spürbar, beobachtbar und vernehmbar. Da muss man gar nicht theoretisch ausstaffiert sein.

Resignation

Ein Problem ist, dass viele radikale Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft kapituliert haben. Noch dazu eher die klügeren als die naiveren. Man hat zwar nicht Frieden geschlossen, aber beschlossen, Frieden zu geben. Die Auseinandersetzung erscheint aussichtslos, die Struktur als übermächtig. Negatives Denken ist umgeschlagen in die Negation aller Möglichkeiten. Viele ziehen sich zurück und sehen nur noch zu, auch wenn sie keine Konvertiten geworden sind. Gepflegt wird die Ohnmacht. Die Depression ist allgemein und tatsächlich gibt es wenig Gründe, nicht depressiv zu sein. Verdrängung wird sodann zu einer nützlichen Größe.

Resignation ist das Gefühl der Zeit. Selbstverständlich ist sie sympathischer als die blanke Affirmation, diese falsche Tante der Unlust, die lieben lässt, was grauslicher nicht sein könnte. Aber praktisch führt Resignation zur bloßen Hinnahme. Man ist zwar nicht dafür, aber was soll man tun? So macht man halt mangels Alternativen mit und nichts dagegen. Oft ist der Zynismus der logische Partner einer solchen Haltung. Wie sollte eins auch sonst funktionieren bei derlei Widersprüchen? Ohne Ventile geht das nicht.

Und die, die nicht resigniert haben, also die breite Mehrheit der Landsleute, haben nicht einmal resigniert. In ihrer kruden Übereinstimmung mit dem äußeren Schein der Welt ist ihnen oft kaum bewusst, wie prekär ihre Lage ist. Und wenn doch, dann individualisieren sie diese Bedrohung als eigene Schuld oder projizieren sie nach außen, indem sie gierig nach Sündenböcken suchen. Stets werden sie fündig.

Unterwerfung sagt zumindest: Ich tue etwas, was ich nicht will! Die meisten müssen sich demnach gar nicht unterwerfen. Ihnen ist ihre mentale Konstitution nie aufgefallen, diese war lediglich Aufforderung, nicht Herausforderung. Mehr als gesunder Menschenverstand ist nicht, doch der ist eine Volkskrankheit.

Erschöpfung

Viele Projekte erschöpfen sich, manche schneller, andere langsamer. Insofern ist das hohe Alter der Streifzüge nicht zu unterschätzen. Aber auch bei uns stellt sich die Frage nach dem Aufwand. Er ist relativ hoch. Das Produkt mag das rechtfertigen, aber tut es die Rezeption? Da müssten wir lügen. Im Gegensatz zur ersteren, scheint letztere kaum im Wachstum begriffen zu sein. Was wir an einigen Orten gewinnen, das verlieren wir anderswo. Wir gleichen dem Hamster im Rad …

Indes brauchen wir konzentrische Kreise von bestimmter Größe, um in zarten Ansätzen relevant zu sein, Kreise, die nicht nur konsumieren, sondern auch mit uns auf uns bauen. Vor allem also auch Menschen, die unsere Überlegungen verbreiten und ausschmücken, d.h. ihnen zusätzlich Leben verleihen. Dass der Setzung eine Fortsetzung folge. Letzteres ist immer ein wunder Punkt gewesen. Schwächen werden dann durch größere innere Anstrengungen behoben. Doch das kann es nicht sein, das trägt zwar, aber es führt auf Dauer nicht wirklich weiter. Wir schrumpfen zwar nicht, wir expandieren aber auch nicht. Reif sind wir, aber frisch sind wir nicht.

Außerakademische Kritik hat ihren Exponenten ja auch kaum existenzielle Surrogate anzubieten, sprich Entschädigungen, Versorgungen oder gar Arbeitsplätze mit Pensionsanspruch. Nicht einmal für bestellte Aufsätze vermögen wir ein kleines Honorar zu überweisen. Wir hängen sozusagen an unserem Publikum, das uns füttert wie erntet. Doch besteht dieses spezifische Publikum im wahrsten Sinne des Wortes aus Zuschauern und Zuzahlern. Insgesamt ist es eine atomisierte Menge, die sich kaum zur Selbsttätigkeit aufraffen kann. Wir wollen jedoch ein Projekt und nicht nur ein Produkt sein. Wir ersuchen, das ausdrücklich als Beschwerde zur Kenntnis zu nehmen.

Inferiore Fronten, falsche Fragen

Was wir heute erleben, ist dieses Manko an Perspektive. Nicht, dass es diese nicht gäbe, soll hier behauptet werden (vgl. auch mein „Die große Freisetzung“ in dieser Ausgabe), wohl aber dass diese nicht greift. Notwendigkeit und Möglichkeit greifen nicht ineinander, sondern klaffen weit auseinander.

Der Liberalismus vereinigt blanke Affirmation und seichte Kritik zu einem omnipräsenten Ensemble. Die Anschlussfähigkeit lässt zwar nach, aber jener beherrscht nach wie vor weite Teile der Kulturindustrie, d.h. alte und neue Medien, Hochkultur, Popkultur, Werbung und vor allem die öffentlichen Sprachregelungen (Correctness). Der Populismus hingegen ist ein Querschläger, die grobe Rache der Immanenz. Im Rechtspopulismus kämpft das System gegen das System selbst. Von allem, was wir satt haben sollten, will er noch mehr.

Was sich zur Zeit an Alternative zum liberalen Marktwirtschaftsdemokratismus geriert, ist geradezu erschreckend. Als gäbe es nur mehr die Variante, dass das noch Üblere das Schlechte hinwegfegt. Was sich da aufschaukelt und zuspitzt, das ist (zumindest in den zentralen kapitalistischen Ländern) eine Konfrontation zwischen dem satten (Links)Liberalismus und dem hungrigen (Rechts)Populismus. In dieser schrägen Konfrontation droht alles andere unterzugehen, wird alles, was quer dazu liegt, von den jeweiligen Frontoffizieren akkurat der Gegenseite zugeschlagen, um es dann entsprechend zu diffamieren. Was nicht zugeordnet werden kann, wird trotzdem eingekastelt. So verschwindet Gesellschaftskritik von der Bildfläche, wird nur als zu diskreditierende Flanke des Irrsinns wahrgenommen.

Nicht Gegenstand ist hingegen, was diese vermeintlichen Gegner eint: Marktwirtschaft, Standort, Arbeit, Demokratie, Leistung, Wachstum, Konkurrenz, Flüchtlingsabwehr. Die Liste lässt sich ins Unendliche verlängern. Was abläuft, ist eine Farce. Dass etwa die Kern-Doskozil-SPÖ noch einmal als Attraktion erscheinen kann, ist ein Treppenwitz. Und doch erfasst deren Performance mehr Leute als man für möglich hielte. Ungeheuerlichkeiten gehen fast unkommentiert über die Bühne. Ungeheuerlichkeiten werden kleiner, wenn die Etikette eine andere ist. Und von den Etiketten versteht er was, der Christian Kern, anders als sein Vorgänger, der Werner Faymann, auch wenn die Differenz in der Eloquenz liegt. Der Ruf der Coolness reicht aus, um Friends and Followers auf Facebook oder sonstwo zu kreieren.

Dass CETA, Brexit oder die Kandidatur Van der Bellens keine entscheidenden Punkte sind, darf da gar nicht kommen. Im medialen Gewitter sind es meist völlig nachrangige Probleme, die unsere Gemüter besetzen und erhitzen. Insofern wird es auch immer wichtig bleiben, die herrschenden Fragen selbst in Frage zu stellen und eigene zu formulieren. Nicht nur die Antworten sind falsch, es sind bereits die Fragen.

Transposition

Transposition meint, dass es aufgrund der sich aufschaukelnden Gefahrenlagen notwendig ist, einen Standpunkt jenseits der Konfliktebenen zu beziehen. Das ist nicht zu verwechseln mit Äquidistanz oder Ignoranz. Es schließt konkrete Solidarisierungen mit Opfern nicht aus. Solidarität gilt nicht Völkern, Kollektiven oder Staaten, sondern betroffenen Individuen, kurzum den leidtragenden Menschen in diesen Auseinandersetzungen. Transposition bezeichnet weder Partei noch Neutralität, sie versucht sich eben nicht im vorgegebenen Koordinatensystem zu verorten, sondern will darüber hinaus die Destruktivität der Konfrontationen selbst zum Gegenstand machen. Sie ist die ideelle Negation des Konflikts, die sich an der reellen Negation betreibt. Sie will ihre Fragen stellen und nicht die gestellten beantworten. Sie will nicht Flaggen hissen, sondern die Fahnen einrollen. Kurzum: Schwächt alle Fronten! Raus aus den Schützengräben!“ Was sich damals (Streifzüge 37/2007) auf die internationalen Konflikte bezog, ist durchaus von allgemeiner Natur. Falsche Fronten sind allgegenwärtig, lähmen, verunsichern und schwächen jede emanzipatorische Regung, da sie permanent in die Irre führen und unzählige Kräfte absorbieren.

Inzwischen sieht es freilich so aus, als ob alle Wege in diese elenden Schützengräben führten. Als sei unsere Betrachtung nur ein frommer Wunsch Unentwegter, man könnte auch sagen Phantasten oder Hirnederln. Inwiefern unser Gedankengut überhaupt ankommt und aufgegriffen wird, ist schwer zu sagen. Zur Zeit sieht es aus, als sei unser Part eine Mini-Minderheitennummer. 95 Prozent der Leute sind gegen euch, höre ich da von irgendwoher. Wenn es nur so wäre! Das Problem ist nicht, dass es so ist, sondern dass es nicht einmal so ist. Fünf Prozent, das wäre nämlich sogar eine beträchtliche Menge an Zuspruch.

Immer weiter so?

Welch Glück, dass es die Betriebsamkeit gibt und die Kulturindustrie noch dazu, so fällt gar nicht mehr auf, was auffällig ist: In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht eine große Ratlosigkeit, auch wenn es welche gibt, die diese halluzinativ überspringen. Damit sind nicht nur die Regimenter des Establishments gemeint. Insbesondere der Rechtspopulismus, der nicht einmal ahnt, wie wenig er weiß, wäre hier anzuführen. Es ist ja gerade seine Beschränktheit, die ihn stark werden lässt. Ressentiment und Vorurteil brauchen weder Wissen noch Erkenntnis. Was ihn aber gerade deswegen besonders gefährlich macht, droht doch das Berechenbare und Kalkulierbare von Herrschaft zu kippen. Rationaler Wahn steigert sich in irrationalen, siehe Strache, Orbán Erdoğan, Putin, Duterte, jetzt auch noch Trump. Die Welt ist nicht nur voll von solchen Typen, sie haben zunehmend Zulauf. Kleine Monster gebären große.

Die Stimmung ist ungefähr so: Nichts geht mehr, weder das, was ist, noch das, was sein könnte. So wird weitergemacht. Wird schon. Irgendwie. Doch diese Realität sollte mehr Warnung sein als Sicherheit geben. Wenn wir nur zuschauen, wird uns das mehr zusetzen, als uns lieb sein kann. Zweifellos, wir sind recht hilflos, aber am Hilflosesten sind wir, wenn wir uns ergeben. Anpassung ist die gemeinste Form verpassten Lebens. Leben darf nicht heißen, „dass man nie tut, was man will und dass man nie gewollt hat, was man getan hat“. (André Gorz, Über das Altern (1960); in: ders., Der Verräter (1958). Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer, Zürich 2008, S. 381)

„Sozialismus oder Barbarei?“, so formulierte Rosa Luxemburg in ihrer JuniusBroschüre (1916) die zentrale Entscheidungsfrage. Die Barbarei ist nicht nur möglich, sie hat sich in nicht wenigen Zonen schon eingenistet, man denke nur an die molekularen Bürgerkriege mit Weltbeteiligung in Syrien oder auch Libyen. Es ist uns so selbstverständlich, dass wir gar nicht mehr begreifen, was es ist, obwohl es offensichtlich ist. Das Problem ist sogar weniger, dass wir es nicht zu benennen imstande sind, sondern, dass wir es nicht spüren, weil wir empathische Spatzen sind, denen außer ihrer unmittelbaren Umgebung wenig nahe geht. Uns den Strapazen eines kritischen Denkens und warmen Empfindens zu unterziehen, wo wir doch durch Alltag und Job überbelastet sind, scheint nicht möglich. Unser Sensorium ist gestört. Es ist jedenfalls auch eine große Krise des Fühlens, in der wir heute leben, und es ist zu fürchten, dass eine bombastische Fehlemotionalisierung uns sogar die Reste unserer Menschlichkeit austreibt.

So gesehen, ist das hier auch ein kontrafaktischer Aufruf, allen Widrigkeiten zum Trotz nicht aufzugeben – eine Attacke gegen den Fatalismus und die ihm zugrunde liegende Realität. So probieren und experimentieren wir weiter. Zwar nicht blindlinks, aber doch entschlossen, den widrigen Zeiten zu trotzen. Gibt es Besseres? Eigentlich nicht! Der Zersetzung des gesellschaftlichen Gefüges kann nur effizient mit der Abschaffung desselben begegnet werden, ansonsten ist der Zusammenbruch tatsächlich einer der übelsten Sorte und eben nicht das, was er sein soll: die produktive Zerstörung einer irren Form. Was die Zukunft bringt? Nun, das hängt auch davon ab, ob und wie wir uns einbringen können ohne eingemengt zu werden.

13 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 helmutn meinte am 16. Dezember 2016, 12:37 Uhr

    Das ist schon eine Hausnummer,der Artikel.Alle Achtung.
    Meiner Meinung nur in Teilen so nicht ganz korrekt.
    Z.B. wurden hier genannt Putin,Orban und andere als das noch größere Übel.
    Das klingt so als ob der Hausbewohner dessen Scheiben eingeworfen werden und der versucht von innen gegenzuhalten schlimmer noch wäre als die Steinewerfer welche ins Haus wollen.Ich kann in der Eloquenz hier bei weitem nicht mithalten aber da ist mir doch ein Putin oder Orban um Lichtjahre lieber als eine ständig hetzende Merkel oder dieser unsägliche Hollande.Hier hat seit Jahrzehnten die US Nato agiert gegen Russland und dieses hat reagiert.Das kann man doch nicht übersehen-jedenfalls nicht wenn man ernstgenommen werden will.Meine Meinung und ich denke das viele das gar nicht anders sehen können.

  2. 2 ClaudiaBerlin meinte am 16. Dezember 2016, 13:46 Uhr

    Mal nur zu einem Detail:

    „Das Produkt mag das rechtfertigen, aber tut es die Rezeption? Da müssten wir lügen. Im Gegensatz zur ersteren, scheint letztere kaum im Wachstum begriffen zu sein. Was wir an einigen Orten gewinnen, das verlieren wir anderswo. Wir gleichen dem Hamster im Rad …“

    Wie wäre es, auf diese Seite mal wenigstens die üblichen Teilen-Buttons zu setzen? Ich twittere z.B. alles, was ich als lesenswert empfinde und wundere mich über die Ignoranz interessanter Quellen gegenüber diesem seit Jahren üblichen Tool. Das gibts seit langem auch Datenschutz-konform!

  3. 3 Martin meinte am 16. Dezember 2016, 16:25 Uhr

    Liebe Claudia,
    siehe: https://twitter.com/SZredakteur/status/808990390934192128

    bitte folge und verbreite, danke!

    Lg Martin

  4. 4 Dunkeldtldvlpr meinte am 17. Dezember 2016, 09:00 Uhr

    Eine adäquate nicht akademisch verklärte Antwort auf unsere hier und unter nk-projektfragen diskutiertes Lethargieprobleme ist wohl die Frage nach dem Sockel auf dem wir alle stehen, wirtschaften und unser bzw. so ein Leben mit uns machen lassen „dürfen“.

    Da ist es als erstes nicht an Teilhabe sondern an Verklärung. Dann ist es danach nicht zunächst um Würde und Achtung der Mitbewerber, sondern scheinbar „bestens“ um Effiziens- und Planungsneurotische Handlungssprünge bestellt, bei denen sich die Individuen nicht selten breits gegenseitig zu übertrumpfen suchen.

    Bezeichnen das sogar noch als Multitasking und freuen uns blöd dafür, das zu beherrschen. Darauf folgt pseudointellektuelles Gelaber, seltener idealisiertes Schreiben wie Gedichte, Werkstattordnungen, Büroverfügungen oder so ein Quatsch, denn wer möchte das wirklich? War dies Ausdruck freier Spitzen (Leerlauf im Projekterleben?). Bald werden Spitzen gegen die eher nicht für das Projektanliegen durchlässige Umwelt geschleudert, ja, man muss, kann wohl anfangs nur zynisch werden…

    Aber zurück zum Sockelthema. Um die Diskussionen und Eruierung vieler Sockelthemen kriechen ungezählte hochbezahlte Untertanen. Einfach dummstudierte und für den Abgleich von faktischem Erleben zwischen Subjekten, die wir ja nunmal sind bzw. der Vorstellung davon minderbegabte wenn nicht gestörte Traumatisierte, Schaumschläger, Schlitzohren, Ratten, Schmarotzer, Büroangeschädigte, falsche 50er, Fotzen und Huren bestellter falscher oder angeblicher Wissenschaften, Argumentationsmodelle, Gutachten, Expertisen, Machbarkeitsstudien, Businesspläne, Kongresse, Beraterfirmen, Kanzleien, Privatarmeen; Psychopathen.

    Sockelarbeitslosigkeit, Einkommenssockel, Sentiment.

    Funktionsweisen, Sockelprozesse,
    innerer Wert, Stützungskäufe und Bestandskunden.

    Hauptsache man kommt nicht dazu über grundsätzliches nachzudenken und Zeit zu haben um im letzten Absatz genanntes für sich aufzubauen oder es innerhalb bestehender Strukturen (staatliche und private Unternehmen) zu implementieren – das man sich da bloß nicht „versteigt“. Bis sie einen soweit haben, dass man sogar von selbst denkt, mann könnte sich zumindest verstiegen haben…

    Wenn wir diesen unbeweglichen Sockelsozialismus nicht gegen Sockelkapitalistische
    Motivation und dementsprechende Fakten- und Datenlage austauschen (Sozialsmus kann/sollte m.E. nur als Schirm erfrischen, nicht aber als Schlamm oder Sumpf) wird der latente Hass in uns immer weiter ansteigen, bis alle wie Zombies übereinander herfallen, weil immer irgendwo eine-r drei Bonbons oder Kuchenkrümel mehr aufgesammelt hat oder es zumindest hätte tun können, weil er schneller und cleverer war oder es zumindest einstweilen von sich behauptete und man ihm oder ihr das einfach nicht gönnt, weil man ja angeblich mehr „Erfahrung“.

    Zumindest haben wir ja schon schön angefangen uns gegenseitig zu rasieren sh. Rentenkürzugen – offene und Versteckte, Mobbing und Dummschwätzerei in An- und Abwesenheit von Kollegen und Kunden am Arbeitsplatz… Wenns eklig wird und man sich immer wieder nur Splitter reinzieht sollte man vielleicht langsam aufhören vom Nektar abgestoßener Fässer zu nippen und sich neuen Gebinden zuwenden.

    Die eigentliche Hirnfickerei ist doch heutzutage, dass nur noch Möglichkeiten gegen Möglichkeiten abgewogen werden und man Leute kritisieren und dumm machen möchte, die überhaupt was machen und sich für etwas einsetzen – im realen Leben wohlgemerkt… Das darf doch nicht so sein, hier stimmt ganz gewaltig etwas nicht… Heil Drohnenrasse

  5. 5 Heinz Göd meinte am 17. Dezember 2016, 10:52 Uhr

    „Ein Problem ist, dass viele radikale Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft kapituliert haben. …Die Auseinandersetzung erscheint aussichtslos, die Struktur als übermächtig. …Aber praktisch führt Resignation zur bloßen Hinnahme. Man ist zwar nicht dafür, aber was soll man tun? So macht man halt mangels Alternativen mit und nichts dagegen.“
    Ja, das ist die derzeitige Befindlichkeit der meisten Querdenker. Das hat einen Grund.
    Der Mensch wird von Eltern, Lehrern, Priestern zum Untertan, Mitläufer und Trittbrettfahrer erzogen. Menschen, die alles hinterfragen, sind nicht erwünscht von der ‚Obrigkeit‘ , weil sie möglicherweise deren Macht gefährden, und auch von den Mitmenschen nicht, weil sie die Behaglichkeit stören. Kinder, die naturgemäß alles hinterfragen, wird daher das Fragen abgewöhnt, und das bleibt dann so. Deshalb hinterfragen auch die meisten Erwachsenen nicht mehr. Die Forderung an Jugendliche „Werd‘ endlich erwachsen“ bedeutet:
    „Hör‘ endlich auf, alles zu hinterfragen; pass‘ dich an das bestehende System möglichst gut an und schau‘, dass du möglichst viel Geld verdienst, damit du eine Frau bekommst, mit der du Kinder hast, die du dann zu weiteren Mitläufern des Systems erziehst.“ Diese Forderung ist im Kapitalismus zwar nahezu notwendig zum Überleben, aber für eine SystemÄnderung nicht hilfreich.
    Solange Kinder von Erwachsenen erzogen werden, solange wird sich diesbezüglich nicht viel ändern.
    Es gibt aber andere Möglichkeiten, z.B. das ‚Jugendhaus‘ auf den Trobriand Islands.
    In der Utopie ‚2069‘ ist dieses Erziehungsmodell etwas abgewandelt übernommen.
    (Suchbegriff: Jugendhaus )

  6. 6 Klaus meinte am 24. Dezember 2016, 08:36 Uhr

    Dem Einwand „wir würden zu Mitläufern erzogen“, möchte ich nicht widersprechen. Man sollte sich doch aber bewusst sein, dass noch nie so viele Informationen verfügbar waren wie heute. Und noch nie hatten so viele Menschen die Möglichkeit, zu verbreiten, was sie für wahr halten.

  7. 7 Charly meinte am 24. Dezember 2016, 15:20 Uhr

    Immerhin leben wir nicht mehr in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts als man noch Staatskapitalismus a la DDR oder Sowjetunion als „Zukunft“ verklärte. Oder in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen man eine harmlose Jugendrevolte (inklusive kitischigem Protestpop) mit „Revolution“ verwechselte und idiotische „Busenattentate“ im Hörsaal als „subversiv“ und „links radikal“ galten. Oder in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts – als man noch glaubte, dass die älter gewordenen und nun bärtigen Typen mit Wollpulli eine „Revolution“ als bezahlte Parlamentarier (!) veranstalten.
    All diese Idiotien haben wir schon hinter uns und sie kommen auch nie wieder – immerhin. Vielleicht ist es auch besser ein Jahrzehnt mal zu „resignieren“ – anstatt eine weitere Scheinalternative sich auszudenken und diese mit „Revolution“ zu verwechseln.

  8. 8 Charly meinte am 24. Dezember 2016, 18:44 Uhr

    Ich merke selber immer wieder in meinem Umfeld wie schwer es ist mit durchaus „gebildeten“ Menschen überhaupt über den Kapitalismus und die falsche „Gesellschaft“, die er generiert, zu sprechen. Da scheint bei den meisten eine totale Blockade im Kopf zu bestehen. Man besitzt in vielen Fällen schlicht nicht mal das fundamentalste Wissen über die Funktionsweise des Kapitals, als auch über unsere Gesellschaftsordnung – um überhaupt mit Denken anzufangen. – Da wird Kraut und Rüben zusammengeworfen, verkürzte Kritik am Laufband produziert, Dampf abgelassen und Sündenböcke gesucht – aber am Schluss des Gesprächs bleibt bleierne Leere und Ohnmacht zurück, welche die vermeintlichen Kritiker um so williger in die Arme des Status Quo treibt und ihnen jeglichen Widerstand als unmöglich erscheinen lässt.

  9. 9 Charly meinte am 24. Dezember 2016, 19:26 Uhr

    Ähnlich wie fast alle die furchtbaren Kriege, den Welthunger oder gar die potentielle nukleare Katastrophe, die sich wieder am Himmel abzuzeichnen scheint, verdrängen – um nicht vollkommen verrückt zu werden, scheint die Weltbevölkerung den Kapitalzusammenhang und seine katastrophischen Folgen zu verdrängen – um überhaupt weiterhin „funktioneren“ zu können.
    Es handelt sich also weniger um ein reines „Bildungsproblem“, sondern geht bis zur existentiellen Angst. Ein globales Stockholmsyndrom ist der grösste Verbündete des Kapitals – hier müsste angesetzt werden, anstatt sich pseudoelitär über die Unbedarftheit der „Massen“ zu mokieren. An diesem Punkt liegt auch eine der grössten Gefahren des linken Intellektuellen: Selbstüberschätzung oder Selbstunterschätzung.

  10. 10 Charly meinte am 24. Dezember 2016, 21:30 Uhr

    Vielleicht noch eine kleine Provokation zum Schluss meiner kleinen Blogserie:
    Zitiert aus „Das Buch der Unruhe“ von Pessoa (so um 1930):

    Mit ironischer Traurigkeit erinnerte ich mich einer Arbeiterdemonstration, deren Aufrichtigkeit ich nicht einzuschätzen vermag (denn es fällt mir immer schwer, an die Aufrichtigkeit von Massenveranstaltungen zu glauben, da nur der einzelne und nur mit sich allein fähig ist zu fühlen). Es war ein geballter, ungezügelter Zusammenschluss von erhitzten Dummköpfen, die an meiner abseits stehenden Teilnahmslosigkeit vorüberzogen und dies und jenes brüllten. Plötzlich verspürte ich Ekel. Sie waren nicht einmal glaubhaft schmutzig. Die wirklich Leidenden rotten sich nicht zusammen, bilden keine Gemeinschaft. Wer leidet, leidet allein. Was für eine klägliche Gemeinschaft! Welch Mangel an Menschlichkeit und Schmerz! Sie waren wirklich und daher unglaubwürdig. Keiner konnte mit ihnen Romangemälde gestalten oder eine Kulisse. Sie waren Treibgut in einem Fluss, im Fluss des Lebens. Ihr Anblick machte mich müde, erfüllte mich mit Ekel und Erhabenheit.

  11. 11 Charly meinte am 24. Dezember 2016, 21:44 Uhr

    Als Nachtrag zum vorher zitierten (passend zu Weihnachten):
    Die Tradition aller todten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. (Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte)

  12. 12 Charly meinte am 25. Dezember 2016, 00:11 Uhr

    @helmutn
    Es ist tatsächlich so, dass die USA und ihr Militärbündnis namens NATO, sowohl die russische Föderation, als auch die Volksrepublik China mit Militärbasen und aggressiven Manövern, zu Land als auch zu Wasser, seit geraumer Zeit in Bedrängnis bringen wollen, sodass die Situation leicht eskalieren könnte. Diese neoimperialistische und höchst gefährliche Kanonenbootpolitik muss freilich schärfstens kritisiert werden, da höchst gefährlich und kontraproduktiv für den Weltfrieden. Diese sinnvolle Kritik muss aber nicht in einen naiven Lobgesang auf Putin und die Machthaber in China münden. Ganz im Gegenteil – beide Seiten bedingen sich heute so sehr, dass man schon fast blind sein muss um sich auf eine Seite schlagen zu wollen. Trump hat gerade den CEO von Exxon Mobile zu seinem Aussenminister gekürt – ein Mann, der von Putin persönlich mit der höchsten Ehrenmedaille der russischen Föderation ausgezeichnet wurde. Die korrupten Gangsterclans reiben sich auf beiden Seiten des Pazifiks gerade die Hände und wollen nur eins: sich maximal bereichern auf Kosten der Bevölkerung.

  13. 13 Rüdiger meinte am 28. Dezember 2016, 18:50 Uhr

    Ich möchte mich Charly in seinem letzten Beitrag voll anschließen. Putin als Weltverbesserer aufzufassen, der sich endlich einmal dem Westen handfest entgegenstellt, wäre eine wahrlich naive Auffassung, so sehr man es sich auch machmal wünschen würde.

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