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Obsoleszenz als Modetrend

22 Apr 2012

Streifzüge 54/2012

von Julian Bierwirth

Die Linke hat ein neues Modewort entdeckt: geplante Obsoleszenz. Der Begriff ist eine Adaption aus dem englischen Sprachraum, wo von planned obsolescence die Rede ist. Der Begriff kommt von dem Adjektiv obsolet, das so viel bedeutet wie „nicht mehr gebräuchlich“ oder „hinfällig sein“. Gemeint ist „geplanter Verschleiß“.

Um mehr Produkte verkaufen zu können und damit den Umsatz und den Gewinn der Unternehmen steigern zu können, sind sie stets auf der Suche nach Ideen, die Kund*Innen dazu zu bringen, ein bereits erworbenes Produkt möglichst bald durch ein neues zu ersetzen. Eine Möglichkeit hierfür sind Modetrends: wer einen neuen iPod, eine neue Hose oder ein neues Auto braucht, weil es für sein Wohlbefinden oder die angestrebte gesellschaftliche Akzeptanz wichtig ist, wird den fraglichen Gegenstand schon lange vor dem Ende von dessen physischer Nutzbarkeit zu erneuern trachten. Die Geschichte der konsumorientierten Variante von moralischem Verschleiß ist nicht neu und geht bis in die USA der 20er Jahre zurück, als Henry Fords Tin Lizzie gerade den Höhepunkt seiner Marktverbreitung erreicht hatte. Die Konkurrenz schlief nicht und so platzierte General Motors ein Auto auf dem Markt, das zwar nicht besser, dafür aber schöner sein sollte. Es ließ die klobige Tin Lizzie im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen und wurde mit jährlich neuen Farben und neuen Modellen zu einem wahren Verkaufsschlager. So brachte General Motors die Leute dazu, sich schneller als es eigentlich nötig gewesen wäre, ein neues Auto zuzulegen.

Auf diese Weise entpuppt sich der Modetrend als geplanter Verschleiß. Doch was damals ein Novum war, ist heute das tragende ökonomische Prinzip. Nur die wenigsten Menschen ersetzen vorhandene Gebrauchsgegenstände, weil diese tatsächlich unbrauchbar geworden wären.
Der moralische Verschleiß hat den Alltag erobert.

3 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 FNietzsche23 meinte am 22. April 2012, 18:41 Uhr

    “Die Linke hat ein neues Modewort entdeckt: geplante Obsoleszenz.”

    “Die Linke” hat dieses “Modewort” NICHT “entdeckt”, hier einen ideologischen Graben aufzuspannen ist mehr als fragwürdig, allein die Begrifflichkeit als Modewort abzutun ist schon reichlich zynisch.

    Es geht uns alle an, hier von “links” zu sprechen, ob der Kritik an der geplanten Obsoleszenz, hat für niemanden einen Mehrwert, allein solche Zusammenhänge “herzustellen” erschwert das Verständnis der Problematik.

    Die sehr gute Arte-Dokumentation “Kaufen für die Müllhalde” sollte erwähnt werden:
    https://www.youtube.com/watch?v=zVFZ4Ocz4VA

  2. 2 Obsoleter meinte am 25. April 2012, 00:05 Uhr

    “Die Linke hat ein neues Modewort entdeckt: geplante Obsoleszenz”

    Die Linke? Nööö! Dafür sind die viel zu systemnah. ;-)

  3. 3 Kevin R. meinte am 25. April 2012, 00:36 Uhr

    Selten las man in den Streifzügen einen so wenig durchdachten, derart unfertigen Artikel.

    Die Berichte über geplante Obsoleszenz erscheinen zu einem großen Teil in “bürgerlichen” Medien. Die obsoleszenzkritische Initiative “Murks – Nein Danke!” versteht sich ausdrücklich als bürgerschaftliche Bewegung. Diese Leute glauben an den guten Unternehmer, der sich mit Hilfe der per Web 2.0 aufgeklärten Kunden – nein: Bürger! durchsetzen wird.

    Übrigens war der real existierende Sozialismus berühmt für seine ungeplante Obsoleszenz.

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