Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!

Gründet Kostnixläden!

18 Jan 2005

Von Maria Hintersteiner & Andreas Exner

(geschrieben zur Vorstellung eines KNL-Projekts in der Bundeszeitung der Agenda 21 in Österreich)

Heutzutage hat beinahe alles seinen Preis. In diesem großen Preis-Ausschreiben können Finanzschwache oft nicht mehr mitspielen. Sie müssen sich mit ihrem Los abfinden und den Gürtel enger schnallen. Dabei war unsere Gesellschaft noch nie so reich wie heute, gemessen an der Menge produzierter Güter und Dienstleistungen. Doch die Verfügung über Geld wirkt wie ein Nadelöhr, durch das der Güter-Reichtum um jeden Preis hindurch muss. Wer nicht zahlen kann, muss passen.

Zugleich wissen wir um die ökologisch bedenklichen Folgen dieser Form von Konsum-Reichtum. Waren sind vielfach als Wegwerfprodukte konzipiert, ihr kommerzieller Umsatz erhöht den Verbrauch an wertvollen Naturressourcen. Doch nicht alles, was wir wegwerfen, ist tatsächlich unbrauchbar. In unserer Zeit der Vereinzelung ist das Wegwerfen schlicht ein naheliegender Umgang mit Gütern des individuellen Gebrauchs, sobald sie uns zur Last geworden sind. Viel besser hingegen wäre es, brauchbare Güter an unsere Mitmenschen weiter zu geben.

Um diesen einfachen und doch so ungewöhnlichen Gedanken kreist die Idee des Kostnixladens. Den Vorreiter hatte Ende der neunziger Jahre eine Gruppe in Hamburg gemacht, jetzt gibt es derartige Initiativen schon in über 20 Städten Deutschlands (http: //www. umsonstladen. de/). Vergleichbare Ansätze finden sich aber weltweit. So bietet das Projekt Freecycle (http: //freecycle. org) eine globale Vernetzungsplattform zur kostenlosen Weitergabe von Gütern.

Ein Kostnixladen funktioniert nach dem Prinzip der Gratis-Ökonomie: Er lagert nützliche Dinge, die dem Laden unentgeltlich überlassen werden. Wer davon etwas braucht, nimmt es sich. Dafür wird weder bezahlt noch sonst eine Gegenleistung erbracht. Dem Missbrauch durch kommerzielle Schnäppchenjagd wird allerdings ein Riegel vorgeschoben. Im Kostnixladen werden keine „Leistungen“ verrechnet und es wird auch nicht getauscht. Sein Herz ist vielmehr die wechselseitige Unterstützung, die gemeinschaftliche Kooperation. Anstelle des Tausches von Ware gegen Ware oder von Ware gegen Geld wird hier ein freier Fluss des Gebens und des Nehmens praktiziert.

Der Kostnixladen verteilt seine Güter nicht nach sozialer Bedürftigkeit. Der Laden wird kooperativ geführt. Er ist keine Abstellnische für Randgruppen, sondern lebt aus dem Prinzip heraus, dass die Gemeinschaft von allen ihren Mitgliedern getragen wird. Er ist ein sozialer Treffpunkt für Menschen, die sich wechselseitig unterstützen wollen; sei es durch Gebrauchsgüter oder Dienstleistungen, durch Lebenserfahrung oder gute Laune.

Kostnixläden helfen uns, die Kommerzialisierung der menschlichen Beziehungen und das Konkurrenzdenken zu überwinden. Auf diese Weise wirken sie als Schrittmacher hin zu einem ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen Miteinander. Damit unser Reichtum für uns alle auch genießbar wird.

Ein Kostnixladen … kostet Geld

Kooperieren statt Konkurrieren. Teilen statt Tauschen. Nutzen statt Wegwerfen – Das ist die Idee des Kostnixladens. Dort werden Güter kostenlos gelagert und verteilt.

Der Verein Solidarische Lebensformen eröffnet einen solchen Laden nun in Wien. Den Lagerraum gibt es leider noch nicht gratis. Deshalb brauchen wir dringend Eure Unterstützung.

Eine andere Gesellschaft ist möglich! Doch nur mit Eurer Hilfe.

Information: Elmar Flatschart: ejf (at) gmx. net

Ernst Schriefl: Tel. +43 1 983 29 49

6 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 Brinhold meinte am 7. Juli 2010, 17:29 Uhr

    und wie genau will man verhindern, dass ein schrotthändler mit nem kipplader vorbeifährt, den kram im kostnixlade auflädt und an der nächsten straßenecke vercheckt?

  2. 2 Brinhold meinte am 7. Juli 2010, 17:30 Uhr

    da oben fehlt ein „n“ nach „kostnixlade“

  3. 3 Aquo meinte am 7. Januar 2012, 20:01 Uhr

    Um den Missbrauch solcher Läden zu verhindern, müssten wohl auf irgendeine Weise die Artikel mit der Käuferperson verbunden registriert werden. Grob besagt sozusagen, dass sich der Raffer nachher seinen Ruf weitbekannt schädigt… Das nur als oberflächiger erster Eindruck von der Idee.

  4. 4 Aquo meinte am 7. Januar 2012, 20:04 Uhr

    Sorry, dass ich grade oben die Bezeichnung ‚Käufer‘ verwendet habe… das steckt halt doch zu tief in den Knochen…

  5. 5 rose marin meinte am 6. Februar 2012, 11:24 Uhr

    Wie finanziert sich Lager-/Ladenmiete???

  6. 6 Bye bye Zinskritik… | Krisis meinte am 10. Juni 2013, 20:30 Uhr

    […] auch: Gründet Kostnixläden! […]

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