Texte online

Twitter

follow @SZredakteur
Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!

Bye bye Zinskritik…

01 Mrz 2005

Über die Grenzen der Tauschkreise und den Unsinn der Freiwirtschaft

Streifzüge 33/2005

von Andreas Exner & Stephanie Grohmann

Der von Umweltzerstörung und von sozialen Katastrophen gesäumte Irrweg unserer „Zivilisation“ ist für viele Menschen Anlass genug, ihre eigene Lebensweise gründlich zu hinterfragen. Viele wollen es nicht bei politischen Appellen belassen. Denn nur allzu deutlich werden die beschränkten Möglichkeiten der Demokratie, wenn etwa die Sicherung der immer weniger werdenden Arbeitsplätze nach immer neuem Wirtschaftswachstum verlangt. Und allzu schmerzhaft ist die Einsicht, dass wir dem Gesetz der Konkurrenz und dem Leiden an der sozialen Kälte nicht wie gewohnt allein entfliehen können. Was also läge näher, als sich zusammenzutun und etwas ganz Neues zu beginnen? Doch was ist konkret nun anders zu machen?

Die Tauschkreis-Theorie

Eine bestimmte Antwort auf diese Frage ist mittlerweile populär geworden: das soziale Organisationsmodell des Tauschkreises soll einen Ausweg aus Umweltzerstörung und gesellschaftlichen Problemen zeigen. In jenen Weltregionen, die den großflächigen Zusammenbruch der formellen kapitalistischen Ökonomie erlebt haben, sind Tauschkreise mitunter ein Rettungsanker, aus der blanken Not und ohne Theorie geboren. Der kurze Boom der argentinischen Tauschkreise ist dafür das Paradebeispiel. Im Unterschied dazu sollen Tauschkreise hierzulande, sofern sie nicht als schlichtes Hobby ohne weitergehende Motivation betrieben werden, das Modell für eine andere Wirtschaft abgeben. In ihnen hat die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell ihren praktischen Niederschlag gefunden. (1)

Gesells grundsätzliche Überlegung war so einfach wie falsch: der Zins sei die Wurzel aller Übel der kapitalistischen Wirtschaftsform. (2) Daraus folgerte er die Notwendigkeit eines „zinsfreien Geldes“. Durch regelmäßiges Abstempeln sollte das Gesellsche Freigeld kontinuierlich an Wert verlieren, wenn es nicht ausgegeben würde und so Geldkreislauf und Warenhandel in Schwung halten. Die Ursache des Zinses sah Gesell in der Hortung von Geld durch die Vermögensbesitzer. Alle Waren sind laut Gesell verderblich und seien deshalb von einem fundamentalen Nachteil gegenüber dem unverderblichen Geld gezeichnet. Weil nämlich alle Menschen Geld zum Tausch der Waren benötigten, würden Geldbesitzer ein Machtprivileg genießen, das sie sich im Zins bezahlen ließen. In der Sicht von Gesell bestand darin eine „Ungerechtigkeit“ des Kapitalismus und zugleich auch die Ursache von Wirtschaftskrisen.

Gesells Zielsetzungen waren alles andere als menschenfreundlich. (3) Das Freigeld sollte die Konkurrenz entfesseln und „den Tüchtigsten“ wieder zu ihrem „Recht“ gegen die geldhortenden „Schmarotzer“ verhelfen. Wie auch einige heutige Freiwirtschafter befürwortete er die Eugenik, also die „genetische Verbesserung“ des Menschen durch „natürliche Zuchtwahl“, wozu das Freigeld seinen Beitrag leisten sollte.

Am Höhepunkt der Großen Depression der 1930er Jahre fielen die Ideen Gesells auf fruchtbaren Boden. (4) Die revolutionären Versuche der westlichen Arbeiterbewegung waren gescheitert und die Krise des Kapitals verschärfte sich. In dieser Situation kam die Ideologie der Zinskritik zum Zug: der Hass auf das Geldkapital, das man für die Misere verantwortlich machte, ermöglichte ein Festhalten an der kapitalistischen Ordnung und öffnete zugleich ein Ventil für die Erfahrung von Ohnmacht und Erniedrigung. (5) Nicht zufällig hatten Silvio Gesells Ansichten maßgeblichen Einfluss auf den NS-Funktionär und Partei-Ideologen Gottfried Feder, dessen zentrales wirtschaftspolitisches Ziel einer „Brechung der Zinsknechtschaft“ in das Programm der NSDAP aufgenommen wurde. Die wahnhafte und massenwirksame Gleichsetzung von Zins und Juden, der auch Gesell und seine ideologischen Vorläufer erlegen waren, hatte den Boden für jene Katastrophe bereitet, die die völkische „Zinskritik“ besiegelte.

Nach dem Krieg brach eine Zeit des wirtschaftlichen Wachstums und der Vollbeschäftigung an, in der die Freiwirtschaftslehre in Vergessenheit geriet. Erst als das Wirtschaftswunder in den 1980er Jahren an sein Ende kam, die Arbeitslosigkeit anschwoll und zugleich die ökologische Krise Thema wurde, präsentierte sich die Freiwirtschaft erneut als Alternative.

Die Krise unserer „Zivilisation“ drängt zu einer grundlegenden sozialen Transformation. Viele sehen diese in Tauschkreisen und in Freigeld, in lokalen Märkten, Komplementärwährungen und Kreditgenossenschaften sich verwirklichen. All jene Ideen haben verschiedene Namen und Ursprünge, doch einen gemeinsamen Nenner: Markt muss sein, aber möglichst klein; Geld muss sein, aber ohne Zins; Tausch muss sein, aber gerecht. Wenn uns diese Dreifaltigkeit zur Lösung angeboten wird, so sollten wir sie auch auf Herz und Nieren prüfen. (6) Denn das vermeintliche Rettungsboot darf nicht schon leck sein, bevor es überhaupt zu Wasser geht. Sehen wir uns an, was die Anhängerinnen des Freigelds mit dieser Idee verbinden. Zusammengefasst sind es drei Punkte: kein Wachstumszwang, Leistungsgerechtigkeit und wirtschaftliche Stabilität.

Kein Wachstumszwang?

In ökologisch motivierten Tauschkreisen ist die Vorstellung verbreitet, das Freigeld ermögliche eine angeblich „natürliche Wirtschaft“ ohne Wachstumszwang. Im Zins scheint sich das Geld ja wie von selbst zu vermehren und man könnte meinen, dass gerade deshalb auch die Unternehmen wachsen müssten. Gleichwohl ist diese Ansicht falsch. Dazu genügt schon ein Blick auf das Tagesgeschäft der Wirtschaftspolitik: Finanzminister und Notenbankchefs in aller Welt greifen zum Instrument der Zinssenkung, wenn das Wachstum der Wirtschaft zu erlahmen droht. Denn niedrige Zinsen bedeuten billige Kredite, in deren Folge die Investitionsbereitschaft ansteigt, sofern die Profiterwartungen entsprechend hoch sind. Hohe Zinsen hingegen würgen das Wachstum in jedem Fall ab, weil sie viele Unternehmen in den Konkurs treiben und zugleich kreditfinanzierte Investitionen unrentabel machen. Aus Sicht der Konsumentinnen wirkt das Freigeld schließlich nicht anders als die Inflation. Durch seine ständige Entwertung bestünde ein großer Druck, das Freigeld möglichst schnell auszugeben. Auch dieser Effekt würde das Wachstum bei guter Wirtschaftslage anheizen. Nicht zuletzt war das ja auch eines der erklärten Ziele, das Silvio Gesell mit dem Freigeld erreichen wollte.

Das einzige Argument, das zur ökologischen Ehrenrettung des Freigeldes übrig bleibt, lautet nach Ansicht der Freiwirtschafterinnen so: mit dem Wegfall des Zinses wäre immerhin die Möglichkeit gegeben, die Wirtschaft nicht wachsen zu lassen, während der Kreditzins im „jetzigen Geldsystem“ Wachstum in jedem Fall erzwinge. Nun ist das aber nur die halbe Wahrheit: der Kreditzins erzwingt zwar einen Mindestprofit, allerdings nehmen Unternehmen Kredite gerade auf, um ihr Wachstum zu beschleunigen, nicht umgekehrt. Denn mittels verzinstem Fremdkapital können mehr Investitionen als mit dem begrenzten Eigenkapital getätigt werden. Der Kredit verschafft einen entscheidenden Vorteil in der Konkurrenz.

Damit sind wir auch schon bei der eigentlichen Ursache des Wachstums. Es ist nämlich nicht der Zins, sondern die Konkurrenz um möglichst hohe Profite, die das Wachstum der Unternehmen und damit der gesamten Wirtschaft verursacht. Das bestätigen auch die Unternehmen selbst. Im Rahmen einer Studie (7) wurden mehr als 100 große und kleine Unternehmen befragt, welche Faktoren sie aus ihrer Sicht zum Wachstum zwingen. Für die großen Unternehmen waren mit Abstand der internationale Wettbewerb und das Wachstum der Konkurrenten ausschlaggebend. Banken spielten für sie keine nennenswerte Rolle. Der Druck durch Aktionäre war aus ihrer Sicht weniger wichtig als das Wachstum der Konkurrenten. Schlagender kann man die Mär vom Wachstumszwang durch Zins wohl nicht entkräften. Nur die kleinen Unternehmen räumten den Banken und damit den Zwängen der Kreditvergabe eine nennenswerte Bedeutung ein. Auch für sie aber war die Konkurrenz wichtigste Wachstumsursache. Als zweitgereihter folgte der Faktor „Kunden“. Auch diesen Wachstumsantrieb dürfen wir wohl auf den Leistungszwang im Wettbewerb zurückführen.

In staatlich-politischer Hinsicht schließlich ist Wachstum notwendig, weil die konkurrenzbedingte Produktivitätssteigerung ständig Arbeitskräfte freisetzt, die nur durch Wachstum der Produktion wieder Beschäftigung finden und Steuern zahlen können. Zudem mildert wirtschaftliches Wachstum den Verteilungskampf und ist ein Erfordernis für das Überleben der nationalen Verwertungsmaschinerie im internationalen Standortwettbewerb, der übrigens nicht erst seit der Globalisierung existiert.

Ökologisch kleinlaut geworden, beschränken sich einige Anhänger der Freiwirtschaft schlussendlich darauf, die positive Wirkung eines niedrigen Zinsniveaus für umweltgerechte Investitionen herauszustellen. Damit aber haben sie sich von ihrer Forderung nach einem Freigeld bereits verabschiedet. Niedrige Zinsen sind schließlich auch aus der Sicht der keynesianischen ökonomischen Theorie wünschenswert, die allerdings wiederum hofft damit das Wachstum anzukurbeln.

Leistungswahn

Wie schon der Sozialdarwinist Silvio Gesell vor ihnen werben auch die heutigen Freiwirtschafter mit einer angeblichen „Leistungsgerechtigkeit“, die das zinslose Freigeld schaffe. Der Zins ist aus ihrer Sicht als „arbeitsloses Einkommen“ zu kritisieren, der Unternehmensgewinn hingegen durch „Arbeit“ gerechtfertigt. Diese Ansichten beruhen auf Phantasievorstellungen vom Leben „reicher Menschen“. Selbstverständlich gibt es Millionäre, die sich ein schönes Leben machen. Wer wollte das denn nicht? Der durchschnittliche Vermögensverwalter ist aber kein faulenzender Geldbesitzer, der in der Sonne liegt, während sich die Millionen mehren. Ein Blick in den Terminkalender eines Fondsmanagers oder das Gesicht eines gestressten Börsenbrokers genügt: Vermögensmanagement ist anstrengend und risikoreich wie kaum ein anderer Job. Zudem sind es die großen Industriekonzerne und Unternehmenskonglomerate selbst, die ihr Kapital auf den Finanzmärkten anlegen. Eine Trennung in „arbeitende“ Unternehmer und „faulenzende“ Geldbesitzer entspricht nicht der Realität. Vielmehr existiert eine dem entwickelten Kapitalismus entsprechende „Arbeitsteilung“ von anonymem Industrie- und Geldkapital, die nichts mit den sozialen Phantasiefiguren der Freiwirtschafterinnen zu tun hat.

Was Zins ist

Anders als die Freiwirtschaftslehre behauptet, ist der Zins kein von „Geldbesitzern“ erzwungener Preisaufschlag. Vielmehr handelt es sich dabei – zusammen mit dem Unternehmensgewinn – um einen Teil des Profits, der insgesamt auf der Aneignung unbezahlter Arbeit im Produktionsprozess der Waren beruht. Die Ware Arbeitskraft, die sich am Arbeitsmarkt verkauft, hat wie jede andere einen qualitativen Gebrauchs- und einen quantitativen Tauschwert. Der Gebrauchswert jener Ware für das Kapital besteht in der Möglichkeit, durch ihre Vernutzung Tauschwert zu gewinnen. Der Tauschwert der Ware Arbeitskraft, ihr Preis, der sich im Lohn ausdrückt, ergibt sich aus sozialen Gepflogenheiten, dem Erfolg von Verteilungskämpfen und allgemein aus den Kosten ihrer Reproduktion, also den Aufwendungen für Lebensmittel, Ausbildung usw. Wird Arbeitskraft über jene Zeitspanne hinaus eingesetzt, die für die Reproduktion ihres eigenen Tauschwerts vonnöten ist, ergibt sich für das Unternehmen ein Überschuss an Tauschwert. Dieser Mehrwert ist das Ziel kapitalistischer Produktion und drückt sich im Profit aus.

Was nicht durch Arbeitskraftvernutzung an wirtschaftlichem Wert „gewonnen“ wurde, kann also nicht in Form des Zinses abgezweigt werden. Im Unterschied zum vormodernen Geldverleih, der tatsächlich von der finanziellen Substanz der Gläubiger zehrte, wird Geld unter kapitalistischen Bedingungen nicht als bloßes Tauschmittel, sondern primär als Kapital verliehen. Der Zins ist jener Preis, den das Geld als Kapital hat; als Mittel, um damit Mehrwert und Profit zu produzieren. Die Verfügung über Geld ermöglicht unter kapitalistischen Bedingungen die Produktion von Mehrgeld, und diese Potenz des Geldes will auch entsprechend bezahlt sein. Der im Zins ausgedrückte Preis des Geldkapitals richtet sich dabei nach Angebot und Nachfrage am Finanzmarkt. Die Zinsen werden schließlich aus dem Profit bezahlt, den das Geld als Kapital im Produktionsprozess erzielt. Schulden dienen unter diesen Verhältnissen nicht nur der Bereicherung der Gläubiger, sondern derjenigen der Schuldner, solange das Geld zur Profitproduktion eingesetzt und nicht für Zwecke des Konsums kapitalistisch unproduktiv verausgabt wird.

Die falsche Kapitalismuskritik der Freiwirtschaft sitzt dem oberflächlichen Eindruck auf, den das zinstragende Kapital erweckt: es scheint sich wie von selbst, ohne Dazwischenkunft der Warenproduktion, zu vermehren. Werden das Kapital als verdinglichte Ausbeutungsbeziehung und die Verhältnisse der Warenproduktion ausgeblendet, verengt sich der Blick auf die scheinbare Selbstvermehrung des Geldes im Zins. Dann liegt die Auffassung nahe, dem „unproduktiven“ Geldkapital und seiner Verwaltung stünde – in einer Frontlinie mit den Arbeiterinnen und Arbeitern – der „produktive“ Unternehmer gegenüber. Dieser gilt in dieser Sicht nicht als fungierender Kapitalist, der an seinen Arbeiterinnen und Arbeitern die Verwertung exekutiert und sich das dafür nötige Geldkapital ausleiht, sondern als „besonderer Arbeiter“. Er zieht in Wahrheit zwar Profit aus der Verfügung über Produktionsmittel und Ausbeutung von Arbeitskraft, scheint jedoch „Unternehmerlohn“ für die Oberaufsicht und Organisation des Produktionsprozesses zu erhalten. Das „unproduktive“ Geldkapital hingegen, das nicht in seinem untrennbaren Zusammenhang mit der Produktion gesehen wird, scheint seinen Zinsgewinn aus einer vermeintlich anderen Quelle zu lukrieren als das warenproduzierende Unternehmen seinen Gewinn bezieht. So ist der Gedankengang der Freiwirtschaftslehre nicht allein auf Grund ihrer politischen Zielsetzungen zu verstehen, sondern ebenso aus einer unzureichenden, dem oberflächlichen Eindruck jedoch nahe liegenden Auffassung von Kapital und Kapitalverwertung zu erklären.

Vor diesem Hintergrund ist nun auch die von den Freigeldanhängern breit ausgeführte Kritik des „Zinsanteils“ in den Warenpreisen zu kommentieren. Wollte man den Zins mit dem kleinkrämerischen Argument kritisieren, dass er in die Warenpreise eingehe, so müsste man im selben Atemzug auch den Unternehmensgewinn verdammen; dieser geht natürlich ebenso in die Preise ein, und das nicht zu knapp. Es ist verständlich, dass die Käufer von Krediten lieber keine Zinsen und alle Konsumentinnen am liebsten gar nichts bezahlen würden. Insofern ist jeder Preis zu hoch. Das ist aber kein Argument für Freigeld, sondern eines gegen Geld überhaupt.

Auch die im Kapitalismus zu beobachtende „Umverteilung nach oben“ führen die Freiwirtschafter auf den Zins zurück. Tatsächlich muss sich im Kapitalismus die Reichtumsschere auch ohne Zins notwendigerweise öffnen. Einerseits ist das ja Ergebnis des von der Freiwirtschaft propagierten „leistungsgerechten Marktes“, auf dem die Konkurrenzschwachen und „Leistungsunwilligen“ ausgesiebt werden. Andererseits häuft sich der Profit, indem er in die Produktion von immer mehr Profit investiert wird, notwendigerweise auch ohne Zinsen an. Der Arbeitslohn hingegen wird in aller Regel konsumiert und nicht in die Profitproduktion investiert, ist also nur durch gewerkschaftliche Kämpfe zu „vermehren“. Und auch einer solchen Lohnerhöhung sind sehr enge Grenzen gesetzt: eine hohe wirtschaftliche Wachstumsrate ist dafür wesentliche Voraussetzung.

Tatsächlich bedeutet die Zinszahlung der armen Länder für ihre „Entwicklungskredite“ eine massive Umverteilung von Süd nach Nord, die das Volumen der „Entwicklungshilfe“ beträchtlich übersteigt. Man darf aber nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, dass ohne Zinsen kein Unternehmen und kein Staat der Welt ihr Kapital in großem Maßstab verleihen würden. Eine solche Kreditvergabe erfolgt auch nur, wenn Profite in der Warenproduktion winken. Deshalb stecken vielfach gerade diejenigen Volkswirtschaften am tiefsten in der Schuldenkrise, die in den 1970er Jahren die kapitalistisch meistversprechenden Entwicklungskandidaten waren. Das Freigeld kann hier also keine Lösung bieten. Die einzig sinnvolle Forderung ist vielmehr eine bedingungslose Schuldenstreichung für die Armen und die Entwicklung grundsätzlich neuer Kooperationsmodelle jenseits von Markt, Tausch und Geld.

Mit Freigeld in die Krise

Wir kommen nun zur letzten Behauptung: eine Marktwirtschaft mit Freigeld kenne keine Krisen. (8) Darin gleicht die Freiwirtschaftslehre bezeichnenderweise der neoliberalen Wirtschaftstheorie, der Rechtfertigungsideologie des gegenwärtigen Liberalisierungsfeldzugs. Wie der Neoliberalismus meint die Freiwirtschaft, dass ein sich selbst überlassener Markt stabil ist und keine wesentlichen politischen Eingriffe benötigt. Deshalb treten Freiwirtschafter auch unverblümt für eine „leistungsgerechte, freie Marktwirtschaft“ ein. Die Freiwirtschaft unterscheidet sich in dieser Hinsicht vom Neoliberalismus lediglich insofern, als sie „zinsfreies Geld“ für die Voraussetzung von Krisenfreiheit hält. Auch ihre heftige Klage über die Inflation, von der sie den Wertverlust des Freigelds unterschieden wissen will, und über die Staatsverschuldung gleicht der neoliberalen Suada.

Beide Theorien gehen von einer fiktiven Marktwirtschaft mit Naturaltausch Ware gegen Ware aus. Die reale, moderne Marktwirtschaft ist aber notwendigerweise Geldwirtschaft. Gerade durch das Geld werden die Schranken des unmittelbaren Tausches Ware gegen Ware überwunden: es kann verkauft werden, ohne nachfolgend gleich wieder zu kaufen; und Unternehmen können Kredite aufnehmen, um ihre Investitionen zu finanzieren. In einer Marktwirtschaft sprechen sich Produzierende und Konsumierende nicht bewusst ab. Vielmehr sind die Entwicklung des wirklichen Bedarfs, der tatsächlichen Kaufkraft, der Preise, der Bedürfnisse der Konsumierenden und der Produktivkraft ebenso wie die Unternehmensstrategien der Konkurrenz, die Verschiebung von Nachfrageströmen und das Entstehen neuer Branchen für die Investoren prinzipiell unbekannt. Durch diese fundamentale Unsicherheit des Marktes einerseits und den Mechanismus des Kredits andererseits häufen sich notwendigerweise Fehlinvestitionen an und führen schließlich zu einer Wirtschaftskrise. In einer solchen Krise wird das am wirklichen, zahlungsfähigen Bedarf vorbei investierte Kapital vernichtet, wertlos gemacht. Das bedeutet: Viele Unternehmen bankrottieren oder müssen schrumpfen, bauen Arbeitsplätze ab oder senken die Löhne.

Ein weiterer, in die Marktwirtschaft eingebauter Krisenfaktor ist die Erschöpfung von wirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten. Da alle Märkte begrenzt sind, tritt dieser Fall früher oder später mit Notwendigkeit ein. Dann sinken die Profite, und die Investitionstätigkeit lässt nach. Es kommt ebenfalls zu einer Krise und viele Menschen verlieren Arbeit und Geldeinkommen. Die Freiwirtschaftslehre meint zwar, dass durch den Wertverlust des Freigelds die Investitionsbereitschaft steigt und eine als Wachstumshindernis angenommene Geldhortung unattraktiv wird. Eine Krise, das heißt eine stagnierende oder fallende Wirtschaftsleistung, soll ihrer Meinung nach damit unmöglich werden. Das Freigeld wirkt auf das Wachstum aber nicht anders als die Inflation: Auch ein noch so großer Wertverlust des Geldes kann niemanden zu Investitionen zwingen. Wenn keine ausreichenden Profite zu erwarten sind, wird sich die Investitionslaune in engen Grenzen halten.

Das Freigeld würde aber nicht nur keine Krisen verhindern, seine Wirkung wäre sogar selbst krisenauslösend. Aufgrund seines ständigen Wertverlusts würde es nämlich wie ein heißer Erdapfel von Hand zu Hand gereicht und die Inflation unkontrolliert in die Höhe treiben. Die Rolle des Wertaufbewahrungsmittels fiele wohl irgendeinem anderen Wertgegenstand, ausländischen Darlehen oder Ähnlichem zu. Genau das passiert ja tatsächlich in Ländern mit sehr hoher Inflation.

Der Unsinn der Freiwirtschaftslehre

Die Freiwirtschaft missversteht die Funktionsweise des Marktes und kann deshalb nicht verstehen, warum in einer Marktwirtschaft sowohl Gewinne als auch Zinsen notwendig existieren. In ihrer Vorstellung soll Geld „wieder zu einem reinen Tauschmittel werden“. Geld ist in einer Marktwirtschaft aber nicht nur Tauschmittel, sondern unter anderem auch Kapital. Das heißt, es wird nur Geld in die Warenproduktion investiert, wenn es einen Profit abwirft. Ohne Profit gibt es in einer Marktwirtschaft keinen Anreiz zur Produktion. Das zeigt sich, sobald der scheinbare Produktionsautomatismus der Märkte erlahmt und in eine Krise gerät. Obwohl die materiellen Produktionsmöglichkeiten genau dieselben sind wie zuvor, werden Produktionsmittel stillgelegt und massenhaft Arbeitskräfte entlassen. Einfach gesagt, kann es aufgrund der irren Logik der Märkte passieren, dass Menschen neben voll funktionsfähigen Produktionsanlagen verhungern.

Weil die Produktion nicht gemeinschaftlich gesteuert wird, kann die „wirtschaftliche Tüchtigkeit“ eines Unternehmens einzig an der Höhe seines einzelbetrieblichen Profits bemessen werden. Schon allein aufgrund der Konkurrenz wird der Profit vom Unternehmen nach Möglichkeit maximiert. Wer mehr Profit macht, kann aufgrund größerer Investitionen schneller wachsen und sein ökonomisches Überleben besser sichern. Andererseits ist der Profit damit auch einziger Zweck kapitalistischer Produktion: aus Geld muss mehr Geld werden. Mehr Profit bedeutet bessere ökonomische Zielerreichung, besseres Wirtschaften. An dieser Vorgabe ändert sich auch bei Nullzinsen nichts. Der Profit wiederum wird im Wesentlichen nicht konsumiert und von einem freiwirtschaftlichen Phantasiekapitalisten für Yachten und Champagner ausgegeben, sondern vielmehr in die weitere Produktion von Profit reinvestiert. Das ist eben der irre Selbstzweckmechanismus des Kapitalismus, produzieren um des Produzierens willen; arbeiten um zu arbeiten; investieren, um mehr investieren zu können. An diesem Wahnwitz ändert das Freigeld keinen Deut, es ist insistiert vielmehr geradezu darauf.

Der Zins spielt in diesem Hamsterrad, hat man seine Irrenlogik einmal akzeptiert, eine durchaus „sinnvolle“ Rolle. Das Geldkapital wird dem Marktgesetz von Angebot und Nachfrage entsprechend tendenziell in die Branchen mit den größten Profiterwartungen und damit auch dem höchsten Kapitalbedarf verschoben, der sich ja nicht nach den Bedürfnissen der Menschen, sondern nach den Erfordernissen der Verwertung richtet. Dieser Mechanismus wird durch Kreditvergabe und Zinshöhe bewusstlos, also ohne direkte Absprache der Unternehmen, gesteuert. Investitionen, die als riskant oder unrentabel eingeschätzt werden, erhalten schwerer Kredit als Investitionen, die einen sicheren und hohen Profit erwarten lassen. Ohne Zins gäbe es für diesen Prozess der Kapitalverteilung keine Orientierungssignale.

Im Rahmen des kapitalistischen Systems bestünde die Alternative zum Kreditmechanismus freier Finanzmärkte in einer staatlichen Investitionsplanung. Dies würde die Verfügungsgewalt des Staates über alle Ressourcen und eine umfassende Staatsbürokratie erfordern. Der Realsozialismus hat gezeigt, zu welchen Problemen das führt. Zwar will die Freiwirtschaft den Staat möglichst zurückdrängen beziehungsweise auflösen und dem „leistungsgerechten Markt“ zum Durchbruch verhelfen. Allein das „zinslose Geld“ kann nur in einer vom Weltmarkt abgeschotteten Volkswirtschaft funktionieren, in der die nationale Zentralbank volle Kontrolle ausübt. Schon der Ansatz zur Einführung von Freigeld würde eine beispiellose Kapitalflucht und damit große wirtschaftliche Probleme verursachen. Sogar in der von Protektionismus gekennzeichneten NS-Zeit mitsamt ihrer antisemitischen Wahnidee einer „Brechung der Zinsknechtschaft“ gelang eine Umsetzung nicht. Im Zeitalter der Globalisierung ist ein solches Abschottungsszenario schlicht nicht vorstellbar. Die einzelnen Nationalökonomien sind mittlerweile viel zu sehr verflochten, als dass sie sich aus dem Weltmarkt ausklinken könnten.

Die Erschöpfung billiger und relativ arbeitsintensiver Wachstumsmöglichkeiten sowie die Rückgänge im Binnenmarktwachstum bildeten Anfang der 1970er Jahre wichtige Auslöser für den gegenwärtigen Globalisierungsprozess des Kapitals. Diese Entwicklung kann nicht rückgängig gemacht werden. Die freiwirtschaftliche Annahme, dass die Aufblähung der Finanzmärkte und die Verschuldung der öffentlichen und privaten Haushalte die Gründe für stagnierendes Wachstum und Wirtschaftskrise seien, ist falsch. Der tatsächliche Zusammenhang ist genau umgekehrt: das Kapital strömte auf die Finanzmärkte, weil die Profite in der Warenproduktion seit Anfang der 1970er Jahre zurückgingen.

Ihr grundlegendes Fehlverständnis des Kapitalismus offenbart die Freiwirtschaft unter anderem auch, wenn sie das Brakteatenwesen des Mittelalters als Beweis der segensreichen Wirkung des Freigelds anführt. Auf den behaupteten ursächlichen Zusammenhang zwischen Brakteaten, einer mittelalterlichen Währung mit kontinuierlichem Wertverlust, und Wohlstand wollen wir nicht eingehen. Hier soll nur betont werden, dass das Geld in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft eine vernachlässigbare Rolle spielte und nicht mit heutigem Geldkapital vergleichbar ist. Auf mittelalterlichen Märkten existierte keine freie Preisbildung; die Menschen der Feudalgesellschaft waren nicht auf den Verkauf ihrer Arbeitskraft angewiesen; es gab kein industrielles Kapital; es dominierte Produktion für den Eigenbedarf; das Leben der Gemeinwesen wurde nicht durch anonyme Rechts- und Geldbeziehungen, sondern durch persönliche soziale Bindungen geregelt. Weil eine freie Preisbildung von profitproduktiv eingesetztem Kapital fehlte, ist der mittelalterliche Wucher mit dem kapitalistischen Zins nicht zu vergleichen.

Aufgrund all der genannten Schwächen, Ungereimtheiten und politisch völlig indiskutablen Aspekte distanzieren sich viele Anhängerinnen und Anhänger des „zinslosen Geldes“ von der Freiwirtschaftslehre. Das mag durchaus ehrlich gemeint sein und ist deshalb zu begrüßen. An der Haltlosigkeit der Idee vom „Geld ohne Zins“ ändert sich damit aber selbstverständlich nichts, gleichgültig, ob sie nun in Kombination mit anderen Reformideen auftritt oder schon für sich allein genommen als Patentrezept beworben wird.

Faszinosum Tauschkreis

Ganz unabhängig von der Freiwirtschaftslehre übt ihr konkreter Umsetzungsversuch, der Tauschkreis, auf viele Menschen große Anziehungskraft aus. Das Spektrum individueller Motivationen reicht neben der Kritik an der herkömmlichen Geldwirtschaft von ökologischen und spirituellen Ausgangspunkten bis hin zu persönlichen Notlagen, in denen die Fähigkeit, am gesamtgesellschaftlichen Selbstmordkommando teilzunehmen, gegen Null tendiert. Auf den ersten Blick scheint die Idee ja attraktiv zu sein: Was dem und der Einzelnen als außer Kontrolle geratener, globaler Wildwuchs entgegentritt, soll auf ein überschaubares, persönlich kontrollierbares Format zurückgestutzt werden. Man macht füreinander eben, was man kann, und tauscht miteinander, was man hat – wie in einer großen Gemeinschaft. Nicht umsonst steht die Tauschkreisbewegung in Zusammenhang mit der Idee der Ökodörfer, quasi-familiären und meist spirituell orientierten Lebensgemeinschaften.

So respektabel diese Motivationen sein mögen, die Schwächen der freiwirtschaftlichen Argumentation schlagen letztlich auf die Tauschkreisbewegten zurück. Die grundlegende Spielregel des globalkapitalistischen Wahnsinns wird in ihrem Rahmen nämlich ebenso wenig überwunden wie von der Freiwirtschaftslehre kritisch hinterfragt: die Vermittlung gesellschaftlicher Beziehungen über Geld und Tausch.

Das Hauptmerkmal der kapitalistischen Produktionsweise besteht in jener indirekten Form von Kontakt, der sich zwischen Produzierenden und Konsumierenden herstellt, die ihre Bedürfnisse weder direkt mitteilen und absprechen noch ihnen gemäß produzieren. Somit werden materielle Produkte und Dienstleistungen in Form von Waren hergestellt und erbracht. Über ihre gegenseitige Austauschbarkeit treten die Waren – auf lokalen oder globalen Märkten – in eine eigenartige, von der Gesellschaft gewissermaßen abgehobene, verselbstständigte Beziehung miteinander und beziehen auf diese Weise erst ihre scheinbar unabhängigen, beziehungslosen Produzenten aufeinander. Die Marktwirtschaft ist in erster Linie eine „Beziehung“ zwischen Waren statt zwischen Menschen. An ihr kann daher nur teilnehmen, wer auch etwas zu tauschen hat. Das gilt für die Börse ebenso wie für den Tauschkreis. Die Schwächsten in einer Gesellschaft, nämlich jene, die über keinen Besitz verfügen und nicht einmal ihre Arbeitskraft eintauschen können, bleiben folglich vom Markt ausgeschlossen. In der Praxis der Tauschkreise werden solche Menschen mitunter einfach mitversorgt. Das spricht zwar für das soziale Gewissen der Beteiligten, ändert aber nichts an der prinzipiellen Marktnatur des Tauschkreises. Wo Tauschkreise als Alternative zum regulären kapitalistischen Markt entstehen, handelt es sich im Wesentlichen um eine Armutsvariante für jene, die aus der „ersten Marktwirtschaft“ herausfallen; die Ausschluss- und Konkurrenzlogik des Tausches trifft aber auch auf einem solchen „zweiten Markt“ die Schwächsten immer am härtesten.

Gerechte Konkurrenz

In den Tauschkreisen wird die Ideologie des „gerechten Tausches“ hochgehalten, der ein moralisch und sozial überlegenes Gegenmodell zum angeblich „ungerechten Tausch“ der realen Marktwirtschaft darstellen soll. „Gerechter Tausch“ soll dabei nicht allein in einem Verbot der Zinsnahme auf Tauschkreiswährung bestehen, sondern auch die Austauschverhältnisse der Waren betreffen.

Wenn Waren oder Dienstleistungen „gerecht“ getauscht werden sollen, muss es ein Maß der „Gerechtigkeit“ geben. Irgendeine Art der Verrechnung von „Leistung“ muss erfolgen. Hier lässt sich bereits ahnen, dass die Ideologie „gerechten Tausches“ in die ordinäre Realität des Marktes mündet. Um etwa festzustellen, wie viele handgestrickte Pullover ich für meine Dienste als Elektrikerin bekomme, müssen diese beiden Waren auf einen gemeinsamen Nenner, auf abstrakten ökonomischen Wert, reduzierbar sein. Geld ist tatsächlich nichts anderes als die Verkörperung dieses gemeinsamen Nenners, der als Gleiches in allen Waren halluziniert wird, sie gewaltsam gleichsetzt und damit erst allseits und systematisch gegeneinander austauschbar macht. Der Inhalt dieses gemeinsamen Nenners ist die abstrakte Arbeitskraft, die für die Herstellung einer Ware verausgabt wird. Denn die unterschiedlichen Produkte haben, vom Hubschrauber bis zur Frühstückssemmel, nur eines gemeinsam: Ergebnisse der Verausgabung abstrakt gleicher menschlicher Arbeitskraft zu sein. Wir stellten vorhin fest, dass wir uns in der Marktwirtschaft auf einem Umweg, nämlich über unsere Produkte, aufeinander beziehen, weil wir nicht in direkte Beziehung miteinander treten. Die Produkte nehmen damit die Form von Waren an. Diese gelten allesamt lediglich als unterschiedliche Verkörperungen abstrakt gleicher menschlicher Tätigkeit, wobei vom konkreten Inhalt und Kontext derselben abgesehen, abstrahiert wird. Die Größe des Zählers, die Wertgröße, richtet sich dabei nach der in der Gesellschaft durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit zur Herstellung einer Ware. Diese Arbeitszeit ermittelt sich allerdings nicht anders als über den bewusstlosen Mechanismus von Märkten, von Angebot und Nachfrage. Ein „gerechter Tausch“ nach „Arbeitsleistung“ ist damit nur durch freie Preisbildung zu verwirklichen. Viele Tauschkreise versuchen hingegen eine einheitliche Bezahlung aller Arbeitsstunden zu praktizieren. Indem damit von jeglichen Unterschieden in Vorbildung, Geschick, Anstrengung, Outputmenge und Qualität abgesehen wird, handelt es sich paradoxerweise um das Gegenteil „gerechten Tauschs“, wie er am Markt ja ohnehin praktiziert wird; dieser offenkundige Widerspruch führt in Tauschkreisen auch häufig zu Diskussionen und mündet – zumindest unter der Hand – immer wieder in die Aufgabe dieses Prinzips.

Halten wir also fest: Geld ist in jeglicher Form – ob staatliche Währung oder selbstorganisierte Komplementärwährung – nicht nur das simple Tauschmittel, als das Gesell und seine Anhängerschaft es gerne sehen würden, sondern immer Folge einer Produktion, die in erster Linie für abstrakte Märkte und nicht für konkrete Menschen erfolgt. Ob das Geld nun LETS, Talente oder Euro heißt, macht – abgesehen von der oben diskutierten „Zinslosigkeit“ der Tauschkreiswährungen – keinen wesentlichen Unterschied.

Getreu Gesells Begeisterung für das Überleben der „Tüchtigsten“, ist die Konkurrenz im Tauschkreis genauso wie in der herkömmlichen Marktwirtschaft präsent. Ist ein Tauschkreismarkt erst groß genug und wirtschaftlich ausreichend attraktiv, treten alle Produzierenden zueinander in Konkurrenz. Zwar werden oft Mindestpreise, etwa für eine Arbeitsstunde, festgelegt. Bieten mehrere Personen gleichartige Ware an, müssen sie jedoch nahe diesem Mindestpreis kalkulieren, wenn sie nicht von billigeren Anbieterinnen ausgestochen werden wollen.

Von den Grenzen der Tauschkreise…

In der Praxis erfahren die Menschen im Tauschkreis letztlich dieselben Schwierigkeiten wie jeder und jede „da draußen“ auf dem Arbeits- oder Warenmarkt. Nicht was ich einerseits brauche und andererseits gerne täte, kann meine erste Sorge sein, sondern was auf dem lokalen Tauschkreismarkt absetzbar ist, muss mir zur ersten Pflicht werden. Will oder kann niemand ihre Produkte mit mir tauschen, erwerbe ich auch keine Verrechnungseinheiten, also Tauschkreiswährung, und kann demzufolge auch nicht eintauschen, was ich gerne hätte oder dringend bräuchte. Obwohl die herkömmliche Lohnarbeit von Tauschkreis-Begeisterten gerne und zu Recht als moderne Sklaverei geschmäht wird, ist ihre Lage in Tauschkreisen letztlich nicht wesentlich verschieden vom Zwang, auf dem Arbeitsmarkt ihre Haut verkaufen zu müssen. Im Unterschied zum Tauschkreis, wo frau bei mangelnder Vermarktbarkeit ihrer Produkte oder Fähigkeiten eben Pech gehabt hat, durften Arbeitslose bis jetzt allerdings immer noch ein paar Gnadeneuro vom siechen Sozialstaat erwarten.

Der Tauschkreis setzt trotz aller sozialen Motive die irre Logik der Marktwirtschaft und das Strickmuster des vereinzelten kapitalistischen Leistungs- und Konkurrenzautomaten fort. Wo paradoxerweise Warenbeziehungen über die Beziehungen ihrer Produzentinnen bestimmen, müssen Letztere einander zwangsläufig und in einem fundamentalen Sinn als Fremde, als im Grunde lästige Notwendigkeit zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse entgegentreten. Insbesondere in den kapitalistischen Zentren wirken dem sozialdarwinistischen Prinzip des Marktes nicht einmal mehr rudimentäre Formen traditioneller Sozialbindungen entgegen. Die Menschen treten einander folglich von Haus aus als potenzielle Feinde gegenüber, deren wirtschaftliche Interessen einander entgegenstehen. Diese Marktsozialisation prägte auch die großen Tauschkreise der Krisenregionen, wie etwa in Argentinien (9): Kaum dass aufgrund der Marktgröße eine persönliche Bekanntschaft zwischen den Beteiligten nicht mehr gewährleistet werden konnte, wurden sie zum Tummelplatz für die bornierte Egozentrik, die das Wesen des Warenmenschen ausmacht; mochte sie sich nun im Verkauf eingetauschter Produkte gegen Staatswährung, in der Spekulation mit knappen Gütern, im Ausnutzen von Preisgefällen oder im Horten von Tauschkreiswährung äußern. Dem zur Konkurrenz sozialisierten Menschen fällt es nicht auf Anhieb ein, ein alternatives Wirtschaftskonzept mit solidarischem Verhalten zu verbinden, vor allem dann nicht, wenn seine Struktur die Zwänge der Konkurrenz festschreibt und deren Logik nahelegt. Ein Markt ist das Gegenteil gesamtgesellschaftlicher Koordination zur Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse. Die argentinischen Tauschkreise konnten den Menschen daher gerade das nicht in ausreichendem Maße bieten, was sie am dringendsten benötigten, nämlich Lebensmittel. Der Tauschkreis garantierte das Überleben der Menschen ebenso wenig wie jeder andere Markt. Markt ohne Krise, Ausschluss und Unterversorgung gibt es nicht. All diese Probleme wären durch eine gesamtgesellschaftliche Koordination zu vermeiden.

Dass sich in Tauschkreisen häufig Menschen mit hohen moralischen Standards engagieren und daher die verrechnungslose, wechselseitige Hilfe einen hohen Stellenwert einnimmt, sei unbestritten. In diesen Fällen wird die Gesetzmäßigkeit von Markt und Tausch aber gerade überwunden, und es zeigt sich im Ansatz, quasi als überschießendes Moment, eine ganz andere Art gesellschaftlicher Beziehung.

Wenn das Tauschkreisprinzip je über das begrenzte Niveau eines hobbymäßig betriebenen Gesellschaftsspiels oder einer vom Elend diktierten Notfallsökonomie hinauskommen soll, darf es nicht nur die bloße Verteilung individuell oder in der Familie hergestellter Waren regeln, sondern muss auch auf die tauschlose Kooperation vieler Menschen in der Produktion angewandt werden. Haarschnitt kann ich einfach gegen Abwasch tauschen, das ist klar. Was aber passiert, wenn sich eine Gruppe von Menschen das Ziel setzt, gemeinsam einen Traktor herzustellen? Vieles kann ja gar nicht alleine produziert werden, sondern nur in breit angelegter Kooperation. Bei anderen Gütern wiederum spricht einerseits die höhere Produktivität, andererseits auch die Ressourcenersparnis klar für Zusammenarbeit. Die logische Folge liegt auf der Hand: der Tauschgedanke führt in diesem Fall schnurstracks zurück zur bekannten Lohnarbeit, also zum Tausch zwischen Kapital und Arbeit. Es gäbe einen Arbeitsmarkt, Konkurrenz zwischen den kooperativen Einheiten, vulgo „Unternehmen“, somit den Zwang zum Profit und über kurz oder lang den ganzen Rattenschwanz an Problemen, zu denen der Tauschkreis doch eigentlich eine Alternative bieten wollte.

… zur Überwindung der Marktwirtschaft

Gerade weil in Tauschkreisen hierzulande ideelle Motivationen die ökonomischen überwiegen (10), wäre es angebracht, die unmenschlichen Marktprinzipien einerseits und den durch sie bestimmten Warenmenschen andererseits zu hinterfragen. Als Anknüpfungspunkte markt- und tauschkritischer Praxen können durchaus die von den Tauschkreisen zumindest in zweiter Linie angestrebten Ziele dienen: die Herstellung sozialer Bindungen, direkte Formen menschlichen Kontakts, die Entfaltung persönlicher Fähigkeiten und die freie Kooperation. Diese Ziele sind jedoch vom Ballast der kapitalistischen Denk- und Handlungsmuster zu befreien, um eine tatsächlich neue Art gesellschaftlicher Beziehungen zu ermöglichen.

Es gilt eine Lebensweise anzudenken, in der konkrete menschliche Bedürfnisse Priorität haben. Dazu ist es vonnöten, die Vorstellung vom tauschenden „Ich“, das durch die Tauschhandlung als dominierende Form des sozialen Stoffwechsels definiert wird und deshalb auch erst in dieser Form sozial vollgültig eingebunden werden kann, zu hinterfragen und sich gemeinsam mit vielen anderen in einen bewusst und sinnvoll gestalteten Zusammenhang zu setzen, der die Zersplitterung der Marktgesellschaft an der Basis aufhebt. Dass dieser nicht durch eine staatliche Oberaufsicht über die an sich unbeherrschbaren Marktmechanismen herstellbar ist, zeigte die Erfahrung im ehemaligen Ostblock, wo versucht wurde, ein kapitalistisches Prinzip (das staatliche) gegen das andere (das marktwirtschaftliche) auszuspielen. Der Markt rächt sich am Ende bitter für jeden Versuch, seinem Selbstlauf Schranken aufzuerlegen.

Eine emanzipatorische Bewegung müsste es sich zum Ziel machen, die Prinzipien der freien Gemeinschaft, der konkreten Bedürfnisbefriedigung und der tauschlosen Verteilung zu verbinden. In der Praxis hieße das, einerseits einen gesellschaftlichen Zusammenhang über nicht-marktliche Organisationsformen zu entwickeln, in denen Menschen gleichberechtigt über Produktion und Verteilung entscheiden können. Es hieße andererseits sich an den konkreten Bedürfnissen zu orientieren, anstatt sich nach Profit und Konkurrenzfähigkeit zu richten. Und es würde drittens auch bedeuten, gemeinschaftlich Verantwortung zu übernehmen für die Menge und die Art der Produktion, um die Vereinbarkeit zwischen menschlichen Bedürfnissen und ökologischen Rahmenbedingungen zu sichern.

Dass das wesentlich leichter gesagt als getan ist, leuchtet ein. Die Unterwerfung unter die scheinbar äußerliche und eigenmächtige Logik von Geld und Warenproduktion hat die Menschen jahrhundertelang nicht nur voneinander getrennt, sondern uns zudem der Verantwortung für die Konsequenzen unseres Handelns weitgehend enthoben. Dagegen sind ganz neue Weisen des Umgangs miteinander zu gestalten und gesellschaftliche Organisation ohne „Sachzwänge“ zu stärken.

siehe auch: Gründet Kostnixläden! (Exner-Hintersteiner)


Anmerkungen

(1) Silvio Gesell, ein Kaufmann zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, interessierte sich für die Bedingungen eines stabilen, krisenfreien Kapitalismus. Die Freiwirtschaftslehre und verwandte Ansätze in Darstellungen ihrer Vertreter: Creutz, Helmut (2001): Das Geld-Syndrom. Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft. München; Gesell, Silvio (1920): Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freigeld und Freiland. Rehbrücke bei Berlin, im Netz unter http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/ (letzter Zugriff 17.10.04); Lietaer, Bernard (2002): Das Geld der Zukunft. Über die zerstörerische Wirkung unseres Geldsystems und Alternativen dazu. München; Musil, Robert (2003): Neue Wege des Wirtschaftens. In: Becker, Joachim; Heinz, Ronald; Imhof, Karen; Küblböck, Karin; Manzenreiter, Wolfram (Hg. ): Geld, Macht, Krise. Finanzmärkte und neoliberale Herrschaft. HSK 22 Internationale Entwicklung. Wien; Senft, Gerhard (1990): Weder Kapitalismus noch Kommunismus: Silvio Gesell und das libertäre Modell der Freiwirtschaft. Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte 3. Berlin; Suhr, Dieter (1983): Geld ohne Mehrwert. Entlastung der Marktwirtschaft von monetären Transaktionskosten. Frankfurt/M.

(2) Die Freiwirtschaftslehre will die Marktwirtschaft vom Kapitalismus befreien. In unserer Auffassung benennen die beiden Begriffe jedoch nur zwei Seiten einer Medaille. Sie gehören untrennbar zusammen: Marktwirtschaft bezeichnet die Seite des Warenhandels, Kapitalismus die Seite der Warenproduktion. Die Ausdrücke „marktwirtschaftliches“ und „kapitalistisches System“ sind daher im Wesentlichen gleichbedeutend. Auch der Realsozialismus ist in die Reihe der marktwirtschaftlich-kapitalistischen Systeme zu stellen. Es handelte sich dabei um den zum Scheitern verurteilten Versuch einer geplanten Marktwirtschaft. Unter Kapital versteht die Freiwirtschaft nur das Geldkapital. In unserer Sicht ist das Kapital kein Ding, sondern ein unaufhörlicher Selbstzweckprozess der Vermehrung von wirtschaftlichem Wert. Dieser Prozess umfasst sowohl Geld als auch Waren (Produktionsmittel, Arbeitskraft). Unsere Kapitalismuskritik unterscheidet sich daher fundamental von der „Kapitalismuskritik“ der Freiwirtschaft.

(3) Kirschner, Monika (2000): Gesell, Silvio. In: Lexikon Rechtsextremismus, im Netz unter http://lexikon.idgr.de/g/g_e/gesell-silvio/gesell-silvio.php (letzter Zugriff: 17.10.04).

(4) Mit Ausnahme von Irving Fisher und John Maynard Keynes wurde die Freiwirtschaft von der universitären Volkswirtschaftslehre entweder ignoriert oder belächelt. Der Marxismus der Arbeiterbewegung hingegen bekämpfte sie als „kleinbürgerlich“. Und tatsächlich spiegelte sich in der Gesellschen Lehre das Interesse der kleinen Wirtschaftstreibenden, wohlhabenderen Angestellten und Beamten wider, die in der Wirtschaftskrise unter dem Druck der Banken zu leiden hatten. Aus ihrer persönlichen Sicht lag es nahe, den Zins als ihre größte ökonomische Belastung zu erleben. In dieser Empfindung bestärkte sie die Freiwirtschaftslehre. Sie erblickte im Zins ja nicht allein die Ursache ihres persönlichen Elends, sondern gar das Grundübel der gesamten Gesellschaft. Nicht zuletzt vermeinte Gesell darin die Quelle aller Ausbeutung zu erkennen, während er den Profit der Industrie als „Unternehmerlohn“ rechtfertigte. Die Freiwirtschaftslehre gab den konservativen Kräften damit auch ein Argument gegen die erstarkende Arbeiterbewegung und ihre revolutionären Forderungen in die Hand.

Ein häufig zitiertes Beispiel für die praktische Erprobung von Freigeld in der Zwischenkriegszeit ist das „Experiment von Wörgl“ in Tirol. Mit Hilfe von selbst ausgegebenem Freigeld konnte die Gemeinde Investitionen in kommunale Bauvorhaben finanzieren, das Wirtschaftswachstum ankurbeln und damit Arbeitslosigkeit und Armut reduzieren. Das Experiment wurde bald von der österreichischen Nationalbank unterbunden, die ihre Währungshoheit gefährdet sah. Seine Wirkung glich einem keynesianischen Programm zur Wachstumsförderung und steht insofern im Widerspruch zum wachstumskritischen Grundtenor vieler heutiger Freiwirtschafter. Vielfach wurde von diesem zeitlich begrenzten kommunalen Wirtschaftsprogramm auf die mögliche Wirkung einer großräumigen Einführung von Freigeld geschlossen, was sich allerdings schon aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen und der kurzen Zeitdauer des Wörgler Experiments verbietet.

(5) Zum Zusammenhang von Geldkrise, Geldkritik und Antisemitismus siehe Hanloser, Gerhard (2003): Krise und Antisemitismus. Eine Geschichte in drei Stationen von der Gründerzeit über die Weltwirtschaftskrise bis heute. Münster.

(6) Zur Kritik von Freiwirtschaftslehre, Tauschkreisen und einzelner ihrer Aspekte: Altvater, Elmar (o.J.): Eine andere Welt mit welchem Geld? In: Wissenschaftlicher Beirat von Attac (Hg. ): Globalisierungskritik und Antisemitismus. Zur Antisemitismusdiskussion in Attac. Attac-Reader Nr. 3. ; Bierl, Peter (2001): „Schaffendes“ und „raffendes“ Kapital. Die Tauschringe, die Lehre des Silvio Gesell und der Antisemitismus. ContextXXI 2, im Netz unter: http://www.contextxxi.at/html/start/start_fr.html (letzter Zugriff 17.10.04); Herr, Hansjörg (1986): Geld – Störfaktor oder Systemmerkmal? PROKLA 63; Janssen, Hauke (1998): Nationalökonomie und Nationalsozialismus. Die deutsche Volkswirtschaftslehre in den dreißiger Jahren. Marburg; Kurz, Robert (1995): Politische Ökonomie des Antisemitismus. Die Verkleinbürgerlichung der Postmoderne oder die Wiederkehr der Geldutopie von Silvio Gesell. krisis 16/17, im Netz unter: http://www.krisis.org; Niederegger, Gerhard (1997): Das Freigeld Syndrom. Für und wider ein alternatives Geldsystem. Eine kritische Bestandsaufnahme. Wien; Rakowitz, Nadja (2000): Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie. Freiburg im Breisgau.

(7) Bakker, L. (2000): Wachstum wider Willen? In: Heinrich-Böll-Stiftung (Hg. ): Jenseits des Wachstums, Politische Ökologie 66.

(8) Zur Krisentheorie auf Grundlage der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie: Brenner, Robert (2003): Boom & Bubble. Die USA in der Weltwirtschaft. Hamburg; Heinrich, Michael (2001): Monetäre Werttheorie. Geld und Krise bei Marx. PROKLA 123; Heinrich, Michael (2004): Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Stuttgart; Hirsch, Joachim (2002): Herrschaft, Hegemonie und politische Alternativen. Hamburg; Kurz, Robert (1991): Der Kollaps der Modernisierung. Vom Zusammenbruch des Kasernensozialismus zur Krise der Weltökonomie. Frankfurt/M.

(9) Colectivo Situaciones (Hg. , 2003): Que se vayan todos! Krise und Widerstand in Argentinien. Berlin-Hamburg-Göttingen.

(10) Musil, Robert (2003): a.a.O.

49 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 Alexander Mayer meinte am 4. Dezember 2009, 19:43 Uhr

    Bye, bye dogmatischer Marxismus: Ich nehme die Diskussion mit euch Marxisten gerne auf, argumentativ seid ihr in einer Sackgasse, aus der ihr nicht herauskommt:

    Erstens ist es eine Frechheit Gesell zum Antisemiten abzustempeln, nur weil die Nazis von der „Brechung der jüdischen Zinsknechtschaft“ gesprochen haben, denn:

    Gesell hat sich klar vom Antisemitismus distanziert, ich zitiere:

    „Hat aber darum Herr Stöcker [der damalige Hofprediger Kaiser Wilhelms II] ein Recht, die Juden zu verfolgen? Ist nicht das Geld eine öffentliche Einrichtung, kann nicht Jeder, wenn er dazu befähigt ist, den Juden Konkurrenz machen, hat nicht schon Jeder, selbst Herr Stöcker, den geheimen Wunsch gehegt, selber Bankier zu sein? Die Judenhetzerei ist eine kolossale Ungerechtigkeit und eine Folge einer ungerechten Einrichtung, eine Folge des heutigen Münzwesens.“

    Zweitens hat der Schöpfer des Slogans der „jüdischen Zinsknechtschaft“ sich ablehnend zu Gesells Ideen geäußert. („Vergiftung der deutschen Köpfe“ oder so ähnlich)

    Drittens haben die Nazis ja wohl Freigeld nicht eingeführt, oder ist mir da etwas entgangen? Also war die Zinskritik für die Nazis nur ein Vorwand, um gegen die Juden zu hetzen. Im Übrigen haben manche Freigeldanhänger sich von den Nazis tatsächlich eine Reform des Geldsystems erhofft, manche haben sich blenden lassen, wie Millionen andere auch. Manche Freigeldanhänger waren aber von Anfang an im Widerstand.

    Zur inhaltlichen Auseinandersetzung:

    „Aus Sicht der Konsumentinnen wirkt das Freigeld schließlich nicht anders als die Inflation Durch seine ständige Entwertung bestünde ein großer Druck, das Freigeld möglichst schnell auszugeben. Auch dieser Effekt würde das Wachstum bei guter Wirtschaftslage anheizen.“
     
    Inflation wirkt unmittelbar auf alle Gelder auch auf gesparte, während die Umlaufgebühr auf langfristig gebundene Sparguthaben NICHT wirksam ist. Gleichzeitig bedeutet die Nichterfassung von langfristigen Sparguthaben auch eine andere Möglichkeit der Umlaufgebühr zu entkommen als zu konsumieren.
     
    „Damit sind wir auch schon bei der eigentlichen Ursache des Wachstums. Es ist nämlich nicht der Zins, sondern die Konkurrenz um möglichst hohe Profite, die das Wachstum der Unternehmen und damit der gesamten Wirtschaft verursacht.“
     
    Könnt ihr euch vorstellen, dass es Unternehmen gibt, die sich ab einem gewissen Punkt nicht um noch höhere Profite reißen, sondern mit einem langfristig halbwegs beständigen Einkommen zufrieden sind?
     
    „Im Rahmen einer Studie (7) wurden mehr als 100 große und kleine Unternehmen befragt, welche Faktoren sie aus ihrer Sicht zum Wachstum zwingen. Für die großen Unternehmen waren mit Abstand der internationale Wettbewerb und das Wachstum der Konkurrenten ausschlaggebend.“
     
    Natürlich, denn der Zinsdruck wirft mit der Zeit immer mehr Unternehmen aus dem Wettbewerb, dagegen kommt ein Unternehmen nur mit größerem Profit an.
     
    „Banken spielten für sie keine nennenswerte Rolle.“
     
    Um die Zinslasten kommen die Unternehmen ja bei Fremdfinanzierung auch nicht umhin, um den Konkurrenten vielleicht schon. Die Unternehmer kanalisieren eben den Wachstumsdruck in die Richtung, die eine Angriffsfläche bietet, und im Zinssystem ist der Zins nun mal unantastbar.
     
    „Schlagender kann man die Mär vom Wachstumszwang durch Zins wohl nicht entkräften.“
     
    Dann war’s da wohl mit der Kritik an der Zinskritik. ;-)
     
    „In staatlich-politischer Hinsicht schließlich ist Wachstum notwendig, weil die konkurrenzbedingte Produktivitätssteigerung ständig Arbeitskräfte freisetzt, die nur durch Wachstum der Produktion wieder Beschäftigung finden und Steuern zahlen können“
     
    Die Produktivitätssteigerung leitet sich vom technischen Fortschritt ab, den es ja sogar auch im Kommunismus gegeben hat.
     
    „Wie schon der Sozialdarwinist Silvio Gesell“
     
    Gesell war für seine Zeit gesellschaftlich sehr fortschrittlich, wollte die Abhängigkeit der Frauen von den Männern lösen.
     
    „Der Zins ist aus ihrer Sicht als “arbeitsloses Einkommen” zu kritisieren, der Unternehmensgewinn hingegen durch “Arbeit” gerechtfertigt. Diese Ansichten beruhen auf Phantasievorstellungen vom Leben “reicher Menschen”.“
     
    Welche Arbeit ist denn mit dem Zinsertrag verbunden, wenn die Vorstellung vom Zins als arbeitsloses Einkommen nur eine Phantasie ist?
     
    „Der durchschnittliche Vermögensverwalter ist aber kein faulenzender Geldbesitzer, der in der Sonne liegt, während sich die Millionen mehren.“
     
    Der Unterschied zwischen Vermögensverwaltern und Vermögenshaltern ist euch aber schon klar?
     
    „Eine Trennung in “arbeitende” Unternehmer und “faulenzende” Geldbesitzer entspricht nicht der Realität.“
     
    Der arbeitende Unternehmer kann aber sehr wohl, Arbeitseinkommen als auch leistungsloses Einkommen gleichzeitig haben.
     
    „Anders als die Freiwirtschaftslehre behauptet, ist der Zins kein von “Geldbesitzern” erzwungener Preisaufschlag. Vielmehr handelt es sich dabei – zusammen mit dem Unternehmensgewinn – um einen Teil des Profits, der insgesamt auf der Aneignung unbezahlter Arbeit im Produktionsprozess der Waren beruht.“
     
    Genau hier liegt der ganz große Fehler bei Marx, dessen Theorie des „vorenthaltenden Mehrwerts“ übrigens nicht völlig falsch ist, modifiziert sollte sie durchaus Teil einer umfassenden Wirtschaftstheorie sein. Geldkapitalist und Unternehmenskapitalist teilen sich NICHT einfach den Profit auf. Mikroökonomisch fordert der Geldkapitalist den Zins unabhängig vom Profit des „produktiven Kapitalisten“, wenn es sein muss auf Kosten des Unternehmensbestandes. Makroökonomisch wird Geld gehortet, wenn die geforderten Zinserträge nicht abgeliefert werden.
     
    „Was nicht durch Arbeitskraftvernutzung an wirtschaftlichem Wert “gewonnen” wurde, kann also nicht in Form des Zinses abgezweigt werden.“
     
    Das ist eine Banalität, natürlich kann es kein leistungsloses Einkommen geben, das nicht real erwirtschaftet wird. Der Zins ist jedoch der Mechanismus, mit dem real Erwirtschaftetes abgezweigt wird.
     
    „verengt sich der Blick“
     
    Ihr verengt den Blick auf eine im Kern geldlose Tauschwirtschaftslehre, und diesen Fehler hat der Marxismus mit den kapitalistischen Wirtschaftstheorien, mit der Neoklassik, gegenwärtig als „Monetarismus“ wieder aktuell, gemeinsam. Der Marxismus ist nur eine Pseudokritik am Kapitalismus, Kommunismus und Kapitalismus sind im Kern das selbe:
     
    Kommunismus:
     
    Eine kleine Clique von Bürokraten hat die Kontrolle über die Ressourcen.
     
    Kapitalismus:
     
    Eine kleine Clique von Plutokraten hat die Kontrolle über die Ressourcen.
     
    Toller Unterschied!
     
    „Wollte man den Zins mit dem kleinkrämerischen Argument kritisieren, dass er in die Warenpreise eingehe, so müsste man im selben Atemzug auch den Unternehmensgewinn verdammen; dieser geht natürlich ebenso in die Preise ein,“
     
    Der Anteil der Zinsen in den Konsumpreisen beträgt im Schnitt (je nach Land und Zeit) ja auch nur ein Drittel bis zur Hälfte. Und am Unternehmensgewinn ist nicht prinzipiell etwas Unanständiges – solange er durch die Arbeit des Unternehmers gedeckt ist. Der Zins in den Konsumpreisen hingegen ist ein leistungsloses Unternehmenseinkommen (bei Eigenkapitalfinanzierung, bei Fremdkaptialfinanzierung der Gläubiger).
     
    „Auch die im Kapitalismus zu beobachtende “Umverteilung nach oben” führen die Freiwirtschafter auf den Zins zurück. Tatsächlich muss sich im Kapitalismus die Reichtumsschere auch ohne Zins notwendigerweise öffnen. Einerseits ist das ja Ergebnis des von der Freiwirtschaft propagierten “leistungsgerechten Marktes”, auf dem die Konkurrenzschwachen und “Leistungsunwilligen” ausgesiebt werden.“
     
    Deswegen muss es ja auch sozial abgefederte Marktwirtschaft geben, aber eben ohne Kapitalismus.
     
    „Andererseits häuft sich der Profit, indem er in die Produktion von immer mehr Profit investiert wird, notwendigerweise auch ohne Zinsen an.“
     
    Das Gesetz der fallenden Profitrate sollte euch Marxisten eigentlich ein Begriff sein. Wird inhaltlich ähnlich übrigens auch bei Gesell und Keynes beschrieben.
     
    „Man darf aber nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, dass ohne Zinsen kein Unternehmen und kein Staat der Welt ihr Kapital in großem Maßstab verleihen würden.“
     
    Ist das jetzt noch Zinskritik von Marxisten oder doch schon von Neoliberalen (Neoklassikern)? Soweit habt ihr euch mit Gesell beschäftigt, dass ihr nicht zwischen Urzins und den übrigen Zinsanteilen unterscheiden könnt?
     
    „Das Freigeld kann hier also keine Lösung bieten. Die einzig sinnvolle Forderung ist vielmehr eine bedingungslose Schuldenstreichung für die Armen und die Entwicklung grundsätzlich neuer Kooperationsmodelle jenseits von Markt, Tausch und Geld.“
     
    Auf das der gleiche Mist wieder von vorne beginnt. Tolle Lösung. Im Zuge jeder grooßen Wirtschaftskrise werden Schulden (und Geldvermögen) gestrichen, nur damit danach wieder das gleiche Spiel von vorne beginnt.
     
    „Wir kommen nun zur letzten Behauptung: eine Marktwirtschaft mit Freigeld kenne keine Krisen“
     
    Das behaupten nur Freigeldanhänger, die genauso dogmatisch sind, wie ihr. Richtig ist, dass mit Freigeld eine ganz wesentliche Krisenursache beseitigt ist, die Krisenursache, die alleine für sich schon alle zwei Generationen für schwere Wirtschaftskrisen sorgt.
     
    „Darin gleicht die Freiwirtschaftslehre bezeichnenderweise der neoliberalen Wirtschaftstheorie“
    Gesell war tatsächlich zu nahe an der Neoklassik und manche Freigeldanhänger sind das noch heute. Aber die Neoklassik war zu Gesells Zeiten halt auch der letzte Stand der Dinge, und die Freiwirtschaftslehre ist von dieser Grundlage ausgehend eine beachtliche Entwicklung. Richtig ist auch, dass Gesells Kritik an Marx zu radikal war.
     
    „Auch ihre heftige Klage über die Inflation, von der sie den Wertverlust des Freigelds unterschieden wissen will, und über die Staatsverschuldung gleicht der neoliberalen Suada.“
     
    Beim Freigeld ist allerdings tatsächlich ein schuldenfreier und noch viel mehr ein nicht hoffnungslos überschuldeter Staat überhaupt möglich, während die Neoklassiker es bei Sypmtombekämpfungen belassen. („Kürzen, kürzen, kürzen, sparen, sparen, sparen“)
     
    „Beide Theorien gehen von einer fiktiven Marktwirtschaft mit Naturaltausch Ware gegen Ware aus“
     
    Dass die Marktwirtschaft mit oder ohne Freigeld perfekt funktioniere, behaupten auch nur die neoliberalen Fanatiker und bzw. dogmatische Freigeldanhänger. Nur funktioniert die Staatswirtschaft auch nicht gerade perfekt, oder? Es kommt also auf die richtige Mischung aus Staat/privat an.
     
    Zum Abschluss:
     
    Wie kann man nur so dogmatisch sein wie ihr? Alle Wirtschaftstheorien haben etwas Wahres, ja sogar Neoklassik und Marxismus. Anstatt Dogmen zu pflegen, sollten wir lieber die richtigen Elemente aller Richtungen zusammenführen. Bei Marx bleibt die Theorie des vorenthaltenden Mehrwerts (der sich in der Praxis NICHT immer einstellen muss), weil der Arbeitsmarkt eben nicht automatisch zum besten Ergebnis für die Allgemeinheit führt. Deswegen braucht es auch beim Freigeld unbedingt Gewerkschaften, Mindestlöhne und Tarifverhandlungen und eventuell eine Grundsicherung. Es tut mir leid, das so drastisch sagen zu müssen, aber ihr spielt den Kapitalisten, den Plutokraten, mit eurem Dogmatismus in die Hände.

  2. 2 Sebastian Seifert meinte am 17. Januar 2010, 06:31 Uhr

    Wer nimmt sich Zeit derartigen Unfug zu verfassen? Hinter so einer platten Propaganda können nur neoliberale Gruppen stecken. In den Massenmedien wird nur spärlich berichtet aber derartige Schundpropaganda wird  in renomierten Medien nicht verbreitet, dort wird neutral berichtet! Verfasser und Leser sollten sich was schämen! Hier gibt es nur einen Schlußgedanken, diese Platform ist Gesellschaftsschädigend!

  3. 3 Peter Pichler meinte am 3. Mai 2010, 21:36 Uhr

    Ihr habt Recht, Zins ist etwas was in einer Marktwirtschaft mit Geld automatisch entsteht. Zins ist keine Erfindung von Verschwörern, sondern etwas was sich aus Metall-geld logisch ergibt. (auch aber nicht nur wegen der von Gesell kritisierten Überlegenheit des Geldes)
    Aber das Zinssystem schafft Probleme, die schon zig mal beschrieben wurden und die ich hier nicht wiederholen will…
    Die VertreterInnen der Freigeld-Theorie wollen dieses Problem lösen, indem sie den Zinsertrag mit Hilfe einer Umlaufsicherungsgebühr verstaatlichen. (Unabhängig davon, ob das Geld  verliehen – und der Zins tatsächlich lukriert wird – oder ob das Geld unter der Matratze gebunkert wird).
    Diese Gebühr wird (direkt)  kaum Geld in die Staatshaushalte bringen. Trotzdem ändert sie einiges:
    * Kreditnehmer (Wirtschaft, die Staaten, Haushalte) kommen günstiger zu Geld.  Das wird sowohl die Wirtschaft beflügeln, als auch Staaten wieder handlungsfähig machen …
    * Wirtschaften können trotzdem wachsen… und es wird auch weiter eine Tendenz zu Wachstum geben. Aber… die Wirtschaft bricht nicht zusammen, wenn es einmal kein Wachstum gibt…
    * Die Vermögensverteilung wird nicht immer extremer. (Das Freigeldsystem baut die herschende Ungleichverteilung nicht ab… es beendet nur die exponentiale Beschleunigung).
    Die generalisierten Antisemitusvorwürfe sind so ähnlich, als würde man jeder und jedem der/die den Muttertag feierlich begeht – nationalsozialistische Wiederbetätigung vorwerfen. Der Vorwurf der strukturellen Antisemitismus ist in sich anti-semitisch. Er versucht nämlich so zu tun, als gebe es einen Zusammenhang zwischen einem (meiner Ansicht nach) völlig überholten und in der aktuellen Situation extrem problematischen Geldmodell und den Angehörigen des jüdischen  Volkes.  Der Großteil der Menschen aller Völker leidet unter den Problemen unseres derzeitigen Geldmodells.  Das Problem sind nicht einzelne Individuen (alle Menschen sind auch gierig), sondern ein nicht mehr zeitgemäßes Wirtschaftsspiel. Dieses müssen wir ändern… Man muss über alle offen Ansätze diskutieren, für mich sind derzeit die aber Freigeld-Ideen jene, die mich am ehesten überzeugen.

  4. 4 Andreas Exner meinte am 4. Mai 2010, 06:14 Uhr

    @peter pichler: das wirtschaftswachstum ist eine ökologische katastrophe und keine lösung für soziale probleme. das so genannte zinsproblem ist im kontext kapitalistischer produktionsweise, das heißt einer am profit orientierten und in form der lohnarbeit organisierten produktion zu sehen. ich sehe nicht, warum sich die probleme des kapitalismus lösen lassen, wenn es keine oder sehr niedrige zinsen gibt – eine situation, die ja durchaus immer wieder einmal auftritt (im rahmen keynesianischer wirtschaftspolitik).

  5. 5 Peter Pichler meinte am 12. Mai 2010, 20:16 Uhr

    @Andreas Exner
    Freigeld löst nicht alle Probleme die ein System aus vorwiegend egoistisch agierende Individuuen erzeugt. Aber einige… und das wichtigste… es bricht den Wachstumszwang… ermöglicht sogar schrumpfende Witschaften ohne völligen Zusammenbruch… Ich glaube auch, dass es den  Existenzdruck mindern kann.
    Es gibt viele andere Lösungsansätze / Weiterentwicklungsstrategien für verschiedenste Probleme/Sachbereiche.
    Es gibt keine praktischen Erfahrungen mit Freigeld in größeren Geldräumen. Ihre These, dass Freigeld einer starken Inflation ausgesetzt wäre, teile ich nicht…  (zumal die Geldmengensteuerung wesentlich effektiver möglich wäre). Eine Abwanderung in Zinswährungen ist möglich… aber durch entsprechende Vermögensbesteuerung (die die selben Kosten verursacht, wie die Umlaufsicherungsgebühr) kann dem entgegengewirkt werden. (es wird Leute geben, die die Steuer hinterziehen… wer sein legales Geld in Schwarzgeld verwandeln will, soll das machen… viel Spaß mit der Paranoia)
    Die Initiative – auf die sie verlinken ist möglicherweise wesentlich grundsätzlicher. Es ist gut und wichtig sich für einen Wertewandel einzusetzen… und ich gebe Ihnen Recht, dass es Zeit wird das Zeitalter der Gier hinter uns zu lassen…
    Die Freigeld-Konzepte versuchen nur ein besseres Geldsystem zu entwerfen… Es gibt AnhängerInnen des Freigeld-Konzeptes, die gar keinen Staat wollen… und es gibt welche, die den Staat und die Demokratie stärken wollen… Man kann das selbe Geldkonzept wollen, und über diese Fragen völlig unterschiedlicher Meinung sein…. Ihre Kritik ist oft falsch bzw. am Thema vorbei.  Wer eine Umlaufsicherungsgebühr will (und nicht ein Verbot von Zins) hat verstanden, was Zinsen sind.  Sie möchte diesen Teil des Profites nur nicht den privaten Kapital-BesitzerInnen überlassen.
    Ich hab bisher noch nicht verstanden, welche Änderungen Sie vorschlagen, um gegen Wirtschaftswachstum vorzugehen… Sofern es danach noch Geld braucht, halte ich ein Schwundgeldsystem gerade wenn man das will, für den geeigneten Ansatz. Wenn man Privateigentum weitestgehend abschafft, ist das Geldsystem egal…

  6. 6 Elan Ülel meinte am 5. Juli 2010, 23:04 Uhr

    Ich finde die Debatte sehr spannend. Das Lager der Kritik an der Kritik der Zinskritik kann sich meiner Meinung nach aber ein bisschen mehr Mühe geben, betrachtet mensch die Mühe, die sich die beiden Autor_innen gemacht haben. In diesem Sinn würde ich mich über etwas weniger Polemiken und einer stringentere Argumentation freuen. Nix für ungut.

    „Man darf aber nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, dass ohne Zinsen kein Unternehmen und kein Staat der Welt ihr Kapital in großem Maßstab verleihen würden.“ (Exner/Grohmann)

    „Ist das jetzt noch Zinskritik von Marxisten oder doch schon von Neoliberalen (Neoklassikern)? Soweit habt ihr euch mit Gesell beschäftigt, dass ihr nicht zwischen Urzins und den übrigen Zinsanteilen unterscheiden könnt?“ (Mayer)

    Zu dem Bereich habe ich ein paar Fragen und freue mich über Reaktionen.
    Gibt es in einer Freiwirtschaft doch Zins in Form von Urzins? Was unterscheidet den Urzins von den übrigen Zinsanteilen voneinander? Warum ist der besser als der andere Zins?
    Wer würde in einer Konkurrenzgesellschaft einem Unternehmen Geld leihen, ohne dafür Zinsen zu bekommen? Mein individueller Nutzen wäre doch viel größer, wenn ich mein Geld für Konsumgüter ausgebe.

  7. 7 Peter Ziegert meinte am 21. Oktober 2010, 17:59 Uhr

    Ich finde diese Diskussion eben auch interessant und möchte nichts wiederholen was weiter oben schon geschrieben wurde. Ich bin nach wie vor für eine gerechte Gesellschaft, egal ob man die sozialistische Gesellschaft nennt oder dritter Weg usw. Das sozialistische Modell nach der Theorie von Marx hat  nicht funktioniert. Das liegt aber nicht an Marx, sondern an den Vertretern des Marxismus. Wenn man eine wissenschaft-liche Theorie zu einer geschlossenen Theorie macht, wie mit dem Marxismus geschehen, muss man sich nicht wundern, wenn es schief geht. Jede Theorie lebt und entwickelt sich durch Kritik, durch Aufnahme von neuen Erkenntnissen um eine Theorie zu erweitern. So ist Erkenntnis-gewinn möglich. Das hat eben der verflossene Sozialismus nicht zuge-lassen. Die Marxisten haben ihre Lehre selbst nicht richtig verstanden. Selbst den Hinweis von Lenin beim Neuaufbau einer Gesellschaft wurde ignoriert. „Wenn was Neues aufgebaut wird, müssen wir es ständig überprüfen ob es in der  Praxis besteht. Wenn nicht muss es korrigiert werden.“ 
    Wie wollen die Marxisten Bündnisspartner gewinnen, wenn sie jede andere Auffassung, auch antikapitalistische, nur nach der marxistischen Theorie bewerten? Es geht um die Überwindung des Kapitalismus und das sollte man sich schon mal umschauen was andere dazu sagen. Auch ich habe den Marxismus studiert, mit Abschluß. Aber nach der Wende habe ich gesucht, was war denn falsch am Sozialismus. Und da bin ich nach rund 10 Jahren suchen auf Gesell und Prof. Ruhland gestoßen. Und da bin ich zur Erkenntniss gekommen, genau das fehlte im Marxismus. 
    Prof. Ruhland hat in seiner „Politischen Ökonomie“ schon 1903 darauf hingewiesen, das „sozialistische“ Epochen in der Geschichte der Völker der letzten 3200 Jahre, immer wieder Epochen waren zu einer erneuten Kapitalisierung der Gesellschaften. Die Ursachen fand er im Zinsgeld-system und dem Privatbesitz von Boden. Daraus resultierte dann der Privatbesitz von Produktionsmitteln, der sich beim Geldbesitzer ansammelte. 
    Ohne die Lehre von Gesell und Ruhland zu beachten,wird es keine dauerhafte gerechte Gesellschaft geben. Das hat sogar die jüngste Geschichte mit dem Untergang des Sozialismus gezeigt. Alle auf dem Zinsgeldsystem aufgebauten Gesellschaften sind nach 60 bis 80 Jahren in die Krise geraten und zusammengebrochen. Daraus sollten wir lernen um nicht die Fehler, die zum Untergang des                                        Sozialismus, führten wiederholen.  Die Sowjetunion existierte 72 Jahre. Von dieser Seite betrachtet hatte Ruhland recht. 
    Den Untergang des Sozialismus nur an der Unfähigkeit der damals herrschenden Parteien und Funktionäre festzumachen, ist in meinen Augen gelinde gesagt Dummheit, da hat noch was gefehlt. 
    Wenn diese Lehre von Gesell nicht beachtet wird, wird es wieder, auch in einen neuen Sozialismus, zum Kreislauf kommen – Aufschwung, Krise, Zusammenbruch(hoffentlich kein Krieg).       
       

  8. 8 Arno Niesner meinte am 16. Mai 2011, 17:16 Uhr

    Eine Lösung der immer wiederkehrenden Krisen im Kapitalismus liegt in der Verhinderung von systemrelevanten Fehlallokationen. Wo immer die Grenzziehung von „systemrelevant“ verläuft, die Praxis im Sinne von Alexander Mayer (siehe oben: Anstatt Dogmen zu pflegen, sollten wir lieber die richtigen Elemente aller Richtungen zusammenführen.) wird uns den Weg weisen, solange wir nur versuchen – ausgehend von den bestehenden Verhältnissen – durch strukturell unterstützten Wettbewerb zu entmachten (vgl. Franz Böhm).

    Nur noch diese drei Gedanken dazu:

    Von „unten“ her sind Basisinnovationen insofern zu fördern, sodass sie die Krisenanfälligkeit im Großen durch schöpferische Zerstörung im Kleinen verringern.

    Und nach „oben“ hin sollten die international wirksamen Machtkonzentrationen insbesondere im Finanzsektor begrenzt werden (In den USA gab´s das ja bereits einmal, ohne jahrelanges Herumlavieren).

    Der Vorteil entsprechend machtverteilender Strukturen ist eine Reduktion von Krisenanfälligkeit bei gleichzeitiger Abwesenheit vom notwendigen Erahnen, was künftig – also ex post – als „systemrelevante Fehlallokation“ zu bewerten sein wird.

  9. 9 Andreas Exner kritisiert Geld und Wirtschaftswachstum. Attac-Auftaktpodium “Jenseits des Wachstums?!”, Berlin | Gemeingüter meinte am 4. Juni 2011, 08:03 Uhr

    […] beim Auftaktpodium des Kongresses “Jenseits des Wachstums?!” von Attac Deutschland. Zur freiwirtschaftlich-zinskritischen Position von Niko Paech gibt es hier eine kritische […]

  10. 10 Kapitalismus + Peak Oil = Gesundheitskatastrophe. Post-Fossile Gesundheit in Solidarischer Postwachstumsökonomie | Solidarisch G'sund meinte am 14. Juni 2011, 10:37 Uhr

    […] Perspektive kann nur eine solidarische sein. Auf Regionalwährungen, Tauschkreise, eine „Gemeinwohlökonomie“ oder derlei illusionäres und zumeist auch politisch […]

  11. 11 Hulk Hoden meinte am 6. Juli 2011, 07:34 Uhr

    Scheinbar sind die Autoren ihres Hirnes beraubt wurden. Jeder Depp weis das Zinskritik berechtigt ist. Die Masse erstickt irgendwann am Zins(system). Ein paar nur lachen und halten sich ihre dicken Speckbäuche dabei. Schweine sind´s. Denn der Zins tötet letztlich Menschen. Welches Geldsystem auch immer, ein anderes muss her.

  12. 12 Umberto Bus meinte am 29. August 2011, 14:40 Uhr

    @Elan Ülel:

    „Wer würde in einer Konkurrenzgesellschaft einem Unternehmen Geld leihen, ohne dafür Zinsen zu bekommen? Mein individueller Nutzen wäre doch viel größer, wenn ich mein Geld für Konsumgüter ausgebe.“

    Wenn ich mein Freigeld unters Bett lege, wird es immer weniger wert. Ich kann es
    1. zur Bank tragen und fest anlegen, dann behält meine Forderung ihren Wert, und die Bank kann es einem Unternehmen weiterleihen
    2. in Gold, Kosumgüter osä. anlegen, aber dann gebe ich es nur jemand anderem weiter, der dann auch dieses Geld irgendwie loswerden muß
    3. einem Unternehmen leihen. Wenn das Unternehmen sehr riskant ist, kann es durchaus auch Zinsen geben (Risikoaufschlag). Zinsen werden doch nicht verboten, sondern pendeln sich von alleine um die 0% ein.

    Bei 1. und 3. landet das Geld bei einem Unternehmer, bei 2. irgendwann auch, und außerdem steigt dann der Preis für Gold/Konsumgüter, so daß diese Anlageformen nach und nach weniger attraktiv werden.

  13. 13 satan meinte am 2. November 2011, 14:46 Uhr

    Die Dummen sterben nie aus. Totschlagargument und gleichzeitige Entlarvung des Autors: Zinskritiker seien „antisemitisch“. Was für ein Unfug und Denunzierung! Wer die einfachste Wahrheit nicht akzeptieren kann, muss seitenlange Texte verfassen, um die Lüge angeblich zu „beweisen“. Die Erde wird auch keine Scheibe, indem man 100seitige „wissenschaftliche“ Beweisführungen darüber verfasst. Es ist und bleibt ein Schmarrn!

  14. 14 Stoppt die Rechten » Ein seltsamer Professor und sein Generalsekretär meinte am 26. Januar 2012, 14:12 Uhr

    […] userpage.fu-berlin.de – Elmar Altvater, Eine andere Welt mit welchem Geld? ↳ streifzuege.org – Andreas Exner, Stephanie Grohmann, Bye Bye Zinskritik news zurück […]

  15. 15 Neoprene meinte am 3. Februar 2012, 12:47 Uhr

    Wie kommt ihr denn auf die Schnapsidee, daß „die Sicherung der immer weniger werdenden Arbeitsplätze nach immer neuem Wirtschaftswachstum verlangt“??

    Es ist doch genau andersrum: Die Sicherung der Kapitalverwertung, die Garantie dafür, daß aus dem schönen vielen Geld(kapital)noch mehr werden kann, erfordert es bei den einzelnen Firmen geradezu, dafür so viele Arbeiter wie möglich um ihren Lohn zu bringen, denn der stellt schließlich „unnötige“ Kosten dar. Und dies erfordert einen Staat, der das Umfeld dafür hinreichend organisiert, z.B. mit Hartz IV.

  16. 16 Lorenz Krieg meinte am 4. Februar 2012, 00:50 Uhr

    @ Neoprene,
    meiner Meinung nach, sehen sie das aus der Perspektive einzelner Unternehmen, welche keine Arbeitsbeschäftigungsanstalten sind. Aber sie müssen Gewinne machen, in dem sie z.B. konkurrenzbedingt Arbeitsplätze wegrationalisieren. Diese Gewinne sind jedoch gesamtkapitalistisch ein Verlust, da nur lebendige Arbeit Mehrwert erzeugt. Um Arbeitsplätze zu schaffen, muß der Staat als ideeller Gesamtkapitalist, mit ständigem Wirtschaftswachstum gegensteuern. Das gelingt zunehmend weniger und wird nicht zuletzt dank allgemeiner Meinung, auf Kosten der Rausgefallenen kommuniziert. Freilich wird dann Hartz IV zum billigen Kanonenfutter der Arbeitskraftverwertungsmaschinerie. Immer nur böse Absichten, würde ich trotzdem nicht unterstellen.

  17. 17 Neoprene meinte am 4. Februar 2012, 16:43 Uhr

    @Lorenz
    Auch die Sichtweise einzelner Unternehmen wäre falsch bestimmt: Ja die einzelnen Kapitale „müssen Gewinne machen, in dem sie z.B. konkurrenzbedingt Arbeitsplätze wegrationalisieren“. Wobei das Müssen übrigens immer in erster Linie ein Wollen ist. Die rationalisieren Arbeitsplätze auch dann weg, wenn ihnen weit und breit keine Konkurrenz auf den Fersen ist, solange ihnen ein schlaues BWLer-Team vorrechnet, daß sich das „rechnet“, sprich den zu erwartenden Gewinn wohl steigern wird.

    Wenn du jetzt gleich einen Standpunktwechsel vornimmst und einen imaginären „gesamtwirtschaftlichen“ Standpunkt einnimmst, dann wäre schon mal die Frage, wer den denn so haben soll in dieser kapitalistischen Welt? Es ist doch offensichtlicher Unfug, ausgerechnet den Staaten, die da ihre Firmen vor sich hin und sich gegenseitig niederkonkurrieren lassen, zu belehren, daß die irren Produktivitätssteigerungen, die die dabei mobilisieren, soweit ihr Kredit dafür reicht, irgendwie ein Verlust fürs Ganze wären. Ganz im Gegenteil, von Firmen, die ihr Zeugs praktisch „nur“ mit tollen Maschinen und ein paar billigen Kulis und zwei Topmanagern herstellen können, kann doch jeder Staat nicht genug haben.

    Der Staat muß erstmal gar keine Arbeitsplätze schaffen, sondern er sieht es gern, wenn seine arbeitsfähige Bevölkerung profitabel eingesetzt wird, weil dann die Wirtschaft brummt, von deren Geldeinnahmen er dann seine Steuern einziehen und auf dieses Brummen als Bonitätspunkt er obendrein noch seine Kredite aufnehmen kann (Vollbeschäftigung um jeden Preis wollen übrigens immer nur Faschisten haben, Demokraten nur solange das auch Gewinne abwirft). Es ist dabei ein ungerechter Vorwurf ausgerechnet an die z.B. europäischen imperialistischen Staaten, sie würden nicht hinreichend für dementsprechende Wachstumsbedingungen sorgen (denn für Wachstum müssen in dieser Ordnung schließlich die Firmen sorgen). Damit „Arbeitplätze geschaffen“ werden können, hat gerade der deutsche Staat z.B. mit seinem massiven Verarmungsprogramm nach der „Agenda 2010“ und vor allem mit Hatz IV das seine zu tun versucht.

    Wieso du von meiner Frage nach korrekter Bestimmung dessen, was da eigentlich läuft und warum, gleich auf einen moralischen Vorwurf kommst, denn ich vorgebracht hätte, müßtest du noch genauer darlegen. Um Moral geht es mir nämlich zu allerletzt.

  18. 18 EuroTanic meinte am 6. Februar 2012, 01:28 Uhr

    Dem wiederspricht die Tatsache, dass die besten Zeitalter der Menschheit mit grossem allgemeinen Wohlstand der gesamten bevölkerung überall dort mit dem Zinsverbot oder -wucher einherging.

  19. 19 Hanz meinte am 6. Februar 2012, 11:10 Uhr

    was soll die diskusion von freigeld und zins immer?
    wenn mann nur das kauft was mann sich leisten kann, braucht mann keinen kredit. kredit bedeutet immer, vorrausgenommener konsum. das bedeutet, das mann sich jetzt etwas kauft, was man sich nicht leisten kann und in zukunft auf konsum verzichten muß. also ist kredit auf lange sicht schädlich für die algemeinheit.
    ein wischtiger grund, der immer übersehen wird, ist der, das die menschen nicht so sozial sind, wie wir uns das wünschen.
    und das jeder mensch gerechtigkeit anders auslegt.

  20. 20 Lorenz Krieg meinte am 6. Februar 2012, 14:42 Uhr

    Neoprene, für ihre Fragen finden sie auf diesen Seiten jede Menge gut argumentierte Antworten. Daher möchte ich nur ganz allgemein darauf eingehen. Aber die schöne Moral wollte ich wirklich nicht bemühen. Sie hilft allenfalls, daß es so bleibt wie es ist. Wenn ich keine „bösen Absichten“ unterstelle, betrifft das tatsächlich meine eigene Meinung. Danach werden die Menschen von einer Gedankenwelt bestimmt, welche von der Praxis ihres gesellschaftlichen Zusammenhangs geformt ist. Wenn im Kommentar weiter oben, mangelndes soziales Verhalten attestiert wird, dann verhindert dies ein System, was genau das Gegenteil fördert.

    Im Zusammenhang mit Gewinnen, schreiben sie, daß das Müssen immer in erster Linie ein Wollen ist. Hier klingt es mir doch schon eigentlich moralisch. Wenn sie ein Wettrennen veranstalten, dann wollen sie gewinnen, müssen aber nicht. Trotzdem verzichten sie nicht auf die Möglichkeit des Sieges. Ein Vorsprung würde sie keine Pause einlegen lassen. Vermutlich würde niemand auf mehr Arbeitslohn verzichten, nur weil das Geld im Moment nicht gebraucht wird. Auch ohne Konkurrenz haben viele Unternehmen gegenüber ihren Aktienbesitzern eine Gewinnverpflichtung. Mit Versicherungen, Spareinlagen usw., ist jeder irgendwie beteiligt, blendet das aber aus.

    Der Allgemeinheit dient, wer zu seinem persönlichen Vorteil handelt. Allein die unsichtbare Hand des Marktes soll das regeln. Folglich produziert die Wirtschaft den täglichen Lebensbedarf ganz legal als primäres Anliegen. Auch sie selbst gehen nicht auf Arbeit um Brot zu backen, sondern um Geld zu verdienen. Dahinter geht die Wirklichkeit verloren. Hinweis: „Es kann nur das Verteilt werden, was vorher erwirtschaftet wurde!“ Keine Rede von dem, was jederzeit produziert werden kann. Der wirtschaftliche Stoff läßt sich hingegen nur gewinnen, wenn bloße Arbeitszeiten aufeinander bezogen werden. Wieviel Macht übergeben wir dieser Arbeit, mit deren Tun die wenigsten verbunden sind, und in deren beliebigen Sinnfreiheit sich nur noch wirtschaftliches Lohnen finden muß? Wie verhält es sich, wenn gewonnen werden muß, aber bitteschön nicht zu viel und vor allem gerecht? Sind große Gewinne dann unmoralisch, aber kleine in Ordnung?
    Nicht nur im Moment scheint die unsichtbare Hand der freien Marktwirtschaft blindlings um sich zu schlagen. Aus nachfühlbaren Gründen, würde ich dem System kein menschliches Antlitz wünschen.

  21. 21 Habnix meinte am 6. Februar 2012, 19:21 Uhr

    Beides ist falsch.
    Geld das die Banken von der Notenbank billig bekommen soll der Konsument sich teuer durch Leibeigenschaft kaufen.

    Man muss das tauschen überwinden.Im Internet wird verteilt.Es ist der Ort wo Mann und Frau seine Meinung und sein Wissen teilt oder austauscht.Aber im großen und ganzen ist es ein verteilen einfach ohne Zwang.

    Nur gibt es da welche die sagen von mir gibt es nichts umsonst.“Ich hab ein Copyright“ und so.

    Bsp: Ein Mensch wächst in einer Gemeinschaft auf wird groß durch die Gemeinschaft und später findet er Gold.Wem gehört das,was Er gefunden hat?

    Natürlich all denen und ihm selber,die ihm geholfen haben das zu finden was er vielleicht zufällig gefunden hat.

  22. 22 Habnix meinte am 6. Februar 2012, 19:28 Uhr

    Wer produziert dann in einer Welt der Maschinen.Es sind nur noch wenige.Wie soll den da die Zukunft laufen.

    Der Mensch hat seine Schuldigkeit getan,der Mensch kann gehen.

  23. 23 Winfired meinte am 6. Februar 2012, 20:02 Uhr

    Einfach mal den Silvio Gesell im Original lesen? Die Zinskritik gibt es auch im Koran, im Talmud – so neu ist diese wirklich nicht! Es geht auch nicht um den Zins sondern um den Urzins in der Zinseszinsmechanik, die auf die Geldmenge und auf die Umverteilung wirkt. Dies ist dr Grund für Zwangswachstum und Globalisierung!
    http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/article/nur-zwei-buecher

  24. 24 Neoprene meinte am 6. Februar 2012, 21:16 Uhr

    Wie man hier ja ablesen kann, schaue ich hier nur ab und zu rein. Mit Andreas habe ich aber schon mal Argumente ausgetauscht. Insofern ist Ihr Argument. daß man auf meine Fragen „auf diesen Seiten jede Menge gut argumentierte Antworten“ finden könne ein bißchen daneben. Denn mir ging es hier nicht um einen Grundsatzauseinandersetzung mit den beiden Autoren, sondern ich war ja schon eingangs über die eine Stelle gestolpert, die ich ja auch deshalb zum Anlaß meines Kommentars gemacht habe. Und da klingt das eigenartig ausweichend, was Sie dem jetzt entgegenzusetzen hatten, denn es geht einer konkreten Antwort ja bewußt aus dem Weg um statt dessen „ganz allgemein darauf“ einzugehen.

    Mit ist unklar, was Sie mit Ihrer Entgegnung meinen, „Wenn ich keine „bösen Absichten“ unterstelle, betrifft das tatsächlich meine eigene Meinung“. Der Begriff kam doch von Ihnen in die Debatte nicht von mir.

    Mit einem Allgemeinvorwurf, es mangele in unserer Gesellschaft an „mangelnden sozialem Verhalten“, dann möchte ich dem entgegenhalten, daß es natürlich auch in dieser Gesellschaft sozialer Wesen genauso wie in anderen Gesellschaften früher, ein für sie typisches „soziales“ Verhalten gibt. Das ist offensichtlich anders als im Feudalismus oder bei den Römern. Aber ein bißchen konkreter müßte man das schon abhandeln.

    Ich verstehe nicht, warum Sie meine Ergänzung, daß Kapitaleigner Gewinne nicht nur machen müssen, sondern eben auch machen wollen, also eine reine Faktenfeststellung, gleich als „moralisch“ abtun oder nicht gelten lassen wollen. Daß diese Vorsätze, dieses Prinzip, aus Geld muß doch mehr Geld zu machen sein, *das* herrschende Prinzip einer kapitalistischen Gesellschaft ist, wird dadurch nicht entkräftet, daß in der Tat jeder Bürger, und sei es nur mit seinem blöden Aktienfonds für die Alterssicherung das auch so sieht.

    Ich weiß wieder nicht, was Sie meinen, wenn Sie postulieren, daß die Wirtschaft „den täglichen Lebensbedarf ganz legal als primäres Anliegen“ produzieren würde. Der Lebensbedarf von Millionen von Menschen zählt bekanntlich hier nichts, weil diese Menschen kein Geld vorweisen können, um ihre Bedürfnisse befriedigen zu können, denn man muß ja alles kaufen, was man dafür braucht.

    Ja, es stimmt, was auch Sie feststellen, „„Es kann nur das Verteilt werden, was vorher erwirtschaftet wurde!“ Keine Rede von dem, was jederzeit produziert werden kann.“ Ich tue mich nur immer schwer, wenn dann allzu schnell in dieser Klassengesellschaft, wo die Macht alles andere als gleichmäßig unter die ihr unterworfenen Menschen verteilt ist, ein „wir“ vorkommt: „Wieviel Macht übergeben wir dieser Arbeit?“ Von mir werden Sie übrigens auch keinen Vorwurf hören, daß Gewinne „nicht zu viel und vor allem gerecht“ gemacht werden sollten. Und wieder mein Einwand, daß es bei Gewinnen nicht um Moral geht, sondern darum, daß eine Gesellschaft, die die zu ihrem Lebenselexier erhebt, im wesentlichen eine sehr unvernünftige und für die Menschen schädliche Veranstaltung ist. Von daher kann ich Ihrem Schluß nur vorbehaltlos zustimmen:
    „Aus nachfühlbaren Gründen, würde ich dem System kein menschliches Antlitz wünschen.“

  25. 25 Neoprene meinte am 6. Februar 2012, 22:37 Uhr

    Hanz hat geschrieben: „wenn mann nur das kauft was mann sich leisten kann, braucht mann keinen kredit“. Das wird schon so sein, jedenfalls bei Lohnabhängigen, wo das Geld offensichtlich weder jetzt noch später für das reicht, was man sich kaufen möchte, manchmal sogar muß (z.B. wenn einem deas alte Auto kaputt gegangen ist)., Nur geht es denen, die wirklich soviel Geld haben, daß sie auch noch obendrein Kredit bekommen können, also Firmen jeglicher Art, sei es aus dem sogenannten produzierenden Gewerbe (gerne auch „Realwirtschaft“ genannt) sei es aus dem Finanzbereich, z.B. bei Banken, überhaupt nicht darum, was die sich „leisten“ können, sondern darum, wie aus dem mühsam zusammenakkumulierten Kapital möglichst noch mehr mehr werden kann. Und genau für dieses Interesse gibt es all die schönen riesigen Firmenkredite. Für ihre Kapitalverwertung brauchen die in der Tat Kredite.

  26. 26 Lorenz Krieg meinte am 6. Februar 2012, 22:53 Uhr

    Neoprene, auch ich bin lediglich Gast. Allerdings konnte ich schon viel lesen und hab daher auf die Artikel verwiesen. Warum sollte ich etwas zusammenstümpern, was dort viel verständlicher beschrieben wird?
    Die Unterstellung „böser Absichten“ ist ganz klar ein Mißverständnis. Das war eine Feststellung und galt nicht ihnen.
    Auch alles Weitere würde sich ohne Kommentar auflösen lassen, wenn wir uns im Grunde einig sind, daß die zunehmenden Schwierigkeiten nicht mit den Mitteln des Geldes zu lösen sind, sondern das alles erst diesen Tauschverhältnissen zu verdanken ist. Das heißt im Schluß, daß sich die Vergesellschaftung über die Arbeit mit samt ihrer Warenproduktion, ein redliches Ende verdient hat.

  27. 27 Neoprene meinte am 7. Februar 2012, 08:35 Uhr

    @Lorenz:
    Ein Satz wie Ihr „für ihre Fragen finden sie auf diesen Seiten jede Menge gut argumentierte Antworten“ ist immer recht unbefriedigend. Denn dann würde man nämlich schon gern wissen, was denn ein solches „gut argumentiertes Argument“ sein soll. Wenigstens ein paar Links wären da hilfreicher oder zumindest informativer gewesen als solch eine Generalabsolution für die Streifzüge-Leute. Es wäre also besser gewesen, wenn Sie tatsächlich auf einige solche von Ihnen geschätzte Artikel verwiesen hätten. Denn es stimmt ja, wenn Sie hinzufügen, „Warum sollte ich etwas zusammenstümpern, was dort viel verständlicher beschrieben wird?“ Nur braucht es dann zur Überprüfung schon das „dort“.

    So wie Sie ihr Resümee gezogen haben der „Vergesellschaftung über die Arbeit“ ein Ende (wieso eigentlich „redlich“?) zu wünschen, widerspreche ich aber: Daß die Menschen als soziales Gattungswesen schon immer, so lange es sie überhaupt gibt, „Arbeit“ haben leisten müssen, um sich ihre Lebensmittel aneignen zu können, ist einfach nur eine Tatsache. Das wird auch immer so bleiben, nur im Märchen war das schon manchmal anders und in Klassengesellschaften galt und gilt es nur für Wenige nicht. Daß diese Arbeit schon recht früh „gesellschaftlich“ oder meinetwegen arbeitsteilig von statten gegangen ist, ist auch nichts, was ich zurückdrehen wollte. Daß *diese*, kapitalistische Form der Vergesellschaftung abgeschafft gehört, will ich hingegen nicht zurückweisen.

  28. 28 Lorenz Krieg meinte am 7. Februar 2012, 11:49 Uhr

    Man muß sich in diesem System alles redlich verdienen um leben zu können. Das System hat sich seine faulen Früchte ebenfalls redlich verdient. Es kann nicht besser.

    Na klar wird schon immer gearbeitet. Das ganze Leben ist eine einzige Arbeitsleistung. Ich muß sogar Arbeit leisten, wenn ich ein Glas Bier hebe. Dabei verbrauche ich Energie, also war Arbeit dabei. Auch wenn ich ein Bein vor das Andere setze um ins Büro zu laufen, steckt doch Arbeit drin. Da gebe ich ihnen Recht. Nur lassen sich die verschiedenen Arbeiten nicht in Geld umrechnen. Macht man das dennoch, ist das ungerecht.

  29. 29 Neoprene meinte am 7. Februar 2012, 12:35 Uhr

    @ Lorenz Krieg:
    „lassen sich die verschiedenen Arbeiten nicht in Geld umrechnen“.
    Doch, in diesem System, wo diejenigen, denen die Produktionsmittel gehören, die alle bräuchten, wenn sie die Sachen herstellen wollten, die sie brauchen,die anderen zur Lohnarbeit zwingen können, und dafür dann aber eben auch Geld herausrücken müssen, in diesem System hat noch jede Arbeitsleistung ihren Preis in Geld. Und deshalb wird von dafür angestellten BWlern auch hin und her gerechnet, wie man die eine Arbeitskraft, die den einen Preis hat, durch eine andere mit einem anderen Preis (eventuell gleich mit anderen Produktionsmitteln) ersetzen kann, damit hinterher mehr Geld übrig bleibt. Das ist nicht „ungerecht“ (wieso eigentlich schon wieder dieser moralische Vorwurf, wo Sie dem doch Abschwören wollten?), sondern das Gesetz dieser Gesellschaft. Es kann überhaupt nur alles zur Ware werden, wenn alle, die kein „richtiges“ Eigentum haben, durch die Verhältnisse gezwungen sind, sich selbst als Ware gegen einen Geldpreis zu Markte zu tragen.

  30. 30 Winfired meinte am 7. Februar 2012, 22:41 Uhr

    Ein Leben ohne Geld zu wollen, das heißt ein Leben ohne arbeitsteilige Gesellschaft, man feilt sich dann den Motorblock eben selbst!

    Tauschkreise haben übrigens mit der Freiwirtschaft so viel zu tun wie Ostern mit dem Matriachat.

    Wenn der Kommunist den Zins nicht als Problem sieht wohl aber das Geld dann erzählt er auch nur viel wenn der Tag lang ist und will etwas ganz anderes, das was er nicht erzählt!

  31. 31 Neoprene meinte am 8. Februar 2012, 08:10 Uhr

    Mache ich ja sonst nicht, aber zu Winfired paßt gut ein Zitat aus dem aktuellen Artikel von Norbert Trenkle, hier auf der Webseite:

    „2. Der Mythos von der Unverzichtbarkeit des Geldes

    Nichts ist in der totalen Welt der Ware wohl selbstverständlicher als die Existenz des Geldes. Die Erfahrung, dass nur wer über Geld verfügt, auch als Subjekt anerkannt wird und Zugang zum gesellschaftlichen Reichtum erhält, hat sich tief ins Bewusstsein der Menschen eingegraben; und daher rührt schon der einfache Gedanke an die Aufhebung der Warenform an eine fundamentale Angst. Es ist geradeso, als würde jemand vorschlagen, die Atemluft abzustellen. Längst schon erscheint den modernen Geldsubjekten der Zwang, sich immer und überall zu verkaufen, als tiefste Naturnotwendigkeit. Die Idee, gesellschaftlicher Reichtum könnte auch anders als in der Warenform existieren, kommt diesem verrückten Bewusstsein völlig verrückt vor. Selbst kritisch denkende Menschen wehren einen solchen Gedanken im allgemeinen als geradezu hirnverbrannt ab und erheben fast schon reflexhaft den Vorwurf (meist unter Verweis auf Stalin und Pol Pot), hier wolle jemand entweder zur bäuerlich-kargen Dorfwirtschaft zurück oder strebe gar eine totalitaristische »Diktatur über die Bedürfnisse« an.“

  32. 32 Lorenz Krieg meinte am 9. Februar 2012, 09:48 Uhr

    @Neoprene,
    eigentlich sind wir doch einer Meinung. Ich hab ja nichts gegen Arbeitsteilung, nur gegen die Vergesellschaftung mittels Arbeit, was ja ohne Geld schwerlich zu machen ist.

  33. 33 Neoprene meinte am 9. Februar 2012, 11:36 Uhr

    Es würde helfen, wenigstens mir, wenn du erzählen würdest, was du denn unter „Vergesellschaftung mittels Arbeit“ und „mit Geld“ eigentlich meinst.

  34. 34 Lorenz Krieg meinte am 9. Februar 2012, 13:31 Uhr

    Die Menschen vergesellschaften sich über den Tauschwert der Arbeit, welche im Geld ihren Wertausdruck findet. Das führt in absurde Verhältnisse, wie dem Hunger vor vollen Töpfen (z.B. Inflation), da ja das Geld, also die Arbeit aufeinander bezogen wird, statt sich darüber zu unterhalten was notwendig wäre. Das geht aber nicht in der vorbestimmten Logik eines Systems. Bei N.Trenkle nachzulesen (Weltgesellschaft ohne Geld). Für mich sind das sehr tiefliegende Anschauungen. Wie auch die Ursache einer Krebserkrankung nicht einfach herauszuschneiden ist, weil sie oft einer ganz anderen Ebene als der Stofflichen angehört.

  35. 35 Neoprene meinte am 9. Februar 2012, 15:02 Uhr

    Ich wage es zu bezweifeln, daß es auch nur eine Handvoll von Menschen gibt, die sich erstens überhaupt „vergesellschaften“ wollen (was soll das auch schon sein) und selbst wenn sie das grundsätzlich wollen würden, dies „über den Tauschwert der Arbeit“ versuchen/machen.

    Kapitalistische Verhältnisse sind nur für den „absurd“, der sie ablehnt und die Menschen vom Ziel der Bedürfnisbefriedigung als wünschenswerten Zweck des (gemeinsamen) Produzieren überzeugen will. *Im* Kapitalismus dient es geradezu dem Zweck (der Gewinnemacherei) wenn die, die dafür arbeiten müssen, „Hunger vor vollen Töpfen“ erleiden müssen. Denn für die Hungerleider sind die schönen vollen Töpfe schließlich hierzulande gar nicht da.

  36. 36 Lorenz Krieg meinte am 9. Februar 2012, 18:50 Uhr

    Sie haben Recht, den meisten Menschen erscheint die Absurdität des gesellschaftlichen Zusammenhangs als naturgegeben.
    Eine Gesellschaft ist nicht nur eine Ansammlung von Menschen, sondern das, was die Menschen aneinander bindet, also vergesellschaftet. Möglicherweise haben sie eine Gemeinschaft im Sinn.
    Nach ihrer Meinung, dürfte der Sozialismus keinen Hunger produzieren. Da stimmt also was nicht.

  37. 37 Neoprene meinte am 10. Februar 2012, 08:22 Uhr

    @Lorenz Krieg:
    „Eine Gesellschaft ist nicht nur eine Ansammlung von Menschen, sondern das, was die Menschen aneinander bindet, also vergesellschaftet.“ Ja und? Was weiß man nun über die doch hoffentlich konkret für die aktuelle kapitalistische Gesellschaft geltenden Prinzipien??
    Was soll ich im Sinne haben, wenn ich Ihrem Begriff der Gesellschaft einen Begriff „Gemeinschaft“ entgegenstelle?
    Und schon völlig unerklärlich ist für mich, wieso Sie von der Klärung von Verhältnissen im Kapitalismus mit einem Sprung im „Sozialismus“ landen. Und dann noch mit einem schon wieder komischen Satz „Der Sozialismus dürfte keinen Hunger produzieren“. Sollte das heißen, „Sozialismus ist es nur wert so genannt zu werden, wenn es in ihm keinen vorsätzlichen unnötigen Hunger gibt“? Dann würde ich das sogar unterschreiben. Wenn es hingegen heißen soll, „Mann ey, im Sozialismus haben die dort Herrschenden doch die Menschen auch hungern lassen, was regen Sie sich dann über das bißchen Hunger im Kapitalimus auf“, würde ich dem natürlich wiedersprechen.
    „Da stimmt also was nicht“, bin auch ich geneigt, meine Einschätzung zusammenzufassen.

  38. 38 Lorenz Krieg meinte am 10. Februar 2012, 09:13 Uhr

    Wenn für sie einiges unerklärlich und komisch ist, dann liegt das womöglich daran, daß ich nicht mit ihren Kopf denken kann.
    Sie können nur eine Gemeinschaft im Sinn haben, wenn sie schreiben, daß sich niemand vergesellschaften wolle.
    Auf den Sozialismus komme ich, weil sie dem kapitalistischen Zweck im produzieren von Hungerleider sehen. Demnach sollten im Sozialismus andere Verhältnisse gelten, der Hunger also ein Fremdwort sein. Das ist aber nicht der Fall. Also gelten im Kapitalismus, als auch im Sozialismus die gleichen Prinzipien. Welche das sind, überlasse ich gerne ihnen. Denn ich möchte nicht schon wieder als unerklärlich und komisch erscheinen.

  39. 39 Neoprene meinte am 10. Februar 2012, 09:29 Uhr

    Herr Krieg, da haben Sie aber meine Kommentare nur sehr flüchtig gelesen (um es höflich auszudrücken) wenn Sie zu der mich gar nicht treffenden Einschätzung kommen, daß ich „den kapitalistischen Zweck im produzieren von Hungerleider sehen“ würde. Das wäre natürlich Stuß. Geschrieben habe ich hingegen: „*Im* Kapitalismus dient es geradezu dem Zweck (der Gewinnemacherei) wenn die, die dafür arbeiten müssen, “Hunger vor vollen Töpfen” erleiden müssen“. Der Zweck ist also hier das Gewinne machen. Das probate Mittel dazu ist das arm halten derjenigen, die diese Gewinne durch ihre Arbeit erst möglich machen. Armut/Hunger leiden ist also für mich nicht Zweck, sondern notwendige Voraussetzung der Kapitalakkumulation. Und wie man jetzt ja auch wieder aktuell sehen kann, ist die weitere massive Verarmung ganzer Völker das probate Mittel der kapitalistischen Herren (und Frauen) dieser imperialistischen Welt, um möglichst überhaupt und möglichst schnell aus der Krise der Verwertung, aus der Krise des Geldes, aus der Krise der Staatshaushalte wieder heraus zu kommen. Wie die immer sagen „alternativlos“. Wo die recht haben, haben die recht. Nur, wofür oder wogegen spricht das eigentlich?

  40. 40 Neoprene meinte am 10. Februar 2012, 09:43 Uhr

    @Lorenz Krieg:
    „… sollten im Sozialismus andere Verhältnisse gelten, der Hunger also ein Fremdwort sein. Das ist aber nicht der Fall. Also gelten im Kapitalismus, als auch im Sozialismus die gleichen Prinzipien.“

    Erstmal die Frage, Wo gibt es Ihrer Auffassung nach überhaupt „Sozialismus“? Doch nicht etwa immer schon da, wo ein Regime dies auch nur behauptet hat? Zweitens: Ist Hunger als Ausdruck von einem sehr elementaren Mangel in einer Gesellschaft (wenn sie denn den Zweck überhaupt hat, dem Mangel/Hunger abzuhelfen) überhaupt zu jeder Tags- und Nachtzeit zu vermeiden gewesen? Gab es da nicht jeweils zu analysierende Ausgangslagen, insbesondere den Strangulierungsdruck der imperialistischen Feinde? War nicht der Ausgangspunkt in vielen Fällen siegreicher Revolutionen, die sich dann sozialistisch genannt haben nicht schon der geerbte Massenhunger?
    Was sind dann eigentlich die „gleichen Prinzipien“, die „im Kapitalismus, als auch im Sozialismus“ gelten sollen?

  41. 41 Lorenz Krieg meinte am 10. Februar 2012, 09:59 Uhr

    Wenn die Konsumwelt nach einer Alternative sucht, meint sie immer etwas Gleichwertiges.
    Es spricht also dagegen, überhaupt eine Alternative zu finden, denn es wäre ja nur wieder das Gleiche vom Selben, wie z.B. der Sozialismus.
    Es spricht aber dafür, diese warenproduzierende Gesellschaft hinter sich zu lassen und etwas ins Leben zu bringen, was sich keiner „zweiten Natur“, wie dem Geld (Lohnarbeit)oder sonst was, unterwerfen muß.

  42. 42 Neoprene meinte am 10. Februar 2012, 10:36 Uhr

    Herr Krieg,
    ich glaube, es bringt es nicht, jedenfalls für mich, wenn Sie auf konkrete Verständnisfragen von mir immer mit eigenartig vagen allgemeinen Begriffen „antworten“:

    Wer ist den „die Konsumwelt“, wozu sucht die denn eine „Alternative“, wann tut sie das, wenn sie schon ein „wenn“ benutzen, was ist dann ein wozu auch immer „Gleichwertiges“? Wieso hängen Sie an diese in der Form einer Tatsachenfeststellung auftretenden Satz ein „also“ an, als ob sich aus dem Vorsatz was Bestimmtes notwendig ergeben würde? Selbst wenn „die Konsumwelt“ sich intellektuell nur in ihrer eigenen Soße umtreiben könnte, warum soll man (oder kann man?) dann keine „Alternative“ „finden“?

    Sie müssen diese Fragen übrigens gar nicht mehr beantworten, denn ich klinke mich hier erstmal aus.

  43. 43 Wanderer meinte am 12. März 2012, 11:00 Uhr

    Dieser Artikel ist eine Zumutung! An den Haaren herbei gezogener, aus dem Zusammenhang gerissener Unsinn! Die Diskussion ist keine Sekunde Lebenszeit wert.

  44. 44 Neoprene meinte am 15. März 2012, 07:10 Uhr

    So ganz ohne auch nur eine Sekunde auf ein Argument für die Begründung zu verwenden, ist der pure Ausruf „Zumutung“ nicht nur selber eine sondern selber „keine Sekunde Lebenszeit wert“.

  45. 45 Tony Katz meinte am 1. September 2012, 22:02 Uhr

    Nun, vielleicht kann ich die Diskussion in der Hinsicht bereichern, in dem ich ein Lösungsmodell skiziiere, welches aus der momentan eher unseligen Verquickung zwischen Unternehmern, Staat, Kapital und Zins herausdrillt: das Bandbreitenmodell. Es ist ein politisches Manuskript, welches aufgrund von 2 Gesetzen folgende drängende Probleme löst: Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Umverteilung von unten nach oben, Zins wird unwichtig, das geht (genauer nachzulesen unter bandbreitenmodell.de)
    1) Es gibt nur noch die Umsatzsteuer (alle anderen Steuern sind überflüssig)
    2) Die Umsatzsteuer steigt für Unternehmen (Mindestumsatz 250.000 Euro im Jahr, also Kleinunternehmen haben immer den niedrigsten Umsatzsteuersatz), wenn ein Unternehmen nicht genügend (gut bezahlte) Mitarbeiter pro Umsatzmillion (im Inland) hat.
    Die Folgen: hohe Steuereinnahmen, keine Arbeitslosigkeit (vielmehr ringen die Unternehmen um Angestellte, damit sie den niedrigsten Umsatzsteuersatz (in Höhe von 15 oder 20%) haben und ganz nebenbei: hohe Kaufkraft, da die Lohnquote steigt und vieles mehr…

  46. 46 “Bye bye critica dell’interesse…” | Minusha's Blog meinte am 30. September 2013, 13:39 Uhr

    […] (testo originale qui ==> http://www.streifzuege.org/2005/bye-bye-zinskritik) […]

  47. 47 Zinsen für “attac” kein Problem? | meinte am 28. Oktober 2013, 09:16 Uhr

    […] “Vereins für gesellschaftliche Transformationskunde” aus dem Jahr 2005, namens “Bye bye Zinskritik” und gibt bekannt: “Wir (…) diese Debatte ansonsten hier nicht weiterführen […]

  48. 48 Linkliste “Alternative Ökonomie” | substruktion meinte am 27. Januar 2014, 21:10 Uhr

    […] Die Freiwirtschaft geht auf Überlegungen des umstrittenen Silvio Gesell zurück. Heute wird dieses Modell von Leuten wie Helmut Creutz und der Humanwirtschaftspartei vertreten. Ich bin skeptisch. […]

  49. 49 Karl-Heinz Tschirner meinte am 24. Juli 2014, 16:41 Uhr

    Der Beitrag von Peter Siegert hat mir sehr gefallen. Von den Kommentarschreibern haben scheinbar nur wenige den Silvio Gesell gelesen. Er ist auch nicht in den Stadtbibliotheken zu bekommen. Aber noch in den Uni-Bibliotheken.
    Keiner der Kommentarschreiber ist aber auf die Idee gekommen, wer sich das Geldsystem unter den Nagel gerissen hat. Am 23. Dez. 1913 hat der Präsident Wilson die amerikanische Währung einer Verbrecherbande übertragen.
    Nicht die Bundesbank oder ander Staatsbanken schöpfen Geld, sondern jede Geschäftsbank erzeugt durch einen Buchungsatz des Geld und verlangt für dieses erzeugte Geld Zinsen, die aber mit der Erzeugung nicht mitgeschaffen werden. Der Kreditnehmer muss sich diese Zinsen von irgend jemand holen. Und so ist es auch bei Staaten. Die habe sich diese Zinsen in der Vergangenheit mit Gewalt geholt.
    Soll das so weiter gehen?
    Die Wissensmanufaktur.net unter Andreas Popp und Rico Albrecht hat sich eine Prolemlösung ausgedacht, die den Titel Plan B erhielt.
    Wer sich näher mit dem Plan B beschäftigen möchte, sollte im INTERNET die Wissensmanufaktur.net aufrufen.

Dein Kommentar

Felder mit Sternchen (*) sind Pflichtfelder. Die E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.




top