Glück haben

von Franz Schandl

Glück ist ein unglückliches Substantiv. Eins kann glücklich sein oder es kann auch etwas glücken, aber Glück haben? Welches Konto soll es wahren und bewahren? Welche Versicherung schützen und beschützen?

Glücklich zu sein ist besser als Glück zu haben. Ersteres ist Zustand, Letzteres Zufall. Der ereignet sich freilich öfters, während der Status als solcher zwar realisiert, aber nie konsolidiert werden kann. Er ist in seinem Dasein immer flüchtig. Derlei ist zu erleben, aber nicht zu erhalten und somit auch nicht zu haben. Das Glück ist immer in Eile. „Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön!“, heißt es in Goethes Faust I.

Indes ist der Glücksmoment doch eine Bereicherung sondergleichen, vor allem auch weil er in der Erinnerung weiterlebt. Schon wenn sich Glück in und als Zufriedenheit destilliert, ist einiges gewonnen. Diese soll man gar nicht gering schätzen, aber das Glück selbst ist in der Zufriedenheit nur noch verdünnt vorhanden, nicht mehr in seiner außergewöhnlichen Fülle zugegen, erfahrbar und erfassbar. Enormes als Anormes ist fragil und resolut zugleich. Wenn es anklopft, verkündet es nicht nur seine Bekömmlichkeit, sondern auch schon seine Vergänglichkeit. Aber selbst wenn das Glück sich nicht festigen lässt, ist es als Fluidum deutlich spürbar.

Glück gehabt zu haben, meint hingegen nur, kein Unglück gehabt zu haben, ist also eine rein negative Bestimmung, vom Glück weiter entfernt als vom Unglück. Das seltsame Glück des Soldaten immer wieder nicht umgekommen zu sein, wird kein Mensch zu den glücklichen Phasen des Lebens zählen können. Davongekommen zu sein bezeugt bloß Glück im Unglück.

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