Christian Fuchs: Marx lesen im Informationszeitalter

von Franz Schandl

Vor uns liegt ein umfangreiches Lehrbuch, bezeichnenderweise im Marxblau der MEW gehalten. Das ist Absicht und unterstreicht das Anliegen. Kapitel für Kapitel wird der Erste Band des Kapitals durchgegangen. Es ist wohl ein Buch gewordenes Vorlesungsmanuskript, was gar nicht abschätzig gemeint ist. Fuchs versucht sich als Animateur, es geht ihm um eine didaktische Zuleitung in das marxsche Oeuvre der Kritik der politischen Ökonomie. Skizzen und Tabellen sollen das Verständnis erleichtern. Und das tun sie auch. Am Ende der Kapitel finden sich praktische Übungen, auch wenn sich eins gelegentlich über die Fragen wundert.

Sehr konventionell fällt hingegen die Sichtung des Gebrauchswerts aus. Eine substanzielle Auseinandersetzung mit der Kategorie findet nicht statt. Fuchs referiert und erläutert, mehr jedoch nicht. Sätze wie: „Es ist daher wichtig, zu sehen, dass im Kapitalismus Gebrauchswerte in einer dialektisch-antagonistischen Beziehung zu den Tauschwerten stehen“ (S. 39), würden wir glattweg verneinen, inhaltlich wie begrifflich. Siehe unsere Gebrauchswertnummer. Hier herrscht tatsächlich eine etwas beschränkte Orthodoxie.

Eindeutig besser sind die Passagen, wo Fuchs versucht, medientheoretische Fragen in Zusammenhang mit dem marxschen Kapital zu behandeln. Da erfährt man viel Neues. Es ist ein ambitioniertes Unternehmen, das sich Fuchs, der an der Universität Westminster in London Medien- und Kommunikationswissenschaft unterrichtet, da vorgenommen hat. Zweifellos.

Christian Fuchs: Marx lesen im Informationszeitalter. Unrast Verlag 2017, 557 Seiten, ca. 29,80 Euro

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