Ich habe… Ich bin. Eine Enthüllung

Home-Story von Eva Maria Haas

Ich habe. – Ich beginne meinen Text mit „Ich habe.“ Was habe ich? Habe ich was? Was heißt das: „Ich habe“? Es sollte ein ganzer Satz werden. Dann war ich abgelenkt, und als ich wieder aufs Papier blickte, stand da „Ich habe“. Der Rest hat sich in Nichts aufgelöst. Eigentlich will ich schreiben, was mich seit langer Zeit beschäftigt bezüglich Thema Geld. Ich hab mir vorgenommen, „Geld“ für mich zu durchleuchten, zu entzaubern, zu verstehen, mich aus der Sklaverei zu befreien, aus der selbst gemachten. Aber all die Infos, die ich mir bisher zu diesem Thema schon geholt habe, waren und sind unbefriedigend. Erst im 54er Streifzug finde ich „meine“ Ansätze, die ich bisher nicht in Worte fassen konnte. Intuitiv bin ich schon in diese Richtung unterwegs. Darüber zu lesen, macht mich froh und aufgeregt. Ich werde ungeduldig, will was tun. Möchte Menschen finden, die das mit mir träumen, planen, tun und feiern. Nicht die Lösung zu finden, ist mein Anspruch, jedoch einen Weg, was zu erarbeiten, zu beweisen, dass es möglich ist, ein komplexes Leben unter Einbeziehung aller Facetten, ja aller Völker ohne Geld zu führen, zu erleben.

Es fällt mir total schwer, Worte zu finden, die nicht abgedroschen sind und das aussagen, was ich meine. Es ist ja auch in mir noch ziemlich unklar, wie es gehen könnte. Wobei ich einfach weiß, dass es möglich ist. Irgendwann war der Gedanke da, dass ich eigentlich gar kein Geld bräuchte, wenn nicht andere es von mir wollten. Deshalb finde ich auch den Ansatz von Heidemarie Schwermer etwas hatschert. Auch wenn sie selbst ohne Geld lebt, partizipiert sie bei denen, die Geld haben in einer Lohnarbeit stehen oder auf irgendeine andere Weise Geld erwerben. Es ist nun mal so, dass einzelnen ein Leben ohne Geld nicht möglich ist, lässt man das System so, wie es ist.

Lange Zeit dachte ich, Tausch wäre das Optimale. Wir tauschen einfach unsere Fähigkeiten und Gegenstände. So entsteht kein Mangel. Bei diesem Gedanken merkte ich, dass sich irgendwas nicht ausgeht. Ich konnte es nicht greifen, Aber die Konstruktion ging irgendwo ins Leere. Bis zu einem bestimmten Punkt konnte ich mir diese heile Tauschwelt schön und stimmig ausmalen. Dann plötzlich stand ich an. Meine Gedanken sind abgedriftet in andere innere Welten. Mittlerweile ist mir die Gedankenhürde, der Stolperstein, der Hemmschuh, die Unterbrechung greifbar geworden: Wir erwarten für alles eine Gegenleistung! Auch und gerade beim Tausch: „Wenn du mir die Lampe reparierst, passe ich eine Stunde auf dein Kind auf.“ Wir dürfen und wollen gar nichts nehmen, ohne eine Gegenleistung bieten zu können. Und fühlen uns ausgenützt, wenn wir was geben (sei es ein materielles Ding oder ein immaterielles Gut) und keine Gegenleistung erhalten. Mit dieser Haltung ist auch der geldlose Tausch eine Währung. Wenn mir mein Nachbar die Wohnung ausmalt, was „gebührt“ ihm dann? Was ist mir das Ausmalen „wert“? Was oder wie viel erwartet er dafür? Gleich ist mensch versucht eine Werte-Regelung zu finden: 1 x Ausmalen = 10 x Haare schneiden oder so…

Das fühlte sich ganz und gar nicht stimmig an. Somit fiel Tausch als Lösungsvariante zu Geld aus. Zwischendurch merkte ich, wie ein so ein kleines Gedänkelchen immer wieder leise um Gehör bat. Lange Zeit hörte ich nicht hin. So wuchs sich das Kleine schließlich aus und forderte Gehör: Alle bringen ihre Fähigkeiten ein, und so kann auch schon eine noch überschaubare Gruppe von Menschen in der Fülle leben, ohne auch nur eine Münze oder einen Schein in die Hand zu nehmen. Und so haben sich nach der „Tauschgedanken-Ära“ Bilder bei mir eingenistet: Ich sehe Menschen, die sich zusammentun, um sich ein gemeinschaftliches Feld und Umfeld zu schaffen. Das geht übers Gärtnern zum Haus-Bauen, zum Möbel-Tischlern, Zimmern, Hämmern, Streichen, weiter Gärtnern, immer wieder Kochen, Stricken, Putzen, Waschen, Reparieren usw. Für keine dieser Tätigkeiten braucht es Geld. Es braucht lediglich Menschen, die die unterschiedlichsten Fähigkeiten mitbringen (darunter viele, die schlicht nicht käuflich und verkäuflich sind), und die einander das Benötigte im richtigen Moment zukommen lassen. Das kann wirklich gelingen.

Also: Ich bräuchte kein Geld. Und doch fand ich diesen Gedanken erstaunlich. Und so recht glaubte ich mir selbst nicht. Bin ich doch auch ein Kind des Kapitalismus. Natürlich funktioniere ich im Alltag wunderbar in dem gewohnten System. Der rebellische Gedanke ist aber wie ein Samenkorn in meinem Hirn, das aufgeht und heranwächst und sich durch nichts vertreiben lässt.

Und doch: da ist ein Quergedanke, der sich immer wieder meldet: Mit welchen Fähigkeiten bringe ich mich ein in einer vom Geld freien Gemeinschaft? Dieses Geld klebt an mir wie mit Kontaktkleber aufgepickt. Ich werde es nicht los. Es streckt seine vielen Arme krakenhaft aus in nahezu alle Bereiche meines Lebens. Meine erlernte Fähigkeit ist nun einmal, mit Geld umgehen zu können. Ich bin Buchhalterin.

 

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