Bloß eine Modekrankheit?

Streifzüge 56/2012 – 2000 Zeichen abwärts

von Maria Wölflingseder

Das Thema Burnout ist zwar in den österreichischen Medien seit einigen Jahren präsent. Doch der Tenor lautete bisher hauptsächlich: Burnout sei keine anerkannte Krankheit, sondern nur eine modische Bezeichnung für eine Depression bzw. eine beliebte Diagnose, um in die Berufsunfähigkeitspension gehen zu können; oder: selber schuld, wer nicht auf seine Work-Life-Balance achtet. Jedoch über die Methoden der Betriebe, ihre Mitarbeiter auszupressen und einzuschüchtern, wurde hierzulande bis dato noch kaum berichtet. Umso erstaunlicher der Beitrag „Burnout durch Arbeit – Unternehmen treiben Mitarbeiter in die Krankheit“, der am 29.8.2012 im ZDF, in Frontal 21, gesendet wurde (online verfügbar). Hier wurde Tacheles gesprochen. Die charakteristische Arbeitsunfähigkeit durch schwere Erschöpfungszustände sei längst in der Masse der Betriebe angekommen. Sie betreffe nicht mehr nur Manager oder Angestellte in helfenden Berufen, sondern vor allem die IT-Branche. Hier sind die Burnout-Zahlen doppelt so hoch wie in anderen Betrieben. Das Bewertungssystem, mit dem heute in fast allen großen Firmen der Privatwirtschaft die Mitarbeiter auf Trab gehalten werden, funktioniert in einem renommierten IT-Unternehmen folgendermaßen: Von jeweils hundert erhalten auf jeden Fall fünf die Schulnote „nicht genügend“ und zehn die Note „genügend“ – auch wenn alle sehr gute, gute oder befriedigende Leistungen bringen. Ähnliches höre ich von Freunden, die bei Versicherungen oder im Facility-Management arbeiten. Weinende Männer, die um ihre Jobs zittern, sind an der Tagesordnung. Sie arbeiten 10 bis 16 Stunden täglich oder müssen in der Freizeit erreichbar sein – und trotzdem reicht es nie.

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