Christa Wichterich: gleich – gleicher – ungleich. Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung

Buchbesprechung

Streifzüge 48/2010

von Utta Isop

Christa Wichterich hat ein neues Buch vorgelegt, in welchem sie den aktuellen Stand der Debatte zur feministischen Globalisierungskritik im deutschsprachigen Raum, deren Kennerin sie wie kaum eine zweite ist, darstellt. Feministische Globalisierungskritik wendet sich einerseits gegen die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit (70 Prozent machen Frauen) und Eigentum weltweit (Frauen verfügen über 1 Prozent des Weltvermögens). Andererseits gegen die „Paradoxien der Gleichheit“, welche in den Ländern des Nordens einen Schein rechtlicher Gleichheit für integrierte Minderheiten auf individueller Ebene vortäuschen. Die Möglichkeit von „Chancengleichheit“ für weibliche Individuen und einzelne Angehörige von Minderheiten entsprechen nicht realer und materieller Gleichheit für diskriminierte Kollektive in sozialer, kultureller und ökonomischer Hinsicht.

Sozio-ökonomische Ungleichheiten zwischen Ländern des Nordens und des globalen Südens, sowie diskursive Strukturen, die blind füreinander sind, trennen Frauenbewegungen und geschlechterkritische Bewegungen weltweit. So wurde der Frauenweltmarsch aus dem Jahr 2000, der ungefähr fünf Millionen Frauen vornehmlich aus den Ländern des globalen Südens mobilisierte, von den geschlechterkritischen Bewegungen des Nordens kaum wahrgenommen. Das neue Buch von Wichterich stellt feministisches Grundwissen zur Verfügung, um aktiv in die internationalen Gespräche mit feministischen Kollektiven aus den Ländern des Südens einzutreten.

Christa Wichterich: gleich – gleicher – ungleich. Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung,
Ulrike Helmer Verlag, Frankfurt am Main 2009, 240 Seiten, ca. 19 Euro

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