Nie wieder angestellt!

von André Pluskwa

Manchmal sind es die seltsamsten Umstände, die einem mal wieder verdeutlichen, was man ist oder/und sein will und was nicht. Unlängst war Elternabend, meine beiden Töchter sind in der ersten Klasse. Umzingelt von eigentlich doch erwachsenen Leuten, die ihr ewiges Angestelltenverhältnis, aus dem sie alles Selbstverständnis und Wissen um die Welt und ihre Menschen zu schöpfen scheinen, in diesen gruseligen, architektonischer Scheinindividualität verpflichteten Einfamilienhausringen um die Stadt herum leben, wurde die von mir hochgeschätzte Lehrerin von jenen mit Fragen und Forderungen bombardiert, die den denkenden Teil der Elternschaft erst zum Schmunzeln, dann zur Besorgnis brachten. Zu wenig Disziplin, zu wenig Ordnung, zu wenig Leistungsnachweis usw. „Wo steht mein Kind denn in der vierten Klasse, wenn es jetzt noch keine Ordnung am Arbeitsplatz lernt?“, war meine Lieblingsfrage des Abends. Nächsten Tags bringe ich der Lehrerin eine Ausgabe der Streifzüge vorbei, das muntert sie auf, da bin ich sicher. Erst hatte ich überlegt, das Heft einigen jener Eltern zu übergeben, aber dann, sollten sie tatsächlich ernsthaft darin lesen, dürfen die Kinder bestimmt nicht mehr zusammen spielen…
Um einem drohenden Angestelltenverhältnis (ich war mal in einem und weiß, wie das ist – nie wieder!) und der damit verbundenen Abhängigkeit zu entgehen, habe ich (mal wieder) eine Firma gegründet. Die bringt zwar mit Sicherheit auch nichts ein (na ja, viel Zeit für mich, die Meinen und alles, was lieb und wichtig ist :-)), beschäftigt die andere Seite aber erst mal wieder eine Zeitlang.
Bloß immer weiter machen! Und wenn wir zu Lebzeiten nichts Wesentliches mehr geändert kriegen, unsere Kinners werden es uns und solchen Lehrern wie der oben erwähnten danken. Und die schwedenmöbelbunten Carport-statt-Garten-Vorstadtgulags werden wieder verfallen, solange man zu verhindern weiß, dass Hänschen lernt, dass Stillsitzen und Nicken was mit wirklichem Erfolg zu tun hätte.

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