Büro 2.0: Vom Wohnen in der Legebatterie

von Dominika Meindl

Dieser Beitrag entsteht nur zwei Meter von meinem Bett entfernt, ich trage sogar noch das Nachthemd. Schön, wenn man das prickelnd findet – der Kollateralnutzen einer Misere. Wer will denn schon seine Haut auf dem Arbeitsmarkt dafür verkaufen, um ebendas in einem größeren Raum zu erledigen? Außerdem muss sich noch vor der Büromiete zumindest jene für die Wohnung ausgehen. Fakt ist, dass die Schreibarbeit in einer Festanstellung nicht glücklich macht. Fakt ist, dass die Schreibarbeit ohne Festanstellung nicht reich macht.

Also haut man sich einen Arbeitsbereich in der ohnehin nicht eben quadratmeterstarken eigenen Bleibe heraus. Psychohygieniker wiegen an dieser Stelle wegen des Ineinsfallens aller wichtigen Lebenseinrichtungen – Arbeit, Liebe, Schlaf und Steuererklärung – besorgt ihre Häupter. Und zu was? Zu Unrecht! Wer weniger arbeitet, kann länger im Bett liegen. Leistung lohnt sich doch ohnehin nur noch punktuell. Wer auf Abruf im Bett auf der Lauer liegt, jederzeit telefonisch erreichbar und bereit zum Sprung auf den Bürosessel, kann für seinen Auftraggeber das Optimum aus der eigenen Arbeitskraft herausholen. Wer die Anfahrtswege zur Arbeitsstelle auf das In-die-Hausschuhe-Fahren reduziert, agiert nicht nur CO2-neutral, sondern fixkostenideal. Die raumzeitliche Entgrenzung von Arbeit und Privatleben hilft beim Honorar-Dumping und sichert weitere Aufträge – kein anderer Freelancer ist sonst so blöd: meine Unique Selling Prosti… pardon: Proposition.

Der Überdruss an den – ohnehin nicht eigenen – vier Wänden ist im Vergleich zu Schulden oder den Mühen der Organisation einer Generalrevolution das geringere Übel. Und wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen, ich muss mein Büro saugen.

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