Scientology ist weder Kirche noch Sekte!

Scientology1, eine spätbürgerliche Science-Fiction-Ideologie.

von Jürgen Meier

Der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla schimpfte: „Es ist unerträglich, dass sich Scientology in der Hauptstadt breitmacht.“ Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, warnte: „Im Namen einer Religionsgemeinschaft werden Menschen bedrängt und Geschäfte gemacht.“ Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe „Scientology“ in der Hamburger Innenbehörde glaubt in der Eröffnung des Berliner Bürohauses ein weiteres Etappenziel einer „generalstabsmäßigen Gesamtplanung namens , Kreuzzug Europa'“ zu erkennen. Aufgabe der Scientologen sei es, so Caberta, „die nötigen Zufahrtsstraßen in das deutsche Parlament zu bauen. Die Organisation führe Krieg gegen das demokratische System“. Die Zentrale in den USA habe die Parole ausgegeben: „Jetzt ist Europa dran.“ In Madrid, London und Brüssel sind Scientology-Zentren bereits am Werk. Für Scientology werben Hollywoodstars wie Tom Cruise, der Jazzpianist Chick Corea, John Travolta und Ann Archer. Cruise und seine dritte Ehefrau Katie Holmes ließen sich in Italien von Scientology-Führer in der ehemaligen Villa Mussolinis von David Miscavige (46) trauen. Travoltas Ehefrau Kelly Preston erscheint auf der Internetseite des eigens für prominente Unterstützer eingerichteten Celebrity Centres in Hollywood mit dem australischen Popstar Kate Ceberano und den Schauspielern Anoush NeVart („Kissing Cousins“), Marisol Nichols („Delta Farce“) oder Vincent Caso („American Fork“). Die Strategie, über Leinwand- und Bildschirm-Idole in die Hirne der Menschen zu finden, stammt von Scientology-Gründer Ron Hubbard (1911-1986): „Eine Kultur ist nur so groß wie ihre Träume“, schrieb der Autor von Science-Fiction-Romanen 1951, „und diese Träume werden von Künstlern geträumt.“ Deshalb sollen weitere „Celebrity Centres“ für Berühmtheiten aus dem Showgeschäft als „Kunst- und Kulturzweig“ entstehen, wie sie bereits in New York, dem Country-Mekka Nashville (Tennessee), London, Paris, Wien und Florenz existieren. Eine Reihe von Schauspielern, ausnahmslos Scientology-Mitglieder, spendierten Hillary Clinton für ihren Senatswahlkampf über 70 000 Dollar, Tom Cruise überreichte Albert Gore 5 000 Dollar, und John Travolta veranstaltete gemeinsam mit anderen Scientologen ein Gala-Diner zugunsten der Demokratischen Partei (Eintrittspreis: 25000 Dollar).

Die Mun-Sekte und die Scientology-Organisation gehen in den USA gemeinsame Wege. Beide koordinieren seit Mitte der Neunzigerjahre ihren Einsatz für Religionsfreiheit in den USA und in Europa. Die Demokratin Hillary Clinton darf in der auflagenstarken „Washington Time“, die der Mun-Sekte gehört, regelmäßig eine Glosse schreiben. Auf einer Veranstaltung hatte der ehemalige Präsident Clinton Travolta öffentlich versprochen, die Verbreitung der Scientology-Ideologie auch in Deutschland zu unterstützen.

Scientology, von vielen Kritikern als Sekte beschimpft, ist bei genauerer Betrachtung aber keine Sekte oder Religionsgemeinschaft, sondern sie ist aggressiver Teil einer spätbürgerlichen Ideologie, die um Vorherrschaft in der Welt kämpft.

Die bürgerliche Tradition, die mit der französischen Revolution und ihrem Ruf nach „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit! “ begann, ist den Führern dieser, sich wissenschaftlich nennenden Ideologie, ein Dorn im Auge. „Wir kennen unsere Feinde, ehe sie zuschlagen. Wir halten sie von wichtigen Positionen fern. Wenn wir einen zufälligerweise in eine Schlüsselposition bringen und er anfängt, Fehler zu machen, dann schießen wir schnell und sprechen später Recht. Und wir zählen dann zusammen, wer seine Freunde und Genossen waren … . „2 Wie sie zuschlagen, zeigt sich nicht nur in der bekannten Verfolgung von Mitgliedern, die aus der Org. aussteigen wollen, sondern wer und wie zuschlägt, zeigte sich am 27. Januar 1997. An diesem Tag verurteilte die Regierung in Washington die Maßnahmen Deutschlands gegen die Scientology-Organisation. Einige Tage später veröffentlichte das dem US-Außenministerium angegliederte „Bureau for Democracy, Human Rights and Labor“ (BDHRL) seinen Jahresbericht zur Situation der Menschenrechte in der Welt. Darin wird Deutschland heftig angegriffen und in der Liste der Länder, welche die Religionsfreiheit missachten, gleich hinter China eingestuft. Der Bericht erschien zeitgleich mit einer Öffentlichkeitskampagne der Scientology-Organisation, die in verschiedenen Ländern mit Anzeigen gegen die Nichtanerkennung als Kirche protestierte. Auch die EU-Menschenrechtskommission wurde zu diesem Zweck eingeschaltet. Scientology verglich sich mit den verfolgten Juden im Faschismus3. Dabei dient der ganze Zirkus „Spiritualisierung der Welt“ den Scientology, weltweit organisiert, nur dem Zweck, die amerikanische Vorherrschaft auch in den Köpfen der Menschen abzusichern. Dass in diesem Zirkus berühmte Schauspieler und Politiker gläubig und erleuchtet niederknien, ändert an diesem Fakt nichts. Die Globalisierung der Märkte und der amerikanischen Werte, so das „Institute on Religion and Democracy“, das vom US-Außenministerium protegiert wird, sei den Vereinigten Staaten von der Bibel aufgetragen. Jede Bombe im Irak ist also eine Gottes- und keine Imperialistentat. Diese Weltsicht teilen alle fundamentalistischen Gruppen in den USA. John R. Bolton, Mitglied der US-Kommission für Religionsfreiheit, war zuvor Vizepräsident des ultraliberalen „American Enterprise Institute for Policy Research“. In der alten Bush-Regierung diente Bolton im Präsidentenamt als Berater für internationale Handelsfragen4. Nina Shea, ebenfalls Mitglied dieser Kommission, verkündet: „Unser Hauptziel besteht in der weltweiten Durchsetzung der neuen liberalen Ordnung.“ Scientology soll auch helfen, die europäischen Köpfe zu reinigen, um den Marsch durch die europäischen Aufsichtsräte und Institutionen lockerer und mit glänzend verstrahltem Blick, der Scientologen nun einmal zu eigen ist, nehmen zu können. Die Europäer sollen nicht länger Voltaire, Hegel oder Marx studieren, sondern ihren „Thetan“ (Geistwesen), den sie in Scientology-Kursen für den Kampf um Ansehen, Macht und vor allem Geld trainieren sollen. Dass die Scientologen für diese Kurse viel Geld kassieren, ist nur ein Nebenaspekt ihrer Aktivitäten. Da dieser bislang allerdings im Vordergrund der europäischen Kritik steht, prallte diese Kritik am Willen der Scientology-Anhänger ab. Denn die oft sensible und orientierungslose Anhängerschaft will mit diesen Kursen ja etwas für sich erreichen. Das darf ruhig Geld kosten, sagen sie. Sie wollen schließlich ihre Ängstlichkeit überwinden und selbst Elite werden. Sie wollen etwas bewegen, wollen Anerkennung und große Geschäfte managen. Ihnen wird versprochen, dass sie selbst viel Geld kassieren werden, ohne dabei das Gefühl zu haben, viel Geld zu besitzen, sei unmoralisch. „Jeder in einer Gesellschaft sollte zwar bedingungslos das Recht haben, soviel zu verdienen, wie er kann, “ schreibt Hubbard, „da dies ein grober Maßstab seines Wertes für die Gesellschaft ist (und man sollte nie den Fehler machen, etwas anderes zu glauben); aber durch Erbschaften und seltsame Möglichkeiten, die sich aus Geld herausholen lassen, kann es als Maßstab stark verfälscht werden. Wenn es verfälscht wird, so werden die Reichen von einer Gesellschaft verurteilt und zum Sündenbock für alle Krankheiten der Gesellschaft gestempelt, obschon ein recht großer Prozentsatz dieser Menschen die eigentlichen Grundpfeiler sind, auf die sich das Leben der Gesellschaft stützt. „5 Hubbard, der an der Menge des angehäuften Geldbesitzes eines Menschen dessen Wert bemessen will, zeigt sich hier ganz als Stratege. Er ermuntert die nach Anerkennung und Sinn hechelnden Mitglieder nicht nur geldgierig zu werden, sondern erkennt die Gefahr für die Reichen, wenn sie zu schnell und ohne eigenen Einsatz reich werden. Dann treten nicht nur die „Sozialneider“ auf den Plan, dann beherrscht, wie er schreibt, auch die Langeweile die Köpfe dieser Reichen. Das aber gefährdet das System des Kapitalismus. Hubbard zeichnet sich in seinen Schriften als moderner Ideologe der Spätbourgeoisie aus, der keinen Hehl daraus macht, wie sehr er den Kapitalismus schätzt, für dessen Expansion er eine unglaublich gestelzte Theorie entwickelt hat, mit der er die Köpfe der vielen, von den großen Religionen enttäuschten und nach Orientierung suchenden vereinzelten Menschen gewinnen will. Ihnen allen verspricht die Scientology-Ideologie Glück, Erfolg und viel Geld.

Doch anders als die Buddhisten, aus deren Reihen viele zu den Scientologen wechseln, verspricht Scientology, das ewige Leben durch wissenschaftliche Analyse und Methode erreichen zu können, wenn man denn genügend für seinen „Thetan“ tut. Scheinbar steht nur das Glück des einzelnen Menschen im Vordergrund dieser Ideologie. Dabei ist es nur der Köder, mit dem die Menschen für einen aggressiven Kapitalismus gewonnen werden sollen. Hubbard, der seine Bücher zur Zeit der McCarthy Ära6 schrieb, erkannte sehr wohl in dem „dialektischen Materialismus“7, für den der Mensch ein gesellschaftliches Wesen ist, seinen Gegner, den er ernst nehmen musste, wenn er den Kampf um die Köpfe der Menschen für den Kapitalismus gewinnen wollte „Der ganze Kult des Antikapitalismus“, schrieb er, „ist durchaus keine brauchbare philosophische Grundannahme, aber doch um einiges mehr als nur ein plumpes Ansprechen jener, die keinen Besitz und keine Aussicht haben, irgendwelchen Besitz zu erlangen. „8 Also wird so getan, als hätte man selbst mit dem Kapitalismus der US-Regierung und überhaupt mit keiner Regierung etwas zu tun, sondern wolle lediglich den einzelnen Menschen helfen, sich selbst wieder zu finden. „Scientology ist nicht politisch.“ Vielmehr komme es darauf an, „Politik zu vergessen und die Vernunft zu suchen“9.

Daher die Idee, sich als Scientology-Kirche vom Staat anerkennen zu lassen, um unverdächtig die Strategie der Eroberung des Bildungs- und Kommunikationsmarktes umsetzen zu können.

In den USA ist Scientology längst als Kirche anerkannt. Dort zählt Scientology zu den großen Anbietern auf dem Bildungsmarkt und unterhält zudem Lehrerfortbildungsinstitute, die von sehr vielen Pädagogen aufgesucht werden. In Deutschland gibt es bereits mehr als dreißig Nachhilfeeinrichtungen für Schüler (Schwerpunkt Hamburg)10. Da die Kommunikation und die Kommunikationsfähigkeit im Mittelpunkt der Scientology Strategie steht, ist sie nicht nur für Computerexperten, Verkäufer, Vertriebschefs, Personalberater interessant, sondern auch für Gerätehersteller sowie für Produzenten von Programmen/Inhalten der Computer- und der Filmindustrie. „Will man ein Volk regierbar machen, “ so Ron Hubbard, „ist es notwendig, Erziehung und Ausbildung mit Wohlwollen zu betrachten sowie Erzieher und Erziehungsmethoden zu respektieren. Ein Land mit Waffengewalt zu erobern, ist nicht notwendigerweise ausreichend.“ Hier zeigt sich Scientology von seiner Wesenseite ganz im Bündnis mit den imperialistischen Kriegsattacken der USA. Doch Ron Hubbard weiß, dass militärische Intervention nicht reicht, um ein Land ausbeuten und unterdrücken zu können. „Nach der Einnahme, “ setzt er seinen Gedanken fort, „müsste eine Bildungskampagne starten, um sowohl unter den Leuten selbst als auch zwischen ihnen und den Eroberern irgendeine Art von Einverständnis zu erzielen. Nur dann kann man eine Gesellschaft oder Zivilisation schaffen oder – wie wir in Scientology sagen – ein reibungslos funktionierendes Spiel erzeugen. „11 Der Krieg, die Eroberung, der Kapitalismus, der Faschismus, die menschlichen Beziehungen überhaupt sind für die Scientologen ein „Spiel“. Damit degradieren sie nicht nur das Spiel, von dem Schiller einmal sagte, „der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sondern sie verachten all die Menschen, die für ihr „Überleben“ hart arbeiten müssen.

Der erste Biograf von Bill Gates12, David Ichbia, ist Scientologe, dasselbe gilt für Guy Jensen, einen seiner engsten Mitarbeiter. „Executive Software“, ein Schlüsselunternehmen des Microsoft-Imperiums, bezeichnet sich offen als scientologisch orientiert. Die Scientology- Ideologie wird von vielen Organisationen aktiv gelebt, die Scientology Kirche ist nur die Spitze eines imperialistischen Eisbergs. 13

In den achtziger Jahren spalteten sich von der amerikanischen Mutterorganisation Scientology Kirche einige führende Mitglieder ab, um sogenannte „freie“ Gruppen („Freundeskreis“ , „Ron. org“ etc. ) zu gründen. Es entstanden eigene Scientology-„Firmen“, mit der Begründung, die Lehren des Meisters Hubbard wieder vom kirchlichen Machtdenken reinigen zu wollen. „Die Technologie wird in der Scientology-Kirche gegen die Menschen verwendet, um Macht über sie zu erlangen und möglichst viel Geld aus ihnen herauszuholen. Das eigentliche Ziel wurde aus den Augen verloren. „14 Diese „freien“ Gruppen lehren und arbeiten wie die „Mutterorganisation“. Getrennt marschieren, vereint zuschlagen, könnte diesen Neugründungen durchaus auch zugrunde gelegen haben. „Alternative“ Scientologen gibt es nicht, es gibt nur Scientologen. Also werden sie eines Tages, wenn die Angebote von der Mutterorganisation denn passend sind, sich dieser wieder anschließen, oder sie werden als Kleinunternehmer von den Wurzeln Hubbards gekappt. Hubbards Theorie ist nämlich keine für Kleinbürger, sondern sie ist für „Geister“ geschaffen, die sich den Zielen der imperialen Strategen als Kompanien zu fügen verstehen. Scientology „wird sowohl von Geschäftsleuten und führenden Regierungsbeamten zur Verbesserung ihrer Organisation angewendet wie auch von Privatpersonen“. „Scientology wird von einigen der größten Firmen der Welt angewandt. „15

Ron Hubbard lernte während seines Kriegseinsatzes für die US-Navy in Asien den Buddhismus kennen. Geübt als Autor von Science-Fiction-Romanen und durch Vorlesungen im Bauingenieurwesen, modernste Technik mit buddhistischer Welterklärung zu verbinden, entwickelte er einen scheinbar viel wissenschaftlicheren Buddhismus. Was man als „Selbst“ erlebe, so der buddhistische Glaube, sei in Wirklichkeit nichts anderes als ein unzerstörbarer und unbegrenzter Strom von Bewusstsein. Im Moment des Todes verlasse das Bewusstsein den sterbenden Körper, um sich – gesteuert durch unbewusste Eindrücke im Geist, also Karma – nach einer bestimmten Zeit wieder mit einem neuen Körper zu verbinden. Daher ist Sterben für einen Buddhisten in letzter Konsequenz etwas Ähnliches wie das Wechseln der Kleidung. Karma bedeutet im Buddhismus nicht Schicksal, sondern das Zusammenwirken von Ursache und Wirkung, wobei sich Ursache und Wirkung allein auf das einzelne Bewusstsein beschränken. Ron Hubbard nannte das Karma „Thetan“ und, anders als im Buddhismus denkbar, behauptet Scientology, diesen „Thetan“ elektronisch mit einem Gerät16, das Bestandteil vieler Sitzung der Scientologen ist, messen zu können. Ziel sei dabei die „Erlangung der Freiheit als geistiges Wesen“. Das solle „dem Individuum helfen, volles Bewusstsein seiner selbst als ein unsterbliches Wesen und seiner Beziehung zum höchsten Wesen zu erlangen.“ Scientology richtet sich „ausschließlich an den `Thetan` (geistiges Wesen)“. Der Mensch sei nicht sein Körper oder sein Name, er sei „Thetan“. Der Mensch ist demzufolge kein gegenständliches Wesen, er ist ungegenständlich. Aber ein ungegenständliches Wesen ist, wie Marx sagt, ein Unwesen. In diesem Zwiespalt von Erscheinung und Wesen, das allerdings zu unserer objektiven Wirklichkeit gehört, schwadroniert Scientology hin und her. Einerseits soll in diesem „Universum“ „Wirkung“ erzielt werden, sprich Rendite, Umsätze, Geld gescheffelt werden, andererseits löst sich das Wesen des Menschen von diesen Erscheinungen bürgerlichen Seins völlig los. Der „Thetan“ ist ein ewiger Geist, der kümmert sich nicht um Politik, sondern nur um die „Vernunft“, und was Vernunft ist, bestimmt der „Thetan“. Deshalb „greifen Scientologen nicht in die Souveränität eines Staates ein, lehren Sie den Menschen anstelle dessen, das zu benutzen, was er besitzt und was er weiß, um unter jedem beliebigen politischen System zum ersten Mal eine wirkliche Zivilisation auf Erden zu schaffen.“ Es geht ihnen in erster Linie um Besitz und um die Vermehrung von Besitz. Ihr „Tun und Wirken“ dient allein der Stabilisierung des Kapitalismus. Dieser Handlungszyklus sei „eine Erscheinungsform, die folgendermaßen dargestellt wird: erschaffe, dann überlebe, dann zerstöre; oder erschaffen, überleben (Fortbestehen), Zerstören. Zuerst gibt es das Erschaffen, dann folgt das Überleben (Fortbestehen), worauf die Zerstörung folgt.“ Das soll sich dialektisch, ganz im Sinne frühbürgerlich hegelschen Denkens anhören. „Das Wahre ist das Ganze, “ schrieb Hegel, „das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. „17 Nicht die Entwicklung des Ganzen ist für die Scientology wichtig, um das vollendete Wesen einer Gesellschaft oder eines Naturprozesses zu begreifen, sondern sie zerstückeln das Ganze, um stets den „Thetan“ als den großen Regisseur darstellen zu können, der alle Teile in Gänze zusammenhält. Das menschliche Sein und Bewusstsein zerstückelt Scientology in acht „Dynamiken“, „Axiome“, eine „Tonskala“, die von A-V reicht, in „Daseinsbestimmungen“, einem „ARK-Dreieck“ und noch etliche andere Differenzierungen. Diese Zerstücklung des Seins und Bewusstsein, das im hegelschen Sinne nur als Ganzes erkannt, begriffen und vom Menschen verändert werden kann, soll die vielen Suchenden, die aus den Kirchen flüchteten oder einfach mühsam den „Sinn des Lebens“ erkunden wollen, trunken machen. Sie sollen sich zunächst dumm fühlen, um dann Schritt für Schritt, von „Grad zu Grad“ die „Brücke“ der ewigen Freiheit als Geistwesen erlangen zu können. Diese Zerstücklung des Seins, die schroffe und mechanische Trennung von Körper und Denken, von Natur und Mensch, hat aber einen ganz bestimmten Zweck. Der „Thetan“ soll als übermenschliche Lichtgestalt aufgeplustert werden, die den Menschen allerdings ganz im Sinne der Spätbourgeoisie leitet. „Ein Mann hat eine Beschäftigung, “ schreibt Hubbard, „der er nachgeht. Das heißt, er erschafft ununterbrochen (erschaffen-erschaffen-erschafft) seinen Arbeitsplatz, und zwar Tage, Wochen und Jahre hindurch. Der Arbeitsplatz existiert für ihn, solange er ihn ständig erschafft. Eines Tages hält er seinen Arbeitsplatz für GESICHERT (sieht ihn als selbstverständlich an). Er schafft ihn nicht mehr, worauf dieser aufhört zu existieren. Der Mann verliert seine Stellung. Die ERSCHEINUNGSFORM des Sachverhaltes stellt sich folgendermaßen dar: Er bummelte, wurde faul, und es wurde ihm gekündigt. Tatsächlich erschuf er aber die Arbeitsstelle nicht mehr neu und hatte dadurch keine mehr. „18 Hubbard dreht die Hegelschen Begriffe einfach auf den Kopf. Es erscheint vielmehr nicht nur so, dass der arbeitende Mann faul und ausgebrannt ist vom täglichen Kampf um seinen Lohn und der Erhaltung seines Arbeitsplatzes, er ist auch tatsächlich verbraucht und kaputt und kann eine Rente, die ihm erst mit 67 gezahlt werden soll, nicht mehr erreichen. Erscheinung und Wesen stimmen bei diesem Mann überein. Dieser arbeitende Mann lebt nur, um für Kapital- und Aktionärseigentümer Tag für Tag zu schuften. Diesen Mann prägt die Angst, ihn treiben die Fragen: Wozu lebt der Mensch? Und genau an diesem Punkt tritt Scientology in Erscheinung und sagt, bück dich, beug dich, mach deinen Rücken krumm! Der „Thetan“ will es so. Dafür kannst du ewig leben! 19

Erscheinung und Wesen stimmen bei Scientology nicht immer so klar überein, wie in diesem Beispiel. Die Erscheinung von Scientology spielt meistens Heiligkeit, sein Wesen ist aber ignorant dem wirklichen Leben gegenüber, brutal und diktatorisch. Die Begriffe Erscheinung und Wesen, wie Sein, haben die Scientologen bei dem frühbürgerlichen Revolutionär Hegel abgeschaut, um sie, wie kann es bei einer imperialistischen Spätbourgeoisie anders sein, zu missbrauchen. „Die Erscheinung ist das Entstehen und Vergehen, “ schreibt Hegel, „das selbst nicht entsteht und vergeht, sondern an sich ist und die Wirklichkeit und Bewegung des Lebens der Wahrheit ausmacht. „20 Doch die Wirklichkeit und Bewegung des Lebens, die entsprechende Erscheinungen hervorbringt, interessiert Scientology nicht, für sie ist die Wurzel des Menschen nicht der Mensch selbst, sondern der „Thetan“ oder, was das Wesen dieses „Geistes“ deutlicher machen würde, die spätbürgerliche Ideologie. Die Wirklichkeit stellt sich für den leibhaftig und gegenständlichen Menschen nämlich so da, dass er entweder von eigener Arbeit lebt oder von der Arbeit anderer. So simpel ist das und gilt selbst für Päpste, Bischöfe und Clears21 der Scientologen. Die Wirklichkeit, schreibt Hubbard, „ist das, was unabhängig von der Erscheinungsform vorhanden ist, das, was der Erscheinungsform von Dingen zugrunde liegt, wie die Dinge in Wahrheit sind. „22 Das hat mit Hegel nun überhaupt nichts mehr zu tun. Bei Hubbard gibt es eine Wirklichkeit, ohne dass diese erscheint. Sie geistert vielmehr in seinem Kopfe oder besser über seinem Kopfe als „Thetan“. Wahrheit, die nicht als solche auch zu erscheinen vermag, gibt es genauso wenig, wie es ungegenständliche Wesen gibt. Selbst das Atom erscheint, sonst könnte es keine Kernspaltung geben. Die Verhinderung dieser Kernspaltung in Gestalt einer Atombombe fürchtet der Scientologen- Gründer so sehr, dass er behauptet: Heute gäbe es „kein Wettrennen mehr zwischen den einzelnen Nationen. Das einzige entscheidende Wettrennen findet heute zwischen der Scientology und der Atombombe statt. „23 Nun ist bekannt, dass die Regierung der USA nur schwer von einem Krieg gegen Nordkorea und den Iran abzuhalten ist, da diese Länder angeblich durch die Produktion eigener Atombomben den Weltfrieden bedrohen würden.

Scientology zeigt als Ideologie durchaus Wirkung in der US-Administration. Wirkung ist schließlich alles. „Das Axiom 10 der Scientology besagt, “ so Ron Hubbard, „dass das Schaffen einer Wirkung das höchste Ziel in diesem Universum ist. Folglich, wenn jemand keine Wirkung erzeugen kann, hat er kein Ziel. Und genau so sieht das auch im Leben aus. „24 Wirkung ist bei Hubbard einer von den drei Daseinsbedingungen. Diese sind Sein, Tun (Wirkung), Haben. Da die Kommunikationsbranche mit ihren Schauspielern, Präsidenten, Politikern und Sternchen ganz auf Wirkung zielt, ist es kein Wunder, dass die Menschen dieser „geistigen“ Kunststücke besonders für Hubbards Theorien empfänglich sind. Die Kommunikation nimmt in einem seiner erkenntnistheoretischen Zauberstücke denn auch die zentrale Rolle ein. „Ohne Kommunikation, “ schreibt Hubbard, „und ohne einen gewissen grundsätzlichen Widerhall kann es keine Realität geben. Ohne eine gewisse Grundlage der Übereinstimmung und der Kommunikation kann es keine Affinität geben. „25 Also, zuerst war weder das Huhn noch das Ei, sondern die Kommunikation über das Huhn und das Ei. Für Hubbard entsteht die Realität erst durch Kommunikation. Diese darf aber, wenn sie denn Realität erzeugen soll, keine kritische, sondern sie muss eine gegenseitig zustimmende sein. Deshalb mögen Scientologen auch keine Streitgespräche. Ron Hubbard empfiehlt seinen Anhängern sogar – in den Kursen wird das ganz deutlich gesagt – keine Kontakte mit Freunden zu pflegen, die Scientology kritisch gegenüber stehen. Daher die Distanz junger „Preclears“26 zu ihren Familien. Auch den Seinsbegriff muss Scientology natürlich „vergeistigen“, um an einer „Erkenntnisphilosophie“ ohne gegenständliche Wesen festhalten zu können. „Die Bedingung `Sein` wird als die Annahme oder Wahl einer Identitätsform definiert. Man könnte sagen, dass das Sein das Übernehmen einer Rolle in einem Spiel bedeutet. „27 Hier wird, es ist nicht neu in der Philosophie, das Sein mit dem Bewusstsein zu einem Brei vermengt, um alles unter die Hegemonie des „Thetan“, des „Willen“, des „Geistes“, des „Gottes“, der „Rasse“, des „Führers“, stellen zu können. Alles soll so werden, wie man es sich ganz im Sinne einer „Rasse“, eines „Führer“, „Thetans“, „Astralleibes“ wünscht. Das Sein ist aber, deshalb ist es das Seiende, stets unabhängig vom Bewusstsein, nämlich von dem bewussten Denken über dieses Seiende. Der Baum bleibt der Baum, das Wasser bleibt Wasser, die Amöbe bleibt Amöbe, die Echse bleibt Echse, das Atom bleibt Atom, der Stein der Stein, sie bleiben anorganische oder organische Natur auch ohne die Menschen. Sie sind als Naturseiende unabhängig von unserem Denken und von unserer menschlichen Existenz und Sprache. Wir können dieses Sein mit unserem Bewusstsein allerdings bewusst wahrnehmen, es auch in unserem menschlichen Sinne verändern, zerstören, entwickeln, ausbeuten, züchtigen. Aber wir sind nicht mit diesem Sein identisch. Es gibt das Natur-Sein und unser menschlich gesellschaftliches Sein. Sie bilden, wie Hegel sagen würden, eine widersprüchliche Einheit. Sie bilden eine Einheit der Gegensätze, verändern sich ständig und bilden so eine Totalität von vielen Totalitäten. Das Natursein war bereits lange vor uns Menschen da und das gesellschaftliche Sein haben wir durch Arbeit, Denken, Sprache, Kunst und Liebe, aber auch Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung selbst geschaffen. Unser Bewusstsein als gesellschaftliches Wesen versuchte sich dem Natursein mehr und mehr anzupassen, bzw. es zur Verbesserung des gesellschaftlichen Lebens zu nutzen, was schließlich zur Entfremdung der menschlichen Beziehungen führen sollte, da sich partikulare Interessen gegen die Entwicklung der Gattung stellten. So entstand die Vorstellung, der Mensch sei ein vereinzeltes und kein gesellschaftliches Wesen mehr, was als Individualisierung bezeichnet wurde, womit aber tatsächlich eine Vereinsamung beschrieben wird, in der jeder gegen jeden kämpft oder an seiner Unfähigkeit zu siegen verzweifelt. Auf diese Vereinsamung stützt sich, wie viele bürgerliche Ideologien, auch Scientology. Sie teilt die Menschen in acht Dynamiken (Abteilungen) ein. „Der Zweck dieser Unterteilung ist darin zu sehen, dass man durch sie das Verständnis des Lebens zu erhöhen sucht, indem man es in Abteilungen unterteilt.“ Die 1. Dynamik ist „der Drang zum Dasein als Individuum (als man selbst). Hier kommt die Individualisierung zum Ausdruck“. 28 Es geht in dieser Dynamik um die Befriedigung von Drive-Gefühlen, wie Essen und Trinken. Kinder sind zur Befriedigung dieser Drive-Gefühle ganz auf die Hilfe der Erwachsenen angewiesen. Diese sind gesellschaftliche Wesen, die ihre eigenen und die Drive-Gefühle ihrer Kinder nur gesellschaftlich befriedigen können. Die Milch, bei der Kuh vom Bauern geschöpft, gelangt aus dessen Händen in die Molkerei, von hier in den Supermarkt, wo sie gekauft werden muss. So ist das leider noch immer. Nun muss sich, so Ron Hubbard, die 1. Dynamik beim Erwachsenen mit der 3. Dynamik, der „Gruppen-Dynamik“, verbinden, sonst sei der Mensch „nicht imstande, Mitglied eines Teams zu sein. Daraus lässt sich schließen, dass dieser Mensch zum Dasein innerhalb einer Gemeinschaft unfähig ist“29. Er ist also „wertlos“. Die „3. Dynamik ist der Drang zum Dasein als Gruppe, die von Individuen gebildet wird. Schule, Gesellschaft, Stadt, Nation.“ Das hört sich zunächst sozial an, ist aber nicht so gemeint. Denn Hubbard geht es genau um das, was in heutigen Management- und Regierungsabteilungen „Kommunikationstraining“ und „Wir-Gefühl“ genannt wird. „Wir sind Deutschland! “ wäre so eine 3. Dynamik. Die Gruppe, das Team, soll seine „Mitte“, seinen „Thetan“ finden, um in der Konkurrenzschlacht siegen zu können. Ohne dieses „Wir-Gefühl“, das wissen Sportler, Familien, Freundeskreise oder andere Gruppen, gibt es kein herzliches Mitgefühl und Miteinander. Wenn dieser Drang zum „Wir-Gefühl“ aber genutzt wird, um eine Nation, eine Rasse oder einen Konzern zu stärken, die auf der Welt nur um die eigene Vorherrschaft kämpfen wollen, wird dieses „Wir-Gefühl“ von seinem eigentlichen menschlichen Bedürfnis entfremdet. Da es heute in jeder Managementabteilung um Team-Arbeit und Firmen-Philosophie geht, finden auch überall Kommunikationstrainings, Personalberatungen und das Erstellen von Firmen-Leitbildern statt. Das alles unterscheidet sich nur unwesentlich von Scientology. Es ist Scientology. Deshalb verwundert es auch nicht, das Jill Sander, Bill Gates oder die börsennotierte Finanzberatungsfirma AWD als Scientology orientiert bezeichnet werden. Scientology ist nämlich keine Sekte in der sich Ausgeflippte bekiffen oder besaufen, um ihr Bewusstsein zu erweitern! Im Gegenteil, Scientology verurteilt Drogen jeder Art! Drogen sollen den „Thetan“ beeinflussen oder anders formuliert, sie stören den „Energiefluss“. Scientology, von den mehr europäisierten „freien Gruppen“ der Scientology als „Erkenntnistheorie“ und nicht, wie bei Ron Hubbard, als „religiöse Philosophie“ bezeichnet, ist die Ideologie des imperialistischen US-Managements, von dem deutsche Unternehmen schon immer fleißig gelernt haben. Warum nicht auch jetzt. Die „freien“ Gruppen werden für eine europäisierte Scientology-Version sorgen, mit der sie sich dann wieder unter die Fittiche der Mutterorganisation begeben können. Der „Thetan“ wird vielleicht durch „Energiefluss“ oder einen anderen Begriff ersetzt. Auf die Bezeichnung Kirche wird man ebenfalls verzichten können. Schon dürfte in Europa das Feld frei sein für Scientology. Ist es ja ohnehin schon. Ron Hubbard zog nicht von ungefähr nach England, wo er das in East Grinstead gelegene ehemalige Schloss des Maharadschas von Jaipur, Saint Hill Manor, kaufte. Scientology ist die Ideologie, mit der Manager Teams, Gruppen und ganze Konzerne führen können. Die Fähigkeit kapitalistische Betriebe und bürgerliche Regierungen zu führen, besteht, so Hubbard, „also darin, fähig zu sein, das richtige Gleichgewicht zwischen Freiheit und Schranken für diejenigen, die einem unterstellt sind, zu setzen und zu halten. Freiheit und Schranken müssen hierbei sehr exakt und konsequent eingehalten werden. Wenn solch ein leitender Angestellter selbst noch Initiative und Zielstrebigkeit zeigt, wird sich seine Abteilung auch durch Initiative und Zielstrebigkeit auszeichnen. „30 Diese erreichen die modernen Führer und Führerinnen, wenn sie durch Scientology-Kurse zum „Clear“ aufgestiegen sind. Besuchen sie diese Kurse oder ähnlich orientierte Kurse aber nicht, so laufen sie Gefahr, Skrupel zu entwickeln, die sie daran hindern werden, Menschen auf die Straße zu setzen, Löhne zu drücken, Arbeitszeiten zu verlängern, Renten zu senken, Gammelfleisch zu verkaufen, Urlaubstage zu streichen oder Menschen mit Bombenhagel zu ihrem Glück zu zwingen. „Ein Angestellter, der nur auf Freiheit pocht und auf ihr behaart, “ stellt Hubbard fest, „wird zum Sklaven werden“. Scientology ist bei aller verschnörkelter Theorie, die mit vielen Termini hantiert, recht pragmatisch ausgerichtet. So zeigt sich, wie nützlich die Theorie von den 8 Dynamiken für die Führer der Spätbourgeoisie sein kann. „Zwei Gruppendynamiken können einander als Teams gegenüberstehen, “ stellt Hubbard fest. „Die Erste Dynamik (Selbst-Dynamik) kann sich beispielsweise mit der Fünften (Lebewesen-Dynamik) gegen die Sechste (Universums-Dynamik) verbünden und so ein Spiel eröffnen. Mit anderen Worten, die Dynamiken bieten eine Übersicht über die Möglichkeiten verschiedner Team- und Spielkombinationen. Jeder ist an vielen Spielen beteiligt.“ „Wenn jemand entdeckt, dass er nur auf der Ersten Dynamik spielt und dass er zu keiner anderen gehört, kann man mit Bestimmtheit sagen, dass er verlieren wird, denn er hat die übrigen sieben Dynamiken gegen sich. „31 Deshalb empfiehlt Hubbard den Führern von bürgerlicher Ökonomie und Politik, zum „Pandeterminismus“ zu greifen. Hier werden „mehrere Seiten eines Spiels“ systematisch verbunden. Die Teams im Unternehmen können entsprechend mit Menschen besetzt werden, deren Dynamikkombination für das Unternehmen von großem Vorteil sein kann. Das „Spiel“ mit der richtigen Teambesetzung ist, so Hubbard, ausschlaggebend für den Erfolg eines Managements. „Übrigens ist das der Hauptgrund, weswegen Diktaturen versagen. Für einen einzigen Mann ist es fast unmöglich, über die Gesamtheit der Spiele eines Volkes allbestimmend zu sein. „32 Der moderne Kapitalismus mit seiner vielschichtigen Arbeitsteilung und Spezialisierung braucht Teams, keine Einzelkämpfer, die glauben, sie könnten das „Spiel“ der spätbürgerlichen Konkurrenz allein auf dem Weltmarkt austragen33. Auch die Französische Revolution sei an dieser Eitelkeit und übertriebenen Freiheitssucht zugrunde gegangen. „Das Volk versuchte, “ so Hubbard, „sofort die Regierungsmacht zu übernehmen und, erzogen dazu und gewöhnt daran, gegen jegliche Beschränkung zu protestieren, wählte es `Freiheit` zum Kampfruf. Bald gab es keine Schranken oder keine Einschränkungen mehr. Die Gesetze der Regierung wurden verworfen. Diebstahl und Räuberein traten an Stelle der Volkswirtschaft. „34 Das Volk, zu denen das frühe Bürgertum, die Bauern und das Proletariat zählten, kämpften für Freiheit von der absolutistischen Herrschaft der Aristokratie, die Leibeigenschaft, Handels- und Produktionskontrolle des Bürgertums durch Zollschranken bedeutete. Die Freiheitsrufe von 1789 forderten die Freiheit der Bourgeoisie, die sich auf die Gleichheit der bürgerlichen Produktion berief, bei der allein die Ware (Produkte und Arbeitskraft) als Wertmaßstab dienen und nicht länger die Abstammung eines Menschen über dessen gesellschaftlichen Rang entscheiden sollte. Als Napoleon Bonaparte mit seinen Kriegen ganz Europa in diesen Schlachtruf zwingen wollte, scheiterte er schließlich an seiner eigenen Sucht, kaiserlich, also aristokratisch, werden zu wollen. So erlebte die bürgerliche Revolution nach Napoleon einen Rückfall in die Zeit der aristokratischen Herrschaft. Dies lag also nicht an der schrankenlosen Freiheit, sondern an der Wankelmütigkeit der frühen bürgerlichen Revolutionäre, die sich am Glanz und Gloria des Adels berauschten und sich mit diesem verbündeten. Hubbard interessiert die europäische Geschichte natürlich nicht, er will lediglich die Denker dieser Zeit (Hegel, Goethe, Schiller etc. ) aus den Köpfen der Europäer vertreiben. Denn mit diesen Denkern in den Köpfen von Schülern und Studenten ist kein imperialistisches Reich der Vernunft zu vergrößern und zu stützen. Deshalb ruft Hubbard auf zur Einschränkung der Demokratie. „Wenn niemand in einem Staat die Verantwortung für Einschränkungen übernehmen will, werden diese scheinbar mehr und mehr abnehmen. In Wirklichkeit vermehren sie sich aber. Ohne jegliche Schranken wird das Leben ziellos, ist Zufälligkeiten unterworfen und wird chaotisch.“ Diese Verantwortung soll natürlich nur in die Hände der „Clears“, also der „Thetans“ auf Stufe 4 gelegt werden. 35 „Wenn auch alle Menschen mit gleichem Recht vor dem Gesetz geschaffen sind, zeigt doch eine Untersuchung der Menschen in der Gesellschaft rasch, dass nicht alle mit dem gleichen potentiellen Wert für ihre Mitmenschen geschaffen sind. „36 Diese politische Leitlinie setzten seine Anhänger in ihren Kommunikationsschulungen und Eliteförderungen ganz konkret um.

„Ein guter Vorgesetzter“, sagt Hubbard, „muss imstande sein, für Einschränkungen Verantwortung zu tragen, denn Freiheit gibt es nur dort, wo es Schranken gibt. „37 Mitbestimmung kürzen, Basisdemokratie verhindern, Abschaffung des Abtreibungsparagrafen verhindern, das ist ganz im Sinne Hubbards; denn „der Mensch, der bereitwillig Hindernisse und Schranken akzeptiert und sich nicht vor ihnen fürchtet, ist frei. Wer immer nur gegen Schranken und Hindernisse kämpft, wird sich gewöhnlich in ihnen verfangen. Will man einen ewigen Krieg haben, braucht man sich nur darauf zu versteifen, keinen Krieg haben zu wollen. „38 Anders formuliert: Die „Clears“ in den Regierungen und Konzernen wissen, was sie tun, um das System zu schützen! Kritisiert sie also nicht, auch wenn sie Bomben auf Beirut oder Kabul werfen! Die Negation ihrer Taten führt nur zur extremeren Fortsetzung ihrer Taten! Also stört sie nicht! Widerstand ist zwecklos!

Scientology „spielt“ mit der Todesfurcht der Menschen. Die politische und ökonomische Stabilisierung des Kapitalismus, unterstützt und gefördert durch eine idealistische Philosophie mit typisch amerikanischer Prägung, bilden den Kern von Scientology. Diese Ideologie an viele einzelne Menschen zu vermitteln, ist die Aufgabe von „Auditierungen“, Berater- und Managertrainings, Zeitungen, Beichten und „Persönlichkeitstests“. Dabei nutzen sie die Angst der Menschen vor Krankheit und vor dem Tod, um ihnen mit scheinbar wissenschaftlichen Floskeln und Technologien diese Ängste zu nehmen. Anders als bei Verkündern von religiösen Lehren, ob in Kirche oder Sekte, gibt es bei Scientology keine Offenbarung. Eine Offenbarung, die geglaubt werden muss, sonst wäre sie keine Offenbarung und die nicht auf persönlicher Ansicht, Erfahrung, Erlebnis basiert, ist aber die Grundlage jeder Kirche und Sekte. Dass Moses auf dem Berg Sinai die zehn Gebote von Gott bekam, muss geglaubt werden. Die Kirche, die in ihren Anfängen aus Sekten entstanden ist, mischt sich, anders als die Sekte, nicht in die unmittelbare Umsetzung dieser Offenbarung im Alltagsleben des einzelnen Menschen ein. Ron Hubbard hat seine Theorie zwar an die Religionsbedürfnisse vieler westlicher Buddhisten und religiösen Sektenfirmen der USA angelehnt, aber er schuf keine Offenbarung. „So wie im Buddhismus davon ausgegangen wird, dass jeder die Buddhanatur in sich trägt“, so könne durch Scientology „eine Person zu ihrer eigentlichen Natur und Stärke zurückkehren“39. Zwar bezeichnet er die „Achte Dynamik“ als „Unendlichkeits- oder Gott-Dynamik“, aber er weist selbst „ausdrücklich darauf hin, dass Scientology als Wissenschaft nicht in die Dynamik des höchsten Wesens eindringt“. 40 An anderer Stelle bemerkt er, man könne die Existenz „Gottes und andere geistige Erscheinungen“ als „Theta-Universum klassifizieren“. 41 Da mit „Thetan“ aber die Person selber gemeint ist, „nicht ihr Körper oder ihr Namen, das physikalische Universum, ihr Verstand oder sonst irgend etwas“42, hat dieses „Theta-Universum“ nichts mit dem „Reich Gottes“ gemeinsam. Die „Ron`s Org“ betont: „Scientology ist überkonfessionell, jede Person jeden Glaubens kann Scientology anwenden, um sich zu verbessern. „43 Eine Offenbarung gibt es bei Scientology also nicht, folglich geht es hier, trotz vieler Kirchengebäude und liturgischer Zeremonien, nicht um eine Kirche oder Sekte. Scientology, das eben macht diese Ideologie für viele Menschen, die gewohnt sind, nur das zu glauben, was sie sehen, so interessant. Scientology will als Wissenschaft verstanden werden. Das unterscheidet Scientology von jeder Kirche und jeder Sekte, wo geglaubt wird, und wo dieser Glaube als entfremdetes Selbstbewusstsein gepredigt und in der Sekte kleinlichst gelebt wird. Dieses entfremdete Selbstbewusstsein, das ja an die Handlungen der Menschen gattungsmäßige Anforderungen stellt, ist deshalb kein wirkliches, sondern ein entfremdetes Selbstbewusstsein, weil es den Menschen nicht selbst als Schöpfer seiner Geschichte setzt, sondern ein Subjekt, das dem Menschen die gattungsmäßigen Zügel halten soll. Scientology führt seine Anhänger zu einem spätbürgerlichen Bewusstsein, das behauptet wissenschaftlich zu sein und die Menschen als partikulare Wesen auf sich selbst fixiert. Diese auf sich selbst bezogenen „Führer“ der künstlerischen, technischen und ökonomischen Elite der Spätbourgeoisie bekommen mit Scientology ein Kommunikations-Handwerkszeug für die zu Führenden geliefert. Dieses Handwerkszeug stützt keine Offenbarung und kein Selbstbewusstsein, weder ein entfremdetes und schon gar nicht ein wirkliches. Da den vielen jungen Menschen die Kirchen und Sekten den Weg zu einem wirklichen Selbstbewusstsein nicht zeigen können, Scientology aber so tut, als könnte sie dieses Ziel wissenschaftlich und in freundlich glänzender Atmosphäre vermitteln, beginnen diese suchenden Menschen, zunächst noch skeptisch, zu Beginn ihres Kontaktes zu Scientology mit den sogenannten Persönlichkeitstest44, der genau die Fragen stellt, die jeder vereinzelte, in seiner Partikularität verhafteter, dabei sensible und kreative Mensch mit Ja beantwortet. So die Frage: „Setzen Sie sich oft hin und „grübeln“ über Tod, Krankheit, Schmerz und Kummer nach? “ Hier ein Ja angekreuzt und schon ist man mit Scientology im Gespräch. „Ich bewies eher wissenschaftlich, als auf religiöser oder humanitärer Grundlage, “ antwortet Ron Hubbard auf die Todesfurcht des modern partikularisierten Menschen eingehend, „dass sich die eigentliche Persönlichkeit vom Körper und vom Sinn willentlich, und ohne körperlichen Tod und Geistesstörung hervorzurufen, trennen lässt. „45 Hubbard unterstreicht hier erneut, dass er nicht religiös, sondern in seinem Sinne wissenschaftlich denkt und handelt. Diese Hubbard- Wissenschaft trennt einfach den „Thetan“, also den Geist oder die Persönlichkeit des vereinzelten Menschen von dessen Körper, schon ist der Tod in Klammern gesetzt. Leben und Tod bilden keine Einheit mehr. Wird aber der Tod aus der Einheit zum Leben gelöst, so gibt es auch kein Leben, jedenfalls kein wirklich gegenständliches und sinnliches Leben mehr, das ja nur sinnlich werden kann, wenn es auf andere Menschen, auf die Gesellschaft, bezogen ist. „Das bestimmte Individuum ist nur ein bestimmtes Gattungswesen, als solches sterblich. „46 Die Kontinuität des menschlichen Gattungswesen existiert, trotz der Sterblichkeit des einzelnen Menschen. Im Tod treffen sich also diese Kontinuität des gesellschaftlichen Seins, des menschlichen Gattungswesens mit der Diskontinuität des Naturseins des einzelnen Gattungsexemplars. Scientology kann diesen Schnittpunkt nur deshalb ignorieren, weil es die Kontinuität des Gattungswesens tatsächlich gibt. Diese Kontinuität wird einfach auf das einzelne Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft übertragen, das lediglich die Kontinuität des Gattungswesens, natürlich als bürgerliche, in sich verinnerlichen muss, schon scheint die Diskontinuität der einzelmenschlichen Natürlichkeit verschwunden zu sein. Gegen seinen ideologischen Hauptfeind gerichtet, den dialektischen Materialismus, sagt Hubbard: „Der gesamte Kult des Kommunismus beruht auf der Annahme, dass man nur einmal lebt, dass nach dem Tode nichts mehr kommt, und dass das Individuum keine religiöse Bedeutung hat. Dieser Zustand liegt auf einem sehr tiefen Niveau, da er jegliche Selbsterkenntnis ausschließt. „47 Selbsterkenntnis ist für Scientology nicht die Erkenntnis der Schnittstelle der beschriebenen Kontinuität und Diskontinuität im menschlichen Leben, sondern das „Wissen“ von der eigenen Kontinuität als bürgerliche, deren Thetan stets in einen neuen einzelnen Körper schlüpft. Der Widerspruch von Gattung und einzelnem Gattungswesen wird auf diese Weise gedanklich aufgelöst. Die Todesangst des spätbürgerlichen Subjekts ist aber keine „Kopfangelegenheit“, sondern eine des Seins selbst. Sie entsteht durch die Partikularisierung des gesellschaftlichen Seins im Kapitalismus, in dem Konkurrenz statt Gattungsmäßigkeit vorherrscht. Der einzelne Mensch fühlt sich im Widerspruch zum Ganzen. Er wird arbeitslos, entspricht nicht den Anforderungen des Systems, verrichtet monotone und oft menschenunwürdige Arbeit, die er nur leistet, um Geld zu verdienen. Dieses gesellschaftliche Sein produziert Todesangst des einzelnen Menschen, die Hubbard für seine Ideologie nutzt, für die das Sein aber nicht als Sein existiert. Wenn Hubbard „religiöse Bedeutung“ sagt, dann meint er den „Thetan“, der ewig lebt und der nie aufhört zu existieren, wenn, ja wenn man sich nicht vom dialektischen Materialismus verleiten lässt, der das Bewusstsein in ständig sich verändernde Beziehungen zum Natur- und zum gesellschaftlichen Sein setzt. Der „Thetan“ erhält als gattungsmäßiges Geisterwesen „verschiedene Eindrücke, u. a. direkte Bilder des physischen Universums sowie außerdem Eindrücke früherer Aktivitäten und – was am wichtigsten ist – er empfängt, da er dem absoluten Wissen sehr nahe ist, über die Vergangenheit und Zukunft Auffassungen, die von den unmittelbar vorliegenden Reizen unabhängig sind. In seiner Gesamtheit ist der Sinn kein Reiz-Reaktions-Mechanismus, wie es uns die alte marxistische Philosophie glauben machen wollte, und wie es an Universitäten gelehrt wurde. „48 Die menschlichen fünf Sinne, die ja organisch an den Körper gebunden sind, muss dieser Hubbard-Idealismus in seiner Bedeutung für unser Leben negieren. Die fünf Sinne, mit denen wir Menschen Ausbeutung, Trauer, Depression, Unterdrückung, Hunger, Elend und Krieg, aber auch Liebe, Lust, Freundschaft und Solidarität sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken können, will Scientology gegen einen „Thetan“ austauschen, dessen „absolutes Wissen“ über Vergangenheit und Zukunft antidemokratisch, aggressiv, rassistisch und antifeministisch ist. Einen toten Menschen gibt es für Scientology nicht, denn es hat auch niemals einen lebendigen, also gegenständlichen Menschen gegeben. Ein sterbender Mensch „exteriorisiert“ bei Scientology lediglich. Der „Thetan“ verlässt den Körper und kehrt „zu einem Planeten zurück“ und sucht sich „einen anderen Körper von der gleichen Rasse und demselben Typ wie vorher“. Sexualität ist dementsprechend keine sinnliche Beziehung zwischen zwei Menschen, sondern sie ergibt aus der Tatsache, dass der Mensch „ängstlich darum bemüht ist, für die Zukunft etwas zu schaffen, um etwas zu haben, zu dem der Thetan zurückkehren kann. Daraus ergibt sich auch die Besorgnis um Sex. Für das nächste Leben sollen genügend Körper da sein. „49 Da Frauen Kinder als räumliche Hüllen für den Thetan gebären sollen, ist ihre gesellschaftliche Stellung und Aufgabe für Scientology klar definiert. Eine Frau, die es gar wagt, ihr Kind abzutreiben, rutscht auf der menschlichen Werteskala des Ron Hubbard auf die Stufe 1.1. 50 Und, so Hubbard, „leichte Geburten können nur bei Frauen erwartet werden, die relativ hoch auf der Tonskala sind. „51 „Der Historiker, “ so Hubbard, könne daher „den Punkt, an dem eine Gesellschaft ihren steilsten Niedergang beginnt, genau auf den Augenblick festlegen, an dem die Frau in gleicher Position mit dem Mann an politischen und geschäftlichen Angelegenheiten teilzunehmen beginnt, denn das bedeutet, dass die Männer dekadent und die Frauen nicht mehr Frauen sind. „52 Der Kapitalismus ist eine von Männern dominierte Gesellschaft. So soll es in der Vorstellung der Scientology auch bleiben. In dieser Gesellschaft muss keiner sterben, wenn er denn seinen Thetan auf Stufe 4 („Mest-Clear“53) zu bringen versteht. Auf dieser „Brücke“ zu Stufe 4, wo sich „MEST“ (physische Universum)54 und Theta harmonisch gefunden haben, sollen die Auditoren ihre Preclears führen. „Theta plus MEST ist gleich Leben.“ Jedoch, so Hubbard, „kommen Theta und MEST zu heftig zusammen, so geraten sie in einen Aufruhr, den wir Schmerz nennen.“ Da es in der Vergangenheit eines Menschen häufig zu derartig „heftigen Zusammenstößen“ kommt, besteht die Aufgabe des Auditors mit Hilfe des E-Meters darin, diese Erlebnisse ausfindig zu machen, um sie zu vernichten. Denn eine Traumatisierung, die ein Mensch erlebt hat, soll nicht geheilt werden, sie soll aus dem „Speicher“ gelöscht werden. Ein „Mest-Clear“ programmiert sich auf die Gegenwart, in dem er sich den persönlichen Erlebnissen und den geschichtlichen Erfahrungen eines Volkes nicht mehr kritisch zu wendet. Gelingt es, durch Programmierung auf die gegenwärtigen Aufgaben (Erfolg, Umsatz, Geld, Sex etc) die Traumatisierung aus der „Festplatte“ zu löschen, kann der Mensch in der Tonskala aufsteigen. „Um eine Person auf dieser Tonskala hochzubringen, muss man lediglich Theta aus Entheta (Theta, das zu stark in MEST hineingepresst wird, wird zu Entheta. MEST, das zu stark in Theta hineingepresst wird, wird zu EnMEST) zurückgewinnen oder Entheta in Theta umwandeln – mit anderen Worten, die Aufspeicherungen von Enturbulierung aus dem Leben einer Person entfernen oder dafür sorgen, dass sie nicht mehr restimuliert sind. Ein Auditor versucht nicht, irgend etwas zu heilen. Er hebt einfach die Tonstufe an. „55 Die spätbürgerliche Gesellschaft soll sich aber nicht nur auf harte und tollkühne „Clear“-Männer stützen, sondern sie müssen von „weißer Rasse“ rein! Denn, so Hubbard, „während man die weiße Rasse als Dritte Dynamik bezeichnen würde, bilden alle Rassen zusammen die Vierte Dynamik. „56 Da für Scientology in der „Dritten Dynamik“ „Schule, Gesellschaft, Stadt, Nation“ gebildet werden und in der „Vierten Dynamik“ der „Drang zum Dasein als Menschheit“ vollzogen wird, ist klar, dass in den Augen von Scientology die „weiße Rasse“ überall dort dominant sein muss, wo es um Macht und Vorherrschaft in der Welt geht. Wie hatte Hitler gesagt: „Die weiße Rasse kann (… ) ihre Stellung nur dann praktisch aufrechterhalten, wenn die Verschiedenartigkeit der Lebensstandards in der Welt aufrecht erhalten bleibt.“ So sieht das auch Scientology. Der Mensch, der die Tonskala 2,0 nicht erreicht, kann nur „Nörgeln und grobe Kritik“ üben und ist dazu noch „unehrlich“, alles in allem ein „Unmensch“, der nur durch den scientologischen „Übermenschen“ gerettet werden kann. „Der potentielle Wert jedes Menschen“, so Hubbard, „entspricht einem numerischen Faktor, der seine strukturmässige Intelligenz und Fähigkeit, multipliziert mit seinem freien Theta in der x-ten Potenz, ausdrückt…… unterhalb der Linie 2,0 liegt, einen negativen Wert für die Gesellschaft, ganz ungeachtet seines potentiellen Wertes. „57

Bleibt zu hoffen, dass es viele „Nörgler“ und „Kritiker“ geben wird, die der spätbürgerlichen Weltanschauung von Scientology eine humanistische gegenüber stellen können.


Anmerkungen

1 Bericht des Verfassungsschutzes 2006: Scientology-Organisation gegründet: 1954 in den USA, erste Niederlassung in Deutschland 1970. Sitz: Los Angeles („Church of Scientology International“, CSI) Mitglieder: in Deutschland, nach eigenen Angaben 30 000. Publikationen: u. a. „FREIHEIT“, „IMPACT“, „SOURCE“, „INTERNATIONAL SCIENTOLOGY NEWS“. 214 Teilorganisationen: in Deutschland zehn „Kirchen“ und elf „Missionen“.

2 Ron Hubbard, „Handbuch des Rechts“, Kopenhagen, 1979, S. 2 f.

3 Edward Tashji, Sprecher des Dachverbandes türkisch-amerikanischer Verbände in den USA, war des Lobes voll: „Auch im Namen unseres Präsidenten Dr. Sevket Karaduman“ bedankte er sich bei der Scientology Church für deren „tatsachengetreue Beschreibung des Gespenstes von Faschismus und Rassismus in Deutschland“. Verbreitet wurden die Thesen der Scientologen in ganzseitigen Anzeigen. In der „New York Times“ vom 11. Januar stand unter der Titelzeile „Menschenrechte in Gefahr“: „Deutschlands Gegenwart ähnelt auf erschreckende Weise seiner Vergangenheit. In den 30er und 40er Jahren schloss die Welt die Augen, während das Klima für den Holocaust geschaffen wurde. Niemand tat etwas. Heute können Sie handeln.“

4 Präsident George W. Bush versteht sich als „born-again“ Christ.

5 L. Ron Hubbard , „Die Wissenschaft des Überlebens“, Kopenhagen, 1983, S. 139.

6 Die McCarthy-Ära, (benannt nach dem Senator McCarthy) wurde von einem extremen Antikommunismus geprägt. Sie dauerte von 1948 bis etwa 1956. Während dieser Zeit verfolgte die US-Regierung die Kommunistische Partei der USA, ihre Führung, ihre Mitglieder und Sympathisanten.

7 „Die Scientology lehrt keinen dialektischen Materialismus mit der Überschrift `Psychologie`.“ „Sie ist eine präzise und exakte Wissenschaft, die für ein Zeitalter der exakten Wissenschaften entworfen wurde.“ Ron Hubbard, „Scientology- Die Grundlagen des Denkens“, Kopenhagen, 1974, S. 12 .

8 Ron Hubbard, „Die Wissenschaft des Überlebens“, S. 139.

9 Ron Hubbard, „Scientology- Die Grundlagen des Denkens“, S. 11.

10 „Bis heute haben weltweit mehr als 3 Millionen Menschen an Applied-Scholastics-Programmen teilgenommen. Das Netzwerk von Applied-Scholastics-Schulen, -Gruppen und örtlichen Hilfsprogrammen ist auf 94 Schulen und 489 Gruppen in 57 Ländern angewachsen. Applied Scholastics hat bisher über 66 000 Pädagogen trainiert, die nun ihrerseits diese funktionierende Methodik an Millionen von Schülern weitergeben. Auch in Berlin kümmern sich Scientologen um versetzungsgefährdete Schüler. Um der in Pädagogenkreisen wachsenden Anerkennung der wichtigen Rolle der Study Technology in der beruflichen Entwicklung und bei der Verwendung im Klassenzimmer gerecht zu werden, hat Applied Scholastics International im Jahre 2003 einen 40 Hektar großen Campus in St. Louis im amerikanischen Bundesstaat Missouri eingerichtet. Dieser Campus ist praktisch eine „Universität für Study Technology“, gleichzeitig aber auch der internationale Verwaltungshauptsitz von Applied Scholastics. Dort studieren Pädagogen und Erzieher aus der ganzen Welt, um dann in ihrer Heimat L. Ron Hubbards Lernwerkzeuge einzuführen“. (Aus „Scientology-Kirche Berlin“ Jan. 2007).

11 „ebenda“, S. 95.

12 In Deutschland wurde Windows 2000 vom Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geprüft, weil das integrierte Defragmentierungsprogramm von einer Firma der Scientology-Organisation stammt. Das BSI wollte untersuchen, ob Daten von der Festplatte an Dritte weitergeleitet werden können.

13 Scientology Unterorganisationen in Deutschland: ACADEME – Initiative zur Förderung selbständigen Lernens. Aktionskommitee für freie religiöse Entfaltung, München. ALV- Arbeitskreis für Liberale Bildungsinformation der Verbraucher e. V. , Darmstadt. CFAP – College für angewandte Philosophie, in mehreren Städten. Communication Center, Ulm. Dianetic-College, Frankfurt. Studierkreis angewandter Philosophie, Gelsenkirchen. Deutsche Liga für Menschenrechte, e. V. , München. Patientenhilfe e. V. , München. Kommitee Wahres Christentum. Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e. V. [KVPM]. Kommission für Verstöße des Bürgers gegen Datenmißbrauch, München. Kommission für Polizeireform, München. Institut für angewandte Philosophie, München . Gesellschaft zur Förderung religiöser Toleranz und zwischenmenschlicher Beziehungen e. V. , München. Aktion Sauberes Ministerium, München. ZIEL – Zentrum für Individuelles und effektives Lernen e. V. , München.

14 „Rons Org – Die alternative Scientology-Bewegung“, Bern, 2006, S. 8.

15 Ron Hubbard, „Scientology: Die Grundlagen des Denkens“ , S. 18.

16 „Das Hubbard-Elektrometer ist ein religiöses Hilfsmittel, das während der kirchlichen Beichte benutzt wird.“ Ron Hubbard, „Die Grundlagen des Denkens“, S. 11.

17 Hegel-Werke, Bd. 3, Suhrkamp, 1979, S. 24.

18 Ron Hubbard, „Scientology: Grundlagen des Denkens“, S. 28-29.

19 „Die Einschränkungen, die einem Menschen durch eine Regierung oder eine Arbeitsstelle auferlegt werden, geben ihm gleichzeitig seine Freiheit. Ohne bekannte Schranken ist der Betreffende ein Sklave, der bei all seinen Handlungen zu angstvoller Ungewissheit verurteilt ist.“ ebenda, S. 53.

20 Hegel-Werke, Bd. 3, Suhrkamp, Frankfurth, 1979, S. 46.

21 „ein Thetan, der- was die Erste Dynamik (das eigene Überleben) betrifft – wissentlich und willentlich Ursache über mentale Masse, mentale Energie, mentalen Raum und mentale Zeit sein kann. Der Zustand Clear steht über den Befreiungs-Graden (die alle Vorbedingungen für das Clearwerden sind). Er wird durch den Abschluss des Clearing-Kurses an einer Avancierten Organisaten erreicht.“ Ron Hubbard, „Scientology: Grundlagen des Denkens“, S. 144.

22 ebenda, S. 23.

23 ebenda, S. 131.

24 Ron Hubbard , „Scientology- Die Grundlagen des Denkens“, S. 38

25 ebenda, S. 48.

26 Preclear= Jemand der durch Scientology-Auditieren zum „Clear“ werden will.

27 ebenda S. 30.

28 ebenda S. 42-43.

29 ebenda, S. 45.

30 ebenda S. 54.

31 ebenda, S. 55.

32 ebenda, S. 56.

33“ Scientology ist eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, so Elmar Halbach vom Deutschen Industrie- und Handelstag. Es bestehe nicht nur die Gefahr, dass Unternehmen, die von der Organisation unterwandert seien, finanziell ausbluten. „Wir gehen auch davon aus, dass Scientologen Betriebsgeheimnisse ausspionieren und das so gewonnene Wissen zu eigenen Zwecken verwenden.“ Um dieser Form der Kriminalität zu begegnen, „deren Dunkelfeld nur schwer abzuschätzen ist“, setzt sich der DIHT für ein entschlossenes und gemeinsames Vorgehen von Staat und Wirtschaft ein. „Dazu kann und darf es aber nicht sein, dass Bund und Länder Scientology weiter als Religion betrachten und die Bekämpfung bei Ministerien für Jugend oder Familie ansiedeln“, so Halbach. Der Kampf gegen Scientology müsse jetzt endlich unter der Verantwortung der Innenministerien geführt werden. Halbach weiß vom Konkurrenzfeind in Übersee, der sich hinter der Scientology Kirche versteckt. Er weiß auch, wie sehnsüchtig seine Mitglieder nach Managementmethoden suchen, um besser auf dem Weltmarkt agieren zu können. Hier greift Scientology an.

34 ebenda, S. 57.

35 „Eine ideale Gesellschaft wäre eine Gesellschaft nichtaberrierter Menschen („Clears“) Vielleicht werden in ferner Zukunft nur dem Nichtaberrierten die Bürgerrechte verliehen – in einem Staat der reinen Vernunft. Vielleicht erreichen wir einmal das Ziel, dass nur der Nichtaberrierte von solcher Staatsbürgerschaft profitieren kann“. Ron Hubbard. „Wenn in unseren Gruppen besseres Recht ist … und wenn ein hoher Sinn für Befehle da ist, werden sich die Leute unter uns bewegen und eine größere Sicherheit und Gewißheit in uns finden. … Alles, was wir tun müssen ist Expansion erreichen und die Obergewalt in der Gesellschaft.“ Ron Hubbard, „HCO-Führungsbrief“, 18. März 1965).

36 Ron Hubbard, „Scientology: Grundlagen des Denkens“, . S. 141.

37. ebenda, S. 57.

38 ebenda, S. 58.

39 ebenda, S. 7.

40 ebenda, S. 44.

41 Ron Hubbard, „Die Wissenschaft des Überlebens“, S. 68.

42 „Ron`s Org“, S. 40.

43 „Ron`s Org“, S. 11.

44 Fragen aus dem Testborgen: 45 Fühlen Sie oft, daß Leute Sie beobachten und hinter Ihrem Rücken über Sie sprechen? 46. Geraten Sie immer in Schwierigkeiten? 47. Haben Sie irgendeirie bestimmte Abneigung oder Angst? 53. Hat ein Unfall oder ein anderes störendes Geschehnis Nachwirkungen auf Sie? 71. Setzen Sie sich oft hin und „grübeln“ über Tod, Krankheit, Schmerz und Kummer nach? 88. Wenn wir in ein anderes Land einmarschieren würden, hätten Sie Verständnis für die Kriegsdienstverweigerer in diesem Land?

45 Ron Hubbard, „Scientology: Die Grundlagen des Denkens“, S. 63.

46 Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 40, S. 539.

47 Ron Hubbard, „Scientology: Die Grundlagen des Denkens“, S. 64.

48 ebenda S. 67.

49 ebenda S. 77.

50 „jede Frau die ihr Kind abtreibt, befindet sich im Bereich 1,1 oder tiefer…“ Ron Hubbard, „Die Wissenschaft des Überlebens“, S. 131.

51 ebenda, S. 131.

52 ebenda S. 133.

53 auf dieser Stufe 4: „Nahezu unfallsicher. Keine psychosomatischen Krankheiten. Nahezu immun gegen Bakterien.“ „Hubbards Tabelle der Einstufung des Menschen….“

54 Eine Wissenschaft braucht Termini. Also schuf Hubbard ein ganzes Arsenal solcher Termini, die Kompetenz vermitteln sollen.

55 Ron Hubbard, „Die Wissenschaft des Überlebens“, S. 17.

56 Ron Hubbard, „Scientology: Die Grundlagen des Denkens“, S. 43.

57 Ron Hubbard, „Die Wissenschaft des Überlebens“, S. 140.

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