Mängelexemplar

Streifzüge 31/2004

2000 Zeichen abwärts

von Maria Wölflingseder

Viele meiner Klassiker in Taschenbuchformat von Cechov und Hrabal über André Kaminski und Viktorija Tokarjewa bis Rosa Montero und B. Traven sind am oberen und unteren Beschnitt mit einem dicken schwarzen Filzstiftstrich oder einem Stempel „Preisreduziertes Mängelexemplar“ verunstaltet. – Bücher wie Briefmarken, wie Fahrkarten abgestempelt und entwertet? Warum beschädigt man diese tadellosen Exemplare mutwillig, wenn sie nicht mehr zum regulären Preis verwertet werden? Was weniger kostet, hat weniger Wert zu sein? Auch wenn diese Abqualifizierungsattacke erst recht Zeit und Geld kostet? Warum werden ausgerechnet Bücher schlecht gemacht? Werden Klamotten ausverkauft, geht man ja auch nicht mit einem dicken wasserfesten Filzstift die Kleiderstangen entlang und verunziert Jacken und Hosen, Blusen und Röcke mit fetten schwarzen Strichen oder löchert sie wie eine Fahrkarte vor fünfundzwanzig Jahren.

PS: Ach so, die Buchpreisbindung muss da „übertüncht“ werden, oder was?

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