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Die Systemfrage als Überlebensfrage

11 Jul 2018

Streifzüge 73/2018

von Tomasz Konicz

Irgendwann wird es schiefgehen. Irgendwann – in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren – wird es den am eskalierenden neoimperialistischen Great Game beteiligten Staaten nicht mehr gelingen, eine der sich häufenden geopolitischen Konfrontationen rechtzeitig zu entschärfen, um eine direkte militärische Konfrontation zu verhindern. Syrien, Iran, Ukraine, Türkei, Südchinesisches Meer, Taiwan – an Brandherden, die den kalten imperialistischen Machtpoker in einen verheerenden Großkrieg umschlagen lassen können, mangelt es nun wahrlich nicht.

Das spätkapitalistische Weltsystem scheint sich in einer spannungsreichen Vorkriegszeit zu befinden. Die einzelnen Machtblöcke und Staaten sind bereit, bei ihrem regionalen oder globalen Machtstreben immer mehr zu riskieren, die nackten Interessen treten immer deutlicher hervor, während die Propaganda nur noch nachlässig, oberflächlich, als eine reine Pflichtübung betrieben wird. Selbst die Propagandisten der imperialistischen Mächte, von Fox News bis Russia Today, glauben nicht mehr an die Rhetorik vom Menschen- oder Völkerrecht, mit der ihre brutale Machtpolitik, etwa in Syrien, müde gerechtfertigt wird.

Wie schnell die Stellvertreterkriege in einen Großkonflikt eskalieren können, wurde gerade bei der jüngsten Eskalation in Syrien offensichtlich, bei der angebliche Drohungen eines russischen Diplomaten, US-Raketen abzuschießen und deren Trägersysteme anzugreifen, den US-Präsidenten Donald Trump zu bizarren, stilecht per Twitter verbreiteten Drohgebärden verleiteten, die einer schwarzen Satire entsprungen sein könnten.

Trump twitterte – in der Sandkastensprache eines Internettrolls – von neuen, netten und „smarten“ Raketen, auf die sich Russland vorbereiten solle, da sie bald kommen würden. Solche Drohgebärden, die für gewöhnlich über geschlossene diplomatische Kanäle verbreitet werden, haben freilich sehr reale Konsequenzen: Sie müssen wahr gemacht werden, damit das Prestige der jeweiligen Staatsmonster in der Weltarena nicht leidet, denn beide Seiten (USA und Russland) haben sich bei dieser Konfrontation selber Rückzugsmöglichkeiten ohne Gesichtsverlust durch öffentliche Verlautbarungen verbaut.

Solche bösartige Clowns, politische Borderliner wie Trump, Erdogan oder Putin treiben die Welt an den Abgrund eines Weltkrieges. Es ist lächerlich, infantil – und brandgefährlich. Es hört sich nach einer testosterongeschwängerten Schulhofprügelei an, dabei steht das Überleben der Zivilisation auf dem Spiel. Der Spätkapitalismus degeneriert in seiner Agonie zu einer blutigen Parodie seiner selbst.

Dabei sollen die Bemerkungen des russischen Diplomaten, die Trump zu seinem diplomatischen Ausraster verleiteten, sogar nur falsch übersetzt worden sein. („Trump’s Russia tweets show how misinformation can lead to global crisis“, The Guardian, 11.04.2018). Eine Fehlinformation, die zu einer globalen Krise führt – dank einer neuen, in der Krise aufsteigenden Klasse an charakterlich labilen, egomanischen Rechtspopulisten scheint dieses Szenario jederzeit wiederholbar.

Ein Ende dieser Phase zunehmender geopolitischer und militärischer Konflikte ist nicht im Sicht, im Gegenteil: die Spannungen werden zunehmen. So eskalierte am 10. Mai, kurz nach der Aufhebung des iranischen Nuklearabkommens durch Donald Trump, der militärische Schlagabtausch zwischen Iran und Israel in Syrien, als die israelische Luftwaffe in Reaktion auf iranischen Raketenbeschuss der Golanhöhen dutzende von iranischen Stellungen angriff.

Auch wenn bei solchen Krisen tatsächlich das jeweilige Personal entscheidend ist, das die entsprechenden Machtpositionen besetzt, sind die Ursachen der evidenten Zunahme internationaler Spannungen damit nicht geklärt. Wieso gehen die Staatsapparate der globalen und regionalen Mächte zu einer immer aggressiveren Machtpolitik über, bei der sie immer größere Risiken eingehen?

Das Aufkommen einer populistischen Politklasse, die den global gegebenen Trend zu einer risikoreichen, imperialistischen Geopolitik exekutiert, ist dem globalen Krisenprozess geschuldet, der die sozioökonomischen Verwerfungen erst zeitigt, die Charaktere wie Trump an die Macht brachten. Die Symptome eines kapitalistischen Weltsystems, das unter einer systemischen Überproduktionskrise leidet, sind überall zu finden: In den Zentren sind es Deindustrialisierung, Verschuldung, Finanzblasen, Erosion der Mittelschicht und die zunehmenden Handelsungleichgewichte. An der Peripherie sind es schon Bürgerkriege und Staatszerfall.

Es sind eben diese inneren Verwerfungen in den spätkapitalistischen Kernländern, die deren Staatsapparate in die äußere Expansion treiben. Nicht nur die deindustrialisierten und pauperisierten USA, die Trump wieder „groß machen“ will, befinden sich in einer tiefgreifenden Krise. Auch das am Rande des Zerfalls taumelnde EU-Europa und das sich rasant verschuldende China sind vom Krisenprozess erfasst, bei dem rasch fortschreitende Produktivitätssteigerungen der kapitalistischen Warenproduktion die ökonomisch überflüssige Menschheit schaffen, die derzeit der im Chaos ertrinkenden Peripherie zu entkommen versucht. Und: Das Massenelend dieser wachsenden überflüssigen Bevölkerungsteile bildete auch das Fundament der Aufstände im arabischen Raum – die erst die darauf folgenden neoimperialistischen Interventionen ermöglichten.

Dieser Prozess des Abschmelzens von Lohnarbeit in der Warenproduktion, der die Grundlage der zunehmenden sozialen wie geopolitischen Instabilität bildet, wird aber noch weiter an Dynamik gewinnen und eine kapitalistische Arbeitsgesellschaft hervorbringen, von der immer größere Bevölkerungsteile ausgeschlossen sind. Das Aufkommen dem entsprechender Krisenideologien und geopolitischer Spannungen ist somit sicher. Es können hier Parallelen zu den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gezogen werden, als die Weltwirtschaftskrise von 1929 dem Faschismus den Weg bereitete. Mit dem Unterschied, dass bei dem gegebenen Stand der Destruktionskräfte ein Großkrieg zu einem Zivilisationszusammenbruch führen würde.

Die Systemfrage radikal und offensiv formulieren

Die Opposition gegen den drohenden Krieg müsste somit diese zunehmenden kapitalistischen Widersprüche reflektieren, die die Staaten in Konflikte treiben. Sie müsste – im besten Sinne des Wortes – radikal sein, das Problem an der Wurzel packen. Dies bedeutete folglich, die Systemfrage zu stellen, die Opposition gegen die Kriegspolitik mit dem Kampf um eine grundlegende gesellschaftliche Alternative zum kapitalistischen Dauerchaos zu verbinden. Nicht, weil es populär wäre. Das ist es gerade nicht, da selbst die politische Linke höchstens noch in sozialdemokratischen Kategorien denkt und die gesellschaftliche Entwicklung eher von konservativen oder reaktionären Bestrebungen geprägt ist.

Es ist aber schlicht überlebensnotwendig, die Systemfrage in aller Radikalität offensiv zu formulieren, da sich der Krisenprozess unabhängig vom gesellschaftlichen Stand des Massenbewusstseins entwickelt. Ob es die Menschen wahrnehmen wollen oder nicht: die Krise wird weiter ihre verheerende Wirkung entfalten, auch die deutsche Exportkonjunktur wird ihr Ende finden, da das Kapital gesamtgesellschaftlich eine Eigendynamik aufweist, deren zunehmenden Widersprüchen die Marktsubjekte ohnmächtig ausgeliefert sind. Konkret formuliert: Die Masse verausgabter Lohnarbeit in der Warenproduktion wird aufgrund konkurrenzvermittelter Rationalisierung weiter abschmelzen, auch wenn sich immer größere Bevölkerungsteile die Rückkehr in die Vollbeschäftigung der 70er oder 50er Jahre wünschen.

Das Kapitalverhältnis als gesellschaftliche Realabstraktion entfaltet auf den „Märkten“ tatsächlich ein fetischistisches Eigenleben, das die sozialdemokratische Illusion einer „Beherrschung“ oder „Zivilisierung“ des Kapitalismus zerstört (der Zustand sozialdemokratischer Parteien bestätigt dies eindrucksvoll). Ein erster Schritt in die richtige Richtung bestünde gerade darin, sich diese Ohnmacht einzugestehen, ohne in Verschwörungstheorien zu versinken. Und gerade dieses dumpfe Gefühl der „Fremdbestimmung“ durch eine gesamtgesellschaftliche Dynamik höchstmöglicher Kapitalverwertung, die die Subjekte unbewusst marktvermittelt selber hervorbringen, bildet die Grundlage auch der imperialistischen Ideologie, wie der Krisentheoretiker Robert Kurz bemerkte: „Jede Gesellschaft, die sich ihrer selbst nicht bewusst ist und sich in pseudo-naturgesetzlichen, selbstzweckhaften Denk- und Handlungsformen bewegt, benötigt die Idee eines als fremd und äußerlich gedachten ‚Bösen‘, um die verdrängten, nicht ins Bewusstsein integrierten Momente des eigenen Selbst zu bannen. Im rein oberflächlichen und politischen Sinne waren die ,Reiche des Bösen‘ natürlich die imperialistischen Konkurrenten, die entsprechend schwarzgemalt wurden.“ (Schwarzbuch Kapitalismus 22002, S. 165) Eine krisenbedingte Zunahme von Widersprüchen und Verwerfungen lässt somit den Hass auf „imperialistische Konkurrenten“ hochkochen.

Radikal lässt sich nun die Ursache der zunehmenden Krisentendenzen, der anwachsenden Kriegsgefahr eindeutig benennen. Es lässt sich klar sagen, was überwunden werden muss: die widerspruchsgetriebene Selbstbewegung des Kapitals, die Verwertung von Lohnarbeit als irrationaler Selbstzweck in der Warenproduktion. Die Substanz des Kapitals ist ja eben die Lohnarbeit, die das Kapital selbst durch Rationalisierungen aus dem Produktionsprozess verdrängt – diese autodestruktive Tendenz bildet den zentralen Widerspruch des Kapitalverhältnisses und der gegenwärtigen Krisenperiode mit ihren politischen, sozioökonomischen und ökologischen Verwerfungen.

Das Kapital ist die uferlose Akkumulation von verausgabter Lohnarbeit als irrationaler Selbstzweck. Alles andere – die Waren, die Konsumenten – ist nur Mittel zu diesem Zweck. Die tiefe Absurdität der gegenwärtigen Krise liegt somit gerade darin, dass das Kapital an seiner eigenen Produktivität erstickt. Die technischen Voraussetzungen, die materiellen Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen, sind somit längst gegeben, während die irrationale Verwertungsbewegung des Kapitals aufgrund des immer höheren Produktivitätsniveaus der Warenproduktion immer stärker ins Stocken gerät. Es gilt somit, die vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktionskräfte von den Ketten der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu befreien. Nicht mehr die Geldvermehrung als irrationaler Selbstzweck, sondern die direkte Bedürfnisbefriedigung der Bevölkerung muss zur Maxime einer neuen Produktionsweise werden. Die Kommunikationsmittel, um solch eine direkte Bedürfnisbefriedigung gesamtgesellschaftlich zu organisieren, sind in Gestalt der IT-Technologien längst gegeben.

Der gesellschaftliche Prozess, in dem die – zivilisatorisch überlebensnotwendigen – Systemalternativen zum kapitalistischen Dauerchaos gesucht werden können, ist der eines breiten, öffentlichen Diskurses. Dies ist eine notwendige, aber angesichts der gegebenen Realitäten nicht wahrscheinliche Voraussetzung. In einem öffentlichen Verständigungsprozess würden nicht nur die Grundlagen einer postkapitalistischen Gesellschaft kontrovers diskutiert, dieser Diskurs würde auch als Keimform einer solchen alternativen Produktionsweise fungieren.

Der unbewusste gesamtgesellschaftliche Reproduktionsprozess mittels der fetischistischen Verwertungsbewegung des Kapitals würde der bewussten gesellschaftlichen Reproduktion weichen. An die Stelle der Produktion durch isolierte Marktsubjekte träte der Prozess einer bewussten, egalitären Verständigung der Gesellschaftsmitglieder über Form und Inhalt der Reproduktion. In einem gesamtgesellschaftlichen – über das Internet organisierten – Diskurs würden die Menschen sich über das verständigen, was produziert wird und wie es produziert wird. Das Internet, das derzeit nur als Marktplatz von Wahnideen und Bühne für Eitelkeiten dient, wäre endlich zu etwas Vernünftigem gut!

Die Tätigkeitsform der Gesellschaftsmitglieder würde sich somit radikal wandeln: Die Lohnarbeit würde in der Tendenz absterben, während die kollektive Diskussion über die Ausgestaltung und das Organisieren des weitestgehend automatisierten Produktionsprozesses mehr Zeit in Anspruch nähme. Dies wäre eine bewusste – durchaus nicht spannungsfreie! – Organisation der gesellschaftlichen Reproduktion, die im Gegensatz zum Fetischismus einer entfesselten, destruktiven Kapitaldynamik stünde. Letztendlich käme dies einem Abschluss des Zivilisationsprozesses gleich, bei dem der unbewusst, fetischistisch ablaufende Reproduktionsprozess der Gesellschaft dessen bewusster Gestaltung weichen würde. Dies wäre somit der Ausgang aus der „Vorgeschichte der Menschheit“ (Marx).

Ein rationaler gesamtgesellschaftlicher Diskurs über Systemalternativen wäre auch ein Gegengift zum Populismus und zum irrationalen Identitätswahn, der in Krisenzeiten um sich greift. Dessen Absurdität ist eigentlich evident: während der Spätkapitalismus in der Krise versinkt, diskutiert die Öffentlichkeit über Kopftuch und Lederhose.

9 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 Heinz Göd meinte am 13. Juli 2018, 10:18 Uhr

    „Ein rationaler gesamtgesellschaftlicher Diskurs über Systemalternativen wäre auch ein Gegengift zum Populismus und zum irrationalen Identitätswahn, der in Krisenzeiten um sich greift.“
    Ja. Eine Zusammenstellung von Systemalternativen ist auf
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
    Die Seite ist schon gut 1 Jahrzehnt im www,
    aber möglicherweise ist sie nicht ‚google-gerecht‘.
    Sie ist vermutlich auch nicht vollständig.

    Die Massenmedien sind an einer breiten Diskussion über das Gesellschafts-&Wirtschafts-System nicht interessiert, denn die Massenmedien gehören SystemProfiteuren.

  2. 2 Christoph Düsberg meinte am 14. Juli 2018, 08:53 Uhr

    Danke Heinz Göd für den Hinweis auf bestehende Systemalternativen. In dem Modell 2069 sind viele Problembereiche angesprochen, jedoch scheint mir das Ganze nur auf Gesellschaften zu zielen, die in einem wohlhabenden Industrieland mit gemäßigtem Klima leben. Wie sollten aber Menschen beispielsweise in Saudi-Arabiens Wüste oder in den Slums einer Großstadt wie Mexiko City oder Lagos in Nigeria in den Genuss eines eigenen Hauses
    mit Garten, Acker und Weide darumherum kommen, wie von Ihnen gewünscht?
    Ich bin wie Sie und Tomasz Konicz davon überzeugt, dass nur ein radikaler Systemchange die Welt retten kann. Ich glaube wir sind kurz davor. Sie und ich werden den Tag der großen Entscheidung noch erleben. Ich befürchte allerdings, dass die herrschende Klasse und die durch die Kulturindustrie verblödete Menschheit zuvor eine Art Nahtoderlebnis benötigen, bevor sie zur Revolution schreiten. Das könnte eine große Naturkatastrophe sein oder aber auch der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Warten wir getrost, was kommen mag. Ehrlich gesagt kann ich mir eine zukünftige Regierung nur als Weltregierung vorstellen. Den nötigen Strukturwandel in beinahe jedem Bereich der Weltökonomie könnten sinnvoll nur auserwählte Eliten planen. Viele schmerzhafte Einsparungen wären nötig. Wahrscheinlich wird es ohne dirigistische Maßnahmen nicht gehen. Auch ich würde gerne alle Häuser auf diesem Planeten abreißen und sozial verträglich wieder aufbauen. Für viele Jahrzehnte müssen wir aber weiter mit der vorhandenen Baumasse (Villenviertel – Wellblechsiedlungen – Hochhauswüsten) improvisieren. Am wichtigsten wären meiner Meinung nach Reformen in der Landwirtschaft. Seit dem Bankencrash 2008 sind weltweit Investmentbanker -aber auch Vertreter der Energiewirtschaft und reiche Industrieländer mit wenig fruchtbarem Ackerland- auf der Jagd nach den Äckern der Welt, um dort Ölpflanzen anzubauen. This has got to stop!

  3. 3 Heinz Göd meinte am 15. Juli 2018, 11:38 Uhr

    an Christoph Düsberg

    „Wie sollten aber Menschen beispielsweise in Saudi-Arabiens Wüste oder in den Slums einer Großstadt wie Mexiko City oder Lagos in Nigeria in den Genuss eines eigenen Hauses
    mit Garten, Acker und Weide darumherum kommen, wie von Ihnen gewünscht?“
    Saudi-Arabiens Wüste: die Menschen dort haben jahrhundertelang als Nomaden gelebt und werden das auch weiterhin tun können.
    Manche Wüstengegenden waren mal fruchtbar – z.B. Nordafrika war die Korkammer des römischen Reiches – , die könnten durch Bewässerung langsam wieder fruchtbar gemacht werden.
    Slums einer Großstadt: die Menschen sind dort wegen der besseren Gelderwerbs-Möglichkeiten. In ‚2069‘ ist die Güter-Erzeugung und -Verteilung anders geregelt. Die Slums wären da sinnlos.
    ‚2069‘ benötigt eine Boden-Reform. Das ist im kapitalistischen Westen wegen der EigentumsVerhältnisse schwierig umzusetzen, in ehemals kommunistischen Ländern ginge es.
    ‚2069‘ ist 1990-92 entstanden.
    Damals war China noch im AnfangsStadium seines Aufbaus,
    habe darum an China als Vorreiter gedacht (Kap.21:Die ,,Große Umgestaltung“)
    Habe damals an Weltbank, UNO, Nobelpreisträger-Tagung in Lindau(3x), österr. und deutsche Akademie der Wissenschaften, Hochschulen, Chinesen mit Deutschkenntnissen… Briefe mit Buch verschickt – konnte aber niemanden überzeugen.
    China hat den westlichen Weg – etwa wie Deutschland nach dem Krieg – gewählt und dadurch auch dieselben Probleme, z.B:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Blauer_Himmel_%C3%BCber_dem_Ruhrgebiet
    Wenn alle Menschen den westlichen Lebensstil haben mit dem derzeitigen Gesellschaft-&Wirtschafts-System, dann reichen unsere Rohstoff-Vorräte wahrscheinlich nicht mal für dieses Jahrhundert.

    „Ich befürchte allerdings, dass die herrschende Klasse und die durch die Kulturindustrie verblödete Menschheit zuvor eine Art Nahtoderlebnis benötigen, bevor sie zur Revolution schreiten.“
    Genau das gälte es zu vermeiden, denn Revolutionen bringen vor allem Chaos und sinnloses Blutvergießen.
    Ich glaube an Entwicklung – also Herauswachsen aus dem Bestehenden.
    In einem Anfall von …?… habe ich 2014 eine EMail über die russische Botschaft an Präsident Putin geschickt; Antwort kam keine.
    2016 las ich bei SputnikNews:
    https://de.sputniknews.com/wirtschaft/20160601/310284413/hektar-land-fernen-osten.html
    „Moskau: Ab sofort ein Hektar Land gratis für Bürger im Fernen Osten“
    Das geht meines Erachtens in die richtige Richtung.
    Das Handelblatt meint dazu:
    „Ob die Landvergabe einen Goldrausch ähnlich wie im 19. Jahrhundert in den USA auslöst, ist noch fraglich.“
    Dass ein ausreichend großes Grundstück einem Arbeitslosen ein Überleben in Würde ermöglicht, das ist offenbar ausserhalb des geistigen Horizonts eines nach westlichen Werten erzogenen Menschen…
    Bin 1944 geboren und in einem Haus mit Garten aufgewachsen. Der Garten war mit etwa 250 m² zu klein für vollständige Selbstversorgung – da brauchts für die derzeit übliche Ernährung etwa 4000 m²/Erwachsenen -, reichte aber für Gemüse, Obst, Hühner und 2 Schweine. Wenn mir danach war, zupfte ich kleiner Pimpf eine Karotte oder stahl dem Huhn ein Ei.. – ich war in dieser schlechten Zeit bestens genährt und Krankheits-Epidemien in der Schule waren für mich immer eine Freude, weil die Schule gesperrt und ich gesund zu Hause war.
    Mein Banknachbar in der Mittelschule ist in einer Großstadt aufgewachsen und hatte eine faustgroße Vertiefung beim Brustbein als Folge von Rachitis.
    Mein erstes Kinderspielzeug war ein kleiner Spaten, Rechen und eine kleine Gießkanne; ich war bei der GartenArbeit immer dabei, habe abends mit dem Schlauch Ornamente in den Himmel gespritzt zur Beregnung der Pflanzen …, habe die Schweine gefüttert und beaufsichtigt, wenn sie im Obstgarten frei herumliefen, …habe beim Einkochen mitgeholfen, Sauerkraut eingestampft, …, bin auf der Hobelbank gesessen, wenn etwas für die Instandhaltung des Hauses hergerichtet werden musste … .
    Ich bin mir daher sehr sicher, dass Lebensmittel-Selbstversorgung und InstandHaltung des Hauses in einer Tageshälfte erledigt werden kann.
    Aber mensch muss ein solches Leben auch wollen – und das wollen mit Sicherheit nicht alle. Deshalb ist in ‚2069‘ ein Kontinent ausgespart für andere LebensStile. Ein Schulkollege meinte dazu:
    „Auf diesem Kontinent wird es ein großes Gedränge geben“. Das war 1992 – ob er das heute auch noch sagen würde ?
    Nun ja, ob ‚2069‘ richtig ist, weiss ich natürlich nicht, aber es ist zumindest eine halbwegs begründete Idee.

    PS: Irgendjemand mag meine Internet-Aktiitäten nicht,
    denn mir werden zunehmend InternetSeiten gesperrt.
    Bin gespannt, wann ich diese Seite nicht mehr erreiche.

  4. 4 Christoph Düsberg meinte am 16. Juli 2018, 01:07 Uhr

    an Heinz Göd: Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Ich werde über ihre Agenda 2069 nachdenken und versuchen, meine eigenen Zukunftsideen zu Papier zu bringen. Seien Sie nicht verzagt, wenn Weltbank, UNO, Nobelpreisträger und andere Würdenträger Ihnen bisher nicht geantwortet haben. Sie können noch ein wichtiger Hinweisgeber werden, die Zeit ist mehr als reif dafür. Zum Thema Landwirtschaft eine Buchempfehlung: Bodenrausch_Die Globale Jagd Nach Den Äckern Der Welt_Wilfried Bommert_Eichborn-Verlag.

  5. 5 Heinz Göd meinte am 17. Juli 2018, 10:07 Uhr

    an Christoph Düsberg

    Danke für den LiteraturTipp.
    Wir sind uns beide einig, dass die derzeitige Landwirtschaft ein Problem ist – vor allem die Machenschaften der Großkonzerne.
    Wenn ein Großkonzern nach etwas greift, ist Alarmstufe 1 angesagt – gleichgültig ob privatkapitalistisch oder staatskapitalistisch.
    Leider ist uns allen mit der Erfindung des Geldes die Achtsamkeit für die Natur verlorengegangen, auch bei den landwirtschaftlichen Profis.
    Ein Bekannter hatte einen Bauerhof in Oberösterreich geerbt und mich dorthin eingeladen.
    Bei einem Spaziergang fiel mir auf, dass alle Felder von einem etwa 50cm hohen Steinwall gesäumt sind. Ich fragte einen Einheimischen und der antwortete: „Die Steine wachsen aus dem Boden.“. Ich fühlte mich veralbert und sah dem Mann in die Augen – da war aber kein Schalk darin, der meinte es ernst. Vor dem Einschlafen fand ich dann des Rätsels Lösung:
    der Wendepflug kehrt die nackte Erde an die Sonne, die Erde trocknet aus und der Wind trägt sie weg; da dadurch die Erdschicht dünner wird, stößt der Pflug auf Steine, über die er vorher drübergefahren ist: d.h. irgendwann wird der fruchtbare Boden weggeweht sein und ein Steinfeld übrigbleiben.
    Von meinem Wohnzimmer aus sehe ich über Felder. Nach dem Pflügen mit dem Wendepflug kann ich zusehen, wie der Wind die Erde davonweht – auch da wird wahrscheinlich ein Steinfeld übrigbleiben. Der Vorgang ist schleichend und zieht sich wahrscheinlich über Jahrhunderte, aber dann ist er schwer rückgängig zu machen – das kann mensch in südlichen Ländern beobachten, die den Boden schon länger kultivieren als wir.
    Monsanto hat die Problematik sogar richtig erkannt und daher das Gespann GentechPflanzen&Biozid erfunden – damit ruiniert mensch die BodenLebewesen und vergiftet den Boden und das Gift ist selbstverständlich auch in den Nahrungsmitteln – der Teufel wird mit Beelzebub ausgetrieben …
    Als Maßnahme gegen die Jugend-Arbeitslosigkeit in der Süd-€U habe ich des öfteren – unter anderem – staatliche Aufforstungs-Programme vorgeschlagen.
    Aufforsten auf verkarsteten Hügeln geht praktisch nur in HandArbeit, ist sehr arbeits-intensiv und dadurch natürlich teuer und bringt erst nach mehreren Jahrzehnten wirtschaftlichen Nutzen – ist also für einen Privat-Investor uninteressant. Aber die €U-Bürokraten kümmern sich lieber um Zahnstocher oder „diskutieren über Kopftuch und Lederhose“ (wie Herr Konicz so treffend schreibt) …

  6. 6 Wohlstand neu erfinden vom 20. Mai 2017 meinte am 19. Juli 2018, 22:26 Uhr

    […] Die Systemfrage als Überlebensfrage von Thomas Konicz bei Streifzüge (hier) […]

  7. 7 Dirkneu meinte am 20. Juli 2018, 09:00 Uhr

    „Solche bösartige Clowns, politische Borderliner wie Trump, Erdogan oder Putin treiben die Welt an den Abgrund eines Weltkrieges.“

    In diesem Punkt bedient Thomas Konicz mal wieder schnell sein vorgefaßtes Urteil, woraus auch immer dieses sich speisen mag und ist nicht müde, dieses stets zu wiederholen. So einfach ist das aber mit diesen angesprochenen Herren nicht. Die Clownerie wird durch das gesamte politisch-ideologische und gesellschaftliche Umfeld provoziert, in welchem jeweilig mit allen Mitteln um Macht und entsprechende Interessen gekämpft wird. Und darüber hinaus ist die Clownerie nicht immer das, was sie oberflächlich betrachtet zu sein scheint. Vor allem auch die Gegner von Putin z.B. hören sich im Verhältnis zu ihm regelrecht martialisch an. Schon mal Berdjajew gelesen? Den ließt Putin auch. Ist was ganz anderes! Da haben die Russen einen echten geistigen Visionär, der seinesgleichen sucht. Das anzuerkennen, bedarf es aber, daß man bereit ist, aus der Enge der nur sichtbaren Welt in die geistige bewußt hinauszutreten. Der Mensch ist nicht nur geistig im rein säkularen Sinne. Die Wahrheit ist primär nicht säkular. Das Säkulare ist das Abgeleitete. Usw. usf.

    Ansonsten bin ich sofort dabei, den Kapitalismus abzuschaffen oder zumindest offensiv diesen in Frage zu stellen. Wie R. Kurz sinngemäß richtig sagte, ist dieses gesellschaftliche System eine Zumutung bzw. der Kapitalismus ist eine absolute Zumutung! Aber das wissen die Menschen in der Regel leider immer noch nicht, vor allem nicht hier im korrumpierten Wohlstandswesten. Auch das sollte man bei aller Kritik an den politisch Verantwortlichen nicht außer Acht lassen.

    Habe mich letzten über ein Graffiti an einer Häuserwand gefreut. Es stand geschrieben: Der westliche Wohlstand kotzt mich an!

  8. 8 Dirkneu meinte am 20. Juli 2018, 09:24 Uhr

    Nachtrag: Und z.B. das russische Eingreifen in Syrien (völkerrechtlich gedeckt – wissenschaftlicher Dienst des Bundestages) mit der Internationalen Allianz des US-Westens auf eine Stufe zu stellen wäre auch noch mal ein Thema. Da sind die Fronten eh verhärtet, wenn gefühlte Abneigungen das Sagen haben. Ich bin der Ansicht, das der Wertewesten über seine Stellvertreter und auch direkt Syrien übel mitgespielt hat. Da kann ich schon verstehen, daß viele Syrer (auch wenn dies hierzulande medial völlig unterbelichtet bleibt) die Russen als Befreier betrachten und dankbar sind. Auch hier usw. usf.

  9. 9 JuergenF meinte am 21. Juli 2018, 20:40 Uhr

    Danke, Dirkneu, das waren aus meiner Sicht notwendige Korrekturen.

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