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Let’s Atomize!

18 Okt 2016

Angesichts der krisenbedingt eskalierenden geopolitischen Spannungen droht ein verheerender nuklearer Großkrieg

von Tomasz Konicz

Es ist die Banalität der nuklearen Apokalypse: Als ob es sich um den Wetterbericht handeln würde, wird in Medien und Politik über einen drohenden Großkrieg, über einen nuklearen Schlagabtausch zwischen Ost und West debattiert.

Die Vereinigten Staaten und Russland würden sich auf den „Weltuntergang“ vorbereiten, betitelte jüngst die Webpräsenz der US-Zeitschrift Foreign Policy einen Bericht, der die Aufkündigung eines nuklearen Abrüstungsabkommens durch Russland thematisierte. Die USA verfügen über 88 metrische Tonnen waffenfähiges Plutonium, woraus sich gut 22.000 neue Atomsprengköpfe fertigen ließen. Russlands Vorräte sollen sich auf 128 metrische Tonnen belaufen. Dieses Material wird nun nicht – wie vertraglich vereinbart – entsorgt werden.

Derzeit verfügten die Vereinigten Staaten über rund 4.500 Nuklearwaffen, so Foreign Policy, wobei Russland über ein ähnliches Arsenal verfügen solle. Dieses Vernichtungspotenzial scheint den „Militärisch-Industriellen-Komplexen“ beider Großmächte somit nicht mehr auszureichen. Bei der drohenden Weltvernichtung will man offensichtlich in Ost wie West auf Nummer sicher gehen, weswegen schon seit längerer Zeit auch die Modernisierung der nuklearen Massenvernichtungswaffen global forciert wird (Welt vor neuem Weltkrieg?). Und da ist ja noch Luft nach oben: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges verfügten USA und Sowjetunion jeweils über mehr als 30.000 Nuklearwaffen.

Großkriegsszenario wird durchgespielt

In Russland wird inzwischen offen über einen nuklearen Schlagabtausch mit den USA debattiert. Während in den Staatsmedien Szenarien eines Atomkrieges diskutiert werden, zu dem der komplexe Mehrfrontenkrieg in Syrien eskalieren könnte, leiteten die russischen Behörden erste Vorsichtsmaßnahmen ein.

Seit September wurden russlandweit umfassende Zivilschutzübungen durchgeführt, an denen rund 40 Millionen Menschen teilnahmen. Bei Militärübungen in Südrussland wurde ein Großkriegsszenario durchgespielt, während der Gouverneur von St. Petersburg die Lebensmittelrationen bekannt gab, die im Fall eines Krieges an die Bevölkerung verteilt würden (300 Gramm Brot täglich).

Auch der Politclown des Kreml, der für seine Eskapaden bekannte Vladimir Schirinowski, spielte jüngst mit dem Weltuntergang: Die Amerikaner sollen Trump wählen oder sich auf einen Atomkrieg vorbereiten, polterte der vom Kreml tolerierte Ultranationalist.

Das amerikanische Raketenabwehrsystem

In Reaktion auf die provokative Aufstellung einer US-Raketenabwehr in Polen und Rumänien – direkt an Russlands Grenze – hat der Kreml zudem angekündigt, seine Atomraketen nach Kaliningrad zu verlegen, um westeuropäische Städte binnen weniger Minuten ausschalten zu können.

Überdies haben nun Russland und China angekündigt, bei der Suche nach Strategien und Methoden zu kooperieren, mit denen die US-Raketenabwehr umgegangen werden kann. Das amerikanische Raketenabwehrsystem wird nicht nur von Moskau, sondern auch von Peking als eine strategische Bedrohung der nuklearen Abschreckungsfähigkeit erkannt.

Trump und Clinton

Auch in den USA wird das Thema inzwischen debattiert, wenn auch vor allem im Kontext des zu einer reinen Schlammschlacht degenerierten „Wahlkampfes“ zwischen dem Halbfaschisten Trump und der Establishment-Kandidatin Clinton, die nur mittels massiver Wahlmanipulationen den linken Mitbewerber Bernie Sanders aus dem Feld schlagen konnte (USA: Die vertane letzte Chance).

Die Auseinandersetzung dreht sich hierbei um die Frage, welcher der beiden Kandidaten die größere Gefahr darstellt und eher geneigt sein würde, auf den großen roten Knopf zu drücken. Vor wem muss also der Wähler mehr Angst haben?

Der New Yorker sieht dabei den psychisch labilen Frauenfeind Donald Trump klar in Führung, da dieser bereits mehrfach ankündigte, notfalls Atomwaffen einsetzen zu wollen. Trump weise „eine große Nähe zum nuklearen Knopf“ auf, so der New Yorker. Berichten zufolge solle Trump bei einer Besprechung mit Außenpolitikexperten gefragt haben, wieso die USA nicht ihre Atomwaffen einsetzten, wenn sie über diese schon verfügten.

Die im US-Wahlkampf marginalisierte Präsidentschaftskandidatin der Grünen Partei, Jill Stein, sieht hingegen in Hillary Clinton das größere, nukleare Übel. Die als „Falke“ eingeschätzte und von konservativen Kräften gestützte Clinton sei „angsteinflößender“, so Stein, da die ehemalige First Lady bereit sei, mit Russland einen „Luftkrieg“ um und in Syrien zu beginnen. Unter Clinton könnten die USA sehr schnell „in einen Nuklearkrieg wegen ihrer Syrienpolitik hineinschlittern“, so Stein wörtlich.

Russisches Roulette in Syrien

Die wachsende Gefahr eines großen Krieges zwischen den USA und Russland resultiert derzeit aus der Eskalation in Syrien, wo eine nahezu unentwirrbare Verflechtung von Interessen kaum ohne massiven Machtverlust einer oder mehrere Konfliktparteien überwunden werden könnte.

In gewisser Weise ist in Syrien die unipolare Weltordnung bereits aufgehoben – die Hegemonie der USA ist hier schon Geschichte. Neben Russland, das erfolgreich seine militärischen Kapazitäten demonstriert und das amerikanische Monopol auf imperiale Gewaltanwendung in der Region bereits gebrochen hat, verfolgen auch die Regionalmächte wie die Türkei, der Iran und Saudi Arabien ihre eigenen Ziele in der Region.

Russland bemüht sich in Kooperation mit dem Assad-Regime und dem Iran zurzeit, möglichst große militärische Geländegewinne vor den Präsidentschaftswahlen zu erringen, um die künftige Administration vor vollendete Tatsachen zu stellen und dem syrischen Regime eine möglichst gute Ausgangsbasis für Verhandlungen zu verschaffen. Das Kalkül des Kreml ist klar: Die „lahme Ente“ Obama werde eine Eskalation des Konflikts in Syrien so kurz vor dem Urnengang nicht wagen.

Dieses russische Roulette des Kreml könnte nach hinten losgehen. Wie Reuters jüngst meldete, finden in Washington gerade Beratungen darüber statt, ob nicht doch eine militärische Eskalation in Syrien gesucht werden müsse, um Washingtons schwindenden Einfluss im Mittleren Osten wiederherzustellen.

Demnach gebe es Planspiele, das Militär und die Milizen des syrischen Regimes anzugreifen. Russland hat wiederum ausdrücklich davor gewarnt, die syrischen Regimekräfte anzugreifen. Während also in Russland nukleare Bedrohungsszenarien hochgekocht werden, überlegen die USA, ob sie die von Russland aufgestellten „roten Linien“ in Syrien bewusst überschreiten sollen. Genau so werden Weltkriege vom Zaun gebrochen.

Ozeanien gegen Eurasien

Es stellt sich die Frage, wieso beide Seiten diese Konfrontation suchen? Wieso spielt man in Washington und Moskau wieder mit der Option eines nuklearen Schlagabtauschs, also letztendlich mit der Weltvernichtung? Es geht dabei nicht in erster Linie um ein tyrannisches und massenmörderisches Regime in Damaskus, oder um einige islamistische Kopfabschneiderbanden im Sold der CIA – Syrien ist nur der aktuelle Brennpunkt eines globalen Kampfes um die Hegemonie im spätkapitalistischen Weltsystem.

Die im imperialen Abstieg befindlichen Vereinigten Staaten sind bestrebt, ihre rasch erodierende hegemoniale Stellung durch eine globale Eindämmungsstrategie zu verteidigen, während die „eurasischen“ Großmächten Russland und China bemüht sind, die USA zu beerben.

Ein eurasisches Machtsystem soll an die Stelle der schwindenden US-Hegemonie treten – dies ist die Vision, die insbesondere von Moskau forciert wird. Deswegen war der Kreml bemüht, dieser strategischen Zielsetzung etwa mit der Gründung einer etliche postsowjetische Staaten umfassenden Eurasischen Union näherzukommen.

Washington reagierte auf diese Herausforderung mit dem Versuch, diesem von Moskau und Peking forcierten Eurasien ein Bündnissystem entgegenzusetzen, dass ruhig als Ozeanien bezeichnet werden könnte. Über beide Ozeane – den Atlantik wie den Pazifik – hinausgreifend, sollte ein globales geopolitisches Bündnissystem geschaffen werden, dass durch umfassende Freihandelsabkommen (Mit TTIP zurück in die imperiale Vergangenheit) flankiert würde.

Das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP sollten West- und Mitteleuropa in der „atlantischen“ Einflusssphäre Washingtons halten und Russland isolieren, während die Transpazifische Partnerschaft TTP eine Eindämmungsstrategie gegenüber China verfolgte, bei der die südlichen und östlichen Anrainer der Volksrepublik eingebunden werden sollten. Mittels dieses „ozeanischen“ Bündnissystems wollte Washington die geopolitische Machtentfaltung der eurasischen Herausforderer seiner schwindenden Hegemonie blockieren, sowie eine substanzielle Verschiebung der ökonomischen Potenzen verhindern, die den „Westen“ in eine strategische Schieflage brächten.

Dieser geopolitische und wirtschaftspolitische Kampf hat schon längst auch eine militärische Dimension angenommen. Derzeit sind es – neben dem syrischen Brandherd – auch die Auseinandersetzungen in Südostasien, konkret im Südchinesischen Meer, das von Peking de facto annektiert wird, die mit militärischen Drohgebärden und einem lokalen Rüstungswettlauf einhergehen (Containment oder Eskalation?).

Die USA unterstützen dabei die lokalen Gegenspieler Pekings – wie etwa Vietnam oder Japan – um hierdurch die intendierte Isolation Chinas zu realisieren. Mit mäßigem Erfolg, wie das Ausscheiden der Philippinen aus der antichinesischen US-Front beweist.

Es ist übrigens das sich immer deutlicher abzeichnende Scheitern dieser US-Strategie, das in Washington den imperialistischen Falken, die eine Eskalationsstrategie befürworten, Auftrieb verschafft. Der erste „heiße“ Konflikt dieses eurasischen „Great Game“ fand in der Ukraine statt (Ost oder West?).

Das Kalkül in der Ukraine

Bei der Intervention des Westens in dem krisengebeutelten osteuropäischen Land – bei der die „liberalen Demokratien“ sich wenig wählerisch faschistischer Sturmtruppen („Ukraine über Alles!“) bedienten – ging es in erster Linie um geostrategische Interessen. Die damalige ukrainische Führung unter dem ostukrainischen Oligarchen Janukowitsch hat sich entschlossen, im Gegenzug für Krisenkredite und verbilligte Energieträger in der russischen Einflusssphäre aufzugehen und der vom Kreml forcierten Eurasischen Union beizutreten. Das Ziel des westlichen „Regime Change“ war somit rein destruktiv: eine Einbindung der Ukraine in die Eurasische Union sollte verhindert werden.

Hierbei waren sich Washington und Berlin – die beide unterschiedliche ukrainische Oppositionskräfte unterstützten – zuerst durchaus einig. Für Merkel und Schäuble ging es vor allem darum, das Aufkommen eines lokalen Konkurrenten zum deutschen Austeritäts-Europa zu verhindern, der für die krisengeplagte europäische Peripherie – der Schäuble ein desaströses Sparregime oktroyierte – eine gangbare Bündnisalternative dargestellt hätte.

Eskaliert wurden die Auseinandersetzungen in Kiew aber maßgeblich von Washington, dass eine weitergehende Zielsetzung als Berlin verfolgte. Das US-Kalkül in der Ukraine zielte nicht nur darauf ab, die Eurasische Union Putins zu schädigen, überdies sollte durch die Eskalation in der Ukraine ein Keil zwischen Berlin und Moskau getrieben werden, um eine strategische Kooperation zwischen beiden Ländern zu verhindern.

Während die Spannungen zwischen Russland und der deutsch dominierten EU zunehmen, sollte Westeuropa mittels des Freihandelsabkommens TTIP in der geopolitischen Umlaufbahn Washingtons verankert werden. Auch dieses Kalkül Washingtons scheint – nach dem offensichtlichen Scheitern von TTIP – nicht aufgegangen zu sein. Sowohl in Europa wie auch in Fernost scheint die „ozeanische“ Eindämmungsstrategie Washingtons gegenüber Eurasien zu scheitern. Ozeanien wird wohl eine Fiktion bleiben.

Krise und Krieg

Genau deswegen steigt die Kriegsgefahr. Die Vereinigten Staaten sind de facto dazu verdammt, ihre Stellung als Welthegemon mit allen Mitteln zu halten – oder in einer schweren Wirtschaftskrise zu versinken. Die USA sind bekanntlich über die Maßen verschuldet, wobei es eigentlich nur einen einzigen fundamentalen Unterschied zwischen den Vereinigten Staaten und Schuldenländern wie Griechenland oder der Ukraine gibt: den US-Dollar als Weltleitwährung, als Wertmaß aller Waren auf globaler Ebene, in dem sich die USA durch Gelddruckerei verschulden können.

Dies ist eine Option, die etwa der Kiewer Führung während der Wirtschaftskrise 2013 nicht offenstand, da dies einfach nur zum Wertverlust der ukrainischen Währung gegenüber der Weltleitwährung US-Dollar geführt hätte.

Der Kampf Washingtons gegen Eurasien ist somit der Kampf um Stellung des US-Dollar als Weltleitwährung, der ja den ökonomischen Kern der amerikanischen Hegemonie bildet. Die Vereinigten Staaten müssen das Aufkommen eines konkurrierenden Wirtschaftsraumes verhindern, der das ökonomische Gewicht mit sich brächte, den US-Dollar als Weltleitwährung zu verdrängen. Der hoch überlegenen US-Militärmaschinerie würde in einem solchen Fall schlicht das Geld ausgehen. Eine eurasische Wirtschaftsunion wäre hierzu – zumindest hypothetisch – durchaus in der Lage.

Dennoch findet bei dem eurasischen Great Game keine bloße „Auswechslung“ des Welthegemons statt, da die eurasischen „Herausforderer“ der USA sich ebenso in einer tiefen Krise befinden wie die Vereinigten Staaten. Offensichtlich ist dies im Fall der exzessiv verschuldeten Volksrepublik China, deren Führung nur mittels massiver staatlicher Interventionen bisher den Kollaps der diversen Spekulationsblasen auf den Immobilen- und Aktienmärkten verhindern konnte.

Die Spekulationsexzesse auf dem chinesischen Immobiliensektor übersteigen inzwischen den amerikanischen Immobilienwahn, der 2008 platzte. Aller Akrobatik des staatlichen Krisenmanagements zum Trotz werden auch diese Blasen irgendwann die chinesische Realwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Auch das von Sanktionen und niedrigen Energieträgerpreisen geplagte Russland befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise.

Die hohen Schuldenberge der USA sind nur Teil einer globalen Verschuldungsorgie die auf die tiefe systemische Krise der Warenproduktion des gesamten kapitalistischen Weltsystems verweist(Die Krise kurz erklärt). Diese latente Krisis ist mit dem Platzen der transatlantischen Immobilienblasen in Amerika und Westeuropa ab 2008 in ein manifestes Stadium getreten.

Die beständig wachsenden Schuldenberge, die viel schneller anschwellen als die globale Wirtschaftsleistung, sind Folge einer grundlegenden Überproduktionskrise der realen Wirtschaft, die an ihrer Produktivität erstickt. Nur noch auf Kredit kann eine Nachfrage hergestellt werden, die zumindest eine Zeit lang noch die zombiehafte Illusion von gelingender Kapitalakkumulation aufrechterhalten kann. Der Kapitalismus verfeuert seine Zukunft in Form des Kredits auf den beständig wuchernden und blasenbildenden Finanzmärkten, weil er keine Zukunft mehr hat.

Dieser scheiternde Strukturwandel kapitalistischer Warenproduktion, der ein neues, massenhaft Lohnarbeit verwertendes Akkumulationsregime fehlt, lässt die Krisenkonkurrenz eskalieren – auch und gerade zwischen den Staatsapparaten. Parallelen können hier zur Vorkriegszeit in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gezogen werden, als die Weltwirtschaft nach dem Finanzkrach von 1929 in einer schweren Systemkrise versank.

Das „neue“ Fordistische Akkumulationsregime (Massenmotorisierung), das dem Kapitalismus in den 1950ern und 1960ern sein „Goldenes Zeitalter“ (Hobsbawn) verschaffte, erfuhr gerade in der totalen Mobilisierung während des Zweiten Weltkrieges seinen Durchbruch. Die kapitalistische „Nachkriegsprosperität“ fußte auf den Leichenbergen des Zweiten Weltkriegs, nach dessen Ende es de facto keine Demobilisierung gab: Die massenhafte Kriegsproduktion von Panzern ging in die Massenproduktion von Autos über.

Dieser massenmörderische Krisenausweg ist dem Kapitalismus diesmal durch das akkumulierte Vernichtungspotenzial (Atomwaffen) und das allgemein hohe Produktivitätsniveau versperrt. Dennoch steigt die Kriegsgefahr. Konfrontiert mit kriegsbedingt zunehmenden inneren Widersprüchen und Verwerfungen, gehen die spätkapitalistischen Staatsapparate dazu über, in der zunehmenden geopolitischen Konkurrenz die Krisenfolgen auf andere abzuwälzen.

Die inneren Widersprüche sollen durch äußere Expansion kompensiert werden. Die geopolitische Lage ist somit gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, da die Crisis allen neoimperialen Akteuren im Nacken sitzt und sie in eine letztendlich irrationale imperialistische Aggression treibt.
Aus: Telepolis 17.10.2016

8 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 kahalla meinte am 19. Oktober 2016, 16:00 Uhr

    Eine interessante Analyse des aktuellen Welt-Machtpokers.
    Ich danke für das Wühlen im Schmutz der Großmächte, etwas das ich selbst nur ungern tun würde, da mir dabei sämtliche Hoffnung auf etwas mehr Hirn in den oberen Etagen der Menschheit verloren ginge.
    Folglich sind Menschenrechte, Umweltschutz, also der Schutz unserer Lebensgrundlagen nur Augenwischerei?
    Die schöne Vision eines geordneten Weltgeschehens die uns amerikanische Serien (hier: Star Trek) durchaus ambitioniert vorschlagen nur Folklore?
    Geht es immer nur um die Idioten die den Hals nicht voll genug kriegen?
    Wieso werden diese und andere Visionen nicht auf Machbarkeit geprüft (Es geht hier nicht um den Warpantrieb, sondern um die gesellschaftlichen Implikationen) und ernst genommen?
    Wieso wird kein zukunftsfähiges System entwickelt, das uns allen ein Zusammenleben in Frieden und Freiheit ermöglicht? Ohne Hegemone, deren Hirne in der dünnen Höhenluft ihrer Sphären den Erstickungstod gestorben sind und die wie menschliche Zombies ihre „Strategien“ aus der untersten Instinktschublade zaubern. Da können wir Herrn Trump dankbar sein dass er ungefiltert die Psyche eines Machtmenschen in die Nachrichten schreit. Ich gehe davon aus, dass dieser seltsame Superheld nur ein Spiegel der anderen Milliardärs- und Machtpolitiker ist.
    Wir können Utopien entwickeln und sie Unterstützen. Nicht weltweit, sondern lokal. Das müssen wir sogar, wenn wir nicht wieder einen unkontrollierbaren Machtapparat erschaffen wollen, der sich zum Selbstzweck hin aus der Verantwortung stiehlt und einzig die Macht behalten will, die Welt nach seinem Größenwahn zu gestalten.

    Und bitte, ich habe schon so viel über „wohltuenden Wettbewerb “ gehört. Bitte ersinnt kooperative Modelle, Modelle deren Effizienz nachhaltig und umfassend ist.

    Es wird wirklich Zeit, Utopien ernst zu nehmen. Es ist an der zeit, Politikern, die nur noch ihr eigenes Süppchen kochen und Konzernen, die nur noch Steuergelder einheimsen und dies als Wirtschaftserfolg feiern, den Stuhl vor die Tür zu setzen. Und das überall auf der Welt. Eine Präsidentenwahl mit 0% Wahlbeteiligung, eine Bundestagswahl mit 0% Beteiligung, Strafanzeigen gegen Kriegstreiber, egal welches Amt sie bekleiden…. etc.

  2. 2 Heinz Göd meinte am 21. Oktober 2016, 09:25 Uhr

    „Als ob es sich um den Wetterbericht handeln würde, wird in Medien und Politik über einen drohenden Großkrieg, über einen nuklearen Schlagabtausch zwischen Ost und West debattiert.“

    Die Reichen&Mächtigen haben an einem großen Krieg, der in einen Atomkrieg ausartet, kein Interesse, weil
    a.) das Leben in einem luxuriösen Atombunker schlechter ist als auf einer Yacht unter freiem Himmel
    b.) die VersorgungsEinrichtungen des Bunkers möglicherweise von der empörten und wütenden übriggeblieben Bevölkerung sabotiert werden könnten
    c.) die Reichen&Mächtigen beim Herauskriechen aus dem Bunker wahrscheinlich von der übriggeblieben Bevölkerung _sehr unfreundlich_ empfangen werden.
    d.) die Reichen&Mächtigen wahrscheinlich ihr ganzes oberirdische Vermögen durch den Krieg verloren haben –
    In der Villa haben sich andere eingenistet, die Yacht wurde von anderen gekapert, das Bankkonto wertlos bzw. die Bank gibt es nicht mehr, die Aktien wertlos …
    Es gibt also für die Reichen&Mächtigen nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren:
    Daher können wir mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit einen Atomkrieg ausschließen.

    Viel eher wird es viele kleine begrenzte Kriege geben, vor allem Stellvertreterkriege. Die U$A werden wahrscheinlich versuchen, so ziemlich alle an Russland und China angrenzenden Staaten zu destabilisieren.
    Viele kleine Kriege sind durchaus im Interesse der Reichen&Mächtigen und auch der kapitalistischen Industrie.
    Krieg bringt rasenden Verbrauch während des Krieges und des Wiederaufbaues und ist daher _das_ Konjunktur-Programm für den Kapitalismus.
    ‚Krieg gegen den Terror‘ ist für die internationalen FinanzMächte ein todsicheres Geschäft, ohne das Risiko eines Atomkrieges.
    Die Waffenindustrie muss laufen, damit die dort Beschäftigten ihren Lebensunterhalt verdienen können.
    Der Staat kann für eine Zeitlang die produzierten Waffen beim eigenen Heer unterbringen und lagern. Wenn die Lager voll sind, dann muss er die Waffen irgendwie loswerden. Einfach verschrotten widerspricht der kapitalistischen Ideologie – also werden die überschüssigen Waffen verscherbelt. Und von Zeit zu Zeit ein Krieg angefacht, damit das alles kontinuierlich läuft.
    Das ist einer der vielen SystemFehler des derzeitigen Systems.
    Solange die Menschen nicht einsehen wollen, dass das derzeitige System untauglich ist, solange wird sich auch nichts zum Guten wenden.

    @kahalla
    „Bitte ersinnt kooperative Modelle, Modelle deren Effizienz nachhaltig und umfassend ist.“
    Ja, die Zeit ist überreif für ein neues Gesellschafts- und Wirtschafts-System.
    Dazu gibt bereits Vorschläge, eine Zusammenstellung auf
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html

  3. 3 Knut Hüller meinte am 1. November 2016, 14:18 Uhr

    @kahalla
    „Und bitte, ich habe schon so viel über ‚wohltuenden Wettbewerb‘ gehört. Bitte ersinnt kooperative Modelle, Modelle deren Effizienz nachhaltig und umfassend ist.“

    ‚Kooperation‘ verträgt sich nicht mit Geldwirtschaft. Deren (negative) Abschaffung ist die zwingende Voraussetzung für die Entwicklung von IRGENDETWAS positivem geworden.

    Warum? Im Tausch wird nichts erzeugt, sondern nur bestehendes verteilt. Das Denken in einem auf Geld und Lohnarbeit basierenden System fokussiert sich deshalb unvermeidlich darauf, das eigene Wohl auf Kosten des Wohls anderer zu verfolgen. Wer dabei einen Schnitt macht und wer unter die Räder kommt, bestimmt der Tauschwert (meistens ‚Preis‘ genannt), etwas rein quantitatives. Die Ökonomen haben endlose Schriften darüber verfaßt, was der ‚richtige‘ Tauschwert bzw. Preis wäre, ohne aber das zwingend zugehörige ‚für wen‘ zu formulieren oder wenigstens zu denken. Heute liest man in der Wirtschaftspresse regelmäßig, daß ‚die Erlöse steigen‘ (positiv) oder ‚die Kosten steigen‘ (negativ),ohne daß auch nur einmal reflektiert wird, daß beides zwei Seiten derselben Medaille sind.

    Auf diese Weise gerieten von Beginn an die destruktiven Folgen des permanenten Kampfes aller gegen alle aus dem Blickfeld, von der untersten Ebene bis zur höchsten. Schon Adam Smith konnte sich nur einen Wohlstand der (miteinander kämpfenden) Nationen vorstellen, keinen ‚Wohlstand der Menschheit‘ – obwohl doch der Kapitalismus angeblich ‚für alle‘ das Beste ist.

  4. 4 Knut Hüller meinte am 1. November 2016, 14:25 Uhr

    @Heinz Göd
    Ich habe mich vom Link in ihrem Beitrag bis dahin durchgeklickt.
    http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/36.html

    Es geht dort ums bedingungslose Grundeinkommen und man stößt schon nach 20 Zeilen auf die entscheidende Verirrung dieser und ähnlicher Debatten: „Die Frage, wie hoch das BGE pro Bürger und Monat sein soll, trifft auf einen mittelgroßen Sack unterschiedlichster Antworten, die in der Hauptsache in der Bandbreite von 400 bis 1.500 Euro angesiedelt sind.“

    Statt ‚mehr‘ bzw. ‚weniger‘ (als was?) muß ‚genug‘ (für ein vordefiniertes Ziel) das Kriterium werden, d.h. qualitatives statt quantitativem. Heute gilt ‚mehr‘ als wichtigstes Ziel und damit als (einzige) Qualität, obwohl jedes Quantifizieren an sich (ohne Bezug auf etwas anderes) völlig sinnlos ist. Überlegen Sie dazu mal, ob 1kg Eisen ‚viel‘ ist bzw. ob ein Kilogewicht ’schwer‘ ist.

    Der weitere Text spricht dieses Problem (Kriterien und Grenzen für die Bemessung eines BGE) zwar an, aber immer innerhalb eines Vergleichs mit den heutigen Verhältnissen, wo Waffenproduktion gleichermaßen ‚Einkommen‘ erzeugt und zum BIP beiträgt wie Wohnungs- oder Lebensmittelproduktion, und wo auf der Entscheidungsebene ‚Geld‘ beides gleichberechtigt (keine Ironie!) miteinander konkurriert. Genau davon müssen wir herunter.

  5. 5 Heinz Göd meinte am 2. November 2016, 14:08 Uhr

    @Knut Hüller

    Danke für Ihre Rückmeldung.
    Sie schreiben bei @kahalla:
    „‚Kooperation‘ verträgt sich nicht mit Geldwirtschaft. Deren (negative) Abschaffung ist die zwingende Voraussetzung für die Entwicklung von IRGENDETWAS positivem geworden.“
    Ja, volle Zustimmung.
    Geldlose Modelle sind:
    ‚2069‘
    BedürfnisorientierteVersorgungswirtschaft
    Peer-Economy

    Sie schreiben:
    „Statt ‚mehr‘ bzw. ‚weniger‘ (als was?) muß ‚genug‘ (für ein vordefiniertes Ziel) das Kriterium werden, d.h.
    qualitatives statt quantitativem.“
    Meines Erachtens einwandfrei richtig.
    Was ist ‚genug‘, das ist die eine Frage beim BedingungslosenGrundeinkommen(BGE), die nächste Frage ist
    dann die Finanzierung – und dafür habe ich bis jetzt noch keine überzeugende Lösung im www gefunden.
    Mir scheint in Kreutzers Artikel die Erkenntnis wichtig, dass er die Rolle von ‚Grund und Boden‘ erkennt und daraus das ‚wahlfreie Grundeinkommen‘ ableitet.
    Wie in meiner Titelzeile geschrieben, kann ich nicht beurteilen, was wirklich richtig ist und das Anliegen dieser Ideensammlung ist, die Ideen bekannt zu machen, damit sich entsprechend viele Menschen damit befassen
    können. Da es mehrere Lösungsvorschläge gibt, kann sich jeder den heraussuchen, der ihm am besten zusagt. Falls der ‚richtige‘ noch nicht dabei ist, dann müssen wir eben weitersuchen. Meiner Überzeugung nach werden die Menschen in der Breite mitdenken müssen, von den Politikern erwarte ich keine Lösung.
    Freundliche Grüße
    HG

  6. 6 Holger Roloff meinte am 4. November 2016, 19:25 Uhr

    @Heinz Göd

    Danke für die Links!!! An geldlosen Modellen wären noch die COMMONS / das COMMONING zu ergänzen:
    http://www.hauptsache-commons.de

    Das so etwas ansatzweise praktisch funktioniert, wird an einem konkreten Beispiel im Zusammenhang mit dem fiktiven MINISTERIUM FÜR GLÜCK UND WOHLBEFINDEN beschrieben – hier:
    http://www.hh-violette.de/ministerium-fuer-glueck/

    Das beste BGE-Modell – als weiterer möglicher Übergangschritt vom heutigen Kapitalismus zu einem geldlosen System – wäre eines, welches bereits konsequent wertschöpfungsunabhängig entsteht – durch eine Lebensgeldschöpfung per Monetative.

    Was es bräuchte, um Kapitalismus zu überwinden, ist das Einführen neuer Prinzipien:

    1. Beitragen anstatt verwerten!

    2. Teilen anstatt tauschen!

    3. Ressourcenwirtschaft anstatt Marktwirtschaft!

    Das alles existiert bereits plausibel dargestellt in einem Konzept:
    http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2013/11/Wirtschaftsvision_Die-Violetten_Okt.2013.pdf

    Was derart denkbar ist, ist auch machbar. Die Frage ist also nur, ob die Gesellschaft es will, oder an der alten Illusion „Reichtum“ festhält. Wohin das führt sehen wir ja leider…

  7. 7 Heinz Göd meinte am 9. November 2016, 11:44 Uhr

    @Holger Roloff
    Danke für die Links!
    Habe die Links in meine Homepage übernommen:
    http://www.members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
    (ganz oben bei ‚Ganzheitliche Ansätze‘)
    http://www.members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/LinksD.html
    (ganz oben bei ‚Alle Themen‘)
    Hoffe es passt so; wenn nicht, dann bitte um Rückmeldung.
    Freundliche Grüße
    HG

  8. 8 Tom meinte am 27. Dezember 2016, 14:29 Uhr

    Der Autor hat sich inzwischen mit einen desaströsen Phamplet gegen Sahra Wagenkecht..indem er ihr vorwirft Nationalsozialistin zu sein und mit Donald Trump zu sympatisieren(nur weil sie ihn ironischerweise erwähnte in einer Bundestagsrede) soweit diskreditiert das ich in Zukunft weder seine Bücher kaufen noch seine Artikel lesen werde.Das was er auf Telepolis abgeliefert hat ist eine intellektuelle Bankrotterklärung.Den Streifzügen würde ich empfehlen mal nachzuprüfen ob sie sich nicht ein Anti-Deutsches U-Boot eingehandelt haben mit Konicz..den seine Logikette gleicht der eines Justus Wertmüllers.

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