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Präpotenz der Ohnmacht

01 Nov 2000

Ausführliche Replik zu Stephan Grigats „Positive Postpolitik“ (Streifzüge 2/2000)

Streifzüge 4/2000

von Franz Schandl

Anspruch meiner Publizistik ist eigentlich der, auf der inhaltlichen Ebene implizite Kritik zu leisten, und nur, wenn es sich nicht vermeiden läßt, sie als explizite, auf eine Person bezogene, vorzubringen. So ist es ziemlich fragwürdig, ob man jedem Angriff ein Contra geben soll, weil diese Art von „Schlagabtausch“ möglicherweise wie eine dieser radikallinksmännlichen Gockeliaden wirkt und eher Aversion als sonstwas hervorruft. Es beschleicht einem das Gefühl, daß dabei mehr Markierungen hinterlassen als Akzente gesetzt werden.

Außerdem bin ich sowieso der letzte, der sich beschweren könnte, in den Streifzügen zu wenig Platz zu haben. Im Prinzip gehe ich davon aus, daß die Leser meiner Argumentation folgen können, auch wenn sie sie nicht teilen. Nicht nur deswegen habe ich mich stets zurückgehalten, selbst wenn mir das nicht immer leicht gefallen ist. Zurückhaltung ist zwar vornehm, sich jemanden vorzunehmen aber auch nicht zu verachten. In diesem Fall dient die Auseinandersetzung auch der weiteren Präzisierung.

Stephan Grigats Beitrag verfährt nach dem Motto „Was nicht sein darf! “ und ich verfahre nach der Devise, daß quasireligiöse Formen des Verhaltens meine Sorge nicht sind. Orthodoxie, welche auch immer, ist der Schweißfuß sozialer Kommunikation. Der ist zweifellos dann nötig, wenn man wissen will, ob da einer nach uns riecht, ob wir also einen riechen können oder nicht. Anderen wiederum stinkt das gewaltig. Der Katechismus des Nichtdürfens funktioniert jedenfalls nach dem Prinzip der Gebote. Da ist es besser, Ketzer zu bleiben.

Ein bißchen duftet mir seine Replik nach einer für Grigat notwendigen und daher gleich selbst ausgestellten Liniennachweisbescheinung. Was könnten die antideutschen Freunde in Deutschland sagen, wenn man solcherlei durchgehen läßt? Nun, ein Zertifikat festgehaltener Differenz ist auch dieses Papier. Er ist nicht ich. Sehr wohl aber ist meine Gliederung seiner nachgestaltet (I=I). Die beiden Aufsätze können parallel gelesen werden, was ich auch empfehle.

Schriftliche Debatten erscheinen manchmal um vieles heißer als sie sind. Das hängt damit zusammen, daß Autoren sich nicht nur schlicht positionieren, sondern auch pointieren und sich zu inszenieren verstehen. Schließlich will man am Markt der intellektuellen Eitelkeiten gut da stehen. Dadurch entstehen unter anderem falsche Eindrücke, vor allen, was die Schärfe des Streits betrifft. Mein Verhältnis zu Stephan Grigat ist kein schlechtes, ja nicht einmal ein getrübtes oder gereiztes. Das er mich manchmal nervt, will ich ihm zugestehen wie umgekehrt. Bisher ist er mir nicht als ungenießbar aufgefallen. Was ein ausgesprochenes Kompliment ist. Müßte ich ihm etwas ins „Stammbuch“ schreiben, dann würde ich ihm empfehlen, folgenden Satz von Seneca zu beherzigen: si vis amari, ama!

I.

Auffällig am Grigatschen Text ist, daß er sich mit den zentralen Aussagen meines Beitrags (Zweiheit von Theorie und Praxis, Kritik bürgerlicher Kommunikationsformen, Aufruf zum Experiment) kaum oder eigentlich gar nicht befaßt. Dafür unterstellt er gleich eingangs, daß ich eine Praxis vertrete, die „nicht mehr sagt, was warum ist“, ohne auch nur eine Begründung dafür anführen zu können. Immer wieder werde ich verdächtigt, daß Kritik zurückgenommen wird, wobei Grigat sich Kritik anscheinend nur als „Unversöhnlichkeit“, „Rücksichtslosigkeit“ und überhaupt als „Front“ vorstellen kann. Die „anderen“ sind demnach als Feinde oder – wenn sie sich entsprechend entwickeln – Deserteure auszumachen. Dem ist nicht zu folgen. Die Einteilung der Welt in Gesellschaftskritiker hier und Warenmonaden dort, will mir als Realität so nicht in den Kopf. Sie erinnert mich vielmehr an Lenins Scheidung in „bürgerliche oder sozialistische Ideologie. Ein Mittelding gibt es nicht. „[1] Jene wie diese sind hochgradig identitätsfixiert: Die da und wir da.

Wo Grigat vom „Aufweichen der Trennungslinie“ warnt, dort sehe ich die krummsten und sich stets ändernden Kurven und wirrsten Verschachtelungen, die viele Klarheiten vermissen oder verschwimmen lassen, die weiters auf Akzentuierungen und Gesichtspunkte verweisen, die man theoretisch und praktisch erst auf die Reihe kriegen muß. Unterschiedliche Bewußtseinsebenen und

-niveaus demonstrieren vielmehr offene und verdeckte Fronten, innere und äußere Flanken in jedem einzelnen Exemplar. Was da wandelt, ist der unendliche Widerspruch, so sehr sich die Exponate in vielen Situationen auch vereindeutigen.

Die „andere Seite“ (Grigat) ist so klar nicht, vor allem dann nicht, wenn man anerkennt, daß selbst die radikalste Kritik immer nur Ausdruck bestimmter Aspekte der Totalität ist, auch wenn sie sich durch Reflexion von ihr abzusetzen versucht. So mag es Befangenheiten geben, die wir heute noch nicht einmal in Ansätzen denken, geschweige denn begreifen können. Möglicherweise sind wir selbst mehr „andere Seite“ als wir meinen, während auf der „anderen Seite“ es Potentiale und Anknüpfungspunkte gibt, die uns als solche gar nicht auffallen oder verborgen bleiben. Grigats Registraturbehörde erinnert mehr an ein deutsches Reinheitsgebot, das in einem Freund-Feind-Szenario verschiedene Sorten von Leuten feinsäuberlich zu trennen versteht. Da bleibe ich lieber ein Schmutzfink.

In dieser Gesellschaft wird jedes Subjekt stets zur Versöhnung gezwungen. Praktisch sowieso, aber auch der Haltung nach. Das Individuum als bürgerliches kann sich Existenz gar nicht anders vorstellen als dieser Modus ihm auferlegt. Kollaboration und Interessensvertretung sind der Charaktermaske obligate Form. Die Bedingtheit derselben haben wir darzustellen und den Drangsalierten nahezubringen. Wenn ein Rassist weiß, warum er Rassist ist (oder besser: welche gesellschaftlichen Momente zu dieser Konstitution beitragen), kann dies für ihn eine schwere negative Erschütterung sein, die positiv gewendet werden mag. Wenn er jedoch lediglich weiß, daß er einer ist, wird ihn das kaum erschüttern, sondern eher noch bestätigen.

Die direkte Bezugnahme auf andere hat jedenfalls äußerst differenziert zu erfolgen, jenseits des militärischen Appells und jenseits jedweden elitären Gehabes. Zu berücksichtigen wären Bewußtseinslagen, soziale Hintergründe, kulturelle Umfelder, politische Vorbelastungen, Wissen, Aufnahmevermögen, Aufnahmebereitschaft u. v. m. Aufmischungsfähig meint, daß dem bürgerlichen Subjekt selbst klar werden kann (und damit ein Stück ideeller Aufhebung geleistet wird), warum dies oder jenes ihm eigentümliche Denken und Verhalten eigentlich irre ist, ohne das der oder die Angesprochene sich als Irrer oder Irre denunziert fühlt. Diesem Auseinanderhalten von Adjektiv und Substantiv sollten wir in der Vermittlung elementare Bedeutung zugestehen. Es ist immer von Belang, ob ein Angriff reflektiertes Erkennen auslöst, oder ob er zu reflexartigem Zumachen führt. Zweckmäßige Intervention meint weder beliebige Anerkennung der Person noch dezidierte Zurückweisung, sondern Ermöglichung kritischer Potenzen.

Die bürgerlichen Subjekte müssen nicht primär bekämpft, sondern von ihrer bürgerlichen Subjekthaftigkeit befreit werden. Das Subjekt wird hier übrigens nicht wie bei Hegel als „ein in sich Reflektiertes“[2] verstanden, sondern (wie subicere nahelegt) als das Unterworfene, das seine wertförmige Setzung als freien Willen mißversteht. Aber in jeder Monade steckt ein Mensch, selbst wenn es manchmal schwierig ist, diesen auszunehmen. Grigat hingegen scheint von der Gleichung auszugehen, daß je mehr aufgebracht man auf das reagiert, was wir tun oder denken, desto besser sei es. Von solch Automatiken halte ich nichts. Diese Aufregung erinnert mich mehr an das, was Karl Kraus „unproduktive Empörung“ genannt hat. Die Kritisierten fühlen sich dann in ihrem pathischen Dasein noch bestärkt, anstatt daß Fermente des Selbstzweifels und der Selbstkritik sich in ihnen selbst entfalten können.

Es gilt nicht, die Leute hineinzutreiben, wo sie sind, sondern ihnen klar zu machen, warum sie dort heraussollen. Das Gebäude oder Gehäuse soll gesprengt werden, ohne daß die Insassen mitgesprengt werden müssen, aber auch ohne, daß diese sich als Meute über uns oder andere hermachen. Eine radikale Linke ist nicht per se pazifistisch, sie muß den Faktor Gewalt schon mitdenken, [3] aber sie hat – und das ist der Unterschied zu einer gewaltbejahenden Rechten – keine Lust auf sie; nicht nur gegen sich, sondern auch gegen andere. Dort, wo Feindschaft als solche anerkannt werden muß, ist sie eine Folge des gesellschaftlichen Zwangs, nicht eine des oppositionellen Wollens.

Interventionistische Kritik ist nicht in erster Linie als Bedrohung der Integrität, sondern als Lockung und Lockerung zu verstehen. Sie will auch, daß „ganz normale Menschen“ (also Elemente der in zugespitzen Situationen brandgefährlichen Armee des gemeinen Menschenverstands) sich bewegen, vor allem daß sie ihre Panzerung als Hindernis auffassen. Das affirmative Individuum soll zur Selbstkritik angestiftet werden. Vermittlung braucht nicht nur Vermittler, sondern auch Vermittelte, die etwas vermittelt haben wollen. Soll das, was Theorie ist, sich vermitteln – und das soll sie wohl -, ist das Ausgesagte stets auf das konkrete Bezugsfeld zu beziehen. Und da geht es überhaupt nicht um agitatorische Schlichtheit, sondern um unsere Entfaltungsmöglichkeiten über den engen Zirkel hinaus. [4] Daß alle anderen mehr beschränkt sind als wir, halte ich für einen Trugschluß, auch wenn ich ihn selbst manchmal glaube.

Ich will jedenfalls nicht auf Sieg oder Niederlage spielen, sondern durch Kritik soll auch das kritisierte Gegenüber, das potentielle Individuum (nicht das Subjekt! ) gewinnen können. Bei emanzipatorischen Auseinandersetzungen geht es um das Mitkriegen, nicht um das Bekriegen. Kritik muß nicht nur aussprechend sein, sie muß auch ansprechend sein. Sie ist der Form nach etwas anderes als der spröde Verweis, den man anderen ausstellt. Wobei ich zugebe, daß dieser Anspruch weder immer durchzuhalten, noch immer einzuhalten ist.

Wird das Programm der „Unversöhnlichkeit mit den diese Zustände (… ) konstituierenden Subjekten“ starr verstanden, dann ist es aggressiver Unsinn. Und zwar deswegen, weil Grigat Mensch und Subjekt, Wirklichkeit und Tatsächlichkeit in eins setzt. Wäre dem aber fürwahr so, würde es zweifellos finster ausschauen.

II.

Widerstand ist etwas anderes als das sysiphonische Treiben einiger Unentwegter. Meine Aversion gegen das Sektierertum speist sich freilich nicht nur aus leidvoller Erfahrung, die miterleben mußte, wieviele ambitionierte Genossinnen und Genossen ganz einfach (z. B. in unsäglichen Linienkämpfen) verschlissen worden sind, sondern auch aus der Erkenntnis, daß Aufspaltung, Antiquiertheit und Selbstbeschäftigung die nötige Attraktion behindern bis verunmöglichen. Nicht selten komme ich mir vor wie in einem selbstbezüglichen Ignorantenstadel, wo ein Panikorchester aufspielt. Objektiv war die radikale Linke hierzulande ja sowieso nichts anderes als ein gar nicht so schlechtes Trainingslager für angepaßte Jobs in Management und Kulturindustrie, Staatsbürokratie und Staatsparteien.

Diesbezüglich gibt es selbstredend auch eine „Unzufriedenheit mit der eigenen Position“, wird Position als Akzeptanz gelesen. Und da träumt jetzt keiner von einer Massenorganisation, aber doch davon, daß die Kritischen Kreise größere Wellen ziehen als sie es gegenwärtig tun. Der Abfeierung der Isolation kann ich aber schon gar nichts abgewinnen. Zumindest was den Aspekt der eigenen gesellschaftlichen Geltung betrifft, schlägt Negation in Affirmation um, in typischer Manier wird aus dem Sein auf ein Sollen geschlossen. Aus einer Not darf jedoch keine Tugend gemacht werden, die es hochzuhalten gilt.

Selig jene, die aus der blanken Negation des Erfolgs, aus der Marginalisierung ihrer Position auf die heute „adäquate Daseinsform organisierter Kritik“ schließen. Für mich ist das eher ein Anlaß zur Traurigkeit. Und ich konstatiere eine Verdrängung, die pro Stamperl Wahrheit immer weniger Wirklichkeit wahrnimmt. Auch wenn mit den Streifzügen einiges erreicht worden ist, alleine daß wir permanent in Finanznöten stecken, also marktmäßig nicht einmal eine Nische sind, ich in jeder Nummer einen gesonderten Aufruf ans Publikum richten muß, sagt vieles aus über die Verankerung des Projekts. Die Zeitschrift deckt nichts anderes ab als einen benennbaren Minimundus, auch wenn es sich nicht auf ein typisches Szenesegment reduzieren läßt. Indes halte ich unsere Potenz für größer und plädiere gegen die Ideologisierung der Bescheidenheit. Dazu bedarf es allerdings einer fundamentalen Selbstkritik auch unseres noch immer sehr traditionellen Links- oder Antiseins.

Wovor ich warne, ist diese unerträgliche Präpotenz der Ohnmacht. Sie stellt sich meist nur ein zeitweiliges Überbegehren heraus, fiktionalisiert sich solange, bis sie als krampfhaftes Verweigern irgendwann mal (ohne zu rekapitulieren) kapituliert. Nicht, daß ich da was unterstellen will, schon gar nicht irgendwem, aber es ist immer Vorsicht geboten. Dazu habe ich schon zuviele Leichen den bürgerlichen Abflußkanal hinunterlaufen gesehen.

Die Zufriedenheit mit seinen Postulaten, falls er meint eine solche haben zu sollen, überlasse ich gern dem Stephan Grigat, wenngleich ich raten würde, sich nicht mehr allzulange darauf zu verlassen. Ebensowenig auf das Loblied der Spaltungen, die oftmals nichts anderes sind als die Legitimation der Isolation. Ich vermute da eher etwas anderes, und es ist bedauerlich, daß das gerade dem antideutschen Grigat nicht auffällt: Der eigentümliche, in Deutschland und Österreich besonders stark ausgeprägte Identitäts- und Abgrenzungswahn, hat auch in der Linken seine Spuren hinterlassen. Die eliminatorische Duftnote, der Hang zu Spaltung und Ausschluß (zu lesen als AUS! SCHLUSS! ) sagt doch einiges über die bürgerliche Psychopathologie mancher Linksradikaler. Auch über deren Ungenießbarkeit. Anstatt sich zu einer Kritik der Linie aufzuschwingen, tobt vielmehr ein Kampf der Linien. Wer den Streit als K2L (Kampf zweier Linien) führt, hat ihn schon verloren, auch wenn er als Sieger hervorgeht.

Denn in letzter Hinsicht bin ich freilich nur mit mir vereinbar, und selbst das ist fraglich. Wird das Eigene zum maximalistischen Maßstab der Musterung der anderen, dann wird die gesellschaftliche Atomisierung mit solchen Ansichten oder gar Vorsätzen nur noch auf die Spitze getrieben. Die ist allerdings so dünn, daß sie sofort bricht.

Daß sich der Kritische Kreis noch nicht gespalten hat, muß Stephan Grigat wohl wirklich verwundern. Mich würde es eher verwunden, wäre dem so oder sollte dem so werden. Natürlich kann man sich bei aller Kritik der Identifikation, einer bestimmten Identifizierung nicht entziehen. Nicht nur passiv, sondern auch aktiv. Nicht entstehen darf aber etwas, das die Anti-Gemeinschaft als die rigide Vergemeinschaftung der Antis ausweist. Somit die objektive Härte des gesellschaftlichen Daseins sich als subjektive Verhärtung der Kritiker niederschlägt. Der nötige Schutzschild der sensiblen Membran darf kein Panzer sein. Inwiefern ist in uns, was wir anderen vorwerfen? Ganz besonderes Augenmerk haben alle Gesellschaftskritiker dieser Fragestellung zuzuwenden.

Im Gegensatz zu ihm würde ich meinen: Wenn die Ausnahme (als die Grigat den Kritischen Kreis anführt) nicht zur Regel wird, wird die Regel selbst nichts anderes werden als ein willfähriges Moment der in den Ausnahmezustand treibenden gesellschaftlichen Gesamtentwicklung. Zwänglerische Formen linker Cliquen, „gute Banden“ stünden an dessen Ende. Als „emanzipatorischer“ Beitrag gesellschaftlichen Marodierens ginge solches Fantum dann selbst in den Hooliganismus über. So die Prognose.

In einer Zeit, wo die Mitte zum Extremismus neigt und die Regression allgegenwärtig wird, ist auf der praktischen Ebene mehr als Abgrenzung gefragt. Die inhaltliche Differenz zum gemeinen Menschenverstand und seinen Ausdünstungen ist groß genug, um sich vor räumlicher Nähe fürchten zu müssen. Fürchten müssen sich nur jene, deren Distanz eine simulierte gewesen ist, mehr geschuldet einer altersgemäßen Pose als einem wirklichen Ablösungsprozeß. So viel überhaupt zu meiner Skepsis betreffend einige Rebsorten des Radikalismus. Diese reifen nicht immer. Im schlimmsten Fall laufen sie hinterher als wildgewordene Renegaten durch die Gegend.

III.

Stephan Grigat betrachtet bürgerliche Entwicklung nicht primär als solche, sondern als ein Kontinuum, wo Politik immer schon „hundsmiserabel“ gewesen ist. Diese Einschätzung ist ziemlich ignorant, weil indifferent, [5] da sie alle Politiken der Neuzeit nur aufgrund ihres konstitutionellen Wesens, nicht jedoch auch aufgrund ihrer Resultate beurteilt. Ich denke, wir alle kennen genug Politiken, die auf ihre Zeit bezogen alles andere als hundsmiserabel gewesen sind, ja teilweise sogar emanzipatorisches und überschüssiges Bewußtsein erzeugten.

Grigats Sicht gerät zu einer negativen Binnenontologie des Kapitalismus, die sich alsdann in der reinen Konfrontation gefällt. Sie enthistorisiert, denkt kapitalistische Herrschaft zwar ohne klassenkämpferischen Anspruch, aber doch in dualistischer Manier als Wir gegen sie, nicht in transformatorischer Absicht als Wir in ihr über sie. Ihre Dramaturgie ist besser als ihre Dramatik. Sie inszeniert sich als das gänzlich Andere, das (zumindest im Ideellen) sich frei von Staat und Politik wähnt. Daher wehrt sie sich auch, das Abschaffen als Aufheben zu begreifen. Sie theatralisiert sich als reine Losigkeit. Ihre intransigenten Hitze ist gut zum Erwärmen widerständiger Gemüter. Aber mit der Zeit kühlt sie aus, und letztlich droht sie eine Anzahl Erkälteter zu hinterlassen.

Ich hingegen gehe davon aus, daß a posteriori betrachtet Politik (auch als linke) durchaus ihre historische Notwendigkeit hatte. Wobei diese Notwendigkeit nicht als Stufenleiter ohne Alternativen abzuhandeln ist, sondern als Möglichkeit, die sich durchgesetzt hat. Ist Politik nicht am Ende angelangt, wird jede Intervention, will sie praktisch sein, entweder in sie einlaufen oder aber versanden.

Ähnlich wie die Politik keine ewige Setzung ist (sondern ein bürgerlich konstituiertes Formprinzip) beschreibt die Kritik der Politik eine bestimmte Entwicklung, die überhaupt erst in postfordistischen Zeiten verdichtet, ausformuliert und radikalisiert werden konnte. Wären Grigat oder ich 1648 oder1871, 1917 oder 1950 mit unseren Vorstellungen aufgekreuzt, man hätte uns nur ausgelacht, weil man uns nicht einmal verstehen hätte können. Die Retrospektive der Politik ist eine andere als ihre Perspektive. Das Spezifische gegenwärtiger Kritik nach hinten auszudehnen, ist ebenso unsinnig wie die das Ansinnen der bürgerlichen Ideologen Marktwirtschaft und Demokratie zu den letzten Errungenschaften der Menschheit zu erklären. Was Grigat betreibt, ist die geschichtslose Verzauberung des Kapitals auf links.

Kritik ist ohne theoretische Analyse nicht zu haben. Der Punkt, an dem auch Theorie aufgehoben werden kann, ist noch lange nicht erreicht, wenngleich Theorie nicht automatisch Kritik beinhaltet. Kritik der politischen Ökonomie ist die negative Erkenntnis des Werts im Allgemeinen wie im Besonderen. Gesellschaftskritik ist der systematisierte und reflektierte Widerspruch der Totalität selbst. (Vgl. Claus Peter Ortliebs Artikel in der letzten Ausgabe. ) Es gibt einen transformatorischen Anspruch, aber keinen transzendentalen Standpunkt. Wo sollte der auch eingenommen werden?

Auch der Arbeiterbewegungsmarxismus kann nicht als Irrtum und Fehler abgehandelt werden. Er war vielmehr immanente Praxis gewesen, die ebenfalls Aufstieg und Niedergang kannte. 1920 Bolschewik gewesen zu sein, bedeutete etwas anderes als 80 Jahre später noch immer dem Marxismus-Leninismus anzuhängen. „Mit uns zieht die neue Zeit“, diese Parole des Proletariats machte im Roten Wien durchaus Sinn. Sie heute vorzubringen, zeugt nur noch von Abgeschmacktheit. Diese historische Bedingtheit ist natürlich keine fatalistische Unbedingtheit, und zwar in doppeltem Wortsinn von unbedingt: Nämlich daß es erstens so und nicht anders hat sein können, aber auch zweitens eine bedingungslose Zufälligkeit Platz gegriffen hätte.

Sowenig es eine Automatik des Übergangs gibt, so wenig kann das reine Wollen alleine die transvolutionäre Aufgabe erfüllen. Es gibt keine energetische Kraft, die aus sich selbst schöpft. Der Glaube kann lediglich Zwerge versetzen. Daß die „Einführung der ausbeutungs- und herrschaftsfreien Gesellschaft heute nur (… ) ein voluntaristischer Akt“[6] sein kann, ist lediglich dann richtig, wenn dieses kollektive Wollen eine adäquate Entsprechung und solide Basis in den materiellen Kommunikationsebenen (Produktion, Distribution, Konsumtion) findet. Ansonsten ist der Volontär des Voluntarismus letztlich nicht einmal mehr zum Willen fähig, sondern nur noch zur Absicht, die nichts anderes ist als „der unwirkliche reine Wille“. [7] Absicht ist das, wovon man absieht.

Jene, die Materialisten sein wollen, sollten nicht vergessen: „Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind. „[8] Denn woher soll das Wollen rühren, wenn nicht aus dem Können. Und wohin soll es ohne das Können führen? Materialisten, die mit dem Bewußtsein das Sein niederringen wollen, sind zweifellos eine sehr eigenartige Sorte derselben. Eher „Metaphysiker des Trotzalledem“, wobei die ständige Nichterfüllung oftmals in geradezu beschwörende und trotzige Aversion umschlägt. Vielleicht sollte Thomas Müntzer Stephan Grigat bei Gelegenheit einen Brief schreiben. Oder Leo Trotzki.

IV.

Daß Grigat die fade Demo meinen „harmlosen Vorschlägen“ vorzieht, kann ich ohne Schwierigkeiten nachvollziehen. Diese sind ja wirklich äußerst vage und wenig konkret. Während ich am Glatteis hin- und herrutsche, ja gleich einem Betrunkenen dahintorkle, zieht er die ausgetrampelten Pfade vor. Ich nehm’s nicht übel, halte dies aber für einen ziemlich bescheidenen Ansatz.

Ziel experimentellen Intervenierens ist es, Funktionsabläufe auf ihre Schwachpunkte zu überprüfen, damit sie gezielt und bewußt sabotiert werden können. Was da möglich ist, wage ich nicht anzugeben, bin aber dafür, einiges zu probieren. Diese Vorschläge sind Übungen im Sinne der von Herbert Marcuse so benannten „Großen Weigerung“. [9] Sie versuchen sich an der Erschütterung der Eindimensionalität von Mensch und Welt, indem sie Abläufe schräg bürsten oder sie im besten Falle sogar unterbrechen. In dem von uns angesprochenen Fall geht es darum, die automatische Bereitschaft freiwillig Auskunft zu geben, in Frage zu stellen. (Vgl. meinen nebenstehenden Musterbrief als ein Beispiel für Kritik durch Überaffirmation. )

Emanzipatorische Praxis muß doch fragen, wo und wie sie das System stört, d. h. wie sie bewußt subversiv tätig werden kann. Das Gros der historischen Instrumente ist abgenutzt. Das Unterlaufen so wichtiger ideologischer Apparate wie der Meinungsüberwachung, die ja ein zentrales Vehikel kulturindustrieller Formatierung darstellt, halte ich für unbedingt notwendig. Anderes ebenso. Die Tätigkeitsgebiete sind wie die Theoriefelder zu sondieren. Aus der Ungewöhnlichkeit sollte daher nicht gleich auf die Harmlosigkeit geschlossen werden. Was effektvoll sein wird, von dem haben wir, so denke ich, noch wenig Ahnung.

Die Provokation hingegen, von der Grigat schwärmt, ist mir ein selektives, kein prinzipielles Anliegen, auch wenn mich manchmal erstaunt, wer sich nicht aller provoziert fühlt. Als verpflichtende Konvention erscheint mir die Provokation eher pubertär als inhaltlich dimensioniert zu sein. Wenn schon sonst nichts zu machen ist, sollten wir zumindest den Ärger in der Welt vergrößern. Abgesehen davon, daß hier der Mund sowieso größer ist als das Vermögen: Wer anderen zuviel mit dem Arsch ins Gesicht hüpft, wird kräftig in den Arsch getreten werden. Vor allem wenn man die Marginalität der Gesellschaftskritik mit der Hegemonie des gesunden Menschenverstandes vergleicht. Merke: Radikal und rabiat sind nicht dasselbe.

V.

In Verruf gekommen ist „das Positive“ völlig zurecht, weil die unerträgliche Anrufung des positiven Denkens, oder der Zwang positiv eingestellt sein zu müssen, nur diskreditiert werden kann. Positiv meint in dieser Bedeutung nichts anderes als das objektiv Aufgedrängte als das subjektiv Begrüßenswerte zu deuten, zu empfinden und zu behandeln. Voll zu sich gekommen ist diese Positivität in der blanken Affirmation der Werbung. Und natürlich ist es besonders in Deutschland und Österreich, wo Kritik immer in Zusammenhang mit Querulantentum gebracht wird, nötig, insistierender zu sein als anderswo. Kritik hat sich der Auflage des Positiven zu verweigern, aber sie sollte sie in tückischer Weise selbst in petto halten.

Der Begriff des Positiven ist durchaus vielschichtig, [10] vor allem doppeldeutig. Das Wort „positiv“ fürchten einige wie der Teufel das Weihwasser. Mich schreckt ebenso die Monstranz der reinen Negation. Da mach ich das synthetische Ungeheuer. Denken wir nur an Spinozas Bestimmung. Dialektik der Transvolution meint, daß die negative Aufhebung der Gesellschaft nur eine positive sein kann. Wo ist positive Potenz in der negativen Totalität? Gibt es die nämlich nicht in ihr, dann gibt es sie nirgendwo. Positiv bin ich ob der Negativität schon lange. Wie sich weiter unten zeigen wird, bin ich da in gar nicht so schlechter Gesellschaft.

Nicht einmal mit dem Utopieverbot ist es so einfach, wie des öfteren getan wird. Man hat eher das Gefühl, daß das, was in der Kritischen Theorie noch als Spannung aufrechterhalten wurde, nun einseitig mit einem Verdikt belegt wird. Der Begriff „zentrale Einsicht“ läßt auch bei Grigat vermuten, daß es da nur eine Sicht, ja eine Vorschrift, geben könnte. Er entzieht sich somit den Antinomien, anstatt sich ihnen auszusetzen. Auch wenn man in ihnen nicht aufgehen soll, kann man ihnen freilich nicht entlaufen.

Gerade die Kritische Theorie war hier äußerst ambivalent. „Was Utopie ist, als was Utopie vorgestellt werden kann, das ist die Veränderung des Ganzen. (… ) Mir will es so vorkommen, als ob das, was subjektiv, dem Bewußtsein nach, dem Menschen abhanden gekommen ist, die Fähigkeit ist, ganz einfach das Ganze sich vorzustellen als etwas, das völlig anders sein könnte. „[11] Oder noch deutlicher derselbe: „Ja, die Utopie steckt jedenfalls wesentlich in der bestimmten Negation, in der bestimmten Negation dessen, was bloß ist, und das dadurch, daß es sich als ein Falsches konkretisiert, immer zugleich hinweist auf das, was sein soll. „[12]

Die Zitate stammen aus einem Gespräch zwischen Ernst Bloch und Theodor W. Adorno – aber aufgepaßt, die naheliegende Zuordnung ist die falsche! Natürlich weiß ich, daß auch anders gelagerte Belegstellen aufgetrieben werden könnten. Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, daß Eindeutigkeiten konstruiert werden, wo sie sich eigentlich verweigern. Mir geht es hier aber nicht um eine Rückholung der Utopie oder um eine Ehrenrettung des Begriffes, da habe ich durchaus Zweifel, sondern ausschließlich um die Bereitschaft zu Differenz und Ambivalenz, im Gegensatz zu Identität und Bekenntnis. Dort, wo Grigat zentrale Einsichten hat, hinter die ich nicht zurückfallen soll, habe ich bunteste Vielsichten, zu denen Grigat erst hinauffallen muß.

Daß es bis weit in die radikale Linke nicht selbstverständlich ist, sich die Welt ohne Geld und vorzustellen, ist evident. Da ist also mitnichten eine Selbstverständlichkeit angesprochen. Das Wort „anbieten“, das Grigat unterstellt, ist übrigens in meinem Text nicht zu finden. Wo denn nun der alternative Gesellschaftsentwurf ist, mit dem ich hausieren gehe, fragt man sich. Die Assoziation freier Menschen muß jedenfalls denkbar sein, will sie machbar sein. „Wenn es wahr ist, daß ein Leben in Freiheit und Glück heute möglich wäre, dann wäre die eine der theoretischen Gestalten der Utopie, für die ich sicher nicht zuständig bin und du, soweit ich es übersehen kann, auch nicht, daß man konkret sagen würde, was bei dem gegenwärtigen Stand der Produktivkräfte der Menschheit möglich wäre – das läßt sich konkret und das läßt sich ohne Ausmalen und das läßt sich ohne Willkür sagen. Wenn das nicht gesagt wird, wenn dieses Bild nicht auch, fast möchte ich sagen: handgreiflich erscheint, dann weiß man im Grunde gar nicht, wozu das ganze eigentlich da ist, wozu die Apparatur in Bewegung gebracht wird. Verzeihe, wenn ich mich in die unerwartete Rolle des Anwalts des Positiven begebe, aber ich glaube, ohne dieses Moment käme man doch in einer Phänomenologie des utopischen Bewußtseins nicht aus. „[13] Sagt, damit man es nicht falsch zuordnet, der oben nicht falsch Zugeordnete.

Der entschlossenste Voluntarismus beißt sich in folgenden Schweif: Man kann nichts wollen, was man sich nicht vorstellen kann. Vorstellen kann man sich wiederum nur etwas, wo es hic et nunc Anknüpfungspunkte gibt: „Wie oft stellt sich etwas so dar, daß es sein kann. Oder gar, daß es anders sein kann als bisher, weshalb etwas daran getan werden kann. Das wäre aber selber nicht möglich ohne Mögliches in ihm und vor ihm. Hier ist ein weites Feld, es muß mehr als je befragt werden. „[14] Das sagt jetzt wirklich der Bloch. Kurzum: Gibt es keine gesellschaftliche Tendenz zur Aufhebung, dann ist all unser diesbezügliches Handeln obsolet, nichts anderes als eine Fleißaufgabe Uneinsichtiger. Dann wären wir wirklich unverbesserliche Weltverbesserer. Selbst das wäre aber besser als sich der Normalität zu ergeben.

Die Spannung von Theorie und Praxis ist nicht nur auszuhalten, sie ist regelrecht auszureizen. Keinesfalls darf sie einseitig aufgelöst werden. (Darüber ist einiges in der letzten Ausgabe nachzulesen. ) Der Elfenbeinturm ist nur zielblickend, wenn man bei Gelegenheit auch unten durch die Gegend streift, sich nicht nur den Überblick verschafft, sondern sich auch den sinnlichen Gewißheiten, ob sie einem passen oder nicht, stellt. Ansonsten wird der Turm zur Zwingburg, letztlich zum Kerker des Geistes. Eine Festung der Bescheidwisser würde eine durchgedrehte Linke nur durch eine abgedrehte ersetzen. Die Negation des Zwangs zur Praxis ist nicht die Negation der Praxis überhaupt. Ich plädiere daher, sich dieser Option nicht prinzipiell zu entschlagen, sondern sie offen zu halten. Es geht hier also entschieden gegen „reines Denken oder die Andacht, deren Innerlichkeit in der Hymne zugleich Dasein hat. „[15] Frei nach dem Motto: Je öfter gesungen und gebetet, desto glaubhafter die Postulate. Mehr als ein Chor, und sei’s ein adornitischer, kommt da nicht heraus.

Systematische Kritik ist etwas anderes als schematische Negation. Der unbedingten Anleitung zum Handeln durch die Praktizisten darf nicht die bedingungslose Verweigerung der Kritizisten folgen. Der plakatierte Attentismus ist nur die primitive Verneinung des obligatorischen Praktizismus. Jener hat diesem alles mögliche vorzuwerfen, aber auf seinem Terrain nichts entgegenzusetzen. Die Schwäche der Vermittlung benennt er nicht als solche, sondern feiert die Distanz, die ein Dilemma darstellt, als Errungenschaft ab. Indes ist der gute Stephan Grigat gar nicht so der in sich gekehrte Esoteriker, sondern hat manchmal gar einen unstillbaren Hang zum Praktischen, welches er in weiser Vorsicht, damit ihn niemand erwischt, als Intervenieren tituliert. Ob am Büchertisch oder auf der Demo. Was kein Vorwurf ist, bloß eine Anmerkung am Rande. Auf die Frage „Was spricht eigentlich gegen Sie? “ antwortete Ende 1966 selbst Adorno: „Daß ich eine steigende Abneigung gegen Praxis verspüre, im Widerspruch zu meinen eigenen theoretischen Positionen. „[16] In diesem Sinne.

Ohne Ziel kein Weg! Ohne Weg kein Ziel!



[1] Wladimir I. Lenin, Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung (1902), Lenin Werke, Band 5, S. 396.

[2] Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes (1806), Werke 3, Frankfurt am Main 1986, S. 27.

[3]3 Vgl. dazu meine beiden Aufsätze: Über Dialektik und Dimension der Gewalt, ZOOM 1/98, S. 4-10; Gmeiners Gemeinsinn, ZOOM 3/98, S. 4-7.

[4] Zur Soziologie des linken Zirkels wäre auch einiges zu sagen, und zwar mehr Unvorteilhaftes als Attraktives. Dazu vielleicht ein andermal.

[5] Diesbezüglich hat, auch wenn der Bezug auf die Form der Politik unkritisiert bleibt, bereits Marx Wichtiges gesagt: Karl Marx, Der politische Indifferentismus (1873), MEW, Bd. 18, S. 299-304.

[6] Stephan Grigat, Robert Kurz‘ „schwarzbuch kapitalismus, Streifzüge 2/2000, S. 2.

[7] Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, S. 437.

[8] Karl Marx, Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie (1859), MEW, Bd. 13, S. 9.

[9] Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft (1964), Neuwied und Berlin 1978, S. 83f.

[10] Die begriffliche Differenzierung dieses indifferenten Worts kann hier nicht gewährleistet werden. Ich bitte die Leser um Verständnis, gehe aber davon aus, daß sie mehr als den Text, also den Kontext, zu lesen verstehen. Zur weiteren Vertiefung empfehle ich hier die beiden Aufsätze von Clemens Nachtmann und Ernst Lohoff in Krisis 20.

[11] Etwas fehlt… Über die Widersprüche der utopischen Sehnsucht. Ein Rundfunkgespräch mit Ernst Bloch und Theodor W. Adorno am 6. Mai 1964; in: Ernst Bloch, Viele Kammern im Welthaus. Eine Auswahl aus dem Werk, Frankfurt am Main 1994, S. 689.

[12] Ebenda, S. 698.

[13] Ebenda, S. 699.

[14] Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung (1938-47), Frankfurt am Main 1993, S. 258.

[15] Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, S. 519.

[16] Theodor W. Adorno, „Drei Fragen in der Sylvesternacht 1966“, Vermischte Schriften II. Gesammelte Schriften 20.2, Frankfurt am Main 1997, S. 738.

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