Einlauf Streifzüge 73

von Franz Schandl

In den letzten Monaten hatte man das Gefühl, dass Marx nicht nur malträtiert wird, sondern regelrecht faschiert. Was man dem Revolutionär nicht alles unterstellen kann. Wofür er da herhalten muss, das löst Verwunderung und Ernüchterung aus. Das ist wirklich Fast Food, Marx für Eilige. Diskutiert wird Marx als Marke und nicht Marx als Substanz. Da ergeht es ihm wohl wie vielen anderen. Die Kulturindustrie spuckt seriell Bände aus, die die Regale zieren und die Altpapiercontainer füllen. Mehr als Beflissenheit und Business war da nicht zu spüren. Kaum eine Neuerscheinung, von der man nicht behaupten könnte, sie würde alt erscheinen.
Eigentlich sollte man froh sein, dass der seltsame Marx-Hype vorbei ist, und dann kommen auch wir noch mit einer Marx-Ausgabe daher. Indes haben wir ihm doch einiges zu verdanken. Das wollten wir dokumentieren, ist doch Marx für unseren Zusammenhang nicht nur eine historische Bezugsgröße, sondern eine aktuelle. Wir haben uns in dieser Nummer bemüht, einige spezifische Aspekte zu beleuchten. Manch ein Beitrag reizt zum Widerspruch, wie etwa jener von Frank Engster, der, in Abgrenzung von wertkritischen Auffassungen, seine Position ausgehend von der marxschen Wertformanalyse umreißt. Die Autorinnen und Autoren – zumal die „Gäste“ – vertreten in ihren Texten nicht unbedingt, was innerhalb der Redaktion als Konsens gelten dürfte. Die Artikel sollen zu Auseinandersetzung und Diskussion einladen. Kommentare, Repliken und Kritik sind daher stets willkommen, Anschreiben an die Redaktion (redaktion ät streifzuege.org) ebenso.

Ansonsten wie immer das obligate Ansinnen als Ansuchen: Das ist uns und unserem Publikum zwar lästig, aber ohne gelegentliche Fütterung würde es uns nicht mehr geben. Transformation, Transponsion, Abonnement oder tatkräftige Unterstützung (siehe „We need you“) – der Möglichkeiten sind viele. Dies bedenkend wünschen wir eine anregende Lektüre.

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