Einlauf Streifzüge 93

von Franz Schandl

NATO auflösen, Bundesheer abschaffen, Rüstungsindustrie liquidieren – sind die Gehirne von diesen richtigen Gedanken schon gänzlich befreit? Will man warten bis nach dem 3. Weltkrieg? Braucht es dazu und davor Tausende oder gar Millionen Tote? Sollen wir gleich Ukrainern und Russen für irgendwelche Werte und Interessen, Profite und Standorte geopfert werden? Dem Kapital, ihren Herren wie Knechten, den demokratischen wie autoritären, ist das durchaus zuzutrauen.

Der Kriegsertüchtigungswahn ist absolut irre, wird aber als Anforderung wie Aufforderung hingenommen. Denn der Russe kommt und daher müssen wir danach trachten, über ihn zu kommen, bevor er über uns kommt. Daher und dafür haben wir zu bluten. Auch jetzt schon, zuerst Pensionisten und Proleten finanziell, sodann Soldaten und Zivilisten reell. In der großen Matrix werden gegenwärtig die Köpfe abgeflacht bis zur blinden Ovation. Claqueure haben zu gehorchen. Eine Außenministerin im ukrainischen Dirndl tanzt die Drohnenpolka und eine polnisch-amerikanische EU-Euphorikerin stellt wie bestellt die Neutralität in Frage. So sind wir, würde der Assistent in der Hofburg sagen.

Dass Menschen sich auch anders verhalten und konsequent bleiben können, hat unser Autor Walther Schütz (1958-2012) bewiesen. Von ihm sind unlängst zwei Bände mit Aufsätzen erschienen. „Was ist“ und „Was nun“ sind zwar im gut sortierten Buchhandel nicht erhältlich, trotzdem sind sie auftreibbar (Edition kärnöl). Und ganz in seinem Sinne: Wir müssen schauen, dass das, was realistisch ist, nicht real wird, dafür aber das noch Unwirkliche wirklich! Deswegen machen wir auch alles Schlechte schlecht.