Hunger
von Petra Ziegler
269 Billionen Euro sind auf der Suche nach möglichst lukrativen Anlagemöglichkeiten. Die privaten Finanzvermögen legen global rasant zu. Beinahe neun Prozent Wachstum waren es 2024, nach ebenfalls starken acht Prozent im Jahr zuvor. Und was könnte eins nicht alles anstellen, um all die überflüssige Kohle noch zu vermehren. Die Rheinmetall-Aktie etwa verzeichnet ein Drei-Jahres-Plus von satten 982 Prozent. Mit äußerst positiven Aussichten. Bis zum ersten Halbjahr 2026 rechnet Rheinmetall-Chef Papperger mit einem Auftragsbestand von rund 120 Milliarden Euro. Dank der massiv gestiegenen Rüstungsausgaben der Nato-Staaten können die Produktionskapazitäten laufend ausgebaut werden. Somit bleiben die kriegstüchtigen Düsseldorfer auch in Zukunft ein relevanter Akteur in allen Bereichen – „zu Lande, zu Wasser, in der Luft und auch im Weltraum“, verspricht der Vorstandsvorsitzende des deutschen Technologiekonzerns.
Wer den aktuellen Verlockungen der Rüstungsindustrie widerstehen kann, findet aber auch im grünen Bereich lohnende Kapitalanlagen. „Die Assetklasse der erneuerbaren Energien bietet Investoren eine einmalige Chance, an den großen Megatrends der kommenden Jahrzehnte teilzuhaben. Mit dem steigenden Bedarf an grüner Energie, unterstützt durch technologische Innovationen und politische Rahmenbedingungen, entwickelt sich der Markt für erneuerbare Energien zu einem langfristig stabilen und renditestarken Investitionsfeld.“ Das Private-Banking-Magazin verweist dabei auf den wachsenden Energiehunger von Meta, Amazon und Co. Die ehrgeizigen Ausbauziele für regenerative Quellen, vielfach durch staatliche Subventionen unterstützt, lassen stabile Erträge bei äußerst geringem Risiko erwarten.
Die im Vorjahr weltweit neu installierte Kapazität erneuerbarer Energien – inklusive Atomkraft! – erreichte laut der Internationalen Energieagentur (IEA) mit rund 700 Gigawatt einen neuen Rekordwert. Auch der Stromverbrauch ist 2024 deutlich schneller gestiegen als in den Jahren davor. Ungebrochen wachsend bleibt die Nachfrage nach Erdgas, Öl und Kohle. Die IEA erwartet eine Verdreifachung des Strombedarfs allein von Rechenzentren für KI-Anwendungen und anderen Digitalisierungsprojekten in den nächsten fünf Jahren weltweit auf mehr als 150 Terrawattstunden: „Fest steht, dass der Stromverbrauch rasant wächst und den Gesamtenergiebedarf so stark antreibt, dass jahrelange Rückgänge in den entwickelten Volkswirtschaften umgekehrt wurden.“ Prognosen zufolge wird sich der Stromverbrauch bis 2045 weiter mehr als verdoppeln.
Leute, da ist kein Ende in Sicht. Der kapitale Appetit wächst und wächst und wächst. Ein Volumen von aktuell beinahe dem Dreifachen der globalen Wirtschaftsleistung bläht sich weiter auf und wer immer da nach gewinnbringenden Möglichkeiten sucht, muss (!) fündig werden. Ein jedes neue Feld, das sich irgendwo auftut, wird betoniert. Zuverlässig. Mit Regenwäldern, die nicht abgeholzt werden, lässt sich kaum Rendite machen. Mit der Bekämpfung des realen Hungers schon gar nicht. Laut dem letzten Report der Vereinten Nationen leiden weltweit über 700 Millionen Menschen an Hunger. Die Zahlen bleiben anhaltend hoch. Zu holen ist bei denen nichts. Die Nutzung von Waren und Dienstleistungen aller Art, der Konsum insgesamt muss laufend steigen. Vor allem im Luxussegment. Lohnzurückhaltung bei den Massen darf freilich dennoch erwartet werden. So findet der industriell erzeugte Fraß dann auch seinen Absatz, und überhaupt, wer billig kauft, braucht schnell wieder was Neues – und sei es zum Trost.