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Einlauf Streifzüge 83

Das eigentliche Problem ist die Normalität, sei es die alte, sei es die neue. Normalität ist nicht nur das Falsche und Schlechte, sie wird neuerdings immer verrückter. Vieles, was ist, hätte man gestern noch als dystopisch bezeichnet. Inzwischen aber wurde der Ausnahmezustand zur Regel und ein Ende ist nicht in Sicht….

Wir leben in seltsamen Zeiten. Wir sind in eine Phase eingetreten, wo vieles zerbrechlich wird, auseinander fliegt, sich aber auch neu mischt und formiert, auch wenn die Konturen zukünftiger Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sich nur vage abzeichnen. Das soll die eigene Zurückhaltung nicht entschuldigen oder rechtfertigen, wohl aber erklären. Wer heute eine entschiedene Position zu vertreten meint, kann sich schnell ein blaues Auge holen. So ist im Zweifel an allem zu zweifeln ohne zu verzweifeln. Versucht man sich am Thema Dystopie, gerät man jedenfalls ganz durcheinander. Das sollte uns auch in dieser Ausgabe gelungen sein.

Was können wir raten? Auf sich und die um sich aufzupassen und auch aufzupassen, nicht in den Sog diverser Wahnsinnigkeiten zu geraten. Der Malstrom des Irrsinns lauert an jeder Ecke, insbesondere in den Verstärkern der Medien, aber auch in diversen Echoräumen. Nichts geht mehr, weder das, was ist, noch das, was sein könnte. So wird weitergemacht. Auch wir tun das. Unser bescheidener Vorschlag besteht darin, zu tun, als ob es ginge. Denn was geht und was nicht, wissen wir in Wirklichkeit nicht. Es gilt das Wollen zu wollen. Leben darf nicht heißen, „dass man nie tut, was man will und dass man nie gewollt hat, was man getan hat.“ (André Gorz) In diesem Sinne.

Wir wünschen trotzdem oder gerade deswegen eine anregende Lektüre und erholsame Feiertage. Negativ bleiben!

Franz Schandl