Viva la igualdad!

Brief aus Cordoba, 15. Juli 2010

von Dora de la Vega

Heute morgen um 4 Uhr hat die Senatorenkammer das Gesetz zur egalitären Ehe aller Bürger und Bürgerinnen Argentiniens nach einer fünfzehnstündigen Debatte mit einer knappen Mehrheit (33 Stimmen gegen 27 und 3 Enthaltungen) verabschiedet. Dadurch erhalten gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte, die bisher nur heterosexuellen Ehen zugute gekommen sind. Argentinien ist ab heute das erste Land Lateinamerikas, das die Homo-Ehe einführt. Das ist ein wichtiger Schritt gegen Diskriminierung.

Die katholische Kirche hat bis zur letzten Minute massiven Druck auf Parlamentarier und Gläubige ausgeübt, um das Gesetz zu verhindern. Mit dem Argument „jedes Kind hat das Recht auf eine Mutter und einen Vater“ hatten die katholische Kirche und auch konservative Kreise anderer Glaubensgemeinschaften gegen das Gesetz mobilisiert. Kundgebungen in allen Provinzen, Fernsehsendungen, Briefaktionen und persönliche Telefonate haben letztenendes nichts genützt. Zum Glück. Erzbischof Bergoglio bezeichnete die Novellierung als „Schachzug des Teufels“ und verhängte Dienstverbote, etwa gegen Priester Alessio von Cordoba, der sich in einem Fernsehprogramm für das neue Gesetz ausgesprochen hatte.
Die zuständige Parlamentskommission, die von einer äusserst streng katholischen Senatorin geleitet wird, hatte sich vergeblich für einen Gesetzesentwurf einer eheähnlichen Gemeinschaft eingesetzt, die im Falle vom Erfolgs aber die Ungleichbehandlung – wie sie beispielsweise in Deutschland gilt – festgeschrieben hätte.

P.S.: siehe auch zwei Beiträge in der Tageszeitung Die Welt:
Eins
Zwei