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Tod als Turbo

Nach dem fulminanten Wahlsieg der Kärntner Haiderpartei befindet sich der Rechtpopulismus einmal mehr im Aufwind

von Franz Schandl

Mit Jörg Haiders tragischem Abtritt ging anscheinend keine Ära zu Ende, sondern nur ein Leben. Denn zweifellos, die Leiche hat zu den Kärntner Landtagswahlen ihre Wirkung voll entfalten können. Bei satten 45,5 Prozent liegt nun die Haiderpartei „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ). Das sind noch einmal drei Prozent mehr als 2004. Die Erben jubeln und die Gegner verzweifeln. Mit solch einem Triumph hat niemand gerechnet.

Der tote Haider war in diesem Wahlkampf jedenfalls allgegenwärtig. Sein Mythos konnte sich nicht nur bestätigen, er wird sich mit diesem Ergebnis noch zusätzlich aufladen. Wahrscheinlich werden einige Kärntner noch ihren Kindeskindern erzählen, wie dazumals, im Winter 2009, der Landesvater vom Himmel aus den Wahlkampf angeführt habe. Dass „der Jörg“ da oben sitzt und auf seine Kärntner schaut. Da ist mehr dran, als einem lieb sein kann. Mit rationalen Begründungen ist dieses Ergebnis kaum noch zu erklären. Dieser Sieg ist wirklich schon entrückt.

„Wir passen auf dein Kärnten auf“, affichierte das BZÖ im Wahlkampf. So transformierte man den Wahlgang zur Heldenbezeugung. „Vor der BZÖ-Zentrale umarmten Passanten orange Funktionäre“, berichtet das Boulevardblatt „Österreich“. Dem ist so. Auch in der Landeshauptstadt Klagenfurt wird die Orangenpartei erstmals den Bürgermeister stellen. Ein ganzes Land scheint der politischen Nekromanie zu verfallen, vergleichbar der symbolischen Befriedigung und anbetenden Erbauung an einem toten Führer. Fleißig strickt man am Heldenlied des Verunglückten.

Das freiheitliche Lager (Bundes-FPÖ und BZÖ zusammengerechnet) liegt in Kärnten nunmehr bei fast 50 Prozent und auch sonst ist die Tendenz überall steigend. Schön langsam träumt man den Traum von der stimmenstärksten Kraft, nicht nur in Kärnten, sondern auch auf Bundesebene. Zappenduster schaut es für Kontrahenten aus, insbesondere für die in Wien regierende SPÖ. In Kärnten etwa ist die einstige Mehrheitspartei nur noch ein Wrack. 10 Prozent hat sie verloren und liegt nun bei 28 Prozent. So tief im Keller war man noch nie. Auch bei der zweiten Landtagswahl, in Salzburg, mussten die Sozialdemokraten herbe Verluste hinnehmen. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller konnte mit einem Minus von 6 Prozent den ersten Platz nur knapp verteidigen. Aber auch für die christlichkonservative ÖVP und die Grünen war am gestrigen Sonntag nicht viel zu holen.

Freitag, 06.03.09