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Außerösterreichisch

Auftakt der Ski-WM in Bormio

von Franz Schandl

Obwohl die „strahlenden Helden in Rot-Weiß-Rot“ (Kronen Zeitung) im Super-G am Samstag mit den Plätzen 2-4 ihre Überlegenheit demonstrierten, schnappte ihnen einmal mehr Bode Miller (USA) den Sieg weg. „Gold-Raub“, titelte der Wiener Kurier vom Sonntag. Analytisch ist das leicht zu fassen: „Niemand scheißt sich weniger als der Miller“, so Armin Assinger, der österreichische Ex-Skirennläufer und Co-Kommentator des ORF. Das ist jetzt zwar noch keine nationale Tragödie, aber doch ein kleiner Dämpfer. Vor allem, weil der natürliche Favorit, Hermann Maier, in seiner Paradedisziplin gar nur Vierter geworden ist.

Bescheiden wie schon in den letzten Jahren die Deutschen, denen es immerhin gelang, mit dem gesundheitlich lädierten Florian Eckert den sechsten Platz zu erkämpfen. Im ARD war daher mehr an Euphorie („Klasse, der Florian“) zu verzeichnen als im ORF. Arg genervt zeigte man sich hierzulande auch über den italienischen Fernsehsender RAI: Was Kameraführung und Zuschauerzuführung betrifft, da haben die einfach nix drauf, diese Italiener. „Umblenden! Umblenden! „, schrie Assinger nicht nur einmal. Oder gar: „De zagn iam von hinten in da Traversen! “ Dass sie südlich des Brenners nicht alle skisüchtig sind, kann man nördlich davon nicht nachvollziehen.

Sicher scheint eines: Diese Weltmeisterschaften werden einmal mehr zu außerösterreichischen Meisterschaften, was meint, dass außer den Österreichern auch andere am Start sind, dass außer den Österreichern ab und zu andere gewinnen dürfen, aber (ganz wichtig! ) dass außer den Österreichern niemand außerordentlich ist. Die Franzosen sind schon des längeren abgemeldet, die Schweizer seit einigen Jahren im Out und auch die norwegischen Elche sind nicht mehr das, was sie einst gewesen sind. Wie die USA als einzige politische Supermacht übrig geblieben sind, so Österreich als die alpine Weltmacht.