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Ab in die Fr├╝hpension!

von Franz Schandl

Welch Unlogik! Da schaut doch jede Gruppe auf sich, bloß bei den Politikern soll das anders sein. Nur, was soll eigentlich so schlimm sein an ihnen, gar schlimmer als an allen andern? Warum sollten gerade die mehr Anstand als Verstand haben? Warum soll ausgerechnet den Politikern eine andere Haltung abverlangt werden als sie allen gesellschaftlichen Mitgliedern aufgezwungen wird?

Die Politiker sind jedenfalls nicht irrer als die, die sie bedienen. Sonst würden diese jene ja nicht wählen. Die immer wieder angeheizte Debatte über Politikergehälter und Politikerpensionen ist daher das pur-populistische Ablenkungsmanöver. Wenn jetzt jemand einwendet, dass aber genau das die Leute aufrege, dann ist genau das das Blöde.

Ist der Aufschrei nicht besser als das vermeintliche Vorhaben? Aber woher denn, gehen tut es um was anderes: Wir sollen nicht über den Sozialabbau und seine strukturelle Basis diskutieren, sondern ihn im Gegenteil regelrecht propagieren, indem wir uns dazu hergeben zu schreien: „Die dürfen aber auch nicht ausgenommen werden.“ So wird der Politiker stellvertretend zum Sündenbock, an dem es sich abzureagieren gilt.

Und das ist kein spezieller Aufruf, die Politiker ungeschoren zu lassen, sondern überhaupt das allseits akzeptierte Abrasieren in Frage zu stellen. Eben nicht in den allgemeinen Kanon von „Wem schneiden wir was weg? “ einzustimmen. Vor allem über den gesellschaftlichen Hintergrund dieser „Reformen“ zu reden. Dass das Herumdoktern an den Politikerbezügen vom Budget her betrachtet sowieso ein Furz im Wind ist, sollte nicht extra erwähnt werden.

Dumping ist jedenfalls angesagt. Geblutet werden muss, und zwar kräftig. Wenn wir schon drankommen, müssen die anderen noch viel mehr rangenommen werden. Opfer schreien nach Opfern. Wie ginge es uns allen besser, würden die Politiker nicht 5000 Euro Pension, sondern nur mehr 2000 bekommen. Da käme Freude auf. Wirkliche Lebensfreude ist doch Schadenfreude, oder?

Indes, wenn es jemand verdient, in Frühpension geschickt zu werden, dann doch gerade die Politiker.