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	<title>Streifzüge &#187; Weg und Ziel 1999-5</title>
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		<title>Die &#8220;Minderwertigen&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus / Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wert / Tausch]]></category>
		<category><![CDATA[Grigat; Stephan]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 1999-5]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/die-minderwertigen">Die &#8220;Minderwertigen&#8221;</a></p>
Rassismus und Wertvergesellschaftung]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/die-minderwertigen">Die &#8220;Minderwertigen&#8221;</a></p>
<h3>Rassismus und Wertvergesellschaftung</h3>
<p><em>von Stephan Grigat </em> <span id="more-888"></span></p>
<p>In &Ouml;sterreich und in der BRD ist es im offiziellen Sprachgebrauch &uuml;blich, den Begriff &quot;Rassismus&quot; nicht auf die heutige Zeit anzuwenden. In den postnationalsozialistischen Gesellschaften spricht man in der Regel von &quot;Ausl&auml;nderfeindlichkeit&quot; oder von &quot;Fremdenangst&quot; und ist bem&uuml;ht, den Rassismus Begriff f&uuml;r die Nazi-Zeit zu reservieren. 1</p>
<p>Dementsprechend werden Gegenaktionen meist auch nicht als antirassistisch bezeichnet, sondern als Aktionen gegen &quot;Ha&szlig;&quot; und &quot;Gewalt&quot; oder eben gegen Ausl&auml;nderfeindlichkeit begriffen. Es spricht zwar einiges daf&uuml;r, den Rassismus der Nazis in seiner Einmaligkeit hervorzuheben; das hei&szlig;t aber nicht, da&szlig; es in der BRD oder in &Ouml;sterreich nach 1945 keinen Rassismus mehr gegeben hat. Gerade der Begriff der &quot;Ausl&auml;nderfeindlichkeit&quot; legt nahe, da&szlig; alle Ausl&auml;nder und Ausl&auml;nderinnen in &Ouml;sterreich oder der BRD gleicherma&szlig;en von Diskriminierung, Verfolgung und Gewalt betroffen sind, was aber offenkundig nicht der Fall ist. Der Begriff &quot;Rassismus&quot; hingegen reflektiert, da&szlig; meistens nur eine Ausgrenzung von Personen stattfindet, die ganz bestimmten, von Rassistinnen und Rassisten konstruierten &quot;Kulturkreisen&quot; zugeordnet werden.</p>
<p>Dennoch bleibt es problematisch, den Begriff &quot;Rassismus&quot; heute im gleichen Sinne zu verwenden wie vor f&uuml;nfzig Jahren. Ein Rassismus, der mit Kategorien wie &quot;Blut&quot;, &quot;Untermensch&quot; und &quot;Rasse&quot; argumentiert und aufgrund dieser Kategorien eine Sortierung und Hierarchisierung von Menschen vornimmt, ist heute deutlich seltener anzutreffen als fr&uuml;her. Das weitgehende Verschwinden des Rasse-Begriffs bedeutet aber keineswegs auch das Verschwinden des Rassismus. Offensichtlich ist es gelungen, den Rassismus in eine andere Form zu bringen, ihn zu transformieren. Die demokratischen Staatsb&uuml;rgerinnen und -b&uuml;rger sind heute Rassisten und Rassistinnen, ohne da&szlig; sie sich als solche diffamieren lassen m&uuml;&szlig;ten.</p>
<p>Schon seit einigen Jahren wird sowohl in der akademischen als auch in der linksradikalen Diskussion versucht, den Ver&auml;nderungen des Rassismus theoretisch gerecht zu werden. Etienne Balibar charakterisierte den Neorassismus schon Ende der achtziger Jahre als einen &quot;Rassismus ohne Rassen&quot;, als einen Rassismus, der nicht mehr biologistisch argumentiert, &quot;sondern die Unaufhebbarkeit der kulturellen Differenzen&quot;2 propagiert. Da dieser Neorassismus die fr&uuml;her &uuml;bliche Hierarchisierung von Gruppen, V&ouml;lkern oder &quot;Rassen&quot; nicht mehr offen propagiert, sondern vorgibt, lediglich auf den aufrechtzuerhaltenden Unterschieden zwischen den verschiedenen Gruppen von Menschen zu bestehen, wurde er beispielsweise von Taguieff als differentialistischer Rassismus bezeichnet. 3 Zurecht ist aber auch schon fr&uuml;h darauf hingewiesen worden, da&szlig; mit der scheinbaren Abkehr von biologistischen Kategorien in Wirklichkeit eine &quot;Wiederkehr des Biologischen&quot;4 eingeleitet wird. Es ist also durchaus vorstellbar &#8212; und zum Teil heute auch bereits zu beobachten &#8212;, da&szlig; die gegenw&auml;rtig immer noch vorherrschende Variante eines eher kulturalistischen Rassismus nur eine &Uuml;bergangsformation auf dem Weg zu einer Renaissance eines biologistischen, quasi klassischen Rassismus ist.</p>
<p>So wichtig die Diskussion &uuml;ber das Verh&auml;ltnis von , altem&#8216; Rassismus und Neorassismus ist, so offensichtlich tritt jedoch auch ihre Beschr&auml;nktheit zutage. Die Diskussion bewegte und bewegt sich weitgehend auf einer rein empirischen Ebene. Eine begriffliche Bestimmung von Rassismus, die &uuml;ber eine einfache Definition hinausgeht, wurde nicht entwickelt. Was in fast allen Debatten zum Rassismus, zur Ausl&auml;nderfeindlichkeit, zur Fremdenangst oder zum Exotismus fehlt, ist der Versuch, die Genese und Existenz von rassistischem Bewu&szlig;tsein aus der Analyse der wert- und warenf&ouml;rmigen Struktur der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft zu begreifen. Einer der wenigen Versuche, Rassismus und die basale Struktur kapitalistischer Vergesellschaftung zusammenzudenken, soll daher im folgenden pr&auml;sentiert werden.</p>
<p><strong>Rassismus und Wert</strong></p>
<p>&Auml;hnliches wie f&uuml;r den Antisemitismus gilt auch f&uuml;r den Rassismus: Beide Ph&auml;nomene wurden und werden in der marxistischen Theorietradition meist nur als funktional f&uuml;r den Kapitalismus verstanden. In der Regel ersch&ouml;pfte sich die Erkl&auml;rung f&uuml;r Antisemitismus und Rassismus in dem Hinweis auf diese Funktionalit&auml;t.</p>
<p>Peter Schmitt-Egner stellte bereits in den siebziger Jahren fest, da&szlig; der Zusammenhang von Rassismus und Kapitalismus in der bisherigen Linken nur konstatiert, aber nicht bewiesen wurde. Den Grund daf&uuml;r sah er in eben jener ausschlie&szlig;lich funktionalen Bestimmung des Rassismus, wodurch dieser nicht mehr als politisch-theoretisches, sondern nur mehr als moralisches Problem behandelt wurde. Er wurde nicht als &quot;gesellschaftlich notwendige Bewu&szlig;tseinsform der warenproduzierenden und austauschenden Gesellschaft begriffen (&#8230; ), sondern nur als <em>Instrument</em> der Unterdr&uuml;ckung der L&auml;nder der , Dritten Welt&#8216;&quot;. 5 Schmitt-Egner hingegen will Rassismus als gesellschaftlich notwendigen Schein der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft nachweisen. Dazu setzt er Rassismus in Beziehung zur Existenz des Werts, wie Marx sie im &quot;Kapital&quot; analysiert hat. Wenn der Wert &quot;den abstrakten Grund der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft bildet, so mu&szlig; dieser auch f&uuml;r den Rassismus als Bewu&szlig;tseinsform gelten&quot;. 6</p>
<p>Schmitt-Egner unterscheidet bei der begrifflichen Entwicklung des Rassismus drei Stufen. Auf der Ebene der Warenform m&uuml;sse der Rassismus als notwendige Bewu&szlig;tseinsform der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft begriffen werden. Auf der Ebene der Kapitalform geht es um die &quot;objektive M&ouml;glichkeit des Rassismus als <em>herrschende</em> Bewu&szlig;tseinsform dieser Gesellschaft&quot;. 7 Schlie&szlig;lich m&uuml;ssen die Bedingungen, unter denen die M&ouml;glichkeit des Rassismus in Wirklichkeit umschl&auml;gt, untersucht werden. Auf die historische Darstellung der konkreten Bewegung des Begriffs verzichtet Schmitt-Egner explizit und &uuml;berantwortet sie der Geschichtswissenschaft. Er beharrt aber darauf, da&szlig; die &quot;begriffliche Genesis des Rassismus die Voraussetzung seiner historischen Darstellung (ist)&quot;. 8</p>
<p>Grundlage seiner &Uuml;berlegungen ist die Konstatierung der Scheidung der kapitalistischen Gesellschaft in b&uuml;rgerliche Gesellschaft und Staat, und die ihr entsprechende Trennung des Individuums in Citoyen und Bourgeois, die er in Anlehnung an Marx&#8217; Text &quot;Zur Judenfrage&quot; analysiert. Davon ausgehend zeigt er auf, wie das Wertgesetz sowohl die Menschenrechte als auch deren Negation erzeugt. Das entwickelte Geldsystem ist die Realisierung von Freiheit und Gleichheit in der Abstraktion von ihrem Inhalt. Die formale Gleichheit in der Zirkulation, die das zentrale Element der b&uuml;rgerlichen Ideologie darstellt, hat die reale Ungleichheit in der Produktion zu ihrer Voraussetzung. Nun stellt sich die Frage, warum die b&uuml;rgerliche Gesellschaft im Falle des Kolonialismus von ihrer eigenen Ideologie abgeht und den Rassismus als Ideologie der Ungleichheit der Menschen propagiert.</p>
<p>Den Hauptgrund f&uuml;r die M&ouml;glichkeit der Entstehung des Rassismus als Bewu&szlig;tseinsform im Rahmen des Kolonialismus sieht Schmitt-Egner in der Struktur der kolonialen Wirtschaft in ihrem Verh&auml;ltnis zur &Ouml;konomie der Metropolen. Aufgrund der organischen Zusammensetzung des Kapitals, also des Verh&auml;ltnisses von variablem zu konstantem Kapital, greifen die Europ&auml;erinnen und Europ&auml;er in den Kolonien bei der Ausbeutung der Arbeitskr&auml;fte prim&auml;r zur Form der Erh&ouml;hung des absoluten Mehrwerts, wohingegen in den Metropolen die Erh&ouml;hung des relativen Mehrwerts, die Erh&ouml;hung der Produktivit&auml;t, eine weitaus wichtigere Rolle spielt. Diese Extensivierung der Mehrarbeit in den Kolonien, &quot;die st&auml;ndige Erh&ouml;hung der Differenz von bezahlter und unbezahlter Arbeit&quot; f&uuml;hrt zur &quot;<em>permanente(n)</em> Senkung der Ware Arbeitskraft unter ihren Wert&quot;, 9 was die Degradierung der Kolonisierten zu &quot;Untermenschen&quot; bereits impliziert. Durch den Zwang, unter dem Wert ihrer Arbeitskraft zu arbeiten, sind sie &quot;im w&ouml;rtlichen Sinne , minderwertig&#8216;&quot;. F&uuml;r Schmitt-Egner offenbahrt sich damit die &quot;Nahtstelle der Existenzbedingung des Rassismus: wenn (&#8230;) der koloniale Arbeiter seine Arbeitskraft an der Oberfl&auml;che nicht mehr zu (ihrem) Wert verkaufen kann, so stellt sein Tauschwert kein &Auml;quivalent mehr dar, er kann also auch auf der Zirkulationsebene als ein Gleicher nicht mehr anerkannt werden&quot;. 10 W&auml;hrend die &quot;wei&szlig;en&quot; Arbeitskr&auml;fte ihr Mensch-Sein aus dem Verkauf der Arbeitskraft zu ihrem Wert sch&ouml;pfen, werden die Arbeitskr&auml;fte der Kolonien eben in diesem Proze&szlig; von W-G-W, also Ware-Geld-Ware, bei dem W-G gleich G-A, also der Tausch von Geld gegen Arbeitskraft ist, um ihr Mensch-Sein gebracht. Aus der &ouml;konomischen Zwangsl&auml;ufigkeit, da&szlig; der K&auml;ufer oder die K&auml;uferin die Arbeitskraft unter ihrem Wert kauft, um selbst gegen die Metropolen konkurrenzf&auml;hig zu bleiben, entf&auml;llt auch jegliche M&ouml;glichkeit einer formalen Gleichheit. Der Rassismus entspringt aus der &quot;Differenz von historisch-moralischer Reproduktion und physischer Reproduktion&quot;. Die Wertbestimmung als Mensch wird vollends in Natur aufgel&ouml;st. Die Kolonisierten werden auf Tiernaturen reduziert. &quot;Der Kolonisierte erscheint deswegen als , tierisch&#8216;, weil hier seine gesellschaftliche Bestimmung mit der ersten Naturbestimmung zusammenf&auml;llt. &quot;11 Vor diesem Hintergrund erscheint der Kapitalexport als Kultur- und Zivilisationsexport. Bei den zu unterwerfenden Menschen hat die Wertf&ouml;rmigkeit die menschliche Arbeit selbst noch nicht erfa&szlig;t. Dadurch, da&szlig; sie keinen Mehrwert produzieren, erscheinen sie als minderwertig oder wertlos. Als Subjekt wird in der wertfetischistischen Sichtweise nur anerkannt, wer als Tauschender auftritt.</p>
<p>W&auml;hrend in den Kolonien die zweite Natur des Menschen auf die erste reduziert wird, &quot;so wird in der Metropole umgekehrt die , erste&#8216; auf die , zweite Natur&#8216; reduziert&quot;. 12 In den Metropolen f&uuml;hrt nach Schmitt-Egner die Fetischisierung des zinstragenden Kapitals einerseits zu einem aktiven und aggressiven Antisemitismus, andererseits zu einer von ihm als &quot;passivisch-defensiv&quot; gekennzeichneten , Blut und Boden&#8216;-Ideologie. Die Erscheinung des Werts in der fetischisierten Form der entfalteten Zirkulation erzeuge die &quot;Formen des Rassismus im Innern&quot;. 13 Wenn er von den &quot;Formen des Rassismus im Innern&quot; schreibt, meint er offenbar in erster Linie den Antisemitismus, der bei ihm nicht eigenst&auml;ndig behandelt und erkl&auml;rt, sondern als eine spezielle Form dem Rassismus subsumiert wird.</p>
<p>Schmitt-Egners werttheoretische Bestimmung des Rassismusbegriffs ist wenig rezipiert worden. Eine explizite Orientierung an ihr fand sich bei der Gruppe K und bei Werner Ruf. 14 Jost M&uuml;ller lobt Schmitt-Egners Arbeiten als eine Ausnahme in den fr&uuml;hen bundesdeutschen, von einem &ouml;konomischen Reduktionismus gepr&auml;gten Debatten zum Rassismus, kritisiert jedoch &#8212; ausgehend von der Ideologietheorie Althussers &#8212; sein angebliches Ausdrucksdenken, das alle gesellschaftlichen Ph&auml;nomene nur als Hervorbringung des Wertgesetzes begreifen k&ouml;nne. 15 Eine der wenigen Kritiken zu Schmitt-Egner hat Kappeler geliefert. Er h&auml;lt dessen Ausf&uuml;hrungen zwar f&uuml;r die &quot;tiefsch&uuml;rfendste Rassismusanalyse im Rahmen marxistischer Ideologiekritik&quot;, 16 weist aber darauf hin, da&szlig; die Brauchbarkeit derartiger Auseinandersetzungen mit dem Rassismus ihre Grenze in der fragw&uuml;rdigen These findet, &quot;da&szlig; diese Bewu&szlig;tseinsform erst auf dem Boden kapitalistischer Entwicklungen entstehen und im imperialistischen Kolonialismus des 19. Jahrhunderts zur vollen Entfaltung kommen konnte&quot;. 17 Auch wenn Kappeler mit der Annahme &uuml;bereinstimmt, da&szlig; die <em>volle</em> Entfaltung und <em>globale</em> Wirkung des Rassismus erst mit der universalen Durchsetzung der Gesetze des Werts einhergeht, verweist er darauf, da&szlig; die marxistische Rassismustheorie einschlie&szlig;lich jener Schmitt-Egners den Rassismus des 15. Jahrhunderts, dessen Existenz historisch einwandfrei bewiesen sei, aufgrund des Festhaltens an der These, Rassismus sei nur vor dem Hintergrund des Kapitalismus denkbar, nicht erkl&auml;ren kann.</p>
<p>Dazu l&auml;&szlig;t sich anmerken, da&szlig; bereits im 15. Jahrhundert Warenwirtschaft, wenn auch vorkapitalistische, existierte. Man k&ouml;nnte also versuchen, auch den vormodernen Rassismus zum Prinzip des Tausches in Beziehung zu setzen. Prinzipiell ist Kappelers Kritik aber, die implizit die Frage aufwirft, f&uuml;r welchen historischen Zeitraum werttheoretische und wertkritische &Uuml;berlegungen &uuml;berhaupt G&uuml;ltigkeit haben k&ouml;nnen, zuzustimmen. Sie verweist auf die Wichtigkeit, auch vormoderne Fetischformen zu untersuchen. F&uuml;r weiterf&uuml;hrende Untersuchungen wird es darauf ankommen, vorkapitalistische Fetischformen eingehender zu analysieren, zu fragen, ob es einen nicht-kapitalistischen Warenfetisch gegeben hat und zu untersuchen, inwiefern solche vorkapitalistischen Fetischformen mit vorkapitalistischen Formen von Rassismus in Verbindung stehen.</p>
<p><strong>Zum Verh&auml;ltnis von Antisemitismus und Rassismus</strong></p>
<p>Lange Zeit ist Antisemitismus nicht als eigenst&auml;ndiges Ph&auml;nomen wahrgenommen worden. Insbesondere in der marxistischen Literatur ist Antisemitismus oft nur als eine besondere Form von Rassismus begriffen worden, dessen Erkl&auml;rung sich in der Erkl&auml;rung des allgemeinen Ph&auml;nomens Rassismus ersch&ouml;pfte. Rassismus und Antisemitismus stehen aber in einem jeweils unterschiedlichen Verh&auml;ltnis zur Wertverwertung und dem ihr eigenen Fetischismus. Im fetischistischen Bewu&szlig;tsein der b&uuml;rgerlichen Warensubjekte nehmen Rassismus und Antisemitismus unterschiedliche Pl&auml;tze ein.</p>
<p>Das b&uuml;rgerliche Subjekt ist nicht in der Lage, Identit&auml;t aus sich selbst zu erlangen. Es erlangt sie nur in einem &quot;Proze&szlig; einer st&auml;ndigen Abgrenzung und eines permanenten Zweifrontenkrieges gegen das , unwerte&#8216; und gegen das , &uuml;berwertige&#8216; Leben&quot;. 18 Die Abgrenzung gegen die Unterwertigen findet im Rassismus ihren Ausdruck. Gegen die &Uuml;berwertigen richtet sich der Antisemitismus. Den Opfern des Rassismus wird nicht ihre &Uuml;berlegenheit, sondern ihre Unterlegenheit vorgeworfen. Nicht gegen ihre Allmacht, sondern gegen ihre Ohnmacht wendet sich der Rassismus. J&uuml;dinnen und Juden hingegen gelten als allm&auml;chtig. In ihrer Abstraktheit beherrschen sie f&uuml;r das antisemitische Bewu&szlig;tsein die ganze Welt. Ihre Identifikation mit der abstrakten Seite der kapitalistischen Warenwirtschaft, mit dem Wert, macht sie zur Personifikation des globalen Prinzips subjektloser Herrschaft.</p>
<p>Dabei mu&szlig; hervorgehoben werden, da&szlig; es hier nur um eine allgemeine begriffliche Bestimmung von Rassismus gehen kann. Nat&uuml;rlich finden sich im rassistischen Bewu&szlig;tsein auch Phantasien von einer Allm&auml;chtigkeit der Rassifizierten. Zu nennen w&auml;ren diesbez&uuml;glich etwa Vorstellungen von angeblicher sexueller Omnipotenz, die allerdings an der Einsch&auml;tzung der Opfer des Rassismus als Unterwertige nichts &auml;ndert und die Reduzierung der Rassifizierten auf die erste Natur nur mehr um eine Facette erg&auml;nzt. Au&szlig;erdem lassen sich auch hier wichtige Unterschiede zwischen antisemitischen und rassistischen Zuschreibungen aufzeigen. &quot;Schwarze&quot; imaginiert sich das rassistische Bewu&szlig;tsein in der Regel als muskelbepackte Immerk&ouml;nner, als Orgasmus-MPs mit endlos langen Genitalien. H&auml;ufig kommt dazu noch das Bild vom &quot;schwarzen&quot; Vergewaltiger. Der Jude hingegen fungiert in der antisemitischen Projektion nicht als Vergewaltiger, sondern als Verf&uuml;hrer, als hinterh&auml;ltiger Verderber, der seine Opfer nicht durch physische Gewalt oder &auml;u&szlig;erliche Reize ins Elend st&uuml;rzt, sondern durch eine Art emotionaler und psychischer Heimt&uuml;cke. Das entsprechende Bild ist nicht das vom naturverbundenen, wohlgeformten jungen Kerl, sondern jenes vom alten, gekr&uuml;mmten geilen Bock. 19</p>
<p>Der Antisemitismus weist eine gro&szlig;e Affinit&auml;t zu den Fetischformen des Werts auf. Seine Struktur ist ihnen &auml;hnlich. Der Rassismus basiert zwar in wesentlichen Punkten auf der Inwertsetzung menschlicher Arbeitskraft, die als Inwertsetzung der Menschen erscheint; das rassistische Bewu&szlig;tsein weist aber nicht dieselben strukturellen &Auml;hnlichkeiten zum aus der &Ouml;konomie entspringenden fetischistischen Bewu&szlig;tsein auf wie der Antisemitismus. Die Rassifizierten erscheinen dem rassistischen b&uuml;rgerlichen Subjekt nicht als Verk&ouml;rperung des Werts, sondern vielmehr &quot;als die willenlosen Objekte des Marktes, als Verk&ouml;rperung des Gebrauchswerts &#8212; als Natur&quot;. 20</p>
<p>Die Funktionalit&auml;t von Rassismus und Antisemitismus f&uuml;r die Aufrechterhaltung von Herrschaft ist offensichtlich. Es handelt sich dabei um eine objektive Funktionalit&auml;t. Im Falle des Rassismus ist sie jedoch weitaus &ouml;fter als beim Antisemitismus auch als subjektiv intendierte Funktionalit&auml;t zu beobachten. Gerade in diesem Fall, beim bewu&szlig;ten Einsatz des Rassismus als Herrschaftsmittel, relativiert sich dieser Rassismus aber an den grunds&auml;tzlichen Erfordernissen der Herrschaft, f&uuml;r die er funktionalisiert werden soll. Das praktische Beispiel daf&uuml;r liefert der demokratische Rassismus und Nationalismus, der Menschen ziemlich genau nach den nationalstaatlichen und national&ouml;konomischen Erfordernissen rassifiziert und die Scheidung in In- und Ausl&auml;nder und In- und Ausl&auml;nderinnen kraft seiner Gewalt in die Welt setzt und aufrecht erh&auml;lt. 21 Der Antisemitismus hingegen ist prinzipiell zwar ebenso herrschaftsfunktional, kennt im Zweifelsfall aber keine Relativierung, wie die nationalsozialistische Vernichtungspolitik, die sich selbst Zweck genug war und keiner zum Vernichtungsantisemitismus hinzutretenden &ouml;konomischen Rationalit&auml;t oder Herrschaftsfunktionalit&auml;t bedurfte, gezeigt hat.</p>
<p>Rassismus entspricht den allt&auml;glichen Anforderungen staatlicher Herrschaft weit mehr als Antisemitismus. Der Rassismus ist daher &#8212; im Sinne von Herrschaftsrationalit&auml;t &#8212; rationaler. Zentrale Wesensmerkmale des Antisemitismus sind hingegen irrational. 22 Das antisemitische Bewu&szlig;tsein, das sich die Opfer seines Hasses heute in aller Regel erst erfinden mu&szlig;, ist bei weitem wahnhafter als ein Rassismus, der zwar auch von selbstgeglaubten L&uuml;gen lebt, sich aber immer noch beispielsweise auf reale Konkurrenzsituationen beziehen kann.</p>
<p>Rassismus und Antisemitismus sind aber nicht nur in unterschiedlicher Weise und in unterschiedlichem Ausma&szlig; objektiv herrschaftsfunktional, sondern erf&uuml;llen auch f&uuml;r das Bewu&szlig;tsein des b&uuml;rgerlichen Subjekts unterschiedliche Funktionen. Das b&uuml;rgerliche Subjekt als solches ist nichtig. Der Rassismus vollbringt seine Identit&auml;tsbildung, insofern es sich in &quot;Kategorien von Arbeit und Geld, von Gesetz und Eigentum begreifen kann&quot;. Der Antisemitismus hingegen &quot;soll die Implosion dieses Subjekts verhindern, das Nichts seiner Identit&auml;t durch Vernichtung kurieren&quot;. 23</p>
<p>In beiden F&auml;llen, beim Rassismus wie beim Antisemitismus, handelt es sich um Basisideologien der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft, um fetischistische Reflexionen der kapitalistischen Warenwirtschaft und um Bedrohungsszenarien, die sich die staatsb&uuml;rgerlichen Warensubjekte halluzinieren. Im Rassismus wenden sie sich gegen ihre R&uuml;ckf&uuml;hrung auf die erste Natur. Im Antisemitismus hingegen imaginieren sie sich ihre Vernichtung durch den &uuml;berlegenen Geist, durch die Allmacht des Abstrakten, 24 der sie durch die Vernichtung der personifizierten Abstraktheit zuvorzukommen gedenken.
<ul>
<p><em>&#9;Stephan Grigat ist Politikwissenschaftler und Redakteur der Zeitschrift &#8220;Context XXI&#8221;. </em> </ul>
<p><strong>Anmerkungen</strong>
<ul>
<p><em>1&#9;Vgl. von Dijk, Teun A. : Subtiler Rassismus in westlichen Parlamenten, in: Butterwegge, Christoph/ J&auml;ger, Siegfried (Hg. ): Rassismus in Europa. K&ouml;ln 1992, S. 209. Insofern markiert das Motto der Demo vom 12. November 1999 in Wien &#8212; &quot;Keine Koalition mit dem Rassismus&quot; &#8212; eine Wende. Da&szlig; nun versucht wird, das Kind beim Namen zu nennen, hat seinen Grund in erster Linie jedoch darin, da&szlig; Gr&uuml;ne, Liberale, SP&Ouml; und &Ouml;VP nat&uuml;rlich wissen, da&szlig; man ihnen vielleicht in dem einen oder anderen Fall Ausgrenzung, Intoleranz oder auch ausl&auml;nderfeindliche Tendenzen vorhalten mag, aber doch nicht</p>
<p>Rassismus. Der sei schlie&szlig;lich bei den Rechtspopulisten von der FP&Ouml; zu Hause &#8212; und zwar nur dort. </em></p>
<p><em>2&#9;Balibar, Etienne: Gibt es einen , neuen Rassismus&#8216;? , in: &#8220;Das Argument&#8221;, Nr. 175, 31. Jg. , 1989, S. 373. </em></p>
<p><em>3&#9;Vgl. Taguieff, Pierre-Andr&eacute;: Die ideologischen Metamorphosen des Rassismus und die Krise des Antirassismus, in: Bielefeld, Uli (Hg. ): Das Eigene und das Fremde. Neuer Rassismus in der alten Welt? Hamburg 1992, S. 221 ff. </em></p>
<p><em>4&#9;Balibar, a. a. O. , S. 378</em></p>
<p><em>5&#9;Schmitt-Egner, Peter: Wertgesetz und Rassismus: Zur begrifflichen Genesis kolonialer und faschistischer Bewu&szlig;tseinsformen, in: &#8220;Gesellschaft. Beitr&auml;ge zur Marxschen Theorie&#8221; 8/9. Frankfurt/M. 1976, S. 351. Vgl. dazu auch Schmitt-Egner, Peter: Kolonialismus und Faschismus. Gie&szlig;en/ Lollar 1975. </em></p>
<p><em>6&#9;Schmitt-Egner: Wertgesetz und Rassismus, a. a. O. , S. 352. </em></p>
<p><em>7&#9;Ebd. , S. 353</em></p>
<p><em>8&#9;Ebd. , S. 364. </em></p>
<p><em>9&#9;Ebd. , S. 376 f. </em></p>
<p><em>10&#9;Ebd. , S. 377. </em></p>
<p><em>11&#9;Ebd. </em></p>
<p><em>12&#9;Ebd. , S. 395. </em></p>
<p><em>13&#9;Ebd. , S. 397. </em></p>
<p><em>14 Vgl. M&uuml;ller, Jost: Mythen der Rechten. Nation, Ethnie, Kultur. Berlin &#8212; Amsterdam 1995, S. 93 und S. 129. </em></p>
<p><em>15&#9;Vgl. Ruf, Werner: &Ouml;konomie und Rassismus, in: Autrata, Otger u. a. (Hg. ): Theorien &uuml;ber Rassismus. Berlin 1989, S. 77 ff. ; Gruppe K Berlin: Zur Diskussion um Rassismus und Antirassismus, in: &#8220;Bahamas&#8221;, Nr. 12, 1993, S. 47 ff. </em></p>
<p><em>16&#9;Kappeler, Manfred: Rassismus. &Uuml;ber die Genese einer europ&auml;ischen Bewu&szlig;tseinsform. Frankfurt/M. 1994, S. 9. </em></p>
<p><em>17&#9;Ebd. , S. 4. </em></p>
<p><em>18&#9;Bruhn, Joachim: Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation. Freiburg i. Br. 1994, S. 84. </em></p>
<p><em>19&#9;Vgl. Jacoby, Jessica/ Lwanga, Gotlinde Magiriba: Was , sie&#8216; schon immer &uuml;ber Antisemitismus wissen wollte, aber nie zu denken wagte, in: &#8220;Beitr&auml;ge zur feministischen Theorie und Praxis&#8221;, Heft 27, 13. Jg. , 1990, S. 95. </em></p>
<p><em>20&#9;Scheit, Gerhard: Bruchst&uuml;cke einer politischen &Ouml;konomie des Antisemitismus, in: &#8220;Streifz&uuml;ge&#8221;, Nr. 1, 1997, S. 6. Vgl. auch Scheit, Gerhard: Verteufelung der Juden, Auferstehung des Blutes. &Uuml;ber den Zusammenhang von religi&ouml;sem Judenha&szlig; und rassistischem Antisemitismus, in: &#8220;Weg und Ziel&#8221;, Nr. 2, 56. Jg. , 1998, S. 35. </em></p>
<p><em>21&#9;Vgl. Huisken, Freerk: Nichts als Nationalismus. Deutsche Lehren aus Rostock und M&ouml;lln. Ein antirassistisches Tagebuch. Hamburg 1993. </em></p>
<p><em>22&#9;Zur Problematik der Begriffe Rationalit&auml;t und Irrationalit&auml;t in der</p>
<p>fetischistischen Warengesellschaft vgl. Krug, Uli: Ewiges R&auml;tsel Auschwitz. &Uuml;ber die Unf&auml;higkeit, den s&auml;kularen Zivilisationsschwund auf den Begriff zu bringen, in: &#8220;Bahamas&#8221;, Nr. 25, 1998, S. 30 ff. Vgl. auch Quadfasel, Lars: Was Fakt ist, bestimmt die Theorie. Einige &Uuml;berlegungen zur sogenannten &Ouml;konomie der Endl&ouml;sung, in: &#8220;Bahamas&#8221;, Nr. 27, 1998, S. 29 ff. </em></p>
<p><em>23&#9;Bruhn, a. a. O. , S. 98. </em></p>
<p><em>24&#9;Vgl. ebd. </em> </ul>
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		<title>Radikale Affirmation</title>
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		<pubDate>Wed, 26 May 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Postmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Behrens; Roger]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 1999-5]]></category>

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Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/radikale-affirmation">Radikale Affirmation</a></p>
<h3>Zur Ideologie eines postmodernen Bildungsbegriffs</h3>
<p><em>von Roger Behrens </em> <span id="more-887"></span></p>
<p>Zum Ende der Diskussionen um die sogenannte Postmoderne, wie sie vor allem in den Feuilletons der b&uuml;rgerlichen Presse gepflegt werden, betritt ein r Topos den theoretischen Circus: Bildung. Im Sinne einer &Uuml;berpr&uuml;fung der Ideale und Leitwerte von Bildung, zu der entsprechende Institutionen erziehen, wird das letzte Richtschwert gezogen, an dem sich messen lassen soll, ob die Moderne nun von der Postmoderne abgel&ouml;st wurde, oder diese blo&szlig; den Wechsel in die &quot;Zweite Moderne&quot; (Ulrich Beck) katalysierte. Positiv ist dabei zu bemerken, da&szlig; &uuml;berhaupt Bildung wieder thematisiert wird; auch erf&auml;hrt die Postmodernedebatte anhand des Bildungsthemas eine gewisse Konkretisierung.</p>
<p>L&auml;ngst ist Bildung wieder ein politisches Thema, allerorten werden Bildungsmangel oder ihre Fehlleistungen beklagt &#8212; offenbar gen&uuml;gt die herrschende Bildungspraxis nicht mehr den Anforderungen der gegenw&auml;rtigen Gesellschaft. Gerade im Schatten der vorangegangenen Diskussionen um die Postmoderne wurden selbst &#8218;kritische&#8216; Bildungstheorien in ihren modernistischen Grunds&auml;tzen verunsichert: Chancengleichheit, Bildung f&uuml;r alle, Autonomie &#8212; all dies erscheint nicht mehr selbstverst&auml;ndlich, wird nach typischen Mustern der Postmoderne &quot;dekonstruiert&quot;: Bef&ouml;rdert in einer ungleicher werdenden Gesellschaft die Chancengleichheit nicht das Gegenteil, indem die Gleichheitsdoktrin das Ungleiche ausschlie&szlig;t? Bedeutet heute Bildung f&uuml;r alle nicht gleichzeitig die Notwendigkeit von Eliten, eine allen gem&auml;&szlig;e Bildung? Bringt Autonomie nicht zugleich den Egoismus hervor, das Unflexible &#8212; und steht Bildungsautonomie nicht f&uuml;r die eurozentrische Diktatur der Aufkl&auml;rung? Kapitalistischen Arbeitszwang und Leistungsprinzip modelte man ideologisch zum Toleranzgebot gegen&uuml;ber pluralen Lebens- und Arbeitsformen. Im Namen einer &quot;Bildungs-Offensive&quot; soll das Subjekt den neuen &ouml;konomischen Erfordernissen eingepa&szlig;t werden: die flexible Verf&uuml;gbarkeit der Individuen soll sich auch in einer flexiblen Bildung widerspiegeln. Chancengleichheit, das gro&szlig;e Thema einstiger Bildungsreform, wird nun realisiert als das, was immer gemeint war: Alle sollen die gleichen Chancen haben, ihren Posten in der Verwertungsmaschine zu erreichen. Bildung m&uuml;sse &quot;jedem einzelnen die F&auml;higkeiten vermitteln, um sich in einem rasant voranschreitenden gesellschaftlichen und &ouml;konomischen Entwicklungsproze&szlig; selbstbestimmt zurechtfinden zu k&ouml;nnen (&#8230;). Wir brauchen Bildung f&uuml;r einen zielgerichteten &ouml;konomischen (&#8230;) Fortschritt. &quot;1 &#8212; Hier zeitigt wenigstens ein populistisches Verst&auml;ndnis der Postmoderne seine Wirkung, welches einmal kra&szlig; als &quot;schlechte Postmoderne&quot; benannt wurde und bereits mit dem sozialdemokratischen Weltbild der Neuen Mitte konvergiert.</p>
<p>Nach der Postmoderne ist vor der Postmoderne. An den Verh&auml;ltnissen selbst l&auml;&szlig;t sich nicht ausmachen, ob von der Postmoderne zu sprechen ist oder nicht; allerdings erweisen sich die gegenw&auml;rtigen Zustandsbeschreibungsversuche, gleich ob sie sich im Namen der Postmoderne oder Moderne geben, als postmodern in ihren theoretischen Verfahren ebenso wie im Befund. Dies zeigt sich etwa in den Beschreibungen von gegenw&auml;rtiger Gesellschaft, die Bildungstheorien zugrunde liegen, um eben einem Begriff von Bildung Konturen zu verleihen. Der Begriff der Bildung tritt gleichsam als Paradoxon auf: als letzte universalistische und essentialistische Kategorie soll Bildung zum R&uuml;stzeug f&uuml;r ein kontingentes, plurales, anti-essentialistisches Weltverst&auml;ndnis werden.</p>
<p>Heinz-Joachim Heydorn hat vom Widerspruch zwischen Bildung und Herrschaft gesprochen und damit die notwendige negative Dialektik des humanistischen Bildungsideals beschrieben: die b&uuml;rgerliche Gesellschaft proklamiert die Freiheit des Subjekts, indem sie ihm die Freiheit versagt; im Namen der m&uuml;ndigen Gesellschaft von Gleichen perpetuiert Bildung die Unm&uuml;ndigkeit der Individuen als ungleiche: &quot;Ungleichheit f&uuml;r alle. &quot;2 Der Widerspruch zwischen Bildung und Herrschaft ist ein &ouml;konomischer, der darin besteht, zu verdr&auml;ngen, da&szlig; diese Gesellschaft sich prim&auml;r nicht in der freien Wahl des bildenden Subjekts konstituiert, sondern im blinden Vollzug der Logik des Kapitals. Bildung selbst versachlicht, kehrt im &quot;Informationszeitalter&quot; wieder als Akkumulation von Fakten; kein Zufall, da&szlig; die Parole &quot;Wissen ist Macht&quot; eine sozialdemokratische ist.</p>
<p>Wenn heute von einer &quot;Neubestimmung des Bildungsbegriffs&quot; die Rede ist, gilt es zu pr&uuml;fen, auf welcher gesellschaftstheoretischen Grundlage neubestimmt werden soll: Welches Bild macht sich die Bildungstheorie von einer Welt, der sie einen neuen Begriff von Bildung anpassen m&ouml;chte? Dieses Bild er&ouml;ffnet den Hohlraum der postmodernen &Auml;ra; weder um eine Kritik der Postmoderne, noch um eine Problematisierung der spezifischen Vers&auml;umnisse der Erziehungswissenschaften ist es zu tun; kritisch ist vielmehr nachzufragen, wie neu der neubestimmte Bildungsbegriff ist, und ob er sich nicht selbst bescheidet in der Wiederholung einer postmodernen Perspektive auf die Gesellschaft. Daf&uuml;r soll zun&auml;chst bilanziert werden, was von der Postmoderne geblieben ist. Die &quot;Neubestimmung des Bildungsbegriffs&quot; wird dann exemplarisch diskutiert.</p>
<p><strong>Gute Postmoderne, schlechte Postmoderne: Danach</strong></p>
<p>&quot;Die zeitgem&auml;&szlig;e deutsche Ideologie h&uuml;tet sich vor fa&szlig;baren Lehren wie der liberalen oder selbst der elit&auml;ren. Sie ist in die Sprache gerutscht. &quot; (Theodor W. Adorno3)</p>
<p>&quot;Im Bereich der Kultur manifestiert sich der neue Totalitarismus gerade in einem harmonisierenden Pluralismus, worin die einander widersprechendsten Werke und Wahrheiten friedlich nebeneinander koexistieren. &quot; (Herbert Marcuse4)</p>
<p>Mit der Geschwindigkeit, in der im Namen der Postmoderne innerhalb k&uuml;rzester Zeitspannen diverse fundamentale und epochale Wechsel gesellschaftlicher Strukturverh&auml;ltnisse behauptet wurden, hat sich &#8218;die&#8216; Postmoderne mittlerweile selbst &uuml;berholt. &#8218;Die&#8216; Postmoderne hat es vielleicht nicht gegeben; da&szlig; der Begriff auch als sprachliche Mode beliebt und mit ihm alles Erdenkliche eben &#8218;postmodern&#8216; wurde &#8212; von der Welt im allgemeinen bis zu Sexualbeziehungen, Autos und Badezimmereinrichtungen im besonderen &#8212;, hat nicht gerade dazu beigetragen, den Begriff der Postmoderne als kritisch-analytische Kategorie ernst zu nehmen. Selten haben die Kritiker der sogenannten Postmoderne differenziert zwischen einer Theorie, die sich postmodern nannte, einem postmodernen Theoretisieren oder einer Theorie, die die Postmoderne als praktischen Gegenwartsbefund diagnostizierte. Der Einwand von Postmodernen, sie seien mit ihresgleichen nicht vergleichbar, weil Diversit&auml;t und Pluralit&auml;t, respektive Un&uuml;bersichtlichkeit und &#8218;Widerstreit&#8216; zwischen den einzelnen Repr&auml;sentanten eben so gro&szlig; seien &#8212; bereits schon als Zeichen der Postmoderne zu deuten &#8212;, schien allerdings eher eine Ausflucht darzustellen, selber nicht genau zu wissen, was man eigentlich meint. Burghart Schmidt nannte in seiner Postmodernekritik diesen theoretischen Fluchtversuch in die (vermeintlichen) Vielf&auml;ltigkeiten der Postmodernismen den Anfang der Strategien des Vergessenmachens. 5 &#8212; Insgesamt erscheinen die postmodernen Philosophien im R&uuml;ckblick als h&ouml;chst problematisch, gleichwohl einger&auml;umt werden kann, da&szlig; in einzelnen Momenten durchaus auf Erweiterungsnotwendigkeiten und &#8212;m&ouml;glichkeiten einer kritischen Theorie hingewiesen wurde, die fruchtbar zu machen sind. Von der Postmoderne bleibt allerdings auch in einer wohlwollenden Lesart nicht viel &uuml;brig; das ist haupts&auml;chlich darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, da&szlig; die Postmoderne in ihrem Angriff auf die Moderne nur vorgeblich eine epochale Sozialstruktur hinterfragte und lediglich scheinbar die zentralen wie peripheren Momente des gesellschaftlichen Ganzen in Frage stellte &#8212; Mensch, Subjekt, Geschichte, Erkenntnis, Zeit, Diskurs, Metaphysik, Sprache, Ordnung, Widerstreit, Dialektik, Vernunft, Medien, Kultur, Fortschritt, Kunst, &Auml;sthetik und dergleichen gerieten ins Kreuzfeuer der Postmoderne, nur das Konstituierende der &#8218;Moderne&#8216;, der Kapitalismus selbst, also die Spezifik der Wertlogik und des Warentauschs blieben fast vollst&auml;ndig ausgespart, erfuhren mitunter merkw&uuml;rdig affirmative Verdrehungen, oder offene, offensive Verteidigungen.</p>
<p>Das Aussparen der &ouml;konomischen Logik ist durchaus f&uuml;r beide Deutungsmuster, Moderne wie Postmoderne kennzeichnend. Allein insofern hat die Postmoderne im Ansatz bereits Grundlegendes mit dem Begriff der Moderne gemein. Aber ebenso in der inhaltlichen Orientierung stehen Beschreibungen der Moderne und der Postmoderne nicht allzu weit voneinander entfernt. Als Moderne gilt ein Zeitalter, dessen Kritik nicht mehr in der antagonistischen kapitalistischen Grundstruktur ansetzt; mit modernistischen Theorien wie etwa der von J&uuml;rgen Habermas sind postmoderne Theorien einig in der Grunddiagnose, da&szlig; a) die gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse gerade nicht prim&auml;r und fundamental durch die &Ouml;konomie, die Produktionsverh&auml;ltnisse und die Kapitallogik bestimmt werden, und da&szlig; b) die sozialen Widerspr&uuml;che pragmatisch, rational oder strategisch innerhalb des bestehenden Zusammenhangs l&ouml;sbar sind. Auch die Postmoderne erscheint als unvollendetes Projekt der Moderne. Sowohl Postmoderne wie Moderne gehen prim&auml;r von der Moderne aus; unabh&auml;ngig von den Differenzen in Analysen und Diagnosen gehen beide Seiten von einem qualitativ &auml;hnlichen Begriff der Vergesellschaftung aus: &quot;Die Moderne kann und will ihre orientierenden Ma&szlig;st&auml;be nicht mehr Vorbildern einer anderen Epoche entlehnen, sie mu&szlig; ihre Normativit&auml;t aus sich selber sch&ouml;pfen. Die Moderne sieht sich, ohne M&ouml;glichkeit der Ausflucht, an sich selbst verwiesen. &quot;6 <em>Dieser Zugriff auf Gesellschaft inklusive der implizierten Selbstverortung von Theorie und ihrer vermeintlichen Wichtigkeit wie Reichweite ist geradezu Bedingung f&uuml;r die Bildung als &quot;Deutungsmuster der Moderne&quot;. </em>7</p>
<p><strong>Postmoderne &#8212; keine neue Epoche</strong></p>
<p>Der spezifische Anspruch an Theorie, der sich im Bildungsbegriff merkw&uuml;rdig verk&ouml;rpert, durchzieht die Moderne-Postmoderne-Problematisierung: Albrecht Wellmer schreibt &uuml;ber den Begriff der Postmoderne: &quot;Man kann in ihm, bei geeigneter Blickrichtung, auch die Konturen einer radikalisierten Moderne, einer &uuml;ber sich selbst aufgekl&auml;rten Aufkl&auml;rung, eines post-rationalistischen Vernunftbegriffs entdecken. &quot;8 Eine &auml;hnliche Position wie Wellmer vertrat dann auch Jean-Fran&ccedil;ois Lyotard, der den Begriff der Postmoderne kritisch in eine &quot;redigierte Moderne&quot;9 &uuml;bersetzte: &quot;Die Postmoderne ist keine neue Epoche, sondern das Redigieren einiger Charakterz&uuml;ge, die die Moderne f&uuml;r sich in Anspruch genommen hat (&#8230;). Dieses Redigieren ist, wie gesagt, schon seit langem in der Moderne selbst am Werk. &quot;10 Die Postmoderne ist also keine Antiposition zur Moderne, auch keine Negation der Moderne oder ihre negatorische Kraft. Sie ist gewisserma&szlig;en die Fortsetzung der Moderne unter Bedingungen ihrer Nichtfortsetzbarkeit.</p>
<p><strong>Nur vordergr&uuml;ndig der Moderne entgegengesetzt</strong></p>
<p>Auch die Hauptmotive, unter denen am ehesten noch der Begriff der Postmoderne einheitlich fa&szlig;bar w&auml;re, sind nur vordergr&uuml;ndig der Moderne entgegengesetzt. Dem geht voraus, da&szlig; offenbar die Postmodernen, die f&uuml;r sich und ihre Theorie gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen pluralen Spielraum beanspruchen, um sogleich an der Moderne Totalisierungen, Universalisierungen, Linearisierungen und Zentrierungen zu bem&auml;ngeln, selbst einen Begriff totaler, universaler, linearer und zentrierter Moderne pr&auml;judizieren. Da&szlig; ein Einheitsbegriff der Moderne zwar zum Mythos der Moderne geh&ouml;rt, nicht aber zu ihrer konstituierenden Selbstbewegung, haben Theoretiker der Moderne bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts festgehalten &#8212; Georg Simmel dr&uuml;ckt das beispielsweise in dem Befund einer &#8218;Trag&ouml;die der Kultur&#8216; aus, 11 Ernst Bloch verweist in den drei&szlig;iger Jahren dann auf die Vielr&auml;umigkeit und Ungleichzeitigkeit der Moderne. 12 Als Grundz&uuml;ge der Postmoderne sind festzuhalten: a) Ein Unbehagen gegen&uuml;ber der Metaphysik oder allem, was sich der Metaphysik verd&auml;chtig macht. b) Eine Infragestellung des aufkl&auml;rerisch-humanistischen Rationalit&auml;tspostulats; dagegen wird sowohl die Vielheit der Vernunft wie auch eine Aufwertung des Irrationalen oder Vorvern&uuml;nftigen gesetzt. c) Eine Infragestellung der logischen, das hei&szlig;t sowohl empistemischen wie sprachlichen (diskursiven) Ordnung des Lebens; dem versucht man durch Irritation, Dekonstruktion oder &quot;Bezeugungen eines Widerstreits&quot; (d. i. einer Unl&ouml;sbarkeit eines Konflikts verschiedener Idiome) zu begegnen. d) Daraus folgt sowohl die &quot;Dezentrierung des Subjekts&quot; wie auch der Bruch mit &quot;Metaerz&auml;hlungen&quot;, das hei&szlig;t es wird mit der Bewu&szlig;tseinsphilosophie ebenso gebrochen wie mit der (teleologischen) Geschichtsphilosophie. e) Schlie&szlig;lich soll durch eine Aufwertung des &Auml;sthetischen im Sinne der Wahrnehmungsreflexion ein von der Moderne untersch&auml;tztes Feld der Erkenntnis, des F&uuml;hlens und des Lebens erweitert werden: die Kunst, die zugleich durch &auml;hnliche Infragestellungen ihrer modernen Rahmung als postmoderne auftritt. &#8212; Freilich sind damit nur die verborgenen Mechanismen der Moderne angesprochen: a) In der Moderne war das Metaphysikproblem stets virulent &#8212; bis zu Adorno. 13 b) Schon Herder problematisierte den Vernunftidealismus Kants. c) Freilich meldeten Voltaire oder Lichtenberg l&auml;ngst Kritik am Wissenschaftsbegriff der Aufkl&auml;rung an; da&szlig; die kritische Theorie in ihrer Auseinandersetzung mit dem Positivismus von einer Kritik der Logik inspiriert ist, sollte klar sein. d) G&uuml;nther Anders hat mit seiner Rede von der &#8218;Antiquiertheit des Menschen&#8216; schon auf die Simulatorik des Realen verwiesen; Kritik der Geschichtsphilosophie formulierte Walter Benjamin bereits als politisch-praktische Kritik. e) In der Massenkultur hat der Kapitalismus Mitte des 19. Jahrhunderts l&auml;ngst seine postmoderne Kunst hervorgebracht; nur nebenbei sei angemerkt, da&szlig; Lyotard seine Theorie des Erhabenen an Kant diskutiert, und dieser greift auch nur auf, womit wenige Jahrzehnte zuvor &uuml;berhaupt die philosophische &Auml;sthetik durch Baumgarten und Burke begr&uuml;ndet wurde. &#8212; M&ouml;gen die Verweise im einzelnen auch diskutabel sein: Dieser &Uuml;berblick in Stichworten mag wenigstens andeuten, wie wenig Postmoderne (selbsterkl&auml;rterma&szlig;en) mit der Moderne bricht. Wir werden sp&auml;terhin in Hinblick auf die Bildungsthematik noch sehen, inwiefern diese Verwandtschaft von Moderne und Postmoderne gerade in den angesprochenen Punkten von Bedeutung ist. Jedenfalls scheint es angebracht, wie G&eacute;rard Raulet es vorschl&auml;gt, den Postmodernismus in die Moderne als &quot;dialektische Ausgeburt einer krisenhaften Geschichte&quot;14 einzureihen.</p>
<p>Man braucht keinen Hehl daraus zu machen, da&szlig; nach wie vor die Erziehungswissenschaften von einer Art &#8218;theoretical lag&#8216; befangen sind, von den gerade modisch diskutierten Theorien oftmals nur den feuilletonistischen Abklatsch aufschnappen. Man mag von meiner &#8212; zugegeben verk&uuml;rzten &#8212; Postmodernedarstellung halten was man will, sie als grob und vereinfacht verwerfen; festhalten l&auml;&szlig;t sich, da&szlig; der Postmodernebegriff in den Erziehungswissenschaften eher in seinen vereinfachten Formen positiv rezipiert wurde &#8212; in jenen Formen also, die etwa von interessierter Philosophie als die schlechte Variante der Postmoderne dargestellt wurde.</p>
<p><strong>Bildung, Affirmation als Kritik</strong></p>
<p>Probleme des theoretischen Defizits betreffen innerhalb der Erziehungswissenschaften sogar den Begriff der Bildung. Eine kritische Diskussion des Bildungsbegriffs hat lange Zeit innerhalb der emanzipatorischen, kritischen Theorie keine Rolle gespielt; auch der Umweg &uuml;ber eine materialistische Kulturkritik f&uuml;hrte nur selten zum Bildungsbegriff. Bildung, an dessen Wort mehr noch als an dem der Kultur der Beigeschmack des Deutschen h&auml;ngt, wurde lediglich in den Fachgrenzen der Erziehungswissenschaften problematisiert. Hier ist der R&uuml;ckgriff auf die bildungstheoretischen Schriften Theodor W. Adornos bezeichnend15: mit der kritischen Theorie Adornos wurden zumeist nur die bestehenden Bildungstheorien &#8212; beispielsweise die geisteswissenschaftlichen Didaktiken Erich Wenigers oder Wolfgang Klafkis, oder die lerntheoretische Didaktik der Berliner Schule um Wolfgang Schulz, Gunter Otto und anderer &#8212; &#8218;erg&auml;nzt&#8216; und &#8218;erweitert&#8216;16; allgemeines Kennzeichen dieser &#8218;kritischen&#8216; Bildungstheorien ist die Annahme einer <em>regulativen Reformierbarkeit</em> des bestehenden Gesellschaftssystems, etwa vermittels von &quot;Schl&uuml;sselqualifikationen&quot;. 17 Diesen Ans&auml;tzen liegt eine der Habermasschen Sozialwissenschaft verwandte Diagnose zugrunde, wonach die &Ouml;konomie liberal-demokratisch zu steuern sei und vordergr&uuml;ndig Legitimationsprobleme die Krise des Systems bestimmen. Solche Bildungstheorien sind modernistisch, indem sie ihre theoretischen Leitkonzepte aus dem klassischen Bildungsideal ableiten: sie sind vernunftorientiert &#8212; &quot;logozentristisch&quot; k&ouml;nnte man mit Jacques Derrida sagen &#8212; und sehen in einer kritischen Bildung einen n m&ouml;glichen Schritt, das &quot;unvollendete Projekt der Moderne&quot;18 zu vollenden. Man kann sagen: die Bildungs<em>form</em> wird <em>modern</em> bestimmt; dagegen pl&auml;diert man &#8212; implizit oder explizit &#8212; f&uuml;r eine postmoderne Revision der Bildungs<em>inhalte</em>: Bildung soll vor allem den gesellschaftlichen Segmentierungs- und Fragmentierungsprozessen angepa&szlig;t werden: Toleranz f&uuml;r das Fremde, Multi- oder Interkulturalit&auml;t, Pluralismus und Differenz sind die Hauptfiguren, an denen die Neubestimmung des Bildungsbegriffs expliziert wird.</p>
<p>In der neueren Thematisierung der Bildungsproblematik, die durchaus im Namen einer &quot;Kritischen Erziehungswissenschaft&quot; operiert, ist nun feststellbar, da&szlig; radikale Theorien der Moderne, der Postmoderne und der Zweiten Moderne sich kaum wesentlich in ihrer <em>radikalen Affirmation</em> der bestehenden Verh&auml;ltnisse voneinander unterscheiden. In Hinblick auf die Bildungsthematik tritt dies nicht zuletzt deshalb besonders deutlich hervor, weil &#8212; da scheinen sich die Kontrahenten einig &#8212; im Bildungsproblem selbst sich die ganze Kritik an der Moderne absetzt, sei&#8217;s da&szlig; Bildung klassisch als die subjektive Seite der Kultur begriffen wird, sei&#8217;s da&szlig; Bildung als solche den Proze&szlig; der Individuation durch Wissensaneignung markiert. Die Wiedereinf&uuml;hrung einer Bildungsdiskussion fungiert gewisserma&szlig;en als Schnittpunkt moderner und postmoderner Konzepte: Bildung soll zum Instrument &quot;reflexiver Modernisierung&quot; werden. 19</p>
<p><strong>Postmodernedebatte bez&uuml;glich Neubestimmung des Bildungsbegriffs</strong></p>
<p>An den Diskussionen, die um eine Neubestimmung des Bildungsbegriffs bem&uuml;ht sind, ist die Postmodernedebatte nicht spurlos vor&uuml;ber gegangen. Bei aller &Uuml;bereinstimmung zwischen Moderne und Postmoderne, macht die Differenzierung weiterhin nur Sinn, wenn nichtsdestotrotz ein epochaler (also mindestens grundlegender, konstitutiver) Bruch beschrieben wird. Die Bildungsdebatte nimmt diesen Bruch zum Ausgangspunkt: &quot;Wir befinden uns in einer Welt voller Umbr&uuml;che, inmitten einer Erosionskrise, in der alte Verhaltensnormen und Orientierungsmuster nicht mehr unbesehen gelten und neue noch nicht da sind, aber intensiv gesucht werden, &quot; schreibt Oskar Negt. 20 Auch Helmut Peukert begr&uuml;ndet seine &quot;Neubestimmung des Bildungsbegriffs&quot; mit Umbr&uuml;chen, die allerdings den kommenden Generationen erst noch bevorst&uuml;nden: &quot;Den beiden n&auml;chsten Generationen, um die es in der Erziehungswissenschaft prim&auml;r geht, mu&szlig; man auch bei n&uuml;chterner Beurteilung zugestehen, da&szlig; sie in ihrer m&ouml;glichen Lebenszeit vor Aufgaben gestellt sein werden wie noch keine Generation zuvor. In diesem Zeitraum werden radikale globale Ver&auml;nderungen der &auml;u&szlig;eren und inneren Bedingungen des Lebens und Aufwachsens tief eingreifende individuelle und kollektive Lernprozesse erfordern, wenn verhindert werden soll, da&szlig; selbstdestruktive Tendenzen die &Uuml;bermacht gewinnen. &quot;21 Worin diese &quot;Transformationsprozesse&quot; im einzelnen bestehen und weshalb sie eine Neubestimmung eines Begriffs erfordern, der zuvor auch keine gr&ouml;&szlig;ere Rolle spielte, wird weder bei Negt, noch bei Peukert erl&auml;utert. Es sind zumindest keine &ouml;konomischen Umbr&uuml;che, folglich ist es nicht die kapitalistische Krise, die hier eine Neubestimmung des Bildungsbegriffs provoziert. Peukert spezifiziert allerdings Neuerungen, die er f&uuml;r die Neuzeit &uuml;berhaupt bedeutend h&auml;lt: &quot;Es sind f&uuml;r den Bereich der Kultur im engeren Sinne die modernen Wissenschaften, f&uuml;r den Bereich der Wirtschaft die kapitalistische Marktwirtschaft, f&uuml;r den Bereich der Politik der demokratische Verfassungsstaat. &quot;22 Peukerts Bild der &Ouml;konomie scheint keine abstrakte Sph&auml;re zu kennen, keinen Tausch, kein Geld, keine Ware, auch wenn er von einer &quot;Dynamik&quot; spricht, &quot;die vor allem aus dem Zusammenspiel von modernen Wissenschaften und &Ouml;konomie entstand und die im wesentlichen in unsere Situation gef&uuml;hrt hat, mag man diese als hoch-, sp&auml;t- oder postmodern bezeichnen oder von einer zweiten Moderne reden&quot;. 23 Tats&auml;chlich ist es gleichg&uuml;ltig, mit welcher Zuschreibung diese Situation nun vorgeht: Peukert bietet immerhin ein Gesellschaftsmodell, welches sich in seiner Ungenauigkeit einer sicheren Bestimmung bewu&szlig;t zu entziehen scheint (und damit argumentiert er selbst eben im schlechten Sinne &#8218;postmodern&#8216;). Bemerkenswert bleibt &#8212; wie bei Negt &#8212;, da&szlig; an keiner Stelle die gravierenden Transformationsprozesse ausgewiesen werden. Dieser Vagheit ist dann auch der neue Bildungsbegriff angepa&szlig;t, der schlie&szlig;lich gar nicht neu ist, sondern ein klassisch-humanistischer, der seine emanzipatorische Offensive verschiebt in eine ethische Reaktion. Wer glaubt, da&szlig; kritische Bildungstheorie als Minimalkonsens die Notwendigkeit der Ver&auml;nderung vertritt, t&auml;uscht sich: sowohl Negt wie Peukert pr&auml;sentieren eine Variante der kritischen Bildungstheorie, die sich auf eine behutsame Affirmation versteht: Negt pl&auml;diert f&uuml;r eine Reihe von Kompetenzen und Schl&uuml;sselqualifikationen &#8212; &quot;den Umgang mit bedrohter und gebrochener Identit&auml;t lernen&quot;, &quot;gesellschaftliche Wirkungen von Technik begreifen&quot;, &quot;Sensibilit&auml;t f&uuml;r Enteignungserfahrungen&quot;, &quot;der pflegende Umgang mit Menschen, mit der Natur und den Dingen&quot; sowie &quot;Erinnerungs- und Utopief&auml;higkeit&quot;. 24 Die Praxis, die Negt daraus folgert, ist keine; lediglich geht es um &quot;Qualifikationen&quot; oder &quot;Orientierungen&quot;. 25 Auch Peukert hat wenig mehr anzubieten; seine versprochene Neubestimmung des Bildungsbegriffs besteht in einer p&auml;dagogischen Ethik der Verantwortung. Das hei&szlig;t: &quot;<em>die eigenen Verst&auml;ndnism&ouml;glichkeiten kreativ zu erweitern</em> und erst neu zu erfinden, von dem bisherigen Selbst Abschied zu nehmen und ein neues Verh&auml;ltnis zu sich selbst, zu anderen und zur sachlichen Wirklichkeit zu gewinnen. &quot;26 Da&szlig; Peukert diesbez&uuml;glich von Handlungsweisen spricht, ist ein Versprechen, welches an keiner Stelle konkretisiert wird. Schlie&szlig;lich geht es lediglich darum, &quot;einen kritischen Begriff von Kommunikation zu entwickeln (&#8230;) und so eine gemeinsame kommunikative Welt aufzubauen, in der Regeln f&uuml;r das Zusammenleben aller gefunden und dadurch Lebensm&ouml;glichkeiten f&uuml;r alle unter einer transformationsf&auml;higen demokratischen &#8218;Verfa&szlig;theit&#8216; der Gesellschaft gesichert werden k&ouml;nnen. &quot;27</p>
<p>Negt, der sich dagegen verwahren w&uuml;rde, als postmodern verhandelt zu werden, und Peukert, der immerhin mit den Begriffen kokettiert, verl&auml;ngern doch nichts anderes als die Scheinresultate der Postmodernediagnose und -kritik. Sie gehen von einem Subjekt aus, wollen dies jedoch &uuml;berhaupt erst &#8212; sei&#8217;s schl&uuml;sselqualifiziert, sei&#8217;s kreativ-kommunikativ &#8212; auf die Flexibilisierungsanforderungen (post-) moderner Subjektivit&auml;t eichen. Dagegen ist eine kritische Bildungstheorie zu setzen, die durchaus einem kritischen Befund der Postmoderne Rechnung tr&auml;gt, also gewisserma&szlig;en in der Postmoderne (und ihren theoretischen Versuchen) selbst den Ausdruckszusammenhang der kapitalistischen Gesamtkrise begreift. Daf&uuml;r hat Bildung am allerwenigsten den &ouml;konomischen Anspr&uuml;chen Folge zu leisten, auch nicht verklausuliert. Statt dessen ist &#8212; gem&auml;&szlig; einer Anti-&Ouml;konomie und einer Anti-Politik &#8212; eine Gegenbildung zu formulieren, die Umbr&uuml;che und Transformationen &uuml;berhaupt erst in Gang setzt. Daf&uuml;r mu&szlig; jedoch ein praktischer Begriff von Bildung gewonnen werden. Solche Bildung verhei&szlig;t keine Kreativit&auml;t oder Sensibilit&auml;t f&uuml;r Anpassungserfordernisse, sondern radikale Entkopplung und Verweigerung &#8212; Armin Bernhard spricht trefflich von der &quot;Widerstandsf&auml;higkeit&quot;. 28 Gerade im Sinne des Krisenbefunds der Postmoderne, w&auml;re also Bildung nicht radikal-affirmativ den Transformationsprozessen anzupassen, sondern Bildung selbst m&uuml;&szlig;te in einen Transformationsproze&szlig; &uuml;bersetzt werden. Solche materialistische Bildungstheorie hat sich allerdings jenseits des Horizonts einer Moderne- oder Postmodernediagnose zu begr&uuml;nden.
<ul>
<p><em>&#9;Roger Behrens ist Publizist. Er lebt in Hamburg. </em> </ul>
<p><strong>Anmerkungen</strong>
<ul>
<p><em>1&#9;Sebastian Jobelius, Reinhold R&uuml;nker und Konstantin V&ouml;ssing, Anforderungen an eine Bildungsreform des 21. Jahrhunderts, in: dies. (Hg. ), Bildungs-Offensive. Reformperspektiven f&uuml;r das 21. Jahrhundert, Hamburg 1999, S. 237. </em></p>
<p><em>2&#9;Vgl. Heinz-Joachim Heydorn, &Uuml;ber den Widerspruch von Bildung und Herrschaft, Werke: Bd. 3. , Ruggell (Liechtenstein) 1995; vgl. auch die Erziehungs- und Schulkritik von Freerk Huisken, Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundl&uuml;gen der P&auml;dagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der b&uuml;rgerlichen Lehranstalten, Hamburg 1998. </em></p>
<p><em>3&#9;Adorno, Jargon der Eigentlichkeit, Frankfurt a. M. 1965, S. 138. </em></p>
<p><em>4&#9;Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, Darmstadt u. Neuwied 1979, S. 81. </em></p>
<p><em>5&#9;Vgl. Burghart Schmidt, Postmoderne &#8212; Strategien des Vergessens, Frankfurt a. M. 1994 (4. , &uuml;berarb. Aufl. ), S. 9ff. </em></p>
<p><em>6&#9;Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt a. M. 1985, S. 16. </em></p>
<p><em>7&#9;Vgl. Georg Bollenbeck: Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters, Frankfurt a. M. 1996. </em></p>
<p><em>8 &#9;Albrecht Wellmer, Zur Dialektik von Moderne und Postmoderne, Frankfurt a. M. 1985, S. 48. </em></p>
<p><em>9 &#9;Jean-Fran&ccedil;ois Lyotard, Das Inhumane. Plaudereien &uuml;ber die Zeit, Wien 1989, S. 51 ff. </em></p>
<p><em>10 &#9;Lyotard, Das Inhumane. Plaudereien &uuml;ber die Zeit, a. a. O. , S. 68. </em></p>
<p><em>11&#9;Vgl. Georg Simmel, Der Begriff und die Trag&ouml;die der Kultur, in: ders. , Philosophische Kultur. &Uuml;ber das Abenteuer, die Geschlechter und die Krise der Moderne. Gesammelte Essays, Berlin 1998, S. 195ff. </em></p>
<p><em>12&#9;Vgl. Ernst Bloch, Erbschaft dieser Zeit, Frankfurt a. M. 1981, S. 104ff. </em></p>
<p><em>13&#9;Vgl. Adorno, Metaphysik. Begriff und Probleme (1965). Nachgelassene Schriften, Abt. IV: Vorlesungen, Bd. 14, Frankfurt/M. 1998. </em></p>
<p><em>14 &#9;G&eacute;rard Raulet, Gehemmte Zukunft. Zur gegenw&auml;rtigen Krise der Emanzipation, Darmstadt, Neuwied 1986, S. 126. </em></p>
<p><em>15&#9;Das Konzept einer materialistischen, emanzipatorischen Bildungstheorie wird nur von sehr wenigen verfolgt, auch wenn der Begriff einer &quot;Kritischen Erziehungswissenschaft&quot; sich mittlerweile als Leitbild durchgesetzt hat. Zum Beispiel ist in diesem Zusammenhang auf die marginale Rolle Heinz-Joachim Heydorns zu verweisen; auch Ans&auml;tze wie die &quot;Dialektische P&auml;dagogik&quot; von Wolfdietrich Schmied-Kowarzik sind &#8212; au&szlig;er von ihm selbst und einigen Sch&uuml;lern &#8212; kaum weiter verfolgt worden. Literatur: Heydorn, Werke: Bd. 1&#8212;4. Bildungstheoretische und p&auml;dagogische Schriften 1949&#8212;1974, hg. v. Irmgard Heydorn, Hartmut Kappner, Gernot Koneffke, Edgar Weick, Ruggell (Liechtenstein) 1995; ders. , Ungleichheit f&uuml;r alle. Zu einer Neufassung des Bildungsbegriffs, Frankfurt a. M. 1972; Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, Dialektische P&auml;dagogik. Vom Bezug der Erziehungswissenschaft zur Praxis, M&uuml;nchen 1974; ders. , Dialektische P&auml;dagogik, in: Christoph Wulf (Hg. ), W&ouml;rterbuch der Erziehung, M&uuml;nchen u. Z&uuml;rich 1984, S. 145; ders. , Bildung, Emanzipation und Sittlichkeit. Philosophische und p&auml;dagogische Kl&auml;rungsversuche, Weinheim 1993. </em></p>
<p><em>16&#9;Freilich hat es auch andere, explizit kritisch-negative Fortsetzungen einer kritischen Bildungstheorie gegeben; exemplarisch sind Stefan Blankertz und Andreas Gruschka zu nennen (vgl. die Beitr&auml;ge der nunmehr seit zw&ouml;lf Jahren erscheinenden Zeitschrift &#8220;P&auml;dagogische Korrespondenz&#8221;, M&uuml;nster; sowie Andreas Gruschka, Negative P&auml;dagogik,</p>
<p>Wetzlar 1987). </em></p>
<p><em>17&#9;So der didaktische Ansatz von Wolfgang Klafki, vgl. neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik, Weinheim 1985; ders. , Die bildungstheoretische Didaktik im Rahmen kritisch-konstruktiver Erziehungswissenschaft, in: Herbert Gudjons und Rainer Winkel (Hg. ), Didaktische Theorien, Hamburg 1997. </em></p>
<p><em>18&#9;Vgl. J&uuml;rgen Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, a. a. O. , S. 7. </em></p>
<p><em>19&#9;Zum Begriff der reflexiven Modernisierung vgl. Volker Hildebrandt, Epochenumbruch in der Moderne. Eine Kontroverse zwischen Robert Kurz und Ulrich Beck, M&uuml;nster 1996, S. 14f. und den Interviewanhang S. 154ff. </em></p>
<p><em>20&#9;Oskar Negt, Was k&uuml;nftig gelernt werden sollte. Schl&uuml;sselqualifikationen f&uuml;r die Zukunft, in: Jobelius, R&uuml;nker u. V&ouml;ssing (Hg. ), Bildungs-Offensive. Reformperspektiven f&uuml;r das 21. Jahrhundert, a. a. O. , S. 58. </em></p>
<p><em>21&#9;Helmut Peukert, Zur Neubestimmung des Bildungsbegriffs, in: Meinert A, Meyer u. Andrea Reinartz (Hg. ), Bildungsdidaktik. Denkanst&ouml;&szlig;e f&uuml;r p&auml;dagogische Forschung und schulische Praxis, Opladen 1998, S. 17. </em></p>
<p><em>22&#9;Peukert, Zur Neubestimmung des Bildungsbegriffs, a. a. O. , S. 19. </em></p>
<p><em>23&#9;Peukert, Zur Neubestimmung des Bildungsbegriffs, a. a. O. , S. 19. </em></p>
<p><em>24&#9;Vgl. Negt, Was k&uuml;nftig gelernt werden sollte, a. a. O. , S. 63ff. </em></p>
<p><em>25&#9;Vgl. Negt, Was k&uuml;nftig gelernt werden sollte, a. a. O. , S. 69. </em></p>
<p><em>26&#9;Peukert, Zur Neubestimmung des Bildungsbegriffs, a. a. O. , S. 26. </em></p>
<p><em>27&#9;Peukert, Zur Neubestimmung des Bildungsbegriffs, a. a. O. , S. 28f. </em></p>
<p><em>28&#9;Armin Bernhard, Emanzipative Erziehungswissenschaft &#8212; ein Zukunftsprojekt. &Uuml;ber bleibende und &uuml;ber ver&auml;nderte Aufgaben einer kritischen Theorie der Bildung und Erziehung, in: &#8220;P&auml;dagogik&#8221; Heft 12/1999, S. 51. </em> </ul>
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		<title>Post und Bahnhof</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fiktion]]></category>
		<category><![CDATA[Postmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Schandl; Franz]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 1999-5]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/post-und-bahnhof">Post und Bahnhof</a></p>
Proben einer Kritik der "Postmoderne"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/post-und-bahnhof">Post und Bahnhof</a></p>
<h3>Proben einer Kritik der &quot;Postmoderne&quot;</h3>
<p><em>von Franz Schandl </em> <span id="more-886"></span></p>
<p>&quot;Nichtig ist das Denken, welches Gedachtes mit Wirklichem verwechselt. &quot; (Theodor W. Adorno)1</p>
<p>Das Fassungslose will au&szlig;er Fassung bringen, nicht aber sich selbst fassen lassen. Etwas zu kritisieren, was es in den Augen ihrer Vertreter gar nicht so richtig gibt, ist ein m&uuml;hsames Unterfangen. Nichtsdestotrotz wird es, weil notwendig, hier versucht.</p>
<p>Handelt es sich bei der sogenannten Postmoderne also um einen verifizierbaren Epochenbegriff oder handelt es sich um eine Selbstbezeichnung respektive Bezeichnung einer bestimmten Richtung in Philosophie, Architektur, Politik, Design etc. ? Oder aber handelt es sich um einen Jargon, an dessen Phraseologie sich zuerkennen und aberkennen l&auml;&szlig;t? Tauglich blo&szlig; f&uuml;r das Spiel der Abgrenzungen und Eingemeindungen?</p>
<p>Die Postmoderne ist gar nicht erst auf den Begriff zu bringen, da die Kategorie des Begriffs ihr nicht zugeh&ouml;rig ist. So bleibt sie der freien oder &#8212; w&auml;re das Wort nicht so strapaziert &#8212; der beliebigen Assoziation &uuml;berlassen. Postmodern ist daher ein Schlagwort, unter dem dieses oder jenes verstanden werden kann, aber eben nichts Genaues. Was selbstredend auch dazu f&uuml;hrt, da&szlig; die Postmoderne selten wo anzutreffen ist, aber &uuml;berall vermutet werden kann. Sie ist ein fl&uuml;chtig Ding.</p>
<p>Selten, da&szlig; ein Wort so universell verwendet werden konnte wie dieses. Je m&ouml;glicher es ist, desto unm&ouml;glicher es wird. Es funktioniert wie ein Schwamm, je nach Bed&uuml;rfnis saugt er auf oder pre&szlig;t er aus. Die postmodernen Sektoren haben sich vielfach immunisiert. Verallgemeinerungen weisen sie als unzutreffend zur&uuml;ck. Manchmal auch zurecht. Sprechen wir von <em>der</em> Postmoderne, dann ist man bereits in die Falle gegangen. Sprechen wir allerdings nicht von ihr, von der so flott gesprochen wird, dann bleibt sie unbehelligt, dann haben wir uns selbst des Urteils beraubt und sie im Dunkeln gelassen. Also sprechen wir.</p>
<p><strong>Unbegriff Postmoderne</strong></p>
<p>Auch diese Proben changieren zwangsweise mit verschiedenen Vorstellungen. Nicht, weil sie das partout m&ouml;chten, wohl aber weil ihnen aufgrund des Gegenstandes nichts anderes &uuml;brigbleibt. Postmodern quirlt also die Postmoderne selbst, der Brei wird nicht nur von Gegnern anger&uuml;hrt, wobei sowieso nicht immer klar ist, wer Freund und wer Feind ist, und vor allem was dazwischen ist. Der Popanz ist jedenfalls nicht ein prim&auml;r von au&szlig;en konstruierter, er hat sich in seinem Daherkommen selbst geschaffen und &#8212; so unsere Unterstellung &#8212; dies wird auch vielfach gewollt. Es mag daher sein, da&szlig; manches, was im Singular trifft, im Plural nicht zutrifft. Versichert sei aber, da&szlig; nicht die obskursten Beispiele herangezogen wurden.</p>
<p>Postmoderne macht lediglich dann einen Sinn, wenn die Kategorie der Moderne einen Sinn gemacht hat. Diese ist Ausgangspunkt und Absetzungsbegriff. Aber, so gilt es gleich zu fragen, hat sie einen Sinn? Das Paradoxe der Moderne ist, da&szlig; sie immer und doch nie gewesen ist. Als neuzeitlicher Begriff f&uuml;r eine ewige Jetztzeit, ist er als haltbare Kennzeichnung auch nur irgendeiner Periode v&ouml;llig ungeeignet. Das gilt auch f&uuml;r die zweite Moderne oder die Postmoderne. Schon das Reden von einer Moderne (anstatt einer steten und hier einmal qualit&auml;tslos aufgefa&szlig;ten Modernisierung) zeigte diese Verunsicherung an. Noch klarer kommt dies in der Postmoderne zum Ausdruck.</p>
<p>Postmoderne geriert sich als ein <em>Danach</em>. Gleichzeitig bleibt sie damit aber in der Kategorie der <em>Moderne</em> verstrickt, bietet keine alternierende, sondern vermag sich nur noch deuten als die Befangenheit des sich Aufl&ouml;senden. Diese hat in ihrer unbestimmten Ziellosigkeit nichts Mobilisierendes mehr an sich, sondern wirkt demobilisierend, demotivierend und dadurch schlie&szlig;lich ideologisch stabilisierend. Sie will nicht voran, ist sie doch schon im Jenseits. Post mortem est post vitam.</p>
<p>Die Postmoderne ist nicht die Antwort auf die Moderne, sondern die unaufgel&ouml;ste Frage, jene mythologisiert lediglich ihr Zerfallen, das kein Neues mehr erkennen will, ja nicht einmal mehr anstrebt, sondern als gro&szlig;e Erz&auml;hlung diskreditiert. Was im Begriff ist zu kollabieren, ist nicht die Moderne, sondern der kapitalistische Selbstl&auml;ufer der <em>Modernisierung</em>. Die sogenannte Postmoderne ist als das selbstreferentielle Unbehagen dieser zu verstehen, das sich jedoch sofort nach unmittelbarer Behaglichkeit sehnt, ein Aufl&ouml;sungsph&auml;nomen, das ganz in der Gegenwart verhaftet bleibt. Alles andere ist eine &Uuml;bersch&auml;tzung. Ihre Potenz reicht nirgendwo &uuml;ber diese hinaus. Auf die Frage, was postmodern sei, antwortet auch Lyotard: &quot;Sicher hat es an der Moderne teil. &quot;2 Dem zumindest ist uneingeschr&auml;nkt beizupflichten.</p>
<p>Das Pr&auml;fix <em>Post</em> sagt eigentlich aus, da&szlig; man zugibt, nicht zu wissen, was denn da gerade abl&auml;uft oder geschieht. Post sagt, da&szlig; man Bahnhof versteht. Wobei da eigenes Schriftgut nicht ausgenommen ist, das Vorankleben, das st&auml;ndige Pr&auml;figieren Ausdruck ist, etwas nicht definitiv festlegen zu k&ouml;nnen. Das ist nicht so tragisch, nur sollte es benannt, als das Fragile deutlich werden. Positiv verstanden, als Fixierung, wird <em>post</em> zu einer intellektuellen Anma&szlig;ung sondergleichen. Wenn sie tats&auml;chlich das &quot;Schl&uuml;sselwort unserer Zeit&quot;3 (Ulrich Beck) ist, so ist das ein Schl&uuml;ssel, der nicht sperrt.</p>
<p><strong>Totalit&auml;t als Verblendung</strong></p>
<p>Die Marx folgende Gesellschaftskritik war gepr&auml;gt von der kritischen Kategorie der Totalit&auml;t. Sie geht von ihr aus, um sich eben gegen das Totale zu wenden. &quot;Da&szlig; ohne Beziehung auf Totalit&auml;t, das reale, aber in keine handfeste Unmittelbarkeit zu &uuml;bersetzende Gesamtsystem nichts Gesellschaftliches zu denken ist&quot;, 4 war weitgehend Konsens gewesen. &quot;Deuten hei&szlig;t prim&auml;r: an Z&uuml;gen sozialer Gegebenheit der Totalit&auml;t gewahr werden&quot;, 5 schreibt etwa Theodor W. Adorno. Oder der ungarische Marxist Georg Luk&aacute;cs: &quot;Nicht die Vorherrschaft der &ouml;konomischen Motive in der Geschichtserkl&auml;rung unterscheidet entscheidend den Marxismus von der b&uuml;rgerlichen Wissenschaft, sondern der Gesichtspunkt der Totalit&auml;t. Die Kategorie der Totalit&auml;t, die allseitige, bestimmende Herrschaft des Ganzen &uuml;ber die Teile ist das Wesen der Methode, die Marx von Hegel &uuml;bernommen und originell zur Grundlage einer ganz neuen Wissenschaft umgestaltet hat. &quot;6 Derselbe: &quot;Konkrete Untersuchung bedeutet also: Beziehung auf die Gesellschaft als <em>Ganzes</em>. &quot;7</p>
<p>Der Kapitalismus ist blo&szlig; als Ganzes denkbar. Reduziert auf bestimmte &ouml;konomische oder soziale Funktionen (Ausbeutung, Ungleichheit, Profit, Zins) ist er nicht fa&szlig;bar. Das Kapitalverh&auml;ltnis ist kein isolierbarer Ort der Gesellschaft, der eben neben anderen besteht, sondern der Wert ist das tendenziell absolutistische Gebot all seiner Formen und Ausdr&uuml;cke. Alle Sph&auml;ren, Partikularien und Vergegenst&auml;ndlichungen sind ihm zugeh&ouml;rig. Er fungiert dabei nicht als Zentrum, das irgendwelche Peripherien &uuml;berf&auml;llt und in Abh&auml;ngigkeit bringt, sondern als apriorische Struktur des Gesellschaftlichen.</p>
<p>Ganz anders sieht das die Postmoderne: Die Frage nach der Totalit&auml;t ist ihr eine totalit&auml;re. &quot;Das Problem ist die Totalisierung&quot;, 8 sagt Wolfgang Welsch, dem zumindest zu verdanken ist, in seinen Schriften immer alles auf den einfachsten Punkt zu bringen. Nicht das objektive Verh&auml;ltnis, also die kapitalistische Gesellschaftsformation beherbergt die Schrecken des 20. Jahrhunderts, nein, es waren die Meisterdenker, allen voran der vielgeha&szlig;te Hegel, der da durch die Totalit&auml;t den Totalitarismus stiftete. Lyotard schreibt: &quot;Wir haben die Sehnsucht nach dem Ganzen und dem Einen, nach der Vers&ouml;hnung von Begriff und Sinnlichkeit, nach transparenter und kommunizierbarer Erfahrung teuer bezahlt. (&#8230;) Die Antwort darauf lautet: &quot;Krieg dem Ganzen&quot; (&#8230;). &quot;9</p>
<p>Wobei dieses ideell desavouiert, reell aber gerade deswegen nicht angekratzt wird. Das Ganze wird nicht kritisiert, sondern eskamotiert. &quot;Die Ignoranz des Postmodernismus besteht gerade darin, da&szlig; er dieses Ganze wegblendet und sich nur noch f&uuml;r die diversen , Eigenlogiken&#8216; interessiert. &quot;10 Wer die Eigenheit einer vergesellschaftlichten Verdichtung nicht als Spezifizierung der Allgemeinheit betrachtet, sondern als ihre krude Erscheinungsweise, also als sie selbst, verengt Erkenntnis auf einen sachlichen Pragmatismus, der nicht un&auml;hnlich dem gesunden Menschenverstand sich an den Unmittelbarkeiten hochrankt. Wer im Exemplar nicht die Gesellschaft sieht, sieht jenes nicht. &quot;Alle Gegenst&auml;nde des Denkens sind Allgemeinheiten. &quot; (Marcuse)11</p>
<p>Es ist jedenfalls ein bezeichnender Taschenspielertrick von der Totalit&auml;t im Denken auf das Totalit&auml;re im Sollen zu schlie&szlig;en. Ebenso k&ouml;nnte man jene die zentral von Kapitalismus sprechen, Kapitalisten nennen. Es handelt sich um eine billige Ausnutzung der Denkfaulheit. Der Postmodernismus hat jedenfalls einen nicht unerheblichen Beitrag zur Renaissance der schon erledigt geglaubten Totalitarismustheorie geleistet. Die beliebte Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus ist von den Seminaren bis zum Boulevard wieder mehrheitsf&auml;hig geworden ist. Von Hegel &uuml;ber Hitler bis zu Honecker wird alles in diese Kategorie gepre&szlig;t.</p>
<p><strong>Broniowskis &Uuml;berblendungen</strong></p>
<p>Wir sagten es bereits. Postmoderne ist ein sinnloser Begriff. Es ist schon erstaunlich: Eigentlich sagt Stefan Broniowski das auch. Umso mehr ist er angetreten, die Postmoderne zu verteidigen. Man sollte sich aber nicht so eilfertig aus der Verantwortung stehlen, wie Broniowski das in seiner &#8220;Volksstimme&#8221;-Serie durch Zuspitzungen gemacht hat, die vorschnell Beifall heischen. Er fragt: &quot;Ist Haider in demselben Sinne postmodern, wie sagen wir mal, Umberto Ecos Roman , Der Name der Rose&#8216; oder eine Kaffeekanne von Alessi? &quot;12 Na, woher denn! Der Lacherfolg sei ihm geg&ouml;nnt.</p>
<p>Fragen wir was anderes: Ist Stalins Politik in demselben Sinne realsozialistisch wie Brechts Gedichte oder Eislers Kompositionen oder Eisensteins Filme? Bei aller Differenz gibt es hier doch (und nicht nur) merkw&uuml;rdigerweise auch einiges an &Uuml;bereinstimmungen, die nicht einfach abgetan und unterschlagen werden k&ouml;nnen. Sie erlauben &auml;hnliche Begrifflichkeiten, ein &auml;hnliches Vokabular der Beschreibung und der analytischen Beurteilung. Es mag nicht das Selbe sein, aber es dr&uuml;ckt sich das Gleiche aus.</p>
<p>Nur vordergr&uuml;ndig sind solche Fragen als sinnlos zu desavouieren, hintergr&uuml;ndig sind sie hinterh&auml;ltig, vor allem wenn sie partout beantwortet werden. Sollte &auml;hnliches f&uuml;r Broniowski gelten? Voil&agrave;! Zur&uuml;ck zu seiner Ausgangsfrage. Die Kaffekanne lassen wir mal beiseite, auch deren Tassen haben wir nicht im Schrank, wohl aber die ebenfalls von Broniowski angef&uuml;hrten Streichquartette. Gerade die sogenannten postmodernen Streichquartette eines Michael Nyman oder eines Philipp Glass bezeugen Vergleichbares wie die postpolitischen Politiker in ihrem kulturindustriellen Treiben: st&auml;ndiges Repetieren, das kaum noch Entwicklung kennt, unabl&auml;ssiges Paraphrasieren, das sich und ihre Zuh&ouml;rer am penetranten Wiederholungszwang aufgeilt. Sie versichern sich Sicherheit.</p>
<p>Diese T&ouml;ne sind gef&auml;llig, ja selbstgef&auml;llig. Ihnen ist au&szlig;erordentlich leicht zu folgen, sie sind eing&auml;ngig, ja zu eing&auml;ngig, sie gehen andauernd ein und h&ouml;ren doch nicht auf. Diese Musik ist nat&uuml;rlich nicht anstrengend, weil sie sich auch nicht angestrengt hat. Sie ist leicht, l&auml;uft runter wie nix. Da pendelt etwas auf der Ebene einer vermeintlich wesenslosen Erscheinung, stets zwischen Untergehen und Auftauchen, aber nie richtig oben und unten. Diese Musik hat nichts mehr Ausbrechendes an sich, sie bricht fortw&auml;hrend in sich ein. Sie &uuml;berf&auml;llt einen nie, sie unterf&auml;llt laufend. Sie kommt nie zu sich, weil sie immer bei sich ist. Mehr als eine Parodie der Romantik ist nicht drinnen. Dort, wo der Kapitalismus galoppiert, glauben sie, da&szlig; die Reprise, das leicht variierte Selbstzitat, das Um und Auf k&uuml;nstlerischer Leistung darstellt. Nymans Quartette (Nr. 1-3) zu h&ouml;ren, und nicht an Haiders Aufdringlichkeiten zu denken, ist manchen laut Eigenberichten schier unm&ouml;glich.</p>
<p>&Uuml;ber die musikalische &Auml;rmlichkeit und die freiheitliche Synergie der aktuellen Popmusik, das hei&szlig;t, die Herrschaft des Schlages der abstrakten Zeit in ihren banalen Rhythmen g&auml;be es ebenfalls viel zu sagen. Diese erhebt sich in der beschr&auml;nkten und sich selbst beschr&auml;nkenden Form ihrer Struktur kaum &uuml;ber den Musikantenstadel. Da&szlig; J&ouml;rg Haider gerade im &quot;modernen&quot; Bierzelt und in der &quot;postmodernen&quot; Diskothek so <em>heimisch</em> ist, hier bevorzugte Rekrutierungsfelder besitzt, ist kein Zufall. Wor&uuml;ber Broniowski sich lustig macht, ist gar nicht lustig.</p>
<p>Wenn Haider von uns als postmoderner Politiker im Sinne als ein ad&auml;quater &quot;Politiker&quot; der postmodernen Karnevalisierung, somithin als postpolitischer Politiker ausgewiesen wird, dann nicht, weil er sich auf die Postmoderne beruft (obwohl auch das noch passieren wird), sondern weil er den Zersetzungsproze&szlig; der Politik durch die geschickteste Simulation am besten anzuwenden und zu inszenieren versteht. Das Spielerische, das die Postmoderne da des &ouml;fteren einfordert, niemand hat das so gut drauf wie J&ouml;rg Haider. Ja, er ist geradezu der Prototyp des postmodernen Rechten, wobei die Beliebigkeit freilich ihren Boden hat, namentlich in der Volksgemeinschaft und im Wirtschaftsstandort sich fest verortet f&uuml;hlt. &Uuml;ber Demokratie und Markt, Volk und Staat l&auml;&szlig;t Haider nichts kommen, sie sind substantiell, Bestandteil jedes postmodernen Cocktails. Doch es ist dieser scharfe Mix, der das von der Kulturindustrie stimmungsm&auml;&szlig;ig trainierte Publikum entsprechend abholt.</p>
<p>Die entscheidende Frage, ob Haider nun ein postmodernes Ph&auml;nomen &#8212; ein Exponat wohlgemerkt, kein Exponent &#8212; ist oder nicht, ob wir da falsch liegen, die beantwortet Broniowski erst gar nicht. Er diskriminiert einfach die Frage. Unsere Aussage findet sich dann als eine unter vielen &quot;grotesken Fundst&uuml;cken&quot;. 13 Indes, gerade die Auseinandersetzung dar&uuml;ber w&auml;re von Interesse, doch da f&uuml;hlen sich die Verteidiger der Postmoderne verunglimpft und reagieren beleidigt. Es sei Stefan Broniowski daher versichert, wir wollten ihn in keine Schachtel mit dem F-F&uuml;hrer stecken. Da&szlig; die M&auml;ngel des Begriffs (Epoche, Richtung, Jargon) sich an seinen Exponenten r&auml;chen, daf&uuml;r kann der Autor dieser Zeilen wirklich nichts.</p>
<p><strong>Eco und die Freude</strong></p>
<p>Und Eco? Auch Haider und Eco haben mehr gemeinsam als man denkt. Beide sind hervorragende Ausdr&uuml;cke des Zerfalls gro&szlig;er b&uuml;rgerlicher Formen, beide simulieren noch einmal kr&auml;ftig nach. Bei Haider ist es der regressive Versuch, Politik durch Marodieren als solche zu inszenieren; bei Eco ist es der ebenfalls regressive Versuch, die Form des Romans nach dessen Ende zu reinkarnieren. Sie konzedieren dem Publikum alles. Es soll kriegen, was es will.</p>
<p>Das sagt Umberto Eco auch selbst, und will damit wohl nicht nur sich als Romancier legitimieren: &quot;Typisch f&uuml;r die Postmoderne war es indes, den gro&szlig;en Epen neues Leben einzuhauchen: in eigenwilliger, nicht geradliniger und wiederum ironischer Weise, aber imstande, die Freude zur&uuml;ckzugeben an einer umfangreichen und ausgedehnten Erz&auml;hlkunst und an den neuen Mythologien. &quot;14 B&ouml;swillige k&ouml;nnten nun unterstellen, da&szlig; Mythen je nachdem verworfen werden, ob sie einem genehm sind oder nicht. Der Kommunismus oder der melting pot (sic! , F. S. ) werden abgekanzelt und als &quot;letzte Mythen&quot; bezeichnet. 15 Es ist schon eigenartig, da&szlig; jene, die das Ende der gro&szlig;en Erz&auml;hlung ausgerufen haben, sich als gro&szlig;e Erz&auml;hler geradezu wieder einf&uuml;hren wollen. Aber so will es die Ironie und jeder ernsthafte Angriff wird wohl auf sie verwiesen.</p>
<p>Wobei auch das Pl&auml;doyer an die <em>Freude</em> kein unproblematisches ist. Freude ist kein unschuldiges Gef&uuml;hl, das so resultatslos durch die Geschichte geistert, gleich der Schillerschen Ode ein unschuldiges Dasein fr&ouml;nt, somit blo&szlig; ein Daf&uuml;r-Sein angebracht erscheint. Kein Affekt ist ohne seinen Effekt zu diskutieren. &quot;Hauptsache, wir haben Spa&szlig;&quot; ist eine zwiesp&auml;ltige Forderung, in den schlimmsten F&auml;llen wird er soweit getrieben, da&szlig; aus der Hetz die Hetze wird, da&szlig; gar manchen der Spa&szlig; endg&uuml;ltig vergeht.</p>
<p>Was sich als Freude darstellt, ist eine bestimmte Ausdrucksform in einer bestimmten historischen Situation. Jene ist immer sozial gesetzt, kann also nicht als positive Gr&ouml;&szlig;e unabh&auml;ngig von der gesellschaftlichen Struktur gesehen werden. Was gefordert ist, ist eine Selbstreflexion derselben durch ihre Tr&auml;ger. Was Eco und andere hier bedienen, ist hingegen die Verallgemeinerung der dem Individuum sowieso abgeforderten Identifikation durch Affirmation. Die Unmittelbarkeit der Freude mag an sich &quot;echt&quot; sein, aber jene Konstellation ist es nicht. Das Unmittelbare ist das gesellschaftlich geformte, und erst wenn wir uns dessen bewu&szlig;t sind, k&ouml;nnen wir uns an der Freude auch wirklich erfreuen.</p>
<p>&quot;Freude ist der &Uuml;bergang des Menschen von geringerer zu gr&ouml;&szlig;erer Vollkommenheit&quot;, 16 schrieb einstens Spinoza. Mithin &Uuml;bereinstimmung. Es soll voll kommen. Man mu&szlig;, ja will drauf sein. Somit gleich die Frage gestellt werden mu&szlig;, womit da konkret &uuml;bereingestimmt werden soll. Wir m&uuml;ssen nach der Beschaffenheit der Vollkommenheit fragen. Freude ist ein Grundaffekt, der den Grund allerdings nicht spontan in sich tr&auml;gt, sondern als reell Gefangener und ideell Befangener sich in seinen Verh&auml;ltnissen bewegt. Was einen freut, freut einen nicht grundlos. Diesen Grund gilt es stets zu hinterfragen, ansonsten kann Freude als vorbestimmter und somit in der Person unbestimmter Affekt gleich einem Trieb sich nach den Regressionen des Gesellschaftlichen aufladen und destruktiv werden. Sollte das unter Pluralit&auml;t verstanden werden, dann gilt es diese Pluralit&auml;t und ihre Grundlagen entschieden zu bek&auml;mpfen.</p>
<p>Kritik ist auch ein Desillusionierungsprogramm, in sondierter Hinsicht will sie einem wirklich die Freude an den Unmittelbarkeiten der sinnlichen Gewi&szlig;heiten austreiben. &quot;Vergn&uuml;gt sein hei&szlig;t Einverstandensein&quot;, 17 schreiben Horkheimer und Adorno. Was mitnichten als Verbot &uuml;bersetzt werden kann, auch wenn es gelegentlich notwendig sein wird, sich dies oder jenes zu verbieten. Kein b&uuml;rgerliches Subjekt kann ohne solches Einverstandensein existieren. Hingebungen haben aber gesichtet und reflektiert zu sein. Kritik schlie&szlig;t somit Kritik der Affekte und Leidenschaften mitein, die ja selbst &#8212; auch wenn sie aus einem biologischen Urschleim r&uuml;hren sollten &#8212; gesellschaftliche Determinanten sind. Man hat seine Freuden kritisch zu be&auml;ugen, notfalls auch Abstand zu nehmen. Und das meint keinen kruden Asketismus, sondern postuliert einen bewu&szlig;teren Umgang, auch wenn Momente der Unbewu&szlig;theit nie g&auml;nzlich ausgeschlossen werden k&ouml;nnen.</p>
<p><strong>Anerkennung als Abblendung</strong></p>
<p>&quot;Real ist, was Menschen als real definieren&quot;, 18 paraphrasiert Max Preglau einen Konsens der Postmoderne. So weit war der Idealismus auch schon mal gewesen. Das objektiv sich durchsetzende, somit das herrschende Bewu&szlig;tsein wird zum Um und Auf dieser Realit&auml;t. Kriterien wie Wirklichkeit und Wahrheit verschwinden hinter dieser Gleichsetzung von Erscheinung und Wesen. Medienkompatibilit&auml;t als Affirmation der Kulturindustrie ist damit vorgegeben. Nur noch verkorkste und lustfeindliche Kulturpessimisten k&ouml;nnen mit ihren antiquierten Einw&auml;nden das Publikum nerven. Die wollen das absolut nicht anerkennen.</p>
<p>Viel ist &uuml;berhaupt vom<em> Anerkennen</em> die Rede. Das hat was f&uuml;r sich, aber nicht zweifellos. &quot;Lyotard setzt eine Strategie dagegen, die von der Anerkennung der Individualit&auml;t und Heterogenit&auml;t auszugehen versucht (&#8230;). &quot;19 Das klingt immer gut, nur was hei&szlig;t es? Die zivilgesellschaftliche Heterogenit&auml;t ist die durch die kapitalistischen Verh&auml;ltnisse hervorgebrachte. &quot;Das Allgemeine sorgt daf&uuml;r, da&szlig; das ihm unterworfene Besondere nicht besser als es selbst ist&quot;, 20 schreibt Adorno. Die anzuerkennende Individualit&auml;t der Subjekte ist Schein, sie sind Charaktermasken ihrer sozialen Rollen. Wird Anerkennung rigoros und nicht spezifisch verstanden, ist sie Legitimationsideologie. Die eingeforderte Anerkennung des Bestehenden war seit jeher das Programm jeder Herrschaft gewesen.</p>
<p>Anerkennen ist noch kein <em>Erkennen</em>, doch setzt ein emanzipatorisches Anerkennen ein Erkennen voraus, will es nicht willenlos und inhaltslos, das hei&szlig;t abstrakte Form werden. Wenn ein postmoderner Positivist wie Robert Menasse zum Beispiel schreibt, es sei bei aller Ablehnung des Antisemitismus ein &quot;Fortschritt an politischer Rationalit&auml;t&quot;, 21 da&szlig; man nun offen Antisemit sein d&uuml;rfe, dann w&auml;ren freilich auch &Uuml;bergriffe ehrliche Ausdr&uuml;cke einer gewissen Rationalit&auml;t. Bei soviel Verst&auml;ndnis bleibt einem schon die Spucke weg, aber man kann doch erfahren, was es bedeutet, wenn der Demokratismus mit einem durchgeht. Solange b&uuml;rgerliche Zust&auml;nde herrschen, ist die Unterdr&uuml;ckung bestimmter Regungen progressiver als ihre Realisierung.</p>
<p>Kurzum, nicht alles, was existiert, ist uns (gleich) anerkennenswert. Die Toleranz hat dort einen Sinn, wo in ihr nicht die Ignoranz vorherrscht. Unbedingte Toleranz und reine Ignoranz sind n&auml;mlich eins. Die Definition unz&auml;hliger Zumutungen als Lebensstil geh&ouml;rt genau hier vermerkt. Manches ist ganz einfach schlichtweg zu beseitigen. Wirksam.</p>
<p>Es geht auch gar nicht nur darum, das Andere als das Andere, als <em>Es-Selbst</em> anzuerkennen, sondern das Andere als ein <em>Sich-Selbst</em> zu erkennen. Nur im und mit dem Anderen akzeptiert und relativiert man das Ich auch selbst als Ver&auml;nderliches. Im Gegensatz zu Hegel22 k&ouml;nnte das lauten: Ich ist die Ungewi&szlig;heit seiner selbst. Das Authentische k&ouml;nnte m&ouml;glich werden, wenn das Identische sich als Differenz auch zu sich selbst fa&szlig;t. Das Identit&auml;tsdenken kann durch Differenzdenken nicht &uuml;berwunden werden, da dieses nur eine Multiplikation des erstgenannten ist. Ausgrenzung und Ausweitung sind lediglich zwei verschiedene Ausdr&uuml;cke ein und desselben Feldabsteckens.</p>
<p><strong>Differenz als Indifferenz</strong></p>
<p>Gemeinhin wirft die Postmoderne dem Marxismus vor, aus Unterschieden Widerspr&uuml;che zu machen. Das ist teilweise berechtigt, man m&uuml;&szlig;te das aber spezifizieren. Generalisiert ist es Unsinn, da sich doch laufend (ganz ohne marxistisches Zutun) Widerspr&uuml;che unterschiedlichster Qualit&auml;t (von der Konkurrenz bis zum Antagonismus) manifestieren, die auch theoretisch entzifferbar sind.</p>
<p>Umgekehrt gilt es aber festzuhalten: Solange Kapitalismus ist, ist das kategorische Beharren auf Differenz als blo&szlig;e Unterscheidung nichts anderes als das Einebnen der Widerspr&uuml;che durch Nebeneinanderstellung. Jeder Unterschied ist als bestimmte Konstellation von Beinhaltungen zu sehen, jede Differenz allein als prozessierende Gr&ouml;&szlig;e der Dynamik zu haben. Differenz meint daher Differenzierung, sie ist nie alleine krude Verwirklichung, sondern geht mit Entwirklichungen Hand in Hand. Nichts ist unbesch&auml;digt oder unbescholten.</p>
<p>Die Charaktermaske des Arbeiters oder des Unternehmers ist eine kapitalistisch festgelegte Zwangsrolle, keine zu erhaltende soziale Funktion, sondern eine abzuschaffende. Die Menschen so zu nehmen wie sie sind, ist eine Verachtung der Menschen sondergleichen. Sie meint Erhebung der Erniedrigung. Nicht jede M&ouml;glichkeit ist zu erm&ouml;glichen. Anerkennung als unbestimmter Reflex ist blanke Affirmation. Sollte das Verhungern einmal Vergangenheit sein, dann werden wir diesen Verlust der Vielfalt nicht bedauern. Sollte gar der Krieg verschwunden sein, werden wir nicht im Zeichen der Pluralit&auml;t f&uuml;r ihn demonstrieren. Aber vielleicht ist das schon totalit&auml;r?</p>
<p>M&ouml;glichkeit nennt sich in der Postmoderne die Zumutung, die sich als solche nicht mehr erkennt. Die oft gepriesene Flexibilisierung des postmodernen Individuums etwa ist prim&auml;r eine Zwangsveranstaltung der Gesellschaft an ihren Mitgliedern. Die Arbeitskraftverk&auml;ufer sind diesen Anforderungen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. &Ouml;konomie in Zeiten der Globalisierung giert nach der Entsicherung sozialstaatlicher Ma&szlig;nahmen, um Fluchtpunkte und Rettungsnetze zu minimieren. Die Zerlegung des fordistischen Arbeitsplatzbesitzers &#8212; sein Aufmachen an allen Ecken und Enden &#8212; ist eine destruktive Veranstaltung, wenngleich daraus diese Figur nicht als positiver Gegenpol zum Flexi-Individuum fungieren soll.</p>
<p>Unterscheidungen sind keine unentscheidbaren Daseinsgr&ouml;&szlig;en. Jede <em>Unentschiedenheit</em> gegen&uuml;ber ihnen, kann sich als fahrl&auml;ssig, ja als gemeingef&auml;hrlich erweisen. Der <em>Eindeutigkeit</em> ist keine <em>Unbestimmtheit</em> entgegenzuhalten, sondern der Versuch die Varianz m&ouml;glicher Bestimmungen am Gegenstand zu erl&auml;utern. Gehalt und Inhalt zu erkennen und wiederzugeben sind eine stete Aufgabe.</p>
<p>Dativ wie Akkusativ. Sie stehen auf dem und auf den Pluralismus. Doch worauf steht der Pluralismus? Kann er mehr sein als der Markt (in) der Politik? Die Vielfalt der Postmoderne gleicht einem indifferenten Demokratismus. Diese Pluralit&auml;t ist, wie G&uuml;nther Anders sagte, &quot;warenhausartig&quot;. 23 Was uns mi&szlig;f&auml;llt, ist das demokratische Flanieren des Geistes, das &auml;hnlich dem K&auml;ufer im Gesch&auml;ft aussucht, was gef&auml;llt und das Ganze dann auch noch als Selbstbestimmung und Befreiung mi&szlig;versteht. Analog zu Marx k&ouml;nnte man sagen: Der Reichtum der Postmoderne erscheint als eine ungeheure Ansammlung von Gef&auml;lligkeiten. Die einzelne Gef&auml;lligkeit ist ihre Elementarform. Der Eklektizismus ihre Methode. Da&szlig; der postmoderne Duktus inzwischen allseitig verwendbar geworden ist, ist Zufall nicht. &quot;Der Jargon ist praktikabel auf der ganzen Skala von der Predigt bis zur Reklame&quot;, 24 schrieb gegen Heidegger gewandt der gleich Anders dort unbeliebte Adorno.</p>
<p><strong>Konventionelle R&uuml;ckblendungen</strong></p>
<p>Einerseits wird so das Ende der Ideale ausgerufen, andererseits wimmelt es in den Texten geradezu vom Modernisierungsvokabular, da&szlig; man unweigerlich an eine bewu&szlig;te Reinkarnation der guten alten Aufkl&auml;rung in neuem Jargon denken mu&szlig;. Die Postmoderne w&auml;re demnach keine &quot;Reaktion gegen die Aufkl&auml;rung&quot;, 25 sondern eine &Uuml;berreaktion <em>der</em> Aufkl&auml;rung: &quot;Postmoderne bedeutet nicht Inhaltslosigkeit oder Beliebigkeit, wie ihre Gegner gern behaupten. Postmoderne, so k&ouml;nnte die paradoxe Formulierung lauten, bedeutet inhaltlich die Wiederaufnahme der Grundideen der Moderne. Postmoderne w&auml;re dann ein erneuter Anlauf zur Durchsetzung und Weiterf&uuml;hrung des politisch-gesellschaftlichen Kerngedankens der Moderne, des Prinzips der Freiheit des Individuums, und des Bem&uuml;hens um eine gesellschaftliche Ordnung auf dieser Basis. &quot;26 Das ist nicht paradox, genau das ist der Fall, und das pa&szlig;t auch zusammen.</p>
<p>&quot;Postmodernes Denken entspricht darin einer Haltung, f&uuml;r die Demokratie verbindlich wurde. Die Postmoderne bedroht nicht &#8212; wie manche, von Irrationalismus redend, ihr unterstellen wollen &#8212; die demokratische Tradition der Moderne, sondern entwickelt eine <em>grunddemokratische Vision</em>. Denn in ihr wird Pluralit&auml;t grunds&auml;tzlich anerkannt und freigegeben. Und erst unter der Bedingung solch grunds&auml;tzlicher Pluralit&auml;t macht Demokratie eigentlich Sinn. &quot;27 Rekonstruktion w&uuml;rden wir das nennen, nicht Dekonstruktion. Die ausgetrampelten dritten Wege lassen gr&uuml;&szlig;en.</p>
<p>Der Postmoderne ist nicht vorzuwerfen, da&szlig; sie zuwenig traditionsverhaftet ist, nein sie ist es viel zu viel des Guten. W&auml;hrend die Postmoderne also an nichts mehr glauben will, glaubt sie umso frenetischer an Politik, Demokratie und Gerechtigkeit. Das Dekonstruieren hat seine Grenzen an den Grundparametern der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft. Derrida sagt das auch explizit, wenn er bez&uuml;glich Gerechtigkeit von einer &quot;gewissen Nichtdekonstrurierbarkeit&quot;28 spricht. 29 Da&szlig; Gerechtigkeit nichts anderes ist als der ideelle Reflex des Rechts, ohne einen positiven Begriff desselben gar nicht gedacht werden kann &#8212; aber woher denn.</p>
<p>Gegen Fukuyma gewandt, profiliert Derrida sich schlie&szlig;lich als der bessere Demokrat, wenn er schreibt &quot;da&szlig; weder die Vereinigten Staaten noch die Europ&auml;ische Gemeinschaft die Vollendung des universalen Staates oder der liberalen Demokratie erreicht haben, ja da&szlig; sie sie, wenn ich so sagen darf, noch nicht einmal von ferne ber&uuml;hrt haben&quot;. 30 Die Konventionalit&auml;t dieser Zeilen ist himmelschreiend. Einmal mehr wird in abgeschmackter Manier eine ideelle Demokratie gegen die reelle zu Felde gef&uuml;hrt.</p>
<p>Gew&uuml;nscht wird die &quot;Re-politisierung&quot;. 31 Der Globalisierung und dem Monetarismus gelte es, &quot;ein entschieden politisches Projekt entgegen(zu)setzen&quot;. 32 Hier trifft sich die Postmoderne geradewegs mit dem von ihr wenig gesch&auml;tzten Linkstraditionalismus. Beide w&uuml;nschen sich in geradezu r&uuml;hrender Weise den Wiederaufstieg der Politik. Sie sind einfach daf&uuml;r, ohne freilich die Bedingungen einer solchen M&ouml;glichkeit benennen zu k&ouml;nnen. Lyotard beschert uns auch gleich einen ontologischen Politik-Begriff, der jede Genese des Formprinzips ausl&auml;&szlig;t, so als w&auml;re die Dekonstruktion niemals postmodernes Programm gewesen. Daf&uuml;r sch&ouml;pft er tief aus dem Bottich der Ewigkeit und verk&uuml;ndet: &quot;Politik ist dort, wo ein Konflikt droht, zwischen den diversen, in jedem Moment m&ouml;glichen Verkettungen. &quot;33 In der Politik m&ouml;chte er &quot;so wenig Unrecht wie m&ouml;glich&quot;. 34 Ja, wenn das nicht gar mehrheitsf&auml;hig ist. Wahrlich, wir sagen Euch, das ist die Aufl&ouml;sung der Politik im Gew&auml;sch.</p>
<p>Und Wolfgang Welsch, der postmoderne Professor mit den plastischen Formulierungen assistiert gleich einem Politmanager: &quot;Denn in der Postmoderne wurde die bislang eher latente Pluralit&auml;t vordringlich und un&uuml;bersehbar. Daher braucht es jetzt eine Politik, die diese Situation nicht mehr &uuml;berspielt, sondern sich ihr stellt. Eben das tut die von Lyotard konzipierte philosophische Politik. Sie ist nicht, wie die konventionelle , pluralistische&#8216; Politik, auf die Buntheit von Varianten, sondern auf den Widerstreit elementarer Differenzen bezogen. &quot;35</p>
<p>Die d&uuml;mmsten Vorurteile &uuml;ber die aktuelle Politik werden da zusammengetragen, um sodann eine ordentliche Politik einzufordern. Endlich wird das Staatsb&uuml;rgerkundelehrbuch auch wirklich eingel&ouml;st. Anstatt der gro&szlig;en Erz&auml;hlung werden die b&uuml;rgerlichen Gute-Nacht-Geschichten, eine nach der anderen aufgetischt: Die Fabel von der Demokratie, das M&auml;rchen von der Gerechtigkeit, die Sage von der Politik. Anschlie&szlig;end wird gestritten, wie die Zimmer ausgemalt oder tapeziert werden. Da sollte man doch gleich die Positivisten ranlassen, die verstehen mehr vom Handwerk.</p>
<p>Etwa Joschka Fischers Gr&uuml;ne oder so. 36 Einer ihrer postmodernen Zudenker, der Hamburger Sozialwissenschafter Joachim Raschke, hat bereits vor Jahren explizit ausgesprochen, da&szlig; Postmodernisierung und Realpolitisierung eins sind. Was er r&auml;t und vorschl&auml;gt, liest sich wirklich wie ein Bilderbuch antipostmoderner Vorurteile &uuml;ber die Postmoderne. Es ist keine Persiflage, die hier verbreitet wird: Ausgegangen wird von der originellen und &uuml;berhaupt nicht ideologischen Gegen&uuml;berstellung von &quot;FundamentalistInnen und Vielfalts-Protagonisten&quot;. 37 Erstere haben einen wesentlichen Anteil an der &quot;Beschneidung postmoderner Potentiale&quot;. 38 Da findet sich der &quot;Abschied von den letzten Wahrheiten&quot;39 ebenso wie das &quot;Lob des Partikularen&quot;. 40 Gefordert wird eine &quot;Gelegenheitsvernunft&quot;, 41 ein &quot;Pluralisierungsschub&quot;, 42 und selbstverst&auml;ndlich &quot;ahistorisches Zitieren von Geschichte&quot;. 43</p>
<p><strong>Ausblendung</strong></p>
<p>Ein zentraler Vorwurf an die Postmoderne ist, da&szlig; dort, wo stets die Post abgeht, nat&uuml;rlich viel zu wenig Post ist. Sie sitzt im Knast der Modernisierung. Gitter und Mauern nimmt sie zwar wahr, aber erkennt sie nicht. Was folgt ist eine Philosophie der St&auml;be, eine Ph&auml;nomenologie der Ziegel, eine Epistemologie des M&ouml;rtels. Postmodernes Theoretisieren ist trotz einiger Meriten ein &auml;u&szlig;erst beschr&auml;nktes, nicht weil es zu radikal ist, sondern umgekehrt, weil es sich viel zu wenig von den Pr&auml;missen b&uuml;rgerlichen Denkens gel&ouml;st hat. Da&szlig; die Postmoderne, vor lauter Pluralit&auml;t und Offenheit der Richtungen nicht mehr wahrnehmen kann, da&szlig; sie in dieser indifferenten Vielfalt zur Getriebenen des Kapitals wird, ist traurig, aber wahr.</p>
<p>Ihr Post ist impertinent, ihr Posten ein pragmatisierter. Gerade deswegen wirkt der Jargon als akademisches Eintrittsticket heute &auml;hnlich n&uuml;tzlich wie vor zwanzig Jahren die marxistische Terminologie. Als intellektuelle B&uuml;rokraten der Ohnmacht haben die Postmodernen zwar einiges durcheinandergebracht, aber letztlich den Anspruch auf transvolution&auml;re Gesellschaftskritik in ihrem partikularen Wahn unterlaufen und hintertrieben.</p>
<p>Die Postmodernen sind die letzten Wiederg&auml;nger der Aufkl&auml;rung. Ihre Post ist ein Prae. Es ist die Vorzukunft, die sich hier anschickt, was meint, da&szlig; einerseits die Modernisierung zu Ende geht, aber keine positive Aufhebung derselben in Sicht ist. Die Postmoderne ist kein Transformator, sondern ein Oszillator, das hei&szlig;t eine Bewegung schwingender Teilchen, mal da, mal dort, stets aber abh&auml;ngig vom Kraftfeld, das sie umschwirren.
<ul>
<p><em>&#9;Franz Schandl ist Historiker und Publizist. </em> </ul>
<p><strong>Anmerkungen</strong>
<ul>
<p><em>1&#9;Theodor W. Adorno, Negative Dialektik (1966), Frankfurt am Main 1992, S. 385. </em></p>
<p><em>2&#9;Jean-Francois Lyotard, Beantwortung der Frage: Was ist postmodern? , in: Peter Engelmann (Hg. ), Postmoderne und Dekonstruktion, Stuttgart 1990, S. 45. </em></p>
<p><em>3&#9;Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main 1986, S. 12. </em></p>
<p><em>4&#9;Theodor W. Adorno, Einleitung in ders. u. a. , Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie, Darmstadt 1972, S. 42. </em></p>
<p><em>5&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>6&#9;Georg Luk&aacute;cs, Geschichte und Klassenbewu&szlig;tsein (1923), Darmstadt und Neuwied 1970, S. 94. </em></p>
<p><em>7&#9;Ebenda, S. 125. </em></p>
<p><em>8&#9;Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, Weinheim 1987, S. 180. </em></p>
<p><em>9&#9;Jean-Francois Lyotard, Beantwortung der Frage: Was ist postmodern? , in: Peter Engelmann (Hg. ), Postmoderne und Dekonstruktion, Stuttgart 1990, S. 48. </em></p>
<p><em>10&#9;Norbert Trenkle, Brothers in arms. &Uuml;ber die heimliche Verwandtschaft von Traditionsmarxismus und Postmodernismus, &#8220;Krisis&#8221; 21/22 (1998), S. 196. </em></p>
<p><em>11&#9;Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, Neuwied und Berlin 1967, S. 154. </em></p>
<p><em>12&#9;Stefan Broniowski, Die sogenannte Postmoderne, Teil 3, &#8220;Volksstimme&#8221; 19, 12. Mai 1999, S. 13. </em></p>
<p><em>13&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>14&#9;Umberto Eco, Was hei&szlig;t eigentlich postmodern? , &#8220;Format&#8221; 19/99, S. 160. </em></p>
<p><em>15&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>16&#9;Baruch de Spinoza, Die Ethik nach geometrischer Methode dargestellt (1677), Hamburg 1989, S. 168. </em></p>
<p><em>17&#9;Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufkl&auml;rung (1944/47), Frankfurt am Main 1971, S. 130. </em></p>
<p><em>18&#9;Max Preglau, Zum Begriff &quot;Postmoderne&quot;, in: Max Preglau/Rudolf Richter (Hg. ), Postmodernes &Ouml;sterreich? Konturen des Wandels in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur, Wien 1998, S. 15. </em></p>
<p><em>19&#9;Peter Engelmann, Einleitung, in: ders. (Hg. ) Postmoderne und Dekonstruktion, Stuttgart 1990, S. 13. </em></p>
<p><em>20&#9;Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 306. </em></p>
<p><em>21&#9;&#8221;Falter&#8221; 41/95</em></p>
<p><em>22&#9;Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Wissenschaft der Logik I (1813/16), Werke 5, Frankfurt am Main 1986, S. 76: &quot;Ich hingegen ist die einfache Gewi&szlig;heit seiner selbst. &quot; </em></p>
<p><em>23&#9;G&uuml;nther Anders, Ketzereien, M&uuml;nchen 1982, S. 131. </em></p>
<p><em>24&#9;Theodor W. Adorno, Jargon der Eigentlichkeit (1964), Gesammelte Schriften 6, Frankfurt am Main 1997, S. 442. </em></p>
<p><em>25&#9;Manfred Prisching, Die Illusion der Politik. Politiksoziologische Aspekte einer postmodernen Gesellschaft, in: Preglau/Richter, Postmodernes &Ouml;sterreich, S. 107. </em></p>
<p><em>26&#9;Peter Engelmann, Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hg. ), Postmoderne und Dekonstruktion, Stuttgart 1990, S. 12. </em></p>
<p><em>27&#9;Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, S. 182. </em></p>
<p><em>28&#9;Jacques Derrida, Marx&#8217; Gespenster, Der verschuldete Staat, die Trauerarbeit und die neue Internationale, Frankfurt am Main 1995, S. 11. </em></p>
<p><em>29&#9;Zur &quot;Dekonstruktion&quot; der Gerechtigkeit siehe Franz Schandl, Jenseits der Gerechtigkeit, &#8220;Weg und Ziel&#8221; Nr. 2/1997, S. 68-72. </em></p>
<p><em>30&#9;Jacques Derrida, Marx&#8216; Gespenster, S. 107. </em></p>
<p><em>31&#9;Ebenda, S. 124. Zur unzureichenden Wert-Terminologie Derridas siehe: Stephan Grigat, Neologismus contra Marxismus. Derridas Kritik des Marxschen Gebrauchswert- und Fetischbegriffs, &#8220;Weg und Ziel&#8221; Nr. 1/1998, S. 48-51. </em></p>
<p><em>32&#9;Jacques Derrida, Ich mi&szlig;traue der Utopie, ich will das Un-M&ouml;gliche (Interview), &#8220;Die Zeit&#8221;, 5. M&auml;rz 1998, S. 47. </em></p>
<p><em>33&#9;Jean-Francois Lyotard, &quot;Le Nom et l&#8217;exception&quot;; hier zit. nach Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, S. 242. </em></p>
<p><em>34&#9;Zit. nach: ebenda, S. 243. </em></p>
<p><em>35&#9;Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, S. 242. </em></p>
<p><em>36&#9;Des Frontgr&uuml;nen Generalabrechnung mit dem Sozialismus verf&auml;hrt &uuml;brigens in einem den Postmodernen ganz &auml;hnlichem Vokabular. Vgl. Joschka Fischer, Die Linke nach dem Sozialismus, Hamburg 1992. </em></p>
<p><em>37&#9;Joachim Raschke, Die Gr&uuml;nen. Wie sie wurden, was sie sind. K&ouml;ln 1993, S. 856. </em></p>
<p><em>38&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>39&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>40&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>41&#9;Ebenda, S. 857. </em></p>
<p><em>42&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>43&#9;Ebenda. </em> </ul>
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		<title>Feindbild Postmoderne</title>
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		<pubDate>Fri, 07 May 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Weg und Ziel 1999-5]]></category>

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Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/feindbild-postmoderne">Feindbild Postmoderne</a></p>
<h3>Zur diskursiven Konstruktion eines Popanzes</h3>
<p><em>von Stefan Broniowski </em> <span id="more-885"></span></p>
<p>&quot;Der Begriff der Postmoderne ist einer der heikelsten, den es gibt: nicht nur weil verschiedene Autoren ihn auf verschiedene Weise verwenden, sondern auch, weil viele, die als postmodern definiert werden, dar&uuml;ber gekr&auml;nkt sind (nicht alle, einige freut es auch). Wenn wir dann andere Reaktionen interpretieren, m&ouml;chten wir sagen, da&szlig; die vielen Menschen, die &uuml;ber die Postmoderne &#8212; ein Ph&auml;nomen, das offenkundig nicht existiert &#8212; reden, allein deshalb ein unangenehmes Beispiel f&uuml;r die Postmoderne sind. &quot; (Eco 1999)</p>
<p>Eines gleich vorweg: Es gibt sie nicht, die sogenannte Postmoderne. Jedenfalls nicht so, wie ihre Gegnerinnen und Gegner sie gerne h&auml;tten, n&auml;mlich als mehr oder minder einheitliches Ph&auml;nomen.</p>
<p>Da&szlig; die Gesamtheit gegenw&auml;rtiger &auml;sthetischer, &ouml;konomischer, sozialer, politischer, kulturwissenschaftlicher und philosophischer Zust&auml;nde sinnvollerweise als &quot;Postmoderne&quot; zu beschreiben ist, kann doppelt bezweifelt werden: Zum einen tut die Ausrufung einer &quot;Signatur des Zeitgeistes&quot; der Vielfalt und Widerspr&uuml;chlichkeit dessen, was vorgefunden werden kann Gewalt an, weshalb jede Gegenwartsdeutung, die sich nicht als selbstironisch, provisorisch, fragmentarisch versteht, in Gefahr ger&auml;t, zum ideologischen R&uuml;ckzugsgefecht zu werden. Zum anderen ist v&ouml;llig unbewiesen, da&szlig;, wenn man schon unbedingt ein Etikett ben&ouml;tigt, ausgerechnet &quot;Postmoderne&quot; das richtige sei.</p>
<p>Die AntipostmodernistInnen unterstellen dem Objekt ihrer Ver&auml;chtlichmachung aber nicht nur, da&szlig; es existiere und eine von ihnen durchschaute Koh&auml;renz besitze, sie behaupten auch noch, es gebe Vertreterinnen und Vertreter dessen, was als unvertretbar sie im Gegenzug erweisen wollen. Nun ist es zwar in Wahrheit gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der oder die sich selbst oder das eigene Werk als &quot;postmodern&quot; bezeichnet, doch das st&ouml;rt die AntipostmodernistInnen wenig.</p>
<p>Es ficht sie auch nicht an, da&szlig; einerseits die philosophische Debatte um die &quot;Postmoderne&quot; &#8212; ausgel&ouml;st unter anderem 1979 von Lyotards Schrift &quot;La condition postmoderne&quot; (&quot;Das postmoderne Wissen&quot;, Wien 1982) &#8212; eine Angelegenheit der achtziger Jahre war, die ihren H&ouml;hepunkt Anfang der neunziger l&auml;ngst &uuml;berschritten hatte (vgl. Welsch), w&auml;hrend andererseits die literaturwissenschaftliche und architekturtheoretische Begriffsverwendung bereits auf die f&uuml;nfziger und sechziger Jahre zur&uuml;ckgeht &#8212; beides Gr&uuml;nde, die es wenig glaubw&uuml;rdig machen, den vermeintlichen &quot;Postmodernismus&quot; als gegenw&auml;rtig grassierende Mode zu deuten, der es beherzt entgegenzutreten gilt.</p>
<p>Wenn es aber gar keine &quot;Postmoderne&quot; gibt, weil dem vermeintlichen Ph&auml;nomen sowohl die Einheitlichkeit und Koh&auml;renz als auch das Personal und sogar die Relevanz der Aktualit&auml;t abgehen, warum ist es dann so beliebt, auf &quot;Postmoderne&quot; zu schimpfen, warum erscheinen immer wieder B&uuml;cher und Zeitungsartikel gegen sie, warum geh&ouml;rt es in gewissen Kreisen zum guten Ton, alles, was man ver&auml;chtlich findet, nebenhin als &quot;postmodern&quot; abzuqualifizieren? Die Frage stellt sich um so nachdr&uuml;cklicher, weil der leichte Sieg, der &uuml;ber eine inexistente Gegnerin errungen werden kann, manche AntipostmodernistInnen dazu verf&uuml;hrt, ihre jeweils eigene diskursive Position f&uuml;r gerechtfertigt zu halten.</p>
<p>Es wird im folgenden ausdr&uuml;cklich nicht darum gehen, die &quot;Postmoderne&quot; zu verteidigen &#8212; eben weil nicht klar ist, was da verteidigt werden sollte. Vielmehr soll zun&auml;chst den Strategien nachgeforscht werden, mit denen in der antipostmodernen Polemik der Popanz &quot;Postmoderne&quot; &uuml;berhaupt erst konstruiert wird, um im Anschlu&szlig; daran dar&uuml;ber zu spekulieren, welche Interessen sich mit dieser geisterhaften Polemik &uuml;berhaupt verbinden. Wie es sich trifft, h&ouml;ren die Strategien zur Erzeugung eines Diskursgegenstandes &quot;Postmoderne&quot; auf dieselben Namen wie die gegen dieses Phantom gerichteten Hauptvorw&uuml;rfe: Beliebigkeit, Geschichtsvergessenheit, Unpolitischsein.</p>
<p><strong>Per aspera ad absurdum</strong></p>
<p>Manch einer h&ouml;rt &quot;Post&quot; und versteht nur Bahnhof. Das hat nun einerseits damit zu tun, da&szlig; es so schrecklich viele Post-W&ouml;rter gibt (Postmoderne, Poststrukturalismus, Postfeminismus, Posthistoire, postindustriell usf. ), die zu verwechseln diejenigen, die es gern vermeiden, die einschl&auml;gige Literatur zu lesen, sich angelegen sein lassen. (Vgl. dagegen Welsch 1997. )</p>
<p>Andererseits gibt es eben geradezu eine Strategie der Beliebigkeit, die von denen, die so gerne Postmodernes &quot;kritisieren&quot; m&ouml;chten, mit Vorliebe angewandt wird und darin besteht, alles und jedes als &quot;postmodern&quot; zu bezeichnen. Eine entsprechende Bl&uuml;tenlese k&ouml;nnte Band um Band f&uuml;llen, hier aus Platzmangel nur einige wenige Beispiele:</p>
<p>Der eine nimmt &Ouml;sterreichs Rechtspopulisten als &quot;Ausdruck postmoderner Zersetzung der marktwirtschaftlichen Demokratie&quot; (Schandl) und will gar eine &quot;spezifisch postmoderne Inszenierung Haiderscher Politik&quot; (ebd. ) wahrgenommen haben. Ein anderer wittert hinter &quot;Sarkasmus und Distanz&quot; mancher Kulturschaffender einen &quot;postmodernen &Uuml;berlegenheitshabitus&quot; (Mende). Die eine will im &quot;Lumib&auml;ren&quot; (einer Art Lampe) unbedingt die &quot;postmoderne Plastikversion des guten alten Pl&uuml;schteddys&quot; (Schmidt 1998) wiedererkennen. Eine andere ringt mit dem &quot;Problem des postmodernen Parasitentums&quot; (Killert), wenn ein Romanautor ihr zuwenig &quot;erz&auml;hlt&quot;. Der eine beobachtet am unl&auml;ngst &uuml;berarbeiteten Logo des &Ouml;sterreichischen Gewerkschaftsbundes: &quot;die &Ouml;-Punkte ersetzt ein postmoderner Schwung&quot; (Bachner). Ein anderer beklagt die &quot;postmoderne Lust an der Unklarheit&quot;, das &quot;Einerlei postmoderner Desinteressiertheit&quot; und die &quot;postmoderne Irrationalit&auml;t&quot; (Mahnkopf). Der eine wei&szlig; &uuml;ber den Hollywood-Schinken &quot;Titanic&quot;: &quot;Er ist der Erfolgsfilm in der Periode der Postmoderne. &quot; (Rother) Ein anderer merkt zur Zeichentrick-Fernsehserie &quot;Die Simpsons&quot; an, es handle sich dabei um &quot;das kompletteste postmoderne Kunstwerk&quot;, n&auml;mlich das &quot;einzige, das formulierte, was die Postmoderne f&uuml;r alle bedeutete und noch bedeutet&quot; (Diedrichsen). Der eine erkl&auml;rt kurz und b&uuml;ndig: &quot;Blair ist ein sehr postmodernes Ph&auml;nomen: ohne Erinnerung, ohne Geschichtsbewu&szlig;tsein, pragmatisch bis zum Opportunismus. &quot; (Eagleton 1998). Ein anderer gibt sich kryptisch: &quot;In der Postmoderne ist die Liebe zu Gott der Vorwand f&uuml;r die Anbetung des Teufels. &quot; (Bond)</p>
<p>Ob also nun Haider, Blair oder der Lumib&auml;r, ob &Ouml;GB-Logo, Titanic oder die Simpsons, ob &Uuml;berlegenheitshabitus oder Parasitentum, ob Unklarheit, Desinteressiertheit, Irrationalit&auml;t oder Teufelsanbetung &#8212; all das und noch viel mehr ist, wenn man nur will, postmodern.</p>
<p>Gegen diese totale Beliebigkeit, mit der nicht nur verschiedene Autorinnen und Autoren, sondern, wie gezeigt werden k&ouml;nnte, oft auch ein und derselbe &quot;Kritiker&quot; ein und dasselbe Etikett f&uuml;r Dinge, Ereignisse, Situationen und Personen vorsieht, deren Verschiedenheit und Gegens&auml;tzlichkeit schlicht ignoriert wird, gibt es keine Gegenwehr: So verwendet, f&uuml;hrt sich der Begriff &quot;Postmoderne&quot; ohnehin selbst ad absurdum.</p>
<p><strong>Beliebte Beliebigkeit</strong></p>
<p>Die Strategie der Beliebigkeit kann &uuml;brigens auch nicht dadurch gerechtfertigt werden, da&szlig; man vorgibt, das zu begreifende Ph&auml;nomen sei eben selbst widerspr&uuml;chlich und heterogen. Ein Begriff erfordert traditionell eine klare und deutliche Definition. Ansonsten arbeitet man eben blo&szlig; mit einem Bild, das dann mehr oder weniger treffend, mehr oder weniger einsichtig sein kann: &quot;Postmoderne bedeutet f&uuml;r viele Leute verschiedene Dinge. (&#8230;) Postmoderne bedeutet ein Leben, das verd&auml;chtig nach einer Fernsehserie aussieht, und ein Dokumentar-Drama, das sich nicht bem&uuml;ht, das Ausgedachte von dem zu trennen, was &#8218;wirklich geschah&#8216;. Postmoderne ist ein Freibrief zu tun, wozu man Lust hat, und eine Empfehlung, nichts von dem, was man selbst tut oder was andere tun, allzu ernst zu nehmen. (&#8230;) Sie ist die Aufmerksamkeit, die gleichzeitig in alle Richtungen gelenkt wird (&#8230;). Sie ist ein Einkaufszentrum, vollgestopft mit Waren, (&#8230;) und eine Existenz, die einer lebenslangen Gefangenschaft im Einkaufszentrum gleicht. Postmoderne ist die erregende Freiheit, jedes beliebige Ziel zu verfolgen und die verwirrende Unsicherheit dar&uuml;ber, welche Ziele es wert sind, verfolgt zu werden und in wessen Namen man sie verfolgen sollte. &quot; (Bauman, S. 5) &#8212; Man ahnt, was Bauman meint, aber der Soziologe wird wohl nicht f&uuml;r sich beanspruchen, die eben zitierten Bilder seien eine wissenschaftliche Begriffsbestimmung.</p>
<p>Um sich gegen jede Kritik an der begrifflichen Unzul&auml;nglichkeit des Ausdrucks &quot;Postmoderne&quot; zu immunisieren, nehmen die Strategen der Beliebigkeit auch gern Zuflucht bei der (dialektischen) Einheit in der Vielfalt: &quot;Mein Problem ist (&#8230;) in der Differenz die &uuml;bergreifende Identit&auml;t darzustellen (&#8230;). &quot; (Kurz, S. 8) Ein echtes Problem: &quot;Nat&uuml;rlich ist mir klar, da&szlig; zum Beispiel postmoderne Erkenntniskritik und Theorien der Popkultur oder ein technologischer Medienoptimismus nicht unmittelbar identisch sind. Jean Baudrillard ist nicht Jacques Derrida, Norbert Bolz ist nicht Diedrich Diedrichsen, Richard Herzinger ist nicht Ulrich Beck und <em>Die Beute</em> ist nicht einmal<em> Spex</em>. Trotzdem gibt es den postmodernen Gesamtkomplex als distinktes Ph&auml;nomen. &quot; (ebd. ). Wie der trotzige letzte Satz verr&auml;t, besteht die Probleml&ouml;sung im Voluntarismus, im blo&szlig;en Ausstreuen von un&uuml;berpr&uuml;fbaren Behauptungen: &quot;Zwar ist der Begriff der Postmoderne ein schillernder, oberfl&auml;chlicher und blo&szlig; modischer; aber gleichzeitig handelt es sich auch um einen wirklichen Epochenbegriff. (&#8230;) Von der Philosophie und Erkenntniskritik &uuml;ber die Medientheorie bis zur Architektur, Pop- und Alltagskultur reicht das Spektrum der postmodernen Ausdrucksformen, die allesamt vor dem &ouml;konomischen Hintergrund des globalen Kasinokapitalismus erscheinen, wie er aus der strukturellen &Uuml;berakkumulation des Kapitals herausgewachsen ist. &quot; (Kurz S. 13)</p>
<p><strong>Vermutlich gebildete Meinungen</strong></p>
<p>Weil Postmodernes immer das ist, was man davon behauptet, ist es auch relativ gleichg&uuml;ltig, wo man es zu fassen bekommt. Ob man &ouml;konomische Ver&auml;nderungen, eine besondere historische Situation, ein bestimmtes Lebensgef&uuml;hl oder bestimmte Formen zeitgen&ouml;ssischer Theoriebildung in den Blick nimmt &#8212; irgendwie h&auml;ngt halt alles zusammen, nicht wahr? &#8212;, was auch immer man herausgefunden zu haben meint, es stellt sich wundersamerweise ohnehin heraus, da&szlig; es als &quot;postmodern&quot; angemessen benannt ist.</p>
<p>W&auml;hrend also der eine Antipostmodernist vorsichtshalber jede &quot;Kritik der postmodernen Philosophien&quot; (Kurz, S. 7) ausklammert, will ein anderer gerade diese in Angriff nehmen &#8212; und entdeckt erst recht, &quot;da&szlig; die Postmoderne ein so offener Begriff ist, da&szlig; sich jede Aussage &uuml;ber einen ihrer Aspekte fast zwangsl&auml;ufig als unzutreffend in bezug auf einen anderen Aspekt erweist. Aus diesem Grund m&ouml;gen einige der Ansichten, die ich der Theorie der Postmoderne zuschreibe, im Werk eines bestimmten Theoretikers modifiziert oder verworfen werden; dennoch stellen sie eine Art Allgemeingut dar (&#8230;). &quot; (Eagleton 1997, S. IX) Erstaunlicherweise spricht es also f&uuml;r einen &uuml;berzeugten Antipostmodernisten nicht gegen seine eigene Kritik, da&szlig; sie &quot;unzutreffend&quot; ist.</p>
<p>Mag derartiges Herumgetrickse noch als &quot;Dialektik&quot; gedacht sein, v&ouml;llig unglaubw&uuml;rdig macht sich der &quot;Kritiker&quot;, wenn er sich weigert, die &quot;Kritisierten&quot; beim Namen zu nennen: &quot;Ebenso werden einzelne Theoretiker nicht eingehend diskutiert, was manche verwundern mag. Aber mein Hauptinteresse gilt weniger den &#8218;gelehrten&#8216; Formulierungen postmoderner Philosophie als der Kultur, dem Milieu oder gar dem Gef&uuml;hl f&uuml;r die Postmoderne als Ganzem. Ich denke weniger an die hochtheoretischen Aspekte dieses Themas als an die Meinungen, die sich viele vermutlich bilden, die sich heutzutage mit diesem Thema befassen (&#8230;). &quot; (Eagleton 1997, S. VIII)</p>
<p>Vermutete Meinungen anstelle zitierbarer Quellen, ignorierte Einw&auml;nde anstelle erkl&auml;rter Widerspr&uuml;che und willk&uuml;rliche Bebilderung anstelle begrifflicher Arbeit: Mittels dieser Strategie der Beliebigkeit kann alles und jedes &quot;bewiesen&quot; werden, also auch die Existenz, Koh&auml;renz und Verwerflichkeit der Postmoderne.</p>
<p><strong>Geschichte? Vergessen!</strong></p>
<p>Ein Charakteristikum, das kein Antipostmodernist bei der diskursiven Konstruktion seiner Lieblingsfeindin unerw&auml;hnt lassen darf, ist deren bedenkliches Verh&auml;ltnis zur Geschichte: Die Postmoderne ist bestenfalls geschichtsvergessen, wahrscheinlich aber sogar antihistorisch.</p>
<p>Zum Teil st&uuml;tzt sich diese Ansicht selbstverst&auml;ndlich auf die Verwechslung von &quot;Postmoderne&quot; und &quot;Posthistoire&quot; (vgl. Conrad/Kessel, insbes. die Einleitung &quot;Geschichte ohne Zentrum&quot;, S. 9 ff. ). Aber nur wer beide nicht gelesen hat, wird beispielsweise Francis Fukuyama und Michel Foucault in einen Topf werfen.</p>
<p>Im &uuml;brigen ist die Annahme, die &quot;Postmoderne&quot; verk&uuml;nde das &quot;Ende der Geschichte&quot;, dann v&ouml;llig korrekt, wenn man beides, Postmoderne und Geschichte, jeweils so interpretiert, wie es einem gerade in den Kram pa&szlig;t. So kann ein und derselbe Autor in ein und demselben Buch an einer Stelle nach dem &uuml;blichen Muster klagen, der &uuml;ble Zustand der Welt sei &quot;der postmodernen Geschichtsvergessenheit geschuldet&quot; (Eagleton 1997, S. 30), um zehn Seiten sp&auml;ter zu verk&uuml;nden: &quot;Was das postmoderne Denken ablehnt, ist nicht die Geschichte, sondern die <em>eine</em> Geschichte, die Vorstellung n&auml;mlich, da&szlig; es ein Wesen namens Geschichte gibt, das einen immanenten Sinn und Zweck hat, der sich insgeheim um uns herum (&#8230;) entfaltet. &quot; (ebd. , S. 40)</p>
<p>Selbst dem bekennenden Gegner scheint also zwischenzeitlich aufgegangen zu sein, da&szlig; die sogenannte Postmoderne nicht das Ende der Geschichte, sondern &#8212; eigentlich recht aufkl&auml;rerisch &#8212; einen Verlust an Glaubw&uuml;rdigkeit der &quot;gro&szlig;en Erz&auml;hlungen&quot; (Lyotard) behauptet: &quot;Eine Richtung postmodernen Denkens betrachtet Geschichte als eine st&auml;ndiger Ver&auml;nderung unterworfene Angelegenheit, von aufregender Vielfalt und mit offenem Ende, als Komplex von Verbindungen und Diskontinuit&auml;ten, die nur gewaltsam in die Einheit einer einzigen Erz&auml;hlung gezwungen werden k&ouml;nnten. &quot; (ebd. , S. 61)</p>
<p>Wenn das richtig ist, dann kann &quot;Postmoderne&quot; gerade nicht &quot;geschichtsvergessen&quot;, sondern sie m&uuml;&szlig;te geradezu &quot;geschichtsversessen&quot; sein. Wieso n&auml;mlich ausgerechnet das Historisieren des Historischen, die Frage nach der Geschichtlichkeit der Weisen, Geschichte zu verstehen (und zu &quot;schreiben&quot;) eine &quot;Ablehnung der Geschichte&quot; (Schmidt 1986, S. 19) darstellen soll, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis der Antipostmodernisten.</p>
<p>Die zur Konstruktion des Phantoms &quot;Postmoderne&quot; eingesetzte Strategie der Geschichtsvergessenheit funktioniert eben nur, indem sie ihre eigene Geschichte vergi&szlig;t. Dazu geh&ouml;rt, da&szlig; man immer wieder von neuem ignoriert, da&szlig; mittlerweile die &quot;Postmoderne-Debatte&quot; selbst historisch geworden ist, da&szlig; also bereits Argumente und Gegenargumente gewechselt wurden und sich so das eine oder andere Gerede er&uuml;brigen sollte. Man k&ouml;nnte in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, da&szlig; schon vor mehr als drei Jahrzehnten Sartre an Foucault eine &quot;Ablehnung der Geschichte&quot; diagnostizieren zu m&uuml;ssen meinte: &quot;Hinter der Geschichte wird nat&uuml;rlich der Marxismus ins Visier genommen. Es geht darum, eine neue Ideologie zu schaffen, den letzten Damm, den die Bourgeoisie noch gegen Marx errichten kann. &quot; Und man k&ouml;nnte weiters an Foucaults Bemerkung erinnern: &quot;Arme Bourgeoisie, wenn sie nur mich als Damm h&auml;tte, h&auml;tte sie ihre Macht l&auml;ngst verloren. &quot;</p>
<p><strong>Politisches Analphabetentum</strong></p>
<p>Eng mit der Strategie der Geschichtsvergessenheit verbunden ist jene Strategie, die darin besteht, gegen die sogenannte Postmoderne den Vorwurf zu erheben, sie sei unpolitisch. Und unpolitisch ist dabei nur ein anderes Wort f&uuml;r reaktion&auml;r: &quot;Das politische Analphabetentum und die historische Verge&szlig;lichkeit im Gefolge der Postmoderne sind mit ihrem Kult der auff&auml;lligen theoretischen Moden und ihrem unmittelbaren intellektuellen Gebrauchswert sicherlich ein Grund zur Freude im Wei&szlig;en Haus (&#8230;). &quot; (Eagleton 1997, S. 32)</p>
<p>Belegt zu werden braucht das selbstverst&auml;ndlich genauso wenig wie jeder andere Vorwurf gegen die &quot;Postmoderne&quot;. Man wei&szlig; das einfach. Wer S&auml;tze wie &quot;Es gibt Gesch&auml;ftsleute, die genauestens &uuml;ber Dekonstruktion informiert sind&quot; (Eagleton, S. 176) nicht als Glaubensartikel hinnimmt, der ist wohl auch nicht w&uuml;rdig, sie erkl&auml;rt zu bekommen. Denn wenn auch nicht alle Antipostmodernisten es so offen einbekennen w&uuml;rden, insgeheim halten sie ihre Gegnerschaft zum Postmodernismus f&uuml;r eine Berufung: &quot;Diese Kritik verlangt selbstverst&auml;ndlich ein entsprechendes h&ouml;heres Bewu&szlig;tsein (&#8230;). &quot; (Kurz, S. 12)</p>
<p>Dagegen gibt es kein Argument. Aber die Kritik der Postmoderne-&quot;Kritik&quot; kann sich das Vergn&uuml;gen bereiten, wiederum gerade denselben Autor, der der sogenannten Postmoderne und ihren angeblichen VertreterInnen &quot;politisches Analphabetentum&quot; anzudichten versuchte und die Ansicht zum besten gab, die ach so unpolitische &quot;Postmoderne&quot; sei &quot;die passende Theorie f&uuml;r diejenigen, die zu jung waren, um sich an eine radikale massenorientierte Politik zu erinnern, und die statt dessen die niederdr&uuml;ckende Erfahrung repressiver Mehrheiten machen mu&szlig;ten (&#8230;)&quot; (Eagleton 1997, S, 4), mit einer ausf&uuml;hrlichen Gegendarstellung zu zitieren:</p>
<p>&quot;[Die Postmoderne] repr&auml;sentiert (&#8230;) nicht nur Fragen von welthistorischer Bedeutung, sondern hat auch bewirkt, da&szlig; Millionen von Menschen, die sowohl von der traditionellen Linken als auch vom System selbst aufgegeben und abgeschoben wurden, nun ins Zentrum des theoretischen Interesses r&uuml;cken. Die Anspr&uuml;che dieser M&auml;nner und Frauen stellen nicht nur einen neuen Komplex politischer Forderungen dar, sondern auch eine einfallsreiche Ver&auml;nderung des Konzepts von Politik an sich. Wenn die Entrechteten wirklich an die Macht gekommen sind, werden wir das daran erkennen, da&szlig; das Wort &#8218;Macht&#8216; nicht mehr das bedeutet, was es bisher bedeutete. Der Paradigmenwechsel, der sich dementsprechend vollzogen hat &#8212; eine handfeste Revolution in unserer Auffassung der Beziehungen zwischen Macht, Begehren, Identit&auml;t und politischer Praxis &#8212;, bedeutet eine unerme&szlig;liche Intensivierung der d&uuml;rftigen, an&auml;mischen und verkniffenen Politik einer fr&uuml;heren &Auml;ra. Ein Sozialismus, der sich angesichts dieser reichen, ausdrucksstarken Kultur nicht ver&auml;ndert, wird sicherlich von vornherein chancenlos sein. Alle seine gehegten und geh&uuml;teten Konzepte &#8212; Klasse, Ideologie, Geschichte, Totalit&auml;t oder materielle Produktion &#8212; m&uuml;ssen wieder gr&uuml;ndlich durchdacht werden, ebenso wie die philosophische Anthropologie, auf der sie beruhen. Da&szlig; das klassische linke Denken mit einigen der dominanten Kategorien, die es bek&auml;mpft, &uuml;bereinstimmt, ist leider allzu klar geworden. Die postmoderne Theorie in ihrer militantesten Erscheinungsform hat sich dagegen f&uuml;r die Erniedrigten und Ausgesto&szlig;enen eingesetzt und auf diese Weise die selbstherrliche Identit&auml;t des Systems bis auf die Grundfesten ersch&uuml;ttert. &quot; (Eagleton 1997, S. 32 f. )</p>
<p>Wenn das unpolitisch ist, was ist dann noch politisch?</p>
<p><strong>Ein Unbehagen namens &quot;Postmoderne&quot;</strong></p>
<p>Das bisher Gesagte lief darauf hinaus, den Anspruch der Gegner der sogenannten Postmoderne in Frage zu stellen, diese w&uuml;rden ihre Polemiken gegen ein tats&auml;chlich existierendes, koh&auml;rentes und relevantes Ph&auml;nomen richten. Gerade aber, wenn es die &quot;Postmoderne&quot; nicht gibt, stellt sich um so dr&auml;ngender die Frage, was es ist, das ihre Widersacher zu immer neuen Denunziationen antreibt.</p>
<p>Selbstverst&auml;ndlich kann hier keine umfassende, abschlie&szlig;ende und allgemeing&uuml;ltige Antwort gegeben werden. Nur f&uuml;r jeden einzelnen Antipostmodernisten und seine Texte lie&szlig;e sich gegebenenfalls nachweisen, wozu er sich einen Popanz bastelt, um hernach nach Herzenslust auf ihn einzupr&uuml;geln. Dennoch lassen sich hier in aller gebotenen Verk&uuml;rzung und Vereinfachung eine Reihe von Motiven benennen, die in der Polemik immer wieder durchscheinen und die die Gegnerschaft zur frei erfundenen Postmoderne nicht als blo&szlig; private Macke erscheinen lassen, sondern als Engagement in einer theoretischen Auseinandersetzung, in der es um die praktische Durchsetzung von Interessen geht.</p>
<p>Manches antipostmoderne Mi&szlig;verst&auml;ndnis ist gewi&szlig; gewollt. Manches aber auch einfach dem Unverm&ouml;gen geschuldet, sich selbst in Frage zu stellen. Und manches zeugt von dem Willen, sich einfach nicht in Frage stellen zu lassen.</p>
<p>Die simpelste Motivation daf&uuml;r, sich eine &quot;Postmoderne&quot; zu basteln, die man dann verabscheuen kann, ist die des pers&ouml;nlichen Unbehagens. Auch ohne vulg&auml;rpsychologischen Erkl&auml;rungsansatz wird man wohl sagen k&ouml;nnen, da&szlig; die Tiraden, die in der &quot;Postmoderne&quot; vor allem einen beklagenswerten Lebensstil &#8212; Stichwort: Hedonismus, Konsum, schrankenloser Individualismus &#8212; erkennen wollen, Neid eine Rolle spielt: &quot;Die dem Jugendlichkeitswahn verfallenen Postmodernen repr&auml;sentieren so den sozialen &Uuml;bergang innerhalb des postindustriellen Dienstleistungskapitalismus von der keynesianischen Produktionsp&auml;dagogik und ihren diversen Toskana- und Aussteiger Dissidenzen zur neoliberalen &#8218;lebens&auml;sthetischen&#8216; Medienwelt. &quot; (Kurz, S. 77) Wer, weil er als &uuml;berlegener Theoretiker und geschichtsbewu&szlig;ter Politmensch die &quot;gemeinsame negative Erfahrung der Leiden, Br&uuml;che, Krisen&quot; (Kurz, S. 137) teilt, vermutlich ein freudlos-graues Leben f&uuml;hrt, mu&szlig; die eigene Verkniffenheit an den anderen als &quot;sozial ignorante(n) und deshalb b&uuml;rgerlich beschr&auml;nkte(n)&quot; Hedonismus (Kurz, S. 119) abarbeiten.</p>
<p>Und schwuppdiwupp f&auml;llt die &quot;linke Kritik&quot; mit dem konservativen Kulturlamento zusammen, das angesichts einer Jugend, die sich auf nichts mehr konzentriert, die dauernd fernsieht oder einkauft oder viel zu laute Musik h&ouml;rt, die immer nur Spa&szlig; und Sex und Drogen haben will, da&szlig; also angesichts postmodernen &quot;anything goes&quot; der Untergang des Abendlands (oder eben die finale Krise des Kapitalismus) bevorsteht. Des einen Freud, des andern Leid.</p>
<p>Selbstverst&auml;ndlich ist es nicht unzul&auml;ssig, Lebensweisen zu kritisieren, aber dazu mu&szlig; man sie erstens kennen und zweitens &uuml;ber sinnvolle Kriterien verf&uuml;gen. Einfach alles, was man nicht versteht, was einem unbehaglich ist und was gerade stattfindet, als &quot;postmodern&quot; zu deklarieren gen&uuml;gt sicher nicht. Sonst gilt f&uuml;r den Antipostmodernismus, was er eigentlich seiner Lieblingsfeindin vorwerfen wollte. &quot;Was sich da breit macht, ist ein theoretisierender Snobismus, der mit Begriffen der Kritik nur noch &auml;u&szlig;erlich kokettiert. &quot; (Kurz, S. 15)</p>
<p><strong>Randgruppenthemen und das wirkliche Leben</strong></p>
<p>Wenn der Satz, was f&uuml;r eine Philosophie man w&auml;hle, h&auml;nge davon ab, was f&uuml;r ein Mensch man sei, je G&uuml;ltigkeit besa&szlig;, dann gilt wohl auch umgekehrt, da&szlig; die jeweilige Theoriepraxis eine Lebensweise ist. Und w&auml;hrend also die einen Antipostmodernisten noch vollends damit besch&auml;ftigt sind, den Niedergang der Menschheit an Loveparade und Internet abzulesen, schreiben die anderen das eigentliche Versagen der &quot;Postmoderne&quot; der Niedertracht der einschl&auml;gigen Theoretikerinnen und Theoretiker zu. Ja, ob zeitgen&ouml;ssisches Denken oder blo&szlig; Lebensweisen der Zeitgenossen, alles ein Brei, und &quot;deshalb gehen postmoderne Philosopheme und technokratische Medienkompetenzlerei oder Design-Klempnerei so gut zusammen. &quot; (Kurz, S. 84)</p>
<p>Man darf also kurzschlie&szlig;en was man gerade zur Hand hat. &quot;Der Hintergrund dieser intellektuellen Entwicklung [im gegenw&auml;rtigen Kapitalismus, Anm. ] ist die Postmoderne. Die Postmoderne negiert die Vorstellung eines einheitlichen menschlichen &#8218;Ichs&#8216;, sie lehnt lineare Zeitvorstellungen ab, sie &#8218;dekonstruiert&#8216;, was ihr in die Finger ger&auml;t. Die Theoretiker der Postmoderne singen das Hohelied des Fragments &#8212; auf Kosten des Ganzen. Seit zwanzig Jahren beeinflu&szlig;t dieses Denken nun schon das Lehrangebot an den Hochschulen: Die Studenten ergehen sich in endlosem Gerede von grenz&uuml;berschreitenden Diskursen, sie interessieren sich f&uuml;r jede Form von Randst&auml;ndigkeit, f&uuml;r jeden Nebenkriegsschauplatz, aber das wirkliche Leben ger&auml;t ihnen aus dem Blick. Ich halte die Postmoderne f&uuml;r eine ausgesprochen elit&auml;re Veranstaltung. &quot; (Sennett) Der Herr Professor, der hier phantasiert, verf&auml;hrt ganz nach dem Motto: Elit&auml;r ist, was mich im Zweifelsfall kritisieren k&ouml;nnte. Und weil man von &quot;Haupt- und Nebenwiderspruch nicht mehr reden mag, faselt man von &quot;Randst&auml;ndigkeit&quot; und &quot;Nebenkriegsschauplatz&quot;, wo vom &quot;wirklichen Leben&quot; nichts mehr gewu&szlig;t wird.</p>
<p>&quot;Der moderne Kapitalismus kann jedenfalls hervorragend mit den Individualisierungstendenzen der sechziger Jahre und mit der kleinteiligen Ideologie der Postmoderne leben: Beide konzentrieren sich schlie&szlig;lich nicht darauf, ihn zu kritisieren, sondern auf eine mehr oder weniger diffuse &#8218;Revolutionierung&#8216; dessen, was man wohl als &#8218;Lifestyle&#8216; bezeichnet. &quot; (Sennett) Na wunderbar, jetzt ist&#8217;s durchschaut. Nicht nur &quot;anything goes&quot;, auch &quot;small is beautiful&quot; (wohl samt der Varianten &quot;black is beautiful&quot; und &quot;pride to be gay&quot;) ist kapitalistische Ideologie. Wer w&uuml;rde es wagen, daran zu zweifeln, da&szlig; die Managementphilosophie &quot;lean production&quot; und Deleuzens/Guattaris Pl&auml;doyer f&uuml;r eine Kleine Literatur auf dasselbe hinauslaufen?</p>
<p>Kurzum: &quot;Ich f&uuml;rchte, die Postmoderne mit ihren Debatten &uuml;ber Randgruppen und -themen hat uns eine ganze Generation junger Kritiker gekostet. &quot; (Sennett) Denn wer sich nicht mit dem besch&auml;ftigt, was der wei&szlig;e, heterosexuelle, m&auml;nnliche Universit&auml;tslehrer f&uuml;r wichtig befindet, und wer es nicht auf eine Weise tut, die dessen Vorherrschaft bekr&auml;ftigt, ist klarerweise zu vern&uuml;nftiger Kritik gar nicht f&auml;hig.</p>
<p><strong>Eine Weltverschw&ouml;rung</strong></p>
<p>Die &quot;Postmoderne&quot; im Namen der Hegemonie der wei&szlig;en, heterosexuellen, wohlhabenden M&auml;nner anzugreifen, ist nun originellerweise nicht diesen M&auml;nnern vorbehalten. Eine gewisse Mariam Lau, dem Vornamen zufolge vermutlich weiblichen Geschlechts, kann das auch. Zun&auml;chst verk&uuml;ndet sie: &quot;Die Gender Studies sind wahrscheinlich das erfolgreichste Projekt der Postmoderne. &quot; (Mariam Lau, S. 919) Sodann beklagt sie die &quot;spr&ouml;de Umst&auml;ndlichkeit der kanonischen Texte&quot; (S. 919), die dort verhandelt w&uuml;rden, und &quot;deren Studium den Leser mit einem Gef&uuml;hl von Hoffnungslosigkeit, diffuser Bedrohung und etwas wie Reue nach empfundener Strafe zur&uuml;ckl&auml;&szlig;t&quot; (S. 919). Kein Wunder also, da&szlig; &quot;miese Stimmung in den Gender Studies&quot; (S. 922) herrscht.</p>
<p>Woher Frau Lau &#8212; der ein paar Seiten weiter ein Herr Lau mit Erkenntnissen vom Schlage &quot;Es ist n&auml;mlich offensichtlich, da&szlig; vor allem intellektuell ehrgeizige Frauen diesem pseudodialektischen Kitsch der Negativit&auml;t anh&auml;ngen (&#8230;)&quot; (J&ouml;rg Lau, S. 949) assistiert &#8212; ihr Wissen &uuml;ber die Gender Studies bezieht, bleibt etwas r&auml;tselhaft. Vielleicht ist sie mal an einem H&ouml;rsaal vorbei gekommen. H&auml;tte sie n&auml;mlich auch etwas gelesen, w&auml;re ihr folgendes nicht passiert: &quot;Mit seiner Darstellung der K&ouml;rper und der Sexualit&auml;t, die von den Diskursen hervorgebracht und zugerichtet werden, hat Foucault nebenbei sein Schweigen &uuml;ber die eigene Homosexualit&auml;t geadelt. Unter der Hand wird der Homosexualit&auml;t auch der Nimbus der Subversion zuteil, weil sie sich dem Wahn der zwanghaften Arterhaltung entgegenstemmt. &quot; (Mariam Lau, S. 921) Richtig ist an diesen beiden S&auml;tzen nichts. Bemerkenswert sind sie nur wegen der offen bekundeten Unkenntnis von Foucaults zahlreichen &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen zur &quot;eigenen&quot; Homosexualit&auml;t und wegen der un&uuml;bersehbaren Homophobie, die sich in dem bekannten, hier blo&szlig; &quot;geadelt&quot; formulierten, Vorurteil ausdr&uuml;ckt, die Schwulen wollten immer etwas Besonderes sein.</p>
<p>Es kommt noch besser. &quot;Wenn also das Verh&auml;ltnis der Geschlechter durch die Gender Studies weder klarer noch irgendwie einfacher geworden ist, sondern im Gegenteil g&auml;nzlich obskur bis unheimlich, gr&auml;&szlig;lich geradezu! , und wenn auch der Literaturtheorie durch die Gender Studies h&ouml;chstens ein paar <em>gothic thrills</em> und eine Menge ungenie&szlig;baren Quarks zuteil geworden sind, und wenn schlie&szlig;lich alle auch nur noch mehr oder weniger lustlos vor sich hin dekonstruieren &#8212; was sollte es dann? &quot; (S. 926) Man sieht richtig vor sich, wie sich bei der Zumutung, etwas Neues &uuml;ber Geschlechterverh&auml;ltnisse zu lernen, vor lauter Ekel bei der Autorin alles geradezu verkrampft. Und w&auml;hrend sie noch krampft, durchzuckt sie schlagartig die Antwort auf die Was-sollte-es-dann-Frage, und sie erz&auml;hlt eine Anekdote aus Berlin:</p>
<p>&quot;Angek&uuml;ndigt war Judith Butler, Rhetorikprofessorin aus Berkley, bekennende Lesbe und Popstar-S&auml;ulenheilige der Gender Studies, und gekommen waren Hunderte meist junger Frauen, die um das Rednerpult kauerten, als seien sie in Lourdes und erwarteten nun, aus der Jungfrau milchige Tr&auml;nen str&ouml;men zu sehen. Es gibt sogar ein Fanzine namens <em>Judy!</em> und ein Internetcaf&eacute;, in dem man Butler &uuml;ber sexuelle Identit&auml;t reden h&ouml;ren kann. (&#8230;) Endlich kam Butler zu dem Punkt, auf den die ganze Versammlung hingefiebert hatte: &#8218;Ich stelle diese Fragen in einer Zeit, in der die Familie in nahezu nostalgischer Weise verkl&auml;rt wird, in der der Vatikan nicht nur gegen Homosexualit&auml;t als einen Angriff nicht nur auf die Familie wettert, sondern auch als einem [sic! ] Angriff auf die Vorstellungen vom Menschen schlechthin, die nur in der Familie verwirklicht werden k&ouml;nnen. &#8216; Es war, als h&auml;tte sie der Gemeinde in diesen sperrigen Worten die Sakramente erteilt. Pl&ouml;tzlich fiel es einem wie Schuppen von den Augen: Die Gender Studies sind die Philosophie einer sexuellen Pr&auml;ferenz. Sie sollen zeigen, da&szlig; es nicht nur okay ist, lesbisch zu sein, sondern geradezu ein Gebot der Aufrichtigkeit und des Antimilitarismus! &quot; (S. 926)</p>
<p>Hurra, das ist die L&ouml;sung! Die Gender Studies &#8212; und also die ganze &quot;Postmoderne&quot; &#8212; ist nichts als eine gro&szlig;e Selbstbefriedigungsaktion der Lesben (und Schwulen: Foucault)! Eine gigantische homosexuelle Verschw&ouml;rung gegen die Heterosexuellen, wobei die &quot;grauenhafte Vorstellung von der Politisierung des Privaten&quot; geradewegs &quot;bis zum Exze&szlig; eines modellhaften Lebens getrieben&quot; wird, &quot;in dem noch Bettgefl&uuml;ster zum Manifest wird&quot; (S. 927). Wer tiefer blickt, erkennt, da&szlig; also nicht nur Gender Studies und &quot;Postmoderne&quot;, sondern auch der Feminismus, ja alles Emanzipationsgeschw&auml;tz &uuml;berhaupt ein Aufstand der Perversen gegen die Normalen ist. Der Abgrund einer posthegemonialen Utopie tut sich auf: &quot;Eine stratifizierte, freudlos ineinander verkeilte Gesellschaft, in der diejenigen, die historisch einen Opferstatus f&uuml;r sich geltend machen k&ouml;nnen, denen gegen&uuml;berstehen, die das nicht k&ouml;nnen, weil sie wei&szlig;, heterosexuell, m&auml;nnlich und nicht &#8218;k&ouml;rperlich herausgefordert&#8216; sind. &quot; (S. 928) &#8212; Nein, diese armen Wei&szlig;en, Heteros und M&auml;nner, was wollen ihre &quot;historischen&quot; Opfer ihnen da nur antun!</p>
<p><strong>Marxismus statt Spa&szlig;ismus</strong></p>
<p>Wer aber meint, das so eben ob seiner Skurrilit&auml;t ausf&uuml;hrlich dargestellte Beispiel des Postmoderne-Bashings sei der Gipfel der Verbl&ouml;dung, irrt. Zwar kann der Gehalt an Ressentiment &#8212; in diesem Fall homophober Natur &#8212; nicht &uuml;berboten werden, doch immerhin hat die &quot;freie Journalistin&quot; (Klappentext) Lau noch etwas Richtiges beobachtet: Lesben und Schwule n&uuml;tzen &quot;postmoderne&quot; Theoriebildung f&uuml;r ihre Zwecke. Andere verzichten gleich auf jede Beobachtung, um darum nur um so haneb&uuml;chener zu &quot;argumentieren&quot;. Sie m&ouml;gen zwar das eine oder andere Schlagwort geh&ouml;rt haben, doch vom Aufschnappen zum &Uuml;berschnappen ist es bei ihnen oft nur ein Schritt. Man m&ouml;ge auch nicht meinen, die Lausche Denunziation sei deswegen, weil sie, vorgebracht im Namen der Normalit&auml;t und Hegemonie, als von rechts kommend bezeichnet werden kann, besonders d&uuml;mmlich. Linke &quot;Kritiker&quot; der &quot;Postmoderne&quot; stehen nicht an, in dieselbe Kerbe zu hauen.</p>
<p>Nun ist ja grunds&auml;tzlich nichts so bl&ouml;d, da&szlig; es nicht irgend jemand f&uuml;r marxistisch h&auml;lt. Ein gewisser Ernst Richter beispielsweise verk&uuml;ndet zun&auml;chst: &quot;Die Postmoderne reitet seit Jahren w&uuml;ste Attacken gegen die Ideen des Fortschritts, der Erkenntnis und der Wahrheit &#8212; und damit insbesondere gegen den Marxismus. &quot; (Richter) Woher er das wei&szlig;, verr&auml;t er, man kennt das inzwischen, nicht. Sodann beklagt Richter &quot;haarstr&auml;ubende Entstellungen&quot; des wahren Glaubens durch die Postmoderne und macht sich lustig &uuml;ber die von dieser angeblich &quot;aufgeregt vorgetragenen These, da&szlig; alle Erkenntnis irgendwie auch Konstruktion sei&quot; &#8212; was nat&uuml;rlich ein alter Hut ist, steht ja schon (ganz unaufgeregt) bei Hegel, Marx, Engels und Lenin.</p>
<p>Somit geht, wie der Hobby-Denker Richter durchschaut, das Herumkritisieren der &quot;Postmoderne an der Erkennbarkeit der Welt ins Leere&quot;. L&auml;ppisch auch, wie die &quot;Postmodernen&quot; v&ouml;llig undialektisch das Besondere gegen das Allgemeine ausspielen. &quot;Dabei bildet bereits dieses Ausgangsaxiom der Postmoderne, da&szlig; begrifflich-logische Verallgemeinerungen unzul&auml;ssig seien, selbst eine ebensolche logisch verallgemeinernde Operation, womit sich die Basisannahme der Postmoderne selbst widerlegt. (&#8230;) Und selbst noch die allerorts hoch im Kurs stehende &#8218;Dekonstruktion&#8216; setzt ja bestimmte allgemeine methodologische Prinzipien voraus, soll sie nicht im &#8218;Spa&szlig;ismus&#8216; enden. &quot;</p>
<p>Da&szlig; solche grenzgenialen Widerlegungen in einer studentischen Zeitschrift abgedruckt werden, ist entweder v&ouml;lliger philosophischer Unbedarftheit der Redaktion zuzuschreiben &#8212; oder ihrem politischen Bewu&szlig;tsein. Denn der eigentliche Knackpunkt, warum es mit der Postmoderne nichts sein kann ist doch der: &quot;Die Leugnung gesellschaftlicher Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten bzw. deren rationale Erkennbarkeit bedeutet allerdings nichts anderes als die Zur&uuml;cknahme jeglicher Gesellschaftswissenschaft, und damit jeder begr&uuml;ndeten Alternative zum kapitalistischen System. &quot;</p>
<p>Bravo, sehr gut argumentiert, Stalinpreis Erster Klasse. Wer nicht denkt wie wir &#8212; und wir sind schlie&szlig;lich Marxisten &#8212;, ist ein Agent des Klassenfeinds. Klare Sache. Damit ist &quot;die postmoderne Diffamierung aller emanzipatorischen Konzepte und Bewegungen, denen es um das Ganze der Gesellschaft geht&quot; endlich angefertigt.</p>
<p><strong>Kontinuierliche Unterminierungen</strong></p>
<p>Zugegebenerma&szlig;en sind die zuletzt gebrachten Beispiele delirierenden Antipostmodernismus (Lau, Richter) nicht die seri&ouml;sesten. Doch was sie ob ihrer offenkundigen geistigen Schlichtheit ganz unverklausuliert ausplaudern, findet sich auch bei anderen. Da kommt es schon mal vor, da&szlig; einer sich Sorgen wegen der &quot;Tatsache&quot; macht, &quot;da&szlig; der Westen von brillanten jungen m&auml;nnlichen Zombies &uuml;berquillt, die alles &uuml;ber Foucault und wenig &uuml;ber Gef&uuml;hl wissen&quot; (Eagleton 1997, S. 31), ohne da&szlig; er bemerkt, da&szlig; er sich Schwulenfeindliches von der Seele schreibt &#8212; denn wer sonst sind die jungen Foucault-Kenner, denen er ganz klassisch Gef&uuml;hlsarmut zuordnet, wenn nicht Studenten und Dozenten der Gay Studies?</p>
<p>Derselbe renommierte Hochschulprofessor und bekennende Sozialist verwirft auch die Kritik am Essentialismus: &quot;Genau in dem Moment, da Frauen autonome Subjekte geworden sind (&#8230;) schickt sich die postmoderne Theorie an, die gesamte Kategorie zu dekonstruieren. &quot; (Ders. , S. 57) Und ohne Konstruktivismus ist dann auch der Rassismus nur noch etwas, was die Nichtwei&szlig;en betrifft, denn &quot;niemand hat eine bestimmte Art der Hautpigmentierung, weil jemand anders eine andere hat, oder ist m&auml;nnlich, weil jemand anders weiblich ist, so wie einige Menschen lediglich deshalb arbeitslose Arbeiter sind, weil andere Grundbesitzer sind&quot;. (Ders. , S. 78) &Uuml;berhaupt sind, man merkt es schon, Rassismus und Sexismus nur Ablenkungsman&ouml;ver. Es gilt zur&uuml;ckzukehren zu den harten Tatsachen des Lebens: &quot;Klasse ist (&#8230;) eine durch und durch soziale Kategorie, was f&uuml;r die Existenz als Frau oder f&uuml;r eine Gruppe mit einer bestimmten Hautpigmentierung nicht zutrifft. Es geht also nicht darum, feminin oder Schwarzamerikaner zu sein; es ist eine Frage des K&ouml;rpers und nicht so sehr der Kultur, der man angeh&ouml;rt. Wer sich der traurigen Situation bewu&szlig;t ist, in die uns der &#8218;Kulturalismus&#8216; gebracht hat, wird sicherlich so etwas offenbar Selbstverst&auml;ndliches sofort best&auml;tigen. &quot; (S. 77)</p>
<p>Da&szlig; die Offenbarkeit dieser angeblichen Selbstverst&auml;ndlichkeit damit zu tun haben k&ouml;nnte, da&szlig; er ein wei&szlig;er Mann ist, kommt dem Autor nicht in den Sinn. So ist denn die wahrhaft &quot;traurige Situation&quot; die, da&szlig; er offensichtlich alles ignoriert, was von den &quot;Postmodernen&quot; je zu diesen Themen geschrieben wurde. Allerdings mu&szlig; man zugute halten, da&szlig; er in lichten Momenten die Gr&uuml;nde seiner Abwehr selbst zu formulieren versteht:</p>
<p>&quot;Themen wie &#8218;Geschlecht&#8216; und &#8218;Ethnizit&auml;t&#8216; haben die Stellung des wei&szlig;en, m&auml;nnlichen, westlichen Linken (&#8230;) kontinuierlich unterminiert (&#8230;)&quot;. (Ders. , S. 34) &quot;[Die Postmoderne] hat eine Reihe unumst&ouml;&szlig;licher Sicherheiten ins Wanken gebracht, einige paranoide Totalit&auml;ten aufgesprengt, eifers&uuml;chtig geh&uuml;tete Heiligt&uuml;mer verunreinigt, repressive Normen gebeugt und einige ohnehin hinf&auml;llige Fundamente ersch&uuml;ttert. Folglich hat sie all diejenigen gr&uuml;ndlich desorientiert, die sich ihrer Identit&auml;t nur allzu bewu&szlig;t waren (&#8230;). &quot; (S. 36)</p>
<p>Auch wenn nicht behauptet werden soll, da&szlig; das, was diese S&auml;tze skizzieren, die Postmoderne &quot;ist&quot;, so kann doch immerhin aus gutem Grunde vermutet werden, da&szlig; damit angesprochen ist, wovor diejenigen, die sich eine &quot;Postmoderne&quot; erfinden, Angst haben: In Frage gestellt zu werden, die eigenen Positionen, die eigene Lebensweise radikal &uuml;berdenken und daraufhin vielleicht sogar &auml;ndern zu m&uuml;ssen.</p>
<p>Es ist ein altes und weitverbreitetes Ritual, sich eine Puppe zu basteln, die alles, was einem unangenehm ist, verk&ouml;rpert und an der man seine Aggressionen auslebt, um sie dann dem Feuer, also der Vernichtung, zu &uuml;berantworten. Sollte es so einfach sein, ist die von den Antipostmodernisten konstruierte &quot;Postmoderne&quot; nichts anderes als solch eine Puppe? Ich meine: ja.
<ul>
<p><em>&#9;Stefan Broniowski schreibt. </em> </ul>
<p><strong>Literatur</strong>
<ul>
<p><em>Bachner, M. : Postmoderner Schwung, in: &#8220;Kurier&#8221;, 4. Januar 1999. </em></p>
<p><em>Bauman, Zygmunt: Ansichten der Postmoderne, Hamburg 1995 (engl. London 1992). </em></p>
<p><em>Bohrer, Karl Heinz / Scheel, Kurt: Postmoderne. Eine Bilanz (&#8220;Merkur&#8221;, Heft 9/10), Stuttgart 1998. </em></p>
<p><em>Bond, Edward: Notizen zur Postmoderne, in: Jacketts/September. Zwei St&uuml;cke, Frankfurt a. M. 1996 (urspr. 1994). </em></p>
<p><em>Conrad, Christoph / Kessel, Martina (Hg. ): Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beitr&auml;ge zur aktuellen Diskussion, Stuttgart 1994. </em></p>
<p><em>Diedrichsen, Diedrich: Die Simpsons der Gesellschaft, in: &#8220;Spex&#8221; Nr. 1/99, S. 40 ff. </em></p>
<p><em>Eagleton, Terry: Die Illusionen der Postmoderne. Ein Essay, Stuttgart 1997 (engl. Oxford 1996). </em></p>
<p><em>Ders. : Wo leben diese Leute eigentlich. Terry Eagleton &uuml;ber die Illusionen der Postmoderne und den Wunsch nach Orientierung in un&uuml;bersichtlichen Zeiten, in: &#8220;Die Zeit&#8221; Nr. 37 (13. August 1998), S. 37. </em></p>
<p><em>Eco, Umberto: Was hei&szlig;t eigentlich postmodern? , in: &#8220;Format&#8221; 19/99 (10. Mai 1999). </em></p>
<p><em>Engelmann, Peter (Hg. ): Postmoderne und Dekonstruktion. Texte franz&ouml;sischer Philosophen der Gegenwart, Stuttgart 1990. </em></p>
<p><em>Huyssen, Andreas / Scherpe, Klaus R. (Hg. ): Postmoderne. Zeichen eines kulturellen Wandels, Reinbek b. H. 1986. </em></p>
<p><em>Kemper, Peter (Hg. ): &#8218;Postmoderne&#8216; oder Der Kampf um die Zukunft. Die Kontroverse in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1988. </em></p>
<p><em>Killert, Gabriele: Der M&uuml;de Mann vom Bosporus. Der vielgelobte junge t&uuml;rkische Autor Orhan Pamuk und seine Romanfabrik, in: &#8220;Die Zeit&#8221; Nr. 2 (7. Januar 1999), S. 38. </em></p>
<p><em>Kurz, Robert: Die Welt als Wille und Design. Postmoderne, Lifestyle-Linke und die &Auml;sthetisierung der Krise, Berlin 1999. </em></p>
<p><em>Lau, J&ouml;rg: Der Jargon der Uneigentlichkeit, in: Bohrer/Scheel, a. a. O. , S. 944 ff. </em></p>
<p><em>Lau, Mariam: Das Unbehagen im Postfeminismus, in: Bohrer/Scheel, a. a. O. , S. 919 ff. </em></p>
<p><em>L&uuml;tzeler, Paul Michael (Hg. ): Sp&auml;tmoderne und Postmoderne. Beitr&auml;ge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Frankfurt a. M. 1991. </em></p>
<p><em>Mahnkopf, Claus-Steffen: Neue Musik am Beginn der Zweiten Moderne, in: Bohrer/Scheel, a. a. O. , S. 864 ff. </em></p>
<p><em>Mende, Julius: Kulturpolitik und Parteilichkeit, in: &#8220;Volksstimme&#8221; Spezial (5. November 1998), S. 15. </em></p>
<p><em>Richter, Ernst: Postmoderne, Marxismus und Wissenschaft, in: &#8220;Unitat&#8221; Nr. 1, (1. M&auml;rz 1999). </em></p>
<p><em>Rother, Rainer: Mit Verlust ist zu rechnen. Notizen zum amerikanischen Actionfilm, in: Bohrer/Scheel, a. a. O, S. 853 ff. </em></p>
<p><em>Schandl, Franz: Die Rechte und ihre Gegner. Thesen zum strategischen Umgang mit der Haiderei, in: &#8220;Streifz&uuml;ge&#8221; 4/1998, S. 11 f. </em></p>
<p><em>Schmidt, Burghart: Postmoderne &#8212; Strategien des Vergessens. Ein kritischer Bericht, Darmstadt 1986. </em></p>
<p><em>Schmidt, Nicole: B&auml;rige Zeiten, in: &#8220;profil&#8221; 52/53 (21. Dezember 1998), S. 110. </em></p>
<p><em>Sennet, Richard: Der charakterlose Kapitalismus. Ein ZEIT-Gespr&auml;ch mit dem amerikanischen Soziologen Richard Sennett, in: &#8220;Die Zeit&#8221; Nr. 49 (26. November 1998), S. 28 f. </em></p>
<p><em>Weimann, Robert / Gumbrecht, Ulrich (Hg. ): Postmoderne &#8212; globale Differenz, Frankfurt a. M. 1991. </em></p>
<p><em>Welsch, Wolfgang: Wege aus der Postmoderne. Schl&uuml;sseltexte der Postmoderne-Diskussion, Berlin 21994. </em></p>
<p><em>Ders. : Unsere postmoderne Moderne, Berlin 51997. </em> </ul>
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