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	<title>Streifzüge &#187; Weg und Ziel 2000-1</title>
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	<description>Magazinierte Transformationslust</description>
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		<title>Ist Walter Sonnleitner das revolutionäre Subjekt?</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien, Kulturindustrie, Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[BEIGEWUM]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 2000-1]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/ist-walter-sonnleitner-das-revolutionaere-subjekt">Ist Walter Sonnleitner das revolutionäre Subjekt?</a></p>
Wirtschaftsjournalismus und gesellschaftliche Emanzipation]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/ist-walter-sonnleitner-das-revolutionaere-subjekt">Ist Walter Sonnleitner das revolutionäre Subjekt?</a></p>
<h3>Wirtschaftsjournalismus und gesellschaftliche Emanzipation</h3>
<p><em>vom Beirat f&uuml;r gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM).<br />
Abteilung f&uuml;r Medienpolitik. </em> <span id="more-849"></span></p>
<p>50 Prozent der &Ouml;sterreicherInnen haben Vorbehalte gegen den Kapitalismus. 1 Diese Einstellung d&uuml;rfte aber ganz und gar nicht auf einen hohen Informationsstand &uuml;ber Funktionsweise und Auswirkungen unseres &ouml;konomischen Systems zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sein, sondern ganz im Gegenteil ihre Wurzeln in einem gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;igen Vorurteil gegen Wirtschaft im allgemeinen haben. Eine wichtige Ursache f&uuml;r diese Mentalit&auml;t ist die Tatsache, da&szlig; in den noch immer weitgehend dem Verwertungsinteresse entzogenen, von einem humanistischen Bildungsideal gepr&auml;gten Schullehrpl&auml;nen Wirtschaftsbildung &#8212; au&szlig;er in Handelsakademien und in Marginalien im Rahmen des Geographieunterrichts &#8212; nicht vorkommt. Als r Faktor kommt die Sozialpartnerschaft hinzu, die die ganze Nachkriegszeit &uuml;ber <em>auch</em> ein Bollwerk zwischen Wirtschaft und &Ouml;ffentlichkeit gewesen ist, in der Funktion&auml;re der Bev&ouml;lkerung die Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Fragen &quot;abgenommen&quot; haben.</p>
<p>Lange Zeit hat sich deshalb ein Vorbehalt gegen &quot;die Wirtschaft&quot; gehalten. Dieser f&uuml;hrte zwar niemals zu offenem Widerstand, da die Integration ins Arbeitsleben &uuml;ber die ebenfalls m&auml;chtige Arbeitsethik gew&auml;hrleistet wurde. Vom Gesichtspunkt emanzipatorisch gesinnter Agitation bzw. Politik konnte diese Einstellung aber immer wieder gut f&uuml;r die Verteidigung von Abwehrbastionen gegen allzu kapitalfreundliche politische Ma&szlig;nahmen genutzt werden. Ressentiment macht bockig und erzeugt Widerstand und Abwehr &#8212; was eine gute Waffe sein kann gegen Dinge, bei denen das Kapital auf aktive Teilnahme der Betroffenen angewiesen ist. Dieses auf Vorurteilen statt Information basierende Ressentiment ist aber ein weniger guter Mobilisationsfaktor f&uuml;r Dinge, wo alternative Sichtweisen gefragt sind, oder wo man Sachzwang-Argumenten bei Entscheidungen &uuml;ber gesamtgesellschaftliche Weichenstellungen gegen&uuml;bersteht. Und &uuml;berall dort, wo offensiv f&uuml;r Sachen gek&auml;mpft werden mu&szlig;, es um offensive Kritik und das Vorantreiben von Alternativen geht. Hier ist Gegenexpertise vonn&ouml;ten. Woher soll die kommen? Prim&auml;re Bezugsquelle von Information sind heute Medien. Was leisten die auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformation?</p>
<p><strong>Wirtschaftsmedien und Alltagsleben</strong></p>
<p>Nach dem Wirtschaftsmedienboom in den sp&auml;ten achtziger und fr&uuml;hen neunziger Jahren ist jetzt eine Konsolidierungsphase eingetreten, wo nicht mehr allzu viele eigene Magazine auf dem Markt sind, aber der Wirtschaftsteil in allen Zeitungen an Umfang und Tiefe gewonnen hat. Man nimmt an, da&szlig; das Publikum f&uuml;r Wirtschaftsnachrichten breiter geworden ist, das hei&szlig;t, mehr Leute interessieren sich heute f&uuml;r Wirtschaft als fr&uuml;her. Das h&auml;ngt nicht nur mit der erfolgreichen Affizierung von Geld und Erfolg mit positiven Attributen durch neoliberale Propaganda zusammen, sondern auch mit der Tatsache, da&szlig; der Themenkomplex Wirtschaft bedeutsamer f&uuml;r das Leben aller geworden ist. Die &Ouml;konomie ist schnellerem Wandel unterworfen und hat die Anforderungen an Kenntnisse und Flexibilit&auml;t der ihr Unterworfenen erh&ouml;ht, und die fortschreitende Kommodifizierung aller Lebensbereiche hat uns mittlerweile in ungeahntem Ausma&szlig; zu KonsumentInnen gemacht.</p>
<p>Entsprechend zielt Wirtschaftsberichterstattung immer mehr in Richtung Servicefunktion, und versucht sich ratgeberisch in den Bereichen Konsumentscheidung, Verm&ouml;gensanlage, Steuervermeidung etc. Es gelingt den Wirtschaftsjournalisten also in zunehmendem Ma&szlig;e, an pers&ouml;nliche Erfahrungen, W&uuml;nsche und Bed&uuml;rfnisse der Leute anzukn&uuml;pfen (was nat&uuml;rlich mit der gesamten Entwicklung des herrschenden Wirtschaftssystems zu tun hat, das die Bev&ouml;lkerung zunehmend &uuml;ber andere Aspekte als &uuml;ber ihr ArbeitnehmerInnen-Dasein an sich bindet). Das ist neu, denn fr&uuml;her hat sich &quot;seri&ouml;ser&quot; Journalismus, insbesondere Wirtschaftsberichterstattung, durch Ferne vom Alltagsleben ausgezeichnet. 2</p>
<p>Fr&uuml;her war klar: Den Wirtschafts-Teil lesen nur Unternehmer und ihre Adepten, ArbeitnehmerInnen lesen Sport und Chronik, maximal den Politik-Teil. Heute lesen Manager den Sport-Teil, weil es schick geworden ist, w&auml;hrend ArbeitnehmerInnen in zunehmendem Ma&szlig;e den B&ouml;rseteil durchforsten, sei es um den Kurs der eigenen Wertpapiere zu verfolgen oder sich nach dem besten Pensionsversicherungssystem zu erkundigen, sei es, weil sie in den Glamour von Geld und Erfolg eintauchen wie fr&uuml;her in die Welt von Sex and Crime (die Tatsache, da&szlig; sich Wirtschaftsberichterstattung heutzutage zunehmend an diesen Formen orientiert, kommt noch dazu).</p>
<p>Das hat Folgen f&uuml;r das politische Handeln: Bald werden linke Kr&auml;fte nicht mehr (wie in der Vergangenheit mitunter erfolgreich) an das tradierte Marktmi&szlig;trauen in weiten Teilen der Bev&ouml;lkerung ankn&uuml;pfen k&ouml;nnen. Denn die Wirtschaftsmedien haben es geschafft, Interesse zu wecken und k&ouml;nnen mit ihrer Verkn&uuml;pfung von pers&ouml;nlichem Vorteil mit Konsum von Finanzdienstleistungen und anderem die Vorteile einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung f&uuml;r den Einzelnen plausibel machen.</p>
<p>Damit haben sich auch die Bedingungen f&uuml;r emanzipatorischen Journalismus ge&auml;ndert. Mit einem Mal macht es Sinn, sich um die Inhalte der Wirtschaftsseiten zu k&uuml;mmern. Es gibt das Publikum, das potentiell f&uuml;r einen emanzipatorisch gesinnten Wirtschaftsjournalismus zug&auml;nglich w&auml;re. W&auml;hrend Parteien und Verb&auml;nde fr&uuml;her ihre von jedem Basisinput abgekoppelte Stellvertreterpolitik in Wirtschaftsfragen mit der angeblichen &Uuml;berforderung von Interesse und Kenntnissen der Basis durch die den Wirtschaftsfragen inh&auml;rente Komplexit&auml;t begr&uuml;nden konnten, hat sich heute einiges ge&auml;ndert: Die Parteien sind wirtschaftspolitisch orientierungs- und visionslos, aber die Massen rei&szlig;en sich um die neuesten Nachrichten aus der Welt des Kapitals. 3</p>
<p>Doch was sie dort zu lesen bekommen, ist mehr als d&uuml;rftig. Im Gegensatz zu anderen Ressorts sehen sich WirtschaftsjournalistInnen in ihrer Selbsteinsch&auml;tzung tendenziell als eher unpolitisch, neutral und seri&ouml;s. Attribute, die sich in den von ihnen verfa&szlig;ten Texten jedenfalls nicht bemerkbar machen:</p>
<p>Wirtschaft wird meist als einsinniges Bekanntmachungs- und Verlautbarungsthema behandelt, nicht als kontroverser Diskussionsgegenstand, in dem Interessenskonflikte und unterschiedliche Zielrichtungen eine bedeutende Rolle spielen; die Berichterstattung ist vorwiegend Verlautbarungsjournalismus (pr&auml;sentierte Unternehmenskennzahlen werden unkritisch &uuml;bernommen, Entwicklungen werden nicht verfolgt), auf weniger offensichtliche Bedeutungen wirtschaftspolitischer Sachverhalte f&uuml;r die eigene Lebenssituation wird nicht eingegangen; es fehlen der &Uuml;berblick und l&auml;ngerfristige Trendanalysen &#8212; gerade Wirtschaftsthemen sind ohne Darstellung der Zusammenh&auml;nge unverst&auml;ndlich; sie sind aber selten Gegenstand von Kommentaren und Hintergrundanalysen (Aufgabe des Kommentars w&auml;re vor allem, Zusammenh&auml;nge zu erkl&auml;ren statt pers&ouml;nliche Meinung darzulegen); Wirtschaftsjournalismus wird meist auf &quot;harte Fakten&quot; reduziert, &quot;weiche&quot; Themen wie Personal, Soziales, Forschung etc. kommen zu kurz. Das Schwergewicht liegt auf Unternehmensberichterstattung, diese ist neben der offiziellen Politik auch der h&auml;ufigste Agenda-Setter. Ber&uuml;cksichtigt werden dabei &uuml;berwiegend die Interessen von Aktion&auml;rInnen und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens (statt auch sein sonstiges Agieren), Betriebsr&auml;te und Betriebsfremde kommen kaum zu Wort; innerbetriebliche Mitbestimmung, Unternehmensziele, Organisationsstrukturen, die Rolle der MitarbeiterInnen und eine Verkn&uuml;pfung der Firmenaktivit&auml;ten mit gesellschaftlichen Bez&uuml;gen werden systematisch vernachl&auml;ssigt. Der Arbeitsalltag bleibt aus der Berichterstattung ausgeklammert, ArbeitnehmerInnen kommen nur als KonsumentInnen vor. Die Artikulationschancen von nicht unternehmensnahen Gruppen sind gering bzw. werden auf bestimmte Themen beschr&auml;nkt (z. B. ArbeitnehmerInnenvertreter nur zu Arbeit und Soziales). Die Berichterstattung ist zumindest im Tageszeitungsjournalismus stark von Agenturen bestimmt, Eigenrecherche, zumindest die Befragung externer ExpertInnen, ist selten. Nach wie vor leidet der Wirtschaftsteil in Tageszeitungen unter geringer Verst&auml;ndlichkeit, die Fremdwortdichte ist hoch.</p>
<p>In diesem Umfeld emanzipatorische Formen und Inhalte einzubringen, ist mittlerweile wichtiger denn je.</p>
<p><strong>Gegen&ouml;ffentlichkeit statt Mainstreammedien? </strong></p>
<p>Das oben Gesagte l&auml;uft auf die Forderung hinaus, die Qualit&auml;t der Information in Massenmedien m&uuml;sse verbessert werden. Ist damit schon viel gewonnen? Die kritische Medientheorie hat eine solche Sichtweise parodistisch als &quot;Megafonmodell&quot; etikettiert. Zu glauben, es gen&uuml;ge die &quot;falsche&quot; durch die &quot;richtige&quot; Berichterstattung zu ersetzen, um die nunmehr von Erkenntnis beseelten Menschen zum Widerstand gegen die herrschenden Verh&auml;ltnisse zu treiben, unterstelle einen kausalen Zusammenhang von Information, Bewu&szlig;tsein und Handeln, sei der Vorstellung einer manipulativen Medienwirkung verhaftet. 4 Das greife zu kurz. Denn heute sei auch kritische Information breit verf&uuml;gbar. Sie bleibe aber folgenlos.</p>
<p>Der Grund liegt im Ohnmachtsgef&uuml;hl, das entsteht, wenn wir &uuml;ber das Funktionieren des Systems, in dem wir leben, aufgekl&auml;rt werden, aber keine M&ouml;glichkeit sehen, es zu &auml;ndern. Zentral ist demnach die Erkenntnis von Kluge: Erst aus der Wahrnehmung von Handlungs- und Eingriffsm&ouml;glichkeiten kann sich bei MedienrezipientInnen ein Interesse an Realismus, an kritischer Information, bilden. Information mu&szlig; sich in Handlung fortsetzen lassen. 5</p>
<p>Hier ist die konventionelle Wirtschaftsberichterstattung ebenso wie die Werbung im Vorteil: Im Bewerben und Bewerten von Produkten wird erworbenes Wissen unmittelbar in allt&auml;gliches Handeln (Einkauf) umsetzbar. Kritische Interessen k&ouml;nnen sich deshalb in diesem Kontext nur eingeschr&auml;nkt durchsetzen. &quot;Mediale Interventionen m&uuml;ssen in einem umfassenden Kontext von sozialem, politischem und kulturellem Handeln gedacht werden. Massenmedien in &#8218;richtigen&#8216; H&auml;nden &auml;ndern nichts, weil sie strukturell antidemokratisch sind (= sie beruhen auf dem Prinzip der Vervielf&auml;ltigung der Information in eine Richtung). Deshalb k&ouml;nnen sie nur sehr eingeschr&auml;nkt Ausgangspunkt bzw. Element einer &uuml;ber den reinen Medienkonsum hinausgehenden sozialen Praxis werden. &quot;6 Zudem wurde darauf hingewiesen, da&szlig; systemfeindliche Inhalte in profitorientierten Massenmedien niemals Eingang finden k&ouml;nnten, da sie den Interessen der Eigent&uuml;mer widersprechen. Aus der Desillusionierung gegen&uuml;ber den Massenmedien entstanden im Lauf der Zeit zahlreiche &quot;gegen&ouml;ffentliche&quot; Medienprojekte:<br />
<blockquote>
<p>&#8226; Eigene Zeitschriften, Radioprogramme und Verlage: &quot;&Ouml;ffentlichkeit wendet sich an Beteiligte, nicht an ein Publikum. &quot;7 Deren abflauende Konjunktur zeigte einerseits qualitative Defizite (Sektierertum) auf, andererseits die Tatsache, da&szlig; die Publikationen von Bewegungen getragen wurden und nicht umgekehrt, so da&szlig; mit dem Abflauen der Bewegung das Schicksal der Medien besiegelt wurde &#8212; die Beteiligten wurden weniger und somit auch die LeserInnen. Zuletzt kam es h&auml;ufig zu finanziellen Problemen oder inhaltlichem &quot;Ausverkauf&quot; beim Versuch, ein gr&ouml;&szlig;eres Publikum anzusprechen.</p>
<p>&#8226; Public access: Dem Ziel einer &Ouml;ffentlichkeitsplattform, in der jedeR gleiches Rede- bzw. Senderecht hat, verhaftet, gibt es einige erfolgreiche Beispiele f&uuml;r &quot;offene Kan&auml;le&quot; im Fernsehen, auf denen auch kritische Information durch BasisaktivistInnen verbreitet wird (allen voran Paper Tiger TV in den USA8). Allerdings ist ein solches Format meist in der Konkurrenz um Aufmerksamkeit gegen&uuml;ber den professionell mit medialen Stimulanzien arbeitenden Sendern unterlegen.</p>
<p>&#8226; Kommunikationsguerilla: In exemplarischen &ouml;ffentlichkeitswirksamen Aktionen werden Symbole und Exponenten des herrschenden Systems l&auml;cherlich gemacht bzw. durch Offenlegung ihrer verdeckten Bedeutung kritisiert (z. B. Tortenwerfen ins Gesicht von Bill Gates, Versand von Nachrichten unter falschem Namen zur Subversion der Intentionen des Namensgebers, Eroberung und Ver&auml;nderung fremder Websites, &quot;Detournierung&quot; von Plakaten und &ouml;ffentlichen Objekten etc. ). Darunter sind viele Aktionen interessant und gut9, aber es ist fraglich, wie viel solche Einzelaktionen ohne Einbettung in einen verst&auml;ndnisf&ouml;rdernden Gesamtzusammenhang bewirken k&ouml;nnen.</p>
<p>&#8226; Campaigning: Durch Ausnutzung der Wirkungsweise kommerzieller Massenmedien, insbesondere deren Spektakelorientierung, gelingt es immer wieder, gro&szlig;e &Ouml;ffentlichkeit f&uuml;r bestimmte Ziele zu erreichen und diese dadurch letztendlich durchzusetzen. Greenpeace ist daf&uuml;r das herausragende Beispiel. Bestimmte Einzelf&auml;lle werden sensationell aufbereitet und verpackt mit einer Ankn&uuml;pfung am pers&ouml;nlichen Handlungsspielraum (&quot;Kauf nicht bei &#8230;&quot;) medial lanciert. Damit lassen sich einzelne Schlachten &uuml;berraschend gewinnen, &quot;aber keine gesellschaftsver&auml;ndernde soziale Praxis ausl&ouml;sen &#8212; eine solche erfordert Diskussionen, Versuche, Mut zum Unfertigen und Unrealistischen &#8212; alles wof&uuml;r in der Einbahnstra&szlig;e massenmedialer Kommunikation kein Platz ist. Ver&auml;nderung beginnt in erster Linie im sozialen Alltag. &quot;10</p>
<p>&#8226; Internet: Das kosteng&uuml;nstige Bilden von elektronischen Foren und Netzen erm&ouml;glicht eine teilweise Rekonstruktion der aufgrund von finanziellen Problemen gescheiterten autonomen &Ouml;ffentlichkeiten innerhalb der verbliebenen Gr&uuml;ppchen, die aber durch weitr&auml;umigere Vernetzung und den Appeal einer neuen Technologie gr&ouml;&szlig;ere Kreise erreichen k&ouml;nnen. </p></blockquote>
<p>Das Hauptproblem all dieser Gegen&ouml;ffentlichkeiten ist, da&szlig; sie nur auf eine sehr eingeschr&auml;nkte Zahl von Menschen attraktiv wirken, meist Leute, die bereits in die entsprechenden Anliegen &quot;initiiert&quot; sind. Das liegt an vielen Dingen &#8212; den Vertriebsproblemen; der &Uuml;bers&auml;ttigung in der Medienlandschaft, die eine Selektion seitens der KonsumentInnen nach bekannten Marken auch im Medienbereich nahelegt; dem oft sektiererischen Gestus und spezialisierten Diskurs, der viele dieser Medien auszeichnet; und nicht zuletzt daran, da&szlig; ihnen das abgeht, was herrschende Medienverb&uuml;nde so attraktiv macht: der zur Schau gestellte Pluralismus, was die Meinungs- und Themenvielfalt angeht. F&uuml;r unseren Kontext besonders entscheidend: In fast allen gegen&ouml;ffentlichen Medien spielt jedenfalls das Thema Wirtschaft in Form &ouml;konomischer Gegenexpertise eine untergeordnete Rolle, von der &uuml;blichen Denunziation der dunklen Machenschaften &quot;des Kapitals&quot; abgesehen.</p>
<p><strong>F&uuml;r eine Doppelstrategie</strong></p>
<p>Die linke Medientheorie warnt zu recht vor einer &Uuml;bersch&auml;tzung der Information. Information ist nicht alles. Aber Information mu&szlig; nicht nur als Verlautbarung von Fakten oder der richtigen Weltschau verstanden werden, sondern auch als Auf-den-Weg-Bringen von Wissen. Das Wissen von ExpertInnen mu&szlig; mit den Lebensumst&auml;nden verkoppelt, <em>ver&ouml;ffentlicht </em>werden. 11 Kommunikatives Aushandeln von Alternativen bedarf auch der Information &uuml;ber Zusammenh&auml;nge des Bestehenden. Das alles leisten Massenmedien allein tats&auml;chlich nicht, dazu braucht es zus&auml;tzliche Arbeit. Aber Information &uuml;ber wirtschaftliche Zusammenh&auml;nge und Alternativen ist nicht einmal in ihrer rudiment&auml;rsten Form in Verbreitung. Hier besteht enormer Aufholbedarf. Ein solches Wissen mu&szlig; auf allen m&ouml;glichen Kan&auml;len in Umlauf gebracht werden. Die kritische Arbeit mu&szlig; in Massenmedien <em>und</em> in Alternativmedien stattfinden. Es mu&szlig; eine Doppelstrategie geben. Leute m&uuml;ssen in Mainstreammedien von der bzw. f&uuml;r die Tatsache informiert und interessiert werden, was in der Wirtschaft los ist. Wer daran angebissen hat, kann dann eine Gegen&ouml;ffentlichkeit benutzen und sich in eine Community einklinken. Der Vorteil von Massenmedien ist nun mal, da&szlig; sie eine viel gr&ouml;&szlig;ere Reichweite haben. Nat&uuml;rlich ist dort nur begrenzt Raum f&uuml;r andere Sichtweisen und fast keiner f&uuml;r Interaktion. Aber es w&auml;re dort mehr m&ouml;glich, als die Erz&auml;hlung vom absolutistischen Medien-Systemkonformismus-Einheits-Terror vermutet. Ein erstaunliches Beispiel daf&uuml;r ist die Berichterstattung zum Multilateralen Investitionsschutzabkommen MAI, gegen das im Herbst 1998 von einer Tageszeitung, die eigentlich der Industrie zugerechnet wird, auf den Wirtschaftsseiten eine wahre Kampagne gef&uuml;hrt wurde, was wesentlich dazu beigetragen hat, da&szlig; Basisprotest diffundiert ist und durch die Ver&ouml;ffentlichung seiner Anliegen in einer &quot;seri&ouml;sen&quot; Tageszeitung ein G&uuml;tesiegel bekam, das ihn vom Obskurantenverdacht reinwusch und breiteren Kreisen attraktiv machte, und zuletzt nennenswerten Druck auf die Bundesregierung aus&uuml;ben konnte.</p>
<p>Es kann nicht mehr allein um die Errichtung einer &quot;ganz anderen&quot; abgeschotteten Gegen&ouml;ffentlichkeit gehen, sondern man mu&szlig; sich unter das Bestehende mischen. Denn auch die RezipientInnen leben &quot;im Falschen&quot; und m&uuml;ssen sich mit diesem tagt&auml;glich auseinandersetzen. Gegen&ouml;ffentlichkeiten, die ein &quot;Fluchtverhalten&quot; in eine &quot;Gegenwelt&quot; evozieren, kopieren die Technik der Werbung. Auseinandersetzung mit der &quot;Realit&auml;t&quot; in derselben ist wichtig. Wenn auch nicht ausschlie&szlig;lich: Der Marsch durch die Institutionen, den manche antreten, mu&szlig; begleitet werden von einer inhaltlichen St&uuml;tzung der dort T&auml;tigen in einer Gegen&ouml;ffentlichkeit, die spezialisierte Inhalte in gr&ouml;&szlig;erer Tiefe und unter weniger Druck hinsichtlich Zeit, Breitenkompatibilit&auml;t und sonstigen kommerziellen Zw&auml;ngen bearbeitet, aus der gesch&ouml;pft und in der kommuniziert werden kann.</p>
<p>Was kann emanzipatorische Wirtschaftspublizistik tun? Das w&auml;re praktisch zu erforschen, einige Grundregeln sind aber sicher: Wirtschaft nicht als einen Hort von Sachzw&auml;ngen darstellen, sondern als kontroverses System, wo es unterschiedliche Interessen, Theorien und Meinungen, sowie Alternativen gibt; Nachrichten in einen Zusammenhang stellen; Bedeutung eines Sachverhalts f&uuml;r die konkrete Leserin aufzeigen; Verbindung zum eigenen Leben herstellen; pers&ouml;nliche Betroffenheit und pers&ouml;nliche Eingriffsm&ouml;glichkeiten betonen, Artikulation und Transport von Kritik; Alternativen zeigen; Betroffene und kritische ExpertInnen sprechen lassen.</p>
<p>Manche Medientheoretiker sehen in den MedienarbeiterInnen gar die k&uuml;nftigen revolution&auml;ren Subjekte. 12 Das ist sicher &uuml;bertrieben, ist aber ein Hinweis darauf, da&szlig; diesem Berufszweig und seiner Ausbildungssituation von kritischer Seite mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Leute mit Wirtschaftswissen: Werdet JournalistInnen! Leute mit Geld: Gr&uuml;ndet Lehrg&auml;nge f&uuml;r WirtschaftsjournalistInnen!</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong>
<ul>
<p><em>1&#9;&quot;Die Presse&quot;, 8. J&auml;nner 2000. </em></p>
<p><em>2&#9;Oskar Negt und Alexander Kluge beklagten vor 25 Jahren in &quot;&Ouml;ffentlichkeit und Erfahrung&quot; den Ausschlu&szlig; der Produktions- und Beziehungssph&auml;re aus der b&uuml;rgerlichen &Ouml;ffentlichkeit. Mittlerweile quillt die kommerzielle Medienwelt vor lauter ver&ouml;ffentlichter Privatheit &uuml;ber &#8212; Talkshows, Sitcoms, Boulevardmagazine &#8212; insbesondere das Fernsehen macht aus dem Allt&auml;glichen Unterhaltung. Demgegen&uuml;ber ist die Welt der Arbeit vielleicht mehr denn je dem Blickfeld der Berichterstattung entzogen. </em></p>
<p><em>3&#9;Und die Arbeitnehmervertretungsorgane versuchen verzweifelt hinterherzulaufen. Man beachte die Versuche der Arbeiterkammer, durch vermehrte &quot;Serviceorientierung&quot; mit dem Angebot der Wirtschaftspresse mitzuhalten. </em></p>
<p><em>4&#9;autonome a. f. r. i. k. a. gruppe (1998): Bewegungsle(e/h)re, http: //www. nadir. org/nadir/archiv/netzkritik/bewegungsleere.html. </em></p>
<p><em>5&#9;Alexander Kluge (1985): Die Macht der Bewu&szlig;tseinsindustrie und das Schicksal unserer &Ouml;ffentlichkeit, in: Klaus von Bismarck u. a. (Hg. ): Industrialisierung des Bewu&szlig;tseins, M&uuml;nchen. </em></p>
<p><em>6&#9;autonome a. f. r. i. k. a. gruppe (1998): Bewegungsle(e/h)re. </em></p>
<p><em>7&#9;B&uuml;ro Bert (1993): &Ouml;ffentlichkeit, in: B&uuml;roBert: Copyshop. Kunstpraxis und politische &Ouml;ffentlichkeit, Berlin. </em></p>
<p><em>8&#9;http: //www. papertiger. org. </em></p>
<p><em>9&#9;Siehe autonome a. f. r. i. k. a Gruppe (1995): Handbuch der Kommunikationsguerilla, Hamburg. </em></p>
<p><em>10&#9;autonome a. f. r. i. k. a. gruppe (1998): Bewegungsle(e/h)re. </em></p>
<p><em>11&#9;Renate Lorenz/B&uuml;roBert (1993): Kunstpraxis und politsche &Ouml;ffentlichkeit, in: B&uuml;roBert: Copyshop. Kunstpraxis und politische &Ouml;ffentlichkeit, Berlin, S. 17. </em></p>
<p><em>12&#9;H. J. Krysmanski (1996): Weltsystem, neue Medien und soziologische Imagination. </em></p>
<p><em>13&#9;Postfach 162, A-1015 Wien, http://www.wu-wien.ac.at/inst/roman/beigewum.</em> </ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein schmerzhafter Ausfall</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theorie / Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Schandl; Franz]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 2000-1]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/ein-schmerzhafter-ausfall">Ein schmerzhafter Ausfall</a></p>
Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/ein-schmerzhafter-ausfall">Ein schmerzhafter Ausfall</a></p>
<p><em>von Franz Schandl </em> <span id="more-850"></span></p>
<p>Mit dem (vorl&auml;ufigen? ) Ende dieser Zeitschrift geht ein St&uuml;ck linker Theoriegeschichte in &Ouml;sterreich zu Ende. Auch ein St&uuml;ck eigener.</p>
<p>Einerseits ist es &auml;rgerlich, da&szlig; der Medieninhaber, die KP&Ouml;, meint, gerade das Theorieorgan einsparen zu m&uuml;ssen und weniger den Rotstift bei den diversen Kandidaturen und Wahlen z&uuml;ckt. Geist und Reflexion stehen bei fast allen Teilen der Restlinken nicht hoch im Kurs. Man h&auml;lt sie f&uuml;r entbehrlich. Andererseits ist aber zu bemerken, da&szlig; man sich im Bundesvorstand der KP&Ouml; die Entscheidung nicht leicht gemacht hat, es zu K&uuml;rzungen in allen Bereichen gekommen ist und sogar Personal abgebaut werden mu&szlig;te.</p>
<p>Indes war einiges gelungen. Seit Beginn der neunziger Jahre hatte das &#8220;Weg und Ziel&#8221; ganz wichtige Etappen &#8212; weg vom faden Verk&uuml;ndigungsorgan, hin zur linken Theorie- und Debattenzeitschrift &#8212; zur&uuml;ckgelegt. Nat&uuml;rlich kann man &uuml;ber die &Ouml;ffnung der KP&Ouml; verschiedener Meinung sein. Es ist wohl insgesamt eine wilde Mischung aus Notwendigkeit und &Uuml;berzeugung, Taktik und Schw&auml;che, die hier zum Ausdruck gekommen ist. Trotzdem wagte man, sich mit Leuten einzulassen, die man vor Jahren als &quot;objektiv konterrevolution&auml;r&quot; bek&auml;mpfte. Das war manchmal schwierig, f&uuml;r beide Seiten, aber es war aushaltbar. Und es trug auch bescheidene Fr&uuml;chte.</p>
<p>Ein abschlie&szlig;endes Urteil &uuml;ber die Zusammenarbeit ist weder m&ouml;glich noch sinnvoll, wenngleich meine Bef&uuml;rchtung darauf hinausl&auml;uft, da&szlig; (durch einen wahrscheinlichen Proze&szlig;gewinn gegen die <em>Treuhand</em>) eine zu Geld und Kr&auml;ften gekommene KP&Ouml; &uuml;ber kurz und lang auf &ouml;sterreichische PDS macht, sich also endg&uuml;ltig in einen linkssozialdemokratischen Wahlverein wandelt, der schon so seine Unvereinbarkeiten gegen links pflegt. Sollte ich mich irren, sollte es mich freuen.</p>
<p>Tatsache aber bleibt, da&szlig; in den letzten sieben Jahren, seitdem ich mich der Zeitung formal und inhaltlich verbunden f&uuml;hle, vieles m&ouml;glich wurde, was woanders nie und nimmer gegangen w&auml;re. Ganz banal: l&auml;ngere theoretische Texte zu ver&ouml;ffentlichen, die finanziell (wenn auch bescheiden) honoriert werden, das sollte man nicht untersch&auml;tzen. Da&szlig; dies nicht mehr der Fall ist, ist ein in vielfacher Hinsicht schmerzlicher Ausfall.</p>
<p>Vieles, was ich geschrieben habe, konnte jedenfalls nur geschrieben werden, weil die &#8220;Weg und Ziel&#8221;-Redaktion es wollte, anforderte, oder zulie&szlig;. Ich h&auml;tte es mir sonst (im wahrsten Sinne des Wortes) einfach nicht leisten k&ouml;nnen. Daf&uuml;r m&ouml;chte ich Danke sagen. Der Grad meiner Verwirklichung war wirklich gro&szlig;, ja ich mu&szlig; sagen, er war selten so gro&szlig; wie im &#8220;Weg und Ziel&#8221; in der zweiten H&auml;lfte der neunziger Jahre. Das noch dazu, wo es in nicht wenigen Fragen schwere, ja vielleicht sogar un&uuml;berbr&uuml;ckbare Differenzen mit der offiziellen Politik der KP&Ouml; gibt.</p>
<p>Da&szlig; diese Toleranz (die in Teilbereichen durchaus Ignoranz gewesen sein mag) gerade jene aufbrachten, die man so leichtfertig Stalinisten schimpft, spricht f&uuml;r die Erm&ouml;glicher. Nie wurden seitens der Partei und ihrer Verantwortlichen administrative Schritte gegen mi&szlig;liebige Artikel oder Autoren gesetzt. Die Redaktion werkte weitgehend autonom, obwohl sie kaum zu einer nachvollziehbaren und ordentlichen Struktur finden konnte, Entscheidungen mehr im informellen Graubereich fielen als in verantwortlichen Gremien. Man wu&szlig;te nie so genau, wer f&uuml;r was zust&auml;ndig ist. Ich habe dabei zwar manches verstehen gelernt, manches werde ich aber nie verstehen. Eine Unsitte war zweifellos die Ver&ouml;ffentlichung von qualitativ eigentlich nicht entsprechenden Beitr&auml;gen aus taktischen Gr&uuml;nden und b&uuml;ndnispolitischen &Uuml;berlegungen. Trotz aller positiven Entwicklungen ist es uns aber letztendlich nicht gegl&uuml;ckt, die Zeitschrift zu entstigmatisieren. Doch das w&auml;re notwendig gewesen, wollte man &uuml;ber den engen Bereich hinaus re&uuml;ssieren.</p>
<p>Gesellschaftskritische &Auml;u&szlig;erungsm&ouml;glichkeiten sind &auml;u&szlig;erst beschr&auml;nkt. Durch das Ende von &#8220;Weg und Ziel&#8221; werden sie zus&auml;tzlich eingeschr&auml;nkt. Auch das Ausweichen ins b&uuml;rgerliche Feuilleton ist hierzulande nur in bescheidenem Ausma&szlig;e m&ouml;glich. Au&szlig;erdem mu&szlig; man dort immer wieder damit rechnen, da&szlig; Chefredakteure in guter alter Manier gegen Kommunisten liberale Schreibverbote aussprechen.</p>
<p>Wir befanden bzw. befinden (da es ja die &#8220;Volksstimme&#8221; weiterhin gibt) uns in einer doch grotesken Situation, was meint, da&szlig; von allen Zeitungen bzw. Zeitschriften, die den Autoren auch ein Honorar zahlen, die Organe der Kommunistischen Partei &Ouml;sterreichs (KP&Ouml;) die mit Abstand offensten sind, die es auf dem Bl&auml;ttermarkt in &Ouml;sterreich gibt bzw. gab. Das gilt es unbedingt hervorzuheben, wo doch alle anderen so auf ihre Unabh&auml;ngigkeit Wert legen, damit aber nur demonstrieren, da&szlig; sie einer einzigen marktwirtschaftlichen Grundrichtung angeh&ouml;ren. Vor allem, was die hiesige Innenpolitik betrifft, gibt es f&uuml;r Texte, wie ich sie f&uuml;r notwendig erhalte, zwar Platz in deutschen und schweizerischen Tages- und Wochenzeitungen, nicht jedoch hierzulande. Auch wenn man die Freude nicht &uuml;bertreiben soll, sind die Zeitungen der KP&Ouml; eine einzigartige Option, die es als Autor und Leser zu nutzen gilt. Man denke etwa nur an die Jugoslawienberichterstattung.</p>
<p>Bedanken m&ouml;chte ich mich ausdr&uuml;cklich bei Maria W&ouml;lflingseder, die fast ein Jahrzehnt als &#8220;Weg und Ziel&#8221;-Koordinatorin mit ihren Autorinnen und Autoren so ihre M&uuml;he hatte, aber auch selbst m&uuml;hsam sein konnte. Das Produkt war ihr stets mehr als die zusammengetragenen Artikel. Vor allem ihre Illustrationen waren meist &auml;u&szlig;erst anregend. Sie war jedenfalls die Garantin, da&szlig; zum Schlu&szlig; ein herzeigbares und ansprechendes Heft erscheinen konnte. Weiters bei Julius Mende, dem Verbindungsmann <em>der</em> und <em>zur</em> KP&Ouml;, der seine Rollen, wenn auch des &ouml;fteren in patriarchaler Manier und manchmal mit unberechenbaren Auftritten, so doch ganz ausgezeichnet meisterte. Es ist die Frage, ob es je einen besseren Doppelagenten geben k&ouml;nnte als ihn, dem es zweifellos &uuml;ber lange Zeit gelungen ist, beide Seiten (Partei und Autoren) einigerma&szlig;en zufriedenzustellen.</p>
<p>Aber das n&uuml;tzt nichts, das &#8220;Weg und Ziel&#8221; ist sistiert. Es wird mir abgehen. Ein Neubeginn, man darf das nicht untersch&auml;tzen, wird &auml;u&szlig;erst schwierig sein. Es ist leichter, etwas einzustellen, als etwas aufzubauen. Sollte man sich wiedergr&uuml;nden, soll man mich anrufen.</p>
<p>Wer unbedingt will, da&szlig; Gedachtes mitgedacht wird, mu&szlig; selbst was kreieren. Das war 1995/96 auch eine der wichtigsten &Uuml;berlegungen als einige &quot;&uuml;briggebliebene&quot; Linke, die sich mehr oder weniger der Wertkritik verbunden f&uuml;hlten, beschlossen, ein zus&auml;tzliches Produkt ins Leben zu rufen. Es war unsere Absicht, ein Verst&auml;ndigungsorgan zu schaffen, das uns relativ kompromi&szlig;los nach eigenem Gutd&uuml;nken werken l&auml;&szlig;t. Abseits von linkem Traditionalismus und postmoderner Zersetzung wollen wir ganz deutliche Akzente setzen, und unserem Publikum niveauvolle Texte schenken.</p>
<p>Spartanisch in der Form, reichhaltig im Inhalt, das sind die &#8220;Streifz&uuml;ge&#8221;. Sie sind ein <em>wertkritisches Str&ouml;mungsblatt</em>, das sich prim&auml;r sich selbst und nicht der linken Pluralit&auml;t verpflichtet f&uuml;hlt. Was aber wiederum nicht hei&szlig;t, da&szlig; ausschlie&szlig;lich Beitr&auml;ge aus dem eigenen Spektrum abgedruckt werden. Bisher sind 15 Ausgaben erschienen. Anders als bei &#8220;Weg und Ziel&#8221;, wo oft eine Mentalit&auml;t vorherrschte, Marke: &quot;Die Partei soll zahlen&quot;, war bei uns von Anfang an klar, da&szlig; die Zeitschrift nur Bestand haben kann, wenn das Publikum bereit ist, sie mitzutragen. Nach einigen Durststrecken, hat sich das Blatt weitgehend konsolidiert. Es steht auf festen Beinen, sowohl was die Autorenschaft betrifft als auch die finanzielle Lage.</p>
<p>Bei uns gibt es kein obligates Abosystem, sondern die Bezieher sind je nach Lust und M&ouml;glichkeit, aufgefordert, uns zu unterst&uuml;tzen. Das funktioniert immer besser. Vor allem die zahlreichen Auslandsbestellungen haben dazu beigetragen, da&szlig; wir behaupten k&ouml;nnen, da&szlig; die &#8220;Streifz&uuml;ge&#8221; ein zur Zeit stabiles Zeitschriftenprojekt sind. (&Auml;hnliches gilt &uuml;brigens nicht f&uuml;r seinen Herausgeber, den <em>Kritischen Kreis</em>, der ist eine mehr fragile Angelegenheit, nicht er tr&auml;gt die Zeitung, sondern sie erh&auml;lt ihn. ) Autorenhonorare k&ouml;nnen wir aber deswegen noch keine zahlen, wenngleich uns bewu&szlig;t ist, da&szlig; die Anforderungen, die wir an das Schriftgut stellen, fr&uuml;her oder sp&auml;ter auch abgegolten werden m&uuml;ssen.</p>
<p>Nat&uuml;rlich k&ouml;nnen die &#8220;Streifz&uuml;ge&#8221;das &#8220;Weg und Ziel&#8221; nicht ersetzen. Sie verm&ouml;gen aber den theoretisch Interessierten N&auml;hrstoff zuzuf&uuml;hren, und da wir von selbst&auml;ndigen Leserinnen und Lesern ausgehen, glauben wir auch, da&szlig; unsere Zumutungen sie zwar fordern, aber nicht &uuml;berfordern werden. Alle &#8220;Weg und Ziel&#8221;-Leser und -Leserinnen laden wir daher ein, sich die &#8220;Streifz&uuml;ge&#8221; anzuschauen. Eine Auflistung der letzten Ausgaben findet sich im Inserat. Unser einmaliges Angebot: Abonnenten und Abonnentinnen des &#8220;Weg und Ziel&#8221;, die wollen und uns das mitteilen, erhalten den Jahrgang 2000 gratis. Das ist ernst gemeint. Eine Postkarte gen&uuml;gt. Werft einen Blick auf uns, was wir zu sagen haben, sollte reichen.</p>
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		<title>Meine Jahre bei &#8220;Weg und Ziel&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theorie / Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 2000-1]]></category>
		<category><![CDATA[Wölflingseder; Maria]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/meine-jahre-bei-weg-und-ziel">Meine Jahre bei &#8220;Weg und Ziel&#8221;</a></p>
Anekdotisches und Grundsätzliches]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/meine-jahre-bei-weg-und-ziel">Meine Jahre bei &#8220;Weg und Ziel&#8221;</a></p>
<p></a></p>
<h3>Anekdotisches und Grunds&auml;tzliches</h3>
<p><em>von Maria W&ouml;lflingseder </em> <span id="more-851"></span></p>
<p>Meine Mitarbeit bei &#8220;Weg und Ziel&#8221; war mindestens genauso unvorhersehbar wie die politischen Ver&auml;nderungen anno 1989 in Osteuropa. Trotzdem ergab sie sich. Wobei letzteres zur Voraussetzung f&uuml;r ersteres wurde.</p>
<p>Als ewig parteipolitisch unorganisierter &quot;freischwebender kritischer Geist&quot; war es h&ouml;chst unwahrscheinlich, da&szlig; ich jemals ausgerechnet beim &quot;theoretischen Organ&quot; der KP&Ouml; landen w&uuml;rde. Ein halbes Jahr bevor es dann doch soweit war, erhielt ich ungefragterweise drei &#8220;Weg und Ziel&#8221;-Probehefte zugeschickt. Ihr Aussehen und ihr Inhalt haben mich wenig angesprochen, geschweige denn &quot;&uuml;berzeugt&quot;.</p>
<p>Was sich jedoch bereits Ende der achtziger Jahre sehr zum Vorteil ver&auml;ndert hatte, waren die Wochenendausgaben der Parteizeitung &#8220;Volksstimme&#8221;, die damals noch eine Tageszeitung war. Ich hatte 1987 einige Artikel meiner Dissertation &#8212; Esoterik-Kritik &#8212; an die Redaktion geschickt. Sie wurden erfreut aufgenommen und gedruckt. Lutz Holzinger hat sie redigiert: ich erinnere mich noch, anf&auml;nglich durfte in den Artikeln das Wort &quot;ich&quot; nicht vorkommen. Sp&auml;ter wurde diese Regel jedoch fallengelassen. Zu Michael Grabers Chefredakteur-Zeiten im Sommer 1988 habe ich eine w&ouml;chentlich erschienene dreiteilige Serie zur sich damals rapide ausbreitenden Esoterik-Bewegung geschrieben. Als sich der letzte Teil aufgrund des &#8220;Volksstimme&#8221;-Festes um eine Woche verz&ouml;gerte, riefen LeserInnen in der Redaktion an und fragten, wo denn mein dritter Teil bliebe. Graber war perplex: &quot;So etwas hat es noch nie gegeben. &quot;</p>
<p>Auch den Linzer KSV brachte ich damit in Aufruhr. KSVlerInnen trafen just meine Schwester zuf&auml;llig auf der Stra&szlig;e, nachdem sie einen Abend lang heftig diskutierten hatten, warum da einfach eine v&ouml;llig parteifremde &quot;Irgendwer&quot; daherkommen kann und gleich eine dreiteilige Serie schreiben darf, wohingegen sie nur ein kleines Jahreskontingent an Ver&ouml;ffentlichungsm&ouml;glichkeit h&auml;tten. Ob sie &#8212; meine Schwester &#8212; einer Verwandte dieser namensgleichen &quot;Irgendwer&quot; sei, fragten sie sie vorwurfsvoll. Da&szlig; Nicht-Parteimitglieder in der &#8220;Volksstimme&#8221; schreiben durften, war ein Novum, das alle &#8212; KP&Ouml;ler und alle anderen sowieso &#8212; h&ouml;chst erstaunte. Glasnost und Perestroika hatten also auch in der &#8220;Volksstimme&#8221; Einzug gehalten.</p>
<p>Im Herbst 1991, knapp vier Jahre nachdem ich die ersten Artikel in der &#8220;Volksstimme&#8221; ver&ouml;ffentlicht hatte, rief mich der mir unbekannte Stephan Ganglbauer an, dem meine Arbeiten in der &#8220;Volkstimme&#8221; und im &#8220;Salto&#8221; angenehm aufgefallen waren, und fragte mich, ob ich mir vorstellen k&ouml;nnte, in der Partei wissenschaftlich mitzuarbeiten.</p>
<p>In der Zwischenzeit war einiges Welt- und Mich-Bewegendes geschehen: Die Ereignisse im &quot;realen Sozialismus&quot; hatten sich &uuml;berschlagen, ein Gro&szlig;teil der KP&Ouml;-Mitglieder hatte der Partei augenblicklich den R&uuml;cken gekehrt, und ich hatte langsam, aber sicher mein Studium der P&auml;dagogik und Psychologie beendet &#8212; nachdem meine letzten Jahre bereits mehr mit Artikelschreiben und Vortr&auml;ge halten ausgef&uuml;llt waren.</p>
<p><strong>Den gl&auml;ubigen Linken ist ihre Religion abhanden gekommen</strong></p>
<p>Sp&auml;testens Anfang der neunziger Jahre hatte sich der Gro&szlig;teil ehemals Linker &#8212; in die Privatheit, in die Karriere, in die Esoterik &#8212; zur&uuml;ckgezogen. Die Ver&auml;nderungen in Osteuropa und in der Sowjetunion haben viele Linke &#8212; auch au&szlig;erhalb der KP&Ouml; &#8212; in eine tiefe Krise gest&uuml;rzt. Zu jenen &quot;Gl&auml;ubigen&quot;, denen nun ihre Religion abhanden gekommen war, habe ich nie geh&ouml;rt. So war es f&uuml;r mich kein Problem, in der nun auf ein Minimum reduzierten Linken &quot;n&auml;her zusammenzur&uuml;cken&quot;. Zu letzterem f&uuml;hlte sich wohl auch die Partei bzw. das &#8220;Weg und Ziel&#8221; gezwungen: es blieb gar nichts anderes &uuml;brig, als neue MitarbeiterInnen von au&szlig;erhalb zu suchen. F&uuml;r mich war auch Julius Mende, ein vielerorts engagiertes &quot;Unikum&quot; ein Garant f&uuml;r ganz neue Seiten des &#8220;Weg und Ziel&#8221;. So nahm ich das Angebot der Mitarbeit an. Das blieb nicht ohne private Folgen. F&uuml;r eine ganz liebe langj&auml;hrige Freundin, die Anfang der achtziger Jahre der KP&Ouml; beitrat und sie 1989 verlie&szlig;, war ich eine &quot;Verr&auml;terin&quot;. Schmerzlich &#8212; genauso wie der Verlust meiner vielen, vielen Mitstreiter und Mitstreiterinnen seit Mitte der siebziger Jahre. Ich bin ja seit meinem 15. Lebensjahr recht umtriebig: von den Salzburger Anf&auml;ngen &#8212; unter anderem mit Johannes Seitner: vor Schulbeginn Flugzettelverteilen bei der Stellungskommission des Bundesheeres, um auf den 1975 erstmals m&ouml;glichen Zivildienst aufmerksam zu machen &#8212;, &uuml;ber Schul-, Sozialakademie- und Unipolitik, bis zu Jugendarbeit und Frauenbewegtem. Und nicht zu vergessen das Volksbegehren gegen Abfangj&auml;ger &#8212; von dem Stephan Ganglbauer einmal behauptete, es w&auml;re ein gro&szlig;er Fehler der KP&Ouml; gewesen, dieses Volksbegehren nicht mitzutragen, weil man sich auf den &quot;star war&quot; konzentrieren mu&szlig;te. Politisches Engagement fiel bei mir jedoch weniger &quot;dogmatisch/gl&auml;ubig/verbissen/hardcore&quot; als bei den meisten anderen aus. Das ist wahrscheinlich &#8212; neben meiner Entwicklungsf&auml;higkeit &#8212; ein Grund, warum ich nach 27 Jahren noch immer zu jenen wenigen geh&ouml;re, die es &quot;nicht lassen k&ouml;nnen&quot;. Die meisten fr&uuml;heren MitstreiterInnen sind, wie bereits erw&auml;hnt, was wei&szlig; ich wohin &quot;emigriert&quot;. Und jene nicht zu vergessen, die mit psychischen oder gesundheitlichen Leiden &#8212; was immer die Gr&uuml;nde daf&uuml;r sein m&ouml;gen &#8212; &quot;auf der Strecke&quot; geblieben sind, oder &uuml;berhaupt vorzeitig freiwillig das Zeitliche gesegnet haben.</p>
<p>Jedenfalls mu&szlig; ich mich in meinen Kreisen schon fast rechtfertigen und entschuldigen f&uuml;r meine &quot;Unverbesserlichkeit&quot; &#8212; vor allem f&uuml;r meine h&ouml;chst abwegige abstrakte radikale Gesellschaftskritik. Die Rolle eines faszinierenden, aber mit &auml;u&szlig;erster Vorsicht zu genie&szlig;enden Kuriosums (nicht nur aus politisch/wissenschaftlichen Gr&uuml;nden) ist mir sicher. Aber sicher nicht angenehm.</p>
<p>Manchmal frage ich mich, ob ich politisch einen ganz anderen Weg h&auml;tte einschlagen k&ouml;nnen, wenn mir nicht ein Job bei &#8220;Weg und Ziel&#8221; angeboten worden w&auml;re. Ich bin aber zum Schlu&szlig; gekommen, da&szlig; ich einer logischen Entwicklung gefolgt bin, die sich aus jahrelanger redlicher intellektueller Auseinandersetzung ergab: von der &quot;Linkskatholikin&quot; zur Wertkritikerin. Genauso war es kein Zufall, da&szlig; wir kritische Geister wie Franz Schandl, Gerhard Scheit, Stephan Grigat und Robert Z&ouml;chling als &#8220;Weg und Ziel&#8221;-Autoren gewinnen konnten und wir &#8212; aus ganz verschiedenen Richtungen Kommende &#8212; im 1995 gegr&uuml;ndeten &quot;Kritischen Kreis&quot; zusammengefunden haben.</p>
<p><strong>&#8220;Weg und Ziel&#8221; &#8212; mein &quot;Zweitstudium&quot;</strong></p>
<p>Nach meinem Studium hatte ich erst so recht Lust bekommen, Philosophie zu studieren. Stattdessen wurde &#8220;Weg und Ziel&#8221; quasi zu meinem &quot;Zweitstudium&quot;. Neben vielem Politischen und Wissenschaftlichen konnte ich vor allem das Agieren von M&auml;nnern in (politischen) Gruppen studieren. Zumeist keine besonders erquickliche und fruchtbare Angelegenheit. Die Redaktion war zu 99 Prozent ein &quot;M&auml;nner-Verein&quot;. Warum? Weil sich nicht viele Frauen f&uuml;r Theorie interessieren? (Wir hatten immer gro&szlig;e Not, Frauen als Autorinnen oder Diskutantinnen zu finden. ) Weil sie die ewigen H&auml;hnenk&auml;mpfe in solch m&auml;nnerb&uuml;ndisch anmutenden Zirkeln nur noch an&ouml;den? Weil sie, wenn sie mitmachen wollten, sich den Verhaltensnormen, die die M&auml;nner vorgeben, anpassen m&uuml;&szlig;ten?</p>
<p>Auch die von mir und Julius Mende beabsichtigte <em>Diskussion</em> verschiedener Standpunkte im &#8220;Weg und Ziel&#8221; hat nicht in der gew&uuml;nschten Form stattgefunden, weil kaum jemand willens und f&auml;hig ist, mehr als die &quot;Proklamation seines Standpunktes&quot; abzugeben. Wobei in Deutschland die Lage diesbez&uuml;glich traditionell noch viel angespannter ist: dort ist es unvorstellbar, da&szlig; sich &#8212; die meist verfeindeten &#8212; Vertreter unterschiedlicher Theorien an einen Tisch setzen. Dennoch waren wir bem&uuml;ht &#8212; im Gegensatz zu den Aufgaben eines Parteisprachrohrs &#8212; Themen kontroversiell darzustellen.</p>
<p>Auch meine in den ersten Jahren gelungenen Versuche, verschiedene politische Gruppen (etwa KSV, akin, Virus, EKH etc. ) zur Diskussion von &#8220;Weg und Ziel&#8221;-Schwerpunktthemen bei den &quot;LeserInnen-Foren&quot; zusammenzubringen, sind wieder eingeschlafen &#8212; allein schon, weil aus Kostengr&uuml;nden in den letzten Jahren nicht mehr viele Veranstaltungen stattgefunden haben. Die zwar schon immer vorhandene &quot;Verschrebergartenisierung&quot; des politischen Spektrums &#8212; vor allem auch bez&uuml;glich linker Theoriebildung &#8212; scheint sich heute noch mehr auszubreiten. Da&szlig; sich jemand auf eine &quot;fremde&quot; Veranstaltung oder auf ein &quot;fremdes&quot; Fest verirrt, kommt immer seltener vor.</p>
<p><strong>&quot;Steinzeitverhalten&quot; in Gruppen </strong></p>
<p>Viele Linke verdammen den &quot;Psycho-Schei&szlig;&quot; der siebziger Jahre in Grund und Boden. Aber jener, den ich erlebt habe &#8212; zum Beispiel sogenannte gruppendynamische Reflexionen in verschiedensten politisch arbeitenden Gruppen &#8212;, ist mir jedenfalls wesentlich angenehmer in Erinnerung als das in den letzten Jahren bei &#8220;Weg und Ziel&#8221; und in anderen linken Zusammenh&auml;ngen erlebte &quot;Steinzeitverhalten&quot; in Gruppen. Solches mutet manchmal schier surreal an. Wenn es nicht so kotz-unangenehm w&auml;re, k&ouml;nnte man sich ob seines Kuriosit&auml;tswerts gar am&uuml;sieren. Beispielsweise von der obersten Regel, die inhaltliche und die pers&ouml;nliche, die formelle und die informelle Ebene auseinanderzuhalten, bzw. die Gefahr ihrer Verquickung zu reflektieren, hat hier offenbar noch nie jemand geh&ouml;rt. Diskussionen und Entscheidungen verliefen entsprechend chaotisch, undurchschaubar und oft auch paternalistisch.</p>
<p>Der in den letzten Jahren rapide angestiegene beinharte Konkurrenzkampf auf Grund der angespannten &ouml;konomischen Situation jedes einzelnen tut sein &Uuml;briges, die pers&ouml;nliche und die inhaltliche Ebene bis zur Unkenntlichkeit zu &quot;vermantschen&quot;. Inhaltliche Auseinandersetzungen k&ouml;nnen oft kaum mehr gef&uuml;hrt werden. Kontroversielle Inhalte werden nicht mehr diskutiert, sondern geraten schlichtweg zum Kampfmittel.</p>
<p>In gewisser Hinsicht war jedoch auch die Verhaltenskultur der K-Gruppen in den siebziger Jahren bereits nicht &quot;ohne&quot;. Abgesehen von den K&auml;mpfen untereinander, konkurrierte man auch innerhalb &#8212; beispielsweise um die h&auml;rteste Sitzungsdisziplin; wessen Arsch den l&auml;ngeren Atem hatte, der geh&ouml;rte zu den Siegern und durfte vorne/oben mitmischen. Was f&uuml;r mich schon aus politischen Gr&uuml;nden nicht in Frage kam, konnte f&uuml;r viele andere (in den siebziger und achtziger Jahren) allein aus Gr&uuml;nden der dort in besonderer Auspr&auml;gung herrschenden &quot;Un-Sinnlichkeitskultur&quot; nicht in Erw&auml;gung gezogen werden: sich im KSV zu engagieren, geschweige denn, sich dort &quot;hochzudienen&quot;.</p>
<p>Kurz: Was im Fachjargon &quot;kommunikative Kompetenz&quot; hei&szlig;t, habe ich jedenfalls in linken Kreisen schon lange nicht mehr erlebt. Ganz im Gegenteil: Vergleichsweise kommen mir die meisten Linken &uuml;berdurchschnittlich k&uuml;hl, um nicht zu sagen &auml;ngstlich vor, und meist voller Vorbehalte oder Ressentiments voreinander. Auch nur ein Funken Herzlichkeit oder gar Phantasie, Poesie und Mitgef&uuml;hl im Umgang miteinander ist wahrlich die Sache der Linken nicht. Alle verschwinden immer mehr hinter unpers&ouml;nlichen Fassaden, die in Zeiten wie diesen, immer unabdingbarer werden. Sich Schw&auml;chen, Fehler oder gar Bed&uuml;rfnisse &#8212; jenseits der Zweckrationalit&auml;t dienenden &#8212; einzugestehen oder gar zu leisten, wird immer unm&ouml;glicher. Da&szlig; auch unter Linken keine gesellschaftliche Ausnahme m&ouml;glich ist, ist schon einleuchtend. Aber unerkl&auml;rlich ist, warum diese fehlenden &quot;Kleinigkeiten, die einen Gro&szlig;teil des Lebens ausmachen&quot; ausgerechnet bei Linken viel unterentwickelter sind als bei anderen. Und noch unverst&auml;ndlicher ist, welch schwer zu leugnender Zusammenhang zwischen linken DenkerInnen (auch jenen von h&ouml;chst brauchbaren, richtigen und wichtigen Theorien) und &#8212; euphemistisch ausgedr&uuml;ckt &#8212; ihrer Verkorkstheit besteht. Niemand konnte mir darauf je eine Antwort geben. Selbstverst&auml;ndlich sind solch Fragen schlicht tabu. Au&szlig;er Julius Mendes gelegentliche Bemerkungen &uuml;ber dergleichen wahrlich erstaunlichen Umgang miteinander, gibt es keinerlei Anzeichen daf&uuml;r, da&szlig; diesen zu hinterfragen jemand der M&uuml;he wert f&auml;nde.</p>
<p>Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Zwingt analytisches Denken weitgehend zur &quot;emotionalen Abstinenz&quot;? F&uuml;rchten AnalytikerInnen, da&szlig; ihre haarscharfen Analysen durch Gef&uuml;hle verwackelt werden k&ouml;nnten?</p>
<p><strong>Keine Reflexion des &quot;Privaten&quot;? </strong></p>
<p>Ganz allgemein werden die Bedingungen der pers&ouml;nlichen Verh&auml;ltnisse zwischen den Menschen, und manchmal auch die Auswirkungen, kurz in den Artikeln angesprochen und nat&uuml;rlich immer mitgedacht. Aber explizit wird das &quot;Private&quot;, das &quot;Pers&ouml;nliche&quot; wenig theoretisch durchleuchtet. Auch unsere t&auml;gliche Praxis &#8212; materielle wie psychische Fragen, &Auml;ngste, Sorgen, N&ouml;te, kurz der t&auml;gliche (&Uuml;ber-)Lebensk(r)ampf &#8212; wird kaum oder gar nicht reflektiert &#8212; hinsichtlich unseres t&auml;glichen &quot;Tun-M&uuml;ssens&quot;. Dar&uuml;ber hinaus mutet der pers&ouml;nliche Umgang richtiggehend &quot;leblos&quot;, verschroben, verklemmt oder gar feindselig an &#8212; n&auml;mlich wie in diesem Ausma&szlig; sonst kaum wo! (Ich bin n&auml;mlich auch, was die Verschiedenheit der Menschen, mit denen ich verkehre, anbelangt, recht umtriebig. Viele Linke scheinen ja fast nur unter ihresgleiches zu bleiben. )</p>
<p>Da&szlig; Theorie abstrakt sein mu&szlig;, ist klar, aber mu&szlig; deswegen alles Private und Pers&ouml;nliche &#8212; wie Usus &#8212; ins stille K&auml;mmerlein gedr&auml;ngt und darin versperrt werden? Hat all das bei Linken au&szlig;er in Form von schweigendem Pragmatismus nichts zu suchen. Es mutet v&ouml;llig obskur an, wie Linke einen Gro&szlig;teil dessen, was das Leben ausmacht, schlicht &quot;&uuml;ber-privatisieren&quot;, ihn durch Nichtreflektieren, durch schlichtes Ausklammern aus unserem abgespaltenen &quot;Polit- und Wissenschaftsleben&quot; noch tiefer ins Private, und somit auch ins Verschweigen dr&auml;ngen. Nat&uuml;rlich soll das Private privat sein, aber seine <em>Bedingungen</em> geh&ouml;ren &ouml;ffentlich gemacht und reflektiert.</p>
<p>Warum soll/mu&szlig; ich mich dem angespannten, eisigen, unlustigen Klima in der Linken aussetzen? Ist das eine conditio sine qua non? Eine Bedingung, ohne die es nicht geht? Jedenfalls f&uuml;hre ich immer mehr ein regelrechtes Doppelleben: einerseits in der Linken, andererseits &quot;ganz woanders&quot;, ganz wie anders.</p>
<p>Wovon ich mich allerdings deutlich distanziere: Alles, was da so im Zuge von political und sexual correctness daherkommt und mittlerweile dar&uuml;ber hinaus weit verbreitet ist: diese Opfergeb&auml;rdung und letztlich der Schrei nach (staatlich &uuml;berwachter) &quot;Zucht und Ordnung&quot; ist f&uuml;r mich in keinster Weise eine alternative Umgangsform. Ich rede auch keiner &quot;linken Sozialarbeit&quot; das Wort oder gar einer &quot;Politik aus dem Bauch&quot;. Und den Vorw&uuml;rfen von Postmodernen an Wertkritikern &#8212; letzteren Theorie quasi als pers&ouml;nliche Schw&auml;che aufgrund ihres &quot;freudlos grauen Lebens&quot; und ihrer &quot;Verkniffenheit&quot; auszulegen &#8212; kann ich nicht einmal Unterhaltungswert abgewinnen.</p>
<p>Julius Mende hat einen Schwerpunkt f&uuml;rs kommende Jahr vorgeschlagen: &quot;Politik und Lebensweise&quot;, darin h&auml;tte dieses allseits ignorierte Thema behandelt werden sollen.</p>
<p><strong>Theoriefeindlichkeit</strong></p>
<p>Noch mehr befremdet mich jedoch so manche Theoriefeindlichkeit, die sich gerade letzterdings verst&auml;rkt breit gemacht hat. Da&szlig; ganz allgemein die Zeiten f&uuml;r linke Theorie keine guten sind, macht sich klarerweise schon seit Jahren bemerkbar. &#8220;Weg und Ziel&#8221; war vielen zu theoretisch, zu abstrakt. Jedoch waren das meist LeserInnen, die &#8212; in den Zw&auml;ngen des Alltags ihre &quot;Realit&auml;tst&uuml;chtigkeit&quot; beweisen m&uuml;ssend &#8212; nie wirklich Gelegenheit hatten, sich den &quot;Luxus&quot; theoretischer Studien zu leisten. Luxus insofern, als Theorie viel Zeit, Ruhe und Konzentration erfordert. Theorie ist nicht nur in dieser Hinsicht dem Alltag diametral entgegengesetzt. Sie folgt auch ganz anderen &quot;Regeln&quot; als der Alltag. 1</p>
<p>Da&szlig; aber auch WissenschaftlerInnen, die mit Theorie an sich vertraut sind, diese pl&ouml;tzlich gegen Moral ausspielen, verwundert einigerma&szlig;en. Offenbar, haben wir es nicht geschafft, zu vermitteln, wozu Theorie gut ist. Manche meinen, etwas erkl&auml;ren hie&szlig;e etwas rechtfertigen. Alles was nicht auf der herk&ouml;mmlichen dualistischen Schiene von gut versus b&ouml;se abgehandelt wird, wird als eitel und selbstverliebt, als Ignoranz gegen&uuml;ber den Opfern von gesellschaftlichen Verh&auml;ltnissen verteufelt. Warum wird der Bote einer schlechten Nachricht geschlagen? Als ob er das Ungl&uuml;ck verursacht h&auml;tte. Oder werden mi&szlig;liebige Theorien einfach als &quot;selbstherrlich&quot; abgetan?</p>
<p>Insbesondere wenn es um Opfer des Nationalsozialismus oder des Neo-Rassismus geht, tritt bei vielen eine v&ouml;llige Verengung des Blickwinkels ein &#8212; um nicht zu sagen eine Mystifizierung und Emotionalisierung. Als ob Rassismus nicht <em>Teil</em> der allgemeinen kapitalistischen Mensch- und Naturvernichtungslogik w&auml;re, der tagt&auml;glich unz&auml;hlige Menschen zum Opfer fallen. K&ouml;nnte es sein, da&szlig; dieser &quot;allt&auml;gliche, gew&ouml;hnliche&quot; Wahnsinn zu &quot;ungreifbar&quot;, zu &quot;beliebig&quot; ist? M&ouml;chte man sich lieber &uuml;ber etwas &quot;Konkretes&quot; moralisch entr&uuml;sten &#8212; &uuml;ber Opfer des Faschismus und des Rassismus; gar moralisch entr&uuml;sten, um der Moral willen, oder um das Gewissen zu beruhigen. Analog dazu wird Haider und die FP&Ouml; zum Popanz stilisiert, ohne die gesellschaftliche Gesamtentwicklung (Stichwort: Festung Europa) zu erkennen; diese wird durchgezogen &#8212; egal von welcher Partei.</p>
<p>Ganz allgemein mu&szlig; festgestellt werden, wie tief Moral und Glaube in der Linken verwurzelt sind. Das l&auml;&szlig;t sie theoretische Analysen als abgehoben und realit&auml;tsfern abqualifizieren. Linke meinen, mit der Verurteilung des B&ouml;sen, mit der Solidarit&auml;t mit den Opfern und mit Forderungen nach allem Guten sei es schon getan. Und wenn dann TheoretikerInnen unser ganzes System &uuml;berhaupt in Frage stellen, und meinen, eine emanzipatorische Perspektive sei innerhalb von Demokratie und Marktwirtschaft nicht mehr m&ouml;glich &#8212; seien sie noch so &quot;offensiv&quot;, &quot;basisnahe&quot; und &quot;zivilgesellschaftlich&quot; &#8212; dann ist der w&auml;rmende Ofen f&uuml;r die meisten sowieso aus.</p>
<p>Ich habe &uuml;ber dreizehn Jahre lang biologistische und sogenannte esoterische Ideologien analysiert. Letztlich mu&szlig;te ich feststellen, da&szlig; sich Esoteriker und Linke in ihrem jeweiligen unersch&uuml;tterlichen Glauben und in ihrer jeweiligen Moral sehr &auml;hnlich sind. Linke <em>glauben</em> an die Solidarit&auml;t, an die M&ouml;glichkeit, durch Gesetze oder durch guten Willen zu einer menschlichen Gesellschaft zu gelangen. Und beider Denken ist immer r&uuml;ckw&auml;rts gewandt: das der Esoteriker in vorkapitalistische Zeiten, als die Welt noch in (g&ouml;ttlicher) Ordnung war; das der Linken in Zeiten des Arbeiterklassenmarxismus oder sie beharren schlicht auf dem, was bereits am Untergehen ist. Psychologisch betrachtet, kann das nur als eminente Angst vor allem Neuem, vor allem Unbekannten verstanden werden. Das Alte ist hingegen vertraut.</p>
<p>Schlie&szlig;lich dominieren sowohl bei Linken als auch bei Esoterikern F&uuml;llh&ouml;rner, die sie aber als das Gute selbst erkannt haben wollen. Ist das bei den einen vor allem Religion, Spiritualit&auml;t oder &Ouml;kofeminismus, ist es bei den anderen in erster Linie die Demokratie. Wie F&uuml;llh&ouml;rner es aber so an sich haben, k&ouml;nnen sie mit allem M&ouml;glichen gef&uuml;llt werden &#8212; sie sind alles andere als per se ein brauchbarer Inhalt. 2</p>
<p><strong>Nochmals zu &#8220;Weg und Ziel&#8221;</strong></p>
<p>Um noch etwas ganz anderes und Erfreulicheres zu berichten. Gro&szlig;e Erfolge meiner Jahre bei &#8220;Weg und Ziel&#8221; waren die beiden Symposien zu den Themen &quot;Biologismus &#8212; Rassismus &#8212; Nationalismus&quot; und &quot;Nation = Nationalismus? &quot; in den Jahren 1994 und 1995, die &#8220;Weg und Ziel&#8221; gemeinsam mit anderen Organisationen plante und durchf&uuml;hrte &#8212; sowie das daraus hervorgegangene Buch &quot;Biologismus &#8212; Rassismus &#8212; Nationalismus&quot;, das ich gemeinsam mit Gero Fischer herausgegeben habe.</p>
<p>Meine Teilzeit-T&auml;tigkeit bei &#8220;Weg und Ziel&#8221; war letztlich eine gute M&ouml;glichkeit, auch weiterhin meiner stark nachgefragten Arbeit als Esoterik-Analytikerin und -Kritikerin nachzukommen. Diese beiden T&auml;tigkeitsbereiche erg&auml;nzten sich hervorragend. Einerseits was meine Zeiteinteilung betraf, andererseits was die Kontakte vor allem nach Deutschland anbelangten, wohin ich zu vielen Vortr&auml;gen eingeladen worden bin &#8212; (als es noch Geld daf&uuml;r gab. Heute rufen StudentInnen an, um mich an die Uni einzuladen, nur kriegen sie nirgendwoher Geld dazu. )</p>
<p>Apropos Geld. Da w&auml;ren wir schon wieder beim h&ouml;chst Unerfreulichen. Ah ja, das &#8220;Weg und Ziel&#8221; wird eingestellt. Wer die KP&Ouml; zumindest ein bi&szlig;chen kennt, findet es wahrscheinlich m&uuml;&szlig;ig, dar&uuml;ber Worte zu verlieren. Es haben zwar viele nicht glauben k&ouml;nnen, da&szlig; die Partei tats&auml;chlich ihr langj&auml;hriges, nicht unrenommiertes Theorie-Organ einstellen wird. Aber wenn Wahlk&auml;mpfe (f&uuml;r 22.016 Stimmen bei den letzten Nationalratswahlen), die Millionen und Abermillionen kosten, das Wichtigste sind, er&uuml;brigt sich jede Debatte. Au&szlig;er ein paar Kanditaten und dem Wahlzirkus wird dann halt bald nichts mehr &uuml;brigbleiben. Die Wahlwerbe-Argentur wird sich freuen. Im &uuml;brigen schlie&szlig;e ich mich dem bereits von Lutz Holzinger in diesem Heft Geschriebenen an &#8212; insbesondere dem, was er im letzten Absatz &uuml;ber das ungebrochene Primat der Politik sagt.</p>
<p><strong>Arbeitslos oder joblos? </strong></p>
<p>Kurz vor Weihnachten erfuhr ich, da&szlig; mein Job ersatzlos gestrichen wird. Kurz nach Weihnachten und Silvester lautete die h&auml;ufigste an mich gestellte Frage mit eigenartigem Unterton: &quot;Na, und wei&szlig;t du schon, was du jetzt machst? &quot; Ich werde den Eindruck nicht los, da&szlig; meine Joblosigkeit, die Existenzangst der anderen stark erh&ouml;ht. Wohl die viel zitierte Angst der Noch-nicht-Arbeitslosen. Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, scheint man aber ohne Job f&uuml;r viele kein (&quot;richtiger&quot;, kein ernstzunehmender) Mensch mehr zu sein. Au&szlig;erdem sollte es nat&uuml;rlich ein reputierlicher Job sein. Es ist wirklich erstaunlich, wieviele Menschen &#8212; selbst gebildete und studierte &#8212; ihre Identit&auml;t, ihren Selbstwert haupts&auml;chlich &uuml;ber ihren Job beziehen.</p>
<p>Ich kontere auf ihre Frage: &quot;Als allererstes werde ich mir mal &uuml;berlegen, was ich <em>nicht</em> machen will. &quot; Mir antworten n&auml;mlich so manche auf die Nachfrage nach ihrem Wohlergehen anl&auml;&szlig;lich der &Ouml;dheit ihres Jobs aus tiefstem Herzen: <em>&quot;Naja, das Leben ist jetzt vorbei. &quot;</em> Diesen Eindruck habe ich von einem Gro&szlig;teil der Menschen. Die Folgen: Krankheiten, Ersch&ouml;pfung und &quot;Asozialit&auml;t&quot; (letzteres: Zitat derer, die vor lauter Arbeit kaum mehr Zeit f&uuml;r andere haben).</p>
<p>F&uuml;r mich besteht nat&uuml;rlich ein gravierender Unterschied zwischen Arbeits- und Joblosigkeit &#8212; was absurderweise immer schwierger wird, jemandem klarzumachen. Arbeit habe ich genug. An spannenden T&auml;tigkeiten fehlt es mir wahrlich nicht: Wissenschaftliches, Literarisches, Fotografisches, Sprach(en)liches und vieles andere harrt geduldig der Verwirklichung. Einen Job braucht man nur f&uuml;rs Geld. (Geldmachen-M&uuml;ssen birgt viele Gefahren. Wie meinte ein ber&uuml;hmter S&auml;nger: &quot;Liebe und Musik sind Himmelsm&auml;chte, aber wenn man sie f&uuml;r Geld macht, kommt man damit in die H&ouml;lle. &quot;)</p>
<p>Ich hoffe, f&uuml;r mich ist das Leben nicht vorbei &#8212; ob mit oder ohne Job und im Gegensatz zu den vielen, die sich fast nur mehr als &quot;Arbeitsmarionetten&quot; wahrnehmen. Beruhigend ist nur, Literarisches Schaffen war ja immer schon ziemlich brotlos. Wenigtens hier gibt&#8217;s kein altersbedingtes Zusp&auml;tkommen.</p>
<p>Vermutlich werde ich immer zwischen allen St&uuml;hlen sitzen, oder auf den Stuhlkanten balancieren und konsequent deviante Fragen stellen. Mein kindlicher Berufswunsch war schlie&szlig;lich Seilt&auml;nzerin, wie es eine im Buch vom &quot;Esel Moro&quot; zu bewundern gab.
<ul>
<p><em>&#9;Maria W&ouml;lflingseder hat die Sozialakademie absolviert sowie P&auml;dagogik und Psychologie studiert. Arbeitsschwerpunkt: Esoterik-, Biologismus- und &Ouml;kofeminismus-Kritik. Redaktionskoordination von &#8220;Weg und Ziel&#8221;. Neuerdings literarische Versuche &#8212; insbesondere Lyrik. </em> </ul>
<p><strong>Anmerkungen</strong>
<ul>
<p><em>1&#9;Vgl. Maria W&ouml;lflingseder: Warum der Alltag grau ist, in: &#8220;Mitbestimmung&#8221; 1/1998, S. 30-35. Sowie: Franz Schandl: Der Kapitalismus und du, in: &#8220;Streifz&uuml;ge&#8221; 2/1997, S. 3-7. </em></p>
<p><em>2&#9;Vgl. Maria W&ouml;lflingseder: Esoterik und die Linke, in: AntiVisionen (Hg. ), Schicksal und Herrschaft, Brosch&uuml;re, Hamburg 1999, S. 68-77. (Erh&auml;ltlich nur bei: rat &#8212; reihe antifaschistischer Texte, c/o Schwarzmarkt, Kleiner Sch&auml;ferkamp 46, D-20357 Hamburg, gegen 10 DM Vorkasse. In Wien: in den Buchhandlungen Winter und S&uuml;dwind. )</em> </ul>
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		<title>Die Krise bei Marx</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie / Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Schandl; Franz]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 2000-1]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/die-krise-bei-marx">Die Krise bei Marx</a></p>
Zu hinterlassende Notate einer exegetischen Häresie]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2000/die-krise-bei-marx">Die Krise bei Marx</a></p>
<h3>Zu hinterlassende Notate einer exegetischen H&auml;resie</h3>
<p><em>von Franz Schandl </em> <span id="more-848"></span></p>
<p>Eine der zentralen &Uuml;berlegungen Marxscher Gesellschaftskritik ist die historische Einordnung des Kapitals und die Behauptung von dessen Endlichkeit. Vor allem im dritten Band des Hauptwerks versuchte Marx diese Endlichkeit theoretisch zu antizipieren, und sie als objektive Tendenz kapitalistischer Vergesellschaftung zu untermauern.</p>
<p>Auch wenn seine Erwartungen bez&uuml;glich der gesellschaftlichen Umw&auml;lzung sich als verfr&uuml;ht herausstellten, so war ihm doch &#8212; und das durchzieht das ganze Werk &#8212; jede Ontologisierung kapitalistischer Herrschaft fremd. &quot;Aber jede historische Form dieses Prozesses entwickelt weiter die materiellen Grundlagen und gesellschaftlichen Formen desselben. Auf einer gewissen Stufe der Reife angelangt, wird die bestimmte historische Form abgestreift und macht einer h&ouml;heren Platz. Da&szlig; der Moment einer solchen Krise gekommen, zeigt sich, sobald der Widerspruch und Gegensatz zwischen den Verteilungsverh&auml;ltnissen, daher auch der bestimmten historischen Gestalt der ihnen entsprechenden Produktionsverh&auml;ltnisse einerseits und den Produktivkr&auml;ften, der Produktionsf&auml;higkeit und der Entwicklung ihrer Agentien andrerseits, Breite und Tiefe gewinnt. Es tritt dann ein Konflikt zwischen der materiellen Entwicklung der Produktion und ihrer gesellschaftlichen Form ein. &quot;1</p>
<p>Krisen im Kapitalismus erscheinen unter dem Gesichtspunkt eines <em>finalen Telos</em>. Gegen David Ricardo gewandt, schreibt Marx: &quot;Andrerseits hat Ricardo und seine ganze Schule die wirklichen <em>modernen Krisen</em>, in denen dieser Widerspruch des Kapitals [sich] in gro&szlig;en Ungewittern entladet, die mehr und mehr es selbst als Grundlage der Gesellschaft und Produktion selbst bedrohn, niemals begriffen. &quot;2 Auch die konjunkturellen Krisen sind nicht blo&szlig; als Wachstumskrisen dechiffrierbar, sondern Vorboten des eigenen Untergangs.</p>
<p><strong>Der tendenzielle Fall</strong></p>
<p>F&uuml;r die kapitalistische Ware gilt: Je gr&ouml;&szlig;er das konstante Kapital im Verh&auml;ltnis zum variablen Kapital bei der Wertbildung, desto geringer die Profitrate. &quot;Die Profitrate f&auml;llt, nicht weil die Arbeiter weniger exploitiert werden, sondern weil im Verh&auml;ltnis zum angewandten Kapital &uuml;berhaupt weniger Arbeit angewandt wird. &quot;3 Marx nannte diese Entwicklung das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Diesem Gesetz widmete er den dritten Abschnitt im dritten Band des Kapitals. &quot;Diese fortschreitende relative Abnahme des variablen Kapitals im Verh&auml;ltnis zum konstanten und daher zum Gesamtkapital ist identisch mit der fortschreitend h&ouml;heren organischen Zusammensetzung des Kapitals in seinem Durchschnitt. &quot;4 Das hei&szlig;t weiters: &quot;Jedes individuelle Produkt f&uuml;r sich betrachtet, enth&auml;lt eine geringre Summe von Arbeit als auf niedrigern Stufen der Produktion (&#8230;). &quot;5 &quot;Die progressive Tendenz der allgemeinen Profitrate zum Sinken ist also nur ein der kapitalistischen Produktionsweise eigent&uuml;mlicher Ausdruck f&uuml;r die fortschreitende Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit. &quot;6</p>
<p>Die Profitrate (m: C) nimmt ab, je gr&ouml;&szlig;er das Verh&auml;ltnis des konstanten zum variablen Kapital (c: v) wird: &quot;Ein stets geringrer aliquoter Teil des ausgelegten Gesamtkapitals setzt sich in lebendige Arbeit um, und dies Gesamtkapital saugt daher, im Verh&auml;ltnis zu seiner Gr&ouml;&szlig;e, immer weniger Mehrarbeit auf, obgleich das Verh&auml;ltnis des unbezahlten Teils der angewandten Arbeit zum bezahlten Teil derselben gleichzeitig wachsen mag. Die verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Abnahme des variablen und Zunahme des konstanten Kapitals, obgleich beide Teile absolut wachsen, ist, wie gesagt, nur ein andrer Ausdruck f&uuml;r die vermehrte Produktivit&auml;t der Arbeit. &quot;7 Dagegen sei kein Kraut gewachsen, selbst wenn verschiedenste Ma&szlig;nahmen ergriffen werden, die Marx auch taxativ anf&uuml;hrt. 8</p>
<p>Das Grunddilemma liegt hierbei im Maschinenbetrieb, der nichts anderes ist als konkretisierte Produktivkraft: &quot;Er verwandelt einen Teil des Kapitals, der fr&uuml;her variabel war, d. h. sich in lebendige Arbeitskraft umsetzte, in Maschinerie, also in konstantes Kapital, das keinen Mehrwert produziert. &quot;9 &quot;Im Fortschritt des Produktions- und Akkumulationsprozesses mu&szlig; also die Masse der aneignungsf&auml;higen und angeeigneten Mehrarbeit und daher die absolute Masse des vom Gesellschaftskapital angeeigneten Profits wachsen. Aber dieselben Gesetze der Produktion und Akkumulation steigern, mit der Masse, den Wert des konstanten Kapitals in zunehmender Progression rascher als den des variablen, gegen lebendige Arbeit umgesetzten Kapitalteils. Dieselben Gesetze produzieren also f&uuml;r das Gesellschaftskapital eine wachsende absolute Profitmasse und eine fallende Profitrate. &quot;10</p>
<p>Durch die der allgemeinen Produktivkraftentwicklung folgende Erh&ouml;hung der organischen Zusammensetzung des Gesamtkapitals untergr&auml;bt die Kapitalherrschaft &#8212; so die Marxsche Theorie &#8212; sich selbst. Die Logik der kapitalistischen Produktion beseitigt ihre eigene Basis, da sie in der Tendenz fortw&auml;hrend die Profitrate senkt. Wobei wachsende Profitmasse und fallende Profitrate sich nicht grunds&auml;tzlich entsprechen, diese Verkn&uuml;pfung nicht zwingend ist, auch wenn sie zu Marxens Zeiten eine typische war. Die fallende Profitrate macht nur dann als objektive Grenze einen Sinn, wenn sie schlu&szlig;endlich in eine fallende Profitmasse des Gesamtkapitals m&uuml;ndet. 11 Die Kapitalakkumulation kennt so &#8212; im Gegensatz zum stofflichen Reichtum &#8212; objektive und absolute Grenzen. Ab einer bestimmten Stufe der Produktion wird das Wertgesetz nicht mehr greifen, seine Allmacht verlieren, statt Akkumulation wird Leerlauf eintreten. Der Wert verliert dann seine Bedeutung als gesellschaftliches Strukturprinzip.</p>
<p><strong>Automatisches Wachstum</strong></p>
<p>Produktivkraftentwicklung vorausgesetzt, ist Lohnarbeit unweigerlich an Kapitalwachstum gekn&uuml;pft. Konstantes und variables Kapital erg&auml;nzen sich so in ihrem Interesse am Wachstum, was kapitalistisch nichts anderes als Kapitalakkumulation, Verwertung des Werts sein kann. Mit dieser Produktionssteigerung kann aber der Markt nicht mithalten. Die Zirkulationsm&ouml;glichkeiten sind geringer als die Produktionsm&ouml;glichkeiten. Markt und Produktion sind so im Kapitalismus nicht a priori synchronisiert, sondern blo&szlig; a posteriori. Friedrich Engels schreibt in seinen Erg&auml;nzungen zum &quot;Kapital&quot;: &quot;Der t&auml;glich wachsenden Raschheit, womit auf allen gro&szlig;industriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegen&uuml;ber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts f&uuml;r diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann dieser kaum in Jahren absorbieren. &quot;12</p>
<p>Hierin liegt auch ein prinzipieller Widerspruch zwischen Produktion einerseits und dem Markt andererseits. Erstgenannte greift &uuml;ber das Fassungsverm&ouml;gen des letztgenannten hinaus, obwohl &#8212; und das kommt als zus&auml;tzlicher Widerspruch noch hinzu &#8212; in der Sph&auml;re der Konsumtion f&uuml;r diese Produkte durchaus Bedarf w&auml;re. &quot;Die Bedingungen der unmittelbaren Exploitation und ihre Realisation sind nicht identisch. Sie fallen nicht nur nach Zeit und Ort, sondern auch begrifflich auseinander. Die einen sind nur beschr&auml;nkt durch die Produktivkraft der Gesellschaft, die anderen durch die Proportionalit&auml;t der verschiednen Produktionszweige und durch die Konsumtionskraft der Gesellschaft. Diese letztre ist aber bestimmt weder durch die absolute Produktionskraft noch durch die absolute Konsumtionskraft, sondern durch die Konsumtionskraft auf Basis antagonistischer Distributionsverh&auml;ltnisse, welche die Konsumtion der gro&szlig;en Masse der Gesellschaft auf ein nur innerhalb mehr oder minder enger Grenzen ver&auml;nderliches Minimum reduziert. Sie ist ferner beschr&auml;nkt durch den Akkumulationsbetrieb, den Trieb nach Vergr&ouml;&szlig;erung des Kapitals und nach Produktion von Mehrwert auf erweiterter Stufenleiter. Dies ist Gesetz f&uuml;r kapitalistische Produktion, gegeben durch die best&auml;ndigen Revolutionen in den Produktionsmethoden selbst, die damit best&auml;ndig verkn&uuml;pfte Entwertung von vorhandnem Kapital, den allgemeinen Konkurrenzkampf und die Notwendigkeit, die Produktion zu verbessern und ihre Stufenleiter auszudehnen, blo&szlig; als Erhaltungsmittel und bei Strafe des Untergangs. Der Markt mu&szlig; daher best&auml;ndig ausgedehnt werden, so da&szlig; seine Zusammenh&auml;nge und die sie regelnden Bedingungen immer mehr die Gestalt eines von den Produzenten unabh&auml;ngigen Naturgesetzes annehmen, immer unkontrollierbarer werden. Der innere Widerspruch sucht sich auszugleichen durch Ausdehnung des &auml;u&szlig;ern Feldes der Produktion. Je mehr sich aber die Produktivkraft entwickelt, um so mehr ger&auml;t sie in Widerstreit mit der engen Basis, worauf die Konsumtionsverh&auml;ltnisse beruhen. &quot;13</p>
<p>So ist auch der unentwegte wie verzweifelte Versuch des Kapitals, noch unverwertete Felder zu erobern, verst&auml;ndlich. Darin ist etwa die Substanz der Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Ladenschlu&szlig;zeiten zu suchen, ebenso die Vermarktwirtschaftlichung der Natur, die den letzten freien G&uuml;tern wie Luft und Wasser einen Wert geben will. Eine der letzten Kapriolen etwa ist die mit Handys bewerkstelligte In-Preis-Setzung von Gespr&auml;chen, indem man h&ouml;rige B&uuml;rger nicht mehr selektiv, sondern dauerhaft ans Ger&auml;t anschlie&szlig;t. 14 Nichts soll stattfinden ohne durch die fetischierten Formen (Tausch, Geld, Vertrag usw. ) geschleust zu werden.</p>
<p>Das Kapital giert nach den letzten freien R&auml;umen, Zeiten und T&auml;tigkeiten, will, weil mu&szlig; sich alles untertan machen, selbst wenn seine subjektiven Vertreter auf der konstanten wie auf der variablen Seite es individuell oft gar nicht mehr einsehen m&ouml;chten. Hier kollidieren, wie so oft, unmittelbare Lebensinteressen mit der blinden Logik des Kapitals. Blind deshalb, weil es auf die gesellschaftlichen Folgen keine R&uuml;cksicht nehmen kann, insofern diese nicht verwertbar sind, &quot;indem hier der Zusammenhang der gesamten Produktion als blindes Gesetz dem Produktionsagenten sich aufzwingt, nicht als von ihrem assoziierten Verstand begriffnes und damit beherrschtes Gesetz den Produktionsproze&szlig; ihrer gemeinsamen Kontrolle unterworfen hat&quot;. 15</p>
<p>Was vordergr&uuml;ndig als Profitgier der Kapitalisten und Manager erscheint, ist aber nichts anderes als die Umsetzung der objektiven Gesetze der Marktwirtschaft. Die Agenten des konstanten Kapitals verhalten sich bei Strafe des eigenen Untergangs ebenso wie ihre Gegner nur rational in der gro&szlig;en Irrationalit&auml;t. Sie k&ouml;nnen nicht anders, wollen sie, da&szlig; ihr Kapital bestehen bleibt. Dieses Wollen k&ouml;nnen sie nicht nicht wollen! Es betreibt sie. Es ist sie.</p>
<p>&Uuml;ber das subjektlose Subjekt des Unternehmers schreibt Marx: &quot;Der objektive Inhalt jener Zirkulation &#8212; die Verwertung des Werts &#8212; ist sein subjektiver Zweck, und nur soweit wachsende Aneignung des abstrakten Reichtums das allein treibende Motiv seiner Operation, funktioniert er als Kapitalist oder personifiziertes, mit Willen und Bewu&szlig;tsein begabtes Kapital. &quot;16 &quot;Als Kapitalist ist er nur personifiziertes Kapital. Seine Seele ist die Kapitalistenseele. Das Kapital hat aber einen einzigen Lebenstrieb, den Trieb sich zu verwerten, Mehrwert zu schaffen, mit seinem konstanten Teil, den Produktionsmitteln die gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Masse Mehrarbeit einzusaugen. &quot;17 Der Kapitalist gilt ihm als &quot;Fanatiker der Verwertung des Werts. &quot;18</p>
<p>Kapital mu&szlig; wachsen, will es es bleiben. Kapital ist kein Ding, sondern nur zu fassen als ein immer wiederkehrender Proze&szlig; des sich verwertenden Werts. Wird das Kapital dingfest, verliert es sofort seinen Kapitalcharakter, wird Schatz. Insofern ist auch der Wunsch nach einem Zustand &quot;gleichbleibenden Kapital(s)&quot;, 19 wie er etwa vom &quot;Club of Rome&quot; ge&auml;u&szlig;ert wurde, blanker Illusionismus, wobei noch dazu kommt, da&szlig; in der theoretisch absolut schwachbr&uuml;stigen Studie &quot;Grenzen des Wachstums&quot; einer schn&ouml;den Begriffslosigkeit gehuldigt wird; Kategorien wie Produktivkraft, Technik, Wachstum, Kapital, Reichtum wild durcheinander geworfen werden. Kapital hat nun mal nicht die F&auml;higkeit gleichbleibend zu bleiben, sich einfach zu reproduzieren, es mu&szlig; sich verwerten, koste es, was es wolle.</p>
<p><strong>&Uuml;bererf&uuml;llung &#8212; Entwertung &#8212; Vernichtung</strong></p>
<p>Es wird also produziert um der Produktion willen, unabh&auml;ngig davon, ob Produkte gebraucht werden oder nicht. Der Kapitalismus erzeugt eine &quot;notwendig fieberhafte Produktion und drauf folgende &Uuml;berf&uuml;llung der M&auml;rkte&quot;. 20 Diese &Uuml;berf&uuml;llung der M&auml;rkte, die nicht mit einer &Uuml;berf&uuml;lle der Konsumtionsm&ouml;glichkeiten gleichgesetzt werden kann, schon gar nicht global, ist heute sichtbare Tatsache und Problem, das nur m&uuml;hsam durch staatliche und &uuml;berstaatliche Kontingentierungen (z. B. im Rahmen der Europ&auml;ischen Union oder in bilaterialen Abkommen) &quot;gel&ouml;st&quot; werden kann. So bleibt das Kapital auf seinen Produkten sitzen, mu&szlig; sie anderweitig loswerden, um die Produktion nicht zu blockieren.</p>
<p>&quot;An und f&uuml;r sich sind solche &Uuml;bersch&uuml;sse kein &Uuml;bel, sondern ein Vorteil; sind aber &Uuml;bel in der kapitalistischen Produktion. &quot;21 Dieser Umstand f&uuml;hrt unweigerlich zu der bisher nur dem Kapitalismus eigenen bewu&szlig;ten Produktzerst&ouml;rung. Die Waren m&uuml;ssen vernichtet werden, um den Wert zu sichern. Tauschwert vernichtet Gebrauchswert, denn: &quot;Eine Entwertung des Kreditgeldes (gar nicht zu sprechen von einer &uuml;brigens nur imagin&auml;ren Entgeldung desselben) w&uuml;rde alle bestehenden Verh&auml;ltnisse ersch&uuml;ttern. Der Wert der Waren wird daher geopfert, um das phantastische und selbst&auml;ndige Dasein dieses Werts im Geld zu sichern. F&uuml;r ein paar Millionen Geld m&uuml;ssen daher viele Millionen Waren zum Opfer gebracht werden. Dies ist unvermeidlich in der kapitalistischen Produktion und bildet eine ihrer Sch&ouml;nheiten. &quot;22</p>
<p>&Uuml;ber den Kredit schreibt Marx: &quot;Das Kreditwesen beschleunigt daher die materielle Entwicklung der Produktivkr&auml;fte und die Herstellung des Weltmarkts, die als materielle Grundlagen der neuen Produktionsform bis auf einen gewissen H&ouml;hegrad herzustellen, die historische Aufgabe der kapitalistischen Produktionsweise ist. Gleichzeitig beschleunigt der Kredit die gewaltsamen Ausbr&uuml;che dieses Widerspruchs, die Krisen, und damit die Elemente der Aufl&ouml;sung der alten Produktionsweise. &quot;23</p>
<p>Das Kreditsystem habe einen &quot;doppelseitigen Charakter: einerseits die Triebfeder der kapitalistischen Produktion, Bereicherung durch Ausbeutung fremder Arbeit, zum reinsten und kolossalsten Spiel- und Schwindelsystem zu entwickeln und die Zahl der den gesellschaftlichen Reichtum ausbeutenden Wenigen immer mehr zu beschr&auml;nken; andrerseits aber die &Uuml;bergangsform zu einer neuen Produktionsweise zu bilden&quot;. 24</p>
<p>&quot;Und weiter ist die Krise nichts als die gewaltsame Geltendmachung der Einheit von Phasen des Produktionsprozesses, die sich gegeneinander verselbst&auml;ndigt haben. &quot;25 &quot;Die Krise in ihrer ersten Form ist die Metamorphose der Ware selbst, das Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf. &quot;26 Krise ist also so etwas wie die nicht gl&uuml;ckende Metamorphose des Kapitals in seinem Gesamtproze&szlig;. Eine dauernde Dekorrespondenz von Produktion und Zirkulation. Der Kapitalismus st&ouml;&szlig;t dann an seine Grenzen, wenn es nicht mehr gelingt, diese Krisen zeitlich und &ouml;rtlich zu beschr&auml;nken, sie also zum gesellschaftlichen &quot;Normal&quot;zustand werden.</p>
<p><strong>Immanente Schranke</strong></p>
<p>Der Kapitalismus ist davon abh&auml;ngig, ob Kapital gebildet werden kann, ob der Wert sich verwerten l&auml;&szlig;t. Kann das nicht mehr garantiert werden, ist der Kapitalismus an seiner historischen Schranke angelangt. &quot;Die <em>wahre Schranke</em> der kapitalistischen Produktion ist <em>das Kapital selbst</em>, ist dies: da&szlig; das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint, da&szlig; die Produktion nur Produktion f&uuml;r <em>das Kapital</em> ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel blo&szlig;e Mittel f&uuml;r eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses f&uuml;r die <em>Gesellschaft</em> der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der gro&szlig;en Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher best&auml;ndig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden mu&szlig; und die auf unbeschr&auml;nkte Vermehrung der Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr&auml;fte der Arbeit lossteuern. Das Mittel &#8212; unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr&auml;fte &#8212; ger&auml;t in fortw&auml;hrenden Konflikt mit dem beschr&auml;nkten Zweck, der Verwertung des vorhandnen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der best&auml;ndige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverh&auml;ltnissen. &quot;27</p>
<p>Ziel und Mittel der kapitalistischen Produktion fallen zusehends auseinander. Jede Neuerung in den Produktivkr&auml;ften ist in Tendenz eine Attacke gegen das sie hervorbringende System. Die Mittel schreien nach einer neuen Form. Der zentrale Widerspruch ist nicht jener zwischen Lohnarbeit und Kapital, ja dieser verstellt den Blick auf die Basisprozesse des Kapitalverh&auml;ltnisses. Die objektive Schranke des Kapitals ist nicht die Arbeiterklasse (oder ein anderweitiges revolution&auml;res Ersatzsubjekt), sondern das Kapitalverh&auml;ltnis selbst. Dieser Widerspruch mu&szlig; aber, will die Menschheit nicht in der Barbarei enden, bewu&szlig;t &uuml;berwunden werden. Wir verweisen deswegen auch hier auf die Notwendigkeit einer<em> klassenlosen</em> Bewegung, die eben nicht mehr partielle Interessen durchsetzen will, sondern gegen alle <em>kapitalkonformen Interessen</em> ein alternatives Grundanliegen formuliert und realisiert.</p>
<p>Zusammenbruch meint somit nicht, da&szlig; der Kommunismus ausbrechen wird. Eines gibt es keinesfalls: ein bewu&szlig;tloses Hin&uuml;bergleiten. Bewu&szlig;tlos kann man nur in die Barbarei fallen, die da meint: sozialer Niedergang, rassistische Regression, abendl&auml;ndische Kreuzritter, marodierende Banden.</p>
<p><strong>Deklassierung der Klasse</strong></p>
<p>In der fortschreitenden Entwicklung der organischen Zusammensetzung des Kapitals ist auch die substantielle Degradation der Arbeiterklasse mitbegr&uuml;ndet: Die Verminderung des variablen Kapitals bei der Wertbildung f&uuml;hrt zu deren Zur&uuml;ckdr&auml;ngung. Wenn der das Kapitalverh&auml;ltnis mitkonstituierende Stellenwert des variablen Kapitals verf&auml;llt, verf&auml;llt mit ihm auch die Lohnarbeit und das Proletariat. Nicht die Lohnarbeit hebelt also das Kapital aus, sondern das konstante Kapital minimiert sukszessive das variable. Freilich untergr&auml;bt es damit auch seine eigene Akkumulation.</p>
<p>Die Arbeiterklasse mu&szlig; auf eben diese ihre objektive Schranken projiziert werden: &quot;Eine Entwicklung der Produktivkr&auml;fte, welche die absolute Anzahl der Arbeiter verminderte, d. h. , in der Tat die ganze Nation bef&auml;higte, in einem geringern Zeitteil ihre Gesamtproduktion zu vollziehn, w&uuml;rde Revolution herbeif&uuml;hren, weil sie die Mehrzahl der Bev&ouml;lkerung au&szlig;er Kurs setzen w&uuml;rde. Hierin erscheint wieder die spezifische Schranke der kapitalistischen Produktion, und da&szlig; sie keineswegs eine absolute Form f&uuml;r die Entwicklung der Produktivkr&auml;fte und Erzeugung des Reichtums ist, vielmehr mit dieser auf einem gewissen Punkt in Kollision tritt. (&#8230;) Die absolute &Uuml;berschu&szlig;zeit, die die Gesellschaft gewinnt, geht sie nichts an. Die Entwicklung der Produktivkraft ist ihr nur wichtig, sofern sie die Mehrarbeitszeit der Arbeiterklasse vermehrt, nicht die Arbeitszeit f&uuml;r die materielle Produktion &uuml;berhaupt vermindert; sie bewegt sich also im Gegensatze. &quot;28</p>
<p><strong>Wertrevolution als Transvolution</strong></p>
<p>Die qualitativen Revolutionen des Werts sind Voraussetzung einer m&ouml;glichen Transformation: &quot;Das Kapital als sich verwertender Wert umschlie&szlig;t nicht nur Klassenverh&auml;ltnisse, einen bestimmten gesellschaftlichen Charakter, der auf dem Dasein der Arbeit als Lohnarbeit ruht. Es ist eine Bewegung, ein Kreislaufproze&szlig; durch verschiedne Stadien, der selbst wieder drei verschiedne Formen des Kreislaufprozesses einschlie&szlig;t. Es kann daher nur als Bewegung und nicht als ruhendes Ding begriffen werden. Diejenigen, die die Verselbst&auml;ndigung des Werts als blo&szlig;e Abstraktionen betrachten, vergessen, da&szlig; die Bewegung des industriellen Kapitals diese Abstraktion in actu ist. Der Wert durchl&auml;uft hier verschiedne Formen, verschiedne Bewegungen, in denen er sich erh&auml;lt und zugleich verwertet, vergr&ouml;&szlig;ert. Da wir es hier zun&auml;chst mit der blo&szlig;en Bewegungsform zu tun haben, werden die Revolutionen nicht ber&uuml;cksichtigt, die der Kapitalwert in seinem Kreislaufproze&szlig; erleiden kann; aber es ist klar, da&szlig; trotz aller Wertrevolutionen die kapitalistische Produktion nur solange existiert und fortexistieren kann, als der Kapitalwert verwertet wird, d. h. als verselbst&auml;ndigter Wert seinen Kreislaufproze&szlig; beschreibt, solange also die Wertrevolutionen in irgendeiner Art &uuml;berw&auml;ltigt und ausgeglichen werden. Die Bewegungen des Kapitals erscheinen als Aktionen des einzelnen industriellen Kapitalisten in der Weise, da&szlig; er als Waren- und Arbeitk&auml;ufer, Warenverk&auml;ufer und produktiver Kapitalist fungiert, durch seine T&auml;tigkeit also den Kreislauf vermittelt. Erleidet der gesellschaftliche Kapitalwert eine Wertrevolution, so kann es vorkommen, da&szlig; sein individuelles Kapital ihr erliegt und untergeht, weil es die Bedingung dieser Wertbewegung nicht erf&uuml;llen kann. Je akuter und h&auml;ufiger die Wertrevolutionen werden, desto mehr macht sich die automatische, mit der Gewalt eines elementaren Naturprozesses wirkende Bewegung des verselbst&auml;ndigten Werts geltend gegen&uuml;ber der Voraussicht und Berechnung des einzelnen Kapitalisten, desto mehr wird der Lauf der normalen Produktion untertan der anormalen Spekulation, desto gr&ouml;&szlig;er wird die Gefahr f&uuml;r die Existenz der Einzelkapitale. Diese periodischen Wertrevolutionen best&auml;tigen also, was sie angeblich widerlegen sollen: die Verselbst&auml;ndigung, die der Wert als Kapital erf&auml;hrt und durch seine Bewegung forterh&auml;lt und versch&auml;rft. &quot;29</p>
<p>Auch aus dieser Passage ist die Dialektik von konjunktureller und struktureller Krise zu begreifen. Weiters verdeutlicht Marx Dynamisierung und Beschleunigung der Produktivkraftentwicklung, die ja auf der stofflichen Seite sich komplement&auml;r zur Entwicklung des Werts verhalten. Ebenso antizipiert er hier die Flucht in die Spekulation und ins fiktive Kapital. Die Kapitalherrschaft gelangt dann an ihre Grenzen, wenn sich der Wert nicht mehr verwerten l&auml;&szlig;t, wenn die Revolutionen des Werts ihn tendenziell gegen Null dr&uuml;cken. Die Todeskrise des Kapitals ist so identisch mit der finalen Krise des Werts.</p>
<p><strong>Krise? Niemals!</strong></p>
<p>&quot;Das Gesch&auml;ft ist immer kerngesund und die Kampagne im gedeihlichen Fortgang, bis auf einmal der Zusammenbruch erfolgt. &quot;30 H&ouml;rt man das Wort &quot;Zusammenbruch&quot;, meinen viele sich lustig machen zu m&uuml;ssen: Das sei schon so oft &quot;prophezeit&quot; worden, und nie habe es gestimmt. So werden nicht wenige, die es subjektiv nicht sind, zu objektiven Apologeten der Marktwirtschaft. Von der Stabilit&auml;t des Kapitals sind sie mehr &uuml;berzeugt als etwa die Spekulanten selbst, man denke hier nur an die Warnungen eines George Soros. Jede Drangsalierung und jedes Ungl&uuml;ck wird heutzutage zu einer Chance umdefiniert. Volkswirtschaftliche Erfolgsziffern, Werbesendungen und Lifestyle-Magazine fiktionalisieren eine andere Welt, als die, die ist.</p>
<p>Gesellschaftskritik betreibt der Gro&szlig;teil ohne &Ouml;konomiekritik, und jener Teil, der die &Ouml;konomie zum Gegenstand erkoren hat, veranstaltet das in betriebsblinder Manier der Experten. Gew&ouml;hnlich kommt diese Richtung &uuml;ber einen linken Abklatsch der Volkswirtschaft, meist einen etwas auffrisierten Keynesianismus nicht hinaus. Nicht die Kritik der politischen &Ouml;konomie ist ihr Anliegen, sondern das Gesch&auml;ft des politischen &Ouml;konomen.</p>
<p>Da&szlig; wir gegenw&auml;rtig bereits in einer Desintegrationsphase leben, nicht mehr in einer Integrationsphase, wie es Kolonialismus, Imperialismus und Fordismus darstellten, aber woher denn? W&auml;hrend einerseits die Mehrheit der Menschheit unter katastrophalen Zust&auml;nden vegetiert, und andererseits das Kapital und seine Apologeten unabl&auml;ssig das M&auml;rchen der weltweiten Modernisierung hin zu <em>freedom and democracy</em> predigen, bem&uuml;ht sich die Restlinke bis zur letzten Selbstdem&uuml;tigung, das Schlimmste zu verhindern. Je &ouml;fter sie in ihren Abwehrk&auml;mpfen geschlagen werden, desto mehr steigt der Glauben an die Unendlichkeit des Kapitals. It&#8217;s a never ending story, die einzige gro&szlig;e Erz&auml;hlung, die geduldet wird, weil sie nichts neben sich duldet.</p>
<p>Was Fidel Castro &uuml;ber Nordamerika sagt, das trifft auch auf Westeuropa zu: &quot;Alle Welt spricht von einer internationalen Finanzkrise. Die einzigen, die noch nichts dar&uuml;ber erfahren haben, sind die nordamerikanischen B&uuml;rger. Sie haben mehr denn je ausgegeben und schreiben bereits rote Zahlen. Doch das macht nichts. Ihre transnationalen Konzerne investieren das Geld der anderen. Da der Binnenmarkt gro&szlig; ist und hier mehr ausgegeben wird, h&auml;lt sich die Wirtschaft anscheinend gut, wenngleich die Gewinne der Konzerne gesunken sind. Mega-Fusionen, Euphorie: Die Aktienpreise steigen erneut. Noch einmal wird russisches Roulette gespielt. Die Theoretiker des Systems haben den Stein der Weisen entdeckt. S&auml;mtliche Zug&auml;nge werden &uuml;berwacht, damit keine den Traum st&ouml;renden Gespenster eindringen k&ouml;nnen. Schon wird das Unm&ouml;gliche m&ouml;glich. Krise? Niemals! &quot;31</p>
<p><strong>Apokalypseblindheit</strong></p>
<p>Was heute auff&auml;llt, das ist diese v&ouml;llige &quot;Apokalypseblindheit&quot; (G&uuml;nther Anders) der metropolitanen Linken. Sie sind vom positiven Denken durch und durch angesteckt. Vieles mag an ihm schlecht sein, aber der Kapitalismus, der funktioniert. Je wilder er wird, desto mehr wird nach Z&auml;hmung geschrien. Allerdings: Kein Domestizierer, der in seiner Funktion nicht alsbald zum Domestiken wird. Zentrales Instrument bleibt der politische Kampf, der als neutrales Feld &ouml;ffentlicher Kommunikation ein Revival nach dem anderen erlebt. Die allerd&uuml;mmste Formel lautet, und keine Sozialdemo ist frei von ihr: &quot;Geld ist genug da! &quot;</p>
<p>Da&szlig; wir heute in einigen Gebieten der Welt bereits von einer sekund&auml;ren Barbarisierung sprechen m&uuml;ssen, wo eigentlich niemand sagen kann, wie es weitergehen kann, scheint au&szlig;er der Caritas und anderen Samariterb&uuml;nden kaum jemanden zu st&ouml;ren. Je nach Bedarf werden brutalisierte russische Soldaten oder moslemische Terrorkommandos vorgef&uuml;hrt, soda&szlig; die b&uuml;rgerliche Seele sich vor lauter Abscheu nur abwenden kann. Je nach politischer &quot;N&uuml;tzlichkeit&quot; werden die einen gegen die anderen unterst&uuml;tzt, auch wenn die freiheitliche Seele am liebsten beide Kriegsparteien wegputzen m&ouml;chte. Bewaffnet werden selbstverst&auml;ndlich beide. Gesch&auml;ft bleibt Gesch&auml;ft.</p>
<p>Ob es gegen den russischen B&auml;ren geht oder gegen islamische Banditen, ist eine Frage des Kalk&uuml;ls. Freund und Feind sind billige Konstruktionen. Ein paar beliebige Aspekte, schon sind sie definiert. Da&szlig; man aber auch in altlinker Manie meint, Partei ergreifen zu k&ouml;nnen, ja zu m&uuml;ssen, anstatt gegen die falschen und elendiglichen Fronten zu mobilisieren, scheint in der Restlinken immer noch Konsens zu sein.</p>
<p>&quot;Es gibt nicht die geringste Vorstellung, wie die Probleme der Dritten Welt zu l&ouml;sen sind. &quot;32 Eigentlich sind die ja auch selber schuld. Das mediale Bild, das vermittelt wird, ist eines, das suggeriert, da&szlig; die Menschen es dort nicht besser verdient haben, ja es sich bei denen um niedrigere Exemplare der Gattung handeln mu&szlig;, um Minder<em>wertige</em> also, die der in letzter Zeit oft beschworenen <em>Werte</em>gemeinschaft nicht angeh&ouml;ren k&ouml;nnen. Das mu&szlig; gar nicht ausgesprochen werden, um es wahrzunehmen. Der freiheitlich-demokratische Begriff der Wertegmeinschaft ist ein rassistischer. Der Rassismus der wei&szlig;en Herren vertr&auml;gt au&szlig;er den eigenen und den zugelassenen Grobheiten keine. Im Sinne der Menschenrechte m&ouml;chte er das auch klarstellen. &Uuml;berall dort, wo er das kann, und wenig Gegenwehr zu erwarten ist, tut er das auch.</p>
<p>Da&szlig; es in Grosny oder Tirana so werden kann wie in Mailand oder M&uuml;nchen, l&auml;&szlig;t man die Marktwirtschaft nur machen, kann doch niemand ernsthaft annehmen. Da ist wohl eher davon auszugehen, da&szlig; auf Zeit kriminelle Akte den Lebensunterhalt besser sichern als &quot;redliche&quot; Gesch&auml;fte. Tolle Aussichten.
<ul>
<p><em>&#9;Franz Schandl ist Historiker und Publizist. </em></p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p><em>1&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band (1894), MEW, Bd. 25, S. 891. </em></p>
<p><em>2&#9;Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen &Ouml;konomie (1857/58), MEW, Bd. 42, S. 324. </em></p>
<p><em>3&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 256. </em></p>
<p><em>4&#9;Ebenda, S. 222. </em></p>
<p><em>5&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>6&#9;Ebenda, S. 223. </em></p>
<p><em>7&#9;Ebenda, S. 226. </em></p>
<p><em>8&#9;Ebenda, S. 242-250. </em></p>
<p><em>9&#9;Karl Marx, Das Kapital, Erster Band (1867), MEW, Bd. 23, S. 429. </em></p>
<p><em>10&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 229. </em></p>
<p><em>11&#9;Vgl. Ernst Lohoff, Staatskonsum und Staatsbankrott, &#8220;Marxistische Kritik&#8221; Nr. 6/89, S. 43-45. Vgl. weiters: Robert Kurz, Die Himmelfahrt des Geldes, &#8220;Krisis&#8221; 16/17 (1995), S. 51ff. </em></p>
<p><em>12&#9;Friedrich Engels in: Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 453. </em></p>
<p><em>13&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 254-255. </em></p>
<p><em>14&#9;Zur Kritik der Handys vgl. : Franz Schandl, Sie haben keines? Sie brauchen eines! , &#8220;Die Presse&#8221; 10. /11. Mai 1997, &#8220;Spectrum&#8221;, S. I-II. </em></p>
<p><em>15&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 267. </em></p>
<p><em>16&#9;Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 167-168. </em></p>
<p><em>17&#9;Ebenda, S. 247. </em></p>
<p><em>18&#9;Ebenda, S. 618. </em></p>
<p><em>19&#9;Dennis Meadows/Donella Meadows/Erich Zahn/Peter Milling, Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Reinbek bei Hamburg 1973, S. 154. </em></p>
<p><em>20&#9;Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 476. </em></p>
<p><em>21&#9;Karl Marx, Das Kapital, Zweiter Band (1885), MEW, Bd. 24, S. 464. </em></p>
<p><em>22&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 532-533. </em></p>
<p><em>23&#9;Ebenda, S. 454. </em></p>
<p><em>24&#9;Ebenda. </em></p>
<p><em>25&#9;Karl Marx, Theorien &uuml;ber den Mehrwert, MEW, Bd. 26.2, S. 510. </em></p>
<p><em>26&#9;Ebenda, S. 511. </em></p>
<p><em>27&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 260. </em></p>
<p><em>28&#9;Ebenda, S. 274. </em></p>
<p><em>29&#9;Karl Marx, Das Kapital, Zweiter Band, MEW, Bd. 24, S. 109. </em></p>
<p><em>30&#9;Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, S. 502. </em></p>
<p><em>31&#9;Fidel Castro, Katastrophe Weltmarkt. Ausz&uuml;ge aus der Rede zum 40. Jahrestag der Revolution am 1. Januar 1999, &#8220;Konkret&#8221; 1/2000, </em>S. 11.</p>
<p>32&#9;Ebenda. </ul>
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		<title>&#8220;Globalisierung&#8221;: Der Imperialismus als Sachzwang</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jan 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Auinger; Herbert]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 2000-1]]></category>

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Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
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<p><em>von Herbert Auinger </em> <span id="more-847"></span></p>
<p>Die Schwierigkeit bei diesem Thema besteht darin, da&szlig; falsche Vorstellungen, Ideologien, interessiert ausgeschlachtete Tatsachen und Hinweise auf die wirkliche Sache ziemlich begriffslos durcheinander geworfen werden.</p>
<p>Zuerst soll deswegen das Schlagwort &quot;Globalisierung&quot; mehr von der ideologischen Seite her rezensiert werden, und dann folgen ein paar Anmerkungen zur Sache, zum polit-&ouml;konomischen Inhalt.</p>
<p><strong>Eine Neuerung im Verh&auml;ltnis von Staat und Kapital? </strong></p>
<p>Grunds&auml;tzlich soll man sich unter &quot;Globalisierung&quot; vorstellen, die Marktwirtschaft, der weltweite Kapitalismus habe sich enorm ver&auml;ndert. Fragt man, worin sich der Kapitalismus ver&auml;ndert habe, sind die Ausk&uuml;nfte im Ton dramatisch, inhaltlich aber einigerma&szlig;en d&uuml;rr. So ziemlich jeder Globalisierungstheoretiker f&auml;ngt damit an, da&szlig; wir es neuerdings mit dem Weltmarkt zu tun haben &#8212; blo&szlig; bev&ouml;lkern den seit Jahrzehnten dieselben Figuren: Warenexporteure und -importeure, Kapitalexporteure und -importeure, das internationale Finanzkapital, und nat&uuml;rlich die Staaten, zwischen denen das Gesch&auml;ft l&auml;uft und als deren Handels- und Zahlungsbilanzen es verbucht wird. Da ist nichts Neues hinzugekommen. Dramatisch wird es, wenn Globalisierungstheoretiker auf ihre Entdeckungen hinweisen: Das alles ist viel mehr und viel gr&ouml;&szlig;er geworden. Es sind jetzt riesige Kapitalmassen unterwegs, die bewegen sich in Sekundenschnelle, nicht blo&szlig; innerhalb eines Marktes, sondern durch die ganze Welt. Das l&auml;&szlig;t &quot;die M&auml;rkte zusammenr&uuml;cken&quot;, es entsteht ein &quot;globales Dorf&quot; &#8212; und am Schlu&szlig; ist die &quot;&Ouml;konomie internationalisiert&quot; und der Noch-Immer-Nationalstaat deswegen &quot;zur Ohnmacht verurteilt&quot;.</p>
<p>Es ist zu fragen, worin das Problem liegen soll. Hat man nicht immer erz&auml;hlt, Wachstum w&auml;re das Entscheidende beim Kapitalismus, und f&uuml;r dieses Wachstum sei die Freiheit des Welthandels unabdingbar, &quot;offene M&auml;rkte&quot;, auch sichere Transportwege, bessere Kommunikationsmittel und schnellere Informations&uuml;bermittlung? Jetzt ist der Weltmarkt dauernd gewachsen, der fr&uuml;here Ostblock und China geh&ouml;ren dazu, der Kapitalismus war und ist also erfolgreich &#8212; und dar&uuml;ber soll alles irgendwie anders geworden sein? Durchaus, behaupten Globalisierungstheoretiker, und mit der &quot;Entmachtung des Nationalstaates&quot; geben sie an, worauf sie hinauswollen: Das riesige internationale Kapital macht es dem Staat schwer. Er mu&szlig; etliches unternehmen, Kapital anzulocken bzw. es bei sich zu behalten. Es ist nicht mehr selbstverst&auml;ndlich, da&szlig; ein &quot;nationales&quot; Kapital im jeweiligen Staat prosperiert, von diesem seinem Standort erst einmal auch abh&auml;ngig ist und dann auf Basis seiner heimatlichen Erfolge au&szlig;erhalb Gesch&auml;ftsgelegenheiten wahrnimmt &#8212; sondern es agiert von vornherein weltweit. Kapital erscheint in diesen Bildern wie eine anonyme Macht, der jeder Staat unterworfen ist, eine Macht, die ihn zur Ohnmacht verurteilt. Das ist aber in der Regel nur die erste H&auml;lfte dieser Botschaften, im n&auml;chsten Moment ist es mit dieser staatlichen Ohnmacht nicht mehr so weit her: Da soll der Staat mit all seiner Macht die &quot;Herausforderung der Globalisierung&quot; durchaus meistern. Er soll sich keineswegs auf den Standpunkt stellen, da&szlig; das neuerdings nun einmal so sei mit dem Kapitalismus und &quot;als Nationalstaat&quot; dann eben abdanken. Seine Macht nach innen soll er nutzen, und das tut er in der Regel nicht zu knapp. Unter dem Titel &quot;Globalisierung&quot; macht er sich daran, seine Gesellschaft umzuw&auml;lzen. Die Folgen sind bekannt und ziemlich ungem&uuml;tlich: Das nationale Lohnniveau wird umfassend gesenkt; die Pensionen gehen runter; die Gesundheit wird teurer, mehr (&Ouml;ko! )Steuern sind zu zahlen usw. usf. &#8212; und bei allem kommt heraus, da&szlig; die Arbeitslosigkeit w&auml;chst und noch weiter wachsen wird. Subventionen, Steuererleichterungen, im EU-Verbund ein k&auml;mpferisches Auftreten in der Welthandelsorganisation WTO gegen die USA erg&auml;nzen die Verbilligung des &quot;Faktors&quot; Arbeit um die direkte Unterst&uuml;tzung des kostbaren Kapitals.</p>
<p>Mit dem Kampfruf &quot;Globalisierung&quot; legen Staaten ein Bekenntnis zur weltweiten Freiheit des Kapitals ab. Einerseits tut jeder Staat so, als w&auml;re er diesem Kapital blo&szlig; unterworfen, als w&uuml;rde ihm dieses Ma&szlig;nahmen aufzwingen. Andererseits liegt es dann doch wieder bei ihm, da&szlig; und welche Ma&szlig;nahmen er ergreift, um in der &quot;Globalisierung&quot; zu bestehen, um sich in der Konkurrenz der Nationen durchzusetzen. Diese Entscheidung &uuml;berl&auml;&szlig;t kein Staat dem freien Wirken des Kapitals, dem gnadenlos unparteiischen und gerechten Urteil &quot;der M&auml;rkte&quot;; vielmehr greift er massiv ein, und der Weltmarkt ist bev&ouml;lkert von lauter solchen Nationalstaaten, die f&uuml;r sich und gegeneinander ihren Erfolg suchen. Diese Konkurrenz der Nationen dreht sich nat&uuml;rlich nicht darum, wer dem Volk am meisten bieten kann, wo es den Leuten am besten geht &#8212; diese Idee h&auml;lt der moderne Mensch eher f&uuml;r abseitig &#8212;, sondern wer den gr&ouml;&szlig;ten Kapitalerfolg vorweisen kann. F&uuml;r diesen Erfolg wird das Volk als Mittel eingespannt. Seine Billigkeit und seine Anspruchslosigkeit ist verlangt und wird erzwungen. Unter dem Schlagwort &quot;Globalisierung&quot; wird das Volk kritisiert. Es hat sich viel zu gem&uuml;tlich eingerichtet, es ist verw&ouml;hnt, es hat sich an &quot;Besitzst&auml;nde&quot; und &quot;wohlerworbene Rechte&quot; gew&ouml;hnt, die abgeschafft werden m&uuml;ssen &#8212; da&szlig; nicht der Besitz der wirklich Besitzenden gemeint ist, sollte klar sein. Das Volk hat seine Nation in Schwierigkeiten gebracht, und das mu&szlig; gr&uuml;ndlich ge&auml;ndert werden &#8212; daf&uuml;r stehen ber&uuml;hmte Schlagworte wie &quot;Verkrustung&quot;, &quot;Erstarrung&quot;, &quot;Reformstau&quot; bzw. &quot;Modernisierung&quot;. Gleichzeitig wird manchmal der Eindruck erweckt, da&szlig; das letztlich alles nur &quot;f&uuml;r uns&quot; unternommen w&uuml;rde, irgendwann und irgendwie sollte es sich auszahlen. Wenn &quot;wir&quot; erst einmal die Konkurrenz auf dem Weltmarkt gewonnen haben &#8230; Eine glatte L&uuml;ge: Als Mittel in der Konkurrenz der Nationen benutzt zu werden, schlie&szlig;t nun einmal das eigene Wohlergehen aus. Au&szlig;erdem wird diese L&uuml;ge zunehmend von ihren Erfindern aus dem Verkehr gezogen, und durch den Hinweis erg&auml;nzt bzw. ersetzt, da&szlig; die Lage nun einmal so sei, und es zum Bestehen unter den Bedingungen der globalisierten Wirtschaft ohnehin keine Alternative gibt, koste es die normalen Menschen, was es wolle.</p>
<p>Nach dieser Seite handelt es sich bei &quot;Globalisierung&quot; um eine Sachzwang-Ideologie. Der Staat gibt vor, ihm w&auml;re sein Handeln von au&szlig;en vorgeschrieben, er w&auml;re ein Getriebener fremder M&auml;chte und M&auml;rkte. Dabei existiert diese &quot;Abh&auml;ngigkeit&quot; vom &quot;internationalen Finanzkapital&quot; nur, insofern jeder Staat l&auml;ngst bei sich daf&uuml;r gesorgt hat, da&szlig; es um das Wachstum des Kapitals zu gehen hat. Jeder Kapitalismus ist ein nationalstaatliches, ein politisches Projekt, das kann man auch den &ouml;stlichen &quot;Reformstaaten&quot; entnehmen, wo keine Kapitalistenklasse eine Revolution gemacht hat, sondern wo die politischen Instanzen mit ihrer eigenen &quot;Planung und Leitung&quot; unzufrieden waren und das &#8212; bei der Ausbeutung! &#8212; zweifellos &uuml;berlegene westliche System einf&uuml;hren wollten. Die mit &quot;Globalisierung&quot; skizzierte staatliche Ohnmacht ist blo&szlig; der Auftakt dazu, machtvoll das Volk mit Zumutungen zu &uuml;berziehen. &quot;Globalisierung&quot; fordert zwingend Schlechterstellung, daran f&uuml;hrt ab sofort kein Weg mehr vorbei. R&uuml;ckblickend wird die Existenz, die ein hiesiger Lohnarbeiter und seine Familie fr&uuml;her hatten, richtiggehend verkl&auml;rt, zu einem halben Paradies auf Erden. Ein Leben lang mit der Arbeit oder der Arbeitslosigkeit zurechtkommen und sich das immer knappe Geld einteilen m&uuml;ssen, dabei sich mit einer strapazierten Gesundheit herumschlagen &#8212; das ist das H&ouml;chste, was sich der Normalmensch erwarten kann in diesem System. Und das ist heutzutage zuviel des Guten, behauptet &quot;Globalisierung&quot;, das kann sich unsere tolle Marktwirtschaft nicht mehr erlauben. Auf ihre Weise stellen auch Globalisierungstheoretiker klar, da&szlig; dieses System und das Wohlergehen der Normalmenschen in Widerspruch stehen.</p>
<p><strong>Eine Bedrohung durch die Spekulation auf Habenichtse? </strong></p>
<p>Die W&auml;hrungs- und Finanzkrise in S&uuml;dostasien vor zwei Jahren steht prototypisch f&uuml;r die ausgemalten &quot;Gefahren der Globalisierung&quot;; sie hat dieses Schlagwort dann auch m&auml;chtig popularisiert. Diese Krise hat in der Tat in den imperialistischen &quot;Zentren&quot; einige Sorge hervorgerufen. Da&szlig; die Staaten dort unten Probleme haben, ist eine Sache &#8212; wenn aber die Banken aus den Metropolen des Kapitalismus in Schwierigkeiten kommen, dann ist wom&ouml;glich das Ganze Weltfinanzsystem gef&auml;hrdet, dann geht wom&ouml;glich der weltumspannende internationale Kredit den Bach hinunter. Also haben die kapitalistischen F&uuml;hrungsstaaten, die &quot;G-7&quot;, Handlungsbedarf gesehen. Sie unterhalten l&auml;ngst eine gemeinsame W&auml;hrungs- und Kreditbeh&ouml;rde, den IWF, der erhielt wieder einmal einen Auftrag. Er sollte den bankrotten s&uuml;dostasiatischen Staaten neuen Kredit gew&auml;hren. Manchmal wird so getan, als ob diesen Staaten vom IWF &quot;geholfen&quot; wird, aber das &quot;entlarvt&quot; sogar die normale &Ouml;ffentlichkeit. Diese Staaten bekommen Kredit nur unter den ber&uuml;chtigten IWF-Auflagen. Mit diesem Kredit ihrer Wirtschaft helfen d&uuml;rfen sie nicht; der Kredit ist daf&uuml;r reserviert, ihre Auslandsschulden zu bedienen. Der IWF und seine Auftraggeber wollen, da&szlig; die Kapitalflucht nicht zu dramatisch ausf&auml;llt, denn das w&uuml;rde zu immer n Verlusten f&uuml;hren. Wenn aber die internationalen Anleger sehen, da&szlig; ihre Kredite weiter bedient werden, via IWF-Zusch&uuml;sse, dann fassen sie neues Vertrauen, dadurch werden diese Kredite wieder sicherer und Verluste werden hoffentlich vermieden. Das hat Kritik hervorgerufen, in der &Ouml;ffentlichkeit, sogar in den Parlamenten: Spekulanten schieben ihre Gelder in der ganzen Welt herum, das Ganze ist hochriskant, und wenn sie dabei vom Bankrott bedroht sind, erwarten sie wie selbstverst&auml;ndlich, da&szlig; ihnen die Staaten &#8212; manchmal auch &quot;die Steuerzahler&quot; genannt &#8212; ihre Verluste ersetzen. Sie erpressen also die Staaten und seien keine ordentlichen Kapitalisten, denn die tragen bekanntlich &#8212; h&ouml;rt man immer wieder &#8212; ihr finanzielles Risiko selber, im Unterschied zum &quot;Arbeitnehmer&quot;, der ohne solche Sorgen fr&ouml;hlich in den Tag lebt &#8230; Die Frage, die also bei solchen Anl&auml;ssen aufkommt, besteht darin, ob Spekulanten das d&uuml;rfen, oder ob ihr &quot;unverantwortliches&quot; Verhalten nicht beschr&auml;nkt werden sollte. Die korrekte Antwort lautet, da&szlig; Spekulanten das d&uuml;rfen und sollen, weil die kapitalistischen F&uuml;hrungsstaaten ihr Verhalten nicht als unverantwortlich ansehen, sie vielmehr dazu erm&auml;chtigt haben, die Voraussetzungen daf&uuml;r geschaffen haben. Unter anderem durch die &quot;Konvertibilit&auml;t&quot; der W&auml;hrungen.</p>
<p><strong>Globalisierung praktisch: Konvertibilit&auml;t</strong></p>
<p>Damit ist zun&auml;chst die freie Umtauschbarkeit der W&auml;hrungen gemeint, und das ist keine Selbstverst&auml;ndlichkeit. Jeder Staat produziert bekanntlich sein eigenes Geld. Dieses Geld stellt f&uuml;r jeden B&uuml;rger verbindlich den Reichtum seiner Nation dar, und in diesem Geld wird die Vermehrung des Reichtums gemessen. Alles Wirtschaften mu&szlig; sich in eine Geldsumme verwandeln und erfolgreich war das Wirtschaften nur, wenn die im Verkauf erzielte Geldsumme gr&ouml;&szlig;er ist als die f&uuml;r die Herstellung des Produkts vorgeschossene Geldsumme. Dieses Wirtschaften findet nicht nur innerhalb der eigenen Grenzen statt, die Kapitalisten agieren grenz&uuml;berschreitend: Sie wollen und sollen am Reichtum anderer Nationen mitverdienen. Das wirft das Problem auf, in welchem Geld diese K&auml;ufe und Verk&auml;ufe abgewickelt werden sollen. Wenn die Firmen Magna, Steyr oder Chrysler Produkte im Ausland verkaufen, lassen sie sich in Dollar, D-Mark und bald in Euro bezahlen; genommen werden noch Franken, englische Pfund und ein paar W&auml;hrungen; was ist, wenn nach Bolivien oder &Auml;gypten geliefert wird? Wird der bolivianische Peso oder das &auml;gyptische Pfund akzeptiert? Nat&uuml;rlich nicht &#8212; auch von solchen K&auml;ufern wird &quot;echtes Geld&quot; verlangt. Es gibt zirka 150 Staaten, von denen fast jeder seine eigene W&auml;hrung hat &#8212; aber nur ganz wenige Gelder z&auml;hlen auf dem Weltmarkt wirklich. Wirkliches Geld ist nur eines, das international verwendet werden kann, das also den Sprung &uuml;ber die eigenen Grenzen geschafft hat. Es existiert damit eine sehr grunds&auml;tzliche Scheidung der Staatenwelt und ein kleines R&auml;tsel: Nur wenige Staaten verf&uuml;gen &uuml;ber international taugliches, in diesem Sinn echtes Geld &#8212; aber alle sind in den Welthandel eingespannt.</p>
<p>Der Gesch&auml;ftsverkehr zwischen den Kapitalisten zweier Nationen ist einfach, wenn in Gold bezahlt wird. Jede W&auml;hrung hat einen Goldkurs und &uuml;berall gilt Gold als Reichtum, mit Gold wird aber nicht mehr bezahlt. Die Staaten haben im Inneren das Gold als Zahlungsmittel au&szlig;er Kraft gesetzt, statt dessen zirkulieren Banknoten, gesetzliche Zahlungsmittel, und alles dreht sich um deren Erwerb. Damit die Kapitalisten zweier Nationen miteinander verkehren k&ouml;nnen, m&uuml;ssen sich die Staaten eine Art von Vertrauensvorschu&szlig; erweisen: Sie m&uuml;ssen wechselseitig ihre nationalen gesetzlichen Zahlungsmittel als international g&uuml;ltige anerkennen. Sie tun so, als w&auml;ren all diese Gelder gelungene und gleichberechtigte Darstellungen und Mittel der Reichtumsvermehrung. Das hei&szlig;t &quot;Konvertibilit&auml;t&quot;. Es g&auml;be keinen modernen internationalen Handel, keinen Weltmarkt, h&auml;tten sich nicht die Staaten darauf geeinigt, da&szlig; ihre Gelder, die ihrer Hoheit unterliegen, ineinander aufgehen k&ouml;nnen. Jeder Staat will damit seinen Kapitalisten mit ihrem daheim verdienten nationalen Geld den Zugriff auf den ausw&auml;rtigen Reichtum erm&ouml;glichen, ihnen die ganze Welt &quot;&ouml;ffnen&quot;, sie sollen auf dem Weltmarkt verdienen k&ouml;nnen, um auch so den nationalen Reichtum zu vermehren &#8212; daf&uuml;r mu&szlig; der Staat umgekehrt den ausw&auml;rtigen Kapitalisten dieselbe M&ouml;glichkeit bei sich einr&auml;umen. Staaten mit ihren National&ouml;konomien konkurrieren um den weltweiten Reichtum &#8212; sie machen ihre W&auml;hrungen untereinander konvertibel, um sich jeweils an den anderen bereichern zu k&ouml;nnen. Die Staaten agieren auf dem Weltmarkt nach dem Muster von Privateigent&uuml;mern; sie konkurrieren, was bedeutet, sie schlie&szlig;en einander auch aus. Das Resultat ist bekannt: Der Handel zwischen den Staaten gleicht sich nicht aus, es gibt Gewinner und Verlierer. Die Reichtumsproduktion der Verlierer ist unterlegen, also repr&auml;sentiert auch ihr Geld bald weniger Reichtum. Im Au&szlig;enhandel merken sie das, indem sie f&uuml;r die W&auml;hrung eines Gewinnerstaates immer mehr vom eigenen Geld hinlegen m&uuml;ssen, bzw. indem die &quot;weiche&quot; W&auml;hrung gar nicht mehr genommen wird. F&uuml;r den Gewinnerstaat hei&szlig;t das auch, da&szlig; das Geld, das er beim unterlegenen Staat verdient, f&uuml;r ihn immer weniger wert ist, es ist einer kontinuierlichen Abwertung unterworfen. Das ist durchaus f&uuml;r beide Staaten ein Problem. Allerdings erst, wenn dieser Zustand sich als dauerhafter herausstellt. F&uuml;r zwischenzeitliche Schwankungen gibt es einen Staatsschatz, damit der internationale Handel funktioniert. Dieser &quot;Schatz&quot; besteht heutzutage aus Devisen, also aus den W&auml;hrungen anderer Staaten; Gold findet sich auch darin. Devisen bekommt ein Staat, wenn seine Kapitalisten im Ausland verdienen und das verdiente Geld bei ihm in die heimische W&auml;hrung umtauschen &#8212; seine Devisenreserven stellen also einen Konkurrenzerfolg dar. Andererseits mu&szlig; er seinen Kapitalisten, wenn sie im Ausland kaufen wollen, die eigene W&auml;hrung in die fremde umtauschen. Ausl&auml;ndischen Kapitalisten wiederum, die bei ihm verdient haben, mu&szlig; er ebenfalls die eigene W&auml;hrung in ihre heimische umtauschen k&ouml;nnen.</p>
<p>Zum Problem wird die Sache, wenn ein Staat mit seiner Wirtschaft immerzu unterlegen ist, dann braucht er seinen Schatz auf, die Abfl&uuml;sse sind immer gr&ouml;&szlig;er als die Zufl&uuml;sse. Mit dem Geld, das er sich selber druckt, kann er nicht bezahlen, weil das immer wertloser und immer weniger akzeptiert wird. Die Annahme liegt nahe, da&szlig; damit auch Schlu&szlig; mit der Konvertibilit&auml;t ist, bzw. zumindest das faktische Austauschen entf&auml;llt, wenn eine W&auml;hrung international nicht mehr genommen wird &#8212; und das war fr&uuml;her durchaus so. Wenn die Devisen weg waren, mu&szlig;te mit Gold bezahlt werden, wenn dieses Gold zur Neige ging, wurde der Handel eingeschr&auml;nkt und sogar abgebrochen. Der Weltmarkt wurde er&ouml;ffnet und wieder unterbrochen bzw. zur&uuml;ckgefahren. Die moderne Konvertibilit&auml;t l&auml;&szlig;t das nicht zu. Seit dem Zweiten Weltkrieg, nachdem die USA ihre Weltwirtschaftsordnung eingerichtet haben, stellt Konvertibilit&auml;t den Zwang zum Weitermachen dar. Einerseits treten sich nationale Gelder formell gleichberechtigt gegen&uuml;ber, es stellt sich dar&uuml;ber heraus, da&szlig; die allermeisten Gelder verlieren, schlie&szlig;lich ruiniert sind, aber die Staaten, die diese Gelder produzieren, fallen nicht aus dem Weltmarkt heraus. Die Gewinnerstaaten erlauben das nicht. Den Zwang zum Weitermachen etablieren sie, indem sie die ganze Welt mit ihrem Kredit &uuml;berziehen, was mit einer Hilfe f&uuml;r die unterlegenen Staaten nicht zu verwechseln ist.</p>
<p><strong>Geld und National-Kredit</strong></p>
<p>Jede moderne kapitalistische &Ouml;konomie beginnt mit Geld in Form von Zentralbanknoten. Diese Geld-Zettel &uuml;ben einen handfesten Zwang aus, weil hinter ihnen die Staatsgewalt steht. Die Staatsmacht verpflichtet ihre Untertanen darauf, da&szlig; sich jede &ouml;konomische T&auml;tigkeit auf den Erwerb dieses Geldes richtet. Sie sind &quot;gesetzliches Zahlungsmittel&quot; &#8212; alles, was man zum Leben und zum Produzieren braucht, setzt den Besitz dieser Zettel voraus. Sie sind der gesellschaftliche Reichtum. Sie stellen Wert dar, denn mit ihnen, aber auch nur mit ihnen kommt man an die Waren heran, die den Kapitalismus bev&ouml;lkern; umgekehrt mu&szlig; sich jede &ouml;konomische T&auml;tigkeit, will sie als solche gelten, in Geld niederschlagen &#8212; ein Produkt, f&uuml;r das man nicht Geld bekommt, ist wertlos, Arbeitskraft, die keinen K&auml;ufer findet, ern&auml;hrt ihren Besitzer nicht. Vermehrung des Reichtums &#8212; in privater Hand als auch f&uuml;r die ganze Nation &#8212; liegt nur vor, wenn sich dieses Geld vermehrt. Aber nicht, indem der Staat einfach mehr davon druckt; wie jeder wei&szlig;, verliert es dann seinen Wert. Das Geld mu&szlig; von Privatleuten in eine Produktion gesteckt werden, dabei m&uuml;ssen Produktionsmittel und menschliche Arbeit kombiniert werden. Geld und Eigentum haben diese zwei Bestandteile sehr gr&uuml;ndlich geschieden, deswegen m&uuml;ssen sie immer neu kombiniert werden: Es gibt die Geldbesitzer, die &uuml;ber die Produktionsmittel verf&uuml;gen, und andere, die ihre Arbeitskraft, also etliche Stunden am Tag sich selbst verkaufen m&uuml;ssen, weil sie sonst nichts haben. Weil sie arbeiten, reicht ihr Geld nie &#8212; weswegen sie lebenslang arbeiten m&uuml;ssen. Der Geldbesitzer hingegen, der Produktionsmittel und Arbeit kombiniert, hat daraus einen Ertrag. Egal, welche komischen Ideen im Zeitalter der &quot;Finanzdienstleistungen&quot; und &quot;Derivate&quot; &uuml;ber das Geld in der Welt herumlaufen, die elementare Bestimmung des Geldes ist: Geld ist Zugriff auf fremde Arbeit &#8212; und diese Arbeit vermehrt wieder das Geld dessen, der zugreift. Der Einwand, Geldbesitzer k&ouml;nnten auch scheitern und ihr Geld verlieren, z&auml;hlt nicht. Das hei&szlig;t nur, da&szlig; andere aus derselben Klasse effizienter auf Arbeit zugegriffen und damit in der Konkurrenz gewonnen haben.</p>
<p>Das Geld kommt in die Gesellschaft, nachdem der Staat es gedruckt hat, aber er verteilt es nat&uuml;rlich nicht an der Stra&szlig;enecke. Dieses wertvolle Gut vertraut er Fachleuten an, die in den Banken sitzen. Banken sind die &ouml;konomischen Agenturen im Kapitalismus, die am genauesten beurteilen k&ouml;nnen, wo Geld zum Zwecke der Vermehrung am besten angelegt ist; sie sind das innere Band im gesamten kapitalistischen Gesch&auml;ftsverkehr. Das f&auml;ngt damit an, da&szlig; sie Geld&uuml;bersch&uuml;sse, die im Kapitalkreislauf entstehen, aufbewahren und verzinsen &#8212; die Spargroschen des kleinen Mannes nehmen sie auch gern entgegen; dann vermitteln sie den gesellschaftlichen Zahlungsverkehr; und schlie&szlig;lich &#8212; ihre bedeutendste Leistung &#8212; w&auml;re ohne sie die best&auml;ndige Ausdehnung des Gesch&auml;fts nicht m&ouml;glich. Sie geben den Industriellen und den Handelskapitalisten Kredit, und der ist unentbehrlich f&uuml;r das Wachstum des Kapitals. Zum einen sorgt er daf&uuml;r, da&szlig; ein Unternehmen sich von seiner momentanen Liquidit&auml;t unabh&auml;ngig machen kann &#8212; eine Stockung im laufenden Gesch&auml;ftsverkehr, blo&szlig; weil Einnahmen und Ausgaben aktuell nicht zusammenpassen, wird verhindert. Zum anderen kann man mit einem Kredit sein Gesch&auml;ft erweitern, eine Investition vornehmen, ohne die Mittel dazu vorher verdient zu haben. Ein Unternehmen vergr&ouml;&szlig;ert sich mit diesem Fremdkapital, um anderen Unternehmen Marktanteile abjagen zu k&ouml;nnen &#8212; und es kann das um so besser, je mehr Kredit ihm zur Verf&uuml;gung steht.</p>
<p>Die Kritik im Zusammenhang mit den Gefahrenmomenten der &quot;Globalisierung&quot; lautet, da&szlig; heutige Spekulanten an &quot;&uuml;berhitzten B&ouml;rsen&quot; ein &quot;unverantwortliches&quot; Casino-Gehabe an den Tag legen. Blo&szlig; hat man es beim normalen, beim nicht spekulativen Kredit ebenfalls schon mit einer Spekulation zu tun! Er wird vergeben mit der Kalkulation auf einen k&uuml;nftigen, erst mit seiner Hilfe zu erwirtschaftenden Ertrag. Mit ihm soll ein neues Gesch&auml;ft &#8212; eine Produktion, ein Landkauf, ein Warenexport usw. &#8212; &uuml;berhaupt erst angesto&szlig;en werden, weil das n&ouml;tige Geld gerade nicht vorhanden ist, und aus dem k&uuml;nftigen Erfolg dieses Gesch&auml;ftes soll der Kredit bedient werden. Der Kredit erm&ouml;glicht neue Gesch&auml;fte und er ist auf sie und den Ertrag daraus angewiesen. In ihrer Kreditvergabe ist eine Bank damit abh&auml;ngig vom Gesch&auml;ftserfolg ihrer Kundschaft, und davon wird ihre Kreditvergabe dann auch wieder beschr&auml;nkt. Diese Beschr&auml;nkung hebt der Staat auf seine Weise auf, und zwar mit seiner &quot;Refinanzierung&quot; und &quot;Geldversorgung&quot;. Wenn die Bank einen Kredit vergeben hat, hat sie anschlie&szlig;end das Recht, ihre Kreditforderung, die sie gegen&uuml;ber ihrer Kundschaft hat, bei der Zentralbank einzureichen; und bekommt dort ein entsprechendes Guthaben, das sie bei Bedarf auch in Bargeld umwandeln kann. Den Abflu&szlig;, der ihr durch den Kredit entsteht, bekommt sie ersetzt &#8212; &quot;Refinanzierung&quot;. Das gesetzliche Zahlungsmittel ist das &quot;Schmiermittel&quot; einer im Prinzip grenzenlosen politisch angeleierten Kreditvergabe, das staatliche Geld ist daf&uuml;r da, diesen Kredit ausdehnen zu k&ouml;nnen.</p>
<p>Ist diese &quot;Geldversorgung&quot; nicht v&ouml;llig unsolid? Die sachgerechte Antwort darauf lautet, da&szlig; das ganz darauf ankommt. Der Staat setzt mit der Freisetzung des Kredits darauf, da&szlig; dadurch m&ouml;glichst viel profitable Gesch&auml;fte in Gang kommen. Ob die Sache nun solide oder unsolide wird, h&auml;ngt davon ab, ob die privaten Gesch&auml;ftsleute mit Hilfe dieses Kredits tats&auml;chlich Gesch&auml;fte ankurbeln, ob sie also Wachstum produzieren, ob sie Geld verdienen, aus dem sie den Kredit bezahlen k&ouml;nnen. Erst daran zeigt sich, ob der Kredit und die staatliche &quot;Geldversorgung&quot; wachstumsstiftend waren. Mit der Freisetzung des Kredits will der Staat das aber auch, er unterwirft seine Gesellschaft damit einem Auftrag: Sein gesetzliches Zahlungsmittel ist sozusagen nur vorl&auml;ufiges Geld, eine Art Vorschu&szlig;, und soll &uuml;ber Kreditvergabe und gewinnbringende Produktion zu richtigem, &quot;hartem&quot; Geld gemacht werden.</p>
<p>Das Geld kapitalistischer Nationen ist eine eigent&uuml;mliche Mischung aus einem staatlichen Druckerzeugnis, refinanziertem Kredit und echtem, kapitalistisch verdientem Geld, es wird daher st&auml;ndig auf seinen Wert begutachtet und oft angezweifelt. In der Konvertibilit&auml;t anerkennen die Staaten sich wechselseitig ihre &quot;Zettel&quot; und auch die damit gesponsorte Kreditmacherei als Geld. Dabei stellt sich heraus, da&szlig; die Gelder unterschiedlichen Wert haben; die Freisetzung des Kredits bew&auml;hrt sich in den Nationen unterschiedlich; viele Gelder werden im Ausland gar nicht mehr genommen. Im internationalen Vergleich wird herausgefunden, wo sich der nationale Kredit wirklich in Geld verwandelt hat. Die, die das herausfinden, sind die Banken, das Finanzkapital. Das sind sie national, wenn sie &uuml;ber die Vergabe von Krediten entscheiden, und international, wenn sie weltweit alle Geldanlagen vergleichen und sich quer durch die Welt darin anlegen. An ihren Anlageentscheidungen kann man ablesen, was &quot;gutes Geld&quot; ist. &quot;Globalisierung&quot; ist die weltweite Herrschaft des Kredits, weil ihn die Staaten dazu erm&auml;chtigen.</p>
<p><strong>&quot;Globalisierung&quot;: Moderner Imperialismus</strong></p>
<p>Fr&uuml;her war der Weltmarkt bekanntlich eine gewaltsame Angelegenheit. Die restliche Welt wurde von den imperialistischen Staaten erobert, Kolonien wurden eingerichtet, um Kolonien wurden Kriege gef&uuml;hrt. F&uuml;r diese l&auml;ngst &uuml;berwundenen Verfahrensweisen haben sich die Begriffe Kolonialismus und Imperialismus eingeb&uuml;rgert. Moderner Imperialismus geht anders.</p>
<p>Kapitalistische Staaten verpflichten ihre Gesellschaften auf Gelderwerb und Geldvermehrung. Diesen Zwang globalisieren sie. Sie erzwingen bzw. erlauben den freien Austausch von nationalen Geldern. In diesem Austausch stellt sich heraus, wieviel an kapitalistischer Wirtschaftskraft hinter jedem dieser Gelder steckt, was ein Geld international wert ist. In diesem Austausch vergleichen sie ihre kapitalistische Leistungskraft. Der Wert eines Geldes erweist sich in letzter und entscheidender Instanz daran, ob und wieviel Reichtum eine Nation aus dem Weltmarkt herausziehen kann, wie sehr sie sich an anderen Nationen bereichert &#8212; und das ist das glatte Gegenteil aller harmonischen Vorstellungen von &quot;internationaler Arbeitsteilung&quot;. So geht Imperialismus heute, es wirkt eine andere, fr&uuml;her h&auml;tte man gesagt &quot;strukturelle&quot; Gewalt. Der ganze Erdball ist bestimmt vom Zwang der Konkurrenz ums Geld. Sp&auml;testens seit die Sowjetunion ihre alternative Wirtschafts- und Staatsr&auml;son aufgegeben hat, und seit China sich dem Weltmarkt anschlie&szlig;en will, kann sich kein Staat diesem Zwang wirksam verschlie&szlig;en. Die nach dem Ende des Kalten Krieges gekl&auml;rte und entschiedene globale milit&auml;rische Gewaltfrage ist die Voraussetzung und bleibende Grundlage dieser globalen Weltwirtschaftsordnung. Kolonien gibt es nicht mehr, statt dessen lauter unabh&auml;ngige Staaten, die sich am Weltmarkt beteiligen m&uuml;ssen. Das ist vielen nicht gut bekommen, ihre Gelder sind ruiniert und ihr Reichtum landet auch ohne territoriale Besetzung und Kolonialstatus bei den Gewinnerstaaten.</p>
<p>Die Welt besteht aus einigen wenigen Staaten, die &uuml;ber harte W&auml;hrungen verf&uuml;gen, und dem gro&szlig;en Rest, der nichts zu melden hat. Diesen gro&szlig;en Rest machen die erfolgreichen Staaten nicht wieder zu Kolonien, sie schmei&szlig;en ihre &quot;Hinterh&ouml;fe&quot; auch nicht aus dem Weltmarkt hinaus &#8212; sie geben ihnen vielmehr Geld. Das ist die &quot;friedliche&quot;, &quot;strukturelle&quot; Gewalt, das Geld wird n&auml;mlich als Kredit gegeben. Damit befinden sie sich in der Abh&auml;ngigkeit von den imperialistischen Staaten. Ihre gesamte &ouml;konomische Leistung k&uuml;rzt sich darauf zusammen, einen st&auml;ndig wachsenden Schuldenberg zu bedienen; alles, was sie je produzieren werden, ist schon l&auml;ngst auf immer und ewig verpf&auml;ndet, sie liefern ihre Waren ab zu Preisen, die nicht sie bestimmen, sondern die Abnehmer, und die Exporterl&ouml;se geh&ouml;ren ihnen l&auml;ngst nicht mehr, wenn sie &uuml;berwiesen werden.</p>
<p>Die erfolgreichen imperialistischen Staaten konkurrieren, aber in dieser Konkurrenz h&uuml;ten sie auch eine Gemeinsamkeit: Sie achten darauf, da&szlig; das weltweite Kreditsystem als Ganzes nicht gef&auml;hrdet wird &#8212; schlie&szlig;lich ist es ihr Herrschaftsmittel. Wie man nicht nur an der Finanzkrise in S&uuml;dostasien gesehen hat, ist das Verfahren immer dasselbe: Wenn irgendwo der Kredit zu platzen droht, eine weltweite Ersch&uuml;tterung auszul&ouml;sen droht, weisen die G7-Staaten IWF und Weltbank an, die Krise zu bek&auml;mpfen. Die bewerkstelligen das, indem sie neuen Kredit schaffen. Der ersetzt den kaputtgegangenen Kredit zwar nicht vollst&auml;ndig, erm&ouml;glicht aber die teilweise Weiterbedienung der Schulden, rettet also immer wieder das Kreditsystem. Die ihnen vertraute innerstaatliche &quot;Geldversorgung&quot; betreiben diese f&uuml;hrenden Staaten eine Ebene h&ouml;her, in ihrem exklusiven Club. Vom Boden der imperialistischen Staaten geht eine globale &quot;Geldversorgung&quot; los, und es geht darum, m&ouml;glichst viel der damit angesto&szlig;enen Ertr&auml;ge an sich zu ziehen, mit &ouml;konomischen Mitteln, indem in der eigenen W&auml;hrung die meisten Gesch&auml;fte gemacht werden.</p>
<p>Der Wert der Gelder wird von denen ermittelt, die den ganzen Tag lang Geldanlagen vergleichen &#8212; von den Spekulanten. Daran, welchem Geld sie ihr Vertrauen geben und welchem sie es entziehen, kann man sehen, wie die Nationen relativ zueinander stehen &#8212; das ergibt die gel&auml;ufige Hierarchie der Nationen. Das internationale Finanzkapital ist sozusagen der Schiedsrichter. Der h&ouml;chste und abstrakteste Ma&szlig;stab ist der Wechselkurs einer W&auml;hrung &#8212; und dieser Ma&szlig;stab entscheidet &uuml;ber Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften. Das kann das Finanzkapital deswegen, weil die Staaten den Vergleich der W&auml;hrungen wollen, weil sie das Finanzkapital dazu &quot;eingesetzt&quot; und erm&auml;chtigt haben. Die &ouml;konomische Konkurrenz der imperialistischen Staaten spitzt sich zu auf die eine Frage, wer das h&auml;rteste Geld hat, wer sich das Vertrauen des internationalen Finanzkapitals auch gegen die anderen sichern kann. Dieses &quot;gegen die anderen&quot; tritt immer mehr hervor. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es nur den Dollar als internationales Geld. Seither sind vier, f&uuml;nf W&auml;hrungen dazugekommen, die sich den Weltmarkt erschlossen haben. Diese Gemeinsamkeit ist nicht &#8212; noch nicht &#8212; gebrochen, aber daneben und darunter herrscht ein erbitterter Verdr&auml;ngungswettbewerb, die &quot;Globalisierung&quot;. Sie bedeutet, die imperialistischen Staaten bekennen sich zum Weltmarkt, der ist das Feld ihrer Konkurrenz, und alles kommt darauf an, die anderen auf diesem Feld zu schlagen. &quot;Globalisierung&quot; ist der Kampf um das h&auml;rteste Geld.</p>
<p>Die europ&auml;ischen Staaten beseitigen die W&auml;hrungskonkurrenz untereinander und schlie&szlig;en sich zu einem Euro-Geld zusammen. Der Zweck wird klar benannt; damit wollen sie dem Dollar als ebenb&uuml;rtiger Konkurrent gegen&uuml;bertreten. Zugleich erweitern diese Staaten ihre Macht, indem sie sich etliche Oststaaten angliedern. F&uuml;r die Nationen nach innen bedeutet das, da&szlig; sie umgekrempelt werden, um diese &ouml;konomische Konkurrenz der Nationen zu gewinnen: Das ist &quot;Standortpolitik&quot;. Es geht um den Nachweis &#8212; auch und gerade gegen&uuml;ber den Finanzm&auml;rkten &#8212;, welche Staatsgewalt die effizientesten Produktionsbedingungen, den effizientesten Gebrauch ihres Geldes herbeiregieren kann. Staaten finden, da&szlig; der Lohn zu hoch ist, da&szlig; soziale Leistungen nur verw&ouml;hnen, da&szlig; Geld f&uuml;r die internationale Konkurrenzf&auml;higkeit des Kapitals reserviert sein soll. Das Volk hat sich vorwerfen zu lassen, da&szlig; es zuviel kostet und zu wenig leistet. Das ist kein ideologischer oder moralischer Vorwurf, er wird von den europ&auml;ischen Staaten praktiziert und mit immer neuen Gesetzen durchgezogen. Je billiger und je erpre&szlig;barer das Volk ist, desto besser steht die Nation in der internationalen Konkurrenz da. Diese Lehre ist &quot;global&quot;, sie wird von allen kapitalistischen Staaten beherzigt.</p>
<p>Sachzwang &quot;Globalisierung&quot;? Unbedingt &#8212; einer, den die erfolgreichen imperialistischen Staaten selbst eingerichtet haben und den sie wollen. In den Spekulationen des Finanzkapitals stellt sich heraus, welchen Erfolg die Nation f&uuml;r sich verbuchen kann. Es geht um nicht anderes als das global taugliche Geld, und Land und Leute werden daf&uuml;r hergerichtet. Falls jemandem das alles nicht pa&szlig;t und die &quot;Macht der Banken und Spekulanten&quot; gebrochen werden soll: Diese Adresse ist nicht ganz die richtige. Zumindest nicht die einzige. &quot;Globalisierung&quot; ist der Anspruch der erfolgreichen kapitalistischen Nationen, den Rest der Welt mit &ouml;konomischen Mitteln zu beherrschen und zu benutzen, und der Anspruch, da&szlig; der eigene &quot;Standort&quot; dieses &ouml;konomische Mittel aber auch hergeben mu&szlig;, da&szlig; mit viel rentabler Arbeit f&uuml;r wenig Lohn die H&auml;rte einer W&auml;hrung geschmiedet werden mu&szlig;, die international als Waffe taugt.
<ul>
<p><em>&#9;Herbert Auinger ist freier Autor. </em> </ul>
<p><strong>Anmerkung</strong></p>
<p><em>Zum Nachlesen: Die w&ouml;chentliche Analyse vom &#8220;GegenStandpunkt&#8221;-Verlag. </em></p>
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		<title>Das Ende naht?</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Jan 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik der Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Reitter; Karl]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 2000-1]]></category>

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<h3>Eine Kritik an den Grundlagen der &quot;Krisis&quot;-Gruppe</h3>
<p><em>von Karl Reitter </em> <span id="more-846"></span></p>
<p>Wie immer man zu den Aussagen der &quot;Krisis&quot; stehen mag, eines ist Robert Kurz nicht abzusprechen. Er hat eine sehr interessante und diskussionsw&uuml;rdige Definition von Krise entwickelt, die den Anspruch erheben kann, durchaus neue Aspekte zu beleuchten.</p>
<p>Daher kann ich Michael Heinrich nicht ganz zustimmen, wenn er der &quot;Krisis&quot;-Gruppe vorwirft (&#8220;Streifz&uuml;ge&#8221; 1/1999), sie w&uuml;rde die altehrw&uuml;rdige Zusammenbruchstheorie wieder zum Leben erwecken. Es handelt sich zweifellos um eine solche, aber Kurz gibt ihr eine sehr spezifische Wendung, die man in dieser Form bei Luxemburg und Grossmann nicht findet. Die klassische Zusammenbruchstheorie geht ja davon aus, da&szlig; der Kapitalismus im Moment seines Zusammenbruchs die gesamte Gesellschaft durchdringt, da&szlig; alle Bereiche des Lebens unter die Verwertungslogik subsumiert sind. Bei Luxemburg ist das ganz deutlich. Sie geht davon aus, da&szlig; die Akkumulation des Kapitals nur unter der Bedingung m&ouml;glich ist, da&szlig; ein st&auml;ndiger Werttransfer vom nichtkapitalistischen &ouml;konomischen Milieu in den kapitalistischen Sektor erfolgt. Der Wert, den Bauern, Handwerker und kleinb&uuml;rgerliche Produzenten erzeugen, wird &uuml;ber Mechanismen &#8212; die hier im Detail nicht dargestellt werden k&ouml;nnen &#8212; vom Kapital angeeignet. Die Idee, da&szlig; das Kapital nicht nur jenen Wert akkumuliert, der im kapitalistischen Sektor der Gesellschaft selbst erzeugt wird, sondern da&szlig; zus&auml;tzlich ein systematischer Werttransfer zu beachten ist, wurde von einigen AutorInnen aufgegriffen. Ich erinnere an die Konzeption des ungleichen Tausches zwischen imperialistischen Metropolen und au&szlig;ereurop&auml;ischen L&auml;ndern, oder an die Konzeption von Claudia Werlhof, die in der weiblichen Hausarbeit eine indirekte, aber wesentliche Quelle der Mehrwertakkumulation vermutet. W&auml;hrend die Theorie des ungleichen Tausches oder der Aneignung unbezahlter Hausarbeit eher statisch konzipiert sind, geht es Luxemburg um die Dynamik der kapitalistischen Akkumulation. Nach ihrer Ansicht s&auml;gt die kapitalistische Produktionsweise auf dem Ast, auf dem sie sitzt. Der Werttransfer erm&ouml;glicht die Akkumulation, diese wiederum f&uuml;hrt zur Ausdehnung der kapitalistischen Produktionsweise und zur Zerst&ouml;rung vorkapitalistischer Sph&auml;ren. In der klassischen Konzeption bricht die kapitalistische Produktionsweise <em>am H&ouml;hepunkt ihrer Ausdehnung und Macht</em> zusammen.</p>
<p>Auf den Punkt gebracht l&auml;uft die Zusammenbruchstheorie der &quot;Krisis&quot;-Gruppe darauf hinaus, da&szlig; die geschichtliche Expansion der Wertproduktion zum Stillstand gekommen ist, ja noch mehr, r&uuml;ckl&auml;ufige Tendenz annimmt. Historisch im 17. und 18. Jahrhundert in England entstanden, breitete sich die kapitalistische Produktionsweise sowohl in die &quot;Tiefe&quot; der Gesellschaft, als auch geographisch in der westlichen Hemisph&auml;re aus. Anders gesagt, immer mehr Bereiche des Lebens wurden unter die Verwertungslogik subsumiert. Historisch mu&szlig; genau an jenem Punkt vom Ende des Kapitalismus gesprochen werden, an dem die Expansion stoppt, und die r&uuml;ckl&auml;ufige Tendenz einsetzt. Sobald eine systematische Ausdehnung der Subsumtion der lebendigen Arbeit unter das Kapital nicht mehr stattfindet, hat die Todesstunde des Kapitalismus geschlagen. Die kapitalistische Produktionsweise h&auml;tte dann ihren Zenit &uuml;berschritten, sobald sie nicht mehr in der Lage ist, mehr und neue lebendige Arbeit einzusaugen. Es geht also um die Dynamik von Expansion und Schrumpfung. In der Sichtweise von Kurz bricht der Kapitalismus an seinem H&ouml;hepunkt nicht sichtbar zusammen, sondern es setzt die &#8212; freilich unaufhaltsame &#8212; Tendenz der Verdr&auml;ngung der Arbeit aus der Wertproduktion ein. Damit werden die Grundlagen der Kapitalakkumulation untergraben. Sowohl geographisch als auch im &quot;Inneren&quot; der Gesellschaft werden immer mehr Bereiche aus der Verwertungslogik ausgeschieden. So gesehen ist der Ausdruck Zusammenbruchsthese etwas irref&uuml;hrend. Es geht darum, einen langen und schmerzvollen Proze&szlig; des &quot;Ausbrennens&quot; der Wertproduktion zu konstatieren. In der Sichtweise der &quot;Krisis&quot;-Gruppe mu&szlig; dieser Proze&szlig; unabh&auml;ngig vom Bewu&szlig;tsein und politischen sowie sozialen Handeln der Menschen erfolgen. Wir sind mit einer streng objektivistischen Geschichtsthese konfrontiert.</p>
<p>Nach meiner Auffassung mu&szlig; diese Krisenkonzeption auf zwei Ebenen begr&uuml;ndet werden. Erstens: Wenn man an der These festhalten will, da&szlig; Marx im Kapital nicht einen empirischen Querschnitt durch den Kapitalismus des 18. Jahrhunderts vorlegt, sondern den reinen Begriff des Kapitals entwickelt, so m&uuml;&szlig;te auf begrifflicher Ebene zu zeigen sein, da&szlig; das Kapital durch die Verfolgung der eigenen Logik sich selbst Schranken, innere Schranken, setzt. Zweitens: Man mu&szlig; zeigen, da&szlig; eine solche letzte Schranke &#8212; falls sie begrifflich nachgewiesen werden kann &#8212; gegenw&auml;rtig aktuell ist, sich also empirisch nachweisen l&auml;&szlig;t. Denn die M&ouml;glichkeit ist nicht auszuschlie&szlig;en, da&szlig; die historischen Bedingungen f&uuml;r die Endkrise noch nicht herangereift sind.</p>
<p>Das Kapitalverh&auml;ltnis ist von Haus aus krisenhaft. Marx zeigt aber in der Regel eine Wechselwirkung zwischen Krise und Prosperit&auml;t. Die Prosperit&auml;tsphase bereitet die Elemente der Krise vor, die Krise wiederum eine neue Prosperit&auml;t. Kapitalakkumulation mu&szlig; Kapitalvernichtung nach sich ziehen, Kapitalvernichtung bereitet der Akkumulation erneut den Boden. Da&szlig; dieses Auf und Ab f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung oft verheerende Folgen hat, tangiert die Logik des Kapitalismus keineswegs, darin besteht unter anderem die perfide Logik dieses Gesellschaftssystems. Die entscheidende Frage ist nun: Existieren notwendige Tendenzen, die nicht wechselwirksame Folgen haben? Die klassische Anwort lautet, ja, es handelt sich um das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Konsequenz dieser Tendenz sei es, da&szlig; das konstante Kapital gigantisch anw&auml;chst und immer geringere Massen von lebender Arbeit kommandiert. Ab einer gewissen Quantit&auml;t dieser Entwicklung mu&szlig; sie in Qualit&auml;t umschlagen, ein Proze&szlig; den Marx unter anderem in den Grundrissen sehr plastisch und anschaulich darstellt: &quot;Es ist nicht mehr der Arbeiter, der modifizierten Naturgegenstand als Mittelglied zwischen das Objekt und sich einschiebt; sondern den Naturproze&szlig;, den er in einen industriellen umwandelt, schiebt er als Mittel zwischen sich und die unorganische Natur, deren er sich bemeistert. Er tritt <em>neben</em> den Produktionsproze&szlig;, statt sein Hauptagent zu sein. In dieser Umwandlung ist es weder die unmittelbare Arbeit, die der Mensch selbst verrichtet, noch die Zeit, die er arbeitet, sondern die Aneignung seiner eignen allgemeinen Produktivkraft, sein Verst&auml;ndnis der Natur und die Beherrschung derselben durch sein Dasein als Gesellschaftsk&ouml;rper (&#8230;). Der Diebstahl an fremder Arbeitszeit, worauf der jetzige Reichtum beruht, erscheint miserable Grundlage gegen diese neuentwickelte, durch die gro&szlig;e Industrie selbst geschaffne. (&#8230;) Damit bricht die auf Tauschwert ruhnde Produktion zusammen (&#8230;). &quot; (Grundrisse 592f. , Hervorhebung von mir) Ich sehe in diesem, von mir bewu&szlig;t zitierten Abschnitt nur einen Versuch, die Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise zu erfassen, nicht mehr. Marxens Wert- und Kapitaltheorie liegt keineswegs in fertiger, in sich geschlossener Gestalt vor, sondern mu&szlig; &#8212; teilweise gegen die Thesen von Marx &#8212; (re)konstruiert werden. Wie dem auch sei &#8212; ich kann in vielen Argumenten der &quot;Krisis&quot;-Gruppe nur eine Paraphrasierung jener Aussagen sehen, mit denen Marx den tendenziellen Fall der Profitrate zu begr&uuml;nden versucht. Im Gegensatz zu Lenins Imperialismustheorie (&quot;F&auml;ulnis der Produktivkr&auml;fte&quot;) geht die &quot;Krisis&quot;-Theorie nicht von einer Stockung der Produktivkr&auml;fte aus, sondern &#8212; ebenso wie Marx &#8212; von ihrer rasanten Entwicklung. Die darauf aufbauende Zusammenbruchsthese l&auml;&szlig;t sich in zwei Schritte zerlegen. Zum einen wird behauptet, da&szlig; immer gr&ouml;&szlig;ere Kapitale immer weniger lebendige Arbeit einsaugen k&ouml;nnen. Das Verh&auml;ltnis von konstantem zum variablen Kapital verschiebt sich st&auml;ndig zugunsten des konstanten Kapitals. Durch die permanent steigende organische Zusammensetzung werden st&auml;ndig Arbeiter durch die Maschine verdr&auml;ngt. In einem zweiten Schritt wird behauptet, da&szlig; die so freigesetzten Arbeitskr&auml;fte weder durch neue Produktionszweige noch durch die st&auml;ndig wachsenden Kapitale besch&auml;ftigt werden k&ouml;nnen. Wenn ich also die Argumente richtig verstehe, laufen sie darauf hinaus, da&szlig; c, das konstante Kapital offensichtlich unendlich wachsen <em>mu&szlig;</em>, gleichzeitig ben&ouml;tigen die immer gr&ouml;&szlig;eren Kapitale, gerade weil ihr Wachstum durch die Erh&ouml;hung der Produktivit&auml;t der Arbeit stimuliert ist, immer weniger lebendige Arbeit, um in Bewegung gesetzt zu werden. Dieser Mechanismus ist freilich nicht viel anderes als das ber&uuml;hmte &quot;Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate&quot;.</p>
<p><strong>Gilt das &quot;Gesetz von tendenziellen Fall der Profitrate&quot;? </strong></p>
<p>Zu Lebzeiten Marxens fiel die Profitrate kontinuierlich. So gesehen sind seine Thesen ein Versuch, auf die Erkl&auml;rungen von Ricardo und Smith zu reagieren. Ein solcher st&auml;ndiger Fall scheint sich f&uuml;r das 20. Jahrhundert nicht mehr nachweisen zu lassen. Joseph Gillman hat in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren eine Studie &uuml;ber die amerikanische Industrie der Jahre 1848 bis 1939 durchgef&uuml;hrt und kommt zu folgendem Schlu&szlig;: &quot;Die Ergebnisse zeigen, da&szlig; die historischen Statistiken der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg diese Theorie von Marx voll zu st&uuml;tzen scheinen, w&auml;hrend sie sich nach dem Krieg im allgemeinen im Gegensatz zu den Erwartungen von Marx verhielten. &quot;1 Man kann nun einwenden, da&szlig; die Ung&uuml;ltigkeit des &quot;Falls der Profitrate&quot; an sehr spezifischem Material untersucht und da&szlig; von einer bestimmten Epoche der Wirtschaftsentwicklung in den USA noch keine allgemeinen Schl&uuml;sse gezogen werden k&ouml;nnen. Michael Heinrich hingegen argumentiert auf derselben Abstraktionsh&ouml;he wie Marx im &quot;Kapital&quot;. Er kommt zum Schlu&szlig;, da&szlig; das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate nicht aufrecht erhalten werden kann. Dieses Gesetz ist das Resultat zweier, entgegengesetzt wirkender Tendenzen, der steigenden organischen Zusammensetzung des Kapitals einerseits (d. h. der Anteil an konstantem Kapital vergr&ouml;&szlig;ert sich auf Kosten des variablen) und einer ebenfalls steigenden Mehrwertrate (d. h. der Anteil der unbezahlten Arbeitszeit steigt auf Kosten der bezahlten). Eine steigende organische Zusammensetzung l&auml;&szlig;t die Profitrate <em>sinken</em>, die steigende Mehrwertrate jedoch <em>steigen</em>. &quot;Soll nun gezeigt werden, da&szlig; die Profitrate eine Tendenz zum Fallen hat, m&uuml;&szlig;te nachgewiesen werden, da&szlig; zumindest langfristig die Wertzusammensetzung <em>schneller </em>steigt als die Mehrwertrate. &quot;2 Gerade diese Annahme wird von Marx nur behauptet, nicht jedoch als notwendig nachgewiesen. Geradezu verkehrt stellt sich das sogenannte Gesetz des tendenziellen Falls dar, wenn eine , von Marx selbst im ersten Band des Kapitals entwickelte Voraussetzung, mit in Betracht gezogen wird. Lebendige Arbeitskraft wird nur dann durch tote Arbeit, also konstantes Kapital ersetzt, wenn die Summe von Arbeitslohn und konstantem Kapital sinkt, also der Kostpreis, der empirisch in der Buchhaltung aufscheint, sich verringert. Anders gesagt: Investitionen in Maschinen werden in der Regel nur dann get&auml;tigt, wenn sich der Kapitaleinsatz f&uuml;r die Produktion eines bestimmten Gutes vermindert. (&quot;In der Regel&quot;, denn es gibt G&uuml;ter, die nur durch eine bestimmte Technologie hergestellt werden k&ouml;nnen, G&uuml;ter also, bei denen sich die Alternative, viele Arbeiter, wenig Maschinen, oder wenig Arbeiter, viele Maschinen gar nicht stellt. Dieses Faktum kann jedoch nicht als Argument f&uuml;r den tendenziellen Fall benutzt werden, sondern spricht sogar dagegen. Denn es ist a priori nicht ausgemacht, da&szlig; die Produktion eines technologisch neuen Produkts mit einem extrem hohen Anteil an konstantem Kapital beginnen mu&szlig;. Gerade Computeranlagen zeigen einen scheinbar unaufhaltsamen stetigen Wertverfall, das hei&szlig;t, bestehende Anlagen entwerten sich binnen Jahren, ja Monaten rapide. Das bedeutet: schon in k&uuml;rzester Zeit sinkt die Wert&uuml;bertragung auf Null. )</p>
<p>Die Investition mu&szlig; sich also lohnen. Pr&auml;zise ausgedr&uuml;ckt, die Erh&ouml;hung des konstanten Kapitals mu&szlig; kleiner sein als die Minderung des variablen Kapitals. Es gilt also: Dc &lt; Dv. 3 Heinrich geht in seiner Beweisf&uuml;hrung von einer gegebenen Profitrate aus, nimmt eine Erh&ouml;hung der organischen Zusammensetzung unter der Bedingung Dc &lt; Dv an und dr&uuml;ckt schlu&szlig;endlich die neue Profitrate mathematisch durch die Variablen der urspr&uuml;nglichen Profitrate aus. Die einzelnen Schritte der Berechnung m&ouml;chte ich hier nicht ausf&uuml;hren, Interessierte k&ouml;nnen sie anhand seines Buches nachrechnen. Das vielleicht erstaunliche Resultat: &quot;Auf der von Marx gew&auml;hlten Abstraktionsebene l&auml;&szlig;t sich demnach nicht nur kein tendenzieller <em>Fall </em>der Profitrate begr&uuml;nden, sondern sogar ein tendenzielles <em>Steigen</em>. &quot;4 So verwunderlich ist das Resultat allerdings nicht; steigende Produktivit&auml;t bedeutet schlicht, da&szlig; der Wert des konstanten Kapitals ebenso sinkt wie der Wert der zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensmittel. Aus dem gew&auml;hlten Beispiel darf jedoch nicht gefolgert werden, da&szlig; quasi umgekehrt die Profitrate nie und nimmer sinken kann, es kann nur geschlossen werden, da&szlig; die Rede vom tendenziellen Fall in der, vor allem durch die Bearbeitung des III. Bandes durch Engels suggerierten apodiktischen Gesetzm&auml;&szlig;igkeit, zu verabschieden ist.</p>
<p>Was folgt jedoch aus dem Resultat, das &quot;Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate&quot; existiere nicht? Die Erh&ouml;hung der Produktivkraft der Arbeit <em>kann </em>zur Verdr&auml;ngung der lebendigen Arbeit aus der Produktion, <em>mu&szlig; </em>jedoch nicht dazu f&uuml;hren. Es d&uuml;rfte klar sein, da&szlig; die Debatte auf der Ebene der Wertzusammensetzung gef&uuml;hrt werden mu&szlig;, nicht auf der Ebene der sinnlichen Erscheinung. Zu sagen, fr&uuml;her bedienten zehn Arbeiter eine Maschine, heute ein Arbeiter zehn Maschinen, ist kein schlagendes Argument. Denn es ist die Frage, ob diese Entwicklung bedeutet, da&szlig; sich der Wert der Maschinerie (abstrakt gesprochen, des konstanten Kapitals) verzehnfacht, der Wert der Arbeitsl&ouml;hne (das variable, wertsch&ouml;pfende Kapital) auf ein Zehntel reduziert haben <em>mu&szlig;</em>.</p>
<p><strong>Produktivkraft und Gesellschaft</strong></p>
<p>Zumindest in dem bereits 1986 geschriebenen Artikel &quot;Die Krise des Tauschwerts&quot; verwendet Kurz eine zweite Ebene der Argumentation, die die Wertzusammensetzung weitgehend unber&uuml;cksichtigt l&auml;&szlig;t. Der Autor geht darin von der &Uuml;berlegung aus, da&szlig; die Bedingungen f&uuml;r die Produktivit&auml;t der Arbeit immer mehr au&szlig;erhalb des eigentlichen Kapitalverh&auml;ltnisses &quot;erarbeitet&quot; werden. Die Entwicklung der Wissenschaft, der Ausbau der Infrastruktur, die Erstellung neuer Kommunikations- und Informationssysteme; all das wirkt einerseits indirekt auf die Produktivit&auml;t der Arbeit, andererseits wird sie in gesellschaftlichen Sph&auml;ren produziert, die au&szlig;erhalb des eigentlichen kapitalistischen Verwertungszusammenhangs stehen. &quot;Zweifellos handelt es sich hier um gesellschaftliche Produktivkr&auml;fte, die in Bewegung gesetzt werden, und alle darin eingeschlossenen Arbeiten sind in stofflicher Hinsicht indirekt produktiv. Aber gleichzeitig stehen diese Arbeiten von vornherein ihrer Natur nach au&szlig;erhalb des Wertgesetzes, sie k&ouml;nnen gar nicht die Form vergegenst&auml;ndlichter abstrakter Arbeit in der Fetischgestalt des Werts annehmen, weil sie eben als unmittelbar gesellschaftliche in alle Produkte gleicherma&szlig;en und gleichzeitig eingehen, somit gar nicht als Moment eines Austauschprozesses getrennter Einheiten erscheinen k&ouml;nnen. &quot;5 Ein Beispiel daf&uuml;r w&auml;re etwa Bildung und Wissenschaft. Es existieren Elemente der Zivilisation, die nicht als Waren produziert werden, aber indirekt in die Produktivkraft der Arbeit eingehen. Dieses Faktum ist selbstverst&auml;ndlich, und wird etwa von Marx bereits im ersten Abschnitt des Kapitals betont. &quot;Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umst&auml;nde bestimmt, unter anderem durch den Durchschnittsgrad des Geschicks der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsf&auml;higkeit der Produktionsmittel, und durch die Naturverh&auml;ltnisse. &quot;6 Wieso der Kapitalismus zusammenbrechen mu&szlig;, blo&szlig; weil die Bedingungen f&uuml;r die Produktivkraft der Arbeit au&szlig;erhalb des eigentlichen Kapitalverh&auml;ltnisses stehen, ist mir v&ouml;llig uneinsichtig. 7 Es d&uuml;rfte auch Marx bewu&szlig;t gewesen sein, da&szlig; sich etwa die Naturwissenschaften au&szlig;erhalb des Verwertungsprozesses entwickeln. Er betont an einer Stelle sogar ausdr&uuml;cklich, da&szlig; die Resultate der wissenschaftlichen Forschung dem Kapital kostenlos zugute kommen. Wieso dies eine systematische Schranke des Kapitals markieren soll, bleibt v&ouml;llig unklar. Aus der Tatsache, da&szlig; Arbeit in bestimmten wesentlichen Sph&auml;ren der Gesellschaft nicht oder nur teilweise zum Objekt der kapitalistischen Produktionsweise gemacht werden kann, auf die notwendige Endkrise zu schlie&szlig;en, halte ich f&uuml;r unzul&auml;ssig.</p>
<p>Abgesehen von der prinzipiellen Ebene, spricht auch die aktuelle Entwicklung gegen Kurz. Seine These, gewisse Arbeiten st&uuml;nden &quot;von Natur aus&quot; au&szlig;erhalb des Wertgesetzes, ist mehr als fragw&uuml;rdig. Auch Universit&auml;ten k&ouml;nnen als kapitalistische Unternehmen gef&uuml;hrt werden, siehe USA. Die gegenw&auml;rtig rollende Welle der Privatisierung und Entstaatlichung ist doch genau der Versuch, gesellschaftliche Bereiche in die Warenproduktion einzubinden, die es bis dato nicht waren. Historisch vollzieht sich genau das Gegenteil der Kurzschen Behauptungen. Immer mehr, immer abstraktere Bereiche des menschlichen Lebens werden in die Warenproduktion einbezogen. 8</p>
<p><strong>Gibt es empirische Belege? </strong></p>
<p>Welches sind nun eigentlich die empirischen Belege, die f&uuml;r die Endkrise des Werts vorgebracht werden? Genau genommen sind es <em>alle </em>Krisenph&auml;nomene die weltweit existieren, die als Beleg f&uuml;r die Endkrise zitiert werden, ohne da&szlig; der Endzeitcharakter ausgewiesen wird. Nehmen wir ein Stichwort: Asienkrise. Eine Krise zweifellos, aber kann man die Behauptung aufstellen, L&auml;nder wie Indonesien, S&uuml;dkorea usw. h&auml;tten sich strukturell vom kapitalistischen Weltsystem abgekoppelt und w&uuml;rden fortan in wildem Bandenwesen und einer undefinierbaren nachkapitalistischen &Ouml;konomie verharren? Stichwort Osteuropa, ein Sechstel der Welt f&uuml;r den Kapitalismus verloren? Das kann doch angesichts der &ouml;konomischen Entwicklung von Ungarn, Polen, Tschechien, Slowenien usw. nicht ernsthaft behauptet werden. China und Indien, L&auml;nder, in denen immerhin ein Drittel der Menschheit lebt, werden sicherheitshalber gar nicht erw&auml;hnt. Da&szlig; es massive Krisen gibt, R&uuml;ckschl&auml;ge f&uuml;r die kapitalistische Akkumulation, und da&szlig; so manche Seifenblase vom schnellen Geld zerplatzt ist, soll nicht geleugnet werden. Aber das blo&szlig;e Beschw&ouml;ren dieser Krisen mit blumiger Rhetorik kann nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, da&szlig; das angebliche Verschwinden dieser Regionen von der Landkarte des Kapitalismus (leider) sehr realit&auml;tsfremd anmutet. Sicher: gewisse Regionen scheinen auf absehbare Zeit von Gott und Kapital verlassen, doch die Endg&uuml;ltigkeit, die ja behauptet werden mu&szlig;, scheint mir nirgends plausibel argumentiert. Auch im st&auml;ndigen Beschw&ouml;ren des fiktiven Kapitals sehe ich kein Argument f&uuml;r das Ende des Kapitalismus. Selbst wenn der schon lange prognostizierte B&ouml;rsenkrach eintritt, was dann? F&uuml;hrt die dann stattfindende Kapitalvernichtung statt zur Endkrise nicht im Gegenteil zu einer erneuten Stabilit&auml;t des Kapitalismus? Denn ein B&ouml;rsenkrach w&uuml;rde krisenhaft den Schein korrigieren, da&szlig; Kapital akkumulieren kann, ohne mit lebendiger Arbeit in Ber&uuml;hrung zu kommen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, da&szlig; Existenz und Wachstum des fiktiven Kapitals sehr kurzschl&uuml;ssig darauf zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden, da&szlig; dieses Kapital eben keine M&ouml;glichkeit hat, lebendige Arbeit zu besch&auml;ftigen. Genau diese These g&auml;lte es zu beweisen. Da&szlig; Kapital deswegen in Termingesch&auml;fte mit Schweineb&auml;uchen investiert werden <em>mu&szlig;</em>, weil es Arbeitskraft nicht mehr profitabel besch&auml;ftigen kann, m&uuml;&szlig;te erst einmal gezeigt werden. Mir erscheint es so, als ob die &quot;Krisis&quot;-Gruppe diese Annahme dogmatisch voraussetzt, um die Existenz des aufgebl&auml;hten Spekulationskapitals als empirischen Beleg f&uuml;r die Behauptung zu nehmen, das Kapital <em>m&uuml;sse </em>in diese Sph&auml;re fl&uuml;chten, weil es als reales Kapital keine M&ouml;glichkeit der Verwertung h&auml;tte.</p>
<p><strong>Jenseits des abstrakten Werts</strong></p>
<p>Der strikte Ultraobjektivismus der Zusammenbruchsthese mu&szlig; notwendig zu einer vollst&auml;ndigen Entkopplung von objektiver Kapitalentwicklung und den Bedingungen und Perspektiven des Widerstands f&uuml;hren. Statt die Wechselwirkung zwischen Entwicklung des Kapitalismus und sozialer Revolte zu untersuchen, werden beide Bereiche strikt getrennt. Die d&uuml;rftigen und unhistorischen Aussagen der &quot;Krisis&quot;-Gruppe zu antikapitalistischen Bewegungen sind kein Zufall, und k&ouml;nnen sicher nicht auf intellektuelles Unverm&ouml;gen oder dergleichen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden. Sie entspringen der These, da&szlig; die historische Perspektive des Kapitalismus, der Zusammenbruch, quasi wie ein Naturgesetz abl&auml;uft. Wenn das so ist, dann reduziert sich die praktische Konsequenz auf die Vermittlung dieser Erkenntnis.</p>
<p>Ich sehe aber auch die M&ouml;glichkeit, am Begriff der Krise anzukn&uuml;pfen, obwohl ich die Zusammenbruchsthese strikt zur&uuml;ckweise. Auch wenn ich nicht meine, die kapitalistische Produktionsweise w&uuml;rde von selbst in sich zusammenfallen, so liegt in diesem Krisenbegriff die M&ouml;glichkeit, &uuml;ber die Grenzen des abstrakten Werts und deren historische Dynamik nachzudenken. Ich m&ouml;chte das von mir jetzt Gemeinte an einer Gegenposition verdeutlichen. Wenn man, ankn&uuml;pfend an Sohn-Rethels Begriff der &quot;gesellschaftlichen Synthesis&quot;, den abstrakten Wert als den alleinigen Modus der Vergesellschaftung auffa&szlig;t, kann Gesellschaft nur noch als repressive Totalit&auml;t konzipiert werden. Man k&ouml;nnte dies die systemtheoretische Transformation des Marxismus nennen. Alle Elemente der Gesellschaft sind kompatibel mit dem abstrakten Wert, ja noch mehr, vermittelt &uuml;ber den Begriff der reellen Subsumtion werden sie als das ausschlie&szlig;liche Produkt der Bewegung des abstrakten Werts begriffen. 9 Die Gesellschaft ist mit sich identisch, das hei&szlig;t, sie ist mit dem abstrakten Wert identisch.</p>
<p>Nun w&auml;re es tats&auml;chlich ein Fehler, die Dominanz des abstrakten Werts ausschlie&szlig;lich auf jene Bereiche einzugrenzen, die tats&auml;chlich Element der Bewegung des Kapitals sind. Also zu behaupten, sowohl stoffliche Elemente wie jene Individuen, die nicht via Arbeitslohn als Momente des Kapitals fungieren, st&uuml;nden jenseits des abstrakten Werts. Kapitalismus bedeutet nicht, da&szlig; <em>alles </em>in &Ouml;konomie aufgeht, sondern da&szlig; die &Ouml;konomie eine geschichtlich einmalige Dominanz &uuml;ber die Gesellschaft und ihre Elemente aus&uuml;ben kann. Um das etwas praktisch und anschaulich werden zu lassen, ein Beispiel: Arbeitslose sind zwar nicht unmittelbar in die Wertproduktion eingespannt, aber ihre gesamte soziale Existenz ist auf diesen Zweck ausgerichtet, und dazu werden sie auch zugerichtet. Andererseits, und hier kann ich dem &quot;Krisis&quot;-Konzept zustimmen, kann sich die Dominanz des abstrakten Werts nicht ausschlie&szlig;lich imagin&auml;r durchsetzen. Die Wertproduktion mu&szlig; auch praktisch durchgesetzt sein, also Mensch und Natur m&uuml;ssen tats&auml;chlich als Elemente der Wertproduktion dienen. Einen virtuellen Kapitalismus, der keine sachlichen Elemente und vor allem keine Menschen mehr subsumiert, kann es nicht geben. Aber diejenigen Individuen, die aus dem Verwertungsproze&szlig; herausfallen, leben deshalb nicht in einem unschuldigen Niemandsland. Genau an diesem Punkt setzt f&uuml;r mich Politik ein. Im Herzen der kapitalistischen Akkumulation herrscht tats&auml;chlich repressive Totalit&auml;t, insofern hat auch diese Theorie einen wahren Kern. Aber in dem Ma&szlig;e, wie die von der &quot;Krisis&quot; prognostizierte praktische Dominanz des Werts schwindet, wie &quot;R&auml;ume&quot; freigegeben werden m&uuml;ssen, entsteht zumindest die M&ouml;glichkeit f&uuml;r antikapitalistische, praktische Politik. Wer nun verneinend den Kopf sch&uuml;ttelt, dem m&ouml;chte ich zu bedenken geben, da&szlig; &#8212; zumindest in einem Artikel aus 1994 &#8212; Robert Kurz haargenau diese Position vertritt. Er bezieht sich darin positiv auf Ans&auml;tze, autonome soziale Formen zu entwickeln und schlu&szlig;folgert: &quot;Denn autonome, nicht-warenf&ouml;rmige T&auml;tigkeiten k&ouml;nnen ja nicht im luftleeren Raum stattfinden. Dazu bedarf es Ressourcen: Land, Geb&auml;ude, B&uuml;ros, Werkst&auml;tten, G&auml;rten, Produktions- und Kommunikationsmittel usw. Diese m&uuml;ssen Staat und Markt abverlangt werden. Solche Forderungen werden umso plausibler, je weniger das warenproduzierende System die Ressourcen sinnvoll verwalten kann, und je mehr intakte und lebenswichtige Mittel weltweit brachliegen, blo&szlig; weil sie dem Rentabilit&auml;tsfetisch nicht gen&uuml;gen. F&uuml;r einen solchen &quot;Einstieg in den Ausstieg&quot; aus der Geldlogik k&ouml;nnte neben sachlichen Ressourcen paradoxerweise sogar auch wieder Geld vom Staat gefordert werden; und zwar f&uuml;r Investitionen, die dem Start in autonome T&auml;tigkeiten dienen (das w&auml;re etwas grunds&auml;tzlich anderes als ein Subventionsmodell). Die westdeutsche Bewegung f&uuml;r autonome Kommunikationszentren in den siebziger Jahren und die Hausbesetzerbewegung in den achtziger Jahren waren Vorl&auml;ufer solcher Konflikte. Eine elementare Frage wird dabei zunehmend diejenige von Grund und Boden sein. Das Ziel kann nur hei&szlig;en, die Erde von jeder Kauf- und Verkaufbarkeit auszuschlie&szlig;en, das hei&szlig;t, sie als Grundlage allen Lebens vom Geld zu entkoppeln. &quot;10 Kurz schlie&szlig;t, und das ist sehr bemerkenswert, zumindest in dieser Arbeit, den politisch erzwungenen Werttransfer vom kapitalistischen in einen autonomen Sektor nicht aus, im Gegenteil, er erscheint ihm offensichtlich als ernstzunehmendes Projekt. Anders gesagt, er stellt in diesem Artikel die Frage, wie der soziale Widerstand entwickelt und gef&ouml;rdert werden kann, welche politischen Forderungen zu erheben sind, damit gesellschaftliche Elemente entstehen k&ouml;nnen, die der Verwertungslogik (zumindest partiell) entzogen werden. Ich h&auml;tte dazu einen Vorschlag&#8230;11
<ul>
<p><em>&#9;Karl Reitter ist Lektor am Institut f&uuml;r Philosophie an der Universit&auml;t Wien. </em> </ul>
<p><strong>Anmerkungen</strong>
<ul>
<p><em>1&#9;Joseph M. Gillman, Das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate, Frankfurt am Main 1969, S. 5. </em></p>
<p><em>2&#9;Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert, 2. Auflage, M&uuml;nster 1999, S. 331. </em></p>
<p><em>3&#9;c + v bilden den Kostpreis, also jene Summe, die in die Produktion zu investieren ist. Investitionen (Rationalisierungen) werden in der Regel nur dann vorgenommen, wenn sie den Kostpreis senken, wenn also das zu investierende Kapital zur Produktion der selben G&uuml;termenge sinkt. Die Einsparung an Arbeitsl&ouml;hnen (Dv) mu&szlig; also gr&ouml;&szlig;er sein, als die Mehrausgaben f&uuml;r Maschinerie usw. (Dc) Mathematisch l&auml;&szlig;t sich diese Bedingung durch folgende Ungleichung ausdr&uuml;cken: Dc &lt; Dv. </em></p>
<p><em>4&#9;Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert, 2. Auflage, M&uuml;nster 1999, S. 339f. </em></p>
<p><em>5&#9;Robert Kurz, Die Krise des Tauschwerts, &#8220;Marxistische Kritik&#8221; Nr. 1, M&auml;rz 1986, S. 16. </em></p>
<p><em>6&#9;Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, S. 54. </em></p>
<p><em>7&#9;Der Ausdruck &quot;Produktivkr&auml;fte&quot; ist eigentlich irref&uuml;hrend. Es gibt nur Faktoren, die die Produktivkraft der Arbeit bestimmen; nur diese auf die Arbeit einwirkenden Faktoren k&ouml;nnen Produktivkr&auml;fte genannt werden. </em></p>
<p><em>8&#9;Da&szlig; es sich bei &quot;Waren&quot; auch um nicht gegenst&auml;ndliche Dienstleistungen handeln kann, d&uuml;rft wohl selbstverst&auml;ndlich sein. </em></p>
<p><em>9&#9;Stefan Breuer hat, zumindest eine Zeit lang, diese Auffassung vertreten. </em></p>
<p><em>10&#9;Robert Kurz, Gibt es ein Leben nach der Marktwirtschaft? &Uuml;berlegungen zur Transformation des warenproduzierenden Systems (2. Teil), &#8220;Neues Deutschland&#8221;, 18. /19. 6. 1994. </em></p>
<p><em>11&#9;http: //mailbox. univie. ac. at/~reittek6/ grundeinkommen. htm/i> </ul>
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		<title>Große Fluchten</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Jan 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie / Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Lohoff; Ernst]]></category>
		<category><![CDATA[Weg und Ziel 2000-1]]></category>

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Krise und Entwicklung des Kapitals]]></description>
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<h3>Krise und Entwicklung des Kapitals</h3>
<p><em>von Ernst Lohoff </em> <span id="more-845"></span></p>
<p>&quot;Die kapitalistische Produktion strebt best&auml;ndig, die ihr immanenten Schranken zu &uuml;berwinden, aber sie &uuml;berwindet sie nur durch Mittel, die ihr diese Schranken aufs neue und auf gewaltigerem Ma&szlig;stab entgegenstellen. Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst. &quot; (MEW 25, S. 260)</p>
<p><strong>Krisenproze&szlig; und Krisenevents</strong></p>
<p>Es knirscht vernehmlich im Geb&auml;lk. Vor allem an ihren R&auml;ndern wird die heile Welt der Globalisierung und des kasinokapitalistischen Booms in immer k&uuml;rzer werdenden Abst&auml;nden von gr&ouml;&szlig;eren und kleineren Kriseneinbr&uuml;chen heimgesucht. 1995 hielt die Mexikokrise und die durch sie ausgel&ouml;ste Dollarschw&auml;che die transnationalen Finanzm&auml;rkte in Atem, 1997 erlebten nacheinander die ostasiatischen &quot;Tigerstaaten&quot; und Lateinamerika einen j&auml;hen wirtschaftlichen Absturz. Ru&szlig;land ist sowieso ein hoffnungsloser Fall. Selbst Japans &Ouml;konomie, lange als das Erfolgsmodell schlechthin gehandelt, steckt tief im Sumpf von Rezession, explodierender Staatsverschuldung und heillos &uuml;berschuldetem Bankensektor. Nur auf den ersten Blick sprechen die Erfolgsmeldungen aus der US-&Ouml;konomie eine andere Sprache. Sie beruhen einzig und allein auf einer immer aberwitziger werdenden Defizitwirtschaft, dem gr&ouml;&szlig;ten Pyramidenspiel der Geschichte. &quot;1998 durchbrach das Leistungsbilanzdefizit die Schwelle von 200 Milliarden Dollar, 1999 &uuml;berstieg es 300 Milliarden, im Jahr 2000 wird es 400 Milliarden erreichen. &Auml;hnlich rasant schnellt die Nettoverschuldung gegen&uuml;ber dem Ausland in die H&ouml;he: &uuml;ber zwei Billionen Dollar im Jahr 2000, &uuml;ber drei Billionen Dollar zwei Jahre sp&auml;ter. &quot; (&#8220;Die Zeit&#8221;, 5. Januar 2000)</p>
<p>Im Westen l&auml;&szlig;t man sich indes die Sektlaune nicht so schnell verderben. Notorisches Gesundbeten ist angesagt. Daran &auml;ndern auch die immer neuen Menetekel nichts. Im Gegenteil. Solange es gelingt, die aktuellen Krisenherde einzugrenzen und die partiellen Entwertungsprozesse an der Peripherie des Weltmarkts durch beschleunigte fiktive Wertsch&ouml;pfung in den kapitalistischen Zentren wettzumachen, legitimieren selbst noch die Panikattacken von gestern die &quot;Don&#8217;t worry be happy&quot;-Stimmung von heute. Da&szlig; keine der bisherigen Turbulenzen Europa und die USA zum Absturz gebracht hat, wird sofort zum Beleg f&uuml;r die prinzipielle Unersch&uuml;tterlichkeit des spekulativ gef&uuml;tterten Booms. Da die Wunderwelt des Kasinokapitalismus nun schon zwanzig Jahre funktioniert, werde dies auch ewig so weitergehen. W&auml;hrend das &ouml;konomische Widerspruchspotential, das einer gewaltsamen Entladung harrt, sich Monat f&uuml;r Monat schwindelerregender auft&uuml;rmt, leugnet das herrschende Bewu&szlig;tsein den allgemeinen historischen Krisenproze&szlig;, indem es ihn in eine Vielzahl zusammenhangs- und damit letztlich eben bedeutungsloser Krisenevents aufl&ouml;st.</p>
<p><strong>Die Entsorgung der Marxschen Krisen- und Zusammenbruchstheorie</strong></p>
<p>Seltsamerweise beteiligen sich auch die Reste der marxistischen Opposition am gro&szlig;en Entsorgungsunternehmen nach Kr&auml;ften. Nat&uuml;rlich betont die Linke die Schattenseiten kapitalistischer Herrschaft im 21. Jahrhundert &#8212; von der Unbegrenztheit des kapitalistischen Entwicklungshorizonts ist sie jedoch, bei allen Unterschieden in der Wertung, mindestens genauso felsenfest &uuml;berzeugt wie der Neoliberalismus: &quot;Crisis, what Crisis? &quot;, hei&szlig;t es allenthalben.</p>
<p>Der Kontrast zur Marxschen Position k&ouml;nnte kaum drastischer ausfallen. F&uuml;r den Gr&uuml;ndungsvater der Kritik der Politischen &Ouml;konomie hatte die Krise stets einen zentralen analytischen Stellenwert. Seine &ouml;konomiekritischen Schriften folgen durchg&auml;ngig einer krisentheoretischen Orientierung. Zweierlei ist dabei hervorzuheben und festzuhalten:<br />
<blockquote>
<p>1. Die &ouml;konomischen Krisen stellen bei Marx nie ein zus&auml;tzliches Thema dar &#8212; die ganze Untersuchung der logischen Genese und der Reproduktion des Kapitals ist von vornherein immer auch Krisenanalyse. Die M&ouml;glichkeit der Krise ist schon im ersten Kapitel des <em>Kapitals</em> mit der Reduktion von Gebrauchsg&uuml;tern zur Darstellungsform abstrakter Arbeit und dem Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf durch die Aussonderung der Geldware eingef&uuml;hrt und die Konkretion der Darstellung des Kapitals bedeutet auch immer eine schrittweise Konkretion der inh&auml;renten Krisenpotenz dieser gesellschaftlichen Beziehung.</p>
<p>2. Die Besch&auml;ftigung mit den zyklischen Krisen ist an die Annahme einer absoluten Schranke r&uuml;ckgebunden. Den zyklischen Krisen kommt stets eine Doppelbedeutung zu. Sie sind einerseits, gerade indem sie den normalen Reproduktionsgang unterbrechen, unverzichtbares Moment der Erneuerung des Kapitalverh&auml;ltnisses. Sie allein gestatten eine Entladung des immer wieder neu aufgestauten Widerspruchspotentials und er&ouml;ffnen damit &uuml;berhaupt einen Entwicklungsspielraum. Sie markieren zugleich aber Etappen in der Ann&auml;herung an die unhintergehbare historische Schranke der &uuml;ber den Wert vermittelten Produktionsweise: Die kapitalistische Gesellschaft &uuml;berwindet Krisen immer nur &quot;dadurch, da&szlig; sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert&quot; (MEW 4, S. 468), so die programmatische Formulierung bereits im Kommunistischen Manifest. </p></blockquote>
<p>Von alledem will der marxistische Diskurs unserer Tage nichts wissen. Selbst wo er die M&ouml;glichkeit von Krisen einr&auml;umt, geht es ihm nur darum, das Wesentliche, den Gedanken, dem Kapital k&ouml;nnte eine immanente Schranke gesetzt sein, zu tabuisieren. Die innere Spannung in der Marxschen Krisenanalyse wird konsequent zugunsten des unbedingten Glaubens an die ewige Wiedergeburt des Kapitals aufgel&ouml;st. Da&szlig; kapitalistische Entwicklung stets krisenhafte Entwicklung gewesen ist, verweist nicht l&auml;nger auf die Begrenztheit der b&uuml;rgerlichen Produktionsweise, sie &quot;beweist&quot; stattdessen, wie wenig Krisen ihr anhaben k&ouml;nnen. Typisch f&uuml;r das heute vorherrschende, fast schon buddhistisch anmutende Krisenverst&auml;ndnis sind Michael Heinrichs Absonderungen im Zusammenhang mit der Misere der &quot;Tigerstaaten&quot;: &quot;Die Asienkrise war, was Krisen im Kapitalismus schon immer waren: eine gewaltsame L&ouml;sung angestauter Probleme (&#8230;). Auf der geschrumpften Grundlage ist dann ein neuer Aufschwung m&ouml;glich &#8212; bis sich erneut so viele Probleme und Fehlentwicklungen angestaut haben, da&szlig; es wiederum der Gewalt einer Krise bedarf, um sie zu l&ouml;sen&quot; (&#8220;Jungle World&#8221; 2/99). Das klingt irgendwie nach Marx und die Behauptung beginnt auch tats&auml;chlich mit der Paraphrase einer Sentenz aus dem 3. Band des <em>Kapitals</em>. Allerdings war der Tenor doch ein klein wenig anders: &quot;Krisen sind (&#8230;) momentane gewaltsame L&ouml;sungen der vorhandenen Widerspr&uuml;che, gewaltsame Eruptionen, die das gest&ouml;rte Gleichgewicht f&uuml;r den Augenblick wiederherstellen&quot;, hie&szlig; es im Original (MEW 25, S. 259). Was das Streichen von so harmlosen W&ouml;rtern wie &quot;momentan&quot; und &quot;f&uuml;r den Augenblick&quot; doch so bewirken kann!</p>
<p><strong>Marxsche Krisentheorie und alte Arbeiterbewegung</strong></p>
<p>Daf&uuml;r, da&szlig; die letzten Marxisten heute ins krisentheoretische Nirvana entschwinden, ist nicht allein der vom Zeitgeist ausgehende Anpassungsdruck verantwortlich zu machen. Wir haben es zugleich mit dem Endpunkt einer langen Traditionslinie zu tun. Nicht erst Heinrich und Co. sind zur Entsorgung der Marxschen Zusammenbruchstheorie geschritten, schon die Theoretiker der II. Internationale und all ihre Nachbeter standen ihr verst&auml;ndnislos gegen&uuml;ber.</p>
<p>Warum im Denken der Arbeiterbewegung, einer Str&ouml;mung, f&uuml;r deren Selbstverst&auml;ndnis das Primat der Klasse und des Klassenkampfs konstitutiv war, die Zusammenbruchstheorie stets ein Fremdk&ouml;rper blieb, liegt eigentlich auf der Hand. Wenn der Klassenkampf das eigentliche Wesen von Geschichte ausmacht und das Proletariat die historische Mission hat, mit dem Kapital Schlu&szlig; zu machen, wie kann da das Kapital an sich selber scheitern? Seine wahre Grenze kann und darf es stattdessen nur im Willen und in der Macht der Arbeiterklasse finden.</p>
<p>Nat&uuml;rlich hat man verstanden, das Unvereinbare pro forma zur Deckung zu bringen. Marxens dunkel erscheinende Rede &quot;vom Kapital als seiner eigenen Schranke&quot; wurde in eine dem Kapital immanente Tendenz &uuml;bersetzt, ein best&auml;ndig an Zahl anschwellendes und an Einsicht gewinnendes Proletariat zu erzeugen. 1 Auch die zyklischen Krisen zwang das Arbeiterbewegungsdenken in dieses Bezugssystem hinein. Deren Bedeutung beschr&auml;nkte sich im Kern darauf, der Einsicht des Proletariats in die Unvorteilhaftigkeit des kapitalistischen Systems auf die Spr&uuml;nge zu helfen &#8212; sie sollten also als Aufkl&auml;rungsmittel dienen. Solche Interpretationen erlaubten es gleichzeitig, pflichtschuldig den Kotau vor den Aussagen des gro&szlig;en Meisterdenkers zu vollf&uuml;hren und deren urspr&uuml;nglichen zusammenbruchstheoretischen Sinn auf den Kopf zu stellen. 2</p>
<p>Nicht allein die theoretische Fixierung auf den Klassenkampf versperrte indes den Blick auf die seltsame Dialektik von krisenhafter Erneuerung und letztlicher Selbstzerst&ouml;rung des Kapitals. Diese blieb vor allem au&szlig;erhalb des Blickfelds, weil sie f&uuml;r die Konstellation, auf die sich die Arbeiterbewegung historisch nur beziehen konnte, nur von beschr&auml;nkter Relevanz war. Die Marxsche Zusammenbruchstheorie antizipiert und unterstellt ein Kapitalverh&auml;ltnis, das sich auf seinen eigenen Grundlagen bewegt und jede vormoderne Reproduktionsform bereits hat verdampfen lassen. Der empirische Kapitalismus, mit dem es Marx zu seinen Lebzeiten zu tun hatte, war von diesem Entwicklungsstand aber noch meilenweit entfernt &#8212; und damit auch von dem in den <em>Grundrissen</em> und im <em>Kapital</em> begrifflich skizzierten historischen Krisenhorizont. W&auml;hrend Marx bereits in den Einbruch von 1857, der ersten Wirtschaftskrise, die sich von den Mustern fr&uuml;hmoderner Agrarkrisen abzul&ouml;sen begann, unmittelbar den Auftakt zur Endkrise des Kapitalismus hineinlesen wollte, bedurfte es realiter noch mehrerer Menschenalter, bis sich das warenproduzierende System auch praktisch an das von Marx logisch antizipierte Problemniveau herangearbeitet hatte.</p>
<p>Von Rosa Luxemburg, der einzigen neben Henryk Grossmann in den Reihen der alten Arbeiterbewegung, die konsequent den zusammenbruchstheoretischen Strang in der Marxschen Theorie weiterverfolgt hat statt ihn zu kappen, ist der Ausspruch &uuml;berliefert, bis zum Ausbrennen der kapitalistischen Logik habe es noch Zeit, ungef&auml;hr solange wie bis zum &quot;Erl&ouml;schen der Sonne&quot;. Als polemische Zuspitzung hatte dieses Bonmot seine Berechtigung. In den sozialen Konflikten der Durchsetzungsphase des kapitalistischen Weltsystems, zu der noch die erste H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts geh&ouml;rt, taugten die zusammenbruchstheoretischen Implikationen der Kritik der politischen &Ouml;konomie kaum zur praktischen Orientierung, schon gar nicht lie&szlig;en sich Handlungsanweisungen aus ihnen ableiten.</p>
<p>Neunzig Jahre sp&auml;ter sieht die Sache allerdings ganz anders aus. Gerade weil Marx auf keinem anderen Gebiet seiner Zeit so weit vorausgeeilt ist wie auf diesem, kann die Zusammenbruchs- und Krisentheorie heute als das Moment des Marxschen Ansatzes mit der h&ouml;chsten Brisanz gelten. Es hat von daher schon etwas Tragikomisches, wenn die tonangebenden Erbverwalter in den rest-marxistischen Gemeinden ausgerechnet sie zum Anachronismus erkl&auml;ren und jeden Rekurs darauf mit Naser&uuml;mpfen quittieren. Die Marxsche Theorie wird im 21. Jahrhundert nur dann eine Renaissance erleben, wenn es gelingt, genau diesen versch&uuml;tteten theoretischen Strang freizulegen und ihn fruchtbar zu machen.</p>
<p><strong>Relative und absolute Verdr&auml;ngung lebendiger Arbeit</strong></p>
<p>So unverzichtbar die Rekonstruktion der Marxschen Kritik der Politischen &Ouml;konomie und ihrer krisentheoretischen Implikationen ist, sie allein gen&uuml;gt nicht. 130 Jahre nachdem Marx als erster allgemein logisch die immanente Schranke der Kapitalbewegung skizziert hat, l&auml;&szlig;t sich diese nicht nur weit konkreter beschreiben als im 19. Jahrhundert. Der Reproduktions- und Krisenmechanismus des Kapitals hat sich ausdifferenziert und damit zus&auml;tzliche Widerspruchsebenen er&ouml;ffnet, die Marx in seiner Analyse entweder nur streifen konnte oder die sich seinem Blickfeld vollkommen entzogen haben. Die Aktualisierung der Krisentheorie mu&szlig; von daher auf eine Neuformulierung abheben, eine Neuformulierung, bei der insbesondere methodisch der Marxsche Ansatz allerdings unhintergehbar bleibt.</p>
<p>Die marxistische Krisen-Diskussion hat sich lange vornehmlich auf das &quot;Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate&quot; kapriziert. Die Ver&auml;nderung der organischen Zusammensetzung des Kapitals, die Ausdehnung des konstanten Kapitalteils gegen&uuml;ber dem variablen, wurde als das A und O der Marxschen Krisenanalyse gehandelt. Etwas Wesentliches blieb dabei aber stets ausgeblendet. Mit dem &quot;Gesetz vom tendenziellen Fall&quot; hat Marx keineswegs die absolute Schranke des Kapitals angegeben. Er umrei&szlig;t mit ihm vielmehr, wie das Kapital seine strukturelle Misere provisorisch bew&auml;ltigt und in eine historische Verlaufsform bringt. Der eigentliche Selbstwiderspruch kapitalistischer Vergesellschaftung besteht nicht darin, da&szlig; die lebendige (mehr)wertproduktive Arbeit <em>relativ</em>, also gemessen am konstanten Kapital, immer weniger wird. Das Kapital wird sich selbst zur Schranke, weil es vermittelt &uuml;ber die Konkurrenz dazu neigt, die vernutzte lebendige Arbeit <em>absolut</em> zu minimieren, w&auml;hrend zugleich die Arbeit die einzige Quelle der Wertproduktion bleibt. Oder, um mit Marx zu sprechen: &quot;Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch dadurch, da&szlig; es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren (sucht), w&auml;hrend es andererseits die Arbeitszeit als einziges Ma&szlig; und Quelle des Reichtums setzt. &quot;3</p>
<p>Diesem basalen Dilemma kann das Kapital nur entkommen &#8212; und genau das beschreibt das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate &#8212;, solange der gesamte gesellschaftliche Kapitalstock so schnell w&auml;chst, da&szlig; die fortschreitende Verdr&auml;ngung von Arbeitskraft bezogen auf einen gegebenen Kapitalstock kompensiert wird und damit die in den Proze&szlig; der Wertverwertung eingehende Masse lebendiger Arbeit <em>absolut</em> zunimmt. Marx ging es also nicht darum, irgendeine Mindestprofitrate bestimmen zu wollen, bei deren Unterschreitung der kapitalistische Betrieb zum Erliegen k&auml;me. Der Fall der Profitrate mitsamt seinen &quot;entgegenwirkenden Ursachen&quot; (Marx), ist vielmehr als Preis und Begleiterscheinung jener historischen Expansionsbewegung zu verstehen, ohne die das Kapitalverh&auml;ltnis nicht &uuml;berleben kann. Die zyklischen Krisen sind letztendlich als Unterbrechungen dieses Ausdehnungsprozesses zu fassen und das Kapital erreicht seine absolute Schranke, sobald dieser Kompensationsmechanismus sich selber zerst&ouml;rt.</p>
<p>Das Schicksal des Kapitals h&auml;ngt in letzter Instanz davon ab, wieviel lebendige Arbeit es auf dem jeweiligen Produktivit&auml;tsniveau in den Vernutzungsproze&szlig; einspeisen kann. Die einfachste Methode, die prinzipiell einen Ausgleich f&uuml;r den verringerten Arbeitseinsatz pro Produkteinheit erlaubt, liegt auf der Hand. Wenn heute 5 Arbeiter genauso viele Autos, Hosen oder Tomaten herstellen wie fr&uuml;her 10, dann mu&szlig; sich eben die Menge der hergestellten Autos, Hosen oder Tomaten verdoppeln, um die vernutzte Arbeitsmasse konstant zu halten, und verdreifachen, um sie um 50 Prozent zu steigern.</p>
<p>Einer solchen reinen Mengenexpansion sind indes Grenzen gesetzt. Da das Kapital bekanntlich seinen Beruf nicht einfach darin findet, m&ouml;glichst viele Gebrauchswerte zu erzeugen, sondern vom kapitalistischen Standpunkt n&uuml;tzliche Dinge &uuml;berhaupt nur als Darstellungsform von Tauschwert ein Existenzrecht haben, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Realisation dieser Werte. Der Konsum der Arbeiterklasse bleibt, gemessen an der erzeugten Warenmasse, stets Unterkonsumtion &#8212; das ist nun einmal die Existenzbedingung von Mehrwert und Profit. Je h&ouml;her die Mehrwertrate klettert und sich der Anteil des variablen Kapitals am Wert jedes einzelnen Produktes verringert, desto sch&auml;rfer mu&szlig; dieses Mi&szlig;verh&auml;ltnis zu Tage treten. Aus dieser Realisationsklemme kann sich das Kapital als gesellschaftlicher Gesamtproze&szlig; nicht allein dadurch befreien, da&szlig; es sich quantitativ in den bestehenden Branchen ausdehnt. Ein (vor&uuml;bergehender) Ausweg tut sich nur auf, wenn das Kapital seine eigene technologische Grundlage revolutioniert und sich neue Fertigungszweige (einschlie&szlig;lich der Produktion von Produktionsmitteln) erschlie&szlig;t, die zus&auml;tzlich massenhaft lebendige Arbeit absorbieren.</p>
<p><strong>Proze&szlig;- und Produktinnovation</strong></p>
<p>Marx hat eine enge Beziehung zwischen den Konjunkturzyklen und den Umschlagszyklen des fixen Kapitals hergestellt. Denkt man die qualitativen Spr&uuml;nge in der Produktivkraftentwicklung mit, so l&auml;&szlig;t sich dieser Zusammenhang weiter fassen. Solange die Produktivkraftentwicklung ihren Niederschlag vornehmlich in der Rationalisierung bestehender Fertigungszweige findet, mu&szlig; das Kapital in eine Phase der Stagnation und der Krisen hineingeraten. Wenn sie hingegen in erster Linie neue, zus&auml;tzliche Felder der massenhaften Vernutzung lebendiger Arbeit er&ouml;ffnet, kann das Kapital in eine Phase des Aufschwungs und der beschleunigten Akkumulation eintreten. Der Eisenbahnbau und der damit verbundene Aufschwung der Stahl- und Kohleindustrie hat die Krisen der drei&szlig;iger und vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts beendet. Das Aufbl&uuml;hen der chemischen Industrie und die Elektrifizierung haben die &Uuml;berwindung der &quot;gro&szlig;en Depression&quot; erm&ouml;glicht, in die das Kapital nach dem Gr&uuml;nderboom mehr als zwei Jahrzehnte gest&uuml;rzt war. Der Sieg des Fordismus endlich, mit der Automobilproduktion als Schl&uuml;sselindustrie, hat den Weg von der Weltwirtschaftskrise zum &quot;Wirtschaftswunder&quot; geebnet.</p>
<p>Der Siegeszug der Warengesellschaft l&auml;&szlig;t sich als eine best&auml;ndige, von Krisen unterbrochene und durch sie wiederum angeregte Flucht nach vorn beschreiben, auf der die technologischen Innovationssch&uuml;be Epoche machten. Das sollte allerdings nicht dazu verf&uuml;hren, dieses Muster ad ultimo zu verl&auml;ngern und eine simple Gleichung Innovation = Boom zu unterstellen, wie es sich insbesondere in der Diskussion um die sogenannten &quot;langen Wellen&quot; eingeb&uuml;rgert hat. Wenn die technologischen Revolutionen der Vergangenheit das kapitalistische System der Arbeitsvernutzung neu fundieren konnten, dann liegt das nicht daran, da&szlig; sie die Produktionsbedingungen &uuml;berhaupt umgew&auml;lzt haben, sondern da&szlig; sie dies in einer ganz spezifischen Weise taten. Die Entdeckungen der gro&szlig;en Handwerker-Erfinder des 19. Jahrhunderts (von Siemens &uuml;ber Bell bis Edison) und die Eisenbahnkonjunktur konnten zus&auml;tzliche Anlagesph&auml;ren erschlie&szlig;en, weil sie vornehmlich <em>produktinnovativ</em> wirkten, also M&auml;rkte f&uuml;r Waren schufen, die es vorher nicht gegeben hatte. Der &Uuml;bergang zum Fordismus bedeutete zwar in erster Linie eine Ver&auml;nderung von Fertigungsabl&auml;ufen (Einf&uuml;hrung des Flie&szlig;bands, tayloristische Zergliederung der Arbeitsvorg&auml;nge), diese <em>Proze&szlig;innovation</em> erm&ouml;glichte es aber &uuml;berhaupt erst, die Fabrikation von Automobilen, Elektroger&auml;ten usw. &uuml;ber die Nische einer handwerklichen Luxusproduktion hinaus auszuweiten und in den kapitalistischen Vernutzungszyklus einzugliedern.</p>
<p>Ganz anders ist es aber gerade um die Basisinnovation der dritten industriellen Revolution bestellt. Als direkte Ausgeburt der Anwendung der Produktivkraft Wissenschaft besteht die Hauptwirkung der Mikroelektronik weniger darin, neue Anlagesph&auml;ren zu schaffen. In erster Linie wirkt sie &#8212; und das quer durch alle bestehenden Industriezweige &#8212; als die Rationalisierungstechnologie par excellence. Was bei der Produktion von Computern, Chips, Glasfaserkabeln usw. an zus&auml;tzlicher Arbeitsvernutzung anf&auml;llt, steht in keinem Verh&auml;ltnis zu der durch die fl&auml;chendeckende Anwendung der Mikroelektronik freigesetzten Masse an Arbeitskraft. Anders als ihre Vorg&auml;nger kann die dritte industrielle Revolution von daher keinen neuen selbsttragenden Akkumulationsschub in Gang setzen, sondern vervielfacht die durch das Auslaufen des fordistischen Booms freigesetzten Krisenpotenzen. In diesem Kontext wirkt auch die best&auml;ndige Verbilligung der neuen Tr&auml;gertechnologie nicht wie ehedem krisenhemmend, indem sie den Wert der Elemente des konstanten Kapitals senkt, sondern sogar krisenversch&auml;rfend, weil sie deren Omnipr&auml;senz noch f&ouml;rdert.</p>
<p>Angesichts dieser Entwicklung gewinnt die These von Marx, die Verwissenschaftlichung der Produktion m&uuml;sse die warengesellschaftliche Form sprengen, ein empirisches Substrat. Die ber&uuml;hmten einschl&auml;gigen Aussagen aus den Grundrissen r&uuml;cken auf die historische Tagesordnung: &quot;Der Diebstahl an fremder Arbeitszeit, worauf der jetzige Reichtum beruht, erscheint miserable Grundlage gegen diese neuentwickelte (&#8230;). Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgeh&ouml;rt hat, die gro&szlig;e Quelle des Reichtums zu sein, h&ouml;rt und mu&szlig; aufh&ouml;ren die Arbeitszeit sein Ma&szlig; zu sein und daher der Tauschwert das Ma&szlig; des Gebrauchswerts (&#8230;). Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhende Produktion zusammen. &quot;4</p>
<p><strong>Staatsverschuldung, Inflation und Akkumulation</strong></p>
<p>In letzter Instanz h&auml;ngt die &Uuml;berlebensf&auml;higkeit der kapitalistischen Produktionsweise davon ab, ob es ihr gelingt, hinl&auml;nglich lebendige Arbeit in den Zyklus wertproduktiver Vernutzung zu integrieren. Bereits in der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre geriet diese Abh&auml;ngigkeit &uuml;ber einen historisch bis dato einmalig langen Zeitraum zum manifesten Strukturproblem. So tief war der Einschnitt, da&szlig; die Entwertung der bestehenden Kapitalien allein, auch in Verbindung mit entsprechenden innovativen Sch&uuml;ben, nicht mehr hinreichte, um einen neuen selbstl&auml;ufigen &ouml;konomischen Aufschwung einzuleiten. Erst die sprunghafte Ausdehnung der Staatst&auml;tigkeit, die sich zun&auml;chst im Zeichen von Aufr&uuml;stung und Weltkrieg vollzog, konnte den paralytischen Zustand beenden und f&uuml;r den Anschub sorgen, der die kapitalistische &Ouml;konomie wieder auf Wachstumskurs brachte.</p>
<p>Der konsequente Abschied vom passiven Nachtw&auml;chterstaat war f&uuml;r das Ingangkommen des fordistischen Booms schon deshalb unerl&auml;&szlig;lich, weil die Ausbreitung der neuen Tr&auml;gerindustrien eine breite gesamtgesellschaftliche Infrastruktur erforderlich machte, die selber nicht oder nur sehr bedingt die Form von profittr&auml;chtigen Waren annehmen kann. Wie h&auml;tte sich eine bl&uuml;hende Automobilindustrie entwickeln sollen, wenn der Staat nicht immense Mittel in den Stra&szlig;enbau gesteckt h&auml;tte? Wie h&auml;tten die elektrischen Haushaltsger&auml;te und die Unterhaltungselektronik ihren Siegeszug antreten k&ouml;nnen, ohne enorme Investionen in eine fl&auml;chendeckende Energieversorgung, die f&uuml;r sich genommen unprofitabel waren und daher in die Regie des Staates fielen? Im n Sinn f&auml;llt auch der Ausbau der wohlfahrtsstaatlichen Absicherungen in diese Rubrik notwendiger staatlicher Vor- bzw. Parallelleistungen.</p>
<p>In einem bis dahin unvorstellbaren Grad &ouml;konomisch in die Pflicht genommen wurde der Staat aber nicht nur, weil ihm angesichts der zunehmenden vergesellschaftenden Wirkung der Produktivkraftentwicklung eine neue Verantwortung in Sachen Bereitstellung der materiellen Rahmenbedingungen der Warenproduktion zufiel. Mindestens im gleichen Ma&szlig;e war er auch durch die Entwicklung auf der Wertseite gefordert. Schon auf der betrieblichen Ebene waren an der Schwelle zum fordistischen Zeitalter die Vorauskosten der Arbeitsvernutzung n&auml;mlich zu hoch, um sie allein aus den regul&auml;ren R&uuml;ckfl&uuml;ssen der Kapitalverwertung aufzubringen. Es bedurfte dazu schon der zus&auml;tzlichen, &uuml;ber die laufenden Steuereinnahmen hinausgehenden Nachfragemacht des Staates und vor allem der Erweiterung des allgemeinen kredit&auml;ren Spielraums. Beides lie&szlig; sich nur durch eine radikale Umw&auml;lzung des Geldwesens und der staatlichen Finanzpolitik insgesamt bewerkstelligen.</p>
<p>Der <em>Reproduktionproze&szlig; </em>des Kapitals schlie&szlig;t notwendig die Verwandlung der vielen besonderen Waren in die allgemeine Ware, das Geld, ein. Solange es sich beim Geld selber um eine reale Geldware (Edelmetall) oder deren unmittelbare Repr&auml;sentanten (Golddeckung) handelte und die Realisierung des Werts damit eng an andernorts bereits vollzogene und realisierte produktive Arbeitsvernutzung r&uuml;ckgekoppelt blieb, mu&szlig;te sie sich ein ums andere mal als Nadel&ouml;hr erweisen. Die Krisen &#8212; darauf hat Marx schon hingewiesen &#8212; nahmen immer auch die Form einer akuten oder im Falle der Weltwirtschaftskrise chronischen Zahlungsmittelverknappung an, deren Ausgangspunkt das Rei&szlig;en privatwirtschaftlicher Kreditketten war. Der Krisenverlauf lie&szlig; sich als deflation&auml;re Abw&auml;rtsspirale beschreiben. Der Abschied vom &quot;barbarischen Metall&quot; (Keynes), der &Uuml;bergang zu einem politisch regulierten Geld, das keinen wirklich vorhandenen, m&uuml;hsam aufakkumulierten Reichtum repr&auml;sentiert, sondern letztlich allein durch die Aussicht auf<em> k&uuml;nftige</em> Wertsch&ouml;pfung gedeckt war, erlaubte es, die Engstelle durch &quot;deficit spending&quot; zu umschiffen und die Stockung zu beseitigen. Der &uuml;ber den Staat und das von ihm geschaffene Geld vermittelte Vorgriff versetzte die vielen Kapitalien nun in die Lage, sich auf erweiterter Stufenleiter in allgemeines &Auml;quivalent zu verwandeln und einen neuen Produktions- und Verwertungszyklus einzuleiten. Das erm&ouml;glichte die &Uuml;berwindung der Depression.</p>
<p>Jeder neue Mechanismus der Krisen&uuml;berwindung treibt indes neue Krisenpotenzen hervor. Gerade in diesem Fall ist das handgreiflich. Die monet&auml;re Vorwegnahme wertproduktiver Arbeitsvernutzung kann im Nachhinein ihre Best&auml;tigung finden, sie mu&szlig; es aber nat&uuml;rlich nicht zwangsl&auml;ufig. Wo der &uuml;ber die staatliche Geldsch&ouml;pfung vermittelte Wechsel auf die Zukunft sich teilweise oder g&auml;nzlich als ungedeckt erweist, treten zwei Ph&auml;nomene auf, die dem kapitalistischen Entwicklungsstadium des 19. Jahrhunderts v&ouml;llig fremd waren. Zum einen findet der best&auml;ndige Vorgriff auf erst zu schaffenden Reichtum in einer wachsenden Staatsverschuldung seinen Niederschlag &#8212; der Verschuldungsproze&szlig; kann aber nicht ad ultimo fortgesetzt werden, ohne da&szlig; der kapitalistische Verwertungsproze&szlig; von dieser Altlast schlie&szlig;lich erdr&uuml;ckt w&uuml;rde. 5 Abbrechen l&auml;&szlig;t er sich allerdings genauso wenig, denn das w&uuml;rde mit dem sofortigen Umschlag der chronischen Wachstumsschw&auml;che in eine akute Depression und mit der Wiederkehr der alten deflation&auml;ren Mechanismen in versch&auml;rfter Form bezahlt. 6 Zum anderen tritt neben die Entwertung von Realkapital und Geldkapital durch die Krise die Entwertung des Geldmediums selber. Wo die antizipierte Arbeitsvernutzung nur unvollst&auml;ndig gelingt, kommt es zur schleichenden Inflation. Wird die Arbeit einer Volkswirtschaft im Nachhinein vom Weltmarkt im gro&szlig;en Ma&szlig;stab f&uuml;r ung&uuml;ltig erkl&auml;rt, kann die National&ouml;konomie sogar in einen hyperinflation&auml;ren Proze&szlig; geraten.</p>
<p>In den 1950er und 1960er Jahren, dem goldenen Zeitalter des Kapitalismus mit seinen exorbitanten Wachstumsraten, funktionierte das System nachtr&auml;glicher Deckung im wesentlichen: sowohl die Staatsverschuldung als auch die Inflation blieben daher moderat. Das mu&szlig;te sich allerdings im selben Ma&szlig;e &auml;ndern, wie der fordistische Wachstumsschub im Laufe der siebziger Jahre sein Ende fand. Nicht nur die basale Problematik, die abnehmende F&auml;higkeit des Kapitals, wertproduktive Arbeit im notwendigen Ma&szlig;stab zu absorbieren, begann wieder zu Tage zu treten: damit wurde zugleich auch die Krisenl&ouml;sung von gestern immer mehr zum Zusatzproblem, und drohte krisenverst&auml;rkend zu wirken. An einigen wichtigen statistischen Indikatoren l&auml;&szlig;t sich die wenig erbauliche Perspektive, die sich der Weltwirtschaft an der Schwelle zu den achtziger Jahren bot, ablesen. Die durchschnittlichen Wachstumsziffern in den OECD-Staaten waren trotz verst&auml;rktem deficit spending auf 1,4 Prozent gesunken (zwischen 1967 und 1976 waren sie noch bei 4,9 Prozent gelegen), die Inflationrate erreichte daf&uuml;r 12,6 Prozent (gegen&uuml;ber 6,1 Prozent im Vergleichszeitraum). Immer neue historische H&ouml;chstst&auml;nde bei der Staatsverschuldung (43,6 Prozent des j&auml;hrlichen BSP im Durchschnitt bei den OECD-Staaten), zeigten ebenfalls an, da&szlig; es allm&auml;hlich eng zu werden begann.</p>
<p><strong>Die kasinokapitalistische Krisenverschiebung</strong></p>
<p>Schon Anfang der achtziger Jahre standen wichtige Ingredienzen f&uuml;r einen gro&szlig;en Entwertungsschub und eine neue Depression bereit. Dennoch fanden die kapitalistischen Staaten aus der &quot;Stagflation&quot;, dem Nebeneinander von Geldentwertung und Wachstumsschw&auml;che, heraus und auch die Staatsverschuldung der OECD Staaten gilt, nachdem sie sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt hat, heute als halb so wild. Einen Ausgleich haben die basalen Widerspr&uuml;che freilich nicht gefunden. &quot;Gel&ouml;st&quot; hat sie der &Uuml;bergang zum Globalisierungskapitalismus nur, insofern er sie noch einmal auf eine ganz neue Stufenleiter hob. Stie&szlig; der &uuml;ber eine expansive Geldpolitik und keynesianische Konjunkturprogramme vermittelte Vorgriff auf die k&uuml;nftige gesamtgesellschaftliche Wertmasse an seine Grenzen, so wurden diese von der Dynamik privater Sch&ouml;pfung fiktiven Kapitals &uuml;berwunden. Vorab angezapft wird nicht mehr nur die staatlich eingehegte volkswirtschaftliche Gesamtzukunft, vielmehr wird gleich die Hoffnung auf die kommenden Erfolge der vielen Einzelkapitalien verwertet und zum Rohstoff des gegenw&auml;rtigen Reichtums gemacht. Das kollektive private Reichrechnen ist zur Basis der &Ouml;konomie geworden und die reale Arbeitsvernutzung lebt nur mehr als Anh&auml;ngsel der fiktiven Kapitalverwertung fort. Das klingt nicht nur verr&uuml;ckt, das ist v&ouml;llig verr&uuml;ckt. Auf dieser Verr&uuml;cktheit beruht aber seit rund zwanzig Jahren die ganze kapitalistische Sumpfbl&uuml;te!</p>
<p>Den Begriff des fiktiven Kapitals hat Marx im dritten Band des <em>Kapitals</em> im Kontext des Kreditgeldes entwickelt und seine Bedeutung f&uuml;r den Krisenzyklus herausgearbeitet. Die Quintessenz dieser &Uuml;berlegungen sieht folgenderma&szlig;en aus: Die relative Verselbst&auml;ndigung der Kreisl&auml;ufe des Geldkapitals und die damit einhergehende Verl&auml;ngerung von Kreditketten und Anh&auml;ufung von Anspr&uuml;chen ist das Resultat einer zunehmenden Verknappung realer Anlagem&ouml;glichkeiten. Die Aufbl&auml;hung des Finanz&uuml;berbaus versetzt das fungierende Kapital, indem es noch zu erzielende Profite ins Akkumulationsspiel einbringt, in die Lage, auch dann noch weiterzuakkumulieren, wenn es eigentlich bereits in ein Stadium der &Uuml;berproduktion eingetreten ist und die Realisierung des Werts ins Stocken ger&auml;t. Schreitet dieser Proze&szlig; indes voran und wachsen die Zweifel, ob die antizipierten R&uuml;ckfl&uuml;sse sich auch tats&auml;chlich einstellen werden, dann setzt fr&uuml;her oder sp&auml;ter ein Run auf Geld ein und die Kreditketten rei&szlig;en. Mit der Panik setzt eine schlagartige Kontraktion aller wirtschaftlichen Aktivit&auml;ten ein, alle aufakkumulierten Anspr&uuml;che, aber auch das Realkapital werden entwertet. Weil die allgemeine Geldklemme zum Ausgangspunkt des akuten Krisenschubs wird, nimmt die Krise &uuml;berhaupt die Form einer Finanzkrise an.</p>
<p>Dem krisenverz&ouml;gernden und gleichzeitig krisenversch&auml;rfenden Abheben des Finanz&uuml;berbaus waren im 19. Jahrhundert freilich enge Grenzen gesetzt. Solange Geld noch unmittelbar f&uuml;r gediegenes Gold stand, fand das spekulative Moment seinen Platz innerhalb der jeweiligen Konjunkturzyklen und markierte im Kern bereits den Umschlagspunkt zur Krise. Dieses Grundmuster ist im wesentlichen bis zum Ende der 1970er Jahre erhalten geblieben. Das l&auml;&szlig;t sich unter anderem daran ablesen, da&szlig; sich die Realakkumulation und der Wert von Anteilscheinen langfristig gesehen, parallel entwickelt haben. Mit den Reaganomics aber hat sich die spekulative Bewegung vom konjunkturellen Zyklus entkoppelt und ist damit zum eigentlichen konjunktur&uuml;bergreifenden Wachstumsmotor geworden.</p>
<p>Diese Entkopplung dokumentiert recht drastisch die Entwicklung des Dow-Jones. Von seiner Einf&uuml;hrung im Jahr 1897 an wuchs er, vor&uuml;bergehende Schwankungen herausgerechnet, synchron mit der US-Wirtschaft. Dementsprechend dauerte es immerhin 66 Jahre, bis der amerikanische Aktienindex das erste Mal an der 1.000 Punkte-Schwelle kratzte. Erst 1982 wurde diese Barriere dauerhaft genommen. In den n&auml;chsten 13 Jahren vervierfachte er daf&uuml;r seinen Wert. 1996 kletterte er dann sogar bereits auf 6.000 und erreichte 1999 schlie&szlig;lich 11.000 Punkte. Damit kann er in knapp 20 Jahren einen Zuwachs von 1.100 Prozent verzeichnen, das offizielle Wachstum des amerikanischen Bruttosozialprodukts erreichte im selben Zeitraum nicht einmal 50 Prozent!</p>
<p>Die spekulative Selbstvermehrung des Geldkapitals ist mit den Reaganomics epochemachend geworden. Das l&auml;&szlig;t sich nicht nur deshalb mit Fug und Recht sagen, weil in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die letztlich unvermeidliche Wertberichtigung ein ums andere mal hinausgeschoben wurde, das fiktive Kapital hat f&uuml;r den gesamten &ouml;konomischen Proze&szlig; eine Bedeutung gewonnen, die mit keiner Phase kapitalistischer Entwicklung auch nur ann&auml;hernd zu vergleichen w&auml;re.</p>
<p>Der Kasinokapitalismus hat zwei eng zusammenh&auml;ngende historische Leistungen zuwege gebracht. Zun&auml;chst einmal ist er f&uuml;r das schlagartige Verschwinden der manifesten Geldentwertung (Inflation auf den G&uuml;term&auml;rkten) verantwortlich. Fand die expansive staatliche Geldpolitik der siebziger Jahre ihren Niederschlag noch in einem Mi&szlig;verh&auml;ltnis von realwirtschaftlichem Angebot und monet&auml;rer Nachfrage, so hat der einsetzende kasinokapitalistische Boom diesen &Uuml;berschu&szlig; an Zirkulationsmitteln durch seine Verwandlung in Geldkapital in gro&szlig;em Stil gebunden. Erhebliche Teile potentieller Konsumnachfrage sind durch sich best&auml;ndig vermehrende monet&auml;re Anspr&uuml;che (Aktienbesitz, Schuldverschreibungen) ersetzt, die erst einmal im Finanz&uuml;berbau verharren, statt sich unmittelbar gegen Gebrauchsg&uuml;ter auszutauschen. An die Stelle einer allgemeinen Teuerung trat das, was man im Amerikanischen bezeichnenderweise &quot;asset-inflation&quot; nennt, n&auml;mlich die spezielle Verteuerung der Aktienwerte, aber auch von Immobilien und anderen Spekulationsobjekten. Die OECD Statistiken sprechen in dieser Hinsicht eine &auml;u&szlig;erst deutliche Sprache. Sie weisen den logischen Zusammenhang chronologisch aus. 1980 hatte die Inflationsrate in den USA ihren Spitzenwert mit 13,5 Prozent erreicht. Drei Jahre sp&auml;ter war sie im Vorreiterland des Spekulationskapitalismus bis auf 3,2 Prozent gesunken. In Europa kam die Wirkung verz&ouml;gert, fiel aber deswegen nicht weniger dramatisch aus. In Frankreich etwa sank die Steigerungsrate der Verbraucherpreise vom gleichem Ausgangsniveau in 1980 (13,6 Prozent) bis 1986 auf deutlich unter 3 Prozent.</p>
<p>Indem reales Anlagekapital via Aktienemission auf Unmengen von Geldkapital zugreifen kann und Aktienbesitz gleichzeitig im gro&szlig;en Stil zur Grundlage f&uuml;r Konsumentenkredite wird, funktioniert die Selbstvermehrung des fiktiven Kapitals sowohl von der Nachfrage- als auch von der Angebotsseite her als ungeheures Konjukturprogramm. Solange die Kreditketten halten und der Finanz&uuml;berbau sich weiter aufbl&auml;ht, lassen sich von den spekulativ erwirtschafteten Gewinnen genauso Luxusg&uuml;ter und Maschinen kaufen, wie von den Profiten aus tats&auml;chlicher Arbeitsvernutzung.</p>
<p>Der Vorgriff auf k&uuml;nftige Wertsch&ouml;pfung, der in den Kreditbeziehungen der kapitalistischen Subjekte sein Vehikel findet, hat Dimensionen angenommen, die den Vorgriff &uuml;ber die staatliche Geldsch&ouml;pfung im keynesianischen Zeitalter nachtr&auml;glich fast als Kinkerlitzchen erscheinen lassen. Je weiter hinauf der Aufstieg f&uuml;hrt, desto tiefer aber ist nat&uuml;rlich der anschlie&szlig;ende Fall. Die Entkopplung des fiktiven Kapitals von der realen Wertverwertung bleibt relativ, auch wo sich der Finanz&uuml;berbau zur Basis der Realwirtschaft verkehrt, und kann nicht absolut werden. Fr&uuml;her oder sp&auml;ter mu&szlig; die Uneinl&ouml;sbarkeit des Verwertungsversprechens das ganze gigantische spekulative Geb&auml;ude zum Einsturz bringen. Dies bedeutet keineswegs nur eine R&uuml;ckkehr zum Status quo ante. Mit dem Ende des kasinokapitalistischen Booms mu&szlig; der gesamte &uuml;ber viele Jahrzehnte angestaute Entwertungsbedarf auf allen Ebenen zu Tage treten und die &uuml;berspielten strukturellen Schranken der n Kapitalverwertung werden schlagartig sp&uuml;rbar werden. Die Politik kann die anstehende Entwertung nicht aufhalten, sondern allenfalls verz&ouml;gern und die Verlaufsform der Entwertung beeinflu&szlig;en. So kann sie vor allem auf das Mischungsverh&auml;ltnis deflation&auml;rer und inflation&auml;rer Prozesse einwirken, also auf die Frage, ob in erster Linie fiktives Geldkapital vernichtet oder, durch den Versuch, die Verluste zu sozialisieren, das Geldmedium selber beschleunigt entwertet wird.</p>
<p>Die Spekulationswellen, die Marx beschrieben hat, verhalten sich zum modernen Kasinokapitalismus wie die erste Dampflok zur Challenger-Raumf&auml;hre. Gerade deshalb sollten Marxisten sich angesichts der skizzierten Perspektive ins Stammbuch schreiben, was Marx anl&auml;&szlig;lich der aktuellen Handelskrise von 1857 in der &#8220;New York Daily Tribune&#8221; damals zu Papier gebacht hat: &quot;Wenn Spekulation gegen Ende einer bestimmten Handelsperiode als unmittelbarer Vorl&auml;ufer des Zusammenbruchs (crash) auftritt, sollte man nicht vergessen, da&szlig; die Spekulation selbst in den vorausgehenden Phasen der Periode erzeugt worden ist und daher selbst ein Resultat und eine Erscheinung (accident) und nicht den letzten Grund und das Wesen (the final cause and the substance) darstellt. Die politischen &Ouml;konomen, die vorgeben, die regelm&auml;&szlig;igen Zuckungen (spasms) von Industrie und Handel durch Spekulation zu erkl&auml;ren, &auml;hneln der jetzt ausgestorbenen Schule von Naturphilosophen, die das Fieber als den wahren Grund aller Krankheiten ansehen. &quot;7
<ul>
<p><em>&#9;Ernst Lohoff ist Publizist und Mitherausgeber der &#8220;Krisis&#8221; in N&uuml;rnberg. </em> </ul>
<p><strong><em>Anmerkungen</em></strong>
<ul>
<p><em>1&#9;Karl Kautsky, der Gralsh&uuml;ter der marxistischen Orthodoxie, hat den realen Gegensatz von zusammenbruchstheoretisch orientierter Krisenanalyse und soziologistischer Grundhaltung auf den Punkt gebracht: &quot;Nicht von der M&ouml;glichkeit oder Notwendigkeit eines kommenden Zusammenbruchs oder Niedergangs des Kapitalismus h&auml;ngen die Aussichten des Sozialismus ab, sondern von der Erwartung, die wir hegen d&uuml;rfen, da&szlig; das Proletariat gen&uuml;gend erstarkt. &quot; (Zitiert nach Henryk Grossmann, Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems, Frankfurt/M. , 1970, S. 73). </em></p>
<p><em>2&#9;Selbst wo Marx in seinen Schriften selber dem Soziologismus den Weg ebnet, bleibt ein zusammenbruchstheoretisches Moment gegenw&auml;rtig, das dazu nicht recht passen will. Das gilt namentlich f&uuml;rs Kommunistische Manifest. W&auml;hrend dort einerseits die Klassenkampfemphase ihre klassische Gestalt gewinnt (&quot;alle bisherige Geschichte ist eine Geschichte von Klassenk&auml;mpfen&quot;) und die Arbeiterklasse in den Stand des neuen Demiurgen erhoben wird, bem&uuml;ht Marx andererseits f&uuml;r das Proletariat die Metapher des &quot;Totengr&auml;bers&quot;. Totengr&auml;ber bringen in der Regel aber nur unter die Erde, was ohne ihr Zutun vorher gestorben ist. </em></p>
<p><em>3&#9;Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen &Ouml;konomie, Berlin 1974, S. 593. </em></p>
<p><em>4&#9;Marx, Grundrisse, a. a. O. , S. 593. </em></p>
<p><em>5&#9;Staatsbankrotte kamen in der Fr&uuml;hgeschichte des Kapitals regelm&auml;&szlig;ig vor. Es macht allerdings einen gewaltigen Unterschied, ob ein Staat, der nur als Luxuskonsument auftrat (Milit&auml;r, Hofhaltung) und weniger als 5 Prozent des vorhandenen Reichtums an sich zog, Konkurs anmeldet, oder ein moderner, f&uuml;r die allt&auml;gliche gesellschaftliche Reproduktion unverzichtbarer Staat, der 40 bis 50 Prozent des Bruttosozialprodukts verwaltet. </em></p>
<p><em>6&#9;Nur scheinbar widersprechen dieser Feststellung die gegenw&auml;rtigen Budget&uuml;bersch&uuml;sse in den USA. Denn sie sind nur das Produkt einer Verlagerung der ungedeckten Geldsch&ouml;pfung in die transnationalen Finanzm&auml;rkte und damit einer Zuspitzung in der Entwicklung des fiktiven Kapitals, wie gleich noch gezeigt werden soll. </em></p>
<p><em>7&#9;MEW 12, S. 336f. </em> </ul>
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