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	<title>Streifzüge &#187; Streifzüge 2001-2</title>
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	<description>Magazinierte Transformationslust</description>
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		<title>Produktivkraftentwicklung und Aufhebung</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jul 2001 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Copyleft / Freie Software]]></category>
		<category><![CDATA[Meretz; Stefan]]></category>
		<category><![CDATA[Streifzüge 2001-2]]></category>

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		<description><![CDATA[Die "Keimform-Hypothese" im Diskurs<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. Bei Gefallen: <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Lösegeld</a><br/><br/><a href="http://www.streifzuege.org/2001/produktivkraftentwicklung-und-aufhebung">Produktivkraftentwicklung und Aufhebung</a></p>
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die &#8220;Keimform-Hypothese&#8221; im Diskurs.<br />
Meta-Replik zu C. Fuchs: »Die IdiotInnen des Kapitals&#8230; « in Streifz&#252;ge 1/2001</h3>
<p>Streifz&#252;ge 2/2001</p>
<p><em>von Stefan Meretz</em> <span id="more-239"></span></p>
<p>Erfreut habe ich zur Kenntnis genommen, da&#223; sich zunehmend mehr Menschen mit dem »Ph&#228;nomen Freier Software« theoretisch auseinandersetzen. Da scheint was dran zu sein &#8211; nur was? Mit dem Artikel von C. Fuchs wird man leider nicht bedeutend schlauer. Dort stehen verschiedene Fakten-Fragmente nebeneinander: zutreffende wie unzutreffende, wirtschafts- und b&#252;rgerrechtsliberale, techno- und politologische &#8211; bunt gemischt. Leider hat die Leserin keine direkte M&#246;glichkeit, die Quellen zu pr&#252;fen &#8211; nur f&#252;r eigene Texte hat C. Fuchs die Web-Adressen angegeben:-(. Selbst wenn man die »Fakten« hinnimmt, springt der denunziatorische Charakter der Assoziativketten ins Auge. Ich will kein Artikel zur »Richtigstellung« schreiben, das ist mir zu langweilig. Hat die Leserin zu dem Fuchs-Artikel Fragen (»Ist es wirklich wahr, dass&#8230; «), dann lade ich sie ein, sie online im Oekonux-Projekt zu stellen <a name="t1" href="#f1">[1]</a>. F&#252;r das eigene Studium liefere ich die fehlenden Quellen nach <a name="t2" href="#f2">[2]</a>. Stattdessen will ich mich hier auf den Kern der inhaltlichen Herausforderung konzentrieren, die auch innerhalb der Oekonux-Debatte eine prominente Rolle spielt: Was ist dran an der Hypothese von der Freien Softwarebewegung als Keimform einer Freien Gesellschaft?</p>
<p>Die Kritikstruktur des Fuchs-Aufsatzes wird verst&#228;ndlich, wenn man sie von hinten liest. Argumentationslogischer Dreh- und Angelpunkt ist Fuchs&#8217; Vorstellung von der Falschheit der Gesellschaft und von der apodiktisch formulierten Weise ihrer Aufhebung: »Eine andere Gesellschaft kann nur eine sein, die durch emanzipatorische, soziale Selbstorganisation auf Basis eines kritischen Bewu&#223;tseins entsteht, sonst wird sie nicht anders sein, sondern nur eine Form des Alten. « &#8211; des Falschen, wie er ausf&#252;hrt. Diese Aufhebungsvorstellung mit dem »kritischen Bewu&#223;tsein« als entscheidender Basis k&#246;nnte ich nun in Bausch und Bogen als idealistisch blo&#223;stellen, doch ich will hier den Schwerpunkt auf eine andere &#8211; letztlich auch idealistische Vorstellung &#8211; legen: Die Vorstellung des unvermittelten &#220;bergangs einer gesellschaftlichen Form in die andere <a name="t3" href="#f3">[3]</a>. Christian Fuchs spricht damit einen entscheidenden Knackpunkt an, an dem sich auch schon Krisis-Autoren eine blutige Nase geholt haben &#8211; dies nicht deswegen, weil es v&#246;llig bescheuert gewesen ist, was etwa Robert Kurz 1997 in »Anti&#246;konomie und Antipolitik« geschrieben hatte, sondern weil es praktizistisch mi&#223;deutet und Kurz in dieser verdrehten Form um die Ohren gehauen wurde. Wer kategoriale Anstrengungen als unmittelbare Handlungsaufforderungen auffasst, kann nur »Alternativklitschen«, »besserer Kapitalismus« etc. herauslesen.</p>
<h4>Kategoriale Anstrengung</h4>
<p>Im folgenden will ich den Versuch unternehmen, einen kategorialen Rahmen aufzuspannen, um die These von der freien Softwarebewegung als Keimform einer qualitativ neuen Vergesellschaftungsform diskutieren zu k&#246;nnen. Ausgangspunkt ist die Annahme &#8211; hier als ontologische Setzung (zur theoretischen Fassung vgl. Holzkamp 1983) -, dass Menschen im umfassenden Sinne ihre Lebensbedingungen produzieren, denen sie gleichzeitig unterworfen sind. Theoretische Anstrengungen des klassischen Marxismus wie wertkritischer Ans&#228;tze besch&#228;ftigen sich zuv&#246;rderst mit der Dialektik von objektiver Bestimmtheit und subjektiver Bestimmung. Auch Christian Fuchs bewegt sich in diesem Rahmen etwa mit seinem Vorwurf des Technikdeterminismus (Vereinseitigung der hier: technischen Bedingungen) oder seinem Vorschlag des »richtigen Bewu&#223;tseins« (Vereinseitigung der subjektiven Verf&#252;gung als Akt des blo&#223;en Wollens).</p>
<p>Auf gesellschaftstheoretischer Ebene wurde dieses Verh&#228;ltnis klassisch als Dialektik von Produktivkraftentwicklung und Produktionsverh&#228;ltnissen, als Inhalts- und Formseite der historischen Produktion menschlich-gesellschaftlichen Lebens abgebildet. Ich will begr&#252;nden, warum ich diese kategoriale Fassung f&#252;r nicht (mehr) angemessen halte. Zun&#228;chst zum Begriff der&#8230;</p>
<h4>Produktivkraftentwicklung</h4>
<p>Die »Produktivkraft der Arbeit« sei durch »mannigfache Umst&#228;nde bestimmt« erkl&#228;rt Marx. Verstreut &#252;ber seine Arbeiten entdeckt er immer wieder neue Umst&#228;nde, die die Produktivkraft der Arbeit beeinflussen: Naturbedingungen, technische Entwicklungen, die Kooperation der Arbeitenden, die Qualifikation, die Organisation der Arbeit etc. Demgegen&#252;ber liegt eine enthistorisierte, ontologisierte und verdinglichte Form des Produktivkraftbegriffs vor, wenn man ihn auf Technikentwicklung reduziert <a name="t4" href="#f4">[4]</a>. Selbst f&#252;r den Kapitalismus, in dem in der Tat die Entwicklung der technischen Mittel das zentrale Moment zur Steigerung der Produktivkraft der Arbeit und damit der Produktivit&#228;t ist, ist eine solche Bestimmung nicht ausreichend. Bei der logisch-historischen Rekonstruktion der Produktivkraftentwicklung wird deutlich, dass der Mensch bei der Produktion seiner Lebensbedingungen sich stets geschaffener Mittel bedient, um seinen Stoffwechsel mit der (&#228;u&#223;eren) Natur zu betreiben und zu organisieren. Produktivkraftentwicklung fasst also den historischen Aspekt des mittelschaffenden und &#8211; nutzenden, mit der &#228;u&#223;eren Natur stoffwechselnden Menschen &#8211; oder kurz: das Verh&#228;ltnis von Mensch, Mittel und Natur. In diesem Verh&#228;ltnis war bzw. ist je ein Moment bestimmend, und zwar in Wechselwirkung mit der gesellschaftlichen Form, die den jeweiligen qualitativen Stand der Produktivkraftentwicklung widerspiegelt &#8211; womit nicht gesagt ist, dass sich diese Art der Widerspiegelung notwendig herausbilden musste (s. u. ).</p>
<p>Wenn die &#220;berlegung zutrifft, wenn der Primat auf der Inhaltsseite, der Produktivkraftentwicklung, liegt, dann ist eine Historisierung der menschlich-gesellschaftlichen Entwicklung &#252;ber die Formseite (die Produktionsverh&#228;ltnisse &#8211; ich komme darauf) hinf&#228;llig. Empirisch war sie das ja schon lange. Doch ist hier nicht das Kind mit dem Bade auszusch&#252;tten und jegliche M&#246;glichkeit der Historisierung zu verneinen, sondern es ist konsequent von inhaltlichen Seite, eben der Produktivkraftentwicklung auszugehen. Problem des klassischen Marxismus war/ist, dass er &#8211; teilweise wider besseren Wissens &#8211; diese Verkehrung immer wieder betrieb und betreibt. Dieses Herangehen ist nicht abstrakt zu negieren, sondern kritisch theoretisch in einem logisch-historischen Verh&#228;ltnisbegriff aufzuheben.</p>
<p>Nimmt man das vereinfachte Dreiecksverh&#228;ltnis von Mensch, Mittel und (&#228;u&#223;erer) Natur, dann wird klar, dass es unterschiedliche Gesellschaftsformen in einer Epoche der Produktivkraftentwicklung geben kann bzw. es w&#228;re &#252;berraschend, wenn es nicht so w&#228;re. So gibt es mannigfache gesellschaftliche Formen in der Periode der Produktivkraftentwicklung, in der der Naturaspekt bestimmendes Moment war. »Bestimmendes Moment« bedeutet nicht, dass nicht auch die jeweils beiden anderen Aspekte des Verh&#228;ltnisses entwickelt wurden &#8211; teilweise wurden sie gar in dramatischer Weise umgekrempelt. Dies jedoch stets nur als Mitentwicklung, als abh&#228;ngige Gr&#246;&#223;e von der bestimmenden Entwicklungsdynamik. So gab es in den agrarischen Gesellschaften bedeutende Werkzeugentwicklungen, jedoch gleichsam nur als »Abfallprodukt« der Bearbeitung des Bodens. Eine eigenst&#228;ndige, eigendynamische Mittelentwicklung war in den jeweiligen historischen Formen nicht m&#246;glich (vgl. Zunftbeschr&#228;nkungen etc. ). In warenproduzierenden Gesellschaften ist die eigenlogische Entfaltung des Mittelaspekts der Produktivkraftentwicklung bestimmend. Doch gab es genau in dieser Phase die bedeutendsten Umw&#228;lzungen in der Landwirtschaft oder der Gewinnung von Bodensch&#228;tzen, die jedoch erst mit der Entwicklung der industriellen Produktion und der Naturwissenschaften m&#246;glich wurden.</p>
<p>Angenommen, die analytische Reduktion der Vielfalt realer Entwicklungen &#252;ber die hier vorgelegte Kategorie der Produktivkraftentwicklung als Verh&#228;ltnisbegriff vermag die Entwicklungslogik in ihren wesentlichen Momenten abzubilden, dann ist die prospektive, spannende Frage nun, ob in der (Selbst-)Entfaltung des Menschen als drittem Aspekt das bestimmende Moment zuk&#252;nftiger Produktivkraftentwicklung liegt. Diese These vertrete ich, und &#8211; die Leserin ahnt es &#8211; in der freien Softwarebewegung sehe ich eine Keimform dieser Entwicklung. Dazu sp&#228;ter mehr &#8211; an dieser Stelle steht zun&#228;chst die begriffliche Rekonstruktion der Formseite der gesellschaftlich-historischen Entwicklung an, also mit dem, was traditionell Produktionsverh&#228;ltnis genannt wurde.</p>
<h4>Produktionsverh&#228;ltnisse?</h4>
<p>&#220;ber eine Kette von Vereinfachungen werden Produktionsverh&#228;ltnisse meist auf Eigentumsverh&#228;ltnisse reduziert <a name="t5" href="#f5">[5]</a>. Die Frage, wer &#252;ber das (produktive) Eigentum verf&#252;gt, scheint die Kernfrage linker Politik zu sein. Mit der Verf&#252;gung &#252;ber produktive Mittel ist jedoch keineswegs »willentlich« freigestellt, wof&#252;r die Mittel eingesetzt werden. So k&#246;nnen in warenproduzierenden Gesellschaften die produktiven Mittel eben nur innerhalb der Warenform eingesetzt werden, weil sie nur darin ihre Funktion als produktive Mittel wahrnehmen. Das Denken in Eigentumsverh&#228;ltnissen legt eine Personalisierung nahe. Obwohl Marx klarstellt, dass f&#252;r ihn der »Kapitalist« nur personifiziertes Kapital, nur der die Verwertung von Wert organisierende Funktion&#228;r ist, nahm die klassische Arbeiterbewegung an, dass sie, wenn sie erst &#252;ber das produktive Eigentum verf&#252;gt, aus der Funktion aussteigen k&#246;nne oder ihr mindestens voluntaristisch subjektiven Sinn, etwa die Befriedigung eigener Bed&#252;rfnisse, zuweisen k&#246;nne. So war es nicht verwunderlich, dass hier gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse nach dem Muster unmittelbarer Interaktion, blo&#223;er Verst&#228;ndigung &#252;ber Wollen und Sinn gedacht wurden, obwohl doch eigentlich klar war, dass die abstrakte warenproduzierende Eigenlogik nicht »personal« aufgehoben werden kann. Die Rede vom »historischen Subjekt« war leider nur allzu oft w&#246;rtlich gemeint, die Funktion&#228;re der Partei der Arbeiterklasse waren in den realsozialistischen L&#228;ndern doch auch nur Funktion&#228;re der staatlich organisierten Wertverwertung.</p>
<h4>Vergesellschaftungsform!</h4>
<p>Kann man sich begrifflich der gesellschaftlichen Form n&#228;hern ohne sie auf Eigentumsverf&#252;gung zu reduzieren, ohne aber gleichzeitig &#8211; das w&#228;re die andere Vereinseitigung &#8211; die Eigentums- als Verf&#252;gungsfrage zu ignorieren? Die gesellschaftliche Produktion muss individuell im Medium der gesellschaftlichen Strukturen organisiert und durchgef&#252;hrt werden. Dieses »Medium« konstituiert sich in warenproduzierenden Gesellschaften aus all jenen funktionalen Elementen, die der sich selbst reproduzierende, »subjektlose« Wertverwertungsprozess je historisch spezifisch erfordert: M&#228;rkte unterschiedlicher Regulationsformen, Staaten unterschiedlicher Repressionsdichten, Eigentumsformen unterschiedlicher juristischer Gestalt, Gedankenformen unterschiedlicher Verblendung usw. Anders formuliert: Die kapitalistische Vergesellschaftungsform wird bestimmt von ihrem funktionalen dynamischen Kern, der Verwertung von Wert auf stets erweiterter Stufenleiter. Sie auf den Aspekt »Eigentum« zu reduzieren, w&#252;rde gleichsam einen juristischen Ausdruck eines viel grundlegenderen und fein gestaffelten Prozesses einsam herausheben. Dieser Vereinseitigung entkommt man nur, wenn man die Vergesellschaftungsform eben als solche komplett in den Begriff nimmt. Das Basis- &#220;berbau-Schema wird damit allerdings obsolet.</p>
<p>So global dieser Begriff erscheint, erm&#246;glicht er dennoch die Unterscheidung qualitativ unterschiedlicher Formen der Vergesellschaftung so man ihn mit dem dargestellten Begriff der Produktivkraftentwicklung zusammendenkt. Die Vergesellschaftungsform fasst die Herstellung der vielf&#228;ltigen Vermittlungen von Individuum und Gesellschaft als Ausdruck des jeweiligen Standes der Produktivkraftentwicklung. F&#252;r die vormodernen naturalbasierten Gesellschaften kann dieser Vermittlungsmodus als »herrschaftsf&#246;rmig personal-konkret« charakterisiert werden. Das bedeutet, dass die gesellschaftlichen Regulations-, Vermittlungs- und Verteilungsformen durch personale Herrschaft von Menschen &#252;ber Menschen bestimmt waren. Und es war gewisserma&#223;en ein historisches Missverst&#228;ndnis, als die Arbeiterbewegung ihre Kraft prim&#228;r als Kraft gegen die Herrschaft von Menschen &#252;ber Menschen ansah &#8211; waren es doch blo&#223; die gleichwohl teilweise hartn&#228;ckigen Rudimente personaler Verf&#252;gung &#252;ber andere Menschen, die in die moderne Gesellschaft subjektloser Herrschaft hineinragten. Geradezu im Gegensatz zur personal-konkret vermittelten Vergesellschaftung ist die Vergesellschaftungsform in warenproduzierenden Gesellschaften als »abstrakt-entfremdet« zu kennzeichnen. Aus dem totalit&#228;ren Charakter der abstrakt-entfremdeten Vergesellschaftung jedoch eine romantische R&#252;ckschau abzuleiten, ist fehl am Platze: Es wurde eben »nur« eine Herrschaftsform durch eine andere durchgesetzt, dies allerdings mit aller Gewalt. Das Besondere der abstrakt-entfremdeten Herrschaftsformen ist, dass sie nicht blo&#223; individuell erduldet, sondern &#8211; weil mit der eigenen Reproduktion verkoppelt &#8211; stets aktiv reproduziert werden muss. Durch die damit notwendige Verinnerlichung gewinnt sie &#8211; trotz allen handgreiflichen Elends &#8211; auch ihre besondere Stabilit&#228;t.</p>
<p>Doch auch das muss klargestellt werden: Totalit&#228;rer Charakter bedeutet nicht, dass jegliches Handeln vollst&#228;ndig determiniert ist. Die Totalit&#228;t besteht in der Tendenz der restlosen warenf&#246;rmigen Zurichtung der gesamten Gesellschaft, doch geht auch sie gleichzeitig nie auf, denn das w&#228;re das logische »Ende« jeglicher warenf&#246;rmiger Bewegung. Nichts und niemand zwingt die Individuen, die nahegelegten Formen auch zu nutzen, die universelle M&#246;glichkeitsbeziehung zur Realit&#228;t ist unhintergehbar. Aber »nahegelegt« bedeutet im sinnlich- unmittelbaren Sinne »haut-nahegelegt«: wo ist ein Entzug aus den allgegenw&#228;rtigen Vermittlungsformen warenf&#246;rmiger Vergesellschaftung schon machbar. Die Rede vom »richtig« oder »falsch« wie sie C. Fuchs f&#252;hrt, geht von einem abstrakten Au&#223;enstandpunkt aus: Dass es im Falschen nichts Richtiges g&#228;be, ist tautologisch. Wir sind alle IdiotInnen des Kapitals. Es handelt sich damit um eine Rechtfertigungsfigur: Da es absolut Nichts gibt, was man richtig machen k&#246;nne, kann ich gar nichts machen &#8211; au&#223;er mir das kritische Bewu&#223;tsein zuzulegen, um dann &#8211; ja, was dann? Wesentlich spannender, aber auch individuell brisanter wird es, wenn ich nach der je individuellen Funktionalit&#228;t frage, die das Handeln in den gesellschaftlichen Formen hat &#8211; denn, dass ich und C. Fuchs und jede/r in den nahegelegten Formen tats&#228;chlich handeln und nicht nur &#252;ber sie r&#228;sonieren, steht au&#223;er Frage <a name="t6" href="#f6">[6]</a>.</p>
<p>Bleibt prospektiv zu &#252;berlegen, welches das globale Charakteristikum einer postwarenf&#246;rmigen Vergesellschaftung sein k&#246;nne. Mir scheint es auf der Hand zu liegen: Die individuelle Selbstentfaltung ist nur denkbar und praktisch m&#246;glich in herrschaftsfreien gesellschaftlichen Vermittlungsformen. Ist personale und wertf&#246;rmig-vermittelte abstrakte Herrschaft ausgeschlossen, dann bleibt als Vermittlungsmodus die herrschaftsfreie personal-konkrete Vermittlung denk- und machbar. Selbstentfaltung in herrschaftsfreier personal-konkreter Vermittlung bedeutet also, dass je meine individuelle Entfaltung die Voraussetzung f&#252;r die Entfaltung aller ist. Sie trifft sich exakt mit dem entsprechenden bekannten Marxschen Satz &#8211; dies jedoch nicht wie abstrakter moralischer Leitsatz auf den Deckel eines die Warenform noch nicht einmal denkend verlassenden Programms geschrieben, sondern aus dem dargestellten Begr&#252;ndungszusammenhang entwickelt.</p>
<h4>Keimform</h4>
<p>Bevor nun die freie Softwarebewegung als Keimform f&#252;r eben diesen globalen &#220;bergang von der warenf&#246;rmigen, abstrakt-entfremdeten zur herrschaftsfreien, personal-konkret vermittelten Produktivkraftentwicklung diskutiert werden soll, muss klarer werden, was &#252;berhaupt mit »Keimform« <a name="t7" href="#f7">[7]</a> gemeint sein kann.</p>
<p>Keimformen eines Neuen entwickeln sich immer schon im Alten. Sie werden st&#228;rker, werden zu einer nicht mehr zu &#252;bersehenden Funktion im alten System, &#252;bernehmen dann die bestimmende Rolle und transformieren schlie&#223;lich das alte Gesamtsystem in ein Neues, in dem sich alles nun nach der neuen dominanten Funktion ausrichtet. Dieser beschriebene Proze&#223;ablauf ist typisch f&#252;r dialektische Entwicklungsprozesse <a name="t8" href="#f8">[8]</a>. In allgemeiner Form kann man f&#252;nf Stufen f&#252;r qualitative Entwicklungsspr&#252;nge so beschreiben (Holzkamp 1983):</p>
<ul>
<li>Stufe 1: Entstehen der neuen Keimformen, die sich sp&#228;ter entfalten</li>
<li>Stufe 2: Ver&#228;nderung der Rahmenbedingungen des alten dominanten Gesamtprozesses (»Krisen«)</li>
<li>Stufe 3: Funktionswechsel vorher unbedeutender Keimformen zur wichtigen Entwicklungsdimension neben der noch den Gesamtproze&#223; bestimmenden Funktion (erster Qualit&#228;tssprung)</li>
<li>Stufe 4: Dominanzwechsel der neuen Entwicklungsdimension zur den Gesamtprozess bestimmenden Funktion (zweiter Qualit&#228;tssprung)</li>
<li>Stufe 5: Umstrukturierung des Gesamtprozesses auf die Erfordernisse der neuen bestimmenden Entwicklungsdimension</li>
</ul>
<p>Damit ist klar, was eine Keimform nicht ist: Sie ist nicht schon das Neue selbst, nur sozusagen im Kleinformat. Sie ist auch nicht eine Art kondensiertes Neues, das alle Potenzen schon enth&#228;lt und nur noch wachsen muss (weswegen die blo&#223;e Rede vom »Keim« irref&#252;hrend ist). Keimformen sind fr&#252;he Erscheinungen eines sich im Alten herausbildenden prinzipiell mit dem bestehenden System unvertr&#228;glichen neuen Prinzips, das als solches notwendig nur in Sonderr&#228;umen existieren kann (Stufe 1). Nur unter den Bedingungen einer sich &#228;ndernden systemischen Umgebung, einer Krise des alten dominanten Prinzips der Systemerhaltung (Stufe 2), k&#246;nnen sie eine neue Funktionalit&#228;t erlangen und aus den Nischen heraustreten (Stufe 3). Altes und neues Prinzip gehen hier in einen offenen Schlagabtausch &#252;ber. Ob das Neue sich durchsetzt, ist ungewiss. Nur wenn sich das neue Prinzip als real &#252;berlegen ausbilden kann, kann es das alte Prinzip als Kern der Systemerhaltung abl&#246;sen. Ist dieser Schritt vollzogen und gibt es systemisch keine M&#246;glichkeit der R&#252;ckentwicklung mehr, dann ist der Dominanzwechsel vollzogen (Schritt 4). Im Zug der Durchsetzung erfolgt im zunehmenden Ma&#223;e ein Umbau der Systemstruktur auf die Logik des neuen Entwicklungsprinzip hin. Durchsetzung und Systemumbau etablieren sich als wechselseitige, sich gegenseitig stabilisierende Prozesse (Stufe 5) &#8211; bis zu neuen Keimformen und Systemkrisen auf dem erreichten neuen Entwicklungsniveau.</p>
<p>Dialektische Entwicklungsprozesse lassen sich vollst&#228;ndig stets nur r&#252;ckwirkend verstehen und als F&#252;nfschritt rekonstruieren (etwa die Durchsetzung des Kapitalismus). Prospektiv sind mit dem F&#252;nfschritt aber den Blick sch&#228;rfende Verallgemeinerungen gegeben, um Entwicklungstendenzen fr&#252;hzeitig als richtungsbestimmend zu registrieren. Auch damit kann man falsch liegen, denn Keimformen k&#246;nnen auch zunichte gemacht werden &#8211; erst in Praxis erweist sich eine Theorie als haltbar oder nicht. Genau das gilt es permanent zu pr&#252;fen.</p>
<p>Von Keimformen abzuheben sind solche Entwicklungsans&#228;tze, die auf neuem Systemniveau zwar zur vollen Entfaltung kommen k&#246;nnen, aber auf altem Niveau durchaus funktional integrierbar sind und somit den Funktionswechsel blockieren. In diesem Sinne ist die Kritik an der Keimform-Hypothese in bezug auf die Freie Softwarebewegung (nicht nur von C. Fuchs) bedeutsam, denn die Frage, ob es sich bei Entwicklungen um noch im Alten funktionalisierbare Ans&#228;tze oder um genuin nichtfunktionalisierbare Keimformen handelt, ist entscheidend. Darin liegt (auch) die erkenntnisleitende Funktion des Keimform-Begriffes.</p>
<h4>Zusammenfassung</h4>
<p>Was traditionsmarxistisch als Produktivkraft-Produktionsverh&#228;ltnis-Dialektik figurierte, habe ich vorstehend in wertkritischer Perspektive als Dialektik von Produktivkraftentwicklung und Vergesellschaftungsform versucht zu rekonstruieren. Diese erm&#246;glicht folgende theoretische Zugriffe (m. E. in &#220;berwindung bisheriger Beschr&#228;nkungen):</p>
<ul>
<li>Produktivkraftentwicklung als logisch-historischer Begriff, der das Mensch-Mittel-Natur- Verh&#228;ltnis fasst, entgeht verdinglichenden Vorstellungen von Produktivkr&#228;ften als technisch- wissenschaftlichen Mitteln;</li>
<li>Der Begriff Produktivkraftentwicklung ontologisiert keine warengesellschaftlichen Bewegungsformen (abstrakte Arbeit, Geld etc. ), sondern expliziert die Tatsache, dass Menschen in gesellschaftlicher Vermittlung ihre Lebensbedingungen herstellen und ihnen gleichzeitig unterworfen sind;</li>
<li>Geschichte wird damit als Geschichte der Produktivkraftentwicklung begreifbar, als historische Bewegung des Mensch-Welt-Zusammenhangs &#8211; der Begriff entzieht sich jeder (techno-) deterministischen Geschichtsbetrachtung;</li>
<li>Der Begriff Vergesellschaftungsform fasst den Formaspekt der Vermittlungsverh&#228;ltnisse, den Menschen bei der gesellschaftlichen Produktion des Lebens eingehen und entgeht damit der typischen personalisierenden Denkform, die mit dem Produktionsverh&#228;ltnis-Begriff (»Wer verf&#252;gt&#8230; «) nahegelegt ist.</li>
<li>Die Vergesellschaftungsform umfasst dabei alle gesellschaftlichen Vermittungsbeziehungen und nicht nur die &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse &#8211; die Basis-&#220;berbau-Trennung ist obsolet.</li>
<li>Vergesellschaftungsform als Vermittlungsbegriff ist in der Lage, das Handeln der Menschen im »Medium« der Vergesellschaftungsform zu begreifen, es also weder »deterministisch« als blo&#223;e Resultante &#246;konomischer Verh&#228;ltnisse noch idealistisch als Ausdruck »freier« Willenssubjekte zu vereinseitigen.</li>
<li>Der Begriff Vergesellschaftungsform erm&#246;glicht es, personal-konkrete und abstrakt- entfremdete gesellschaftliche Herrschaftsformen analytisch zu unterscheiden &#8211; und bietet einen Ansatz, personal-konkrete herrschaftsfreie gesellschaftliche Vermittlungsformen zu denken.</li>
<li>Der Begriff Keimform schlie&#223;lich kann als zeitlicher Vermittlungsbegriff gesellschaftliche Transformation als widerspr&#252;chlich vermittelten Proze&#223; analytisch zug&#228;nglich machen, was sowohl das »Missionsdenken« des klassischen Marxismus wie die idealistische Vorstellung einer total-unmittelbaren Transformation aufhebt.</li>
<li>Der Keimform-Begriff akzentuiert die Potenzialit&#228;ten gegen&#252;ber den Faktizit&#228;ten und gewinnt dadurch erkenntnisleitenden Charakter f&#252;r diejenigen, die endlich Schluss machen wollen mit (abstrakter) Arbeit und Warenform.</li>
<li>Produktivkraftentwicklung, Vergesellschaftungsform und Keimform sind Kategorien, also analytische Begriffe, die sich von Beschreibungen dadurch abheben, dass sie nicht f&#252;r eine Sache selbst stehen, sondern theoretische Zugriffe auf Sachverhalte erm&#246;glichen, um wesentliches sichtbar zu machen.</li>
</ul>
<p>Kursorisch ergeben sich damit folgende Resultate. Die Geschichte der Produktivkraftentwicklung kann in drei gro&#223;e Epochen eingeteilt werden, in denen jeweils ein Aspekt des Mensch-Mittel- Natur-Verh&#228;ltnisses bestimmend ist und denen jeweils bestimmte Vergesellschaftungsformen entsprechen. Die naturale Epoche der agrarischen Gesellschaften war durch (sehr unterschiedliche) personal-konkrete Vermittlungs- und Herrschaftsformen gekennzeichnet. Die warenproduzierende Mittelepoche der industriellen Gesellschaften ist durch abstrakt-entfremdete Vergesellschaftungsformen bestimmt. Als Aufhebungsperspektive l&#228;sst sich die unbeschr&#228;nkte Selbstentfaltung des Menschen, die nur die Entfaltung aller sein kann, denken, die die abstrakte Vergesellschaftung durch personal-konkrete herrschaftsfreie gesellschaftliche Vermittlungsformen ersetzt <a name="t9" href="#f9">[9]</a>. Ans&#228;tze dieser Entwicklungstendenz sind in vielf&#228;ltiger Weise &#8211; in Warenform und jenseits dessen &#8211; heute sichtbar.</p>
<h4>Freie Softwarebewegung</h4>
<p>Handelt es sich bei der freien Softwarebewegung um einen blo&#223;en »Ansatz« (im o. g. begrenzten Sinne) oder eine Keimform des Neuen? Folgende Aspekte sprechen f&#252;r den Keimformcharakter:</p>
<ul>
<li>der funktionale Kern freier Softwareentwicklung ist wertfrei (vgl. Meretz 2000)</li>
<li>die Produktion basiert auf individueller Selbstentfaltung und kollektiver Selbstorganisation</li>
<li>auf der Grundlage globaler Vernetzung hat die (Re-)Produktion in diesem Bereich das gesellschaftlich-kooperative Niveau erreicht (im Unterschied etwa zu Alternativprojekten)</li>
</ul>
<p>Folgende Aspekte sprechen gegen den Keimformcharakter:</p>
<ul>
<li>die je individuelle Reproduktion kann &#252;ber diese Teil-Entkopplung nicht abgesichert werden</li>
<li>Freie Software bedeutet &#8211; &#228;hnlich der betrieblichen Rationalisierung &#8211; f&#252;r das Einzelkapital einen Verwertungsvorteil (w&#228;hrend es gesamtkapitalistisch die Entwertungstendenz versch&#228;rft) &#8211; es kommt also zu lokalen Stabilisierungseffekten</li>
<li>Das Bewu&#223;tsein &#252;ber ihr Tun ist in der Freien Softwarebewegung nur sehr rudiment&#228;r ausgebildet &#8211; das Oekonux-Projekt ist im Vergleich zur Gesamtbewegung marginal.</li>
</ul>
<p>Hieraus ergeben sich viele Fragen, die auch intensiv im Oekonux-Projekt diskutiert werden. Dabei geht es nicht darum, wer »Recht« hat, sondern sowohl Kritikerinnen wie Unterst&#252;tzerinnen der Keimform-Hypothese ringen um eine gemeinsames Begreifen der realen Prozesse. Alles andere wird die Praxis zeigen. So ist mit den hier vorgelegten Kategorien und Kriterien ja noch in keiner Weise beantwortet, wie denn eine gesellschaftliche Vermittlung der Produktion und Reproduktion konkret aussehen kann &#8211; also die Frage danach, was denn »personal-konkrete herrschaftsfreie Vergesellschaftung« im Einzelnen bedeutet. Aber diese Frage so stellen zu k&#246;nnen, ist schon ein Fortschritt.</p>
<h4>Anmerkungen</h4>
<p><a name="f1" href="#t1"> [1]</a> Das Projekt Oekonux (»&#214;konomie &amp; GNU/Linux«) entstand im Sommer 1999 und besch&#228;ftigt sich mit der Frage, ob und wie die Prinzipien Freier Software gesellschaftlich verallgemeinerbar sind. Auf der Website <a href="http://www.oekonux.de/">www.oekonux.de</a> finden sich Hinweise, wie man sich in die Mailingliste eintragen kann, auf der auch der Fuchs-Aufsatz diskutiert wird. Eine faktenbezogene Auseinandersetzung von Stefan Merten findet sich z. B. in <a href="http://www.oekonux.de/liste/archive/msg02111.html">www.oekonux.de/liste/archive/msg02111.html</a>.</p>
<p><a name="f2" href="#t2"> [2]</a> Die fehlenden Webadressen der (korrigierten) Online-Literaturangaben von Fuchs: Free Software Foundation / Stallman, R. M., Categories of Free and Non-Free Software, <a href="http://www.gnu.org/philosophy/categories.html">www.gnu.org/philosophy/categories.html</a>; GNU General Public License, <a href="http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html">www.gnu.org/copyleft/gpl.html</a>, deutsche &#220;bersetzung, <a href="http://www.gnu.de/gpl-ger.html">www.gnu.de/gpl-ger.html</a>; Selling Free Software, <a href="http://www.gnu.org/philosophy/selling.html">www.gnu.org/philosophy/selling.html</a>; The Microsoft Antitrust Trial and Free Software, <a href="http://www.gnu.org/philosophy/microsoft-antitrust.html">www.gnu.org/philosophy/microsoft-antitrust.html</a>; What is Copyleft? <a href="http://www.gnu.org/copyleft/copyleft.html">www.gnu.org/copyleft/copyleft.html</a>; What is Free Software? <a href="http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.html">www.gnu.org/philosophy/free-sw.html</a>; Why Software Should Be Free, <a href="http://www.gnu.org/philosophy/shouldbefree.html">www.gnu.org/philosophy/shouldbefree.html</a> Meretz, S.: Die doppelte algorithmische Revolution des Kapitalismus, <a href="http://www.kritische-informatik.de/algorevl.htm">www.kritische-informatik.de/algorevl.htm</a>; Linux &amp; Co. Freie Software &#8211; Ideen f&#252;r eine andere Gesellschaft, <a href="http://www.kritische-informatik.de/fsrevol.htm">www.kritische-informatik.de/fsrevol.htm</a> Meretz, S. , Schlemm, A. , Subjektivit&#228;t, Selbstentfaltung und Selbstorganisation, <a href="http://www.kritische-informatik.de/selbstl.htm">www.kritische-informatik.de/selbstl.htm</a> Open Source Initiative, The Open Source Case for Business, <a href="http://www.opensource.org/advocacy/case_for_business.php">www.opensource.org/advocacy/case_for_business.html</a>; The Open Source Definition, <a href="http://www.opensource.org/docs/definition.html">www.opensource.org/docs/definition.html</a> Raymond, E. S., The Cathedral and the Bazaar, <a href="http://www.catb.org/~esr/writings/cathedral-bazaar/cathedral-bazaar/">www.tuxedo.org/~esr/writings/cathedral-bazaar/cathedral-bazaar</a>, deutsche &#220;bersetzung, <a href="http://www.linux-magazin.de/ausgabe/1997/08/Basar/basar.html">www.linux-magazin.de/ausgabe/1997/08/Basar/basar.html</a> Rilling, R., Auf dem Weg zur Cyberdemokratie, <a href="http://www.bdwi.org/bibliothek/cyberdemokratie.html">www.bdwi.org/bibliothek/cyberdemokratie.html</a></p>
<p><a name="f3" href="#t3"> [3]</a> Robert Kurz (1997) hat die Dichotomie einer unvermittelten Transformation und dem Verharren in der Wertform sehr sch&#246;n beschrieben. »Also: &#8216;alles oder nichts&#8217;, totale Unmittelbarkeit der Umw&#228;lzung oder totale Unmittelbarkeit der herrschenden Wertform, keine vermittelnde sozial&#246;konomische Bewegung dazwischen. « (55)</p>
<p><a name="f4" href="#t4"> [4]</a> Auch die Wesen-Erscheinung-Differenz, die etwa Kurz (1997, 62) bem&#252;ht, als Unterschied von Potenz und Wirklichkeit der Produktivkraftentwicklung, geht am wesentlichen vorbei. Die Rede von der »stofflichen Gestalt« reproduziert genau das, was Fokus der Wertkritik ist: Ein soziales Verh&#228;ltnis tritt dem Kritiker in seiner dinglichen, fetischistischen Form entgegen, der die Verdinglichung prompt begrifflich reproduziert &#8211; und das, obwohl mindestens eine Ahnung davon vorliegt, dass »&#8217;Kr&#228;fte&#8217; in einem umfassenden und daher auch kulturellen Sinne« (ebd. , 58) zu verstehen seien.</p>
<p><a name="f5" href="#t5"> [5]</a> »Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkr&#228;fte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverh&#228;ltnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck daf&#252;r ist, mit den Eigentumsverh&#228;ltnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkr&#228;fte schlagen diese Verh&#228;ltnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. « (Marx 1859, 9) Drei typische Verk&#252;rzungen (nicht nur) des Traditionsmarxismus finden hier in Marx ihren Zeugen: die Reduktion der Produktionsverh&#228;ltnisse auf die Eigentumsfrage, die Verdinglichung der Produktivkr&#228;fte, der Revolutions- Automatismus aus dem Widerspruch von Produktivkr&#228;ften und Produktionsverh&#228;ltnissen.</p>
<p><a name="f6" href="#t6"> [6]</a> Z. B. : Warum reproduziert C. Fuchs die universelle Voraussetzung f&#252;r die Warenform, die Knappheit, mit seinem eigenen Buch (2001)? Warum unterstellt er es nicht einer freien Lizenz und bietet es zum Download an? Hat er Angst, er k&#246;nnte zum »Idiot des Kapitals« werden, weil sein freigegebenes Wissen u. U. in die Kapitalakkumulation einfliesst? Oder ganz schn&#246;de, das Buch k&#246;nnte »sich nicht rechnen«?</p>
<p><a name="f7" href="#t7"> [7]</a> Soweit ich es &#252;berschaue, ist der Begriff »Keimform«, an den ich hier anschlie&#223;e, eine »Erfindung« von Kurz (1997, 55ff): »Das Problem, das hier aufscheint, ist das der &#8216;Keimform&#8217;. Der historische Materialismus hat analytisch bewiesen und anerkannt, da&#223; die b&#252;rgerlich-warenf&#246;rmige, kapitalistische Vergesellschaftung als Keimform im Scho&#223;e der feudalen Gesellschaft entstanden ist. (&#8230; ) Die politische Bewegung ging der neuen Reproduktionsform nicht als abstrakte und symbolische Willenskundgebung voraus, sondern war im Gegenteil ihre sekund&#228;re Konsequenz und ihre notwendige Erscheinungsform. (&#8230; ) Die Frage ist, ob es gelingen kann, die radikale Wertkritik theoretisch und praktisch an die sozial&#246;konomische Keimform einer Transformation heranzuf&#252;hren, die einen Weg aus den fetischistischen Strukturen heraus findet. «</p>
<p><a name="f8" href="#t8"> [8]</a> Sofern Entwicklungsprozesse stets nur als »Selbstbewegung in Widerspr&#252;chen« aufgefasst werden, ist das zus&#228;tzliche Adjektiv »dialektisch« hier &#252;berfl&#252;ssig. Ich habe es zur Verdeutlichung jedoch hinzugef&#252;gt.</p>
<p><a name="f9" href="#t9"> [9]</a> Ziehe ich die fr&#252;here Bestimmung heran, wonach die abstrakte warenf&#246;rmige Eigenlogik nicht »personal« (als Klassensubjekt) aufgehoben werden k&#246;nne und gehe ich vom &#220;bergang abstrakt-entfremdeten zur herrschaftsfreien, personal-konkret vermittelten Produktivkraftentwicklung aus &#8211; habe ich mir dann nicht einen logischen Widerspruch eingebrockt? Mir kommt es darauf an, dass »Aufhebung« kein voluntaristischer Akt ist. Besonders festes W&#252;nschen und Wollen hilft nichts. Entscheidend ist vielmehr die Eigenlogik der historischen Entwicklung begrifflich zu rekonstruieren, um in dieser Entwicklungslogik eingreifend die »richtigen« Schritte zu tun. »Richtig« ist dabei stets das, was jenseits der alten Logik liegt, was also dazu beitr&#228;gt, zun&#228;chst »au&#223;erhalb« initiale Stellen anderer Logik &#8211; Keimformen &#8211; zu etablieren.</p>
<h4>Literatur:</h4>
<p>Fuchs, C. (2001), Soziale Selbstorganisation im informationsgesellschaftlichen Kapitalismus. Gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse heute und M&#246;glichkeiten zuk&#252;nftiger Transformationen, Wien/Norderstedt: Libri Books On Demand. Holzkamp, K. (1993), Grundlegung der Psychologie, Frankfurt/M. : Campus. Kurz, R. (1997), Anti&#246;konomie und Antipolitik. Zur Reformulierung der sozialen Emanzipation nach dem Ende des »Marxismus«, Krisis 19, Bad Honnef: Horlemann; Internet: <a href="http://www.opentheory.org/keimformen/">www.opentheory.org/keimformen</a> Marx, K. (1859), Zur Kritik der politischen &#214;konomie, in: MEW Bd. 13, Berlin: Dietz. Meretz, S. (2000), »GNU/Linux ist nichts wert &#8211; und das ist gut so! «, Internet: <a href="http://www.kritische-informatik.de/lxwertl.htm">www.kritische-informatik.de/lxwertl.htm</a></p>
<hr />Copyright (c) 2001 Stefan Meretz Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.1 or any later version published by the <a href="http://www.fsf.org/">Free Software Foundation</a>; with no Invariant Sections, with no Front-Cover Texts, and with no Back-Cover Texts. A copy of the license is included in the section &#8220;<a href="http://www.opentheory.org/gfdl.phtml">GNU Free Documentation License</a>&#8220;.</p>
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