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	<title>Streifzüge &#187; Streifzüge 1999-2</title>
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		<title>Was Wert ist</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 1999 02:19:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gulo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wert / Tausch]]></category>
		<category><![CDATA[Schandl; Franz]]></category>
		<category><![CDATA[Streifzüge 1999-2]]></category>

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Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/was-wert-ist">Was Wert ist</a></p>
<h3>Notizen zu Michael Heinrichs &#8220;Untergang des Kapitalismus?&#8221; Antikritik und Konkretisierung. Inklusive insistierender Marx-Exegese. Exklusive Gebrauchswert</h3>
<p>Streifzüge 2/1999</p>
<p><em>von Franz Schandl</em> <span id="more-6191"></span></p>
<p>Michael Heinrichs Ausführungen in der letzten Ausgabe der <em>Streifzüge</em> (1/1999) geben mehr Rätsel auf als sie lösen. In der Folge will ich dies nur anhand eines Kriteriums, der Bestimmung des Werts und ihren Implikationen zu konkretisieren versuchen. Was jetzt kommt, soll nicht als Spitzfindigkeit oder gar unnötige Fleißaufgabe abgetan werden. Aus der unterschiedlichen Position folgt nämlich durchaus eine unterschiedliche Positionierung der Gesellschaftskritik. </p>
<p>Zum Zusammenbruch, der &#8220;Perle des Arbeiterbewegungsmarxismus&#8221; (S. 2), wie Heinrich sie nennt, oder zur Diskussion über produktive und unproduktive Arbeit, wird in dieser Zeitung und andernorts ebenfalls noch einiges gesagt werden. Vor allem sollte die Debatte aber relativ unaufgeregt geführt werden, sodaß man nicht nur die vermeintlichen Schwächen der anderen, sondern auch die eigenen erkennen und gegebenenfalls korrigieren kann.</p>
<p><strong>1.</strong></p>
<p>Michael Heinrich meint, &#8220;erst im Nachhinein, auf dem Markt zeigt sich, inwieweit die Privatprodukte als Produkte gesellschaftlicher Arbeit anerkannt werden&#8221; (S.4). Diese Anerkennung setzt jedoch eine Erkennung als Ware voraus. Der Wert muß ihr nicht vom Markt oktroyiert werden, sondern wohnt ihr inne. Der Tausch setzt nicht den Wert, er verhilft ihm bloß zu seinen abschließenden Kriterien, Geld und Preis. Das sogenannte Privatwirtschaftliche ist schlichtweg eine gesellschaftliche Funktion, nichts anderes als die präformierte Option der Warenbesitzer.</p>
<p>Wir vermögen daher Heinrich auch absolut nicht zu folgen, wenn er in seinem Buch &#8220;Die Wissenschaft vom Wert&#8221; schreibt: &#8220;Erst innerhalb des Austausches verwandelt sich die Privatarbeit wirklich in gesellschaftliche Arbeit, wird sie zu wertbildender Arbeit. Dann folgt aber auch, wovon bereits oben die Rede war, daß den Waren erst innerhalb des Austauschs Wert und Wertgröße zukomme.&#8221; <sup>1</sup> D.h. nicht Waren würden auf dem Markt auftreten, sondern Produkte. Zu Waren würden sie nur werden im unmittelbaren Akt des Tausches. Waren würden laut dieser Sichtweise wohl nur noch zirkuliert, nicht mehr produziert. Der Begriff Warenproduktion wäre unsinnig.</p>
<p>Produktion und Zirkulation bilden eine Einheit, sodaß ein Produkt, das aus der Produktion nicht herauskann, nie zum Tauschwert wird, und somit auch schlußendlich keinen Wert mehr hat, obwohl es einen gehabt haben mag. Daraus ist aber nicht zu schließen, daß der Wert sich nun erst am Markt konstituiert, er wird bloß manifestiert und fixiert; was ihn ausmacht, ist schon in ihm gewesen. Es gibt selbstverständlich keine kapitalistische Produktion ohne einer kapitalistischen Zirkulation. Umgekehrt gilt es aber ebenso. Was betont werden muß, ist die Einheit, nicht die Zweiheit von Produktion und Zirkulation.</p>
<p>Heinrich zerreißt diesen kapitalistischen Gesamtprozeß. Was er unterstellt, ist ihm selber zu unterstellen, die Trennung von Produktions- und Zirkulationsverhältnissen, wobei in seiner Logik nur letztere den Wert setzen sollen. Permanent unterläuft Heinrich der Fehler, daß er Schaffung und Realisierung des Werts nicht unterscheiden will, in seiner Produktion geistern wirklich unschuldige Produkte durch die Gegend. Die jungfräuliche Geburt der Ware in der Zirkulation ist schon ein wundersames Rätsel. </p>
<p><strong>2.</strong></p>
<p>Die Zirkulation ist die letzte Bedingung des Werts, aber die Produktion ist seine elementare Voraussetzung, auch wenn im Resultat der Ware dies als ausgelöscht in Erscheinung tritt. Sie ist nicht mehr da, obwohl vorhanden, da aus lebendiger Arbeit tote geworden ist. Der Wert ist seinem Wesen nach unabhängig vom Tausch, nicht aber in seiner erscheinenden Wertform. Nur, woraus resultiert denn ihre Zueinanderbeziehung im Tausch. Was ist die materielle Grundlage dieser? Wie gelangt der Wert urplötzlich am Markt zu seiner Existenz? Was messen die Individuen, wenn sie Produkte vergleichen und danach fragen, ob die Ware K den Wert v entspricht? Auch wenn sie es nicht wissen, halluzinieren sie das Produkt als Arbeitsprodukt. Daß der Mähdrescher mehr kosten darf als eine Kaffeemaschine, ist ihnen eine Selbstverständlichkeit. Woraus mögen sie diese nur ableiten?</p>
<p>Der Wert kommt dem einzelnen Produkt schon durch die Arbeit zu, aber er kommt ohne Zirkulation nicht aus ihm, weder aus dem einzelnen noch aus den vielen, heraus. Er äußert sich nur, wenn es ihm gelingt, in letzter Instanz auch im Tausch nach außen zu treten, sich zu entäußern, indem er sich auf etwas anderes, das doch seinesgleichen ist, bezieht. Dazu bedarf es des Marktes, der aber auch in seiner Komplexität mehr ist als die Summe der vollzogenen Geschäfte (Kauf resp. Verkauf). Bereits vor dem Kauf findet eine Bewertung des Produkts im Kopf statt. Wessen Wert hat es?, fragt der potentielle Kunde, der deshalb noch lange nicht Käufer sein oder werden muß.<sup>2</sup>  Zweifellos, am Markt realisiert sich der Wert im Tauschwert, objektiv, indem sich Marktwert und Marktpreis bilden, subjektiv, indem Käufer und Verkäufer diese in Preiskämpfen destillieren. Heinrich spricht also hier Richtiges an, nur verabsolutiert er einen Aspekt der Warenmetamorphose. </p>
<p>Karl Marx schreibt: &#8220;Der Austauschprozeß gibt der Ware, die er in Geld verwandelt, nicht ihren Wert, sondern ihre spezifische Wertform.&#8221;<sup>3</sup>  Der Markt ist also die Instanz der Realisierung des Werts, nicht die seiner Setzung. Heinrich hingegen behauptet: &#8220;Gebrauchswerte werden erst innerhalb und durch den Austausch zu Waren.&#8221;<sup>4</sup>  &#8220;Zeitlich existiert Ware (und daher auch als Wertgröße) immer nur im Austausch, vor dem Austausch existieren nur Gebrauchswerte.&#8221;<sup>5</sup>  Aus dem Hegelschen Grundsatz &#8220;Das Wesen muß erscheinen&#8221;<sup>6</sup>,  schließt Heinrich, daß, wo es nicht erscheint, nichts verloren hat. </p>
<p>Laut solcher Annahmen gäbe es dann auch keine Warenproduktion mehr, sondern nur noch eine Warenzirkulation. Auch der Arbeiter hätte somit bloß als Arbeitskraft auf den Arbeitsmarkt seinen Wert, in der folgenden Produktion würde aber seine Arbeit keinen Wert bilden, denn erst am Markt könne dieser sich durch den Vergleich gebären. Die Produktion ist Heinrich dann tatsächlich ein <em>wertfreies</em> Gebiet, erst der Markt macht das Kapital. Da die Arbeit als Wertbildnerin ausscheidet, müßte auch die Arbeitskraft ihre verwertende Funktion im Produktionsprozeß verloren haben. Hat der Wert in der Produktion keinen Sinn, dann gilt das auch für den Mehrwert, und ebenso für das Kapital als sich verwertender Wert. </p>
<p>Das hieße freilich weiters, daß auch die Kategorie des Warenbesitzer hinfällig, ja unsinnig geworden ist, denn erst im Akt der Veräußerung würde er zu einem solchen aufsteigen, um sogleich seinen Status aber im Tauschakt wieder zu verlieren. Kapitalismus wird so mit Marktwirtschaft identisch gesetzt, die Zirkulation müßte nunmehr zum eigentlichen Gegenstand der Kapitalismuskritik werden. Denkt man Heinrich zu Ende, dann rührt das am essentiellen Kern Marxscher Theorie. Das ist durchaus legitim, nur sollte es auch ausgesprochen werden.</p>
<p>Natürlich kann Heinrich sich auch auf Marx berufen, wenngleich der Gehalt seiner Berufung uns äußerst fragwürdig erscheint. Und zwar deshalb, weil wir glauben &#8211; und daher auch unsere Exegese -, daß es sich dabei um eine äußerst selektive Sichtung handelt, die die Substanz ausblenden muß, auch wenn sie auf korrekte Bezugsstellen rekurrieren kann. Was noch nicht sagt, daß Heinrich unrecht hat, wohl aber meint, daß er sich eine falsche Referenz ausstellt.</p>
<p>Wenn Heinrich auf Marx verweist, dann gilt es sich selbstverständlich Marx anzuschauen. Dieser schreibt: &#8220;Da die Produkte erst in gesellschaftlichen Kontakt treten durch den Austausch ihrer Arbeitsprodukte, erscheinen auch die spezifisch gesellschaftlichen Charaktere ihrer Privatarbeiten erst innerhalb des Austauschs. Oder die Privatarbeiten betätigen sich in der Tat erst als Glieder der gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der Austausch die Arbeitsprodukte und vermittelst derselben die Produzenten versetzt. Den letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse von Personen in ihrer Arbeit selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse von Sachen. Erst innerhalb ihres Austauschs erhalten die Arbeitsprodukte eine von ihrer sinnlich verschiednen Gebrauchsgegenständlichkeit getrennte, gesellschaftliche Wertgegenständlichkeit.&#8221;</p>
<p>Die Hervorhebungen sind von uns, nicht von Marx, und sie zeigen deutlich, daß hier anderes gemeint ist als Heinrich folgert. <em>Erscheinen, betätigen, erhalten </em>- all diese Termini dokumentieren, daß hier eine zusammengehörige Totalität auseinandergelegt wird. Der Wert ist kein spezifisch lokales Problem der kapitalistischen Ökonomie, sondern ihr allgemeines Betriebssystem. Dies ist übrigens auch durchaus als Selbstkritik zu unseren allerersten Ausführungen in dieser Zeitschrift zu verstehen, wo salopp behauptet wurde: &#8220;Wert ist eine Kategorie der Produktion.&#8221;<sup>7</sup> </p>
<p><strong>3.</strong></p>
<p>Betrachten wir die Kritik der politischen Ökonomie, so gilt es trotz mißverständlicher und sich widersprechender Formulierungen festzuhalten: Das gesamte Marxsche Werk unterscheidet zwischen <em>Schaffung</em> und <em>Realisierung</em> des Werts, sowie zwischen Wert und Wertform. Daß Heinrich dies vernachlässigt, ist das größte Manko seiner Ausführungen. Im dritten Kapitel des dritten Bandes heißt es: &#8220;Der Prozeß, der diese Wertsumme erzeugt, ist die kapitalistische Produktion; der Prozeß, der sie realisiert, ist die Zirkulation des Kapitals.&#8221;<sup>8</sup>  In der Zirkulation geht es nicht darum, den Waren etwas zuzusetzen, sondern diese abzusetzen. Der realisierte Profit hat bereits vorher existiert. Er ist kein Zauberkunststück des Marktes. Er ist in der Zirkulation nur zu sich gekommen. In ihr wird tatsächlich, was wirklich schon ist.</p>
<p>Auch <em>Wert </em>und <em>Tauschwert</em> werden begrifflich nicht auseinandergehalten, sondern immerzu gleichsetzt. Wertform und Wert sind Heinrich anscheinend eins. Wobei dieser Mangel an Differenz nicht nur ihm anzulasten ist, er hat auch durchaus im Marxschen Werk Eingang gefunden,<sup>9</sup>  wenngleich Marx an verschiedenen Stellen die Differenz ausdrücklich betont: &#8220;Der Wert einer Ware ist selbständig ausgedrückt durch seine Darstellung als &#8220;Tauschwert&#8221;. Wenn es im Eingang des Kapitels in der gang und gäbe Manier hieß: Die Ware ist Gebrauchswert und Tauschwert, so war dies, genau gesprochen, falsch. Die Ware ist Gebrauchswert oder Gebrauchsgegenstand und &#8220;Wert&#8221;. Sie stellt sich dar als dies Doppelte, was sie ist, sobald ihr Wert eine eigne von ihrer Naturalform verschiedne Erscheinungsform besitzt, die des Tauschwerts, und sie besitzt diese Form niemals isoliert betrachtet, sondern stets nur im Wert- und Austauschverhältnis zu einer zweiten, verschiedenartigen Ware.&#8221;<sup>10</sup> </p>
<p>Der erste Teil des Zitats ist kein Widerspruch zum zweiten. <em>Wertform</em>, d.h Tauschwert kann die Ware nur in einer (expliziten und impliziten) Zirkulation annehmen, der Wert jedoch umfaßt den gesamten Werdungs- und Vergehungsprozeß. Die Form realisiert aber nur das Vorhandene, setzt dieser nichts zu. Schon vor der Gleichsetzung der Waren müssen diese Wert beinhalten. Er kann ihnen nicht erst am Markt zufliegen. Entäußern kann sich durch die Ware nur, was an Wert in ihr drinnen ist. Um aber als Tauschwert zu erscheinen, müssen die Waren zueinander ein Wertverhältnis eingehen, ansonsten transformiert sich der Wert nicht zum Tauschwert. Das der Ware innewohnende, der Wert, reflektiert sich in seiner äußerlichen Beziehung am Markt, dem Tauschwert. &#8220;Die abstrakte Wertgegenständlichkeit der Waren wird also in der Tauschrelation bereits vorausgesetzt und kann nicht erst innerhalb dieser Relation oder im &#8216;Tauschakt&#8217; entstehen.&#8221;<sup>11</sup> </p>
<p>So als hätte er Heinrich und andere schon geahnt schreibt Marx: &#8220;Unsere Analyse bewies, daß die Wertform oder der Wertausdruck der Ware aus der Natur des Warenwerts entspringt, nicht umgekehrt Wert und Wertgröße aus ihrer Ausdrucksweise als Tauschwert.&#8221;<sup>12</sup>  &#8220;Es ist offenbar, daß nicht der Austausch die Wertgröße der Ware, sondern umgekehrt die Wertgröße der Ware ihre Austauschverhältnisse bestimmt.&#8221;<sup>13</sup>  Auch wenn Marx Bailey meint, könnte er Heinrich gemeint haben: &#8220;Es entspringt seinem allgemeinen Mißverständnis, wonach Tauschwert=Wert, die Form des Werts der Wert selbst ist; Warenwerte nicht mehr vergleichbar sind, sobald sie nicht aktiv als Tauschwerte fungieren, also nicht realiter gegeneinander ausgetauscht werden können.&#8221;<sup>14</sup>  &#8220;&#8216;<em>Ware</em>&#8216; ist einerseits Gebrauchswert und andrerseits &#8216;Wert&#8217;, nicht Tauschwert, da die bloße Erscheinungsform nicht ihr eigener Inhalt ist.&#8221;<sup>15</sup></p>
<p>Zusammenfassend zum besseren Verständnis noch einmal Marx. In seinem Anhang zur Wertform schreibt er in der ersten Ausgabe des ersten Bands des Kapitals von 1867: &#8220;Die Basis des Ausdrucks: <em>20 Ellen Leinwand = 1 Rock</em> ist in der That: Leinwand = Rock, was in Worten ausgedrückt nur heißt: die <em>Waarenart Rock ist gleicher Natur, gleicher Substanz mit der von ihr verschiedenen Waarenart Leinwand. </em>Man übersieht das meist, weil die Aufmerksamkeit durch das <em>quantitative Verhältniß</em> absorbirt wird, d.h. durch die <em>bestimmte Proportion</em>, worin die eine Waarenart der anderen gleichgesetzt ist. Man vergißt, daß <em>die Größen verschiedner Dinge erst quantitativ vergleichbar sind nach ihrer Reduktion auf dieselbe Einheit. Nur als Ausdrücke derselben Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable Größen.</em> In obigem Ausdruck verhält sich also die Leinwand zum Rock als <em>Ihresgleichen</em>, oder der Rock wird auf die Leinwand <em>bezogen als Ding von derselben Substanz, Wesensgleiches</em>. Er wird ihr also qualitativ gleichgesetzt.&#8221;<sup>16</sup> </p>
<p>Weiters heißt es: &#8220;Der Rock ist nur <em>dasselbe</em> wie die Leinwand, soweit beide <em>Werthe</em> sind. Daß also die Leinwand sich zum Rock <em>als ihresgleichen verhält</em>, oder daß der Rock <em>als Ding von derselben Substanz</em> der Leinwand gleichgesetzt wird, drückt aus, daß der Rock <em>in diesem Verhältniß als Werth gilt</em>. Er wird der Leinwand <em>gleichgesetzt</em>, sofern sie ebenfalls Werth ist. <em>Das Gleichheitsverhältniß</em> ist also <em>Wertverhältniß</em>, das Werthverhältniß aber vor allem Ausdruck des Werths oder des Werthseins der Waare, welche <em>ihren Werth ausdrückt</em>.&#8221;<sup>17</sup>  Und er schlußfolgert: &#8220;<em>Werth</em> ist der Rock nur, <em>so weit er dinglicher Ausdruck der in seiner Produktion verausgabten menschlichen Arbeitskraft ist</em>, also <em>Gallerte abstrakter menschlicher Arbeit &#8211; abstrakter Arbeit</em>, weil von dem bestimmten, nützlichen Charakter der in ihm enthaltenen Arbeit abstrahirt wird, <em>menschliche Arbeit</em>, weil die Arbeit hier nur <em>als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft überhaupt zählt</em>.&#8221;<sup>18</sup> </p>
<p><strong>4.</strong></p>
<p>Heinrich schreibt: &#8220;Der Wert entsteht daher nicht irgendwo und ist dann &#8220;da&#8221;, der Wert ist vielmehr die gegenständliche Reflexion eines bestimmten gesellschaftlichen Verhältnisses.&#8221; (S. 2.) Aber dieses gesellschaftliche Verhältnis, eben das Kapitalverhältnis ist ein Verhältnis von (abstrakten) Arbeiten. c steht für tote Arbeit, v steht für lebendige bezahlte Arbeit und m für lebendige nichtbezahlte Arbeit. Was also reflektiert wird, ist das Arbeitsverhältnis, reflektiert wird die dem Gegenstand gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeit. Der Wert ist höchstens deswegen nirgendwo, weil er irgends ist, d.h. überall gegenwärtig, der Modus kapitalistischen Daseins. </p>
<p>Wert ist für Marx &#8220;Gallerte von Arbeit&#8221;.<sup>19</sup>  Abstrakte Arbeit schafft Wert. Der Tauschwert ist die Form, in der sich der Wert realisiert. Wert ist Setzung von Arbeit im Produkt, Tauschwert ist die Beziehung der zugesetzten Arbeiten verschiedener Produkte zueinander. Wertkritik ist Arbeitskritik, nicht bloß Tauschkritik. Der Tausch steckt schon in den privaten Tätigkeiten, sie werden auf den Markt hin gedacht und es wird für den Markt produziert, es sind also nicht zufällige Überschüsse, die man gegen andere vertauscht. Diese Privatarbeiten wollen sich als unbestimmte allgemeine Arbeiten, also abstraktifizierte Größen, über den Wert aufeinander beziehen, ja sie müssen dies tun. Nicht nur Produkte werden hergestellt, sondern tatsächlich Waren.</p>
<p>Das Maß abstrakter Arbeit sind abstraktifizierte Arbeitseinheiten, die jedoch ewig im Fluß sind, Gallerten, die aufgrund der Konkurrenz, stets davonzuglitschen drohen. Sie sind nicht berechenbar, obwohl andauernd mit ihnen spekuliert werden muß. Der Wert ist keine konsistente Größe, ganz anders als das Wort unterstellt, er hält nicht! Die sog. &#8220;Entnaturalisierung des Werts&#8221;, wie Heinrich sie versteht, trennt den Tauschwert schließlich völlig von der abstrakten Arbeit ab. Wobei abstrakte Arbeit ja nicht als natürliche Verausgabung von Muskel, Nerv und Hirn aufzufassen ist, sondern als auf den Markt bezogenen Tätigkeit zum Zwecke der Realisierung des Werts. Abstrakte Arbeit ist schon eine Abstraktion zweiter Ordnung, die Abstraktion erste Ordnung ist der gemeinverständliche Oberbegriff der (konkreten) Arbeit schlechthin, die ja selbst verschiedene Tätigkeiten unter eine Kategorie subsumiert. Insgesamt freilich ist jede Terminologie problematisch, in der der Arbeitsbegriff ins Anthropologische gerät.</p>
<p>Marx wirft zweifellos im Kapital unterschiedlichste Arbeitsbegriffe wild durcheinander. Was die Frühschriften oder auch die Grundrisse noch ausgezeichnet hat, nämlich Arbeit zu differenzieren und auch zu kritisieren, das geht im Kapital wahrlich unter. In der englischen Fassung wird das noch deutlicher, wo Marx nicht work, sondern gar labour  zur Bedingung menschlicher Existenz macht.</p>
<p><strong>5.</strong></p>
<p>Wertkritik, die sich auf Wertformkritik, d.h. Kritik des Tauschwerts und des Markts reduzieren läßt, beschneidet ihren Aktionsradius. Kritik der politischen Ökonomie ist Kritik des Werts auf allen Ebenen. Es gilt daran festzuhalten, daß Produktion, Zirkulation und Konsumtion allesamt formbestimmt durch den Wert sind, dieser nicht als ausschließliches Kriterium der Zirkulation konstruiert werden darf. Aus der gesellschaftlichen Retorte der Zirkulation ist nicht auf den zentralen Ort der Gesellschaft zu schließen.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p>1 Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert, Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, Hamburg 1991, S. 187.<br />
2 Vgl. dazu auch unsere Ausführungen im zweiten Kapitel &#8220;Sequenzen einer Kategorie&#8221; in: Franz Schandl, Entwurf einer Metakritik des Tauschs, Streifzüge 1/1999, S. 18-19.<br />
3 Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW, Bd. 23, S. 105.<br />
4 Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert, S. 187.<br />
5 Ebenda, S. 195.<br />
6 Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Wissenschaft der Logik II., Werke 6, Frankfurt am Main 1986, S. 126.<br />
7 Franz Schandl, Der Wert. Smith, Ricardo, Marx, Streifzüge 2/1996, S. 3. Vgl. dazu auch die diesbezüglichen Ausführungen in: Franz Schandl, Vom Fortschritt in der Geschichte über den Wert zum Gut, Weg und Ziel, Nr. 1/1997, S. 60-63.<br />
8 Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band (1894), MEW, Bd. 25, S. 51; vgl. weiters S. 254, 290f., 835f.<br />
9 Vgl. dazu insbesondere Robert Kurz, Abstrakte Arbeit und Sozialismus. Zur Marxschen Werttheorie und ihrer Geschichte, Marxistische Kritik 4 (1987), S. 57-108, vor allem S. 62ff.<br />
10 Karl Marx, Das Kapital, Erster Band (1867), MEW, Bd. 23, S. 75.<br />
11 Robert Kurz, Abstrakte Arbeit und Sozialismus, S. 63.<br />
12 Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 75.<br />
13 Ebenda, S. 78.<br />
14 Karl Marx, Das Kapital. Zweiter Band (1885), MEW, Bd. 24, S. 110.<br />
15 Karl Marx, [Randglossen zu Adolph Wagners "Lehrbuch der politischen Ökonomie"] (1879/80), MEW, Bd. 19, S. 369.<br />
16 Karl Marx, Das Kapital. Erster Band, Hamburg 1867; in: MEGA II/5, Berlin (Ost) 1983, S. 629.<br />
17 Ebenda.<br />
18 Ebenda, S. 630.<br />
19 Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 72.</p>
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		<title>Morden darf nur der Norden</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg und Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Schandl; Franz]]></category>
		<category><![CDATA[Streifzüge 1999-2]]></category>

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<p>Streifz&uuml;ge 2/1999</p>
<p><em>von Franz Schandl</em> <span id="more-525"></span></p>
<p>Auf diese grobe Grundformel k&ouml;nnte man die Neueste Weltordnung bringen, die da soeben an Jugoslawien ihr erstes Exempel statuiert. So stellt sich das allzust&auml;ndige und m&auml;chtige kapitalistische Abendland, die NATO, die Welt vor: Es regiert, es definiert, es bombardiert.</p>
<p>Wer zivilisiert ist, entscheidet die zivile Gesellschaft der kapitalistischen Zentren. Und ihre kulturindustrielle Artillerie feuert die aktuelle Feindesbeurteilung dann aus allen Rohren. Un&uuml;bersehbar, un&uuml;berh&ouml;rbar, un&uuml;bertrumpfbar. Im Freund-Feind-Schema sind Differenzierungen au&szlig;er der einen nicht vorgesehen. Wer gegen Scharping und Fischer ist, ist f&uuml;r Milosevic, unterstellt dieses Einmaleins f&uuml;r Vollidioten auf Bundestagsniveau. Aber auch intellektuelle Division&auml;re wie Habermas oder Beck verk&uuml;nden nichts anderes. Ihr Kriegsgesang ist geistiger Flankenschutz.</p>
<p><strong>Barbarei gegen Barbarei</strong></p>
<p>Tote sind nur Menschen gewesen, wenn sie Zivilisierte waren. Wenn Serben sterben, ist das was ganz anderes. Die haben es sich verdient. Und es ist nicht blo&szlig; ein schlechtes Heldenlied, das der Norden da singt, es findet real statt. Was demonstriert die videogame-artige Aufbereitung der Zerst&ouml;rung eines serbischen Panzers, die uns da so triumphalistisch televisioniert wird? Sie ist doch nichts anderes als die Vorf&uuml;hrung einer Ermordung und die Verh&ouml;hnung der Ermordeten: da werden K&ouml;rper zerfetzt, da verbrennen zwangsrekrutierte Kanoniere. Die filmische Inszenierung erinnert in ihrem Leistungskult fatal an die Wochenschauen der Nazis. Und dieser Vergleich mit Nazi-Propaganda ist nur dahingehend ungenau, weil die demokratische Infiltration im Wohnzimmer um vieles subtiler und perfider ist, werbetechnisch dem Dritten Reich weit &uuml;berlegen. Ihre Totalit&auml;t braucht keine Aufm&auml;rsche und Zwangsverpflichtungen.</p>
<p>Elend gebiert elendigliche Vorstellungen. Wo Blut flie&szlig;t, setzt das Hirn aus. Wo der Instinkt einsetzt, w&uuml;nscht er den Tod des Feindes. Recht primitiviert sich zur Rache. Es setzt sich, indem es andere in Angst und Schrecken versetzt. Je mehr an der Spirale der Gewalt gedreht wird, desto weniger ist sie zu stoppen.</p>
<p>Soldaten sind M&ouml;rder und Vergewaltiger, darauf l&auml;uft ihr Training, das eine Abrichtung ist, implizit hinaus. Jede Form von Gewalt, die man den Gegnern nur antun kann, ist dem Krieg immanent. Also auch die Vergewaltigung. Als eine besondere Art der Dem&uuml;tigung geh&ouml;rte sie stets zum Inventar. Wenn verrohte, aufgeputschte und bewaffnete M&auml;nnerbanden, also Krieger, erscheinen, ist Gefahr in Verzug.</p>
<p>Dies nur dem serbischen Nationaltypus zu unterstellen, zeigt, wie weit der Chauvinismus in NATO-K&ouml;pfen schon fortgeschritten ist. Eine Wahrheit bl&auml;st sich auf zur gro&szlig;en L&uuml;ge. Im konkreten Fall werden aus Vergewaltigungen Massenvergewaltigungen, ja systematische Massenvergewaltigungen, wo dann sogar von eigenen serbischen Vergewaltigungs-KZs die Rede ist. Alles ist m&ouml;glich. Erz&auml;hlte man, da&szlig; serbische Panzerkommunisten albanische Kinder am Spie&szlig;e braten, die Mehrheit w&uuml;rde es sicher glauben. Das versetzte den gemeinen Menschenverstand sicher in Bombenstimmung. In seiner Phantasie halluzinierte er einen Atompilz &uuml;ber Belgrad. Was sich hier entbl&ouml;&szlig;t, ist Politik und Journaille, nicht der Serbe.</p>
<p>Im Krieg erreicht die Verw&uuml;stung der Ganglien nicht nur erschreckende, sondern durchaus schreckliche Ausma&szlig;e. Bl&ouml;dheit schl&auml;gt in Gemeingef&auml;hrlichkeit um. Der Kriegsmeute geht es nicht um Zusammenh&auml;nge, es geht um die Aufladung der Gem&uuml;ter an der Heimatfront. Frontberichterstattung ist von Kriegspropaganda nicht zu unterscheiden. Vieles, was sich als L&uuml;ge oder zumindest Halbwahrheit herausstellen wird, wird zuvor allerdings schon seine Wirkung entfaltet haben. Deren Resultate k&ouml;nnen nicht mehr r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden. Ja, wenn wir das gewu&szlig;t h&auml;tten, werden morgen jene sagen, die gestern nur ihre Pflicht getan haben wollen.</p>
<p>Alles, was man Milosevic und seiner Propagandafront unterstellt, m&uuml;&szlig;te sofort auf die Heimatfront bezogen werden. Also: &quot;Tats&auml;chlich ist das serbische Fernsehen nichts anderes als eine phantasievolle Desinformationsmaschine&quot;, (<em>Kurier</em>, 25. April) meint auch: Tats&auml;chlich ist die &ouml;sterreichische, die deutsche, die franz&ouml;sische, die amerikanische Medienmaschine das ebenso. Wir w&uuml;rden sogar meinen: um vieles &quot;phantasie&quot;voller. Wer Sendungen und Zeitungen des Feindes als hetzerisch und nationalistisch entlarvt, hat den Charakter der eigenen schon richtig benannt. Dementsprechend sollte man die Herren, wenn sie von Kriegsverbrecherprozessen sprechen, sofort fragen, ob sie da auch an sich denken.</p>
<p><strong>Kreuzz&uuml;ge gegen Schurken</strong></p>
<p>Die Verhandlungsvorlage der NATO war stets ein Ultimatum gewesen. Milosevic hat sich zu Rambouillet gar nicht anders verhalten k&ouml;nnen, als er es getan hat. Der NATO und all ihren politischen, medialen und intellektuellen Regimentern mu&szlig; man vorwerfen, dies einfach in Kauf genommen zu haben. Man wollte, was man tat, da m&ouml;gen einige Gr&uuml;ne auch noch so flennen.</p>
<p>Durch den nichterkl&auml;rten Krieg der NATO gegen Jugoslawien hat diese den Ruf eingeb&uuml;&szlig;t eine, wenn auch unsympathische, so doch berechenbare Kraft zu sein. Sie ist, und darauf wird man sich einstellen m&uuml;ssen, zu einer unberechenbaren Institution geworden. V&ouml;lkerrecht und Menschenrecht werden je nach Belieben zurechtgebogen oder beiseite geschoben. Denn das Recht des St&auml;rkeren ist das st&auml;rkere Recht. Und die NATO ist gro&szlig; und allm&auml;chtig. Im jugoslawischen Vorhof (und als nichts anderes betrachtet man nach 1989 die Reste des titoistischen Staates) hat man den Pr&auml;zedenzfall geschaffen. Weitere sollen folgen.</p>
<p>Jugoslawien ist das Menetekel. So wie vor diesem Krieg wird es nie mehr sein. Das Ende staatlicher Souver&auml;nit&auml;ten k&uuml;ndet sich an, diese werden wahrscheinlich nie mehr in den Rahmen irgendeines fragilen V&ouml;lkerrechts gezw&auml;ngt werden k&ouml;nnen. Wir treten ein in eine neue Periode, in der der Norden r&uuml;cksichtslos und unter Strafandrohung sein planetarisches Gewaltmonopol durchsetzen m&ouml;chte. Ab jetzt wird Druck gemacht. Nat&uuml;rlich wird da weiterhin mit zweierlei Ma&szlig; gemessen: Schurken sind nur Schurken, wenn sie nicht unsere Schurken sind.</p>
<p>Ist der negative Bescheid als Schurkenstaat ausgestellt, ist dessen mentaler Abstieg prim&auml;r eine Frage des medialen Marketing. Ob nach den Serben die Inder, die Hutu, die Chinesen oder die Russen zu B&ouml;sv&ouml;lkern ernannt werden, die man in die Zivilisation bomben mu&szlig;, ist eine taktische Frage. Vor allem auch eine, die nach dem Waffenarsenal und den M&ouml;glichkeiten der potentiellen Feinde fragt. Daher werden diese jetzt wie wild aufr&uuml;sten, und wo m&ouml;glich, sich mit Atomwaffen best&uuml;cken.</p>
<p>Jedes Gemetzel in Tibet, jedes Massaker im Kaukasus, kann so den Vorwand f&uuml;r eine zuk&uuml;nftige Intervention liefern. Wer nicht spurt, wie der Norden und seine freiheitlichen Zertifikationsstellen in Regierung und NGOs es vorschreiben, der k&ouml;nnte bald als &Uuml;belt&auml;ter &uuml;berf&uuml;hrt und abgestraft werden. Da ermannt sich der Freiheitskrieger, und schie&szlig;t im Sinne der besten aller Ordnungen, seine Friedensraketen ab. Ja, diese Chinesen, im Sicherheitsrat destruktiv, von den Menschenrechts-Standards ganz zu schweigen. Und auch die Russen darf man nicht l&auml;nger pardonieren. Zu jedem tschetschenischen Konflikt kann man V&ouml;lkermord sagen &#8212; wenn es opportun ist. Und sollten diese Russen dann noch die falsche Regierung installieren oder einen falschen Pr&auml;sidenten w&auml;hlen, dann Gnade ihnen, den Russen. Der Kreuzzug, das ist eine brandaktuelle Herausforderung. Es riecht verdammt nach dem Dritten Weltkrieg.</p>
<p>Da&szlig; die Sozialdemokratie sich gleich wie im August 1914 auf den Punkt bringt, wer h&auml;tte daran gezweifelt. Aber auch von den Regierungsgr&uuml;nen war nichts anderes mehr zu erwarten. Im Ernstfall sind auch sie eine (deutsche) Kriegspartei. Da&szlig; in ihr nicht einmal mehr die Kraft zur Abspaltung, geschweige denn zur Spaltung vorhanden ist, demonstriert Verfall und Verkommenheit. Gr&uuml;n ist abgelaufen. Was als hoffnungsfrohe Bewegung begann, ist als emanzipatorische Gr&ouml;&szlig;e endg&uuml;ltig am Ende. Die Gr&uuml;nen sind der stinkende Leichnam von Achtundsechzig. Fischer und Cohn-Bendit seine Verweser.</p>
<p><strong>Rudelwichsen</strong></p>
<p>Die Herren des Nordens f&uuml;hren sich auf wie eine Bande, ihre Umgangsformen gleichen der Mafia. Rache nennt sie Recht, Ultimatum Vertrag, Erpressung Angebot, Menschenleben Kollateralsch&auml;den. Krankenh&auml;user, Busse, Fl&uuml;chtlingstransporte, Botschaftsgeb&auml;ude, Rundfunksender &#8212; nichts ist vor ihren Attacken sicher. Die okzidentale Cosa nostra, das sogenannte Freiheitsrudel, ist in Bombenstimmung. Ihre obersten Gockel spielen Schwanz messen. Wer ermannt sich am meisten? Wer schickt die meisten Granaten? Wer schie&szlig;t die meisten Panzer ab? Wer wird zuerst mit seinen Bodentruppen ins Landesinnere vorsto&szlig;en? Wer killt Slobo, den tollw&uuml;tigen K&ouml;ter aus Belgrad? Im Rudel wird selbst aus Rudi Ratlos ein Rudi Rambo. Wahrlich, sie sind scharf wie ihre Bomben.</p>
<p>Im Rudelwichsen oder vornehmer ausgedr&uuml;ckt: in der kollektiven Onanie suchen die nun auf Heerf&uuml;hrer gedrillten Politkaspar im Militarismus Potenz und Befriedigung. Freilich, was als St&auml;rke erscheint, ist Schw&auml;che. Das grunds&auml;tzliche Problem ist, da&szlig; die Politik der kapitalistischen Zentren mit ihrem Latein (nicht nur in Jugoslawien) schlicht und einfach am Ende ist. Ihre herk&ouml;mmlichen Rezepte wirken hilflos, au&szlig;er einer rassistischen Abgrenzung im Inneren ist ihren Politikern bisher wenig eingefallen.</p>
<p>Wenn sie politisch nicht mehr aus noch ein wissen, greifen sie zu den Waffen. Zumindest das wissen wir jetzt. Was &Uuml;bermacht ist, ist Ohnmacht auch. Man wollte Entschlossenheit demonstrieren, und versch&auml;rfte doch nur mit Bomben und Granaten, den Leuchtraketen ihrer Demokratie, das Elend: Macht kaputt, weil ihr kaputt seid!</p>
<p>Was die NATO betreibt, ist Zerst&ouml;rung. Ihre f&uuml;hrenden Politiker erlitten sp&auml;testens mit Kriegsausbruch einen Kollaps, der, inzwischen chronisch geworden, in emotionalen Zuckungen und autistischen Ereiferungen sich ausbebt. Biedere Demokraten entpuppen sich als fanatische Kreuzritter, die ihre abendl&auml;ndischen Werte mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Nicht erst nachdem Karl Kraus Rudolf Scharping und Joseph Fischer gesehen hatte, schrieb er: &quot;Politik ist das, was man macht, um nicht zu zeigen, was man ist, und was man selbst nicht wei&szlig;. &quot;</p>
<p>Da&szlig; das gemeinsame Europ&auml;ische Haus, von dem Gorbatschow noch schw&auml;rmte, neuerlich zu einem Totenhaus werden k&ouml;nnte, vor allem in den von der &quot;Macht des B&ouml;sen&quot; befreiten Gebieten, wer h&auml;tte das gedacht. &quot;No Stalin or Hitler is in sight&quot;, jubelte das Magazin <em>Newsweek</em> nach den Umbr&uuml;chen 1989. Inzwischen werden Hitler und Stalin geradezu seriell produziert. Phantasierte man gestern oft den &quot;Endsieg&quot;, so ist nun das B&ouml;se immer und &uuml;berall.</p>
<p>Durch die Konstruktion der vielen Hitler sollen die anderen nun endlich auch ihren Hitler abkriegen. Hitler soll im wahrsten Sinn des Wortes raus aus Deutschland. Alle V&ouml;lker haben ihren Hitler, und wenn sie ihn nicht haben, dann bringen wir ihnen ihn vorbei. Zumindest wenn es ins Feindbild der US- und EU-Administration, prim&auml;r nat&uuml;rlich deren Ableger in Deutschland und &Ouml;sterreich, pa&szlig;t. Die Spezifit&auml;t des deutschen Nationalsozialismus soll gerade dadurch weg&quot;rationalisiert&quot; werden. Diese ma&szlig;losen Vergleiche sind Verdummungs- und Denunziationsmittel in einem, Ausdruck einer unertr&auml;glichen Arroganz, die aber gerade die Ignoranz des eigenen Publikums ausgezeichnet zu hantieren versteht.</p>
<p><strong>V&ouml;lker als Gemeingef&auml;hrlichkeiten</strong></p>
<p>Die selbstbestimmte Nation, die mag einmal ein Ziel gewesen sein, heute ist sie eine M&auml;r. Durchgesetzte wie auch noch durchzusetzende Selbstbestimmungen sind nur mehr um den Preis von Ausgrenzung und Abschiebung, Vertreibung und Krieg zu haben. Je sp&auml;ter die Nation auf dem Misthaufen der Geschichte landet, desto mehr Opfer wird sie noch hinterlassen. <em>Entvolkung</em> ist angesagt. Die Menschen m&uuml;ssen sich von ihren Nationen befreien. Wollen die Menschen Zukunft haben, dann darf kein Volk eine Zukunft haben! Emanzipation ist heute ein kategorisches Projekt gegen das Nationale in all seinen Schattierungen.</p>
<p>Die Kehrseite des Herrschaftsrassismus ist ein ebenfalls destruktiver (Befreiungs)Nationalismus. Die gemeingef&auml;hrliche Absicht, alle &quot;Gleichst&auml;mmigen&quot; in einen Staat stecken zu wollen, alle anderen auszuschlie&szlig;en oder zu drangsalieren, konnte am Balkan nur zum Krieg f&uuml;hren. Ein Ungl&uuml;ck besteht darin, da&szlig; <em>Bev&ouml;lkerungen</em> sich nach wie vor als <em>V&ouml;lker</em> begreifen, d. h. als nationale Schicksalsgemeinschaften und Handlungskollektive, nicht ganz profan als das, was sie eigentlich sein k&ouml;nnten, solidarische Subjekte einer transnationalen Gesellschaft.</p>
<p>Den dualistischen Diktaten darf man sich nicht unterwerfen. Wer gegen Scharping und Fischer ist, ist nicht f&uuml;r Milosevic! Eine Debatte, ob man f&uuml;r oder gegen die Serben oder Albaner ist, ist eine Zumutung sondergleichen. Die Entscheidung zwischen dem marktwirtschaftlichen Kahlschlag einer Globalisierung, und dem nationalistischen Marodieren der Kleinstaaterei ist keine. Der Fetisch des Marktes ist nichts prinzipiell anderes als der Mythos vom Amselfeld. Er ist nicht besser, nur weiter. Sozusagen eine modernere Variante eines sich selbstvergewissernden Wahnsinns.</p>
<p>Es geht schlichtweg darum, in diesem Konflikt nicht Kriegspartei, sondern <em>Partei gegen den Krieg</em> zu sein, es geht darum hier, in den satten Zentren des Nordens, entschlossen gegen die von NATO, Medien und Politik vorangetriebene Eskalation, gegen die Verwilderung internationaler Kommunikation und mediale Kriegsmache, aufzutreten.</p>
<p>Eine Diskussion &uuml;ber den Gesichtsverlust der NATO, aber auch des serbischen Pr&auml;sidenten oder der UCK-F&uuml;hrung ist eine, die man sich nicht leisten sollte. Besser sie verlieren ihr Gesicht als andere verlieren weiterhin das Leben. Die Sirenen werden allerdings erst dann verstummen, wenn die Garde der Freiheitsinvasion&auml;re und Menschenrechtsinterventionisten hierzulande zu sp&uuml;ren bekommt, was sie verdient: eine m&auml;chtige und intelligente Antikriegsbewegung.</p>
<p>Ob das aktuell machbar ist, mu&szlig; allerdings bezweifelt werden. Doch die Alternative ist das Gemetzel in Permanenz mit einer Tendenz Richtung Weltb&uuml;rgerkrieg, was konkret meint: Menschen, die &#8212; &auml;hnlich wie im Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg &#8212; immer in Angst und Schrecken leben m&uuml;ssen, nicht sicher davor, &uuml;berfallen und beraubt, vertrieben und bombardiert, vergewaltigt und erschossen zu werden.</p>
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		<title>Freiheitliche Sirenen 1</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antifa]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
		<category><![CDATA[Schandl; Franz]]></category>
		<category><![CDATA[Scheit; Gerhard]]></category>
		<category><![CDATA[Streifzüge 1999-2]]></category>

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Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/1999/freiheitliche-sirenen-1">Freiheitliche Sirenen 1</a></p>
<p>Streifz&uuml;ge 2/1999</p>
<p><em>von Gerhard Scheit und Franz Schandl</em> <span id="more-526"></span></p>
<p>Bei den folgenden beiden Texten handelt es sich um die &#8220;1. Lieferung&#8221; einer l&auml;ngeren dialogischen Auseinandersetzung zwischen Gerhard Scheit und Franz Schandl &uuml;ber den Fall Haider und den Rechtsextremismus. </p>
<p><strong>Gerhard Scheit:</p>
<p>Rassismus als springender Punkt </strong></p>
<p>Ich m&ouml;chte mit einem Punkt in deinem Text beginnen, an dem sich vielleicht am deutlichsten &Uuml;bereinstimmung und Differenz zwischen deiner und meiner Analyse des &#8218;Falls Haider&#8218; und der heutigen Formen des Rechtsextremismus zeigen: &#8220;Auch wenn es nicht gerne geh&ouml;rt wird: Der Ha&szlig; auf das <em>Obere</em> unterscheidet sich nicht wesentlich vom Ha&szlig; auf das <em>Fremde</em>.&#8221; Er unterscheidet sich &#8211; wie ich denke &#8211; allerdings wesentlich, und damit meine ich nicht den Grad des Hasses, sondern den Zusammenhang, in dem beide &#8218;Ressentiments&#8218; zueinander stehen. Auf diesen Zusammenhang n&auml;mlich kommt es an. Warum wird der F&uuml;hrer der Freiheitlichen von &#8220;unten&#8221;, d. h. von der Basis der Freiheitlichen, nicht als ein &#8220;Oberer&#8221; begriffen, obwohl er nach Einkommen, Besitz und politischer Funktion durchaus als ein solcher gelten m&uuml;&szlig;te? Dies h&auml;ngt doch wohl damit zusammen, da&szlig; er es versteht, das &#8220;Fremde&#8221; in einem Sinn zu definieren, zu spezifizieren und abzuschattieren, der es erlaubt, ihn selber als das genaue Gegenteil des &#8220;Fremden&#8221; erscheinen zu lassen, und damit den Unterschied zwischen kleinem und gro&szlig;em Mann aufhebt. Die &#8220;Fremden&#8221; sind bei Haider und den Freiheitlichen &#8211; aber nicht nur bei ihnen &#8211; zuallererst diejenigen, die nicht zur Nation (zum Zeugungs- und Geb&auml;rzusammenhang des Staats) geh&ouml;ren, <em>und</em> denen zugleich unterstellt wird, da&szlig; sie jene, die zur Nation geh&ouml;ren, ob klein, ob gro&szlig;, in ihrer Sicherheit und im Genu&szlig; der Produktivit&auml;t bedrohen. Die &#8220;Oberen&#8221; jedoch, gegen die der Ha&szlig; sich richtet, werden dadurch definiert, da&szlig; sie im B&uuml;ndnis mit den &#8220;Fremden&#8221; stehen, da&szlig; sie diese beg&uuml;nstigen, die Grenzen zu weit offen halten oder gar &ouml;ffnen wollen (Osterweiterung), weil sie davon profitieren. Und hinter ihnen andere &#8220;Obere&#8221;, die man jedoch nicht sehen kann: die Herren der internationalen Monopole und der globalen Finanzm&auml;rkte von zweifelhafter &#8218;Abstammung&#8218;, als deren Stellverteter die Sichtbaren, die Politiker, fungieren. Aber sie sitzen nicht nur an den h&ouml;chsten Stellen, sondern eben auch an den niedrigsten: &#8218;Sozialschmarotzer&#8218; und Kriminelle heimischer Provenienz verraten ebenfalls das &#8220;Eigene&#8221; an das &#8220;Fremde&#8221;, sie untergraben den Wohlstand der Volksgemeinschaft und schw&auml;chen die Nation.</p>
<p>So sieht das imagin&auml;re Haidersche Reich derzeit aus. Es ordnet sich noch immer nach den Zwangsvorstellungen des Staats und der Produktivit&auml;t des Kapitals &#8211; nach Nation und Rasse, auch wenn diese Nation nur noch als Abschottung, die Rasse nur mehr als Arbeitslosenheer zu haben ist &#8211; ja desto mehr! Je weniger der Nationalsozialismus noch realisierbar ist (als ein neues &#8220;Drittes Reich&#8221;), desto wichtiger wird er als Referenzpunkt des postfaschistischen Bewu&szlig;tseins. Darin sehe ich die eigentlichen Kontinuit&auml;ten &uuml;ber die historischen Formationen von Faschismus/ Nationalsozialismus und das Ende des Fordismus etc. hinaus. Und hier irgendwo wird die Historisierung des Faschismus/Nationalsozialismus, die Du vornimmst, um das Moderne oder besser: Postmoderne von Haider aus guten Gr&uuml;nden herauszustreichen, fragw&uuml;rdig: &#8220;Der Faschismus und mit ihm der Nationalsozialismus geh&ouml;ren zur Aufstiegsgeschichte des europ&auml;ischen Kapitalismus im zwanzigsten Jahrhundert [... ] Dort wo es Parallelit&auml;ten zwischen dem alten Faschismus und der neuen Rechten &agrave; la Haider gibt, sind diese als jeweils ad&auml;quate Zuspitzungen des gesunden Menschenverstandes zu interpretieren, nicht aber, als w&auml;re das eine die Fortsetzung des anderen. Der Faschismus ist also einer bestimmten, nicht wiederholbaren Epoche des Kapitalismus zuschlagbar. Anderswohin versetzt, stiftet er mehr Verwirrung als Erkl&auml;rung.&#8221; Mit &auml;hnlichem Recht k&ouml;nnte doch auch der Begriff der &#8220;Rechten&#8221;, der offenkundig hier auf Haider noch angewandt wird, einer bestimmten historischen, nicht wiederholbaren Epoche des Kapitalismus zuschlagbar sein und also auf Haider nicht mehr anwendbar. Anders gesagt: Die Rede von der &#8220;<em>neuen</em> Rechten &agrave; la Haider&#8221;, die diese Anwendung etwas zu relativieren sucht, w&uuml;rde es auch erlauben vom &#8218;<em>neuen </em>Faschismus&#8218; oder &#8218;<em>neuen</em> Nazismus&#8218; &agrave; la Haider zu sprechen. Ich sehe hier also schon Fortsetzung und Kontinuit&auml;t &#8211; freilich auch Bruch und Diskontinuit&auml;t. Wie schwierig auch die Historizit&auml;t von Faschismus, Nationalsozialismus und Rechtsradikalismus zu fassen ist: Die nationale Ideologie samt ihren beiden T&uuml;rstehern Rassismus und Antisemitismus bleibt &#8211; &uuml;ber das Ende von Fordismus, Keynesianismus und was wei&szlig; ich hinaus &#8211; der entscheidende Faktor zur Stabilisierung und Legitimation staatlicher Herrschaft und kapitalistischer Verwertung &#8211; in welcher Form immer diese beiden noch realisierbar sein m&ouml;gen. Das ist die &#8220;Zuspitzung&#8221;, des &#8220;gesunden Menschenverstands&#8221;, die Haider vornimmt und die ich wirklich auch als &#8220;ad&auml;quat&#8221; bezeichnen w&uuml;rde: ad&auml;quat f&uuml;r Staat und Kapital, und umso ad&auml;quater, je gr&ouml;&szlig;er die Krise.</p>
<p><strong>Franz Schandl:</p>
<p>Inklusion und Exklusion</strong></p>
<p>Der Reihe nach. Dein Einwand, da&szlig; der Ha&szlig; auf das Obere nicht mit dem Ha&szlig; auf das Fremde gleichgesetzt werden kann, ist richtig, aber letztlich nicht ganz treffend. Richtig ist er, weil das Obere und das Untere ja auch wirklich eine bevorzugte Einheit herstellen, eben als Volksgemeinschaft, als Nation, als eherne Zusammengeh&ouml;rigkeit. Sie meinen selbst &#8211; vor allem im deutschsprachigen Raum, aber nicht nur hier &#8211;, da&szlig; sie diese apriori schon quasi biologisch darstellen. Sogar die Einwendungen des sogenannten Klassenkampfs haben sich dagegen als praktisch unf&auml;hig erwiesen. Im b&uuml;rgerlichen Zeitalter kommt die Nation immer vor der Klasse. Aber die Klasse ist auch kein Antagonismus zur Nation, sondern blo&szlig; Bestandteil einer staatlich verfa&szlig;ten Gesellschaftsformation. Was weiters hei&szlig;t, da&szlig; sich der Teil der Gesamtheit, der er angeh&ouml;rt, unterordnen mu&szlig;. Mit dem Klassenkampf ist der Nation nicht beizukommen, denn er ist ein Kampf nationalen Charakters, er setzt also ein gemeinsames Standortinteresse voraus, mag dieses nun reflektiert oder unreflektiert zum Tragen kommen.</p>
<p>Nicht ganz treffend ist deine Kritik allerdings, weil die Muster der Inklusion und Exklusion tats&auml;chlich substantiell zusammengeh&ouml;ren. Was sie differenziert, ist die Auspr&auml;gung, nicht die grunds&auml;tzliche Beschaffenheit. Ich sage auch nirgends, da&szlig; sich das Obere nicht vom Fremden unterscheidet, sondern da&szlig; das entfaltete Ressentiment in beiden F&auml;llen aus den gleichen Basen sch&ouml;pft, auch wenn die resultierende Dimensionierung oder Manifestation anders ist. Denn wie sich etwas in Folge entwickelt, ist nicht vorgegeben, auch wenn es angelegt ist. Worum es mir ging, war, auf die Grundstufe hinzuweisen, ohne die unterschiedlichen Qualit&auml;ten der Superlative zu leugnen. Was ich aufgrund deines Einwands aber getan habe, war eine weitere Pr&auml;zisierung der Passage vorzunehmen.</p>
<p>Aus der Differenz in der Bestimmung, ist jedenfalls nicht auf eine in der Beschaffenheit zu schlie&szlig;en. Karl Marx schreibt: &#8220;Aber wenn die <em>Wirkung</em> von der <em>Ursache</em> verschieden ist, mu&szlig; nicht der Charakter der <em>Wirkung schon inklusive in der Ursache enthalten sein? </em>Schon <em>die Ursache mu&szlig; die Bestimmung tragen, welche die Wirkung sp&auml;ter zeigt.&#8221; </em>(&Uuml;ber Friedrich List: Das nationale System der politischen &Ouml;konomie (1845)) Ja, sie mu&szlig; enthalten sein, sie mu&szlig; aber das Wesen nicht zum Unwesen treiben. Diese Bestimmung mu&szlig; sich nicht (auch nicht in letzter Konsequenz) realisieren, nichtsdestotrotz ist sie vorhanden und kann unter bestimmten Umst&auml;nden real werden. Im Zeitalter der Vollbesch&auml;ftigung ist die rassistische Tendenz eher als flache Gr&ouml;&szlig;e aufgefallen. Also kaum. Trotzalledem ist im Alltagspositivismus der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft, im gesunden Menschenverstand, das eliminatorische Programm der Konkurrenz schon angelegt, egal wie es sich dann historisch auslegt. Das Verwirklichte ist im Wesen vorhanden, aber das Wesen ist nicht das Verwirklichte.</p>
<p>Die Frage ist nun die: Wie gestalten sich Inklusion und Exklusion, anhand welcher Kriterien? Die kapitalistische Entwicklung, was auch immanente K&auml;mpfe und Widerst&auml;nde miteinschlie&szlig;t, war gekennzeichnet durch Auseinandersetzungen um diese Kriterien.</p>
<p>Der Identit&auml;tswahn kennt viele Abstufungen. Da&szlig; Haider nicht als &#8220;Oberer&#8221; wahrgenommen wird, liegt daran, weil eine andere Bestimmung (ein &#8220;unserer&#8221;, ein &#8220;Eigener&#8221;) st&auml;rker ist als diese. Etwas, an dem aber schon ein gut verdienender Arbeiterkammerfunktion&auml;r scheitern kann. Der entspricht n&auml;mlich nicht dem, was sich der gesunde Menschenverstand unter &#8220;arbeiten&#8221; vorstellt. Die Aversion h&auml;ngt auch nicht in erster Linie an der spezifischen Haben-Seite, ist also keine krude Emp&ouml;rung der Armen gegen die Reichen, sondern h&auml;ngt prim&auml;r am konkurrenzistischen Leistungsprinzip, ob unten eingesch&auml;tzt wird, da&szlig; das Geld redlich erarbeitet wurde oder nicht.</p>
<p>Die Stereotype gehen so: <em>Der Haider hat es zu etwas gebracht. Er hat aus sich etwas gemacht. Er arbeitet hart. Er f&auml;hrt einen Porsche, weil er sich den verdient hat. </em>Dies alles, so meinen die unteren Leistungstr&auml;ger oder Leistungsm&ouml;chtegerntr&auml;ger, trifft auf einen Spekulanten oder auf einen Parteiapparatschik nicht zu. Die sind aufgestiegene <em>Schmarotzer</em>, die von unserem Geld leben. In Haiders Terminologie: &#8220;Die Gro&szlig;en richten es sich selber, die Kleinen brauchen den Schutz der Politik.&#8221; (ORF-Report, 8. M&auml;rz 1999) Die Gro&szlig;kopferten und die Oberen, damit ist also immer eine bestimmte Sorte gemeint; der Code, an dem sie gemessen werden, ist jener von Arbeit und Nichtarbeit, was aber auch hei&szlig;t am Code von Wert und Unwert.</p>
<p><em>Fortsetzung folgt. </em></p>
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