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	<title>Streifzüge &#187; Bönold; Fritjof</title>
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		<title>Zur immanenten Kritik am Wert-Abspaltungstheorem</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jul 2008 01:15:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik der Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der Linken: Klassenkampf etc.]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat / Geschlechterverhältnis / Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bönold; Fritjof]]></category>
		<category><![CDATA[Streifzüge 2008-43]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2008/zur-immanenten-kritik-am-wert-abspaltungstheorem-2">Zur immanenten Kritik am Wert-Abspaltungstheorem</a></p>
(2. Teil)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2008/zur-immanenten-kritik-am-wert-abspaltungstheorem-2">Zur immanenten Kritik am Wert-Abspaltungstheorem</a></p>
<h3>2. Teil</h3>
<p>Streifzüge 43/2008</p>
<p><em>von Fritjof Bönold</em> <span id="more-502"></span></p>
<h4>Theorieebenen</h4>
<p>Scholz geht nicht nur von der Ebene der Form, sondern noch von drei weiteren analytischen Ebenen der Geschlechterdifferenz aus. Hier lehnt sie sich vermutlich bei Knapp (1992) an. Anstelle einer methodologischen Begründung dieser Ebenen am Gegenstand verfährt sie aber nur behauptend. Sie stellt fest, dass es diese Ebenen gibt und ordnet ihnen verschiedene, ihrer Ansicht nach erkenntnisfördernde, erfolgreiche Studien zu. Wie ist diese Dreiheit begründet? Wie bei Knapp, die in ihrer Beschreibung von Macht und Herrschaft im Geschlechterverhältnis (1992, S. 295f. ) noch von fünf Ebenen ausging, bleibt das Verhältnis, die Systematik und Ausformulierung der Ebenen weitgehend offen. So mag die methodologische Behauptung, diese theoretischen Ebenen seien eigenständig, zwar vielleicht &#8220;begrüßenswert&#8221; erscheinen. Begründet wird dies aber nur negativ, mit dem Hinweis darauf, dass das Basis-Überbau-Denken gescheitert sei (in Anlehnung an Becker-Schmidt: vgl. Scholz (2000), S. 24f. , 100f. , 112f. und 174f. ). Scholz widerspricht sich allerdings selbst, wenn sie einerseits von einer Unabhängigkeit der Ebenen ausgeht (vgl. Scholz (2000), S. 19, 76, 112 und 182), andererseits aber in ihrer Verwilderungs-These von der materiellen Ebene (globalisierter Weltmarkt, polit-ökonomische Krise) her die kulturell-symbolische wie auch die psychologische Ebene begründet. So schreibt sie etwa: &#8220;(D)ie Produktivkraftentwicklung und die Marktdynamik &#8230; bewirken, dass Frauen sich ein gutes Stück von ihrer traditionellen Rolle entfernen und ihnen eine schon immer dagewesene , doppelte Vergesellschaftung&#8217; mit den entsprechenden Widersprüchlichkeiten im Zuge von Individualisierungstendenzen zu Bewusstsein kommt.&#8221; (Scholz (2000), S. 119; s. a. S. 123ff. zu Leitbildern (symbolische Ordnung), insbesondere dem &#8220;Ein-Geschlecht-Modell&#8221; bzw. dem &#8220;postmodernen Flexi-Subjekt&#8221;; zur sozialpsychologischen Ebene vgl. S. 123f. , s. a. Scholz (1995a, 1995b)).</p>
<p>Scholz geht für die Postmoderne von gewaltigen Veränderungen im Geschlechterverhältnis aus: &#8220;Es haben schon längst , Realdekonstruktionen&#8217; des Zwei-Geschlechter-Verhältnissses stattgefunden&#8221; (2000, S. 147). Dies hat aber keine Auswirkungen auf ihre methodischen Ausführungen: Das Verhältnis der Ebenen zueinander bleibt davon unberührt. Zu ihrem Postulat, ihre Methode habe sich nach dem Gegenstand zu richten, steht das im Widerspruch (2000, S. 180).</p>
<p>Wie schon Becker-Schmidt und Knapp rekurriert das Wert-Abspaltungstheorem, um die Ebene &#8220;sozio-psychischer Verhältnisse&#8221; zu begreifen, begrifflich auf die Psychoanalyse in der Lesart der Kritischen Theorie (z. B. Scholz (2000), S. 109, 111 oder 121). Der Begriff des &#8220;gesellschaftlichen Unbewussten&#8221; der Wert-Abspaltung im Sinne eines &#8220;Unterbauphänomens&#8221; (Scholz und Becker-Schmidt) folgt einer binären Logik von Bewusstsein und Unbewusstem, wird allerdings wieder nicht weiter geklärt. Bei Scholz hätte man dies eventuell doch vermuten wollen, da sie ja mit dem Begriff der Abspaltung die Psychoanalyse auf den ersten Blick sogar auf der Ebene der gesellschaftlichen Form zu Ehren kommen lässt. Dies ist aber nur Schein und kann auch nur zum Teil erfolgreich sein. Aus meiner Sicht haben weder das Theorem der doppelten Vergesellschaftung noch das der Wert-Abspaltung wirkliche Begriffe der &#8220;Mitte&#8221; bzw. Vermittlung entwickelt und können daher nicht anders, als parallele (drei, fünf oder &#8230; ) Theorieebenen aufzulisten (vgl. Bönold (2003), S. 412-444). Die Theorien zeigen allerdings die historisch-gesellschaftliche Fundierung des Problems am Auseinanderfallen von übermächtiger Gesellschaftlichkeit und frei-unterworfenem Individuum in der bürgerlichen Gesellschaft. Zwar liegt in den Rekursen von Scholz und Becker-Schmidt/Knapp auf Freuds Theorie des Unbewussten meines Erachtens eine gesellschaftskritische Potenz (weil sie die Illusion der Autonomie des Subjekts relativiert), doch steht eine Vermittlung zur &#8220;Wert-Abspaltung&#8221; bzw. zum &#8220;Herrschaftsgefüge&#8221; (Becker-Schmidt) letztlich noch aus (s. dazu Bösch (1998, 2000). Andere psychologische Theorien werden von Scholz übrigens übergangen oder stillschweigend vorausgesetzt, wie bei Chodorow das Lernen am Modell. Die Auseinandersetzung mit der kognitiv-strukturellen Theorie, den Ansätzen der &#8220;Informationsverarbeitung&#8221;, mit der Handlungs- und Kulturpsychologie sowie mit der Empirie und den Modellen der Sozialpsychologie etc. unterbleibt. Gleichwohl behauptet Scholz, dass &#8220;nur mit einem psychoanalytischen Instrumentarium (der sozialpsychologischen Dimension, F. B. ) beizukommen ist&#8221; (2000, S. 19).</p>
<p>Wie gesagt, das Ziel einer begrifflichen Vermittlung ist bei Scholz nur implizit. Sie setzt eine theoretische Vermittlung der Formebene mit anderen Theorieebenen zwar inhaltlich immer wieder voraus, sieht diese Vermittlung aber begrifflich als letztlich nicht durchführbar. Bei Robert Kurz findet sich allerdings ein solcher Übergang zumindest im Ansatz formuliert, nämlich der Übergang von Arbeit zur Sphärendifferenzierung der Moderne: &#8220;Aber die warenproduzierende , Arbeit&#8217; ist auch noch in einem zweiten Sinne , real abstrakt&#8217;, den Marx keineswegs systematisch entwickelt hat: nämlich in ihrer Existenz als eine ausdifferenzierte Sphäre, die getrennt ist von anderen Sphären &#8230; Die Entfaltung und schließlich Entfesselung der Formabstraktion in der Moderne ist &#8230; nur möglich dadurch, dass die , Arbeit&#8217; als diese getrennte, , real abstrakte&#8217; Sphäre ausdifferenziert wird, vom übrigen Lebensprozess getrennt wird; dass der warenproduzierende Mensch also nicht nur von der sinnlichen Qualität seiner Gegenstände, sondern in und hinsichtlich der , Arbeit&#8217; auch gleichzeitig von den anderen Lebensmomenten , absieht&#8217; (abstrahiert), die zu funktionalen Sphären jenseits der , Arbeit&#8217; geronnen sind. Und diese Trennung liegt überhaupt der modernen , Sphärentrennung&#8217; insgesamt, jener , Ausdifferenzierung&#8217; moderner Gesellschaften zugrunde, von der in der Soziologie und Systemtheorie dauernd (und natürlich affirmativ) die Rede ist.&#8221; (Kurz 1995, S. 113 an Polanyi anschließend, auf den meines Wissens der Begriff der herausgelösten Ökonomie zurückgeht; s. a. Kurz (1992), S. 123ff. ).</p>
<p>Diese Aussagen wären weiter begrifflich auszuarbeiten (was bisher meines Wissens nicht geschehen ist), sollen die Andeutungen nicht reine Behauptung bleiben. Zur Voraussetzung hätte dies aber einen Begriff des sozialen Raums, der die Strukturierung des materiell-physikalischen Raums einschließt: &#8220;Sphären&#8221; sind schließlich zunächst nur ein sprachliches Bild für gesellschaftliche Handlungsstrukturen bzw. Vergesellschaftungsweisen. Ähnliche Fragen stellen sich für die Übergänge zu den Theorieebenen der symbolisch-diskursiven Ordnung (&#8220;patriarchales Zivilisationsmodell&#8221;) und der Sozialpsychologie (&#8220;psychogenetischer Unterbau&#8221;, &#8220;Sozialisation&#8221;).</p>
<p>Ich sehe es zudem als einen logischen Widerspruch an, wenn sich Scholz einerseits für die diskursive Ebene auf Studien wie die von Laqueur (1992) bezieht, die mit Foucault argumentieren; andererseits aber für die sozialpsychologische Ebene sich auf die Psychoanalyse in Gestalt der Objektbeziehungstheorie von Chodorow (1985) bezieht. Beide Ansätze schließen sich z. B. hinsichtlich der Subjektvorstellung aus.</p>
<h4>(Anti-)Methode</h4>
<p>Die Frage der Vermittlung allgemeiner Begriffe zu anderen Ebenen der Theorie besitzt auf der Rückseite eine weitere Dimension, nämlich <em>wie</em> wir überhaupt zu wesentlichen Bestimmungen kommen (können), also die methodische Frage. Der methodische Rahmen von Scholz orientiert sich an Adorno und reklamiert ein &#8220;spekulativ-philosophisches Denken&#8221; (2000, S. 176) der Kritik gesellschaftlicher Totalität. Auch hier sehe ich offene Fragen; zwei seien hier nur angedeutet.</p>
<p>Die Bestimmung der Totalität als Wert-Abspaltung ist nach Scholz immer in ihrer identitätslogischen Beschränktheit und historischen Vorläufigkeit kenntlich zu machen. Insofern drängt sich (ihr) die Frage auf, wie der Zusammenhang zwischen &#8220;Nicht-Identischem&#8221; (Adorno) und der &#8220;weiblichen&#8221; Abspaltung zu verstehen ist. Bei Scholz findet sich bloß die Auskunft, diese seien &#8220;nicht gleichbedeutend&#8221; (2000, S. 175), und sie fährt fort mit der Behauptung: &#8220;(N)ichtsdestotrotz ist sie (die Abspaltung, F. B. ) so allerdings die Grundvoraussetzung, dass das Kontingente, das nicht unter den Begriff Subsumierbare, aber auch das Leibliche und Lebensweltliche in den dominierenden Sphären und Denkströmungen der , männlichen Moderne&#8217;, in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik usw. weithin unbeachtet blieb.&#8221; (2000, S. 175; siehe auch Kurz (1992, S. 125) zum Verhältnis zu Adornos Begriff des <em>unverdinglichten Rests </em>sowie die Kritik von Behrens (2001)).</p>
<p>Weiter fragt sich, ob der Rückbezug auf Adornos Kritik der Identitätslogik und die damit zusammenhängende Kritik eines unhistorischen, autonomen Erkenntnissubjekts mit dem Subjektbegriff der <em>krisis</em>-Gruppe vermittelbar ist. Nach meiner Lesart Adornos möchte dieser die Subjekt-Objekt-Dichotomie nicht negieren, sondern die Dominanz des Subjekts bzw. die Hierarchie zum Objekt beseitigen. So heißt es beispielsweise in der Negativen Dialektik (1966): &#8220;Aber der kritische Gedanke möchte nicht dem Objekt den verwaisten Thron des Subjekts verschaffen, auf dem das Objekt nichts wäre als ein Götze, sondern die Hierarchie beseitigen &#8230; Die Einsicht in die Vermitteltheit des Denkens durch die Objektivität negiert nicht das Denken und die objektiven Gesetze, durch die es Denken ist&#8221; (S. 182). Kurz (1993) hat jedoch nicht allein für die Beschränkung der Subjekt-Position (im Sinne einer über ihre historische Vorläufigkeit aufgeklärte Aufklärung) votiert, sondern für eine anzustrebende Aufhebung des Gegensatzes von Subjekt und Objekt. Und schließlich ist auch nach der besonderen Erkenntnis- bzw. Kritikposition der <em>krisis</em>-Gruppe gegenüber der Wissenschaft zu fragen, und weshalb Letztere grundsätzlich nicht zu einer Kritik der Wert-Abspaltung in der Lage sein soll.</p>
<h4>Abspaltung</h4>
<p>Die Wesensbestimmung von Wert wird im Begriff der Wert-Abspaltung ins Verhältnis zu einer Nicht-Bestimmung gesetzt, da mit Abspaltung keine Wesensbestimmung im Sinne einer begrifflich-inhaltlichen, relationalen oder funktionalen Bestimmung vorgenommen, eine Bestimmung ja vielmehr generell als unmöglich angesehen wird. Behandelt man nun aber &#8220;Abspaltung&#8221; trotzdem als einen Begriff (und will man ihn diskutieren, bleibt nichts anderes übrig), dann sehe ich folgende Probleme:</p>
<p>Das Verhältnis von Wert und Abspaltung bleibt unklar, weil der Prozess der Abspaltung (in der Psychoanalyse) etwas voraussetzt, das abspaltet und dabei dem abgespaltenen Weiblichen nur Objektstatus zuerkennt. Dies widerspricht (logisch) der Gleichursprünglichkeits-Annahme und unterstellt letztlich ein , gutes, ursprüngliches&#8217; Subjekt, das zu heilen wäre. Welchen Status hat dann eigentlich noch das Abgespaltene? Geht dann nicht die gesamte historische Dynamik allein vom Wert aus?</p>
<p>Das Verhältnis von Wert/Männlichkeit zu Abspaltung/Weiblichkeit ist nach Scholz primär eines der Unterordnung der &#8220;Frau&#8221;. Der <em>gemeinsame</em> Versuch einer Glückssuche in Sexualität, Intimität, Eltern- und Partnerschaft sowie das Gefühl der Freiheit im Privaten, das von beiden Geschlechtern gelebt wird, gehen aber in der Darstellung von Scholz unter. Hier darf freilich nicht übersehen werden, dass es sich <em>nicht </em>um ein harmonisches und gegenseitiges Ergänzungsverhältnis handelt, sondern hier auch eine widersprüchliche Hierarchie zwischen Menschen begründet liegt. In eine Person hinein verlagert stellt es sich als widersprüchliche Dimension der doppelten Vergesellschaftung dar, insbesondere für viele Frauen. Diese &#8220;Ambivalenz&#8221; (Becker-Schmidt) betrachtet Scholz auf sozialpsychologischer Ebene nicht, obwohl sie doch &#8220;die doppelte Vergesellschaftung von Frauen&#8221; (Becker-Schmidt) eingesteht. Scholz gerät so in die Nähe von einfachen Repressionstheorien, was ihre Verwendung des Patriarchatsbegriffs noch unterstützt.</p>
<p>Das Wort Wert-Abspaltung unterstellt einerseits ein zeitliches Nacheinander (erst Wert, dann Abspaltung davon). Dies suggeriert auch die Metapher der Abspaltung als <em>Schatten </em>des Wertverhältnisses. Sie wirft die Frage auf, woher das Licht fällt, das den Wert erstrahlen und die Abspaltung dunkel werden lässt. Üblicherweise wird die Aufklärung mit dem Bild des Lichts gleichgesetzt, was allerdings hier nicht gemeint sein kann, da Scholz die Aufklärung als einen Prozess der durch die Wertform bedingten Öffentlichkeit behandelt (vgl. 1992, S. 33f. ). Auch eine Art räumliches Verhältnis wird nahegelegt (aus dem Männlichen heraus wird das Weibliche abgespalten): &#8220;Die Wert-Abspaltung impliziert auch ein spezifisches sozio-psychisches Verhältnis: Bestimmte minderbewertete Eigenschaften, Haltungen, Gefühle (Sinnlichkeit, Charakter- und Verstandesschwäche, Passivität u. ä. ) werden im warenproduzierenden Patriarchat der Frau zugeschrieben, in sie hineinprojiziert, vom männlichen, modernen Subjekt abgespalten. Umgekehrt haben sich auch Frauen in der Geschichte des warenproduzierenden Patriarchats nicht selten selber in derartigen Zuordnungen erkannt&#8221;(2000, S. 109f. ). Die von Scholz solcherart fortgeschriebene psychoanalytische Terminologie wird hier zudem auf bewusste Momente (&#8220;erkannt&#8221;) ausgedehnt, was weitere Fragen eröffnet, die allerdings übergangen werden. Dies wiederum setzt eine ursprüngliche Ganzheitsvorstellung voraus. Eine solche Vorstellung (Adam, der ganze Mensch, Androgynie, die Libido&#8230; ) kann aber vom Theorem nicht angezielt sein. Hier wird offenbar unbemerkt &#8220;das&#8221; psychoanalytische Menschenbild fortgeschrieben.</p>
<p>Bei Scholz fehlt bisher eine Explikation des Begriffs der Abspaltung im Sinne der psychoanalytischen und der feministischen Diskussionen. Der Rekurs auf &#8220;die&#8221; Psychoanalyse bleibt zudem unklar, weil &#8220;die Psychoanalyse&#8221; selber nur selten und dann nur am Rande von &#8220;Abspaltung&#8221; spricht. Eher wäre hier der Begriff der Abjektion (lat. <em>abiectus</em>: niedrig, gemein, verworfen) angesprochen, bei Freud angedeutet und von Kristeva und Butler verwendet, wo er allerdings auch einen quasi-ontologischen Charakter erhält, wenn damit gemeint ist, dass das Ich über das Verworfene mit seinen Grenzen und Ängsten konfrontiert wird und so der Narzissmus gestört wird. Der Rekurs auf den Feminismus ist jedenfalls unklar, weil der Begriff auch dort nur randständig auftaucht, nicht zentral ist. (Beispielsweise findet er sich nicht im Lexikon Geschlechterforschung von R. Kroll oder in Einführungsbüchern. Auf typische Art verwendet den Begriff etwa Hauser (1987), S. 46. )</p>
<p>Der Begriff der Abspaltung lässt offen, ob das Weibliche oder etwas als Weibliches abgespalten wird. War das Weibliche schon vorher da oder wird es aus dem Männlichen heraus &#8220;geboren&#8221;? Die Suggestion einer ursprünglichen Ganzheit legt also, wohl ohne Absicht, nahe, dass Weiblichkeit (und Männlichkeit) schon im Keim vorliegen und sich dann erst entfaltend trennen. Im Anschluss an Ethnomethodologie, Wissenssoziologie und Poststrukturalismus ist aber meines Erachtens der Konstruktcharakter von Männlichkeit und Weiblichkeit zu betonen, das heißt die Gleichzeitigkeit von Be-, Zu- und hierarchischer Festschreibung. Dies ist durchaus auch im Sinne der Kritik von Scholz (vgl. 2000, S. 47f. und 52). Sie stellt berechtigterweise gegen die Ethnomethodologie die &#8220;Warum-Frage&#8221;, kann aber selber keine Aussagen zum <em>Wie</em> der Interaktion machen. Diese Frage fehlt zudem in ihren drei Theorieebenen. So übergeht sie Reproduktionseffekte der Geschlechterverhältnisse, die durch <em>self-fullfilling prophecies</em>, Geschlechtsschemata-, Skript<em>-</em>Bildung usw. entstehen.</p>
<p>Allgemein gesagt steht der Abspaltungsbegriff im Widerspruch zur These der Gleichursprünglichkeit (z. B. Scholz (2000), S. 21 oder 117) von Wert und Abspaltung, weil er Nicht-Gemeintes suggeriert, d. h. in entscheidenden Dimensionen ungeklärt bleiben muss.</p>
<p>Auf den anderen Ebenen des Theorems kommen weitere Probleme hinzu: Das Wort Abspaltung suggeriert für die Sozialpsychologie der Individuen, dass &#8220;gegengeschlechtliche Anteile&#8221; quasi &#8220;nur zwischenzeitlich&#8221; ins Unbewusste abgeschoben seien oder gar, dass die &#8220;Weiblichkeitsanteile&#8221; von Männern noch im Verborgenen wirken. Da die abgespaltenen &#8220;Anteile&#8221; noch im Unbewussten liegen, bräuchten diese nur reaktiviert werden. Die Einkörperung der Geschlechterordnung, von der auch Scholz immer wieder spricht, wird mit dem Begriff der Abspaltung nicht erfasst. Auf sozialpsychologischer Ebene wird das Geschlechterverhältnis zu einer Psychologie von Persönlichkeitseigenschaften reduziert. Neben den Körper-Dimensionen fehlen so auch weitgehend Fragen nach den Einstellungen, Haltungen und normativen Orientierungen, zentrale Fragen also, die eine Handlungs- und &#8220;Ideologie&#8221;-Theorie ausmachen würden.</p>
<p>Die Wert-Abspaltung legt zudem für die sozialpsychologische Ebene komplementäre Geschlechtsstereotypen nahe. Diese Komplementarität existiert aber nach Untersuchungen der Sozialpsychologie nicht &#8211; weder für die Fähigkeiten, Eigenschaften und Wahrnehmungsmuster noch für die Selbstbilder und Einstellungen von Personen. Hagemann-White formuliert schon 1984 zusammenfassend: &#8220;, Weibliche&#8217; und , männliche&#8217; Eigenschaften sind nicht in dem Sinne polare Gegensätze, dass, wer , weiblicher&#8217; ist, deshalb weniger , männlich&#8217; wäre: wer weniger aggressiv ist, ist nicht deshalb einfühlsamer oder nachgiebiger.&#8221; (S. 26; s. auch die Kritik durch das Androgynie-Konzept von Bem (1974) und Spence/Helmreich (1980)) Auf den Ebenen der Tätigkeitsformen/Sphären und der symbolischen Ordnung greift der Begriff überhaupt nur metaphorisch.</p>
<p>Es ist also theoretisch sinnvoll, allgemeine Begriffe (so weit wie möglich) auf anderen Theorieebenen zu konkretisieren. Das folgt insbesondere aus den zuletzt genannten Kritikpunkten. Nur so ist meiner Meinung nach eine theoretische wie eingreifende Kritik zu leisten. Abstrakt-leere Begriffe oder Worthülsen wirken dagegen wie Dogmen. Begriffliche Konkretionen sind nötig, will sich &#8220;Wert-Abspaltung&#8221; als konkret-allgemein und nicht als &#8220;Wertgerede&#8221; (Haug) erweisen. Anliegen dieses Beitrags war, die große Vielzahl offener Probleme deutlich zu machen, die selbstverständlich nicht nur das Wert-Abspaltungstheorem besitzt.</p>
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		<title>Zur immanenten Kritik am Wert-Abspaltungstheorem</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Mar 2008 00:05:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
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(1. Teil)]]></description>
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<h3>1. Teil</h3>
<p>Streifz&uuml;ge 42/2008</p>
<p><em>von Fritjof B&ouml;nold</em> <span id="more-489"></span></p>
<p>Das Buch &#8220;Das Geschlecht des Kapitalismus&#8221; (2000) von Roswitha Scholz lud nicht gerade zur Diskussion ein. Seine scharfen Abgrenzungen provozierten entsprechende Reaktionen. Im <em>Argument</em> 244/2002 stellt Frigga Haug fest, dass Scholz&#8217; Kritik an marxistisch-feministischen Theorien vor allem auf die wenig fruchtbare &#8220;Pr&uuml;ffrage&#8221; hinausl&auml;uft, &#8220;ob sie die , Wert-Abspaltungstheorie&#8217; und die , fundamentale Wertkritik&#8217; verstanden haben&#8221; (S. 91). Sie unterstellt Scholz sogar ein &#8220;Niedermachen von allem, was dem eigenen Gedanken nicht gehorcht&#8221; (S. 96). Haugs Kritik an Scholz (2000) arbeitet nun aber meines Erachtens selbst auch mit einer Frage, die der Theorie von Scholz nicht gerecht wird, das hei&szlig;t, diese nicht immanent kritisiert. Zudem &uuml;bergeht Haug weitere Ver&ouml;ffentlichungen von Scholz und anderen <em>krisis</em>-Autoren. Haug befragt Scholz&#8217; Theorie nach Handlungsanweisungen. Dies kann und will ihre Theorie allerdings gar nicht wesentlich behandeln, auch wenn entsprechende Formulierungen (&#8220;v&ouml;llige Abschaffung&#8221; etc. ) in Scholz&#8217; Rundumschl&auml;gen vorkommen.</p>
<p>Zum Kern der Differenz von Scholz und Haug kommt man vermutlich &uuml;ber den Verweis von Haug auf Marx, dieser wolle abstrakte Arbeit <em>nicht </em>abschaffen, weil &#8220;in die Gebrauchswertproduktion Arbeitskraft eingeht, was immer gilt&#8221; (S. 95). Hier w&uuml;rden Scholz und Kurz sicher widersprechen, aber auch Moishe Postone (2003) oder Kornelia Hafner (1993). Gleichzeitig geht diese Differenz wiederum an der Frage nach der Kritik der modernen Geschlechterverh&auml;ltnisse vorbei, die durch das Wert-Abspaltungstheorem ja eigentlich bearbeitet werden soll.</p>
<p>Es scheint so, dass Scholz und Haug einander, entgegen ihren eigenen Anspr&uuml;chen, letztlich identit&auml;tslogisch behandeln: Person, Text und politischer Zusammenhang werden identifiziert, um sich besser &#8220;bek&auml;mpfen&#8221; zu k&ouml;nnen. Insbesondere die Kritiken von Schlosser (1993), Willlutzki (1995) und Wilting (2000) wenden dieses Verfahren gegen Scholz an. Sie &#8220;machen&#8221; Scholz insbesondere &#8220;nieder&#8221;, indem sie das Theorem an der fragw&uuml;rdigen Behauptung messen, dass der Kapitalismus das Geschlechterverh&auml;ltnis nivelliert habe bzw. gerade dabei sei, dies zu tun. Diese Verfahren f&uuml;hren jedoch nicht weiter. Die moderate Besprechung von Behrens (2001) weist dagegen auf begriffliche &#8220;Ungereimtheiten&#8221; des Theorems hin, auf Fragen der begrifflichen Konkretion, aber auch auf die Verwendung von Termini der Kritischen Theorie.</p>
<p>Im Folgenden &uuml;bergehe ich die Kritiken von Scholz an anderen Theorien. Es soll allein versucht werden, das Wert-Abspaltungstheorem immanent zu kritisieren, indem Widerspr&uuml;che, Leerstellen und offene Fragen des Konzepts benannt werden.</p>
<h4>Wert-Abspaltung </h4>
<p>Das Wert-Abspaltungstheorem (ausf&uuml;hrlich: B&ouml;nold 2003, S. 482-518) versteht die modernen Gesellschaften zun&auml;chst als Arbeitsgesellschaften. Arbeit ist als gesellschaftliches Zwangsprinzip zu begreifen, das zu unterscheiden ist von der &uuml;berhistorischen Notwendigkeit des Stoffwechsels der Menschen mit der Natur. Arbeit, Warentausch und die Wertform erscheinen als Kapital wie ein &#8220;automatisches Subjekt&#8221; (Marx), das die Individuen zwar freisetzt, aber gleichzeitig in eine spezifische gesellschaftliche Form von &#8220;Markt und Staat&#8221; presst. Die modernen Gesellschaften und ihre Kategorien (Arbeit, Tausch, Subjekt-Objekt etc. ) sind einem historischen Fetischzusammenhang unterworfen. Im Zuge seiner entwickelten historischen Reife sei eine Fetischkritik auf die Tagesordnung zu setzen.</p>
<p>Der Totalitarismus der Wertform besitzt aber nur eine scheinbare Universalit&auml;t. Das Wert-Abspaltungstheorem besagt, dass Arbeit, Tausch und Wertf&ouml;rmigkeit eine &#8220;m&auml;nnliche Besetzung&#8221; aufweisen. Was nicht im &#8220;m&auml;nnlichen&#8221; Formprinzip aufgeht, wird abgespalten, abgewertet und &#8220;den Frauen&#8221; zugeordnet. Hieraus ergibt sich ein &#8220;weiblicher&#8221; Lebenszusammenhang, der f&uuml;r die &#8220;m&auml;nnliche&#8221; Seite der Wertf&ouml;rmigkeit genauso Voraussetzung ist, wie die kapitalistische Produktion, der Markt und der Staat die Voraussetzungen f&uuml;r die &#8220;weibliche&#8221; Seite sind: eine &#8220;gedoppelte Metaform&#8221; (Scholz 2000, S. 59). Roswitha Scholz &uuml;bernimmt zudem die theoretische Unterscheidung des Feminismus von &#8220;m&auml;nnlicher&#8221; &Ouml;ffentlichkeit und &#8220;weiblicher&#8221; Privatheit und beansprucht, die bisher ungekl&auml;rte bzw. unhinterfragte Konstitution der Trennung zu begreifen. Die Wert-Abspaltung zeigt sich nach Scholz aber nicht nur in Gestalt getrennter Sph&auml;ren von T&auml;tigkeiten, sondern auch auf einer kulturell-symbolischen und einer sozialpsychologischen Ebene. Auf allen drei Ebenen finden Abspaltungen statt, die geschlechtliche Differenz und Hierarchie, das moderne Patriarchat, begr&uuml;nden. Scholz geht davon aus, dass die Sph&auml;rentrennung bzw. geschlechtshierarchische Arbeitsteilung ebenso wie die beiden anderen Erscheinungsebenen eine relative Selbst&auml;ndigkeit besitzen und so spezifischer theoretischer Instrumente bed&uuml;rfen. In Gegenwartsanalysen konstatiert Scholz eine Verwilderung des Patriarchats. Einerseits wird durch die weibliche Erwerbst&auml;tigkeit bei zunehmender Massenarbeitslosigkeit weltweit das traditionelle Modell von Lohnarbeiter und Hausfrau in Frage gestellt, anderseits wird Frauen zunehmend die soziale und &ouml;kologische Verantwortung zugeteilt.</p>
<p>Scholz grenzt ihre Position gegen zwei Seiten ab, den Feminismus und den traditionellen Marxismus. Aus der Bestimmung moderner Geschlechterverh&auml;ltnisse als Wert-Abspaltung leitet sie ihre Kritik am ontologischen Arbeitsbegriff im Feminismus ab. &#8220;Die weiblichen Reproduktionst&auml;tigkeiten haben &#8230; einen qualitativ-inhaltlich wie der Form nach anderen Charakter als die abstrakte Arbeit; deshalb k&ouml;nnen sie auch nicht einfach unter den Arbeitsbegriff subsumiert werden.&#8221; (Scholz 2000, S. 109) Die abgespaltenen T&auml;tigkeiten, die Frauen zugeschrieben werden, werden zwar als &#8220;Hausarbeit&#8221;, &#8220;Beziehungsarbeit&#8221; oder &#8220;Erziehungsarbeit&#8221; benannt. Diese T&auml;tigkeiten und die dazugeh&ouml;rigen Dispositionen gehen aber gerade nicht in der Abstraktion <em>Arbeit </em>auf, die den &#8220;m&auml;nnlichen&#8221; Formzusammenhang beschreibt. Die feministischen Theorien der geschlechtlichen Arbeitsteilung blieben auf die empirischen Erscheinungen fixiert und wagten bisher nicht, Formprinzipien zu formulieren, die die b&uuml;rgerliche Gesellschaft als gleichzeitig patriarchal und kapitalistisch begreifen, so die Autorin. Der Feminismus sollte nach Scholz bzw. Trenkle (1991, 1992) weder die Arbeit affirmieren (Gleichheit) noch sich positiv auf eine scheinbare Unmittelbarkeit des Privaten (Differenz) beziehen, sondern beide &#8220;Geschlechtscharaktere&#8221; kritisieren.</p>
<p>Scholz betont die Totalit&auml;t moderner Gesellschaften (&#8220;Wert-Abspaltung&#8221;) und widerspricht der alten marxistischen Vorstellung einer Basis (&#8220;kapitalistische Produktionsweise&#8221;) und eines abgeleiteten &Uuml;berbaus (&#8220;Staat, Ideologie etc. &#8220;). Das moderne Geschlechterverh&auml;ltnis ist nach Scholz integraler Bestandteil b&uuml;rgerlicher Vergesellschaftung und keineswegs ein &#8220;Nebenwiderspruch&#8221;. Dieses Totalit&auml;tsverst&auml;ndnis subsumiert aber nicht &#8220;alles auf einen Begriff&#8221;, sondern versteht sich historisch gedoppelt und identit&auml;tslogisch beschr&auml;nkt: Das Formprinzip kann nur bestimmt werden als <em>historisch</em> erscheinend. In seiner hierarchischen und doch nicht aufeinander reduzierbaren Zweiheit von Wert und Abspaltung ist es <em>gedoppelt</em>. Schlie&szlig;lich wei&szlig; sich Scholz&#8217; Totalit&auml;tsverst&auml;ndnis erkenntnistheoretisch <em>beschr&auml;nkt</em> auf die Identit&auml;tslogik der Moderne. Das Wert-Abspaltungstheorem ist so auch nicht auf andere Gesellschaften &uuml;bertragbar, sondern versteht sich als Kritik der <em>modernen</em> Geschlechterverh&auml;ltnisse. Insgesamt nimmt die Abspaltungsthese der Wertformanalyse ihre herausfordernde Hermetik und hegelianische Geschlossenheit (zur Abgrenzung gegen&uuml;ber &#8220;Gro&szlig;theorien&#8221;, insbes. dem Marxismus als &#8220;Welterkl&auml;rung&#8221; s. Kurz (1992), S. 129-132). Sie modifiziert die Werttheorie und gibt so gleichzeitig der feministischen Theorie eine gesellschaftskritische Begr&uuml;ndung. Ein sehr hoher und allgemeiner Anspruch also, der eine Vielzahl gesellschaftskritischer Positionen angreift.</p>
<h4>Wert-Abspaltungstheorem &#8211; Leistung und Kritik</h4>
<p>M&ouml;glich w&auml;re zuerst einmal die Kritik, das Wert-Abspaltungstheorem falle zur&uuml;ck in die Makro-Theorien der siebziger und achtziger Jahre. Diese Kritik teile ich nicht, auch wenn ich verschiedene Probleme der Vermittlung der allgemeinen Aussagen zu anderen Theorieebenen und zur gesellschaftlichen Wirklichkeit sehe, wie ich gleich zeigen m&ouml;chte. Tats&auml;chlich versucht Scholz&#8217; Begr&uuml;ndung moderner Geschlechterverh&auml;ltnisse mit einer Formebene die Makro- wie Mikrotheorien zu unterlaufen. Das Wert-Abspaltungstheorem liefert einen Erkl&auml;rungsansatz f&uuml;r die Trennung der Theorien in systemische Makro-Sichtweisen bzw. subjekt-handlungstheoretische Perspektiven. Die Ebene der Subjekttheorie schlie&szlig;t es mit ein (s. insbes. Kurz (1993)). Das Theorem versucht einerseits das Auseinanderfallen von automatischem Subjekt (Wert) und individuell-autonomem Handlungs-Subjekt (&#8220;Mann&#8221;) aufzuzeigen; andererseits, wie beide Ebenen einander bedingen. Zudem weist es auf Grenzen hin, &#8220;Frauen&#8221; von dieser Subjektform her zu begreifen.</p>
<p>Am Wert-Abspaltungstheorem ist weiterhin positiv herauszuheben, dass es versucht, sich der Enthistorisierung und Naturalisierung der modernen Geschlechterverh&auml;ltnisse entgegenzustellen. Insofern setzt es die poststrukturalistische Dekonstruktion von modernen Selbstverst&auml;ndlichkeiten fort. Dabei ger&auml;t der Ansatz von Scholz bzw. der <em>krisis</em>-Gruppe aber nicht in ein Niemandsland der bunten Vielfalt und des <em>anything goes</em>, weil er sich selbst als Teil der modernen Verh&auml;ltnisse begreift. Diese werden in ihrer Totalit&auml;t allerdings erst in ihrer Krise sichtbar, sodass Scholz &auml;ltere Theorie-Ans&auml;tze nicht als blo&szlig;e Fehler versteht, sondern, wie sich selbst, als Ausdruck ihrer Verh&auml;ltnisse. (Falsch w&auml;re es aber, diese Ans&auml;tze ausschlie&szlig;lichals Ausdruck dieser Verh&auml;ltnisse zu betrachten. ) Neben einigen anderen Vorz&uuml;gen, auf die ich hier nicht weiter eingehe, sehe ich jedoch auch Leerstellen und immanente Probleme im Wert-Abspaltungstheorem.</p>
<h4>Geschlecht, Sexualit&auml;t und Familie</h4>
<p>Was versteht das Wert-Abspaltungstheorem unter &#8220;Geschlecht&#8221;? Scholz &uuml;bergeht im Wesentlichen die Argumente der feministischen Debatte zum Verh&auml;ltnis von <em>sex</em> und <em>gender</em> und ordnet etwa Butlers Theoriekonzept ebenso wie &#8220;die&#8221; Ethnomethodologie (im Verein mit neofaschistischen und sonstigen Ausschreitungen von Jugendlichen! ) &#8220;in den aus den Achtzigern her&uuml;berkommenden Simulations-Zeitgeist&#8221; (1995, S. 35) ein. Sie geht von einem biologischen Geschlechtsunterschied aus, der kulturell &uuml;berformt wird, von &#8220;biologischen Tatsachen&#8221; und einer &#8220;physiologischen Zweigeschlechtlichkeit&#8221;, die &#8220;jeweils bewertet&#8221; werden und die Grundlage der &#8220;kulturellen Geschlechtervorstellung&#8221; bilden (2000, S. 96). Was hier &#8220;Grundlage&#8221; und &#8220;Tatsachen&#8221; meint, wird nicht ausgef&uuml;hrt, so auch nicht, welche Funktion &#8220;, sex&#8217; als analytische Kategorie&#8221; (1995, S. 64) f&uuml;r das Wert-Abspaltungstheorem hat. Scholz verweist allerdings auf die Position von Holland-Cunz (Soziales Subjekt Natur. Frankfurt 1994). Wenn sie einen allgemeinen Zusammenhang von Wertform und den Gegens&auml;tzen von Kultur/Geist/Form zu Natur/Materie/Inhalt annimmt, bleibt dies Behauptung. Sie untersucht diese Gegens&auml;tze weder begrifflich noch z. B. in der Geschichte der Philosophie, Biologie oder Physiologie (und &uuml;bergeht damit deren meines Erachtens zentrale Bedeutung f&uuml;r die modernen Geschlechterverh&auml;ltnisse. Die historische Genese wird als Sph&auml;rentrennung oder allein als diskursiv-symbolische Hierarchie zwischen M&auml;nnlichem und Weiblichem verhandelt. Dazu verweist sie auf feministische Studien wie die von Heintz/ Honegger (1981) oder Bennent (1985)). So scheint es widerspr&uuml;chlich, wenn Scholz trotz einer unterstellten biologischen Zweigeschlechtlichkeit von einem &#8220;postmoderne(n) Ein-Geschlecht-Modell&#8221; (2000, S. 40) spricht bzw. davon, dass Zweigeschlechtlichkeit &#8220;l&auml;ngst obsolet geworden&#8221; ist (1997, S. 49). Eine n&auml;here Thematisierung der naturalisierenden Wirkung einer (auch theoretischen) Rede von &#8220;den M&auml;nnern und den Frauen&#8221; fehlt bei Scholz bisher. Folge dieser Unklarheit ist damit auch, dass das Wert-Abspaltungstheorem Geschlechtlichkeiten im Plural, nicht thematisieren kann, also, grob gesagt, Handlungsstrukturen auch kollektiver Subjekte, wobei ich Geschlecht als eine Praxis von modernen Individuen ansehe (vgl. B&ouml;nold (2003), S. 47ff. ). Scholz hat keine Begriffe, um die Unterschiede und Hierarchien zwischen Frauen bzw. zwischen M&auml;nnern zu benennen. Dies f&uuml;hrt zu weiteren Problemen: Wenn Scholz beispielsweise sozialpsychologisch argumentiert, erscheinen die Individuen stereotyp vergeschlechtlicht als &#8220;Mann&#8221; oder &#8220;Frau&#8221;. Dies ist selbst f&uuml;r die Periode der klassischen Abspaltung nicht akzeptabel. F&uuml;r die &#8220;Postmoderne&#8221; wird es sogar unlogisch: Scholz hatte mit Chodorow (1985) argumentiert, dass die Betreuung der Kleinkinder durch M&uuml;tter den &#8220;Grund&#8221; der geschlechtsspezifischen Identit&auml;ten bildet. Da, nach Scholz, in der Postmoderne weiterhin die Frauen f&uuml;r die Kinderbetreuung zust&auml;ndig sind, d&uuml;rfte es aber zu keinen wesentlichen sozialpsychologischen Ver&auml;nderungen kommen. Dies steht aber in Widerspruch zu ihrer Behauptung, dass es in der Postmoderne zu einer Aufl&ouml;sung der starren Zweigeschlechtlichkeit (&#8220;gleichgeschlechtliche Gef&uuml;hlscodes&#8221; &#8211; 2000, S. 86) und der Zwangsheterosexualit&auml;t kommt.</p>
<p>Solche empirische Zweifel und Widerspr&uuml;che finden sich auch in den anderen Belegen f&uuml;r die These der Verwilderung des Patriarchats. So spricht Scholz z. B. pauschalierend von der &#8220;Aufl&ouml;sung der Familie&#8221; (2000, S. 129, 133 und 177, anders noch 1992, S. 38) oder einer &#8220;verfallenden Kleinfamilie&#8221; (2000, S. 23) &#8211; f&uuml;r die ganze Welt! Solche empirische Aussagen sind sehr erl&auml;uterungsbed&uuml;rftig, zumal die angef&uuml;hrten Beispiele von Geschlechtermodellen aus den Massenmedien der neunziger Jahre stammen, w&auml;hrend die Daten zur Individualisierungsthese von Ulrich Beck, die sie ebenfalls als Beleg f&uuml;r die Verwilderungsthese anf&uuml;hrt, aus der Zeit vom Ende der sechziger bis Anfang der achtziger Jahren stammen. Wenn Belege aus den Massenmedien empirische Verh&auml;ltnisse illustrieren sollen, so w&auml;re zudem deren Rolle zu reflektieren. Es bleibt letztlich unklar, ob die behaupteten Ver&auml;nderungen die Einstellungen und Normen in der Bev&ouml;lkerung betreffen oder aber materielle Anerkennungsprozesse z. B. von Seiten des Staates vorliegen oder sonstige Ebenen gesellschaftlicher Wirklichkeit eine Rolle spielen.</p>
<p>W&auml;hrend Scholz unkritisch die These vom Zerfall der Familie fortschreibt, kommt sie auch auf die Heterosexualit&auml;ts-Norm im modernen Geschlechterverh&auml;ltnis zu sprechen, was sie sonst in der Regel &uuml;bergeht. Historisch sind Hetero- und Homosexualit&auml;t als wissenschaftliche Identit&auml;tskonstrukte aber nicht &#8220;gleichurspr&uuml;nglich&#8221; (2000, S. 148), wie sie f&auml;lschlich suggeriert. Sie sind dies h&ouml;chstens begrifflich-logisch. Denn erst Ende des 19. Jahrhunderts setzen R. v. Krafft-Ebing und A. Schrenk-Notzing die Definition von (m&auml;nnlicher) Homosexualit&auml;t als (perverse) Identit&auml;t, nicht als eine Handlung, durch. Dagegen tritt wenig sp&auml;ter die Wissenschaft von K. H. Ulich und H. M. Hirschfeld an, nach der Homosexualit&auml;t ein Naturph&auml;nomen und keine Krankheit ist. Weibliche Homosexualit&auml;t wurde noch sp&auml;ter wissenschaftlich definiert und diszipliniert. Vgl. Ari&egrave;s/B&eacute;jin (1990), Schmidt (2000) und Eder (2002).</p>
<p>Die Norm der (Hetero-) Sexualit&auml;t hat bei Scholz allerdings keine besondere Bedeutung. Das Verh&auml;ltnis von Hetero- zu (m&auml;nnlicher und weiblicher) Homosexualit&auml;t betrachtet sie nicht. Insofern Sexualit&auml;t einen Zwang darstellt, setzt sie auf provozierende Weise sogar Hetero- und Homosexualit&auml;t f&uuml;r die Gegenwart gleich: &#8220;So gesehen k&ouml;nnte genauso gut von weiblicher und m&auml;nnlicher Zwangshomosexualit&auml;t wie von Zwangsheterosexualit&auml;t gesprochen werden. In der Postmoderne aber muss die alte Geschlechterdichotomie nicht mehr in Frage gestellt werden, weil es sie schlichtweg nicht mehr gibt; sie ist den neuen Globalisierungsverh&auml;ltnissen eines zunehmend krisengesch&uuml;ttelten warenproduzierenden Patriarchats einfach nicht mehr angemessen. In diesem Zusammenhang spricht auch einiges daf&uuml;r, dass die heutige Attraktivit&auml;t des Transi-Seins viel mit der Verdr&auml;ngung des grauen Krisenalltags und der damit zusammenh&auml;ngenden d&uuml;steren Zukunftsaussichten zu tun hat.&#8221; (Scholz 2000, S. 149)</p>
<p>Ein St&uuml;ck vorher wird viel leiser gesagt: &#8220;Meines Erachtens hat eine gewisse Lockerung (nicht: Aufhebung) zwangsheterosexueller Normen viel mit der Notwendigkeit von Flexi-Identit&auml;ten im Zuge von kapitalistischen Globalisierungsprozessen zu tun.&#8221; (Scholz 2000, S. 147, Klammer im Original) Der Zusammenhang wird nur durch den Hinweis auf &#8220;eine Wohlstands-Individualisierung&#8221; und &#8220;eine weitgehende S&auml;kularisierung&#8221; (ebd. ) in den Metropolen angedeutet, bleibt aber letztlich offen. Auch der Zusammenhang der Institutionen Familie und Heterosexualit&auml;t bleibt unklar.</p>
<p>Solche Reduktionen und Widerspr&uuml;che der Argumentation lassen das Wert-Abspaltungstheorem &#8220;fleischlos&#8221; bzw. unvermittelt mit der Wirklichkeit erscheinen. Die Kritik von Scholz an der Frauenforschung in der Sozialwissenschaft, diese blende den gesellschaftlichen Formzusammenhang aus, w&auml;re insofern auch umzukehren, als Scholz soziologische bzw. sozialpsychologische Zusammenh&auml;nge sehr selektiv liest.</p>
<h4>Geschlechtliche Besetzungen, Geschlechterhierarchie und die Unbestimmbarkeit des Abgespaltenen</h4>
<p>Neben diesen Problemen, die den Begriff wie die Empirie des &#8220;Gegenstandes&#8221; betreffen, sehe ich als theoretisches Hauptproblem des Wert-Abspaltungstheorems, wie die geschlechtliche Besetzung von Wert bzw. Abspaltung konkret verstanden werden kann. Das Wert-Abspaltungstheorem steht und f&auml;llt damit, dass die Analogisierung von Wert und Mann/M&auml;nnlichkeit bzw. Abspaltung und Weiblichkeit expliziert wird. Wertformanalyse bleibt &#8220;leeres Begriffsgeklapper&#8221;, solange nicht historisch veranschaulicht und belegt wird, was die Begriffe erst als konkret (ges&auml;ttigte) allgemeine erweist. Zuerst m&uuml;ssen die Begriffe freilich einmal entfaltet werden.</p>
<p>Was genau ist es, das &#8220;einfach nicht warenf&ouml;rmig geregelt werden (kann)&#8221; (Scholz 1993, S. 36) und damit &#8220;abgespalten&#8221; wird? Der Text legt nahe, die Antwort zun&auml;chst in unterschiedlichen T&auml;tigkeitsformen und sich daraus ergebenden &#8220;Sph&auml;ren&#8221; zu suchen (vgl. z. B. Scholz (2000), S. 108 oder 114): So findet man geschlechtstypisch besetzte T&auml;tigkeitsformen wie die &#8220;Hausarbeit&#8221; und Kindererziehung als typische T&auml;tigkeiten von Frauen oder die &#8220;m&auml;nnliche&#8221;, &ouml;ffentliche Sph&auml;re. Scholz ordnet also T&auml;tigkeiten und Sph&auml;ren einerseits der Wertform bzw. der Abspaltung zu. Andererseits d&uuml;rfe man dies aber nicht soziologisch missverstehen; die Wert-Abspaltung sei auf der gesellschaftlichen Oberfl&auml;che nur bedingt nachzuweisen, so Scholz.</p>
<p>Zwar sei die Abspaltung nicht auf &#8220;den Begriff&#8221; zu bringen, dennoch zeige sie sich &#8211; beispielsweise an den T&auml;tigkeiten, die sich um den Konsum drehen. Nach Scholz und Kurz f&auml;llt die Konsumtion von Waren aus der Wertlogik heraus (vgl. Kurz (1992), S. 141ff. , Scholz (2000), S. 20f. und 109). Die Selbstverwertungsbewegung des Kapitals degradiert die Waren zu Zwischenstationen der Bewegung des Werts. Werden die zur privaten Reproduktion gekauften Waren konsumiert, so fallen diese ebenso wie &#8220;die damit verbundenen vor- und nachgelagerten T&auml;tigkeiten&#8221; (Scholz 2000, S. 20) &#8220;aus dem &ouml;konomischen Formzusammenhang heraus&#8221; (ebd. ). Das stimmt nun aber nicht bzw. nur bedingt. Der Konsum von Waren und die damit verbundenen T&auml;tigkeiten f&uuml;hren nicht nur aus der Warenbewegung heraus, sondern gleichzeitig in sie zur&uuml;ck, da sie produktiver Konsum sind, das hei&szlig;t, den Wert der Arbeitskraft produzieren. Weiterhin produziert sich das b&uuml;rgerliche Subjekt in seinen Bed&uuml;rfnissen, W&uuml;nschen, der &#8220;Sinnstiftung&#8221; etc. &uuml;ber den Konsum und die &#8220;Kulturindustrie&#8221; (Horkheimer/Adorno). Konsum ist zentrale Reproduktionsform b&uuml;rgerlicher Subjektivit&auml;t (s. a. B&ouml;sch (2000), S. 118ff. ). Davon bleibt unber&uuml;hrt, dass der Konsum und das ber&uuml;hmte &#8220;Braten des Schnitzels der Hausfrau f&uuml;r ihren Gatten&#8221; Momente besitzen, die nicht durch polit-&ouml;konomische und subjekt-kritische Bestimmungen erfasst werden k&ouml;nnen.</p>
<p>Ein weiterer Versuch, Wert und Abspaltung Ph&auml;nomenen der &#8220;soziologischen Oberfl&auml;che&#8221; zuzuordnen, findet sich in &#8220;Das Geschlecht des Kapitalismus&#8221; (2000). Hier verweist Scholz auf zwei gegens&auml;tzliche &#8220;Zeitlogiken&#8221; der T&auml;tigkeitsformen: eine m&auml;nnliche Logik des Zeit-Sparens und eine weibliche der Zeit-Verausgabung (S. 92-94 und 116). Auch dieser R&uuml;ckgriff auf eine je nach T&auml;tigkeitsform spezifische Zeitlogik erl&auml;utert diese Zuordnungen begrifflich meines Erachtens weiter nicht, sondern bleibt ph&auml;nomenologisch. Zudem lassen sich eine Vielzahl an Beispielen und Strukturen finden, die der These zweier Zeitlogiken widersprechen.</p>
<p>So zwingt bekanntlich die Hektik einer Hausfrau und die L&auml;nge ihres &#8220;Arbeitstags&#8221; durchaus zur Zeitersparnis, ja die &#8220;methodische Lebensf&uuml;hrung&#8221; und &#8220;Selbstdisziplinierung&#8221; der Menschen in der Moderne hat sich immer auch im Privaten und gerade dort vollzogen (vgl. beispielsweise f&uuml;r die Sexualit&auml;t Foucault (1977) und bei Scholz selbst: (1992), S. 20 Fn. 2. ), w&auml;hrend so mancher Arbeitstag damit &#8220;rumgebracht&#8221; wird, die Zeit &#8220;totzuschlagen&#8221;. Das soll hei&szlig;en: Mit einer ph&auml;nomenologischen Darstellung (&#8220;Zeit sparen bzw. ausgeben&#8221;) sind keine pr&auml;zisen Abgrenzungen der T&auml;tigkeitsformen m&ouml;glich. Dies w&auml;re vermutlich nur durch eine begriffliche Vermittlung mit den Begriffen der allgemeinen Ebene zu erreichen. Der laut Scholz von Frigga Haug stammende Begriffsentwurf unterschiedlicher Zeitlogiken in Beruf und Haushalt ist deshalb aber nicht gleich zu verwerfen. Ich will, wie oben anhand des Konsums, aber zeigen, dass er bisher unzureichend entfaltet ist. Auff&auml;llig ist, dass diese Versuche, allgemeine Ebene und T&auml;tigkeitsformen zu analogisieren, auch ohne den Abspaltungsbegriff auskommen. Scholz gebraucht ihn dabei h&ouml;chstens metaphorisch und k&ouml;nnte ihn durch einen anderen Ausdruck mit &auml;hnlicher Bedeutung ersetzen. So stiftet er begrifflich deshalb eher Verwirrung.</p>
<p>Geht man also davon aus, dass die geschlechtlichen Besetzungen (bisher) nicht (allein) substanziell zu fassen bzw. abzuleiten sind, so bleibt die Frage der Relationen, die zur Bestimmung und Vermittlung beitragen k&ouml;nnten. Man gelangt damit zur Frage, welchen Charakter die Hierarchie im Geschlechterverh&auml;ltnis hat. Das Wert-Abspaltungstheorem geht davon aus, dass neben der theoretischen wie empirischen Gleichurspr&uuml;nglichkeit oder Parallelit&auml;t die Wert-Abspaltung ein hierarchisches, ein &#8220;patriarchales&#8221; Verh&auml;ltnis darstellt: &#8220;Das weibliche Abgespaltene ist &#8230; das Andere der Warenform als ein f&uuml;r sich stehendes; andererseits bleibt es aber unselbst&auml;ndig und minderbewertet, gerade weil es sich um das abgespaltene Moment im Zusammenhang der gesellschaftlichen Gesamtreproduktion handelt.&#8221; (Scholz 2000, S. 21) Das Macht- bzw. Herrschaftsverh&auml;ltnis zwischen den Geschlechtern, das Patriarchat, resultiert nach Scholz aus einer Dominanz des Werts (&#8220;Markt und Staat&#8221;) gegen&uuml;ber der restlichen, &#8220;minder bewerteten&#8221; Gesellschaft. Hier kulminiert nun aber die Bestimmung der Abspaltung zu einer paradoxen Formulierung: &#8220;Gegen&uuml;ber der m&auml;nnlich besetzten, realabstraktiven Form repr&auml;sentiert das abgespaltene Weibliche nicht die andere, befreite, konkret-gesellschaftliche Form, sondern vielmehr das , Andere&#8217; der Form selber und &uuml;berhaupt, d. h. die Formlosigkeit. Die realabstraktive, totalisierende Warenform duldet keine andere Form neben sich; sie r&auml;cht sich an dem, was sie nicht vollends aufsaugen und integrieren kann, indem sie es zur Formlosigkeit degradiert.&#8221; (Kurz 1992, S. 144) Die &#8220;Form der Formlosigkeit&#8221; (Scholz 2000, S. 21) ist der &#8220;stille Winkel, das Nicht-Systemische des Systems&#8221;. (Kurz 1992, S. 125) Ist also die weibliche Abspaltung unbestimmbar?</p>
<p>Die hierarchischen Relationen im Geschlechterverh&auml;ltnis werden offenbar von einem erkenntnistheoretischen Problem bestimmt. Kurz und Scholz problematisieren die M&ouml;glichkeiten, das Abgespaltene zu erkennen, generell. So kann man die erkenntniskritische Position des Wert-Abspaltungstheorems in drei Punkten zusammenfassen: Erstens stellt sie theoretische Produktionen, ihre eigene inbegriffen, in historischen Zusammenh&auml;ngen dar. Diese Kontextualisierung relativiert die scheinbare Autonomie des theoretischen Subjekts und zeigt seine/ihre Vermitteltheit mit dem Objekt. Zweitens betont Scholz in Anlehnung an Adornos Erkenntnistheorie, dass die Individuen nicht in den modernen Zuordnungen identit&auml;tslogisch aufgehen. (vgl. Scholz (2000), S. 174ff. ) Es &#8220;muss &#8230; davon ausgegangen werden, dass die gesellschaftlichen Einzelnen weder in den gesellschaftlichen Strukturen aufgehen noch dass sie sich diesen entziehen k&ouml;nnen&#8221;. (Ebd. , S. 175) Zum Dritten betont nun Scholz (2000, S. 20ff. ) zusammen mit Kurz (1992), dass die &#8220;m&auml;nnliche&#8221; Besetzung der Wissenschaft zur Folge hatte, dass die Abspaltung/das Weibliche nicht wahrgenommen wurde. Sie bezweifeln sogar prinzipiell, das abgespaltene Weibliche mit begrifflichen Denkformen verstehen zu k&ouml;nnen. &#8220;Weil die Theorie selber ein Resultat der Abspaltung im historischen Prozess ist, kann sie weder den Vorgang der Abspaltung noch das Abgespaltene als eigenen gesellschaftlichen Raum erfassen.&#8221; (Kurz 1992, S. 126) So ist beispielsweise &#8220;das definitorische, klassifizierende und hierarchisierende Denken&#8221; (ebd. ) gefangen in der Unterscheidung innen/au&szlig;en. Das Abgespaltene sei nun aber weder innerhalb noch au&szlig;erhalb der Warenform: &#8220;Das Paradoxon ist gerade die Immanenz der Abspaltung, die mit Begriffsbildungen wie , dunkle R&uuml;ckseite&#8217; oder , immanentes Gegenteil&#8217; nur unzul&auml;nglich angedeutet werden kann.&#8221; (Ebd. ) Die , Bestimmung&#8217; des vom Wert Abgespaltenen sei paradox bzw. letztlich nicht durchf&uuml;hrbar.</p>
<p>Nun kann nicht geleugnet werden, dass begriffliches Denken und logisches Schlussfolgern im Abendland durch M&auml;nner und die Wertform gepr&auml;gt wurde. Andererseits ist zu bezweifeln, ob es damit <em>notwendig</em> zum Ausschluss s&auml;mtlicher anderer Erkenntnism&ouml;glichkeiten kam. Au&szlig;erdem bleibt die Frage, unter welchen Umst&auml;nden die Identit&auml;t von Denk- und Warenform erkannt werden kann, wenn sie einem Fetischzusammenhang entspringt. Neben diesen allgemeinen Fragen f&auml;llt f&uuml;r Scholz&#8217; eigene Theorieproduktion eine Ambivalenz auf, die zumindest Zweifel an der Unbestimmbarkeit des Weiblichen aufkommen lassen kann. So spricht Scholz einerseits in der Tradition der Frauenforschung, aus der ihre Fragen und Begriffe kommen. Andererseits beweist doch aber dieselbe Frauenforschung, dass es m&ouml;glich ist, die Lebenswelt und die Erfahrungen von Frauen zur Sprache zu bringen. Weiblichkeit war zwar aus gutem Grund f&uuml;r Freud ein R&auml;tsel, aber f&uuml;r Chodorow eben nicht mehr (in dieser Form). Zudem bleibt daran zu erinnern, dass jede Vernunftkritik als Kritik wie als Kritik der Vernunft eben dieser notwendig verbunden bleibt: Dass Bestimmungen des Abgespaltenen m&ouml;glich sind, machen diese (zusammen mit M&auml;nnlichkeit) ja erst kritisierbar! W&auml;re die Abspaltung unbestimmbar, so k&ouml;nnte Scholz z. B. auch nicht sinnvoll von einer &#8220;Dialektik von Wert und Abspaltung&#8221; sprechen. Ist &#8220;Abspaltung&#8221; also ein Nicht-Begriff? Tats&auml;chlich sind gewisse T&auml;tigkeiten von &#8220;Frauen&#8221;, ihre Rolle in der patriarchalen Symbolordnung oder auch typische Sozialisationsprozesse durchaus (auch im Sinne des Theorems) bestimmbar, n&auml;mlich diejenigen, die sich auf Markt und Staat direkt beziehen. Abspaltung und &#8220;Frauen&#8221; sind also nicht das Gleiche, k&ouml;nnen nicht einfach analog gesetzt werden. Wo liegt aber dann die Grenze der Abspaltung? Ist nicht von verschiedenen Weiblichkeiten zu sprechen und von verschiedenen Stufen der Abgrenzung, das hei&szlig;t auch von einer gestuften Hierarchie? W&auml;re es nicht sinnvoller, diese Stufen zu unterscheiden, statt von <em>einer</em> Abspaltung zu sprechen?</p>
<p>Die Aussage, dass sich &#8220;etwas&#8221; der Wertform &#8220;letztlich widersetzt&#8221;, wird also von Scholz nicht konkretisiert, weder substanziell, relational noch auf anderer Ebene funktional. Entsprechend fehlt z. B. eine Geschichte der Okkupation jener T&auml;tigkeiten, die zun&auml;chst im Privaten erledigt wurden. Weil dem Begriff Kriterien fehlen, an denen zu messen w&auml;re, was sich der Wertform widersetzt und weshalb, bleibt die Empirie reduziert auf Beispiele und Andeutungen. Auch die zentrale Frage der Vermittlung der geschlechtlichen Besetzung (zur Ebene von gesellschaftlichen T&auml;tigkeiten etc. ) bleibt also meines Erachtens bisher begrifflich (und damit historisch-empirisch) unbeantwortet.</p>
<hr />
<h4>Literatur</h4>
<p>Adorno, T. W. : Negative Dialektik. Frankfurt 1966</p>
<p>Ari&eacute;s, P. /B&eacute;jin, A. (Hg. ): Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit. Zur Geschichte der Sexualit&auml;t im Abendland. Frankfurt 1990</p>
<p>Annu&szlig;, E. : Umbruch und Krise der Geschlechterforschung: Judith Butler als Symptom. In: Das Argument. H. 216/1996, S. 505-524</p>
<p>Becker-Schmidt, R. : Neue Anspr&uuml;che, alte Muster in modernen Paarbeziehungen: Anmerkungen zum Diskurs von der Krise der Familie. In: Breitenbach, E. / B&uuml;rmann, I. / Liebsch, K. / Micus-Loos, C. (Hg. ): Geschlechterforschung als Kritik. Bielefeld 2002, S. 139-148</p>
<p>Behrens, R. : (Rezension). In: Das Argument. H. 239/2001, S. 100-102</p>
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<p>B&ouml;nold, F. : Geschlecht Subjekt Erziehung. Zur Kritik und p&auml;dagogischen Bedeutung von Geschlechtlichkeit in der Moderne. Herbolzheim (Centaurus Verlag) 2003</p>
<p>B&ouml;sch, R. : &Uuml;ber eine Theorie des Mangels. Zur Psychoanalyse von Jacques Lacan &#8211; Teil 1. In: krisis. H. 21/22 1998, S. 137-190</p>
<p>B&ouml;sch, R. : Zwischen Allmacht und Ohnmacht. Zur Psychopathologie des b&uuml;rgerlichen (d. h. m&auml;nnlichen) Subjekts. In: krisis. H. 23/2000, S. 99-120</p>
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<p>Kurz, R. : Subjektlose Herrschaft. Zur Aufhebung einer verk&uuml;rzten Gesellschaftskritik. In: krisis. H. 13/1993, S. 17-94</p>
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<p>Scholz, R. : Die Maske des roten Todes. Kasinokapitalismus, Frauenbewegung und Dekonstruktion. In: krisis. H. 15/1995a, S. 27-78</p>
<p>Scholz, R. : Die Metamorphosen des teutonischen Yuppie. Wohlstandschauvinismus, 90er-Jahre-Linke und kasinokapitalistischer Antisemitismus. In: krisis. H. 16/17 1995b; S. 127-160</p>
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<p>Scholz, R. : Wert und Geschlechterverh&auml;ltnis. In: Streifz&uuml;ge. (Zeitschrift aus Wien) H. 2/1999, S. 7-10</p>
<p>Scholz, R. : Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats. Bad Honnef 2000</p>
<p>Spence, J. T. /Helmreich, R. L. : Masculinity &#038; femininity. Their Psychological Dimensions, Correlates, and Antedents. Austin, Texas 1978</p>
<p>Trenkle, N. : Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit. Die Gleichheitsforderung als Auslaufmodell. In: krisis. H. 11/1991, S. 128-160</p>
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<p>Trenkle, N. : Fragmente einer Selbstkritik der M&auml;nnlichkeit. In: krisis. H. 13/1993, S. 95-117</p>
<p>Willutzki, J. : Die Antiquiertheit des Begriffes &#8220;Patriarchat&#8221;. In: Bindseil, I. /Noll, M. : Frauen IV: Foucault und Fantasie. Freiburg 1995, S. 59-74</p>
<p>Wilting, N. : Grundprinzip: Abspaltung. Roswitha Scholz hat das Geschlecht der Gesellschaft entdeckt. In: Bahamas. H. 33/2000, S. 48-52</p>
</td>
</tr>
</table>
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