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	<title>Streifzüge &#187; aramis</title>
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		<title>&#8230;des guten geschmackes&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Apr 2011 09:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gutes Leben]]></category>
		<category><![CDATA[aramis]]></category>
		<category><![CDATA[Streifzüge 2011-51]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2011/des-guten-geschmackes">&#8230;des guten geschmackes&#8230;</a></p>
Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2011/des-guten-geschmackes">&#8230;des guten geschmackes&#8230;</a></p>
<p>Streifzüge 51 / Frühling 2011<br />
2000 Zeichen abwärts</p>
<p><em>von aramis</em> <span id="more-9264"></span></p>
<p>aber ich gehöre ja zu jenen alten menschen, die schon bevor sie alt wurden, jede hoffnung auf eine „besserung“ der menschlichen verhältnisse, mit AUSSICHTSLOS zu beantworten pflegten. mein leben im abseits, auf selbst geschaffenen inseln spricht für sich. die büchse der pandora enthielt die hoffnung als strafverschärfung (…) meine antwort ist eine ganz konservative. darin bin ich eins mit den griechischen und römischen philosophen: das HEIL besteht in der rückkehr zum uralten. das ist über jahrtausende erinnert worden. noch Marx und Engels reden von der neuschaffung „urkommunistischer“ verhältnisse. und Marxens frühschriften sehen den „freien“ menschen ja bekanntlich „fischend und jagend“ usw. usf..</p>
<p>ich habe mein leben ja nicht aus der lektüre philosophischer schriften heraus gewählt, sondern vor aller solchen, aus „ästhetischen“ gründen. was hier als „von innen her“ bestimmt heißt. aber noch I. Kant hat ja gezögert, bevor er seine schrift „kritik der urteilskraft“ nannte. er, der klügsten einer, nannte sie zuerst „kritik des geschmackes“. und ich gehöre nicht zu denen, die der ansicht sind, „über geschmack könne man nicht streiten“. im gegenteil. der ist nämlich ein formbarer sinn. er kann dekadent deformiert werden (wie allgemein ersichtlich) oder widerständig geformt werden (wie einzelbeispiele zeigen).</p>
<p>krankheit lehrt einsichtige öfter einen neuen gechmack! da der „verlust der natürlichen selbstverständlichkeit“ für immer dahin zu sein scheint, bleibt die gewinnung des „guten geschmackes“, des „guten lebens“, wie es die alten nannten, eine art „künstlerischer“ leistung einzelner. ganz selten von gruppen. der außendruck ist einfach zu groß.</p>
<p>so lebe ich nach dem motto, dass es edler ist, sich der verlorenen (guten) sache zu verschreiben als der (bis zur katastrophe) siegreichen (schlechten). LATHE BIOSAS! [lebe verborgen!]<br />
aramis (Brief vom 25. März 2010)</p>
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		<title>&#8220;lasst euch nicht erwischen&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Oct 2010 11:01:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gulo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur, Sprache, Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrufe]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie / Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[aramis]]></category>
		<category><![CDATA[Schandl; Franz]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2010/lasst-euch-nicht-erwischen">&#8220;lasst euch nicht erwischen&#8221;</a></p>
Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2010/lasst-euch-nicht-erwischen">&#8220;lasst euch nicht erwischen&#8221;</a></p>
<h3>Zum Tod des aramis (1950-2010)</h3>
<p><em>von Franz Schandl</em> <span id="more-7878"></span></p>
<p>„die gestundete zeit ist abgelaufen. die schmerzen sind zu groß geworden. ich mache ein klassische ende“. &#8211; Dass es so kommt, hat man wissen können, wenn man ihn kannte, das es so schnell kommt und dass es jetzt kommt, davon ahnte ich nichts. Ende September ist aramis in den Freitod gegangen.</p>
<p>Persönlich hatten wir uns ja erst 2007 kennen gelernt, und auch seitdem nur vier Mal getroffen, wenngleich wir doch nicht wenige Briefe gewechselt haben und vor allem viele Texte und Kataloge, Broschüren und Zeitschriften hin- und hergegangen sind. Zuletzt begegneten wir uns am 21. August im südsteirischen Pößnitz am Weingut der Menhards. Er schien guter Laune, vielleicht etwas überdreht. Aber was sagt das schon und was will ich mutmaßen, es waren nur einige Stunden und viele Leute, die Musik spielte und für intensivere Kontakte war keine Zeit.</p>
<p>Hand anlegen, das war seins. Es war aber keine Arbeit, die er verrichtete, sondern es war im wahrsten Sinne ein Werk, das er im Laufe der Jahre da schuf. Ein Gesamtwerk, ja ein Gesamtkunstwerk, das sich nicht einschränken lassen wollte: Dazu gehörten Bild und Text, Montage und Musik, Bühne und Schloss, Feld und Scheune, Wiese und Weg. Wer die „Pirsch“ 2008 gesehen, nein besser: miterlebt hat, der konnte wissen und spüren, worum es ging. Um den Versuch einer befreienden Darstellung des Lebendigen in dessen Vielfalt.</p>
<p>Da war Wille und Stil, von der Kleidung bis zur Handschrift. Überall Sinnlichkeit. Überall Vitalität. Überall Radikalität. Seine Briefe selbst sind kleine Kunstwerke von hoher Achtsamkeit und großer Akribie. „ich gehöre nicht zu denen, die der ansicht sind, &#8216;über geschmack könne man nicht streiten&#8217;“, ließ er ausrichten. </p>
<p>Was war er eigentlich, dieser Hans Peter Sagmüller? Ein Maler? Ein Restaurator? Ein Gärtner? Ein Ofenbauer? Ein Museumsdirektor? Alles und nichts von dem. Schön ist es, wenn die Frage nach dem Was verunglückt, und sich die nach dem Wer aufdrängt? Also: Wer war aramis? Antworten darauf sind nicht ganz so leicht wie die Frage. Aber die ist richtig und wird uns auch weiter beschäftigen. </p>
<p>aramis hat also nicht nur ein Werk geschaffen, sondern ist selbst Bestandteil dieses Gesamtkunstwerkes gewesen. Er war nicht nur die Bilder, die Installationen, die Kataloge, die Briefe, die Öfen, die Gärten, das Museum. Dieses hat ihn jetzt ganz aufgenommen. Das Schloss atmet ihn. In allen Ritzen und Ecken hockt er. Seine Energie wird noch lange zu spüren sein. Er ist da, wo er gewesen. Das hier ist sein Anwesen. Das Kunstwerk ist vom Lebenswerk und der Künstler nicht vom Menschen zu trennen. Das stimmt zwar auch im Allgemeinen, aber auf aramis bezogen, stimmt es im ganz Besonderen.</p>
<p>Und das Werk selbst wird sich als Schatz erweisen. Nicht nur als Kunstschatz, sondern als Lebensschatz. „Jede Wiedergabe, Vervielfältigung und Verbreitung unserer Publikationen ist im Sinne der Bereicherung des allgemeinen geistigen Lebens erwünscht. Es gibt kein geistiges Eigentum. Es sei denn, als Diebstahl. Der Geist weht, wo er will. Jede Geschäftemacherei ist dabei auszuschließen. Wir danken den Toten und den Lebendigen für ihre Zuarbeit und arbeiten andrerseits nach Kräften zu.“ Sagt aramis. Sage ich auch.</p>
<p>aramis war ein aufmerksamer aber ganz eigener Mensch, empfindsam und emotional, er ließ sich von allerlei berühren und er berührte auch. Seine Haltung war keine Zurückhaltung. Seine Sicht war nicht die Vorsicht. Mich hat er ganz einfach zu sich zitiert, sehr freundlich, aber doch auch sehr bestimmt. Er wollte jemanden kennen lernen, der so verrückt ist wie er selbst. Er wollte das und ich folgte. Ich denke, es hat uns beiden gut getan, vor allem hat der gegenseitige Zuspruch einiges an Freude bereitet.</p>
<p>aramis hat gelebt, nicht nur exisiert. „Ich bin“ konnte da einer sagen, ohne dass dies eine Zumutung gewesen wäre. Individuen, die sind wir nicht, die müssen wir erst werden. Aber ein Stück weit sich vorwagen, wird man von allen verlangen dürfen. aramis hat sich weit vorgewagt, ja sein ganzes Leben bestand in diesem Wagnis, dieses sich selbst setzende Ich nicht nur zu propagieren, sondern auch zu praktizieren. Das ist oft schmerzhaft, auch für die anderen. Aber ohne diese Versuche sind wir Konfektionsware, abgeschmacktes Elend. Nicht nur elendig, sondern elendiglich.</p>
<p>Ich habe kaum jemanden in meinem Leben getroffen, dem ich ein stärkeres Ego bescheinigen würde als dem Linder Schlossherrn. Das hatte viele Vorzüge, aber auch einige Nachteile. Zu starke Gewissheit trägt den Keim der Verlorenheit: „mit dem meisten will ich gar nichts mehr zu tun haben“, schrieb er. So kam es schon vor, dass die Erbitterung über die Zustände umschlägt in eine Verbitterung gegenüber den Menschen. Die Erbitterung, die soll man teilen, die Verbitterung aber nicht. Hier bedroht und beschädigt sich die Ästhetik des Aufstands, der aramis sich leidenschaftlich hingegeben hat, auch immer selbst. aramis war sein Leben lang ein Aufständischer, nicht bloß ein Aufsässiger, einer, der wie alle wirklichen Aufständischen darunter leidet, dass es ihrer so wenige gibt. „mich werden sie nicht fangen“, behauptet er im Oktober 2008, „lasst euch nicht erwischen“.</p>
<p>Hand anlegen, das war seins. Er legte jedenfalls überall Hand an, auch an sich. Auf den Tod hat er nicht gewartet, er ist auf ihn zugegangen: „Hier bin ich, aramis.“</p>
<p>P.S. Details zu aramis Lebenswerk finden sich auf der <a href="http://www.schlosslind.at/">Homepage</a> von Schloss Lind.</p>
<p>P.P. S.: Mit Materialien (vor allem Katalogen) hat mich aramis reichlich bestückt. Diese sind aber nicht versendbar, wohl aber abholbar. Wer welche möchte, soll sich melden.</p>
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		<title>Ortsansässig?</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 10:56:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Emanzipation / Perspektive]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Streifzüge 2009-47]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Post from: <a href="http://www.streifzuege.org">Streifzüge</a>. <strong>Liebe Leute</strong>: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! <a href="http://www.streifzuege.org/call-for-marie">Löst uns aus! </a><br/><hr><br/<a href="http://www.streifzuege.org/2010/ortsansaessig">Ortsansässig?</a></p>
<p>Streifzüge 47/2009</p>
<p><em>von aramis</em> <span id="more-5619"></span></p>
<p>grundsätzlich gehe ich davon aus, dass land niemandem oder allen gehört. die geeignetsten menschen mögen es anvertraut bekommen und das für viele beste daraus machen. in meiner jugend gab es besetzungen von orten, häusern, die von ihren eigentümern nicht genützt, meist als spekulationsobjekte verwendet wurden. ich habe mich, abgesehen von solidaritätsaktionen mit den „landlosen“, hauslosen, anders verhalten – suchte nach grundstücken und häusern, die jahrzehntelang verlassen, dem verfall preisgegeben waren und schloss mit den eigentümern verträge in form von naturalpacht: freies wohnen und gestalten für eine gewisse zeit, nach ablauf derer ich grund und häuser in restauriertem zustand zurückgebe. burg linth, schloss lind mit kapelle, wirtschaftsgebäuden, obstgarten, wäldchen, weiden, teich und alten bäumen ist mein viertes projekt dieser art. dass alles unter ensembleschutz des bundesdenkmalamtes steht, kommt mir sehr entgegen, hindert es doch den eigentümer, dieses oder jenes gebäude einfach verschwinden zu lassen. durch diesen zugang wird arbeiten und leben zur einheit. das einfühlen in historische bauten und anlagen zur „bildung“: indem ich am bilden bin, bildet sich meine persönlichkeit heraus. </p>
<p>bei den orten meines lebens handelt es sich also immer um „temporäre“ heimaten. wer lebt, übe sich bei zeiten im abschiednehmen: der tod ist uns allen gewiss. un-heimlicher aber als abschied und tod ist mir stets ein „totes leben“, ein in gewohnheit, wohlstand, abgesichert-sein versandendes existieren erschienen. dem un-heimlichen dieser wohlstandsgesellschaften, von denen diese meine inseln umzingelt sind, deren kultur zersetzendes, fressendes technisches überformen immer größere teile der welt zur ortlosigkeit verdammt, gilt mein kampf: ich verteidige, solange es geht, oasen einer anderen kultur gegen die herrschende zivilisation, deren bewohner immer barbarischer und ferngelenkter werden. zu sehen wie sich dieser totalitäre formierungsprozess von menschen, orten und ganzen landschaften immer schneller bahn bricht, ist das un-heimlichste für mich. </p>
<p>die möglichkeiten historischer „substanz“ liegen für mich im er-innern. im gegensatz zu einer bildungsvorstellung, die nur mehr aus-, fort-, weiterbildung kennt und deren durch „lebenslanges lernen“ getriebene schüler immer mehr vom kopf und den wuchernden virtuellen anschlusswelten bestimmt werden, betrachte ich die arbeit mit dem ganzen körper als grundvoraussetzung von bildung. das leben und arbeiten in und mit historischen substanzen formt über die jahre persönlichkeiten, die sich gegen die abziehbilder des stets wechselnden zeitgeistes abheben: das ziel, „ein mensch“ zu werden, wird so nicht verloren. </p>
<p>musealisierung ist natürlich eine form von aus-dem-verkehr-ziehen. objekte, die in museen gesammelt sind, verlieren ihre politische brisanz. für mich gilt: politik ist nicht die frage, wer zu wählen sei, sondern wie zu leben sei. das „andere heimatmuseum“ (<em>des Autors aktuelles Projekt: www.schosslind.at – Anmerkung der Redaktion</em>) nimmt deswegen auch zu gesellschaftlichen vorgängen ausdrücklich stellung. gesellschaftskritische, d.h. die unterscheidungsfähigkeit zwischen guten und schlechten bzw. sinnvollen und unsinnigen veränderungen schulende interventionen mit den mitteln von gegenwartskunst sind politische eingriffe, zwischenrufe, widerstandsformen, halten alternativen in bewusstsein, versuchen „heimat“ zu ermöglichen. sind selbst eine art von heimat. </p>
<p>„wohnen, dämmern, lügen“, heißt ein band eines zeitgenössischen dichters nicht ohne grund. mein ganzes selbstständiges leben habe ich so etwas wie ein „wohnzimmer“ nicht eingerichtet. ich lebe mit meiner familie, den freunden und gästen in gehäusen, die in zimmer, säle, kabinette, galerien gegliedert sind und wo dies und jenes möglich ist und geschieht. die weihnachtsbäume wandern durchs haus und versammeln um sich die feiernden in verschiedenster umgebung. im sommer wohnt unsereins so viel als möglich draußen. da ist alles weit. im winter zieht man sich auf wenige räume zurück. lebt um die kachelöfen und herde herum. aber immer „wohnt“ man arbeitend am land: ob heu machend oder den schafen zutragend. ob holz schneidend und hackend oder im garten pflanzend, jätend, laub rechend. ob am gemäuer restaurierend, am hölzernen bundwerk, an den dächern: immer ist es ein leben auf der bau-stelle. immer ist für „gymnastik“ gesorgt, für ein „sportliches“ leben. bis der tod uns das werkzeug aus der hand windet und alles erneut zur disposition stellt.</p>
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