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Wertvolle Wissenschaft: Das Fortwesen von Marienthal

11 Jan 2018

Streifzüge 71/2017

von Peter Oberdammer

Mit der Schiksalsfrage des modernen Warensubjekts in der Überschrift („If you are overqualified for your role, are you causing more trouble for your firm than you are worth?“) informiert uns die BBC über ein aufsteigendes Forschungsfeld der Wirtschaftswissenschaften („perceived overqualification“) allgemein, und eine aktuelle Studie im Besonderen. Mit allerhand scheint sich die Verwertungswissenschaft allerdings nicht zu befassen:

+ Es fällt zwar auf, dass „many employers now use degrees as a standard entry requirement for roles that were traditionally done by non-graduates“ (BBC); dass dies logisch auf dem krisenbedingten Arbeitskräfteüberschuss und Qualifizierungswettlauf (Long live LLL!) beruht, scheint weniger zu interessieren. Auch nicht, dass die unternehmerische Idiotie, Uniabsolventen in allen möglichen Bereichen zu beschäftigen, wo keine gebraucht werden, nur eine Folge des Denkens in abstrakten Wertkategorien sein kann. Es ist eben value for money, einen „wertvollen“ Akademiker zu unakademischen Löhnen einkaufen zu können.

+ Nicht einmal die Aussage ihres Testimonials, „It was boring, it wasn’t challenging, and I wasn’t doing any meaningful work“ (BBC), lesen die Jünger der Verwertungswissenschaft zu Ende. Dass die Jagd nach dem abstrakten Wert, jede Arbeitskraftverausgabung letztlich „meaningless“, weil einem fetischistischen Zweck unterworfen, machen muss, gilt nicht nur für Akademiker, auch wenn letzteren die Schuppen besonders dröhnend von den Augen fallen mögen, wenn ihre ideologischen Schleier krisenbedingt zerschleißen. „Man arbeitet heute nicht mehr für eine Idee oder ein Produkt, sondern nur noch für die zahlenmäßigen Effekte, die sich daraus ergeben“, werden Manager in einer Untersuchung zu Burn-out (Broßmann) zitiert. Dies war natürlich immer so, kann nur immer weniger geleugnet werden, wenn die Jagd nach dem abstrakten Wert in ökologischen, sozialen und psychischen Ruinenlandschaften immer weniger Kollateralnutzen vorweisen kann.

Aber nein, ausgerechnet auf den Spuren von Marienthal wandeln sechs Unileute aus fünf Universitäten auf drei Kontinenten, wenn sie konstatieren, was die Überqualifizierten so unglücklich macht: die „underutilization of abilities and skills“, die als „deprivation, injustice and misfit“ empfunden würden, nicht etwa Entlohnungs- oder Statusunterschiede oder die kognitiven Dissonanzen infolge des Diensts am Warenfetisch. Entzugserscheinungen für Verwertungssüchtige bei Unterverwertung? Welch Unglück, seine „surplus job capacity“ beim Müßiggang vertrödeln zu müssen?

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