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The radical new same old shit

22 Dez 2016

Streifzüge 68/2016

2000 Zeichen abwärts von Ricky Trang

Angeblich weht ein frischer Wind im Vatikan. Aber oft ist ein Lüftchen auch nur das rektale Entweichen von Darmgasen. Jedenfalls hat Everybody’s Darling und Popstar Papst Franziskus am Sonntag, den 4.9.2016 Mutter Teresa heiliggesprochen. Nicht überraschend, wusste doch schon Helvetius: Wenn man ihre Heiligenlegenden liest, findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern.

Diesem illustren Kreis anzugehören war das Lebensziel der Anjezë Gonxha Bojaxhiu. Und wie sie selbst sagte, sind Taten der Nächstenliebe immer ein Mittel, um Gott näher zu kommen. Dabei ist materielle Hilfe für die Armen und Kranken weniger zuträglich als die Verbreitung des wahren katholischen Glaubens. So ist es nicht verwunderlich, dass, wenn es in ihren Einrichtungen keine schmerzstillenden Mittel gab, die Spritzen unter kaltem Wasser gereinigt wurden, die Ernährung weniger als mangelhaft war und die Elenden dort unter katastrophalen Zuständen dahinvegetierten, es nicht am fehlenden Geld lag. Dieses wird schon eine gottgefällige Verwendung gefunden haben, genaueres weiß jedoch nur dieser selbst.

Selbst gespendete Heime mit zeitgemäßer Ausstattung wurden sofort auf äußerste Schlichtheit und Armut rückrenoviert. Denn es ist etwas sehr Schönes, wenn man sieht, wie die Armen ihr Kreuz tragen. Wie die Passion Christi, ist ihr Leid ein großes Geschenk für die Welt. Dass alles nur eine Frage des Blickwinkels ist muss dem Guardian entgangen sein, als er die Sterbehospize eine organisierte Form unterlassener Hilfeleistung nannte.

Unbeirrt ging der Totenengel von Kalkutta seinen Weg, wissend, dass die Kirche, solange sie auf der Seite Gottes steht, nichts Falsches tun kann, bekennend, dass sie natürlich die Partei der Inquisition gegen Galileo ergriffen hätte, verkündend, dass die Abtreibung die größte Bedrohung des Weltfriedens ist, und überzeugt, dass dieser Weg sie schnurstracks in den heilen Stand des Heiligseins führen würde.

Und doch kann der ab diesem Moment heiligen Teresa von Kalkutta auf ihrer Wolke die subtile Kritik an ihrem Lebenswerk nicht entgangen sein, als der Revoluzzer Franziskus im Anschluss an die Heiligsprechung 1.500 Arme zur Pizza einlud.

 

2 Kommentare

 Kommentare

  1. 1 Cato meinte am 23. Dezember 2016, 10:48 Uhr

    Das beste Geschäft macht man immer mit der Dummheit der Menschen!
    Zusatz: Religion ist Opium fürs Volk(Karl Marx)

  2. 2 Charly meinte am 24. Dezember 2016, 14:35 Uhr

    @Cato
    „Religion ist Opium des Volkes.“ und nicht „für das Volk“. Hier liegt ein kleiner aber feiner Unterschied. Marx wollte nicht einfach nur darauf hinweisen, dass Religion quasi von Oben verschriebenes „Schmerzmittel“ für den leidenden Pöbel darstellt, sondern – dass der Monotheismus im besten Fall den legitimen Aufschrei der geknechteten und unterdrückten Kreatur darstellt. Es „kömmt“ aber freilich darauf an die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie auch zu verändern, sodass die Flucht in metaphysische Welten nicht mehr benötigt wird.

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