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Spielerische Kooperation

21 Dez 2015

2000 Zeichen abwärts von Martin Scheuringer

Streifzüge 65/2015

„Maus und Mystik“ ist ein hervorragendes Spiel! Es lässt mich in eine phantastische Welt eintauchen, ich bin in eine Maus verwandelt und kämpfe gemeinsam mit anderen Mäusen gegen Ratten. Die Charaktere können sich wandeln, und man muss die verschiedenen Fähigkeiten ständig aufeinander abstimmen. Wer macht was wann und wie? Nur so ist das Spiel zu schaffen. Würde einer sich profilieren wollen, scheitert die Gruppe. Das Mittel der Abstimmung ist nicht die Konkurrenz, sondern eine Kommunikation, die Umstände und Fähigkeiten in Betracht zieht. Ein solches Spiel ist ein Laboratorium zum Üben koordinierender, respektvoller Gespräche und eines bedachten Handelns in einer Gruppe.
Kein Spieler gewinnt oder verliert! Alle gewinnen oder alle verlieren. Das Fehlen der Dimension des vereinzelten Siegers ist kein Fehlen – es ist ein Gewinn an guter Atmosphäre und spürbarer Verbundenheit. Während und nach dem Spiel ist es schön, in Gemeinschaft zu sein, man hat seine Fähigkeiten eingebracht, über deren Einsatz miteinander verhandelt und die für die Gruppe in der Spielsituation beste Lösung gefunden. Jeder war anwesend und wurde gehört.
Bei UNO, Fuchs und Henne oder gar Mensch ärgere dich nicht muss ich emotional immer auf Wutausbrüche, Verzweiflung und fratzenhaftes Siegesgelächter eingehen – in mir und beim anderen. Ich spiele zwar mit Menschen, doch diese verbergen sich hinter einem konkurrenzistischen Regelsystem, das Täuschen, Tarnen und Tricksen nahelegt. Das ist sehr anstrengend. Und es entfernt uns voneinander und von uns selbst. Menschen werden in diametral entgegengesetzte Gefühlslagen gebracht, denn für diese Spiele gilt: des einen Freud ist des anderen Leid. Und nichts ist beschissener, als einander in 75 cm Abstand als Ursache und Folge emotionaler Diskrepanz gegenüberzusitzen. Muss ich solche Situationen künstlich erzeugen? Nein! Ich werde diese Spiele aus meinem Repertoire verbannen.

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